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1 Nr. 318 (42. Jg.) November 2012 B 1293 uniulm intern Das Ulmer Universitätsmagazin Großer Wurf für Stadt und Region: HIU-Neubau hat begonnen Seite 4 Fakultät für Naturwissenschaften: Neuer Dekan Prof. Joachim Ankerhold Seite 16 Jugendliche mit extremer Adipositas: Klinikprojekt will Teufelskreis durchbrechen Seite 32 Medizinstudent im Klinikbetrieb: Schritt für Schritt zum Arztberuf Seite 40

2 2 Editorial Foto: Eberhardt/kiz D ass die Verge der Nobelpreise alle Jahre wieder im Herbst von einem gewaltigen Medienecho begleitet wird, hat sich inzwischen zur Selbstverständlichkeit entwickelt. Vielen PR-Experten zufolge dokumentiert dieser Trend nicht nur den wachsenden Stellenwert der Wissenschaft in der Öffentlichkeit, sondern ist zumindest teilweise auch der geschickten Inszenierung des alljährlichen Rituals geschuldet. Wie auch immer: Neu ist dagegen, dass in diesem Zusammenhang eher skurril anmutende Erkenntnisse der Forschung ihren Weg in die Medien finden. So gibt es einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie zufolge einen auffallenden Zusammenhang zwischen dem Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade und der Zahl der Nobelpreisträger pro Einwohner in insgesamt 23 Ländern. Wie unter anderem die Augsburger Allgemeine Mitte Oktober berichtete, verdankt die Menschheit diese Erkenntnis dem Forscher Franz Messerli von der New Yorker Columbia University. Demnach profitiert vor allem die Schweiz vom Schokoladen-Konsum, während die USA, Frankreich und Deutschland im Mittelfeld liegen, China, Japan und Brasilien nur im unteren Teil der Liste. Deutlich weniger kalorienhaltig als das süße Naschwerk sind die Genüsse, die einer Studie der Ulmer Wissenschaftlerinnen Griele Nagel und Christine von Arnim zufolge der Alzheimer- Erkrankung entgegenwirken sollen: Spinat, Karotten und Aprikosen zum Beispiel. Mehr dazu in dieser Ausge, in einem Beitrag unserer Mitarbeiterin Annika Bingmann, von ihr schon zuvor in einer Pressemitteilung englischsprachig weltweit verbreitet und mit einer Medienresonanz wie bei keinem Thema zuvor. Anrufe mehrerer Journalisten aus englischsprachigen Ländern bei ihr inklusive, ausgelöst vermutlich durch eine amerikanische und eine indische Nachrichtenagentur, die sich der Geschichte ebenfalls angenommen hatten. Durchaus nachvollziehbar indes, dass die nationalen Medien, auch die unserer Region, derweil einen anderen Aspekt in den Blickpunkt ihrer Hochschulberichterstattung rückten: Die Rekordzahlen an den Unis und Hochschulen samt deren Begleiterscheinungen, wohl bekannte ebenso wie ganz neue. Da beherrschten Engpässe bei bezahlbaren Wohnungen die Schlagzeilen, mitunter auch bisher unbekannte Probleme ( Nicht ohne meine Mutti ) mit minderjährigen Erstsemestern, beim Abschluss von Mietverträgen zum Beispiel oder zu Jugendschutz-Fragen bei Semestereröffnungspartys. Wobei unsere Universität offenbar ungeachtet neuer Rekordmarken bei den Einschreibezahlen von gravierenden Folgen verschont geblieben ist, von zeitweise restlos überfüllten Bussen zur und von der Uni gesehen. Dei war die Uni Ulm, was heute kaum noch jemand weiß, in ihrer Gründungsphase für eine Kapazität von gerade mal 1600 Stu- dienplätzen ausgelegt. Zu einer Zeit allerdings, in der sich die sogenannte Studienberechtigtenquote eines Jahrgangs zwischen 11 und 13 Prozent bewegte, während sie inzwischen rapide auf die 50 Prozent-Marke zusteuert. Ein Trend, der vor allem von der Politik weitgehend bejubelt, von nicht wenigen Bildungsexperten und zum Teil auch seitens der Wirtschaft allerdings zunehmend kritisch gesehen wird. So beschäftigte sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) Mitte Oktober in einem fast ganzseitigen Beitrag mit dem um sich greifenden Abiturwahn samt Noteninflation, einhergehend mit einem schleichenden Qualitätsverlust, der letztlich auch den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährde. Eines der zentralen Probleme demnach: Das böse Erwachen vieler Erstsemester beim Wechsel von der Schule in den Hörsaal, unzureichende Grundlagen insbesondere für ein Studium in den harten Fächern, wie sie gerade das Studienangebot unserer Uni prägen. Wie hier versucht wird, unstrittige Defizite der Erstsemester zubauen und ihnen den Start in den neuen Lebensschnitt zu erleichtern, erfahren unsere Leserinnen und Leser ebenfalls auf den folgenden Seiten. Unter ihnen, wie wir hoffen, auch möglichst viele junge Menschen, die hier seit Mitte Oktober mit viel Ehrgeiz und Optimismus ihre ganz persönlichen Ziele ansteuern, vielleicht auch ein wenig skeptisch oder gar bange. Ihnen allen wünschen wir gleichwohl gute Jahre an unserer Universität, ein erfolgreiches Studium als Basis für eine selbstbestimmte Zukunft. Uns in der Redaktion wünschen wir: Schauen Sie hin und wieder in unser Uni-Magazin, erfahren Sie mehr über die vielfältigen Facetten der Universität, die jetzt auch Ihre ist. Willi Baur Ihr Brillenspezialist in Söflingen Neue Gasse Ulm-Söflingen Telefon 07 31/ Ihr Sanitätshaus Häussler-Überleitteam Annette Mader, exam. Krankenschwester, Pflegeberaterin, Mobil 01 51/ Inge Ott, Fachkrankenschwester für Intensivpflege, Mobil 01 76/ Andreas Reinhardt, Orthopädietechniker, Fachberater Rehatechnik, Mobil 01 51/ Frank Willkomm, Fachkrankenpfleger für Anästhesie u. Intensivpflege, Mobil 01 51/ Wir versorgen pflegebedürftige und intensiv-pflegebedürftige Menschen im ambulanten Bereich sowie in Pflegeeinrichtungen und organisieren die Überleitung und Entlassversorgung. Häussler Medizin- und Rehatechnik Jägerstraße 6, Ulm-Weststadt Telefon 07 31/

3 Inhalt 3 uniulm intern Editorial... 2 Erscheinungsweise: Sechs Hefte pro Jahr; Auflage Herausgeber: Universität Ulm Redaktion: Willi Baur (wb), Annika Bingmann () Anschrift der Redaktion: Universität Ulm, Pressestelle, Helmholtzstraße 16, Ulm Briefpost: Ulm, Tel.: /22021, Fax: o20 Ständige Mitarbeit (Pressestelle Klinikum): Petra Schultze (stz), Jörg Portius (jp), Kristina Rudy (ky) Design: Zambrino & Schick, Ulm Gesamtherstellung: Biberacher Verlagsdruckerei GmbH & Co. KG, Biberach Anzeigenverwaltung: Biberacher Verlagsdruckerei GmbH & Co. KG, Leipzigstraße 26, Biberach Tel.: , Fax: Anzeigenleitung: Jörg Baur-Cleppien, Biberacher Verlagsdruckerei GmbH & Co. KG, Leipzigstr. 26, Biberach Tel.: , Fax: Anzeigen-Preisliste: Nr. 16, gültig 1. Januar Jahresonnement Euro 20,00 (einschl. Versandkosten) Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Der Nachdruck von Textbeiträgen ist unter Quellenange kostenlos. Die Redaktion erbittet Belegexemplare. ISSN X; Postvertriebs-Nr. B 1293 Online-Ausge des Ulmer Universitätsmagazins uni ulm intern: Titel: Volle Busse, volle Hörsäle: Wintersemester mit Rekordzahlen... 6 uni ulm aktuell: Erster Spatenstich: HIU-Neubau hat begonnen Willkommen in der Wissenschaft: MWK fördert forschendes Lernen... 7 Beratungsprojekt soll Studienbruchquote senken... 8 Gesundheitsberufe: Neue duale Studiengänge... 9 Advanced Oncology: Erster Studienjahrgang feiert Abschluss Wirtschaftswissenschaften erfolgreich reakkreditiert Seit 30 Jahren begehrt: Austauschprogramm USA Zahl der Deutschlandstipendien verdoppelt Ziel Verfasste Studierendenschaft: Neuer ASTA-Vorstand Personalien: Naturwissenschaften: Prof. Joachim Ankerhold neuer Dekan Regenerationsfähigkeit von Zebrafischen: Prof. Gilbert Weidinger Neue Professur für Wirtschafts- und Steuerrecht: Prof. Heribert Anzinger Zurück an die Uni Ulm: Prof. Stefan Wewers Frauenklinik: Prof. Wolfgang Janni neuer Leiter Hofft auf neues Personalvertretungsgesetz: Christine Sommerfeld Zwischen Wickeltisch, Theorie und Experiment: Daniela Künzel Virtuelle Welten: Gründerpreis für Nachwuchsunternehmer Gerhard-Kittel-Medaille für PD Dr. Rudolf Reiter uui-gespräch: Beate Mendler, Abteilung Zulassung Forschung: Extreme Adipositas bei Jugendlichen: Den Teufelskreis durchbrechen Neue Online-Plattform: Kindesmissbrauch erkennen und verhindern Schutz vor Demenz: Vitamin C und Beta-Carotin Zwischen Totholz und Wildschwein: Forschung im Biosphärengebiet Panorama: Medizinstudent am Klinikum: Schritt für Schritt zum Arztberuf Bildung zwischen Humboldt und Massenitur Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit Titelbild: Zahlen lügen nicht: Der Rekordandrang zum Wintersemester war am Eröffnungstag auch im Forum zu spüren. Mehr dazu auf Seite 6 Foto: Eberhardt/kiz Das nächste Heft erscheint Mitte Dezember 2012

