Soziologie und Verschwörung

Größe: px
Ab Seite anzeigen:

Download "Soziologie und Verschwörung"

Transkript

1 Nikola Tietze Plädoyer für die konflikttheoretische Erweiterung der Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik In John Le Carrés Roman Marionetten stellt der deutsche Nachrichtendienstler Günther Bachmann für sich und seine Kollegen aus der Spezialeinheit»Hintergrund«fest:»Wir sind keine Polizisten, wir sind Spione. Wir nehmen unsere Zielperson nicht fest.«und mit Blick auf eine solche Zielperson erklärt er dann:»wenn Abdullah nicht zu einem bekannten Netzwerk gehört, sorge ich persönlich dafür, daß er sich einem anschließt. Und wenn es sein muß, erfinde ich ein Netzwerk ganz für ihn alleine.«1 Das Zitat spielt auf die Verschwörung an, von der in Le Carrés Marionetten die Rede sein wird und die sich nach den Terroranschlägen von 9/11 in Hamburg angesiedelt findet. Wie man an diesem Spionageroman zeigen kann, besteht eine Verschwörung in aller Regel darin, dass ein Kollektiv bei Le Carré die Berufsgruppe der staatlichen Geheimdienstler in verdeckter Weise eine Wirklichkeit konstruiert, um dadurch Einfluss auf die Ordnung der gesellschaftlichen Beziehungen auszuüben. Verschwörungen und die ihr korrespondierenden Wirklichkeitskonstruktionen zu thematisieren, ist wie Luc Boltanski in seinem jüngsten Buch Énigmes et complots. Une enquête à propos d enquêtes darlegt konstitutiv für das Genre des Spionageromans. 2 Es führt vor, dass eine offizielle und sichtbare, wiewohl ungesicherte Wirklichkeit mit einer verdeckten, aber tatsächlich erfahrenen Wirklichkeit konkurriert. 3 Laut Boltanski stellt der Spionageroman im Hinblick auf diese Konkurrenz mit literarischen Mitteln vergleichbare Fragen wie die Soziologie mit sozialwissenschaftlichen Mitteln: Wo wird Wirklichkeit tatsächlich konstruiert? Wer handelt wie, um Wirklichkeit aufrechtzuerhalten? Bei wem liegt die Macht, die dafür sorgt, dass die Wirklichkeit so ist, wie sie ist? Der Spionageroman bearbeitet diesen Fragekatalog mithilfe des Topos der Verschwörung: Indem er konkurrierende Wirklichkeiten ent - hüllt und die Protagonisten derartiger Wirklichkeitskonstruktionen 1 John Le Carré, Marionetten, Berlin 2009, S Luc Boltanski, Énigmes et complots. Une enquête à propos d enquêtes, Paris 2012; siehe auch Désirée Waibel,»Wir sind doch alle Detektive. Luc Boltanski ermittelt über die Politik der Ermittlung«, in: Süddeutsche Zeitung, , S Boltanski, Énigmes et complots, S

2 benennt, identifiziert er wirklichkeitskonstruierende Mächte. 4 Inwieweit arbeitet auch die Soziologie mit dem Topos der Verschwörung, wenn sie Wirklichkeitskonstruktionen als mögliche oder unmögliche Ordnungen gesellschaftlicher Beziehungen untersucht und die Macht oder Ohnmacht solcher Wirklichkeitskonstruktionen wie ihrer Pro - tagonisten enthüllt? Aber gerät die Soziologie hierbei nicht in ein verschwörungstheoretisches Dilemma? Ein Dilemma, das darin besteht, entweder eine Verschwörungstheorie wissenschaftlich zu bestätigen und zu entlarven, wie bestimmte Gruppen eine herrschende Ordnung unterlaufen, oder aber die sichtbare, offizielle Wirklichkeitskonstruktion zu reproduzieren und damit die herrschende Ordnung zu stabilisieren. 5 Diesen Fragen möchte ich im Folgenden nachgehen, indem ich die französische Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik die sozialtheoretischen Ansätze, in deren Horizont Boltans kis Arbeiten seit den 1980er Jahren stehen in den Blick nehme. Meine Betrachtung wird zu dem Schluss kommen, dass sich das verschwörungstheoretische Dilemma, in das soziologische Untersuchungen geraten können, nur auflösen lässt, wenn ein Konflikt den analytischen und methodologischen Ausgangspunkt einer soziologischen Untersuchung bildet und nicht das Problem der Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Ordnung, dem die Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik ihre Aufmerksamkeit schenkt. Seit den 1980er Jahren haben die Soziologie der Konventionen, die Soziologie der Rechtfertigung und die Soziologie der Kritik eine pragmatischewende in der französischen Gesellschaftswissenschaft ein - geleitet, die bis dato maßgeblich sowohl durch einen mit Raymond Boudon wie auch Michel Crozier verbundenen methodologischen Individualismus als auch durch den mit Pierre Bourdieu assoziierten genetischen Strukturalismus geprägt wurde. Die pragmatischen Soziologen gehen davon aus, dass es weder Strukturen noch Kapitalverteilungen oder individuelle Rationalitäten sind,die Handlung deter - minieren, sondern Situationen in ihrer Unbestimmtheit. Darüber hinaus weisen diese pragmatischen Ansätze die Bourdieu sche Unterscheidung zwischen praktischem Wissen (savoir pratique) und soziologischem Wissen (savoir savant) zurück. Sie setzen vielmehr voraus, dass jede Person über die Kompetenz verfügt, die Angemessenheit (justesse) einer Handlung bezüglich einer Situation selbst einzuschätzen, die 4 Vgl. das Interview»Théorie du complot, romans policiers, livres d espionnage, paranoïa: comment notre époque en est-elle venue à douter de la réalité? Le sociologue Luc Boltanski a creusé la question«, in: Les Inrockuptibles, 5. Dezember Siehe zum Verhältnis zwischen Verschwörungstheorie und Soziologie Boltanski, Énigmes et complots, S

