Erfahrungsberichte. USA Seite 1. Slowakei Seite 65. Dänemark Seite 66. Frankreich Seite 67. England Seite 69. Kanada Seite 70.

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1 Erfahrungsberichte von Schülern des Landkreises MOL, die in den Schuljahren 2001/02 bis 2012/13 durch ein Stipendium des Landkreises Märkisch-Oderland oder der Sparkasse Märkisch-Oderland ein Schuljahr im Ausland verbracht haben USA Seite 1 Slowakei Seite 65 Dänemark Seite 66 Frankreich Seite 67 England Seite 69 Kanada Seite 70 Irland Seite 71 Ecuador Seite 77 Niederlande Seite 79 Südafrika Seite 81 Russland Seite 84 Australien Seite 85 Seit 2001 haben 47 Schüler ein Stipendium durch den Landkreis Märkisch-Oderland erhalten. Auch die Sparkasse Märkisch-Oderland unterstützt Schüler bei Auslandsaufenthalten. Aus der Zusammenarbeit mit der Sparkasse resultieren auch Erfahrungsberichte in diesem Heft von Schülern, die ein Stipendium über diese Einrichtung erhielten.

2 1 USA One year in "The Giant Side of Texas" (2012/13 Organisation AIFS) So fing alles an: Nach Wochen langen warten habe ich eine von dem Veranstalter über meine Gastfamilie bekommen. Ich öffnete die und erhoffte mir einen Ort mit Strand und Palmen oder wenigstens einen Ort neben einer bekannten Stadt, wie Los Angeles, San Francisco, etc. Doch ich bekam eine Familie in Lubbock, Texas. Meine Begeisterung hielt sich erstmal in Grenzen, denn diese Gegend ist alles andere als grün, keine Bäume, Sandsturm und bei 40 Grad im Schatten wollte ich eigentlich auch nicht dort leben. Wie auch immer es war schließlich mein Traum seit dem ich klein war in den USA zu leben. Also entschied ich mich, es wenigstens einmal zu probieren. Fakten zu Lubbock: Mit rund Einwohnern ist Lubbock die elfgrößte Stadt von Texas. Außerdem hat Lubbock unter anderem die größten Baumwollfelder von den ganzen USA. Die niedrigste Temperatur liegt durchschnittlich bei -4 C und die höchste Temperatur bei 38 C. Daraus kann man schon ableiten, dass es eher eine trockene Gegend ist. Das Abenteuer beginnt: Am 21. August 2012, stand ich nun auf dem Flughafen und hatte eigentlich noch gar nicht so richtig realisiert, dass es in wenigen Minuten losgeht. Trotzdem fiel mir der Abschied schwer. Mein Flug startete von Berlin nach Frankfurt (am Main) und dann nach New York, wo wir für 4 Tage ein weiteres Vorbereitungstreffen hatten. Im Hotel erfolgte die Einteilung der Zimmer in Abhängigkeit von unserem Staat, wo wir hinkommen. Im meinem Zimmer waren dann noch zwei weitere Mädels, die nach Texas gehen und eine davon war Anna, sie kam sogar in die gleiche Stadt. Nach diesem Treffen ging es dann für mich und Anna weiter über Houston nach Lubbock. Während des Fluges erzählte sie mir total viel von ihrer Gastfamilie, wie sie aussieht und was sie schon geplant hatten. Ich war schon ein bisschen neidisch, denn von meiner Gastfamilie hatte ich noch gar nichts gehört. Der erste Eindruck: Angekommen am extrem kleinen Flughafen wurden wir dann mit Fahnen und Plakaten überrascht. Da ich noch nicht wirklich was von meiner Gastfamilie wusste, hatte ich auch keine Ahnung wer jetzt genau vor mir steht. Total euphorisch sind wir dann raus aus dem Flughafen und wurden von 45 C Hitze erschlagen. Am gleichen Tag haben wir dann noch eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und sind zur Schule gefahren um dort alle Formulare auszufüllen. Mein erster Eindruck: trotz Hitze und Trockenheit konnte ich es mir sehr gut vorstellen dort zu leben. Vielleicht lag es daran, dass Lubbock einfach so unterschiedlich ist als Deutschland Erster Schultag: Wenn ich Texas höre, denke ich immer an Cowboys, die mit ihren Pferden überall hin reiten. Das stimmte aber nur zum Teil, es gab Cowboys, die auch mit ihren normalen Cowboysachen zur Schule gingen, aber auf einem Pferd reiten sie nicht. Wie auch immer war der erste Schultag total aufregend. In meiner Schule gingen rund 3000 Schüler zur Schule, davon war ein großer Teil mexikanisch, wegen Mexico. Ein anderer großer Teil war schwarz, die anderen waren weiß, welche zu 89 % deutsche Wurzeln haben, weil irgendein Urur-urgroßvater in Deutschland geboren wurde. Und es stimmt die Schule sieht echt so bunt und groß aus, wie in den ganzen High School Movies. Als Erstes bin ich zu meinem persönlichen Berater gegangen, der auch meinen Stundenplan erstellt hatte. Viel mehr ist am ersten Schultag eigentlich nicht passiert. Zurück ging es dann mit dem typischen gelben Schulbus, der übrigens sehr kleine Sitze hat und im Winter war es recht kalt. Unterricht: Ich wurde ein Junior, das entspricht der 11.Klasse hier. In Deutschland hat man verschiedene Fächer und jeden Tag eine andere Anordnung. In Amerika ist das komplett anders, ich habe eine Liste bekommen mit ungefähr 70 verschiedenen Arten an Kursen und

3 konnte mir von der Liste acht Fächer auswählen. Diese acht Fächer hatte ich dann jeden einzelnen Tag. Wenn man die Klasse bzw. den Kurs nicht mochte, hatte man die Möglichkeit den Kurs zu wechseln. Sport: Um sich Fit zu halten gibt es viele Möglichkeiten. Die Schule bietet Sportarten für die Sommer- und Wintersaison an. Als die Schule anfing begann auch gleich die Wintersaison, also hatte ich mich für Basketball entschieden. Doch bevor ich dort mitmachen konnte, hatte ich so genannte Try Outs, da wirst du getestet, ob du gut genug bist. Diese Try Outs gingen eine Woche lang. Als die Sommersaison anfing, so ungefähr ab Februar, hatte ich mich für Track&Field entschieden, was hier der Leichtathletik entspricht. Allgemein ist der Sport in Amerika eines der wichtigsten Sachen, sodass der Schulsport verglichen werden kann mit dem Niveau einer Sportschule. Wie auch immer, wenn man Freunde kennengelernt hatte, dann meistens vom eigenen Sportteam, denn man verbringt so gut die meiste Schulzeit mit ihnen. Tagesablauf: Die Schule fing um 8.25 Uhr an und endete um Uhr und das galt für alle Schüler! Als die Basketballsaison anfing musste ich schon um 6.30 Uhr zum Basketballtraining in der Schule sein und nach dem Unterricht hatte ich noch einmal Training bis Uhr. Am Abend geht man dann mit der Familie zusammen Essen, da das Familienleben eine sehr große Rolle spielt. Aus diesem Grund bleibt leider auch keine Zeit, um Freunde zu treffen. Nach einigen Monaten trat bei mir die Normalität ein. Die Schule war so einfach wie noch nie, Basketballsaison war voll im laufen und wurde härter und härter. Essen: In Texas ist es üblich, dass man abends irgendwo Essen geht oder wenn man nicht das Haus verlassen wollte, hatte man eben zu Hause Abendbrot gegessen, was zu 90% ungesund war. Dadurch, dass Mexico das Nachbarland ist, ist das Essen dementsprechend mexikanisch (zum Beispiel gab es: quesadillas, tacos, tortillas, burritos und vieles mehr). Gastfamilie: Als ich die Info bekommen hatte, dass eine Gastfamilie sich für mich entschieden hatte, war ich natürlich voll aufgeregt und habe sie auch gleich angeschrieben. Doch sie antworteten nie und das gab mir schon ein schlechtes Gewissen, ob es die richtige Familie für mich sei. Nichtsdestotrotz ließ ich mich auf diese Erfahrung ein und wurde enttäuscht. Nach ein paar Wochen kamen die ersten Probleme! Anna's Gastmutter war die Mutter von meiner Gastmutter also hatten wir auch alle Aktivitäten zusammen unternommen. Anna und mir viel es dann immer schwieriger nicht Deutsch zu sprechen. Wir hatten uns geeinigt, wenn wir in der Gegenwart von anderen Personen waren, reden wir Englisch. Doch unsere Gastmütter fanden es überhaupt nicht gut, dass wir überhaupt Deutsch sprachen, deshalb hatten wir später eine erste Krisensitzung. Danach dachte ich, dass jetzt alles besser werden würde, aber es kamen immer mehr und mehr Probleme zusammen. Mein Endschluss nach den ersten zwei Monaten stand fest, ich wollte die Gastfamilie wechseln. Die gleichen Probleme hatte auch Anna, also hatten wir uns mit Kim (unsere Betreuerin vor Ort) getroffen und darüber gesprochen. Am gleichen Tag hatte sie dann noch alle wichtigen Papiere zu der Organisation gesendet und gehofft, dass wir wechseln dürfen. Aber wenige Tage später kam dann die Antwort, dass unsere Probleme keine schlimmen Probleme sind und man sie noch ändern kann. Kim unterhielt sich mit der Gastfamilie und sie meine dann zu uns, dass wir es noch mal probieren sollten. Nach diesem ganzen Drama wurde es ein wenig besser und dann wieder schlechter. Da ich nicht wechseln konnte, musste ich mich entscheiden, ob ich nach Hause fliege oder dort bleibe. Ich blieb natürlich dort und wie durch ein Wunder, hatte sich meine Gastfamilie entschieden umzuziehen, und zwar nach Dallas. Da ich unbedingt auf der Schule bleiben wollte, musste für mich jetzt eine neue Gastfamilie gesucht werden. Am Ende hatte mein Basketball Coach und seine Frau sich entschieden mich aufzunehmen. Ich wechselte kurz nach Weihnachten und von dort an ging es nur noch Berg auf. Es war eine sehr junge Familie, was ich vorteilhafter fand, da sie echt alles Mögliche mit mir unternahmen! Im Allgemeinen kann ich sagen, dass ein Familienwechsel meistens die bessere Entscheidung ist und man nie enttäuscht wird. 2