4 4 Rubrik,Thema, Titel... Foto: Eberhardt/kiz Spaten hoch für ein Vorzeige-Projekt: (v. l.) OB Ivo Gönner, Prof. Detlef Löhe, Prof. Karl Joachim Ebeling, Dr. Simone Schwanitz, Wolfgang Leidig, Wilmuth Lindenthal, Hans Nickl und Andreas Reisch starten den HIU-Neubau Erster Spatenstich zum HIU-Neubau Ein großer Wurf für Uni, Stadt und Region Mit dem symbolischen ersten Spatenstich begann am letzten September-Mittwoch der Neubau des Helmholtz-Instituts Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung (HIU). Das Projekt, bezeichnender Weise direkt an der Helmholtzstraße platziert, soll auf drei Stockwerken eine Fläche von rund 2400 Quadratmetern Nutzfläche bieten und zwölf Millionen Euro kosten. Finanziert wird es gemeinsam vom Land Baden-Württemberg und von der Universität Ulm. Läuft es nach Plan, soll das Gebäude bis Ende nächsten Jahres bezugsfertig sein. Große Vorhen rechtfertigen große Worte. Wilmuth Lindenthal, Leiter des Amtes Ulm der Vermögen und Bau Baden-Württemberg, bemühte zur Begrüßung gar den römischen Philosophen Seneca: Was du für den Gipfel hältst, ist nur eine Stufe!, soll der altrömische Weise einst gesagt hen. Großes versprach Lindenthal indes auch für den Neubau: Er werde mit seiner Architektur für eine neue Generation von Gebäuden stehen, die die künftige bauliche Entwicklung auf dem Oberen Eselsberg prägen werden. In der Tat lässt die Planung des Münchner Büros Nickl und Partner eine markante Architektur erwarten. Von einem großen Wurf für die Universität, die Stadt Ulm und die gesamte Region Ostwürttemberg sprach denn auch Unipräsident Professor Karl Joachim Ebeling. Erstmals entstehe damit in Ulm und in der Region ein Gebäude für eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Bundes. Ein weißer Fleck auf der Forschungslandkarte wird beseitigt, freute sich Ebeling, so könnten Stadt und Region nun unmittelbar und nachhaltig vom Pakt für Forschung und Innovation des Bundes und der Länder profitieren. Bekanntlich ist Ulm deutschland- und europaweit ein führendes Zentrum der Batterieforschung, sagte der Universitätspräsident. Der Neubau für das HIU bilde einen wichtigen Eckpfeiler für diese Aktivitäten, wobei schon bisher viele Expertisen hier versammelt seien. Ebeling: Im neuen HIU-Gebäude werden das Karlsruher Institut für Technologie und die Universität Ulm mit den Partnern eng kooperieren, dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) Baden-Württemberg und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) also. Schon die bisherige Zusammenarbeit he erste vielversprechende wissenschaftliche Früchte getragen. Die Beteiligung so unterschiedlicher Partner lieferte Professor Detlef Löhe, KIT-Vizepräsident für Forschung und Information: Die Batterieforschung ist ein Kernelement der KIT-Strategie. Uns geht es darum, für die Elektromobilität und für die Integration erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne in das Energiesystem wirtschaftliche und zukunftssichere Lösungen bereitzustellen, sagte Löhe, und die Zusammenführung der unterschiedlichen Kompetenzen schaffe vorzügliche Voraussetzungen, die Forschung zur elektrochemischen Energiespeicherung umfassend und mit großer Tiefe voranzutreiben. Ein ambitioniertes Vorhen nicht zuletzt aus der Sicht des Landes. Die Erforschung moderner Speichertechnologien ist sowohl für die Bewältigung der Energiewende als auch die Weiter-

5 uni ulm aktuell 5 Fotos: Eberhardt/kiz Ein großer Wurf für die Universität, die Stadt und die Region": Universitätspräsident Prof. Karl Joachim Ebeling Interessierte Beobachter an der Baustelle: Zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik entwicklung der Elektromobilität am Standort Baden-Württemberg von großer Bedeutung. Der Neubau des Helmholtz-Instituts in Ulm schafft hierfür die bestmöglichen Voraussetzungen, betonten Wolfgang Leidig, Ministerialdirektor im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, und Dr. Simone Schwanitz, Ministerialdirektorin im Wissenschaftsministerium anlässlich des Spatenstichs. Das ist heute ein wichtiger Tag für das gesamte Projekt Wissenschaftsstadt Ulm, freute sich Oberbürgermeister Ivo Gönner, erinnerte bei dieser Gelegenheit auch an deren Geburtswehen vor einem Vierteljahrhundert im Stuttgarter Landtag, wo sich die Abgeordneten fast die Köpfe eingeschlagen hätten. Dei sei das Ziel damals nur in Umrissen klar gewesen. Aber die Begleitmusik stand schon vorher fest. Kritisch äußerte sich der OB zur Energiepolitik: Dass jetzt überall Subventionstöpfe aufgemacht werden, ist ein Irrweg. Denn die Energiewende wird mit Forschung und Innovationen gewonnen, nicht mit Subventionen. wb Raum für die Zukunft In der Evolution eines Klassikers finden sich schon heute Antworten auf Fragen der Arbeitswelt von morgen. Erscheinung: Uni Ulm Intern FEY,Nov mm x 125 mm Fragen Sie nach detaillierten Unterlagen beim autorisierten Fachhandel. buchbrunnenweg 16, ulm-jungingen, tel dreiköniggasse 20, ulm-innenstadt Uni Ulm Intern_Nov 2012_haller.indd :11:10

6 6 uni ulm aktuell Rekordzahlen und volle Hörsäle Mehr als 1800 Erstsemester begrüßt An der Universität hen Mitte Oktober fast 1860 Erstsemester ein Studium aufgenommen. Damit erreicht die aktuelle Studierendenzahl unter anderem aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs in Baden-Württemberg einen Rekordwert von über Fotos: Eberhardt/kiz Erster öffentlicher Auftritt als AStA-Vorsitzender: Frederik Bonz begrüßt die Erstsemester Ermutigende Worte zum Semesterstart und zum Wechsel in einen neuen Lebensschnitt: Prof. Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre Professor Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre, begrüßte die Erstsemester und g ihnen wertvolle Ratschläge für den neuen Lebensschnitt: Vor allem ein Studium technischer und mathematischer Fächer stellt hohe Anforderungen an das Stoffverständnis. Die Informationsflut ist größer als in der Schule, deshalb ist es oft hilfreich, Lerngruppen zu bilden. Die Universität Ulm komme den Studienanfängern mit Hilfsangeboten wie den Ulmer Universitäts-Trainingscamps und anderen Maßnahmen etwa im Zuge des Projekts UULM PRO MINT & MED in der Einstiegsphase entgegen. Die Ulmer Studienmodelle individueller Geschwindigkeit erlaubten den jungen Leuten zudem eine freiere Gestaltung ihrer universitären Ausbildung ( Sie müssen ein Bachelor-Studium nicht unbedingt nach sechs Semestern geschlossen hen ). Stadtmüller sprach den Studierenden Mut zu und stellte universitäre Einrichtungen wie das Department für Philosophie, Sprachen und Weiterbildung oder den Hochschulsport vor. Auch Frederik Bonz, frisch gewählter Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), informierte über das Campusleben und wollte die Erstsemester für Hochschulpolitik begeistern: Bei der Einführung der Verfassten Studierendenschaft wer- Am 26. November im Stadthaus: Globale Herausforderung nach dem Atom-Ausstieg Professor Werner Burkart, Biochemiker und Strahlenbiologe sowie ehemaliger stellvertretender Generaldirektor und Leiter des Bereichs Nukleare Wissenschaften und Anwendungen der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) in Wien, wird am Montag, 26. November, im Stadthaus Ulm einen Vortrag zu einem höchst aktuellen Thema halten (19 Uhr): Nach dem det ihr dringend gebraucht. Endlich bekommen wir mehr Mitspracherechte, sagte der angehende Biochemiker. Nach der allgemeinen Semestereröffnung standen Ansprachen der Dekane und Facheinführungen auf dem Programm. Im Forum konnten sich die Erstsemester zudem über Einrichtungen und Angebote ihrer Universität informieren. Ausstieg: Globale Herausforderung für eine nachhaltige und bezahlbare Energiepolitik. Der Wissenschaftler kommt auf Einladung der Arbeitsgruppe Versorgungsforschung der Chirurgischen Universitätsklinik, mit deren Leiter Professor Franz Porzsolt er seit geraumer Zeit zum Thema Gefühlte Sicherheit zusammenarbeitet. wb

