Emanzipation und Kontrolle? Zum Verhältnis von Demokratie und Sozialer Arbeit

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1 Emanzipation und Kontrolle? Zum Verhältnis von Demokratie und Sozialer Arbeit Thomas Geisen

2 Übersicht Demokratie und Moderne Soziale Arbeit und Demokratie Vier Fragen zum Verhältnis von Sozialer Arbeit und Demokratie Zur gesellschaftstheoretischen Verortung Fazit: Soziale Arbeit in der Demokratie

3 Demokratie und Moderne: Agnes Heller Mensch als Individuum Freiheit des Individuums in der Moderne individuelle Lebensweise ist eine Konkretisierung der abstrakten Möglichkeit, frei geboren worden zu sein Situation von Menschen in der Moderne ist kontingent Was wird freien Menschen geschuldet? grösstmöglicher Schutz durch das Gesetz Zugang zu den politischen Entscheidungsprozessen einer Gemeinschaft Demokratie als Zuhause Demokratie in der Moderne Demokratie als die der Moderne adäquate politische Form Grundlage: demokratische Verfassung und demokratische Institutionen demokratisches Zuhause garantiert an sich noch nicht ein Ende antidemokratischer oder sogar totalitärer Einstellungen

4 Soziale Arbeit und Demokratie I Verhältnis von Sozialer Arbeit und Demokratie ist ein Desiderat Bezugnahmen auf Demokratie/demokratische Gesellschaften in den Theorien Sozialer Arbeit implizit: u.a. kritische Tradition (Sünker, Otto, Schaarschuch), Lebensweltansatz (Thiersch), Subjekttheorie (Winkler), Mündigkeit und soziale Anerkennung (Graf) explizit: Tradition des Pragmatismus (Addams) und kritische Tradition (Mollenhauer)

5 Soziale Arbeit und Demokratie II Klaus Mollenhauer ([1964] 2001) demokratisch-dynamischer Charakter von Gesellschaft pädagogische Aufgabe: sowohl Bewahren als auch Mittel zur Veränderung oder zum Fortschritt der Gesellschaft zu produzieren Sozialpädagogik: direktes Wechselverhältnis zum Bilde des demokratischen Bürgers Verlagerung des pädagogischen Gewichts vom Gegenwirken auf das Unterstützen (demokratisches) Erziehen Weitere Anknüpfungspunkte Otto Rühle: Frage nach der Vererbung der Kultur der Unterdrückung Siegfried Bernfeld: Frage nach der sozialen (institutionellen) Grenze der Erziehung

6 Vier Fragen zum Verhältnis von SA und Demokratie Frage nach der Bedeutung von demokratisch verfassten Gesellschaften für die SA gesellschaftstheoretische Verortung der SA Frage nach der Bedeutung von SA für demokratische Gesellschaften Aufgaben und Funktionen der SA in der Demokratie

7 Vier Fragen zum Verhältnis von SA und Demokratie Frage nach dem Beitrag professionellen Handelns von SA für die Demokratie Handlungsfähigkeit und Mündigkeit Frage nach dem Beitrag der institutionellen Verfasstheit von SA für die Demokratie Kontinuität und Gerechtigkeit

8 Zur gesellschaftstheoretischen Verortung I Karl Marx: Das Soziale als Problem soziale Beziehungen im Kapitalismus Konkurrenz aller gegen alle: radikaler Individualismus Produktion und Verwertung von Arbeitskraft: Erziehung und Erwerbsarbeit (Psyche als Produktivkraft) Prozesse der Verdinglichung, Entfremdung und Ausbeutung: Mensch als Objekt der gesellschaftlichen Verhältnisse Weg der Demokratisierung bürgerliche Revolutionen (politisch): Befreiung des Menschen als Bürger soziale Revolution: Befreiung des Menschen als wirklichem Menschen anhaltender Lern- und Entwicklungsprozess

9 Zur gesellschaftstheoretischen Verortung II Hannah Arendt: Das Politische als Problem menschliche Grundtätigkeiten Arbeit dient der Besorgung der Lebensnotwendigkeiten Herstellen dient der (Er-)Schaffung der Welt Handeln dient der Regelung der Beziehungen von Menschen untereinander Grundtätigkeiten folgen verschiedenen Logiken Notwendigkeit als Prinzip der Arbeit Freiheit als Prinzip des Handelns Dominanz von Arbeit in der Moderne Armut in der Moderne: die Soziale Frage soziales Problem politischer Faktor Zerstörung des Politischen (der Freiheit) durch das Soziale (die Notwendigkeit)

10 Zur gesellschaftstheoretischen Verortung III Umgang mit der Sozialen Frage Marx: bessere Verwaltung der Sachen Arendt: technische Regelungen Ambivalenzen des Sozialen gesellschaftlich Marx: Lösung der Sozialen Frage als Voraussetzung für politische Freiheit Arendt: Politische Freiheit ist voraussetzungslos, gerät dort aber in Gefahr, wo sie dem Druck des Sozialen ausgesetzt wird. individuell Notwendigkeit des Arbeitens zum Erhalt des Lebens (Zwang) Tätigkeit zur Gestaltung des eigenen Lebens (Eigensinn) Das Soziale ist sowohl Voraussetzung (Marx) als auch Bedingung (Arendt) von Demokratie.

11 Fazit: Soziale Arbeit in der Demokratie Bearbeitung sozialer Probleme durch die Soziale Arbeit in der modernen Gesellschaft individuelle Erscheinungsformen: Einzelfall kollektive Erscheinungsformen: Gruppe, Gemeinschaft Aufgaben Sozialer Arbeit in der Demokratie Förderung von Handlungsfähigkeit und Autonomie Ermöglichung von (sozialer und politischer) Partizipation Konsequenzen für die Fallarbeit: Kontrolle und Emanzipation

12 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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