4 Meine Gastfamilie und ich, wir haben uns so gut verstanden, dass wir immer noch Kontakt haben. Sie wollen im nächsten Jahr (in den Ferien) zu mir kommen und Deutschland kennen lernen. Ich werde ihnen Deutschland zeigen, so wie sie mir Texas. Sprache: Am ersten Tag war die Verständigung noch relativ schwierig, da die Amis oder vor allem die Texaner einen sehr undeutlichen Akzent haben. Nach den ersten Wochen konnte ich schon alles verstehen und nach zwei Monaten sprach ich schon fließend Englisch. In den restlichen Monaten habe ich mir automatisch das fachliche Englisch angeeignet und spätestens nach einem halben Jahr hatte man gar keine Probleme mehr. Um nicht so aufzufallen konzentrierte ich mich auf den texanischen Slang. Die Texaner meinten: Hätte ich nicht den deutschen Akzent, dann würde es nicht auffallen, dass ich eigentlich Deutsch als Muttersprache spreche. Um einfach noch besser Englisch zu sprechen, hatte ich angefangen englische Bücher zu lesen. Zu Hause angekommen fiel mir das Deutsch sprechen relativ schwer, so dass ich mit meinen Freunden nur Englisch sprach. Cowboys, Sandstürme und 45 C Texas: Aus irgendeinem Grund wird Texas immer so negative beschrieben. Wenn man mal Texas oberflächlich betrachtet sind die ganzen großen Städte, wie San Antonio, Austin, Dallas oder Houston total schön, sehr grün und auch nicht so heiß wie man eigentlich von Texas erwartet. Außerdem ist Texas der zweitgrößte Staat in den USA, der nicht nur aus sehr viel Landschaft besteht, sondern auch viele Sehenswürdigkeiten bietet. Es gibt natürlich auch die trockenen Seiten von Texas, so wie man es aus Filmen kennt. In so einer Gegend ist es viel interessanter zu sehen wie die einheimischen Menschen dort leben, anstatt nach Florida zu gehen, wo schon jeder zweite seinen Urlaub verbracht hatte und nur Touristen leben. In Filmen wird immer gezeigt, dass Cowboys in Texas auf ihrem Pferd durch die Gegend reiten. Doch das stimmt nur zum Teil. Es gibt immer noch Cowboys, die dann auf der Farm leben und dort rumreiten. Außerdem tragen sie auch ihre Cowboysachen überall wo sie hingehen und das stört niemanden, denn man ist in Texas. Doch durch die Stadt reiten sieht man leider keinen mehr, stattdessen wurden die Pferde durch einen Chevy Truck ersetzt letzter Schultag: Der letzte Schultag war einerseits sehr lustig, weil jeder so froh war endlich Ferien zu haben und anderseits sehr traurig, weil man die ganzen Leute nie wieder sehen würde. Deshalb kann ich nur empfehlen, ein Jahrbuch zu holen und einfach jeden darin unterschreiben zu lassen, damit man wenigstens noch eine kleine Erinnerung hat. Letzter Tag in Texas: Erst dann wird einem klar, dass man jetzt 10 Monate nicht zu Hause war. Man blickt nochmal zurück und kann gar nicht begreifen, wie schnell die 10 Monate um sind. Trotz Schwierigkeiten war es ein unvergessliches Jahr. Und der Abschied von allem, besonders von der Gastfamilie fiel sehr schwer. Was ich nur empfehlen kann, ist ein Tagebuch zu schreiben. Gerade in den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass man nur noch so stückweise sich an alles erinnert und wenn man ein Tagebuch geschrieben hat und erneut darin liest, hat man das Gefühl noch einmal dagewesen zu sein. Dankeschön: Ein großes Dankeschön geht an das Schulamt von MOL für das Teilstipendium. Man braucht im Durchschnitt $ 300 im Monat und ohne das Stipendium hätte ich nicht die Dinge machen können, die es einfach nur in Amerika zu machen gibt. Ein weiteres Dankeschön geht an meine Familie sowie an meine Gastfamilie, die mir immer beistanden. 3

5 Zusammenfassung: So eine Chance ins Ausland zu gehen, dort ein Jahr zur Schule zu gehen, bekommt man nur einmal im Leben. An alle, die noch unsicher sind, ob sich das überhaupt lohnt oder Angst haben dort hinzukommen, wo echt nichts los ist, kann ich eigentlich nur sagen: es lohnt sich auf jeden Fall und meiner Meinung nach ist es viel interessanter dort hinzugehen, wo noch nie jemand war, als dort hinzugehen wo schon jeder zweite Tourist seinen Urlaub verbracht hatte!! Durch dieses Jahr kann ich nicht nur besser Englisch sprechen, sondern bin auch selbstbewusster geworden, was für mein späteres Leben sehr wichtig sein wird. Ich kann nur sagen, es war ein unvergessliches Jahr in Amerika und ich würde es jeder Zeit wieder machen. Ich werde außerdem so oft wie möglich zurück fliegen und vielleicht entscheide ich mich nach dem Abitur dort zu studieren. Maria 4 Ein Jahr in Washington State, USA ( Organisation AYUSA) Nach monatelangen Warten startete meine Reise am Flughafen Tegel mit dem Aufbruch in ein neues Leben. Ziel war Washington State, der regenreichste Bundesstaat der USA. Ich hatte gespaltene Gefühle zwischen Abschiedsschmerz und Vorfreude. Obwohl ich nie zuvor geflogen war und ich nicht wusste wer und was mich dort erwarten würde, überwog die Abenteuerlust. Nach einem neunstündigen Flug erreichte ich New York und wurde passenderweise von der Statue of liberty begrüßt. Weitere fünf Stunden Wartezeit und sechs Stunden Flug kam ich völlig erschöpft in Portland an der Westküste an. Dort erwartet mich meine Gastmutter Natalie, eine alleinlebende Frau, mit meiner Betreuerin und Rosalie, ihrer deutschen Austauschschülerin. Dass Natalie nur eine Welcome family für mich war, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Mit Natalie fuhr ich weitere zwei Stunden, bis wir die typische Westenküstenkleinstadt Chehalis erreichten, in der sie lebte. Am nächsten Tag ging es gleich wieder zum Flughafen um meine brasilianische Gastschwester Bela abzuholen. Natalie war anfangs sehr freundlich und wir lebten uns schnell bei ihr ein. Mit Bela (1 Jahr jünger als ich) habe ich mich von Anfang an sehr gut verstanden und in kürzester Zeit war sie eine richtige kleine Schwester für mich. In Chehalis besuchte ich die W.F. West Highschool. Am ersten Schultag war ich froh das ich zumindest Bela schon kannte und nicht vollkommen allein war. Ich wählte in meinem ersten Semester Fächer wie Drafting (technisches Zeichnen), US history, American literatur, photography, graphic designe und geometry. Es ist weit verbreitet das öffentliche amerikanische Highschools kein hohes Lernniveau haben. Ich kann das bestätigen. Nach anfänglichen Sprachproblemen stellte die Schule für mich so gut wie keine Schwierigkeiten dar. Schwieriger war es wirkliche Freunde zu finden. Die meisten Schüler wirkten recht freundlich, auch wenn sie wenig Interesse zeigten und nur wenige den Mut hatten die fremde Deutsche anzusprechen. So verbrachte ich die ersten Wochen nur mit meiner Gastschwester und weiteren Austauschschülern der Schule. Ich begann zu zweifeln, ob das Ganze so eine gute Idee war. Nach etwa vier Wochen fand ich die ersten richtigen Freunde bei einem Football Game. Nach und nach verbesserte sich auch mein Englisch und ich brachte nur noch sehr gute Leistungen in der Schule. Schon nach kurzer Zeit wurde die Beziehung von Bela und mir zu unserer Gastmutter zunehmend schlechter. Natalie begann sich vor uns zurückzuziehen und wir sahen sie nur noch selten. Wir suchten Hilfe bei den Regionalvertretern unserer Organisation Ayusa, welche sich aber nicht im Geringsten um uns kümmerten. Nach etwa drei Monaten gab Natalie Bela und mich für andere Gastfamilien frei, da sie uns aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen nicht mehr behalten konnte. Da Bela und ich unbedingt zusammenbleiben wollten und wir die Familie unserer gemeinsamen Freundin Lizzie schon gut kannten, konnten wir es einrichten bei ihnen zu leben.

6 5 Sie waren eine großartige und liebevolle Gastfamilie, die es sichtlich genoss uns ihr Land, ihre Sitten und Bräuche zu zeigen. Meine Gastmutter Kathy und ihr Mann Arlie haben zwei gemeinsame Töchter von denen nur noch die Jüngste (17 Jahre alt) zu Hause lebt. Aus einer früheren Ehe hat Kathy noch zwei weitere Töchter und zwei Söhne, welche oft mit ihren Kindern zu besuch kamen. Für mich als Einzelkind war das Großfamilienleben etwas vollkommen Neues und hat mich sehr bereichert. Auch neu war es für mich in einem Haushalt mit zwei Hunden und vier Katzen zu leben, was ich jedoch schätzen und lieben lernte. Wir gingen oft wandern, sie zeigten uns die Umgebung und schlossen uns in das Familienleben ein. Da Kathy eine begabte Köchin ist, hatte ich oft Gelegenheit die amerikanische Küche zu genießen, wobei mexikanische Gerichte auf dem Speiseplan vorherrschten. Wir verbrachten drei Tage in Seattle und besichtigten die Space Needle und andere Sehenswürdigkeiten. Wir machten Ausflüge in die eindrucksvolle, steppenartige Landschaft auf der östlichen Seite der Cascade Range oder nach Oregon. Im Januar bin ich mit meiner Gastfamilie dem regnerischen, kalten Wetter in Washington entflohen und habe zehn Tage Urlaub auf Hawaii gemacht. Dort besichtigte ich Pearl Harbor, konnte mit Seeschildkröten schwimmen und lernte surfen am berühmten Waikiki beach. An Feiertagen wie Thanksgiving oder Weihnachten ist die ganze Familie zusammen gekommen und es wurden ausgiebig Truthahn und andere typisch amerikanische Gerichte verzehrt. Anlässlich des Independence Day waren wir für ein paar Tage Campen und haben am Lagerfeuer S`mores (Marchmellows mit Schokolade und Keksen) gemacht. Zehn Monate später und zurück in Deutschland kann ich sagen, dass sich das Auslandsjahr gelohnt hat und meine beste bisherige Entscheidung war. Es ist eine Bereicherung für mein Leben. Ich sammelte viele neue Eindrücke, welche mir für immer in Erinnerung bleiben werden. Ich habe eine tolle Familie kennengelernt und neue Freunde gewonnen. Nicht nur meine Englischkenntnisse haben sich enorm verbessert. Die gemachten Erfahrungen haben meine Toleranz, mein Selbstbewusstsein und meine Selbstständigkeit gestärkt. Im Großen und Ganzen bin ich reifer und erwachsener geworden. An diesem Punkt möchte ich mich nochmals beim Landkreis Märkisch-Oderland für die finanzielle Unterstützung bedanken und wünsche auch allen zukünftigen Auslandsschülern viel Glück und ein spannendes Jahr. Anna Sweet Home Alabama...? (2011/12 Organisation travelworks)) Kaum vorstellbar, dass ich vor genau einem Jahr einen Monat Schule in Amerika hinter mir hatte. Wow. Angefangen hatte alles eigentlich ziemlich gut. Ich hatte meine Familie sehr knapp (2 Tage) vor meinem Flugtermin bekommen, und daher nicht viel Zeit mich zu entscheiden. Die Familie kam mir nahezu perfekt vor. Ich hatte eine Gastschwester in meinem Alter, ihre Mom war so genauso alt wie meine, und hatte sogar einen ähnlichen Job. Der Vater genauso. Ziemlich gruselig. Das einzige Problem was es zur der Zeit gab, war dass ich auf eine Privatschule musste, da die anderen Schulen in der Umgebung keine Austauschschüler annehmen wollten. Das Problem war bloß, das die Schule natürlich extra kostete. 5000$ mussten meine Eltern für das Schuljahr noch drauf zahlen. Doch da ich zu viel Angst hatte doch keine Familie abzubekommen, sagte ich einfach zu und hoffte das Beste. Tja, zu früh gefreut. In Amerika angekommen, hatte ich als Erstes eine Woche in NYC vor mir. Meine Organisation hat uns dort noch zusätzliche Tipps zum Thema Kulturschock und dem Leben in unserer Gastfamilie gegeben. Es war wirklich schön, einerseits wegen der Stadt, und andererseits weil man dort mit vielen anderen Austauschschülern zusammen war, und sich über vieles austauschen konnte.