7 uni ulm aktuell 7 Ministerium fördert forschendes Lernen Willkommen in der Wissenschaft Der Übergang vom Klassenzimmer in den Hörsaal ist bekanntlich nicht immer einfach. Mit einem herzlichen Willkommen in der Wissenschaft werden Erstsemester an der Universität Ulm künftig begrüßt und begleitet. Für verschiedene Maßnahmen, die junge Menschen für wissenschaftliche Fragestellungen und letztlich ihr Fach begeistern sollen, erhält die Uni in den kommenden drei Jahren insgesamt Euro vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) die Maximalförderung. Darüber hinaus will die Universität eigene Mittel einsetzen. Es freut mich, dass wir mit diesen Fördermitteln Angebote bereitstellen können, die das Interesse an den Studienfächern aufrechterhalten und steigern können, sagt Professor Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre. Das gelte besonders für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit vielen anspruchsvollen und meist theorielastigen Grundlagenvorlesungen. Im Zuge des Programms Willkommen in der Wissenschaft unterstützt das MWK 23 Hochschulen in Baden- Württemberg, darunter fünf Universitäten. Drei übergreifende Aktionsfelder sollen angehenden Akademikern in Ulm den Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten erleichtern. Zum einen wird das Erfolgsmodell Projektpraktikum in der Physik ausgebaut. Die Idee: Bereits im Bachelorstudium bearbeiten die künftigen Akademiker über ein Semester selbstgestellte wissenschaftliche Fragen. In der Vergangenheit hen sie beispielsweise nach dem optimalen Nada-Floß gesucht oder die Viskosität ( Zähflüssigkeit ) von Nutella ermittelt. Die besten Projekte werden künftig mit prämiert, ausgezeichnete Studierende dürfen einen Monat lang in einer Abteilung der Universität forschen. An angehende Ingenieure wenden sich die sogenannten Bachelor-Forschungswochen: Talentierte Studierende erhalten Gelegenheit, während der vorlesungsfreien Zeit im Sommer wissenschaftliche Projekte unter Anleitung durchzuführen und bei einer Abschlussveranstaltung zu präsentieren. Das zweite Aktionsfeld umfasst Gastvorträge und Kolloquien zu Themen aus Forschung und Praxis etwa für Studierende Foto: Bingmann der Biologie und Wirtschaftswissenschaften. Dank dieser Vorträge erhalten die Studienanfänger bereits während der oft als lebensfern empfundenen ersten Semester Einblicke in mögliche Berufsfelder. Außerdem beantworten die Gäste eine bei vielen Dozenten unbeliebte Frage: Wozu brauche ich den Stoff eigentlich? Mit historisch bedeutsamen Errungenschaften ihres Fachs sollen sich künftig Studierende der Informatik auseinandersetzen. Das heißt: Wegweisende Forschungsarbeiten werden mit den belegten Methoden erneut erarbeitet. Drittens sollen für Ulmer Studierende der Wirtschaftswissenschaften offene und virtuelle Lernräume geschaffen werden. Dazu kommt eine elektronische Bibliothek mit vorlesungsbegleitenden Übungen für künftige Chemiker. Mithilfe qualifizierter Tutoren können Studienanfänger so den Vorlesungsstoff nacharbeiten. Die virtuellen Angebote richten sich besonders an Studierende, die Kinder hen oder Angehörige pflegen. Das Programm Willkommen in der Wissenschaft soll dei helfen, die Abbruchquote gerade in naturwissenschaftlichtechnischen Fächern zu verringern. Schließlich sind die Berufsaussichten für MINT-Absolventen nach wie vor ausgezeichnet. Alle entsprechenden Neuerungen an der bekanntlich naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Uni Ulm werden evaluiert und im Erfolgsfall auf weitere Fächer übertragen. Einige Maßnahmen sollen bereits im Wintersemester umgesetzt werden. An der Universität hen Anfang September dreizehn junge Leute ihre Ausbildung aufgenommen. Kanzler Dieter Kaufmann (vorne links) und die Ausbildungsleiterinnen Eliseth Lamparter (vorne rechts) sowie Michaela Hering (2. Reihe, 2. v. r.) begrüßten die angehenden Verwaltungswirte, Fachangestellten für Bürokommunikation, Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachinformatiker und Industriemechaniker. Außerdem lässt sich eine Berufseinsteigerin zur Schreinerin ausbilden, ein weiterer Schulgänger wird Metallbauer. In diesem Jahr verteilen sich die Azubis recht gleichmäßig auf die Zentrale Universitätsverwaltung, das Kommunikations- und Informationszentrum inklusive Bibliothek und die Wissenschaftliche Werkstatt Feinwerktechnik. Eine ebenfalls gebildete Praktikantin lernt gerade die Universitätsverwaltung kennen.

8 8 uni ulm aktuell Erfolg = Studienberatung x Stadtbüro Beratungsprojekt soll Studienbruchquote senken Für den Ausbau der Studienberatung erhalten Universität und Hochschule Ulm in den kommenden drei Jahren rund Euro vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK). Mit diesen Fördermitteln wollen die Bildungseinrichtungen ein gemeinsames Beratungszentrum in der Innenstadt gründen und so in der Hochschulregion vorhandene Kompetenzen bündeln. Als ein wichtiges Ziel soll das Angebot dei helfen, die Studienbruchquote zu senken. Foto: Eberhardt/kiz Christiane Westhauser Nicht ganz zufällig erinnert der Name des Stadtbüros E=(SB) 2 an Einsteins berühmte Formel, denn es gibt zahlreiche, womöglich geniale Neuerungen: Nach dem Vorbild der Schweizer Laufbahnberatung beschränkt sich das neue Angebot nicht nur auf den Übergang von der Schule auf eine Hochschule, sondern bezieht die gesamte Studienzeit mit ein. Neben Abiturienten gehören auch Studierende, Absolventen, Eltern und Lehrer zur Zielgruppe. Als starke Partner stehen Universität und Hochschule die Stadt Ulm, Trägerin zahlreicher Schulen, und die Agentur für Arbeit zur Seite. Das MWK fördert 21 Bildungseinrichtungen mit insgesamt fünf Millionen Euro, 34 Hochschulen und Universitäten hatten sich um entsprechende Mittel beworben. Beruflicher Erfolg = Studienberatung x Stadtbüro dieser Anspruch verbirgt sich hinter dem ungewöhnlichen Namen der Einrichtung. Tatsächlich sind in Zeiten hochindividueller Bildungsbiographien und mehr als grundständigen Studienangeboten neue Ansätze nötig, um alle Zielgruppen optimal zu beraten. Aufgrund der verkürzten Gymnasialzeit sind heutige Abiturienten zudem jünger als ihre Vorgänger, straffe Stundenpläne scheinen nur wenig Zeit für eine berufliche Orientierung zu lassen. Um Fehlentscheidungen vorzubeugen, wollen wir Schülerinnen und Schülern sowie anderen Interessierten mit dem Stadtbüro entgegenkommen. Angehende Abiturienten müssen für eine Studienberatung nicht mehr an die Universität oder Hochschule kommen, sie können ihre Fragen zum Beispiel in Freistunden stellen, sagt die Leiterin der Studienberatung an der Uni Ulm, Christiane Westhauser. Westhauser koordiniert das Projekt gemeinsam mit dem Leiter der Zentralen Studienberatung an der Hochschule Ulm, Dr. Klaus Häberle. Nach Etlierung der Beratungsstelle in Ulms Neuer Mitte sollen Mitarbeiter der Agentur für Arbeit die Vertreter der Universität und Hochschule Ulm unterstützen, Doppelstrukturen werden also vermieden. Am 22. November: Career Day mit Rahmenprogramm Mit einer Premiere verbunden ist der diesjährige Career Day der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik am Donnerstag, 22. November, im Forum der Uni Ost (11 bis 16 Uhr). Erstmals nämlich gibt es bei der Kontaktmesse insbesondere für Interessierte aus Ingenieurwissenschaften, Informatik und Physik ein attraktives Begleitprogramm mit Fachvorträgen, Bewerbertrainings und einem Bewerbungsfotoshooting. Letzteres erfordert allerdings eine Anmeldung. Wie gefragt derzeit der wissenschaftliche So soll das Projekt über die Förderphase des Ministeriums hinaus ein nachhaltiger Bestandteil der Ulmer Hochschullandschaft werden. Und das alles unter dem Motto Raus aus der akademischen Welt rein in die Stadt. Mit bestehenden Maßnahmen aus dem Qualitätspakt für die Lehre des Bundes und der Länder, also UUlm PRO MINT & MED und Integriertes Lernen an der Hochschule Ulm (ILU) sowie dem vom Land geförderten Projekt Individuelle Studienmodelle (Uni Ulm) wird E=(SB)² selbstverständlich vernetzt. Anfang 2013 soll die Studienberatung in der Stadt starten. In Zeiten zahlreicher Studienangebote verschiedener Hochschularten ist eine gemeinsame Erstberatung der Universität und Hochschule Ulm in der Stadtmitte hilfreich. Die Berater können unseren Schülern die richtige Perspektive für ihre Zukunft aufzeigen, resümiert Professor Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre. Nachwuchs in den genannten Disziplinen ist, unterstreicht ein neuer Ausstellerrekord mit nicht weniger als 47 Unternehmen, darunter neben den bekannten Konzernen auch zahlreiche Mittelständler und kleinere Firmen. Dei mussten wir noch mehreren interessierten Unternehmen aus Platzgründen sagen, bedauert Jürgen Wiest, Leiter des Arbeitskreises Industriekontakte (AKIK), der wieder für die Organisation der Karrierebörse verantwortlich zeichnet. wb Weiteres unter