3 Gerechtigkeit beziehungsweise Legitimität (justice) einer Handlung zu beurteilen und eine Interaktion zu kritisieren. 6 Ihre Vorannahmen teilt die Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik weitgehend mit der Akteur-Netzwerk-Theorie, für die Autoren wie Bruno Latour und Michel Callon stehen. Gleichwohl folgt die pragmatisch gewendete Soziologie weder der Hybridisierung der Akteur- Netzwerk-Theorie von Natur und Gesellschaft, noch schließt sie sich deren eindimensionaler Konzeptualisierung von Interaktion an. 7»Auf der Basis einer strikt netzförmigen Beschreibung«, merkt Boltanski kritisch an,»wird es schwierig, zwischen einem Arbeitslager und ei nem Ferienlager zu unterscheiden«. 8 Inwieweit die Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik in ihren Untersuchungen auf den Topos der Verschwörung verwiesen ist und deshalb Gefahr läuft, in ein verschwörungstheoretisches Dilemma zu geraten, soll in drei Schritten überprüft werden: Der erste Schritt besteht darin, sich der Grundannahmen dieser pragmatischen Ansätze zu vergewissern und ihr Verständnis von Wirklichkeitskonstruktion nachzuzeichnen. Es geht hier darum, die zentrale Problemstellung der Konventions- und Rechtfertigungssoziologie wie auch der Soziologie der Kritik nämlich die Frage nach möglicher beziehungsweise unmöglicher Ordnung herauszuarbeiten. Im zweiten Schritt werden drei Konzepte dieser Ansätze namentlich die interpretative Rationalität, die Konvention beziehungsweise Rechtfer - tigungsordnung und die Prüfung (épreuve) eingehender betrachtet, um den Mehrwert und die Grenzen dieser Ansätze auszuloten. Im dritten und abschließenden Schritt ist der Frage nachzugehen, ob eine konflikttheoretische Erweiterung der pragmatischen Ansätze dem Verschwörungsproblem soziologischer Untersuchungen Herr zu werden vermag. I. Verschwörungstheorie und Wirklichkeitskonstruktion Schon Karl Popper hatte in seiner Kritik am Historismus eine Verbindung zwischen Verschwörung und Soziologie hergestellt. Diese Verbindung, mit der sich Boltanski in Énigmes et complots unter anderem kritisch auseinandersetzt, 9 geht nach Poppers Urteil aus zwei Eigenheiten der Soziologie hervor: Erstens würde die Soziologie ihre 6 Vgl.Marc Breviglieri/Claudette Lafaye/Danny Trom (Hrsg.), Compétences critiques et sens de la justice. Colloque de Cerisy, Paris Vgl. Frédéric Vandenberghe,»Structures, grandeurs et platitudes dans la nouvelle sociologie française«, in: Breviglieri/Lafaye/Trom (Hrsg.), Compétences, S Boltanski, Énigmes et complots, S. 345 (Übersetzung NT). 9 Ebd., S