7 Eine Woche später ging dann also endlich mein Flug weiter nach Huntsville, Alabama. Ich musste zum Glück nicht allein fliegen, da Huntsville anscheinend zu Hause von vielen gastfreundlichen Familien ist, was also bedeutete, dass man als Austauschschüler dort wohl nicht wirklich etwas Besonderes war. Meine Gastfamilie hatte leider noch nicht viel Erfahrung mit Austauschschülern gehabt, wie ich später feststellen musste. Nach einem Wochenende mit Jet Lag, musste ich leider auch schon sofort zur Schule. Und, naja, ein bisschen entsetzt war ich schon. Es stellte sich heraus, dass meine Schule eine sehr christliche Schule war. Es gab Bibelunterricht, eine Kapelle, und ich durfte sogar eine halbe Stunde pro Tag nach der 2. Stunde beten gehen. Aber mir so etwas zu erzählen erschien meiner Organisation wohl eher unwichtig, nachdem ich in meine Bewerbung ausdrücklich ATHEIST geschrieben habe. Und um die Sache noch abzurunden, gab es auf die insgesamt 440 Schüler ( Klasse) 5 Austauschschüler, die auch nicht weiter beachtet wurden, da es dort eigentlich jedes Jahr vor allem deutsche Austauschschüler gab. Nachdem ich an dieser, wohl nicht so ganz perfekten Schule, keine guten Start hatte, kamen auch immer mehr Probleme mit meiner Gastfamilie dazu. Sie selber waren streng religiös, hatten aber soweit ich dachte keine Probleme mit meinem Glauben. Doch nachdem ich mich über meine Schule beschwert hatte, fing meine Gastschwester an, mich immer mehr zu ignorieren. Ich stellte sie zur Rede, und fragte sie ob ich etwas falsch gemacht hätte, und sie antwortete, sie verstehe nicht, wie ich nicht an Jesus glauben könnte. Da ich also ihren Glauben nicht teilen konnte, war ich für sie nur noch wie ein lästiger Ausschlag. Na super. Als dann auch noch meine Gastmutter anfing mich nur noch anzuschreien, und ich nur noch mit meinem Gastvater normal reden konnte, bekam ich langsam Zweifel, ob es eine gute Idee war, das ganze Jahr bei dieser Familie zu bleiben. Ich kontaktierte also meine Agentur, wobei ich sagen muss, ich hatte natürlich einen Lokal Koordinator, welcher aber zu meinem Glück mit meiner Gastfamilie befreundet war, und fragte ob es möglich sei die Familie zu wechseln. Wir hatten viele Telefonkonferenzen, unter anderem mit meiner Gastfamilie, und meine Organisation entschied, dass die Gründe, die ich genannt habe, ja kein Grund wären zu wechseln. Es hieß also, ich solle mich gefälligst besser anpassen, und nicht wegen jedem kleinen Problem die Agentur mit reinziehen. Nachdem es aber leider nicht besser wurde, hatte meine Gastfamilie auch irgendwann keine Lust mehr, und wollten eine neue Gastfamilie für mich. Und tatsächlich, innerhalb von 2 Tagen musste ich packen und zu einem anderen Lokal Koordinator und seiner Familie ziehen. Von da an, ging es endlich wieder bergauf. Meine neue Familie, die schon so viel Erfahrung mit Austauschschülern hatte wie keine andere in Huntsville, nahm mich auf wie ihre eigene Tochter. Und ich fühlte mich endlich wieder willkommen. Da wir so viele Austauschschüler in dieser Region waren, und mein neuer Gastvater so was wie der Chefkoordinator war, haben wir fast jeden Monat, mit allen Austauschschüler etwas unternommen. Wir gingen bowlen, haben Trips in andere Staaten gemacht, und vieles mehr. Ich fand das echt gut, vor allem weil ich dadurch jetzt immer noch Kontakt zu meinen Freunden, nicht nur aus Alabama, sondern auch aus Ägypten, Spanien, Georgien und vielen anderen Ländern habe. Und ich habe auch viele verschiedene Kulturen kennengelernt, nicht nur die amerikanische. Also, alles in allem war das mein Bestes Jahr meines Lebens. Ich meine natürlich, es gab auch so viele schöne Sachen (ich durfte zum Beispiel mit meiner Gastfamilie Weihnachten in Walt Disney World verbringen), aber, ich habe das Gefühl, ich bin ein perfektes Beispiel dafür, dass solche Auslandsjahre auch nach hinten losgehen können. Jessica 6 Mein Aufenthalt in den USA (2011/12 Organisation YFU)

8 Bevor ich nach Amerika gehen konnte musste ich eine einwöchige Vorbereitungstagung meiner Organisation absolvieren. Dafür bin ich in einer größeren Gruppe auf ein Landschloss mit allem drum und dran gefahren. Dort habe ich dann mit ungefähr 30 anderen Schülern an kleineren Seminaren, in kleinen Gruppen teilgenommen Diese sollten uns auf das Jahr in Amerika vorbereiten. Die Seminare wurden von Jugendlichen geleitet, die schon mal im Ausland waren. Durch diese Veranstaltung hatte ich die Möglichkeit, schon im Vorfeld viele Freunde zu finden. Auf dem Flug in die USA wurden wir dann auch noch von Betreuern begleitet und hatten keine Probleme bei der Anreise. Es wurde alles sehr ausführlich erklärt und man wurde gut vorbereitet. Am 4. August 2011 landete ich in den USA. Mein Flugzeug hatte mehr als 3 Stunden Verspätung in Chicago. Mein Gastvater wartete die ganze Zeit auf mich. Nicht nur, dass das Flugzeug sich verspätet hatte, auch mussten wir meinen Koffer suchen, da er nicht auf dem Laufband war. Nachdem wir dann im Haus meines Gastvaters angekommen waren, war ich so müde, dass ich nicht einmal richtig das Essen genießen konnte. Die ersten Tage waren sehr anstrengend, da er mir alles zeigen musste. Mein Gastvater hatte seine eigene Vorstellung von Ordnung, wie ich das Geschirr sauber machen oder wo ich es hin packen soll und natürlich hat er mir auch ein wenig die Umgebung gezeigt. Jeden Abend kochte er für uns oder bestellte eine Pizza. In meiner Nachbarschaft gab es ein Clubhouse mit einem Hot top und einem Pool. Da es noch Sommer war und ich noch 4 Wochen Zeit hatte, bevor die Schule anfangen würde, verbrachte ich viel Zeit in diesem Pool. Eine Woche später gingen wir zur Schule, um mich registrieren zu lassen. Da hier in Amerika die Schulen eng mit Sport verbunden sind, musste ich mich sehr früh entscheiden, was ich machen will. Ich konnte mich entscheiden zwischen American Football oder Fußball. Am Ende habe ich mich für American Football entschieden, das heißt, ich musste jeden Tag zum Training gehen. Da ich in Deutschland Fußball gespielt hatte, war ich sehr gut im Kicking und wurde der Kicker. Ich war zuständig für die Fieldgoals nach einem Touchdown. Sie haben mich Das Booth genannt. Das war aber auch nicht die einzige Position, ich trainierte auch Wide Reciever. Am 1. September war dann mein erster amerikanischer Schultag. Es war nicht das Schlimmste, da ich schon viele Leute aus dem Football - Team kannte. Jeder in der Schule war sehr freundlich zu mir und hat mir geholfen, wenn ich Hilfe brauchte. In Amerika habe ich versucht die normalen Fächer zu wählen, da ich ja die 10. Klasse überspringen wollte. So hatte ich Mathe, Englisch, Französisch, Biologie, Kunst und Geschichte. Ich wollte so viele Fächer wie möglich abdecken, aber in dem 2. Semester habe ich dann von Geschichte zu Kochen gewechselt. Dieses Fach machte mir sehr viel Spaß. Mein Tipp ist, wenn du nicht in der Position bist, dass du zum Überspringen einer Klasse bestimmte Fächer wählen musst, dann informiere dich gut, was es für Fächer gibt dort an deiner Schule, denn High-Schools bieten viele coole Fächer an. Da kannst du dich richtig ausprobieren und was Neues versuchen, wie zum Beispiel statt Französisch, Spanisch zu nehmen. Zur Not kannst du das Fach immer noch wechseln. Das Wichtigste ist, in solch einem Jahr, so viel Spaß wie möglich zu haben und für neue Sachen offen zu sein. Ich hatte nicht viele Hausaufgaben, aber nach der Schule musste ich jeden Tag zum Training, so war ich dann erst am späten Abend zuhause, wo ein schönes Essen auf mich wartete. Die Zeit verging sehr schnell, da war auch schon der Home Coming Dance. Es ist ein sehr großer Schulball, an dem alle Schüler teilnehmen können. Entweder man hat ein Date oder man geht in einer großen Gruppe. Ich bin mit einer Gruppe gegangen. Bevor wir uns dann auf den Weg machten, haben wir einige Fotos geschossen und etwas gegessen. Es war ein sehr lustiger Abend. Die Woche davor war eine Themenwoche. Jeden Tag musste jede Jahrgangstufe etwas Bestimmtes tragen und dann am Freitag kam es zu einem der wichtigsten Footballspiele in der Saison, dem Homecoming Game, bei dem niemand verlieren will. Trotz all dieser Feierlichkeiten musste man immer noch für Tests lernen und gute Leistungen in der Schule ablegen. 7