9 uni ulm aktuell 9 Neue duale Studiengänge Den Tupfer bitte und einen Bachelor dazu Ohne medizinisch-technische Assistenten läuft kein OP, keine Röntgenaufnahme, kein Lor. Erstmals in Deutschland können diese gesuchten Fachkräfte ihre Ausbildung nun in ein duales Bachelor-Studium integrieren. Möglich macht dies eine Kooperation der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim mit der Akademie für Gesundheitsberufe des Universitätsklinikums in Ulm. Foto: Grandel (v. l.) Prof. Karl Joachim Ebeling, Präsident der Universität Ulm; Prof. Reinhold Geilsdörfer, Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg; Prof. Reinhard Marre, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm; Prof. Manfred Träger, Rektor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim; Prof. Andreas Mahr, Prorektor und Dekan der Fakultät für Technik der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim; apl. Prof. Karl-Heinz Tomaschko, Direktor der Akademie für Gesundheitsberufe des Universitätsklinikums Ulm. Auch für die Ausbildung im Bereich Pflege und für Hebammen gibt es neue integrierte duale Studienangebote, auch hier sind beide Einrichtungen mit dem bundesweit zweiten Angebot in einer Vorreiterrolle. Anfang September wurde in Ulm der Kooperationsvertrag unterschrieben. Wir wollen mit unserem Engagement die Berufsfelder im Gesundheitswesen weiterentwickeln und durch die Akademisierung auch für Bewerber mit höheren Schulschlüssen attraktiv machen, erläutert Professor Reinhold Geilsdörfer, Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Unsere beiden Einrichtungen mit ihrer großen Erfahrung sind für dieses Projekt ideale Kooperationspartner. Erst Mitte Juli betonte der Wissenschaftsrat auf seiner Tagung in Berlin die Notwendigkeit akademischer Ausbildungen in den Gesundheitsberufen, aufgrund der Zunahme an kranken und pflegedürftigen Personen. Unsere gemeinsame Kooperation kommt dieser Forderung nach, ergänzt Professor Manfred Träger, Rektor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Gesundheitswesen ist groß. Derzeit können rund 600 Vollkraftstellen im Operationsdienst aufgrund von Personalmangel nicht besetzt werden. Die neuen dualen Studiengänge eröffnen die Möglichkeit, die praktisch und theoretisch fundiert ausgebildeten Fachkräfte direkt weiter im Klinikum einzusetzen und auch für Fach- und Führungspositionen vorzusehen, freut sich Professor Reinhard Marre, der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums. Der bundesweit einmalige Bachelor of Science Medizintechnische Wissenschaften kann mit vorliegender Hochschulreife nach einem Ausbildungsschluss in Operationstechnischer Assistenz (OTA) oder Medizinisch-technischer Assistenz (MTA) mit seinen drei Fachrichtungen Loratorium (MTLA), Radiologie (MTRA) und Funktionsdiagnostik (MTAF) erworben werden. Bei diesem Aufbaumodell schließt sich an die dreijährige medizintechnische oder operationstechnische Ausbildung ein dreisemestriges Studium an der Dualen Hochschule mit hohem Praxisanteil an. Damit Unterrichtsteile der dreijährigen Ausbildung als Teil des Studiums anerkannt werden können, wurde die Schulausbildung neu konzipiert. Der bundesweit zweite duale Bachelor of Arts Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflegekräfte und Hebammen wurde als Integrationsstudium konzipiert. Bereits im zweiten Ausbildungsjahr zur Pflegekraft oder Hebamme findet zusätzlich zur Berufsausbildung an der Akademie für Gesundheitsberufe in Ulm die akademische Ausbildung an der Dualen Hochschule Heidenheim statt und führt nach der dreijährigen regulären Ausbildungszeit in weiteren zwei Semestern zum Studienschluss. Die Kurse für beide Studiengänge werden in den Räumen der Akademie für Gesundheitsberufe in Ulm angeboten. Auch in den Zeiten des Studiums sind die Studierenden am Universitätsklinikum oder bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt und erhalten eine Vergütung. Wenn wir die Besten für das Gesundheitswesen begeistern wollen, müssen wir ihnen attraktive Ausbildungs- und Studienangebote mit passenden beruflichen Perspektiven bieten genau das leisten wir mit unseren neuen Konzepten, betont apl. Prof. Karl-Heinz Tomaschko, Direktor der Akademie für Gesundheitsberufe am Universitätsklinikum Ulm. Dank unseres gestimmten Ausbildungs- und Studienkonzepts hen unsere Absolventen exzellente Berufsaussichten in Kliniken, bei niedergelassenen Ärzten, in Versorgungszentren und Pflegestützpunkten, in der biotechnologischen und pharmazeutischen Industrie sowie in der Gesundheitsfürsorge und -vorsorge, erläutert Professor Andreas Mahr, Prorektor und Dekan der Fakultät für Technik der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim. stz/dr. Jana Schliewe

10 10 uni ulm aktuell Master-Studienprogramm Advanced Oncology Erster Jahrgang feiert Abschluss Nach einer arbeitsintensiven Präsenzwoche mit Prüfungen, Vorlesungen und der Präsentation ihrer Masterarbeit konnten die Studierenden des Master Online Advanced Oncology Studienprogramms zusammen mit ihrer wissenschaftlichen Studiengangsleiterin Dr. Uta Schmidt-Straßburger auf eine erfolgreiche Studienzeit zurückblicken. Foto: Hofstätter Berufsbegleitendes Studium: SAPS im Oktober gestartet Freude über den Master-Abschluss: Die ersten Absolventen des Studienprogramms Master Online Advanced Oncology mit den Verantwortlichen Neben Modulen zur Interdisziplinären Onkologie, Klinischen Forschung und Onkologie sowie zum Management stand seit dem Start im Jahr 2010 die internationale Vernetzung und der Austausch unter Kollegen im Mittelpunkt. Das Wissenschaftszentrum Schloss Reisensburg bildete hierzu den idealen Rahmen. Nach bestandenem Examen und als Konsequenz des Modulaufbaus diskutierten die Studierenden schließend über die onkologische Patientenversorgung der Zukunft. Im Anschluss kam es zur feierlichen Überge des Abschlusses Master of Science für die erfolgreichen Teilnehmer des Studienprogramms. Bei der musikalisch umrahmten Veranstaltung anlässlich des Medizinerballs der Universität Ulm freuten sich die internationalen Studierenden über ihre bestandenen Prüfungen. Die Überge der Zertifikate erfolgte durch die Vizepräsidenten Professor Ulrich Stadtmüller (Lehre) und Professor Klaus- Michael Debatin (Medizin) sowie den Leiter des Comprehensive Cancer Centers Ulm, Professor Hartmut Döhner. Bei den Grußworten wurde ausdrücklich auch die Pionierarbeit von Alt-Rektor Professor Theodor Fliedner als Initiator des Studiengangs wie auch die Aufbauarbeit von Dr. Manuela Bergmann als ehemalige medizinische Studiengangsleiterin gewürdigt. Beim anschließenden Bankett feierten die Absolventen zusammen mit ihrem Projektteam, das sichtlich stolz auf seine Studierenden war. Der Studiengang ist erfolgreich gestartet und die Resonanz zeigt, dass wohl auch in den kommenden Jahren weitere Jahrgänge ihren Abschluss feiern werden. Marc Löchner Das Programm der School of Advanced Professional Studies (SAPS) zur berufsbegleitenden akademischen Weiterbildung an der Universität Ulm ist im Oktober mit dem Blockkurs Passive and active reconfigurle antenna design gestartet. 28 internationale Teilnehmer, darunter Inder, Spanier und ein Brasilianer, waren für die gemeinsame Seminarwoche der SAPS, der European School of Antennas (ESoA) und des FLEX- WIN-Konsortiums nach Ulm gereist. Neben den Ulmer Professoren Hermann Schumacher und Wolfgang Menzel hielten Dozenten aus England, den USA und Italien Vorlesungen. Inzwischen ist auch das berufsbegleitende Studienangebot der SAPS angelaufen. Ein Intensivseminar in der Villa Eberhardt markierte den Auftakt des Moduls Strategisches Prozessmanagement als Teil des geplanten Studiengangs Innovations- und Wissensmanagement. Die Einführungsveranstaltung in das Modul Entwurfsmethodik eingebetteter Systeme (Studiengang Sensorsystemtechnik) wurde online gehalten. Für die Module hat die Abteilung für Lehr- und Lernforschung am Institut für Psychologie und Pädagogik ein didaktisches Konzept erarbeitet. Erprobt wird ein Blended-Learning-Programm mit circa 80 Prozent Online-Anteilen und 20 Prozent Präsenzveranstaltungen. Der Aufbau des Zentrums für berufsbegleitende universitäre Weiterbildung sowie die Entwicklung und Erprobung von Modulen für die geplanten Studiengänge werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zuge des Projekts Mod:Master gefördert.

11 uni ulm aktuell 11 Erfolgreiche Reakkreditierung: Gütesiegel für Wirtschaftswissenschaften Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften an der Universität Ulm ist reakkreditiert worden und erhält somit zum zweiten Mal ein Gütesiegel für sein Studienkonzept. Alle deutschen Hochschulen sind verpflichtet, ihre Studiengänge in regelmäßigen Abständen von unhängigen Akkreditierungsagenturen prüfen zu lassen. Fotos: Eberhardt/kiz Freude über die Reakkreditierung des Studiengangs Wirtschaftswissenschaften: Prof. Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre, und der Dekan der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften, Prof. Paul Wentges (v. l.) Eine qualitativ hochwertige Umsetzung des Studienkonzepts ist gewährleistet, hoben die Gutachter bezüglich des Ulmer Studiengangs hervor. Sie lobten die überzeugende fachliche Ausrichtung der Wirtschaftswissenschaften, die hervorragende Betreuung der Studierenden durch Hochschullehrer sowie Studienberater und nicht zuletzt den Gestaltungsspielraum im Studium. Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften setzt sich aus den Kernelementen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre zusammen. Weiterhin stehen Mathematik, Informatik, Wirtschaftsrecht und Sprachen auf dem Studienplan. Es freut uns, dass uns für diesen integrativen Ansatz, mit dem wir unsere Studierenden bestmöglich auf eine Karriere in Praxis oder Wissenschaft vorbereiten, eine herausragende Qualität bescheinigt wurde, sagt Professor Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre an der Universität. Zum Bachelorstudium Wirtschaftswissenschaften werden jährlich 230 Studienanfänger zugelassen zehnmal mehr Interessenten bewerben sich jeweils dafür. Die überschaubaren Anfängerzahlen garantieren eine besonders günstige Betreuungsrelation sowie das Lernen in Kleingruppen. Einblicke in die Praxis, Sprach- und Rhetorikkurse sowie etwa Seminare zur Wirtschaftsethik runden das Ulmer Konzept. Es spornt uns an, dass die hervorragende wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung sowie die idealen Rahmenbedingungen in Ulm von den Gutachtern so sehr gewürdigt wurden, betont der Dekan der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften, Professor Paul Wentges. Das erfolgreiche Ergebnis der Reakkreditierung hat für sieben Jahre Bestand. Ute Fülle/ Foto: Julian Latzko Beim 6. Energietag auf dem Ulmer Münsterplatz hen rund 40 Aussteller Mitte September ein breites Spektrum rund um das Energiesparen, erneuerbare Energien und den Klimaschutz präsentiert. Die Universität Ulm wurde vom Institut für Elektrochemie vertreten. Wie man Sonnenenergie speichern und wieder rufen kann, zeigten die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Donato Fantauzzi (l.) und Martin Metzler in einem Versuch, den das Institut bereits auf der Hannover Messe 2012 vorgeführt hatte. Die anschauliche Kombination aus Photovoltaik, Elektrolyse und Brennstoffzelle lockte Interessierte aller Altersstufen an den Stand. Unter dem Motto Energie zum Anfassen wurde der Energietag um ein einwöchiges Rahmenprogramm mit Exkursionen und Informationsveranstaltungen erweitert. Julian Latzko

