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1 1 de Investitionsklima und -risiken Portugal Krise zeigt Auswirkungen / Direktinvestitionen dennoch hoch / Langfristig gute Perspektiven / Von Georg Oster Madrid (gtai) - Portugal befindet sich seit 2011 in der Rezession. Nicht vor 2014 wird wieder mit Wachstum gerechnet. Im Zuge der Anpassungsmaßnahmen aufgrund des beantragten Hilfskredits, stehen Fiskalkonsolidierung und Schuldeneindämmung an oberster Stelle, was die staatliche Investitionstätigkeit zum Erliegen brachte. Aber auch die privaten Investitionen sind eingebrochen. Andererseits ist das Interesse ausländischer Unternehmen am Lande unverändert groß. (Kontaktanschriften) Investitionsklima Portugal als kleine, offene EU-Volkswirtschaft durchschreitet gegenwärtig eine sehr schwierige Phase. Das Land beantragte aufgrund zunehmend angewachsener interner Verwerfungen und infolge der internationalen Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise im Mai 2011 unter der damaligen PS-Regierung durch Premierminister José Sócrates einen Hilfskredit in Höhe von 78 Mrd. Euro von der "Troika", gebildet aus EU, EZB und IWF. Im Gegenzug verpflichtete es sich zur Umsetzung eines Anpassungsprogramms, das als Hauptschwerpunkte drei große Bereiche umfasst: Staatssektor und Staatsfinanzen, Güter- und Dienstleistungsmärkte, Kreditsektor und Finanzaufsicht. In den bisherigen Prüfungen erhielt Portugal gute Noten aufgrund des entschlossenen Vorgehens der Mitte-Rechts- Koalitionsregierung unter Premierminister Pedro Passos Coelho. So sind Verbesserungen im Außenhandel, des externen Finanzierungsbedarfs, aber auch bei den Lohnkosten und der Produktivität festzustellen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund gewährte die "Troika" ein Jahr mehr Zeit, um die vereinbarte Defizitquote am BIP von 3% zu erreichen. Das Programm war ursprünglich bis 2013 ausgelegt, wurde jedoch im Herbst 2012 auf Mitte 2014 verlängert. Die Defizitziel zu erreichen gestaltet sich im Kontext einer in der Rezession befindlichen Volkswirtschaft aber schwierig. Darüber hinaus läuft die Umstrukturierung des Finanzsektors (unter anderem mit Anhebung der Kernkapitalquote und Rückführung der Quote zwischen Einlagenhöhe und Kreditvolumen). Im Bereich der Strukturreformen sticht die Arbeitsmarktreform heraus. Sie brachte größere Flexibilisierungen für Unternehmen. Gleichzeitig sind Bemühungen im Gange, den Staatsaufbau nachhaltig umzugestalten. Das vorherrschende gesamtwirtschaftliche Klima ist durch negative Trends geprägt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank 2011 real um 1,6% und soll 2012 um etwa 3,2% eingebrochen sein. Für 2013 steht eine Abnahme um etwa 2% ins Haus. Aber auch die Jahre zuvor war eine Wachstumsschwäche festzustellen. Zwischen 2002 und 2011 stieg das BIP im statistischen Durchschnitt gerechnet real um lediglich 0,35% pro Jahr. Die geringe Investitionstätigkeit hat entschieden zu diesem geringen BIP-Wachstum beigetragen. So sanken die Bruttoanlageninvestitionen 2011 gegenüber dem Vorjahr um real 13,8%, für 2012 wird die Abnahme auf 13,3% geschätzt und für 2013 ist ein erneuter Rückgang um 6,5% veranschlagt. Im Zehnjahreszeitraum 2002 bis 2011 ist im statistischen Durchschnitt ein alljährlicher Rückgang um 1,6% festzustellen. Dabei entfiel auf Maschinen ein jährlicher Anstieg von im Durchschnitt 0,8%, während bei Bauten im gleichen Zeitraum ein jährlicher Rückgang um 6,7% festzustellen war. Bei den exportorientierten Unternehmen dürften Investitionen in Modernisierung und Rationalisierungen getätigt werden; darüber hinaus auch in Entwicklung und Design sowie in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter. Dagegen herrscht bei Unternehmen, die mit ihren Erzeugnissen und Diensten auf den Heimatmarkt ausgerichtet sind eher