9 8 Gleichzeitig hatte ich ein paar Probleme mit meinem Gastvater, welche dann zu einem Familienwechsel führten. Es hatte nicht wirklich funktioniert zwischen ihm und mir. Ich habe dann aus persönlichen Gründen gewechselt. Auch beim Familienwechsel gab es keine Probleme mit meiner Organisation. Es ist alles sehr schnell von statten gegangen, was mich sehr freute. Ich hatte Glück, dass mich ein sehr guter Freund aufnahm. Nach dem Wechsel habe ich viel mehr unternommen, da mich mein Freund Jake zu seinen Freunden mitgenommen hatte. Es wurde eine sehr schöne Zeit. Wir sind zusammen mit Freunden essen gegangen und auch mit seiner Familie, spielten Football in einem Park oder Basketball in der Einfahrt. Nachdem die Footballsaison vorbei war, habe ich mich entschieden dem Wrestling - Team beizutreten. Dies war sehr aufregend. Es besteht aus hartem Training, jeden Tag. Es dauerte nicht lange, da hatte ich schon mein erstes Match, das war ein sehr cooles Gefühl auf der Matte zu stehen, unglaublich. Am Ende der Saison habe ich abgeschlossen mit 12-6 und ich bin Conference Champion geworden. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Auch war ich mit dem Team auf einer großen Reise nach Louisiana wo wir an einem Turnier teilgenommen haben. Danach besuchten wir ein sehr großes Footballspiel und es war ein einzigartiges Gefühl dort im Stadium zu sitzen und das Team anzufeuern. Weihnachten habe ich mit der Familie zu Hause verbracht. Die Familie hatte sich sehr viel Mühe gemacht mit den Geschenken, sie waren sehr schön. Wir konnten aber nichts wirklich machen, da sie alle arbeiten mussten. Das neue Jahr habe ich mit Familie und Freunden gefeiert. Es gab einmal ein verlängertes Wochenende an dem meine Gastfamilie mit mir in die Dells fuhr. Da sie ein größeres Apartment gemietet hatten durften Jake und ich Freunde mitnehmen. Die meiste Zeit haben wir in dem Wasserpark und in den Spielhallen verbracht. Der Abschied war mir dann am Ende sehr schwer gefallen. Manuel Mein Abenteuer in den USA Wisconsin (2010/11 Organisation Eurovacances) Ich konnte nicht glauben, meine Familie für so eine lange Zeit nicht zu sehen. Der Abschied fiel mir sehr schwer, aber ich wusste, dass es sich lohnen wird. Die kommenden zehn Monate, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ohne Eltern, sollten mein größtes Abenteuer werden. In Milwaukee, Wisconsin gelandet, traf ich sofort auf meine zukünftige Gastfamilie. Meine Gasteltern und meine zwei Jahre jüngere Gastschwester zeigten mir ihr wundervolles Haus und ich hab mich am Anfang super wohl gefühlt. In den letzten Wochen der Ferien habe ich nicht wirklich viel unternommen und mich dann auch sehr schnell gelangweilt. Als dann endlich die Schule anfing, sollte alles besser werden denn hier findet man schließlich am schnellsten neue Freunde, nur irgendwie stellte sich das als sehr schwierig heraus, da ich keine feste Klasse hatte, sondern immer andere Schüler traf und kennenlernte. Schüler die man zuvor im Unterricht kennengelernte, ignorierten einen plötzlich und alles sah danach aus, als wenn ich mich dort nie einleben würde. Natürlich gab es auch Ausnahmen und ich fand ein paar Mädchen mit denen ich zum Lunch und zu vielen Football Games ging. Brianna und Erin gehörten zu meinen besten Freunden und wir verbrachten viel Zeit mit einander. Die Schule stellte so gut wie keine Schwierigkeiten dar und somit kann auch ich bestätigen, dass die amerikanische High School kein hohes Lernniveau hat. Die Unterrichtsthemen sind nicht umfangreich und die Tests regen auch nicht zum Nachdenken an, da man in vielen Fächern auf einem A4-Zettel Notizen und Informationen schreiben darf. Das Schuljahr war in vollem Gange und dazu gehörten auch die Football Games an jedem Freitagabend. Die halbe Schule kam, um unsere Mannschaft anzufeuern. Es war unglaublich, zu sehen wie viel Zusammenhalt dort herrscht.

10 Anfang Oktober freute sich jeder auf die Homecoming Week, das Homecoming Football Game und den darauf folgenden Homecoming Dance. Es ist zu vergleichen mit dem Abi Ball in Deutschland, allerdings finden solche Bälle bis zu vier Mal im Jahr statt und fast jede Jahrgangstufe kann dort hingehen. Dort traf ich auf Mike. Ich hatte ihn vorher bei einem Football Game kennen gelernt und verstand mich von Anfang an sehr gut mit ihm. Es war ein super Abend mit Freunden. Es wurde allmählich Herbst und ich fand mich immer häufiger alleine zuhause. Deshalb verbrachten Mike und ich viel Zeit miteinander und er wurde mein bester Freund. Meine Gastfamilie war so gut wie nie da und ich hab mich nicht wie ein Familienmitglied gefühlt. Auch mein Geburtstag war relativ langweilig. Ich war es von Zuhause gewöhnt, dass mir meine Familie einen schönen Tag machen möchte, aber meine Gastschwester hatte meinen Geburtstag vergessen und meine Gasteltern waren auch an diesem Tag erst sehr spät zuhause. Allerdings hatten meine Freunde in der Schule meinen Locker sehr schön geschmückt und ich hatte mich riesig darüber gefreut. Ich suchte später Trost bei einer Betreuerin und erzählte ihr, dass die Familienzugehörigkeit nicht vorhanden war und ich mich oft sehr alleine gelassen fühlte. Sie konnte mich verstehen und sagte, dass einem Familienwechsel nichts im Wege stehe. Es wäre aber sehr hilfreich, wenn ich versuche eine Gastfamilie zu finden. Ich versuchte es bei meiner besten Freundin Erin. Sie war total begeistert von der Idee. Also zog ich innerhalb einer Woche bei ihr und ihrer Familie ein. Ich hatte nun eine Gastschwester, zwei ältere Gastbrüder die auf dem College waren und meine Gasteltern. Ich hatte eine sehr schöne Zeit mit meiner Gastfamilie, doch zum Ende meines Aufenthaltes hatte ich einige Schwierigkeiten mit meiner Gastschwester und unser Verhältnis hat darunter sehr gelitten. Wir waren vorher zwar sehr gute Freunde, jedoch hat sich herausgestellt, dass wir nicht die gleichen Interessen hatten und auf den jeweils anderen nur noch genervt reagierten. Nichts desto trotz bereue ich den Familienwechsel nicht. Im Januar fuhr ich mit Brianna und ihrer Familie in den Winterurlaub nach Michigan. Es war noch kälter als in Wisconsin und das Ski fahren wurde zu einer echten Herausforderung. Wir hatten aber trotz der kalten Temperaturen (-30 C) eine super Zeit und sehr viel Spaß. Kurz danach begann das neue Semester und ich fing an Track und Field zu machen (Leichtathletik). Es war unglaublich wie viel Zeit und Energie jeder investierte. Jeden Tag trainierten wir für mindestens zwei Stunden und selbst in den Ferien hieß es um 7 Uhr morgens auf dem Sportlatz zu erscheinen. Mein Aufenthalt neigte sich dem Ende zu. Es war Ende April und ich verbrachte Ostern in South Dakota mit meiner Organisation und 90 anderen Austauschschülern aus der ganzen Welt. Dort traf ich dann auf Georg. Er war ein Freund aus Deutschland und wir beide konnten es nicht glauben als wir uns sahen. Da fliegt man acht Stunden über den Atlantischen Ozean und dann trifft man mitten in den USA einen Freund aus Deutschland. Wir erzählten viel über unseren Aufenthalt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und stellten fest, dass sich unsere Erfahrungen ähnelten. Es gab viele gute und schlechte Momente, doch die Guten überwogen und werden uns ein Leben lang prägen. Von da an verging die Zeit wie im Fluge. Meine Freunde und ich verbrachten viel Zeit zusammen und genossen den Sommer. Die letzten Tests wurden geschrieben und jeder freute sich auf die bevorstehenden Sommerferien. Doch bevor es soweit war, durfte ich endlich zum Flughafen fahren und meine Mama abholen. Sie kam für zwei Wochen nach Wisconsin um meine Familie und Freunde kennenzulernen. Zusammen flogen wir für vier Tage nach New York und ich war einfach nur glücklich nicht mehr auf mich allein gestellt zu sein. Der letzte Tag meines Abenteuers war gekommen und ich verabschiedete mich von meinen Freunden. Es fiel mir sehr schwer, mein neues Leben einfach so zurückzulassen, aber natürlich war die Vorfreude auf meine Familie in Deutschland viel größer. Trotz der vielen Probleme und Niederlagen die mich das Jahr über begleitet haben, bereue ich mein Auslandsjahr in keinster Weise. Es hat mir meine Grenzen gezeigt und mir bewiesen, dass ich auch alleine Schwierigkeiten meistern kann, auch wenn es manchmal aussichtslos 9

11 erschien. Es war die bisher prägendste Zeit meines Lebens und ich werde mein Abenteuer nie vergessen. Aufgrund des 12-jährigen Abiturs muss ich die elfte Klasse wiederholen. Anfangs hat mich das sehr geärgert, doch mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Ich habe mich sehr schnell und problemlos in Deutschland wieder eingelebt. Meine Familie und Freunde waren mir sofort wieder vertraut und auch die Schule fällt mir zum Glück leichter als erwartet. Ich denke, dass ich mich in vielerlei Hinsicht verändert habe. Zum einen habe ich eine komplett andere Kultur und Gesellschaftsform kennengelernt und zum anderen habe ich viel über mich selbst gelernt. Meine Denkweise ist sehr viel tiefgründiger geworden, es fällt mir leichter auf fremde Menschen zuzugehen und ich habe gelernt, mir selbst treu zu bleiben. Außerdem steht für mich fest, dass das nicht mein letzter Auslandsaufenthalt war. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, für ein Jahr andere faszinierende Länder dieser Welt zu bereisen und später vielleicht im Ausland zu arbeiten. Meine Organisation hat mich vor, während und nach meiner Reise sehr gut in Form von Einzelgesprächen, Gruppengesprächen, einem Vorbereitungsseminar in Deutschland und einem Vorbereitungsseminar in Chicago betreut. Während meines Aufenthaltes hat sich meine Betreuerin jeden Monat mit meinen Gasteltern und mir in Verbindung gesetzt und sich erkundigt, wie es mir geht. Auch nach dem Auslandsjahr hatte ich die Möglichkeit an diversen Veranstaltungen teilzunehmen, um mich dort mit anderen Ehemaligen auszutauschen. Ich kann die Organisation definitiv weiterempfehlen. Ich wünsche dir viel Erfolg auf deiner Reise und hoffe, dass es für dich auch ein unvergessliches Abenteuer wird. Wenn es einmal sehr schwer werden sollte, dann trau dich und sprich mit deiner Familie darüber. Kommunikation ist das Wichtigste während dieser Zeit. Alles Gute und viel Glück! Maxi 10 Meine Erfahrungen in den USA (2009/10 - Organisation AIFS) Ich habe mich bereits in der 9. Klasse mit dem Gedanken beschäftigt ein Highschooljahr in den USA zu verbringen und deshalb probehalber von meiner Schule aus an einem einwöchigen Schüleraustausch mit einer holländischen Partnerschule teilgenommen. Mir hat die Erfahrung gefallen, die ich dabei gesammelt hatte, und so habe ich mich dann in der 10. Klasse ausführlich über einen Schüleraustausch informiert. Ich wusste, dass es, wenn überhaupt, die USA sein sollten, da ich seit ich klein war schon immer mal in die USA wollte. Im Fernsehen sind die USA täglich präsentiert und in Filmen wird einem suggeriert wie toll das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und zugleich auch noch das Land der krassen Gegensätze sei. Mich faszinierte, dass dort Armut und Luxus ebenso aufeinander treffen wie Ballungsgebiete, mit ihren erdrückenden Bergen aus Stahl, Glas und Beton, die gähnenden Weiten des mittleren Westens und der unberührten Natur, wie der Grand Canyon oder die Rocky Mountains, in den ländlichen Gegenden. Zudem haben bereits einige meiner Schulfreunde die Schule im Ausland für eine gewisse Zeit besucht, meistens 3 Monate, ein halbes oder ein ganzes Schuljahr. Sie haben mir geholfen, eine Entscheidung zu treffen und nach langen, ausführlichen und echt anstrengenden Vorbereitungen bin ich dann im August schon auf dem Weg in die USA gewesen. Ich hatte richtig Bammel, dass die Entscheidung doch vielleicht nicht die richtige gewesen sein könnte für eine so lange Zeit in das Ausland zu gehen. Zum einen würde ich viel in der deutschen Schule verpassen und meine Freundin, meine Familie und meine Freunde für eine sehr lange Zeit nicht mehr sehen. Nun saß ich aber schon im Flugzeug und jetzt gab es auch kein zurück mehr. Es war alles aufregend und ich konnte gar nicht richtig glauben, dass ich für so eine lange Zeit in den USA, weg von zu Hause, sein würde. Ich habe an einer Orientierung in New York von meiner Austauschorganisation teilgenommen, bei der mir und den anderen Austauschschülern gesagt wurde, worauf wir während unseres Austausches zu achten haben.