12 12 uni ulm aktuell Erfolgreiches Austauschprogramm Seit über 30 Jahren von Ulm in die USA: Rund 700 Studentinnen und Studenten mathematischer Fächer hen in mehr als 30 Jahren am USA-Programm der Ulmer Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften teilgenommen. Mitte des Jahres verschiedete Universitätspräsident Professor Karl Joachim Ebeling 13 weitere Studierende, die ein Jahr in Nordamerika verbringen. Foto: Bingmann Studierende, die ein Jahr in Nordamerika verbringen, wurden vom Universitätspräsidenten Prof. Karl Joachim Ebeling und dem Koordinator des Programms, Prof. Hans-Joachim Zwiesler (3. Reihe, 1., 2. v. l.), verschiedet In einem Online-Tagebuch ( Blog ) berichten die Studierenden in Wort und Bild von ihrem Austauschjahr in Nordamerika. Inzwischen hen die angehenden Akademiker Anfangsschwierigkeiten überwunden und genießen den Studienalltag zwischen anspruchsvollen Vorlesungen, der Tätigkeit als Teaching Assistant und wohl verdienten Freizeitaktivitäten. Ihre Blogeinträge handeln zum Beispiel vom Besuch des US-Präsidenten Barack Obama an der Gastuniversität (Florida Institute of Technology) oder einem Oktoberfest in Milwaukee. Ein Student hat sogar ein ABC seiner bisherigen Erlebnisse erstellt vom Uni- Maskottchen ( Aztec ) bis zum bekannten Zoo seiner Studienstadt San Diego. An Partneruniversitäten hen die sehr guten Studentinnen und Studenten die Möglichkeit, einen vollwertigen nordamerikanischen Masterschluss in Mathematik zu erwerben. Anschließend können sie ihr Studium in Ulm dank entsprechender Abkommen fast ohne Zeitverlust fortsetzen. Die US-Kollegen vertrauen unserem Auswahlprozess und setzen unsere Studierenden als Mathematik-Tutoren ein, erklärt der Koordinator des Programms, Professor Hans-Joachim Zwiesler. Somit würden Ulmer Studenten sogar für ihren Auslandsaufenthalt bezahlt ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des Programms. Neben einem mindestens guten Bachelorschluss zum Beispiel in Mathematik, Wirtschaftsmathematik oder Mathematischer Biometrie müssen Bewerber überdurchschnittliche Englischkenntnisse nachweisen (TOEFL-Test) und den allgemeinen Zugangstest amerikanischer Universitäten bestehen. Einmal an der San Diego State University, der University of Wisconsin oder etwa am Florida Institute of Technology eingeschrieben, profitieren die Neuankömmlinge oftmals von ihren Vorgängern: Die Studenten übernehmen teilweise Wohnungen und Autos von Ulmer Kommilitonen, die bereits am Ende ihres Austauschs stehen, weiß Zwiesler. In diesem Jahr ist erstmals ein Nachwuchsakademiker im Zuge des Programms nach Kanada gegangen. Bei der Verschiedung lobte Karl Joachim Ebeling den Entschluss der Studierenden: Die USA sind das interessanteste Land, wenn man Wissenschaft betreiben möchte. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass ein Auslandsaufenthalt ungemein bereichere. Das Ulmer USA-Programm ist Ende der 70er- Jahre vom Mathematik-Professor Wolfgang Jurkat ins Leben gerufen worden. Seitdem hat sich der Kreis amerikanischer Partnerhochschulen stets erweitert. Oft zählen die Ulmer Austauschstudentinnen und -studenten in den USA zu den Leistungsträgern ihres Jahrgangs. Nicht selten werden ihnen Doktorandenstellen angeboten.

13 uni ulm aktuell 13 Deutschland-Stipendien: Stipendienzahl verdoppelt Nach 34 im Vorjahr kann die Universität Ulm zum laufenden Wintersemester 68 Deutschland-Stipendien vergeben. Dass die Zahl damit verdoppelt werden konnte, verdankt die Uni zahlreichen neu gewonnenen Geldgebern, darunter neben namhaften Unternehmen aus der Region auch verschiedene gemeinnützige Organisationen und mehrere großzügige Persönlichkeiten. Denn die Stipendien in Höhe von 300 Euro monatlich werden bekanntlich jeweils zur Hälfte vom Bund und von privater Seite finanziert. Wir freuen uns über das eindrucksvolle Engagement der regionalen Wirtschaft, die damit ohne Frage auch den Beitrag der Universität zur Ausbildung hoch qualifizierter Fachkräfte würdigt, sagt Universitätspräsident Professor Karl Joachim Ebeling, sehr dankbar sei die Uni er auch den Privatleuten, die, aus welchen Motiven auch immer, völlig selbstlos begte und leistungsstarke Nachwuchsakademiker unterstützen. Wie jetzt auch einige emeritierte und pensionierte Professoren der Universität, zudem ihr auf besondere Weise verbundene Persönlichkeiten wie der ehemalige Ministerpräsident Lothar Späth. Unsere Aktivitäten hen sich in jedem Fall gelohnt, erklärt Ellen Kamrad, Leiterin der Uni-Marketing-Abteilung. Kamrad zufolge ferner bemerkenswert: Neben den neu gewonnenen 17 Förderern mit insgesamt 36 Stipendien hen neun Stipendiengeber aus dem Vorjahr ihre Zusagen verlängert. Sieben unterstützen die Aktion jetzt für zwei oder drei Jahre. Mit allein zehn Stipendienzusagen größter Sponsor aus der Wirtschaft ist übrigens die Stiftung des früheren Putzmeister- Inhers Karl Schlecht. Inzwischen läuft das Bewerbungsverfahren für die seinerzeit von Bundesforschungsministerin Annette Schavan initiierten Stipendien, die einkommensunhängig vergeben werden und sich nach dem Willen der Bundesregierung zu einer wichtigen Säule der Studienfinanzierung entwickeln sollen. Uni-Forschungsreferent Dr. Karl-Heinz Müller, der die Verge durch eine spezielle Auswahlkommission vorbereitet, rechnet mit rund 500 Anträgen. Neu dei: Bei den Vergeentscheidungen sollen künftig soziale Kriterien gegenüber Leistungsmerkmalen stärker gewichtet werden. Völlig frei sei die Kommission jedoch nur bei 21 der neu zu bewilligenden Stipendien, so Müller, die restlichen sind auf Wunsch der jeweiligen Förderer für bestimmte Fakultäten oder Studiengänge vorgesehen. wb IHK Ulm Die erste Adresse in allen Wirtschaftsfragen. Zentrale Telefonnummern der Themenbereiche Wir sind rund um die Uhr erreichbar: persönlich, am Telefon, per Voic oder . Öffnungszeiten unseres ServiceCenters: Basisauskünfte und Informationen Montag - Freitag 8-18 Uhr Ausbildung 0731 / Berufliche Weiterbildung 0731 / Bildungsnetzwerk Schule/Wirtschaft 0731 / Existenzgründung (StarterCenter) 0731 / Faszination Technik 0731 / Innovation und Umwelt 0731 / International 0731 / Kontaktstelle Frau und Beruf 0731 / IHK Ulm Haus der Wirtschaft Olgastraße , Ulm Tel / 173-0, Fax 0731 / Kooperationszentrum Verkehr und Logistik 0731 / Kooperation Wirtschaft / Wissenschaft 0731 / Öffentlichkeitsarbeit, IHK-Magazin 0731 / Recht und Steuern 0731 / Standortpolitik 0731 / Unternehmensförderung Handel, Dienstleistungen, Tourismus 0731 / Die erste Adresse im Internet für regionale und überregionale Wirtschaftsinformationen. Branchenexperten unter Dok.-Nr Fachfragen von A Z unter Dok.-Nr IHK-Newsletter Aktuelle Informationen online Arbeitsrecht Ausbildung Außenwirtschaft Familienunternehmen Gefahrgut Gesundheitswirtschaft Gründung und Unternehmensaufbau Handel Innovation Konjunktur Kontaktstelle Frau und Beruf Monatsticker Öffentlichkeitsarbeit Personalleiter Schule / Wirtschaft Steuerinfo Südost-Europa Umwelt Verkehr und Logistik Versicherungsvermittler Weiterbildung Wirtschaftsrecht Wirtschaftsnachrichten im Internet: Das aktuelle IHK-Magazin»Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee«(WAB) können Sie auch auf unserer Website lesen > (Dok-Nr )