2 2 de 5 Investitionsstopp. Auch im öffentlichen Bereich werden keine neuen Investitionsvorhaben mehr in Angriff genommen. Bereits laufende Projekte werden bestenfalls aufgeschoben und andere ganz aufgegeben. Sehr eindrucksvoll ist das Investitionsengagement der ausländischen Unternehmensniederlassungen, was als Beweis für das anhaltende Interesse am Standort Portugal gewertet wird. Portugal liegt am Südwestrand von Europa. Diese geografische Lage wird mitunter als Nachteil angesehen, zum Beispiel bei der Güterproduktion aufgrund der Transportkosten zu den nördlichen Märkten. Allerdings schaffen hier, wie ausländische Investoren feststellen, andere Faktoren einen Ausgleich. Zudem dürfte der Standort, wie von Unternehmensvertretern hervorgehoben wird, schon in Kürze deutlich an Attraktivität gewinnen. So bringen die Ausbauarbeiten des Panamakanals für die Schifffahrt neue Chancen. Hier könnte Sines, neben Rotterdam der einzige Tiefseehafen Europas, als Umschlageplatz an Bedeutung gewinnen. Portugal könnte damit seiner angestrebten Rolle als "Ein- und Ausgangstor von Europa" näher kommen. Eine Umfrage zum Thema "Geschäftsklima und Erfolgsfaktoren", die von den vier deutschen Auslandshandelskammern (AHK) in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal unter ihren Mitgliedsfirmen durchgeführte wurde, kommt für Portugal zu positiven Ergebnissen. Die gegenwärtige Wirtschaftslage wird zwar von den Unternehmen mit nahezu 75% als schlecht oder sehr schlecht bewertet, was dem negativsten Wert unter allen vier Ländern gleichkommt. Allerdings wandelt sich das Bild bei der Beurteilung der firmenspezifischen Geschäftslage. Diese schätzen 90,6% der Firmenvertreter in Portugal als gut oder befriedigend ein - der beste Wert unter den vier Ländern. Für die langfristige Investitionsorientierung ist indessen die "Zufriedenheit über das Engagement" ausschlaggebend. Diese Frage beantworten 86,8% aller befragten Unternehmen mit einem klaren "ja" - ein Spitzenwert, mit dem Portugal alle anderen drei Länder deutlich hinter sich lässt. Nur 13,2% beantworten diese Frage mit "nein" - auch dieser Wert fällt deutlich geringer aus als bei den anderen Ländern. Der Geschäftsführer des zur KIRCHHOFF-Gruppe gehörenden Automobilzulieferers Gametal S.A., Paul van Rooij, meint denn auch: "Trotz der gegenwärtigen schweren Krise, bietet Portugal ausländischen Unternehmen gute mittelfristige und langfristige Geschäfts- und Investitionschancen, vor allem wenn der Geschäftsplan sich auf den Export ausrichtet. Es muss aber immer beachtet werden, dass ein ausreichendes Fertigungsvolumen vorhanden ist. Die KIRCHHOFF-Gruppe übernahm die Firma Gametal S.A. im Jahr Der Umsatz hat sich in diesem Zeitraum um das 20-fache gesteigert. Über die Stärken des Landes sagt van Rooij: "Sozialer und gesellschaftlicher Frieden und Stabilität; niedrigere Lohnkosten im Vergleich zu unseren mitteleuropäischen Standorten und mittlerweile sogar mit einigen Gruppenstandorten im Osten von Europa; eine relativ gute geografische Lage, wenn man betrachtet, dass der Standort für die Belieferung des gesamten Einflussbereiches der iberischen Halbinsel verantwortlich ist; eine gute Zulieferstruktur sowie ein interessantes Lieferantenportfolio. Hinzu kommen kompetente Universitätsabsolventen, die immer mehr in der Gruppe in Projekte einbezogen und geschätzt werden." Der Geschäftsführer von MBO Binder, Hersteller von Maschinen für die grafische Industrie, Fernando Fereira meint: "Portugal geht wie andere Länder ebenfalls durch eine Krise, aber das Land bietet viele Möglichkeiten für ausländische Investoren. So verfügt es über Ausbildungszentren, die zuverlässige und stark engagierte Mitarbeiter hervorbringen. Personalprobleme sind in portugiesischen Betrieben in der Regel unbekannt, das schafft stabile Unternehmensverhältnisse. Wir haben ein hohes Qualitätsniveau, niedrige Lohnkosten und eine hohe Produktivität." Portugal liegt bei der Einschätzung des Investitionsklimas gemäß Global Competitiveness Report 2012/13 des World Economic Forum im Rating unter 144 Ländern mit Platz 49 im guten Mittelfeld und damit unverändert gegenüber 2011/12. Im Vergleich zu Spanien fällt auf, dass Portugal im Bereich der höheren Schulbildung und Ausbildung sowie der technologischen Reife praktisch gleichauf liegt, bei Innovation und Institutionen sogar besser abschneidet, dagegen bei einer Reihe anderer Kriterien in der Einschätzung hinter Spanien liegt. WEF-Länderrating Portugal (wirtschaftlicher Rang von insgesamt 144 Ländern) Kriterien Portugal Spanien Deutschland Gesamtrang