12 Wir sind in New York City unterwegs gewesen, waren im Hard Rock Cafe und auf dem Top of the Rock. Dann ging es weiter nach Seattle, wo mich meine Gastfamilie abholen sollte, aber anstatt meiner Gastfamilie war mein Local Cordinator da, bei dem ich die nächsten Tage mit um die zehn anderen Austauschschülern in seiner viel zu kleinen und schmutzigen Wohnung wohnte, bis mich dann meine Gastfamilie abgeholte. Meine Gasteltern waren über 50 und hatten zwei Töchter, 23 und 15 Jahre alt. Die ältere war nur selten zu Hause und die jüngere war total verzogen und unfreundlich. Des Weiteren hatten sie zwei Hunde, die nicht stubenrein waren. Da noch Ferien waren und ich dort noch keinen kannte, bin ich immer alleine unterwegs gewesen oder habe meiner Gastfamilie geholfen irgendwelche Dinge zu erledigen. Die Gasteltern nahmen sich keine Zeit für mich, obwohl sie zumindest anfangs noch nett waren. Sie war eigentlich nur meine Willkommensfamilie, die mich für ein paar Wochen aufnehmen sollte, bis meine Austauschorganisation eine andere Gastfamilie gefunden hätte. Aber nachdem ich da fleißig mitgeholfen habe einen um die 50 Meter langen Graben für eine Wasserleitung zu buddeln, bei dem ich mir mit Spitzhacke und Motorsäge weiterhelfen musste, weil so viele, große Steine und Wurzeln waren eigentlich habe ich das fast alleine gemacht und meine Gasteltern haben in der Zeit irgendetwas anderes mit Verwandten und Bekannten gemacht haben sie meinen Local Cordinator angerufen und meinten, dass die mich behalten würden. Zu meinen Aufgaben bei denen haben Geschirr abwaschen, Müll raus bringen, mit den Hunden raus gehen und andere Sachen gehört. Später habe ich bei ihnen auch noch Fliesen gelegt, ein Apartment gestrichen und einen Berg Müll und alte Fenster bei einer Mülldeponie entsorgt. Eigentlich sollte ich auf eine recht gute Schule nahe meines Wohnortes gehen, wie mir meine deutsche Austauschorganisation mitgeteilt hatte. Doch der Seattle School District war der Meinung davon nichts zu wissen und hatte mich mit der Begründung, dass sie keinen weiteren Austauschschüler in dieser Schule aufnehmen können, zur rund 32 km entfernten Highschool in Rainior Beach geschickt, in einer Schule wo 98% Schwarze waren, ich womöglich der einzige Weiße gewesen wäre und ich täglich vier Stunden mit dem Bus unterwegs gewesen wäre, nur um zur Schule und wieder zurück zu kommen. Noch dazu war die Schule mitten in einem Ganggebiet, was meiner Gastmutter so gar nicht passte. Die einzig gute Aktion, die sie gestartet hatte war, dass sie ein paar Anrufe getätigt hatte, dass ich auf eine andere Highschool zur Schule gehen könnte. Am ersten Schultag konnte ich mich dann doch noch auf einer anderen Schule einschreiben lassen, die zwar lange nicht so gut war wie die Schule wo ich eigentlich hin sollte, aber nicht so schlecht war wie die Schule im Ganggebiet. Ich habe da auch ein paar Freunde gefunden, die mir später gut über die Runden geholfen haben. Ich habe mich an der Schule beim Wrestling und beim Schwimmen versucht. Meistens bin ich aber joggen gegangen. Die Schule war im Verglich mit einem deutschen Gymnasium viel einfacher. Man konnte sich aber auch schwere Fächer wählen, bei denen man echt viele Hausaufgaben aufbekam. Viele meiner Freunde haben den ganzen Tag lang nur Hausaufgaben gemacht, weswegen sie häufig keine Zeit hatten, irgendwas zu machen. Es hatte aber auch häufig gereicht, erst in der Schule damit anzufangen und man hat trotzdem sein A bekommen, wenn man einen leichten Kurs hatte. Ich habe auch sehr oft bis spät abends Hausaufgaben gemacht und bin darüber eingeschlafen. Wenn man sich mit niemandem austauschen kann, ist es verdammt schwer. Meine Gasteltern waren totale Scrabblefanatiker und haben jeden Tag Scrabble gespielt und waren auch ein paar mal in der Woche auswärts spielen. So haben wir nie wirklich etwas zusammen gemacht, außer es hieß ich sollte ihnen irgendwo arbeiten helfen und auch da habe ich meistens alles alleine machen müssen. Gemeinsame Mahlzeiten gab es so gut wie nie, auch nicht an den Wochenenden. Meine Gasteltern waren auch so drauf, dass sie mir verboten hatten von ihren Lebensmitteln zu nehmen, ein paar Stullen zum Frühstück und zum Abendbrot und ein Glas Milch war in Ordnung, aber nicht mehr. So bin ich immer irgendwo hingefahren und habe mir da etwas zu 11

13 essen geholt. Manchmal hatte meine Gastmutter aber auch etwas zubereitet und dann war es nicht genießbar. Sie hatte mir auch verboten, den Computer zu benutzen und ist sogar so weit gegangen, dass sie mir verboten hat, mit meiner Freundin, meiner Familie und meinen Freunden in Deutschland auf irgendeiner Weise zu kommunizieren. Im zweiten und dritten Monat ging es mir richtig schlecht und ich wollte nur noch zurück. Zwischendurch habe ich mich zwar nach vielen Gesprächen mit meiner Mutter wieder etwas erholt und mir vorgenommen, dass ich schon durchhalten werde, da die schwerste Eingewöhnungsphase nun vorbei war, aber es ging dann soweit, dass ich nicht mehr schlafen konnte und jede Nacht wach lag. In der Schule konnte ich mich nicht konzentrieren, konnte keine Hausaufgaben mehr machen und hatte immer Angst, dass ich bei meiner Gastfamilie etwas falsch mache. Als meine Mutter das erfahren hat, kümmerte sie sich sofort bei der Austauschorganisation in Deutschland um einen möglichst kurzfristigen Rückflug und somit die Beendigung meines Aufenthaltes in Amerika. Sie meinte auch, dass ich trotzdem für die verbleibende Zeit die Gastfamilie wechseln sollte, damit ich nicht nur negative Erfahrungen mitnehme. Das war auch gut so. Ich habe mit meinem Local Cordinator gesprochen, dass ich meine Gastfamilie wechseln wollte und zurück nach Hause möchte und er meinte nur, dass er mir zwar helfen würde und hinter mir stände, er aber keine andere Gastfamilie haben würde und auch nicht wisse wo er eine her kriegen solle. Selbst, als ich ihm gesagt hatte, dass ich schon eine habe, meinte er, dass es mindestens noch zwei Wochen dauern würde, bis er anfangen könnte, die Familie und ihre Hintergründe zu kontrollieren und selbst dann würde es ewig dauern, bis die ganze Sache über den Tisch wäre. Eine Schulfreundin hatte mich zu sich und ihrer Familie über Thanks Giving nach Portland eingeladen, als ich ihr erzählt hatte, wie meine Gastfamilie drauf war. Da waren alle richtig nett und die ganze Familie war richtig gut drauf. Über diese Familie hatte ich auch meine zweite Gastfamilie kennen gelernt, welche vor 13 Jahren aus Deutschland in die USA immigrierten. Sie haben mich mit offenen Armen empfangen und als ich meiner alten Gastmutter sagte, dass ich morgen ausziehen würde, meinte sie nur zu mir: Schade, dass es für dich nicht geklappt hatte! Sie hatte mich noch gefragt, warum ich umziehen würde und als ich ihr meine Gründe nannte, wie zum Beispiel, dass sie sich rein gar nicht für mich interessiert hatten und dass sie mir den Kontakt mit meiner Familie unterbunden hatten und ich nichts von denen zu Essen nehmen durfte und ihr weitere Gründe aufzählte, hatte sie nur alles abgestritten, als ob ich blöd wäre und mir den ganzen Mist nur ausdenken würde. Meine neue Gastfamilie hatte einen 13-jährigen Sohn, mit dem ich fast täglich was unternommen hatte und auch mit meiner Gastfamilie habe ich in den letzten drei Wochen meines USA-Aufenthalts mehr unternommen, als in den guten 3 Monaten mit meiner ersten Gastfamilie. Ich bin unter anderem zum ersten mal Langlaufski gefahren und da mein neuer Gastvater Architekt war, habe ich ihn einen Tag auf der Arbeit besucht und mir alles angeguckt, was man so als Architekt zu tun hat, da ich selber mit dem Gedanken gespielt habe, Architekt zu werden. Mein Local Cordinator und die amerikanische Partnerorganisation meiner deutschen Austauschorganisation AIFS hatten noch Stress gemacht und meinten, dass ich nicht einfach umziehen könne, obwohl alles mit meiner deutschen Austauschorganisation abgesprochen war. Mein Cordinator wollte sich eigentlich mit meiner neuen Gastmutter treffen, doch als er nicht auftauchte, erreichte sie nur eine , in der er schrieb, dass er es vergessen hätte. Ich bin auch nicht der einzige gewesen, der sich mit dem rumschlagen musste. Eine andere deutsche Austauschschülerin und Freundin von mir hatte auch ihre Familie gewechselt und auch Probleme mit ihm gehabt, genauso wie andere Austauschschüler, er meinte - glaube ich - etwas von sechs Personen, die umgezogen sind. Er hat viele Ausflüge mit den Schülern gemacht, welche allerdings total überteuert waren, weswegen ich nur zur Hälfte der Ausflüge konnte. Aber wenn es wirklich drauf ankam, konnte man keine Hilfe von ihm erwarten. Er wollte 12