14 14 uni ulm aktuell Neuer AStA-Vorstand an der Uni Ulm: Erklärtes Ziel Verfasste Studierendenschaft Wir hoffen der letzte AStA-Vorstand an der Universität Ulm zu sein, sagt die neu gewählte Führung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) und spielte auf die mögliche Einführung der Verfassten Studierendenschaft an. Bei der konstituierenden Sitzung Anfang August ist der angehende Biochemiker Frederik Bonz (Unhängige Liste) zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Seine Stellvertreter sind die Medizinstudenten Benjamin Weber (Juso HSG) und Felix Kielgast (Unhängige Liste). Barbara Körner (Unhängige Liste, Psychologie) und Alexander Junker (Juso HSG, Medizin) fungieren als Beisitzer. Foto: Bingmann Der frisch gewählte AStA-Vorstand (v. l.): Benjamin Weber, Felix Kielgast, Barbara Körner und Alexander Junker Ihr wichtigstes Ziel für die einjährige Amtszeit: An der Universität Ulm soll die Verfasste Studierendenschaft eingeführt werden. Im Gegensatz zum AStA dürfte diese Studierendenvertretung ihre eigene Satzung festlegen, Verträge schließen und ihre Finanzen selbstbestimmt verwalten. Als wohl wichtigste Neuerung hätten die Studierendenvertreter nach langer Zeit wieder das Recht, sich zu politischen Themen zu äußern. Die Einführung der Verfassten Studierendenschaft wurde durch den Regierungswechsel in Baden-Württemberg möglich. Das entsprechende Gesetz ist Mitte Juli in Kraft getreten. Wir wollen die gute Arbeit unserer Vorgänger weiterführen und uns nach bestem Wissen und Gewissen für studentische Belange in Kultur, Musik und Sport einsetzen, sagte Benjamin Weber. Gleichzeitig planten sie, eng mit den Fachschaften zusammenzuarbeiten und bei Ulms Nachwuchsakademikern ein stärkeres Bewusstsein für politisches Engagement zu wecken trotz der oft zeitintensiven Bachelor- und Masterstudiengänge. An den Gremienwahlen hatten sich nur rund zehn Prozent der Berechtigten beteiligt. Nach der Stimmenauszählung stand fest: Die Unhängige Liste konnte sich zehn der insgesamt zwölf AStA-Mandate sichern. Die Liste war nach geraumer Zeit wiederbelebt worden, ihre Mitglieder rekrutieren sich vor allem aus den Fachschaften. Fünf Fragen an Frederik Bonz, den neuen Vorsitzenden des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) Foto: Eberhardt/kiz Hat Sie der deutliche Sieg der Unhängigen Liste überrascht? Über den Wahlausgang he ich mir vor der Abstimmung nur wenig Gedanken gemacht. Ich war mir er sicher, dass die Unhängige Liste einige Stimmen erhält. Mit zehn AStA-Mandaten hätte ich allerdings nicht gerechnet. Wie hen Sie sich vor Ihrer Wahl zum AStA-Vorsitzden politisch engagiert? Bisher he ich tatsächlich keinem Gremi- um angehört. Jedoch bin ich seit Studienbeginn Semestersprecher in der Biochemie und seit dem vergangenen Wintersemester aktives Mitglied im Arbeitskreis Verfasste Studierendenschaft. Durch diese Erfahrungen ist mein Interesse für den AStA erst richtig geweckt worden. Die Verfasste Studierendenschaft ist Ihr erklärtes Ziel. Wie wollen Sie die Einführung voranbringen? Der Arbeitskreis Verfasste Studierenden-

15 uni ulm aktuell 15 schaft sollte weiterhin eng mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss beziehungsweise der Studierendenvertretung zusammenarbeiten. Der Rahmen für die Verfasste Studierendenschaft ist bereits gespannt. Jetzt müssen wir Feinheiten wie die Wahlmodalitäten ausarbeiten und die Satzungen und Ordnungen ausformulieren. Was wollen Sie während Ihrer Amtszeit noch erreichen? Als AStA-Vorsitzender möchte ich meine Kommilitonen für die Hochschulpolitik begeistern. Es wäre schön, wenn die Beteiligung bei den Gremienwahlen in Zukunft etwas höher ausfallen würde. Außerdem sollte die Zusammenarbeit mit den Fachschaften weiter intensiviert werden. Sie hen gerade ihr Masterstudium begonnen. Wie lässt sich das Amt des AStA-Vorsitzenden mit dem Studienstress vereinbaren? Über Zeitprobleme mache ich mir keine Sorgen. Das Bachelorstudium war zwar schon anstrengend, er gesehen von Klausurphasen he ich immer Zeit für Nebentätigkei- ten geht. So werde ich sicher auch im Master Zeit für die Hochschulpolitik finden. Mit Frederik Bonz gesprochen hat Annika Bingmann Zur Person Frederik Bonz (24) ist im Ulmer Umland aufgewachsen und hat an der hiesigen Universität den Bachelorstudiengang Biochemie geschlossen. Neben seinem gerade begonnenen Masterstudium spielt er gerne Klavier und hat in diesem Jahr zum zweiten Mal das Team Uni Ulm als Halbmarathonläufer beim Einstein Marathon unterstützt. Ulmer Universitäts-Trainingscamp: Ein ganzes Semester in vier Wochen Rund 600 angehende Erstsemester hen im September ihre letzten freien Tage im Ulmer Universitäts-Trainingscamp verbracht. In diesem Jahr hatten sich so viele Teilnehmer wie nie zuvor angemeldet eine besonders große Gruppe waren Studienanfänger der Wirtschaftswissenschaften. In allgemeinen und fachspezifischen Veranstaltungen hen sich die jungen Leute vom 3. bis zum 27. September auf ihre ersten Mathematikprüfungen vorbereitet. Ganz nebenbei lernten sie die Universität Ulm kennen. Foto: Bingmann Rund 600 angehende Erstsemester hen im Ulmer Universitäts-Trainingscamp ihre Mathematik-Kenntnisse aufgefrischt Polynomdivision, Integralrechnung und Kurvendiskussionen... wer bei diesen Schlagwörtern unsicher wird, war im Mathecamp gut aufgehoben. Bereits im Eingangstest hat eine Gruppe künftiger Medieninformatik-Studenten Lücken in ihrem Schulwissen entdeckt. Abhilfe versprach zum Beispiel die Vorlesung von Dr. Michael Lehn: Im Trainings camp besteht die Chance, mathematische Grundlagen zu wiederholen. Die Erstsemester sollen ein ganzes Semester in knapp vier Wochen erleben Vorlesungen, Tutorien und Klausuren inklusive. Vor Studienbeginn wurde also eine Brücke zwischen der Schulmathematik und dem universitären Niveau gebaut. Nebenbei sind unter den Neuankömmlingen Freundschaften entstanden, die womöglich das gesamte Studium überdauern. Zu Beginn des Trainingscamps wurden täglich zwei parallele Vorlesungen angeboten eine davon für besonders mathematiklastige Studiengänge. Im Anschluss konnte das Gelernte in studienspezifischen Tutorien ver- tieft werden. Weitere Einblicke in ihre Fächer hen die Mathecamper in der dritten und vierten Woche erhalten: Für angehende Molekularmediziner oder Biologen standen zum Beispiel statistische Grundlagen, Grenzwerte und elementare Kombinatorik auf dem Stundenplan. Zudem wurden einige Studiengänge vorgestellt. Teilnehmer des Universitäts-Trainingscamps hen ihren Kommilitonen nicht nur in Sachen Mathematik einiges voraus: Im Laufe des Camps stellten sich zudem Einrichtungen der Universität wie das Kommunikations- und Informationszentrum (kiz) oder das Sprachenzentrum vor. Veranstaltungen des Instituts für Psychologie und Pädagogik zu Lerntechniken rundeten das Angebot. Ende September ist das Ulmer Universitäts- Trainingscamp dann mit einem gemeinsamen Grillfest ausgeklungen. Wie im vergangenen Jahr lag die Organisation bei Professor Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre, dem Studiendekan für Mathematik, Wirtschaftsmathematik und Finance, Professor Friedmar Schulz, sowie Stefan Ehrenfried. Gegen Ende des Mathecamps ist das Angebot Fit für Chemie gestartet. Beide Trainingscamps sind Teil des vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) geförderten Projekts Studienmodelle individueller Geschwindigkeit".

16 16 Rubrik,Thema, Titel... Foto: Eberhardt/kiz Prof. Joachim Ankerhold Naturwissenschaften: Prof. Joachim Ankerhold neuer Dekan Weiterhin offene und respektvolle Diskussionen Professor Joachim Ankerhold (Institut für Theoretische Physik), bisher Studiendekan seines Fachbereichs, ist Mitte des Jahres vom Fakultätsrat zum neuen Dekan der Naturwissenschaften gewählt worden. Der gebürtige Göttinger, Jahrgang 1963, hat damit zum Wintersemester die Nachfolge von Professor Axel Groß übernommen, der jetzt als Vizepräsident für die Forschung amtiert. Neu auch sein Stellvertreter: In dieser Funktion hat Professor Sven Rau (Institut für Anorganische Chemie I) den Physiker Professor Johannes Denschlag (Institut für Quantenmaterie) gelöst. Zweiter Prodekan und Studiendekan für den Fachbereich Biologie bleibt Professor Günter Ehret (Institut für Neurobiologie). Ferner hat der Fakultätsrat zwei neue Studiendekane gewählt: Professor Timo Jacob (Institut für Elektrochemie) für die Chemie und Professor Fedor Jelezko (Institut für Quantenoptik) für die Physik. Die Fakultät lebt von einem sehr kollegialen Umgang ihrer Mitglieder sowohl innerhalb der drei Fachbereiche als auch zwischen diesen, sagt Ankerhold. Grundlage für diese durch seine Vorgänger geprägte Atmosphäre seien offene und respektvolle Diskussionen. Nur damit lassen sich die vielfältigen Anforderungen meistern. Ein wichtiges Anliegen ist dem Dekan nach eigener Aussage eine enge Abstimmung und ein offener Austausch mit dem Präsidium im Zusammenhang mit dem noch keinesfalls geschlossenen Wandlungsprozess bedingt durch zahlreiche Neuberufungen, verbunden zudem mit einer Fokussierung auf neue Forschungsschwerpunkte. Die Fakultät hat durch diese Veränderungen weitere Forschungsstärke im weltweiten Wettbewerb gewonnen, ist Professor Ankerhold überzeugt. Daneben rücke er auch die Lehre zunehmend in den Blickpunkt. Der Verbund von Forschung und Lehre sei für ihn deshalb ebenfalls ein wichtiger Aspekt, regelmäßige Gespräche mit den Studierenden inklusive. Vor seinem Wechsel nach Ulm im Mai 2007 hatte der Wissenschaftler nach seiner Hilitation in Freiburg als Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Gastprofessuren an verschiedenen europäischen Universitäten übernommen, unter anderem in Genf, Helsinki, Paris und am Weizmann-Institut in Israel. Promoviert ( summa cum laude ) worden ist Joachim Ankerhold von der Universität Essen, studiert hatte er Physik und Philosophie an den Universitäten Marburg und Bonn. Zwischen 1996 und 1998 ermöglichte ihm ein Fedor-Lynen-Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung einen mehrjährigen Forschungsaufenthalt an der Columbia University in New York. wb