3 3 de 5 1 Institutionen (bewertet unter anderem Eigentumsrechte, Unabhängigkeit der Justiz, Intensität der Auditierung) 2 Infrastruktur Makroökonomisches Umfeld Gesundheit und Grundschule Höhere Schulbildung und Ausbildung Effizienz der Gütermärkte (bewertet unter anderem benötigte Zeit für die Unternehmensgründung, Wettbewerbsintensität, Besteuerung, Zollvorschriften) Effizienz des Arbeitsmarkts Entwicklung des Finanzmarkts (bewertet unter anderem Beschränkungen der Kapitalströme) Technologische Reife Marktgröße Qualität des Geschäftsumfeld Innovation Quelle: World Economic Forum: Global Competitiveness Report: Stand und Perspektiven für ausländische Direktinvestitionen Die ausländischen Direktinvestitionen in Portugal sind während der letzten Jahre angestiegen. Sie erreichten (Direktinvestitionsstock) Daten der Zentralbank zufolge im Jahr 2012 die Höhe von 88,8 Mrd. Euro (2000: 34,4 Mrd. Euro; 2005: 53,7 Mrd. Euro). Aber auch das portugiesische Engagement im Ausland hat sich im Zeitraum von 21,2 Mrd. Euro (2000) auf 54,0 Mrd. Euro (2012) beachtlich erhöht. Seitens AICEP-Portugal Global wird darauf hingewiesen, dass 2012 eine Reihe wichtiger Vereinbarungen geschlossen wurden, die in den Folgejahre zu Investitionen führen werden. Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mrd. Euro) Kum. Bestand 79,6 83,6 86,4 88,8 Nettotransfers 32,0 39,6 39,6 35,5* *) Januar bis November Quellen: Banco de Portugal, AICEP Portugal Global Das deutsche Engagement in Portugal betrug 2011 knapp 2,95 Mrd. Euro (gegenüber 2010: +8,2%) stand der deutsche Direktinvestitionsstock bei 4,0 Mrd. Euro. Das portugiesische Engagement in Deutschland erreichte 2011 nahezu 1,9 Mrd. Euro und hat sich damit gegenüber 2010 mehr als verdoppelt. Bei einer Analyse nach Sektoren, wiesen die ausländischen Direktinvestitionen in Portugal 2011 folgende Grobstruktur auf (Angaben in Mrd. Euro): Finanzwirtschaft und Versicherungssektor 42,1; Handel 9,7; Beratungstätigkeit 7,3; verarbeitende Industrie 6,5; Immobiliensektor 4,2. Deutsche Direktinvestitionen, unmittelbare deutsche Direktinvestitionen Kum. Bestand (in Mrd. Euro) 3,373 3,228 k.a. Nettotransfers (Zunahme/Kapitalausfuhr: -; in Mio. Euro) Quelle: Deutsche Bundesbank

4 4 de 5 Portugal weist eine hohe Präsenz deutscher Unternehmen auf, die zum Teil über viele Jahrzehnte hinweg entstanden ist. Das deutsche Engagement hat eine beachtliche Bedeutung für das Land sowie für bestimmte Regionen im Hinblick auf Arbeitsplätze, Beitrag zum BIP, Exportvolumen sowie Forschung und Entwicklung. Größte deutsche Unternehmen (Umsatz in Mio. Euro) Unternehmen Volkswagen Autoeuropa Bosch Allianz Healthcare Siemens Mercedes-Benz BMW Portugal Bayer Portugal Grohe Portugal Continental Teves Portugal Quelle: "1000 maiores empresas", herausgegeben von Diário de Notícias (2012) Die portugiesische Regierung hat ein ehrgeiziges Privatisierungsprogramm in Angriff genommen wurden die Anteile an der Energiegesellschaft EDP, des Netzbetreiber REN und des Flughafenbetreibers ANA abgestoßen. Für 2013 steht unter anderem die Privatisierung der Fluggesellschaft TAP, des Energiekonzern GALP, des Eisenbahnfrachtbetriebs CP-Carga und der Postgesellschaft CTT an. Über konkrete Projekte informieren wir Sie detailliert und aktuell auf Kontaktanschriften: Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung Wirtschaftsförder- und Direktinvestitionsanwerbestelle AICEP-Portugal Global Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer (AHK) Câmara de Comércio e Indúsria Luso-Alemã Downloads Download als Broschüre (PDF, 561,1 KB)

5 5 de 5 Dieser Artikel ist relevant für: Portugal Privatisierung, Deregulierung, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures KONTAKT Karl-Heinz Dahm 0228/ Ihre Frage an uns DOWNLOADS Download als Broschüre (PDF, 561,1 KB) VERWANDTE ARTIKEL Philippinen 2013 Israels neue Regierung muss dringend sparen Investitionsklima und Risiken Schweiz Belgien Mexiko 2013 https:/ / GTAI/ Navigation/ DE/ Trade/ maerkte,did= html 2013 Germany Trade & Invest Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und vom Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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