14 mich auch noch zum Flughafen bringen und sich bei mir melden, was er auch nicht gemacht hatte. In den letzten drei Wochen habe ich gemerkt wie unterschiedlich so ein Austausch verlaufen kann, wenn man in einer guten oder weniger guten Gastfamilie unterkommt. Mein Flug ging dann am von Seattle nach Berlin. Zurück bei meiner Freundin und bei meiner Familie. Meine Freundin war natürlich auch ein Grund, warum ich unbedingt wieder nach Hause wollte und es war die Hölle über vier Monate von ihr getrennt zu sein. Für mich war es mit Abstand das schönste Geschenk, das ich bekommen konnte: an Weihnachten wieder zu Hause bei meiner Familie zu sein. Mein Fazit ist: Man sollte nur einen Austausch machen, wenn man sich wirklich zu 100% sicher ist, was man macht und es mit ganzem Herzen durchziehen soll. Wenn du dir nicht sicher bist, ob es richtig ist, dann lass es bleiben! Und wenn du eine Freundin hast, dann kann ich dir nur sagen, dass es sehr schwer wird. Oliver 13 Mein Schuljahr in Henryville - USA (2008/09 Organisation GIVE) Ich verbrachte mein Austauschjahr in Henryville, Indiana (USA), welches mir hauptsächlich durch ein Vollstipendium des Landkreises Märkisch-Oderland ermöglicht wurde, wofür ich mich hiermit noch einmal rechtherzlich bedanken möchte. Den ersten Monat meines Jahres verbrachte ich in Illinois, wo ein Vorbereitungscamp stattfand, welches wirklich sehr viel Spaß machte, zudem wurden wir gut auf unser großes Abenteuer vorbereitet. Ende August flog ich dann nach Indiana, wo mein Austauschjahr ja erst so richtig beginnen sollte. Bei meiner ersten Gastfamilie gab es Probleme, die mich dazu brachten, die Familie zu wechseln. Ich habe monatelang versucht, mich dort einzuleben, doch es wurde mir schwer gemacht, unter anderem dadurch, dass ich wirklich keinen Draht zu meiner Gastschwester hatte. Wir haben selten etwas unternommen, da wir überhaupt keine gemeinsamen Interessen hatten, bis auf eine. Zusammen haben wir jeden Sonntag freiwillig in einem Animal Rehab Center gearbeitet, und uns um die Säuberung von Tigerkäfigen, die Fütterung von kleineren Raubkatzen und das Wohlergehen zweier Tigerbabies und einem Löwenbaby gekümmert. Das war immer mein Highlight, das, was mein Herz für kurze Zeit hat aufgehen lassen. Des Weiteren kam ich nicht mit dem Zustand im Haus zurecht. Der Teppich war voller Hundehaare, welche auch sehr oft im Essen zu finden waren, im Inneren des Kühlschrankes sah es nicht sehr ansprechend aus, was sich nicht auf das Essen bezieht, und das Haus an sich war total separiert von allem. Außer Bäumen gab es dort nicht viel. Ich war wirklich sehr unglücklich in dieser Zeit, doch habe mir immer selber eingeredet, dass es schon besser werden würde, doch insgeheim wusste ich, dass es nie dazu kommen wird. Ich hatte keine hohen Ansprüche oder Erwartungen gehabt, daran lag es nicht, ich habe mich dort einfach nur nicht wohlgefühlt. Anfang Januar setzte ich mich dann mit meiner Gastmutter zusammen und schüttete mein Herz aus. Was ich als Antwort bekam? Nun, ich durfte mir Dinge anhören wie "Lügnerin", "du bist nicht reif genug", "du hast nie versucht dich anzupassen", und vieles mehr. Natürlich ging mein Wunsch, die Familie zu wechseln sofort zu meiner Organisation durch. Aber die haben sich überhaupt nicht darum gekümmert, wie es mir bei der ganzen Sache ging, es war immer nur die Familie, die ja so verletzt war. Auf meine Betreuerin hätte ich auch gut verzichten können, sie nahm immer nur die Familie in Schutz. Sie fragte mich sogar, ob ich psychische Probleme hätte und schon einmal daran gedacht hätte, mir Hilfe zu suchen. Lachhaft. Am Ende war ich dann das böse Mädchen. Mir wurde eine Woche gegeben, um mir eine neue Familie zu suchen, der Druck wuchs von Tag zu Tag mehr, da meine Organisation auch nach einer Möglichkeit Ausschau hielt, es mich aber in die Weite der ganzen Vereinigten

15 Staaten hätte verschlagen können, oder zurück nach Deutschland. Ich hatte eigentlich schon eine Familie gehabt, mit dieser war ich über die Winterferien in Florida, doch genau dann hat der Sohn Mist gebaut und wurde verhaftet, wodurch diese Familie dann gestrichen war für mich. In dieser Woche habe ich so viele Menschen in meiner Schule gefragt, ob sie nicht ein Zuhause für mich hätten. Ich hatte dort sehr viele Freunde und war beliebt, aber durch die wirtschaftliche Situation war es sehr schwer, denn viele hatten mit dem Geld zu kämpfen. Oft wurde mir Hoffnung gemacht, doch nicht lange und diese Hoffnung auf ein schönes Ende des Austauschjahres wurde wieder durch Absagen zerstört. Die Zeit verging so schnell, bis zum letzten Tag suchte ich vergebens. Als ich dann wieder Cheerleading Training hatte, unterhielt ich mich mit einer guten Freundin namens Megan. Ich erzählte ihr von meinem Kummer, sie wollte ihre Eltern fragen, ob ich bei ihnen wohnen könne. Große Hoffnungen habe ich mir nicht mehr gemacht, nach allem. Trotzdem war dies meine allerletzte Chance. Ich hatte Glück und wurde eingeladen, zuhause bei ihnen vorbeizukommen. Mit ihren Eltern habe ich mich von Anfang an gut verstanden. So gut, dass ihr Vater sofort in die Küche ging und die Bewerbung ausfüllte. So glücklich war ich seit dem Vorbereitungscamp nicht mehr gewesen. Es dauerte zwar noch ein wenig, doch letztendlich zog ich bei ihnen ein. Durch diesen Umzug hat sich dann alles geändert. Ich war wieder fröhlich, was sich natürlich auch positiv auf meine Freundschaften ausgewirkt hat. Bei dieser Familie ging es mir so gut, ich hatte zwei supertolle Gasteltern, eine sehr liebe Gastoma, eine Schwester, mit der ich mir das Zimmer teilte, und zwei jüngere Brüder. Mit allen habe ich mich verstanden, sogar mir den beiden Hunden. Ich bin dieser Familie wirklich sehr dankbar für alles. Im Haushalt musste natürlich mitgeholfen werden, Geschirrspüler ausräumen, Bad putzen, Zimmer sauber halten und die eigene Wäsche waschen. An den Wochenenden habe ich oft mit meiner Schwester etwas unternommen, mit meiner Gastmutter, oder mit allen zusammen. Zweimal ging mein Gastpapa mit uns zu einem Pferderennen, das ist wirklich spannender als wie ich zuerst dachte. Mit den Gray's fuhr ich dann auch noch einmal für ein paar Tage nach Florida, wir wohnten dort in einem sehr edlen Haus und ließen es uns einfach gut gehen. In meiner Schule, die sich Henryville Junior/Senior High School nennt, wurde ich sehr gut aufgenommen. Ich hatte das Glück, in der zwölften Klasse zu sein, womit ich Graduation, Senior Trip und andere tolle Sachen miterleben durfte. Die Fächerauswahl war kaum zu vergleichen mit der in Deutschland, ich wählte Kurse wie Nutrition/Wellness, Sociology, Art Advanced, French AP, US History, Child Development und English 11. Der Unterricht gestaltet sich dort ganz anders, bei Tests kriegte man meistens nur Multiple Choice fragen zum ankreuzen, oder das Buch durfte benutzt werden. Natürlich war die Bücherbenutzung nicht in allen Fächern gestattet, aber es wurde den Schülern immer sehr leicht gemacht. Die Klassenstufen waren meist gemischt in einem Kurs zu finden. Wenn mal nichts zu tun war, aber auch selbst wenn, legten sich viele Schüler mit dem Kopf auf den Tisch und schliefen, oder hörten Musik. Ich tat es auch irgendwann, es gab ja sowieso meist nichts zu tun :). Freunde hatte ich viele, mit den engsten stehe ich natürlich noch in Kontakt. Am Anfang war es bei mir so, dass viele neugierig waren und mir Fragen stellten, welche manchmal nicht ganz ohne waren. Da fragten doch glatt einige Schüler, ob die Mauer noch stünde, Hitler noch lebe, oder ich Deutsch spreche. Von Zeit zu Zeit verfestigten sich die Freundschaften natürlich, ich war bei vielen sehr beliebt und bekannt als "German Jo". Meine Gemeinde war wirklich sehr freundlich und offen gegenüber anderen, was mir den Einstieg und im Allgemeinen das Leben dort ein wenig leichter machte. Auch mit den Lehrern habe ich mich gut verstanden, ich hatte mit ihnen ein viel engeres und freundschaftliches Verhältnis als wie mit meinen Lehrern in Deutschland. Viele standen mir bei der Suche, und auch allgemein während des Jahres mit Rat und Tat zur Seite, was mir sehr geholfen hat. Sprachliche Barrieren gab es nicht wirklich, natürlich war da mal das ein oder andere Wort das ich nicht verstand, aber im allgemeinen kam ich jedoch sehr gut zurecht. Wenn ich den Anfang und das Ende des Austauschjahres miteinander vergleiche, hat sich mein Englisch wirklich um einiges verbessert. Die Regeln an meiner Schule waren sehr streng, fand ich. Zum Beispiel durfte man laut "Dress Code" keine Shirts ohne Ärmel, keine kurzen Hosen und keine Röcke tragen, die nicht knielang 14