17 Personalien 17 Wunderheilung im Aquarium: Forschung zur Regenerationsfähigkeit von Zebrafischen In Professor Gilbert Weidingers Dienstzimmer stapeln sich die Umzugskartons. Gerade ist ihm seine Arbeitsgruppe von der Technischen Universität Dresden ans Ulmer Institut für Biochemie und Molekulare Biologie gefolgt. Ebenso wichtig für die Forschung des 41-Jährigen sind zehntausende Zebrafische, die seit Kurzem ihre Runden in hunderten Tanks im Universitätskeller drehen. Obwohl die Fische mit den charakteristischen Streifen maximal fünf Zentimeter messen, hen sie uns Menschen und anderen Säugern Einiges voraus: Verlieren sie eine Flosse, wächst ihnen das Gliedmaß innerhalb kürzester Zeit nach. Sogar Verletzungen an Organen wie dem Herzen, an der Retina oder im Zentralen Nervensystem können die Süßwasserbewohner selbst reparieren. Wir versuchen, zelluläre und molekulare Mechanismen zu verstehen, die diese enorme Regenerationsfähigkeit bei erwachsenen Tieren ermöglichen, erklärt Weidinger. Möglicherweise ließen sich die Reparaturprozesse der Fische eines Tages für die klinische Forschung nutzen oder sogar auf den Menschen übertragen. Für den Laien mag es zunächst surd erscheinen, Erkenntnisse aus dem Aquarium auf herzkranke oder amputierte Patienten anzuwenden. Doch der Zebrafisch, der als Wirbeltier viel mit Menschen gemein hat, konnte sich weltweit als Modellorganismus etlieren. Als Forschungsmodell eignet er sich, weil er einfach in großer Zahl zu halten ist, sein Erbgut entziffert und seine Entwicklung gut verstanden ist. Außerdem lassen sich transgene Zebrafische recht einfach züchten darunter versteht man genetisch leicht modifizierte Stämme der Tiere. Anhand dieser Wasserbewohner versuchen die Forscher zu verstehen, welche Gene die Regenerationsfähigkeit der Fische steuern und welche molekularen Signalnetzwerke im Reparaturprozess aktiv sind. Dei liegt ein Fokus auf sogenannten Wnt-Signalmolekülen, die bei der embryonalen Entwicklung eine Rolle spielen und Säugern sowie Zebrafischen gemein sind. Vielleicht muss beim Menschen lediglich der richtige genetische Schalter umgelegt werden und der Erneuerungsprozess kann beginnen? Foto: Eberhardt/kiz Prof. Gilbert Weidinger Gilbert Weidingers Arbeitsgruppe hat bereits herausgefunden, woher die Zebrafische Zellmaterial für ihre Reparaturen nehmen: Verletzt der Fisch seine Flosse, werden sogenannte differenzierte adulte knochenbildende Zellen aktiviert. Diese Zellen verfügen über eine gewisse Plastizität. Sie de-differenzieren, entwickeln sich also zurück in ein Vorläuferstadium, und sind so imstande, Knochen in der Flosse zu regenerieren, so der Wissenschaftler. Diese Erkenntnis hat er im vergangenen Jahr im Fachjournal Developmental Cell veröffentlicht. Zebrafische sind der sprichwörtliche rote Faden in Gilbert Weidingers Biographie. Bereits als Doktorand beschäftigte er sich mit der embryonalen Entwicklung der Flossentiere, die eigentlich in Indien beheimatet sind. Aus Interesse an den Zebrafischen kehrte er seiner österreichischen Heimat den Rücken und forschte an verschiedenen deutschen Universitäten sowie an der Medi- zinischen Fakultät der University of Washington (USA). In dieser Zeit hat sich sein Schwerpunkt auf die erstaunliche Regenerationsfähigkeit der Wasserbewohner verlagert. Aufgrund der zahlreichen Kooperationsmöglichkeiten in Sachen Zebrafisch fiel Weidinger die Entscheidung für die Universität Ulm nicht schwer: Auf dem Eselsberg nutzt zum Beispiel Professor Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II, die gestreiften Fische für seine Forschung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem ist die Reparatur von Knochen ein wichtiges Thema an der Medizinischen Fakultät. An der Uni Ulm schätze ich die Nähe zu weiteren Naturwissenschaften und zur Medizin. Dadurch ergeben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für interdisziplinäre Projekte, sagt Weidinger. Er freue sich, als Biologe zur anwendungsorientierten Forschung beitragen zu können. Der Erfolg gibt ihm recht: Erst kürzlich ist er mit dem Oskar- Lapp-Stipendium der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie Herz- und Kreislaufforschung e. V. ausgezeichnet worden. Seine Mitarbeiter hen inzwischen gelernt, die Fische in Windeseile am Herzen zu operieren und ihnen womöglich live bei der Nachbildung ihrer Flossen unter dem Mikroskop zuzusehen. Die spontane Wunderheilung lässt nicht lange auf sich warten. Zebrafische und kein Ende? Bei Tagungen tausche ich mich gerne mit Kollegen aus, die zu anderen Tieren mit erstaunlichen regenerativen Fähigkeiten forschen, zum Beispiel dem Salamander, lacht Gilbert Weidinger. Und auch seine Freizeitgestaltung ist alles andere als maritim geprägt. Der Professor ist ein begeisterter Bergsteiger und freut sich bereits, das Ulmer Umland zu erkunden. Die Schönheit der Natur betrachtet Gilbert Weidinger auch gerne durch den Sucher seiner Kamera.

18 18 Personalien Prof. Heribert Anzinger: Steuerrecht ist Recht auf Rädern Als Jurist an der Universität Ulm ist Heribert Anzinger, Inher der neu geschaffenen Professur für Wirtschafts- und Steuerrecht, nur auf den ersten Blick Exot. Zum einen hat er sich neben seinem Studium der Rechtswissenschaft in Bayreuth die für einen Steuerrechtler undingbaren Wirtschaftskenntnisse angeeignet (Zusatzqualifikation Wirtschaftsjurist ). Zum anderen sieht er frappierende Ähnlichkeiten zwischen der juristischen Technik der Subsumtion und der theoretischen Mathematik: Egal ob Naturwissenschaftler, Ingenieur oder Jurist. Wir alle zerlegen komplexe Zusammenhänge, sagt Anzinger. Foto: Eberhardt/kiz Prof. Heribert Anzinger Mit seinen Forschungsschwerpunkten im nationalen und internationalen Unternehmenssteuerrecht mit Bezügen zum Bilanz-, Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht he er in Ulm sogar mehr Anknüpfungspunkte als an seiner vorherigen Station, dem Darmstädter Fachbereich für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Exemplarisch nennt der neue Professor die Wirtschaftsprüfung, Versicherungsund Finanzwissenschaften sowie Behavioral Economics. An der hiesigen Universität hätten ihn zudem der gute Ruf des Instituts für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung und seine hervorragenden Dozenten gereizt. Heute wirkt Heribert Anzinger wie ein Vollblutwissenschaftler, lange hat er jedoch mit einer Karriere in der freien Wirtschaft oder in der elterlichen Steuerkanzlei geliebäugelt. Nach dem Referendariat in München arbeitete er zunächst als Gutachter mit den Schwerpunkten Unternehmensveräußerungen und Nachfolgeplanung. Seine ausgezeichnete Promotion im Finanz- und Steuerrecht an der Technischen Universität Darmstadt erleichterte ihm jedoch die Entscheidung für eine universitäre Laufbahn. Jetzt lautet Anzingers Mission Steuergerechtigkeit in alle Richtungen, fern von Profit und Kundenwünschen. Dei müssen Handlungsvorschläge praktikel und international wettbewerbsfähig sein. Ist es also rechtens, dass die FIFA 800 Millionen Euro Gewinn aus der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nicht versteuern musste, obwohl die Bundesrepublik die nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt hat? Wie kann die Steuerlast international produzierender Unternehmen möglichst gerecht auf mehrere Staaten verteilt werden? Und auf welche Weise sind Private Equity- und Investmentfonds zu besteuern? sind nur einige Fragestellungen, die der 39-Jährige untersucht. Mit Fallbeispielen reichert Anzinger gerne seine Vorlesungen an, gegenüber Unternehmenskooperationen ist er offen. Und der Erfolg gibt ihm recht: Für seine Lehrveranstaltungen ist der Jurist bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden. An der Universität Ulm will er auf E-Learning und forschendes Lernen setzen, bei dem Seminarinhalte bestenfalls in einer Publikation münden. Außerdem legt Anzinger großen Wert auf eine gewisse Allgemeinbildung seiner Studierenden. Steuerrecht ist Recht auf Rädern, es ändert sich ständig, erklärt der gebürtige Münchner. Es sei zudem ein Instrument der Wirtschafts-, Forschungs-, Sozial- und Familienpolitik, man müsse sich also ständig in neue, interdisziplinäre Sachverhalte einarbeiten. Während der eigenen Studienzeit hat der Jurist seinen Horizont durch zusätzliche Seminare in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften erweitert. Heribert Anzingers Gastdozentur an der Privaten Universität im Fürstentum Liechtenstein löst sicher bei vielen Mitmenschen ein Schmunzeln aus. Der Professor selbst bezeichnet Liechtenstein als idealen Ort, um Steuerrecht zu erforschen ( dort ist gerade viel im Umbruch ). Einen idealen Ort zum Leben hen der Wissenschaftler und seine Familie offenbar in Blaustein gefunden. Vom neuen Heim aus bricht Heribert Anzinger zu Mountainbike-Touren oder Kletterausflügen in die Berge auf. Den Botanischen Garten der Uni Ulm und die Schwäbische Alb hat er bereits schätzen gelernt. Deutscher Rechenzentrumspreis: Elektrotechnik und Informatik gefragt Ideen, Forschungsergebnisse und Neuentwicklungen rund um das Thema Rechenzentrum sind im Rahmen des Wettbewerbs um den Deutschen Rechenzentrumspreis 2013 gefragt. Dei kommen aus dem Bereich der Universität Ulm vor allem die Bereiche Elektrotechnik und Informatik in Frage. Den drei Bestplatzierten winken Preisgelder in Höhe von 3000, 2000 und 1000 Euro. Einsendeschluss ist der 31. Dezember wb Weiteres unter deutscher-rz-preis