16 waren. Des Weiteren war es untersagt, schrille Haarfarben und Piercings zu haben. Da ich selber ein Piercing besitze, bin ich manchmal in kleine Schwierigkeiten geraten wenn ich mal vergessen habe, es rauszunehmen. Da war dann eine Stunde Nachsitzen angesagt. Schüler brauchten sogar eine Genehmigung, einen sogenannten "Hall Pass", um auf die Toilette zu gehen oder um anderweitig das Klassenzimmer zu verlassen. An bestimmten Tagen, bzw. Wochen, durften manche der vielen Regeln gebrochen werden. Mal hieß es "Back to the 80's", oder "Twin Day", an diesen besonderen Tagen dann durfte man sich passend zum Thema verkleiden. In der sogenannten "Spirit Week", wo jeder Tag ein anderes Thema hat, wurden fleißig Punkte für die Jahrgangsstufe gesammelt. Wir Seniors haben gewonnen, wodurch wir eine Pizza Party spendiert bekamen. Außerschulische Highlights in dem Jahr waren unter anderem die Feier- und Festtage. Miterleben durfte ich Halloween, Weihnachten, den Valentinstag und Ostern, was jedesmal ein Erlebnis war. Gar nicht mal so sehr durch den Tag an sich, aber durch das drum herum. Es wurde dekoriert und umgestaltet was das Zeug hielt, auch in den Läden wurde mit nichts zurückgehalten. Ich fand diesen ganzen Trubel sehr aufregend, zwar manchmal etwas übertrieben aber so war es nun mal. Sobald ein Event vorbei war, wurden schon wieder die Kisten für das nächste ausgepackt. Einfach nur Irre, mit welchem Elan die Amerikaner ihre Häuser und Gärten, und eben alles was zum Schmücken geeignet war, dekorierten. Ein weiteres Highlight war der alljährliche "Senior Trip" unserer Schule, welcher uns im März nach New York und Washington D.C. führte. Ich werde ihn nie vergessen, denn wir hatten so viel Spaß und konnten so einiges erleben, wie zum Beispiel den Ausblick auf New York vom Empire State Building oder den Anblick auf das Weiße Haus. Wo ich schon beim Weißen Haus bin, die Wahl des neuen Präsidenten war wirklich spannend. Ich fand diese Zeit sehr aufregend, vor allen Dingen auch weil ich so viele gespaltene Meinungen zu hören bekam. Ein weiteres Erlebnis war die 5-tägige Reise nach California, welche einfach traumhaft war. Ich hätte mir nie im Leben diesen Staat so wunderschön vorgestellt. Natürlich bekam ich nicht die ganze Vielfalt zu sehen, doch ich erlebte so einiges. Highlights waren Hollywood, die Universal Studios, Disneyland und Los Angeles und San Francisco. Einfach traumhaft, wenn ich könnte würde ich natürlich sofort wieder hinfliegen, denn California ist wirklich eine Reise wert. Des Weiteren durfte ich als Senior die Graduation miterleben. Es war wirklich sehr feierlich, ich mochte den Moment als alle ganz stolz ihre Kappen in die Luft warfen. Auch ich als ausländischer Schüler bekam ein Diploma, welches sehr edel aussieht. Als zukünftiger Austauschschüler sollte man wirklich nicht allzu viel Gepäck mitnehmen, denn dort gibt es so viele schöne Dinge zu kaufen, meist auch viel billiger als hier in Deutschland. Ich habe auch kräftig zugeschlagen und musste zwischendurch mehrere Pakete nach Hause schicken. Meist kosteten sie mich rund 60 Dollar. Natürlich sollte man der Gastfamilie auch mal etwas Schönes kaufen oder sie zum Essen einladen, denn schließlich wird man von ihnen ja (hoffentlich) gut aufgenommen. Wenn es Probleme gibt, nicht alles in sich hineinfressen. Es ist wirklich besser sich Ansprechpartner zu holen, selbst wenn es vielleicht nicht gerade der eigene Betreuer ist. Es ist wichtig, sich wirklich nicht unterkriegen zu lassen, sondern offen und ehrlich seine Meinung zu sagen, aber natürlich nicht so, dass es jemanden verletzt, denn besonders die Amerikaner können ganz schön gekränkt sein. Im Allgemeinen sollte man lieber aufpassen, nicht einfach etwas zu sagen, dass gegen die Vereinigten Staaten geht, denn sonst kann man sich schnell "Feinde" machen. Die Amerikaner sind wirklich sehr stolz auf ihr Land und zeigen dies auch offen und oft. Auf der einen Seite ist das wirklich beeindruckend, auf der anderen wurde ich jedoch auch nachdenklich, besonders wenn ich Sprüche hörte wie "God bless America". Da fragte ich mich wirklich, wo der Rest der Welt bleibt. Zum Thema Glauben wird sicher einiges anfallen. In Deutschland bin ich vorher nie in die Kirche gegangen, in den USA jedoch habe ich es geliebt, zumal die Kirchen dort nicht vergleichbar sind zu dem, was ich vorher gesehen hab. Ich ging mit meiner Gastschwester Megan und ihrem Freund Billy jeden Sonntag zur "Northside Christian Church", welche von außen nicht einmal annähernd aussah wie eine Kirche. Von innen sah sie aus wie ein großer Theatersaal. Das Programm war wirklich toll und auch sehr lustig, es bestand nicht nur aus 15

17 Beten, es wurde christliche Rockmusik live gespielt, was wirklich sehr toll war. Auf großen Monitoren wurde alles wie im Fernsehen gezeigt. Es gibt in den Staaten wirklich vieles zu Entdecken, mir kam vieles am Anfang so überwältigend und groß vor. Letztendlich war ich schon so daran gewöhnt, dass mir nach der Heimkehr in Deutschland vieles winzig vorkam. Durch meine deutsche Austauschorganisation bin ich ziemlich gut auf das große Abenteuer vorbereitet worden. Ich habe in Abständen viel Infomaterial bekommen, es wurde zudem auch ein Vorbereitungsseminar durchgeführt, welches jedoch kostete. Meine Familie und Freunde unterstützten mich bei der Vorbereitung sehr, alle waren neugierig und stellten schon vorab viele Fragen. Im Allgemeinen bin ich von beiden Partnerorganisationen wirklich enttäuscht, muss ich sagen. Das klingt jetzt sehr negativ und wahrscheinlich auch ein wenig abschreckend, ich weiß ja nun nicht wie es bei anderen Organisationen ist, aber trotzdem sollte das euch niemals davon abhalten, euren Traum vom Austauschjahr zu verwirklichen! Falls ihr ein ähnliches Problem haben werdet wie ich, kann ich euch echt nur raten, das Ding trotz allem durchzuziehen! Mag es noch so schwer sein, aufgeben dürft ihr niemals, denn schließlich ist das euer Jahr, das ihr allein zu etwas ganz besonderem machen werdet. Es ist eine Bereicherung fürs Leben, nicht nur durch die sprachlichen Kenntnisse, sondern auch durch die persönliche Entwicklung und die Erfahrungen, die euch sicherlich zum Vorteil sein werden. Josephine 16 Mein Jahr in Amerika (Nevada) (2007/08 Organisation EF) Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich den Brief bekam, in dem mir meine Gastfamilie bekannt gemacht wurde. Es stellte sich heraus, dass meine Gasteltern sehr jung waren. Meine Gastmutter war gerade 36 und mein Gastvater 40 Jahre alt. Sie hatten 2 Kinder namens Orey und Tryston. Orey war nur ein Jahr jünger als ich, also 15, und Tryston war 12. Zuerst war ich geschockt das ich 2 Brüder haben würde, weil ich ja normalerweise Einzelkind bin, aber es stellte sich heraus dass das alles kein Problem war. Danach begann ich meiner Familie s zuschreiben, sodass ich mehr über sie in Erfahrung bringen konnte. Schon der Flug nach Amerika erwies sich als nicht einfach. In Frankfurt (am Main) verpasste ich beinnahe meinen Flug, da ich noch nie auf so einem großen Flughafen gewesen bin und daher nicht wusste, dass es Züge zu den einzelnen Terminals gibt. Leider war ich die einzigste Austauschschülerin auf meinem Flug. Als ich dann endlich in Las Vegas ankam, war ich überglücklich und erschöpft. Meine Gastfamilie empfing mich sofort am Ausgang. Sie waren sehr nett und hilfsbereit auch, wenn ich sie in den ersten paar Tagen kaum verstehen konnte. Da ich erst um 22 Uhr ankam, konnte ich leider nicht mehr viel von meiner Umgebung wahrnehmen. Als ich am nächsten Morgen erwachte, waren es geschlagene 45 Grad Celsius im Schatten. Am Anfang traute ich mich kaum mit meiner Familie zu reden, da ich einige Sprachprobleme hatte, aber nach einer Weile wurde es immer besser und ich gewann immer mehr Vertrauen zu ihnen. Nach meiner ersten Nacht traute ich mich kaum aus meinem Zimmer zu kommen, immerhin befanden sich hinter meiner Zimmertür Leute die ich nicht kannte, die nun aber meine Familie sein sollten. Es stellte sich heraus, dass ich nun in einem Dorf mit ca Einwohnern lebte. Gleich in der ersten Woche nahmen mich meine Gasteltern mit zur Kirche, wo ich neue Bekanntschaften machen konnte. Schon nach einigen Wochen hatte ich sehr gute

18 Freunde gefunden, die auch versuchten mich überall mit hinzunehmen und mich vielen Leuten vorzustellen. Nach einer Woche begann dann für mich die Schule. Meine Schule war die einzigste Oberschule in unserer Stadt und wir waren ca. 600 Schüler, darunter auch viele Mexikaner und Hawaiianer. Ich belegte unter anderem Fächer wie Physik, Algebra, Politik und Geschichte. Die Auswahl dieser Fächer machte es mir möglich hier in Deutschland die 11. Klasse zu überspringen. In Amerika besuchte ich die 11. Jahrgangsstufe, war aber hauptsächlich in Kursen der 12. Ich änderte jedoch meine Englischklasse nach einigen Wochen, da sich meine Erste als zu kompliziert erwies. Wir mussten fast jeden Tag einen Text von 10 Seiten lesen und am Anfang verstand ich kaum etwas von dem Inhalt dieser Texte. In meiner Schule waren weitere 8 Austauschschüler, was den Einsteig in die neue Umgebung stark vereinfachte. Der Schulsport wurde an unserer Schule sehr wichtig genommen. Ich spielte in den ersten 3 Monaten Fußball. Ich lernte dadurch viele neue Leute kennen, aber nach der Fußballsaison merkte ich, dass ich ein besserer Zuschauer bin, also spielte ich für den Rest des Jahres keine weiteren Sportarten. Am Anfang war ich natürlich etwas traurig, dass ich nicht in Las Vegas lebte, aber nach einigen Monaten war ich sehr froh darüber nicht auf eine Schule gehen zu müssen mit Schülern. Ich liebte die Verbundenheit zur Schule von jedem einzelnen Schüler. Auf Sportevents kämpften sie nicht nur für sich selber, sondern für die ganze Schule. American Football wurde ganz schnell zu meinem Lieblingssport nicht nur, wegen dem Sport an sich, sondern weil die ganze Stadt kam um dabei zuzuschauen. Ich lebte mich sehr schnell ein und fühlte mich schon nach einigen Wochen wie zu Hause. Ich hatte Schulschluss um 13.35, was sich als sehr positiv erwies, da man so noch viel Freizeit hatte. In unserem Haushalt hatte ich kaum Aufgaben, ich sollte nur mein Zimmer sauber halten, aber ich half trotzdem sehr oft und versuchte meine Gastfamilie regelmäßig mit kleinen Geschenken zu erfreuen. Ich backte ihnen zum Beispiel sehr oft Kekse oder machte unangenehme Aufgaben im Haushalt, die sonst keiner machen wollte. So merkten sie, dass ich es zu würdigen wusste, dass sie mich aufgenommen hatten, ohne dabei viel Geld auszugeben. Ich besuchte auch NewYork City, Boston, Washington D.C., Florida, und Californien. Vieles davon wurde mir durch Freunde ermöglicht. Ich habe festgestellt, dass viele von den Bekannten in Amerika dazu bereit sind, dich auf ihren Reisen mitzunehmen, solange du natürlich deine eigenen Kosten übernimmst. Ich finde es hat mir sehr viel gebracht so viele verschiedene Gegenden von Amerika zu erleben, da die Kultur überall etwas anders ist. Ich liebte die Mentalität der Amerikaner. In Nevada waren sie sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Jeder wollte alles über mich wissen und redete mit mir, obwohl sie mich ja überhaupt nicht kannten. Was mich jedoch sehr schockiert hat, war die Unwissenheit der Amerikaner über andere Länder und Kontinente. Sie haben keine Ahnung welche Länder wo liegen oder in welchem Kontinent sie sich befinden. Ich lebte bis zum Schluss nur bei einer Familie. Sie war die perfekte Gastfamilie für mich und es fühlte sich an, als ob es meine eigene Familie wäre, aber ich denke man sollte auch nicht allzu traurig sein, wenn das mit der Familie nicht gleich auf Anhieb so gut funktioniert. Ich bin mit der Organisation EF geflogen, mit der ich eigentlich sehr zufrieden bin. Meine Betreuerin behandelte mich teilweise sehr ungerecht, da ich nicht zur Kirche ging (sie war sehr religiös) und auch sonst mochte sie mich nicht besonders, aber ich suchte mir andere Ansprechpartner in meiner Organisation. Durch mein Jahr in Amerika bin ich viel selbstbewusster geworden und auch offener für neue Dinge. Es macht mir keine Probleme mehr auf unbekannte Menschen zuzugehen und ich nehme viele Dinge anders auf, wie früher. 17