19 Personalien 19 Prof. Stefan Wewers zurück an der Uni Ulm Durch Fermat zur mathematischen Forschung Rund 360 Jahre lang stellte eine Randnotiz des französischen Mathematikers und Juristen Pierre de Fermat (ca ) die Fachwelt vor Rätsel. Er behauptete, dass es keine ganzzahlige, von Null verschiedene Lösung für die diophantische Gleichung (an+bn=cn) gebe, wenn n größer als zwei sei. Für den Beweis he er in der besagten Randnotiz keinen Platz. Im Jahr 1993 erfuhr der damalige Mathematikstudent Stefan Wewers, dass der Brite Andrew Wiles die Fermatsche Vermutung oder Fermats letzten Satz erstmals beweisen konnte. In einem Oberseminar an der Universität Karlsruhe hen wir uns mit den Hintergründen des Beweises beschäftigt. So ist mein Interesse für die Zahlentheorie erst richtig geweckt worden, erinnert sich der neue Professor am Institut für reine Mathematik. Aus dieser Faszination heraus entschied er sich für eine Promotion an der Universität Essen sein Doktorvater, Professor Gerhard Frey, war maßgeblich am Beweis von Fermats letztem Satz beteiligt. Foto: Eberhardt/kiz Prof. Stefan Wewers Bei der Zahlentheorie geht es eben wie bei Fermat um die Lösung von Gleichungen mit ganzen Zahlen. Dei zeichnet sich dieses alte Teilgebiet der Mathematik durch eine enorme Tiefe und zahlreiche Verbindungen zu Nachbargebieten aus. Algebraische und Diophantische Geometrie, Galois-Theorie und das Langlands-Programm Laien seien seine Forschungsschwerpunkte kaum zu vermitteln, sagt Stefan Wewers: Der Abstraktionsgrad ist schnell sehr hoch und es geht in erster Linie nicht um Anwendungen, sondern um die Schönheit der erzielten Resultate. Praktische Einsatzmöglichkeiten der Zahlentheorie gebe es zum Beispiel in der Kryptologie, also der Lehre von der Informationssicherheit durch Verschlüsselung. Aber die Praxis steht für mich nicht im Vordergrund. Am Anfang ihres Studiums hen viele Studierende Probleme, Mathematikvorlesungen zu folgen. Meistens gewöhnen sie sich er relativ schnell an die strakte Denkweise und merken, dass ihnen diese Fähigkeit auch in anwendungslastigeren Fächern nützt. Guter Unterricht ist Wewers wichtig: So hofft er auch, begte Studentinnen und Studenten zu identifizieren und womöglich für eine wissenschaftliche Laufbahn zu begeistern. Im bisherigen Verlauf seiner eigenen Karriere ist der heute 43-Jährige recht viel herumgekommen. Bereits vor dem deutschen Mathematik-Diplom wurde ihm die Maîtrise de Mathématiques am Institut Fourier im französischen Grenoble verliehen. Als Postdoc wirkte Wewers unter anderem an der University of Pennsylvania und dem Mathematical Sciences Research Institute (MSRI) im kalifornischen Berkeley, Forschungsaufenthalte führten ihn immer wieder nach Frankreich ( dort wird intensiv zur Zahlentheorie und Algebraischen Geometrie geforscht ). Nach der Hilitation an der Universität Bonn zu Überlagerungen von Kurven: Reduktion und Deformation lernte der Mathematiker erstmals die Universität Ulm kennen: Eine Vertretungsprofessur führte ihn an die Donau. Jetzt ist er nach Umwegen über Heidelberg und Hannover (W2-Professur für Zahlentheorie) zurück in der Helmholtzstraße. Über die Professur am Institut für Reine Mathematik freut sich der gebürtige Gelsenkirchener nicht nur aus fachlichen Gründen. Als Ehemann seiner jetzigen Kollegin, Professorin Irene Bouw, ist er fünf Jahre lang an den Wochenenden nach Ulm gependelt. Jetzt steht dem gemeinsamen Forschen und Leben nichts mehr im Wege. Hans-Kupczyk-Gastprofessur Forschung zur angeborenen Immunantwort Die diesjährige Hans-Kupczyk-Gastprofessur wird am 21. November (18 Uhr, Multimediaraum N27) an Professor John D. Lambris von der University of Pennsylvania verliehen. Der Biochemiker arbeitet bereits seit mehreren Jahren erfolgreich mit Ulmer Wissenschaftlern der Klinischen Forschergruppe 200 (Entzündungsantwort nach muskuloskelettalem Trauma) zusammen und bereichert das hiesige Traumalor. Dank der Gastprofessur wird Lambris dem 15. November für zwei Wochen an der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie forschen. Der amerikanische Wissenschaftler untersucht Struktur und Funktionen des Komplementsystems dei handelt es sich um einen wichtigen Bestandteil der angeborenen Immunantwort im Zuge von entzündlichen Prozessen und Traumata. Lambris nutzt das Komplementsystem als Modell der molekularen Gefahrenantwort und verwendet Methoden der Natur- und Ingenieurwissenschaft sowie der Informatik. Bei der feierlichen Verleihung der Gastprofessur durch den Universitätspräsidenten Professor Karl Joachim Ebeling wird Professor Markus Huber-Lang seinen Gast vorstellen. Anschließend spricht John Lambris über die angeborene Immunantwort ( Innate Immunity: More than a Guard Against Invading Enemies ). Die Hans-Kupczyk-Stiftung fördert Wissenschaft, Bildung und Erziehung. Durch die Gastprofessuren soll der internationale Austausch ermöglicht werden.

20 20 Personalien Prof. Wolfgang Janni leitet Frauenklinik Spitzenmedizin und menschliche Zuwendung Spezielle Angebote für besonders betreuungsbedürftige Mütter mit ihren Neugeborenen, der Ausbau der minimalinvasiven Chirurgie, die weitere Stärkung der Krebsforschung und -behandlung sowie der Reproduktionsmedizin Professor Wolfgang Janni hat für seinen Start in Ulm verschiedene Entwicklungen im Blick. Der renommierte Gynäkologe, der in München und in den USA tätig war, leitete zuletzt die Universitätsfrauenklinik der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Der 45-Jährige übernahm sein neues Amt in Ulm von Professor Rolf Kreienberg, der Mitte des Jahres in den Ruhestand gegangen ist. Kommissarisch leitete die Klinik seitdem Professor Rainer Terinde. Ich trete in die großen Fußstapfen meines Vorgängers und freue mich darauf, eine der bedeutendsten Frauenkliniken in Deutschland mit ihrer langen Tradition, großen Expertise und breiten Vernetzung in die Zukunft zu führen, sagt der gebürtige Augsburger. Für mich ist entscheidend, dass die Patientinnen aus Stadt und Region bei uns Spitzenmedizin und menschliche Zuwendung finden. Janni will den international anerkannten Schwerpunkt der Klinik in der Krebsbehandlung und Krebsforschung weiter stärken. Dazu gehört ein erweitertes Angebot an minimalinvasiven Operationsverfahren, die in Zukunft auch mit hochpräziser Roboterassistenz durchgeführt werden können. Zudem wollen wir unser Behandlungsspektrum für Krebserkrankungen erweitern. In diesem Zusammenhang werden wir auch eine neue Professur für Konservative Onkologische Therapie besetzen, so der vielfach ausgezeichnete Mediziner, der sich in seinen Forschungsprojekten unter anderem mit bösartigen Erkrankungen rings um die Schwangerschaft und verstreuten Tumorzellen in Blut- und Knochenmark beschäftigt. Im Bereich der Geburtshilfe plant der neue Ärztliche Direktor, die Betreuung von Schwangeren mit einem besonderen Risiko auszuweiten. Zudem soll eine Mutter- Kind-Einheit entstehen, in der besonders betreuungsbedürftige Mütter und Neugeborene gemeinsam versorgt werden, sowie eine Elternschule. Dieses Angebot soll eine Lücke zwischen der Versorgung auf der normalen Wochenstation und den Spezialstationen der Frauen- und Kinderklinik schließen, erläutert Janni. Zudem will er in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten seine große Erfahrung auf Foto: Uniklinik Prof. Wolfgang Janni dem Gebiet der Reproduktionsmedizin in die Entwicklung der Ulmer Klinik einbringen. Ziel des neuen Ärztlichen Direktors ist zudem, das bereits umfassende Informations- und Beratungsangebot für die Patientinnen weiter auszubauen und die gute Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten weiter zu fördern: Niedergelassene Kollegen können unsere Einrichtungen nutzen, um ihre Patientinnen zu operieren. Wir tauschen unsere Erfahrungen in Fortbildungen aus und arbeiten gemeinsam an wissenschaftlichen Studien, die für die Patientinnen neue Behandlungschancen eröffnen. Ich freue mich, dass unsere Anstrengungen zur Gewinnung von Professor Janni von Erfolg gekrönt waren, betont Professor Reinhard Marre, der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums. Mit seiner Berufung wird sich die Universitätsfrauenklinik weiter erfolgreich entwickeln können. Universitätspräsident Karl Joachim Ebeling ergänzt: Mit Herrn Professor Janni kommt ein herausragender Forscher an die Universität Ulm, der unsere erfolgreiche lebenswissenschaftliche Forschung weiter nachhaltig stärken und insbesondere dem Schwerpunkt Onkologie wichtige neue Impulse geben wird." Ergebnisse dieser Forschung finden unter anderem über das Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) ihren Weg zum Patienten, betont der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Thomas Wirth: Professor Janni wird mit seiner großen Erfahrung und Expertise die Arbeit unseres Integrativen Tumorzentrums im Bereich der Frauenheilkunde stärken und so dazu beitragen, die von der Deutschen Krebshilfe zertifizierte Spitzenstellung weiter auszubauen. jp Eile geboten: Paul-Martini-Preis ausgeschrieben Die Paul-Martini-Stiftung hat für 2013 wieder den gleichnamigen und mit Euro dotierten Preis ausgeschrieben und zwar für hervorragende Forschungsleistungen in der Klinischen Pharmakologie. Die Bewerbungsfrist läuft allerdings nur noch bis zum 1. Dezember des Jahres. wb Weiteres unter

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