19 Nachdem Auslandsjahr hat sich vieles für mich verändert, auch meine Pläne für die Zukunft. Ich weiß zwar immer noch nicht genau, was ich später machen möchte, aber ich weiß, dass es etwas Internationales sein muss. Für mich steht fest, dass Amerika und Englisch immer ein fester Bestandteil meines Lebens bleiben sollen. Julia 18 Die warmen Südstaaten der USA Texas (2007/08 Organisation AYUSA) Auch ich hatte mir zuerst, wie viele andere vor mir, etwas anderes vorgestellt. Zum Beispiel, dass ich irgendwo nach Kalifornien gehe und die berühmtesten Städte der USA sehen werde. So kam es nicht und ich bin froh darüber. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, entscheidend ist nicht der Bundesstaat oder die Landschaft, entscheidend ist die Familie und natürlich auch die Schule und damit die Freunde. Meiner Meinung nach, ist es wichtig, dass man keine riesigen Erwartungen hat, vielleicht sollte man einfach viel gelassener an die Sache heran gehen, auch wenn es schwer fällt. Ansonsten ist man eventuell enttäuscht, weil die Erwartungshaltung einfach zu groß war. Alles in allem war mein Austauschjahr unvergesslich, ich hatte sehr viel Spaß, habe viele Freunde gefunden, mit denen ich jetzt noch Kontakt habe und ich habe viel Neues gelernt und erfahren. Ein Leben soweit weg von zu Hause, mit fremden Menschen, anderen Regeln und nicht zuletzt mit einer Fremdsprache als neue Muttersprache ist Aufregung, nicht immer leicht und braucht Zeit zur Eingewöhnung und ist dann irgendwann auch Alltag. Ich war bis zum Abflug nicht sehr aufgeregt, einen kurzen Moment beim Einchecken am Flughafen war ich traurig, aber dann siegte die Neugier und Aufregung. Nach New York flog ich mit etwa 40 anderen Austauschschülern aus ganz Deutschland. Der Flug war super, da wir so viele waren und ich hatte 4 unvergessliche, interessante und anstrengende Tage in New York. Danach musste jeder alleine zu seiner Gastfamilie weiterfliegen. Ich hatte noch 3 Inlandflüge bis nach Corpus Christi in Süd Texas, die ich alle verpasste, da der erste Flug stundenlang Verspätung hatte also Stress pur gleich zu Beginn. Meine Gastfamilie erwartete mich geduldig auf dem Flughafen mitten in der Nacht. Natürlich war es komisch wild fremden Leuten gegenüber zu stehen und erst dann wird einem so richtig bewusst, hier lebe ich jetzt fast ein Jahr, dass sind meine engsten Vertrauten für diese Zeit. Die ersten 2 Wochen habe ich wenig gesprochen und musste erst noch einige kleine Sprachbarrieren überwinden, aber ansonsten war alles super. Wir wohnten auf einer riesigen Ranch zwischen zwei kleinen Dörfern, Falfurrias und Premont. Meine Gastgeschwister kamen nur an den Wochenenden und so lebte ich vorrangig mit meiner Gastmutter, zwei Hunden, Katzen, endlos vielen Rindern ziemlich weit weg von allem. Mein Gastvater arbeitete das ganze Jahr auf den Ölfeldern und war daher sehr viel unterwegs. Die Schule begann 3 Wochen später in Premont. Es gab nur etwa 300 Studenten. Ich konnte mich sehr schnell eingewöhnen und Freunde finden. Es gab verschiedene Möglichkeiten nach der Schule Sport, wie Tennis oder Fitness zu treiben. Da ich mich aber nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln (die gibt es auf dem Land so gut wie nicht) oder mit dem Fahrrad fortbewegen konnte, sondern nur auf das Auto meiner Gastmutter angewiesen war, konnte ich mich oft nicht mit Freunden treffen. Aus vielleicht teilweise schlechten Erfahrungen mit Vorgängern war es mir auch nicht erlaubt im Auto von Freunden mit zu fahren, so dass ich so gut wie nichts unternehmen konnte. Party, Kino, Shopping lies sich nicht organisieren. Am Anfang konnte ich mich damit abfinden, weil ich mich anpassen wollte und es eben so entschieden war. Ich arbeitete viel auf der Ranch. Manchmal gingen wir nachts jagen, was richtig cool war oder fuhren in die umliegenden Städte oder auch mal nach Mexiko. Leider lagen unsere Interessen weit auseinander, sie wollten Shoppen und Essen gehen, ich wäre gern am Strand vom Golf von Mexiko baden und Wasserski fahren gegangen. Ich lebte so mit meinen Gasteltern zusammen bis nach zwei bis drei Monaten die Unzufriedenheit wahrscheinlich auf beiden Seiten wuchs. Ich langweilte mich, fühlte mich

20 ausgeschlossen und hatte immer mehr das Gefühl, dass meine Gasteltern, die nun schon so viele Jahre Austauschschüler betreuten, eigentlich zu träge und inaktiv geworden waren. Mit der Schule lief alles super, außer dass ich nie am Nachmittag Zeit für meine Freunde hatte, weil mich meine Gasteltern immer mehr auf ihrer Ranch arbeiten ließen. Immer wenn ich von der Schule zurückkam, arbeitete ich für zwei bis drei weitere Stunden (Kühe melken, Gras schneiden, Tiere füttern, Zaun bauen und vieles mehr) Irgendwann im Dezember sprach ich mit meinem Regionaldirektor, der mir anbot die Familie zu wechseln, was ich dann auch kurzfristig tat. Ich kam ca. 300 Meilen nördlich in die 1,5 Millionen Einwohnerstadt San Antonio zu einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern, die auch Lehrerin war. Die Tochter(29) kam häufig mit ihren Kindern (4 Jahre und einem Monat) zu Besuch. In dem 17 jährigen Sohn Jorden, mit dem ich in einem Zimmer wohnte, fand ich einen Freund und Bruder, wie ich es mir gewünscht hatte. Wir gingen auf die gleiche Schule, teilten uns die Hausarbeit und unternahmen viel in der Freizeit. Mit dieser Großfamilie, zu der noch Großeltern gehörten, die mit uns an den Wochenenden zu ihren Häusern nach New Mexiko und nach Rockport ans Meer fuhren, verbrachte ich den Rest meiner Zeit (5 Monate) und war zufrieden. Ich kam zur Karen Wagner High School mit rund 3700 Studenten, einer gigantischen Schule, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Die Schule war fast wie eine eigene kleine Stadt, ganz neu erbaut und auf dem modernsten Standard in jeder Beziehung. Kein Vergleich mit den Schulen in Deutschland. Auch hier war der Anteil der Weißen etwa nur bei 10-15%, die Trennung auf dem Schulhof nicht zu übersehen, die ethnischen Gruppen bleiben unter sich, während im Unterricht darauf nicht geachtet wurde. Es dauerte etwas Zeit ehe ich neuen Kontakt fand, aber letztendlich sind alle hier Ausländern gegenüber sehr aufgeschlossen und ich fand auch hier Freunde. Am Wochenende gingen wir regelmäßig in die Kirche, da meine Gastmutter sich sehr engagierte. Hier traf ich dann auch andere Austauchschüler der Organisation aus Thailand, Iran und Kuwait. Manchmal wurden kulturelle oder sportliche Veranstaltungen organisiert, aber auch Community-Treffen, an denen wir teilnahmen und die Kirche unterstützten. An meinem letzten Treffen wurde ich als Bowlingmeister der Kirchengemeinde mit meinem Gastbruder ausgezeichnet. Abschließend kann ich einschätzen, dass dieses Jahr mir unheimlich viel Neues über das Leben allgemein und über mich selbst gelehrt hat. Ich gehe viel mehr auf Menschen zu, versuche Probleme zu lösen und bin viel offener geworden. Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln und kann verschiedene Dinge anders werten. Ich mag die Mentalität der Amerikaner und ihre Art zu leben - relaxter und stressfreier. Ich weiß, dass ich sehr gerne nach der Schule nochmal ins Ausland gehen würde, die Sprache ist ja kein Problem mehr und Zutrauen würde ich es mir jetzt ohne zögern. Das ich jetzt diese Ziel habe, ist auch der Verdienst derjenigen, die mir dieses Jahr ermöglicht haben. Deshalb danke ich nochmals dem Landkreis Märkisch Oderland für seine finanzielle Unterstützung. Zu guter Letzt möchte ich jedem sagen, der zurzeit noch darüber nachdenkt, ob solch ein Austauschjahr für ihn in Frage kommt. Macht es!!!! Wenn ihr die Möglichkeit habt es zu machen, macht es auf jeden Fall! Es ist in dieser Form die einzige Möglichkeit als Kind in einer anderen Familie, in einer fremden Kultur zu leben Urlaub, Dienstreisen, Studium, Jobs oder Au pair sind spätere Möglichkeiten aber nicht annähernd damit zu vergleichen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Willi 19 Mein Austauschjahr in den USA (2007/08 Organisation EF)) (Teilstipendium der Sparkasse MOL)

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