4 Untersuchungsobjekte totalisieren; sie postuliere Gruppen, Kollektive und andere abstrakte Entitäten, ohne die Einzelhandlungen der Indivi - duen und ihre Beziehungen untereinander zu berücksichtigen.dadurch verlöre die Soziologie die nicht intendierten, gleichwohl aber Gesellschaft formierenden Folgen des Handelns aus dem Blick. Zweitens bestünde in der Soziologie die Tendenz, gesellschaftliche Phänomene wie Ungleichheit, Arbeitslosigkeit oder Krieg aus den Intentionen mächtiger Individuen oder Gruppen zu erklären. Folglich beruhe die soziologische Untersuchung auf der nach Popper falschen Vorannahme, dass Individuen über die nötigen Ressourcen verfügten, um Kollektive zu bilden und ihre Interessen und Bedürfnisse aufeinander abzustimmen. Exakt diese Vorannahme bezeichnet Popper als die»verschwörungstheorie der Gesellschaft«. 10 Es sind nun im Wesentlichen zwei Punkte, die Boltanski gegen Poppers Kritik der soziologischen Methode ins Feld führt: Die Fixierung des Blicks auf das individuelle Handeln verschließe der Soziologie erstens die Möglichkeit, gesellschaftlichen Wandel zu verstehen und zu erklären. Zweitens verkürze eine solche Fixierung die Einigung zwischen Akteuren auf eine Form der Koor - dination, die ausschließlich den Prinzipien von Angebot und Nachfrage gehorcht. Demgegenüber beruhen Handlungs koordinationen, so Boltanski, tatsächlich auf einer Vielfalt von Ordnungsvorstellungen und nicht nur auf Marktlogiken und einer strategischen Anti zi pa - tion wechselseitiger Interessen. 11 In Boltanskis Einspruch gegen die von Popper der Soziologie zugeschriebenen»verschwörungstheorie der Gesellschaft«spiegeln sich mehrere Prämissen der Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und Kritik wider. Worin bestehen diese Prämissen? Nach den hier betrachteten pragmatischen Ansätzen vollzieht sich gesellschaftliches Handeln stets in Situationen und im Kontext einer radika len Unsicherheit. Es kommt aus der Koordination zwischen Akteuren zu stande, die ihrerseits über verschiedene Handlungsregime man könnte auch sagen Handlungsmuster sowie über vielfältige Ordnungsvorstellungen verfügen. Je nachdem, wie die Akteure eine Situa tion definieren,wählen sie ein Handlungsregime.Boltanski unterscheidet zwischen dem Handlungsregime der Gewalt, dem der Agape, dem der technischen Passung und dem der Rechtfertigung. Laurent Thévenot hingegen 110 Karl R. Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. 2, München 1975, S Popper definiert die Verschwörungstheorie wie folgt:»diese Theorie behauptet, daß die Erklärung eines sozialen Phänomens in dem Aufweis der Menschen und Gruppen besteht, die am Eintreten dieses Phänomens ein Interesse haben (dieses Interesse ist manchmal verborgen und muß erst enthüllt werden) und die zum Zwecke seiner Herbeiführung Pläne gemacht und konspiriert haben«(ebd.). 11 Vgl. Boltanski, Énigmes et complots, S. 330; Luc Boltanski/Laurent Thévenot, Über die Rechtfertigung. Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft, Hamburg

5 differenziert zwischen verschiedenen Regimes des Engagements, mit denen sich die Akteure in eine Situation einbringen: im Engagement des Vertrauten, der Planerfüllung oder der Rechtfertigung. 12 Jedes Handlungsregime beziehungsweise jedes Engagementregime impliziert für den Akteur bestimmte, gleichwohl viel fältige ko gnitive und normative Maßstäbe. Die Soziologien der Konventionen, Rechtfertigung und Kritik gehen folglich davon aus, dass jeder Koordination eine Pluralität ideeller Bezüge, Interessen und Bedürfnisse zugrunde liegt. 13 Individuen verfügen anders als Popper meint also durchaus über Ressourcen, dank derer sie sich jenseits von Marktlogiken und strategischem Interessenkalkül einigen und Einzelhandlungen in kollektive Handlungen übersetzen. Über solche Ressourcen für die Handlungskoordination zu verfügen, heißt zugleich auch, dass Individuen über Urteilskraft verfügen. 14 Sie besitzen die Kompetenz, Ideen zu bewerten und zu hierarchisieren, sie können zwischen gegebenen Ideen auswählen oder sie miteinander auf neue Weise kombinieren. Es ist dieses Vermögen, das gesellschaftlichen Wandel ermöglicht und begründet. 15 In der deutschen Rezeption der Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik wurde wiederholt angemerkt, dass die pragmatischen Ansätze der französischen Soziologie die symbolische, im Habitus der Akteure eingeprägte Gewalt gesellschaftlicher Machtstrukturen und institutionalisierter Ordnungen nicht berücksichtigten. Folglich verlören die französischen Soziologen den Zwang und die Disziplinierung aus den Augen, die Machtstrukturen und Institutionen auf die Urteilskraft und die Handlungen der Akteure aus üben. 16 Nach meinem Dafürhalten missachtet dieser Einwand allerdings das Verständnis von Wirklichkeitskonstruktion, auf dem der soziologische Pragmatismus in Frankreich aufbaut. 12 Vgl. Luc Boltanski, L amour et la justice comme compétences. Trois essais de sociologie de l action, Paris 1990; Laurent Thévenot, L action au pluriel. Sociologie des régimes d engagement, Paris 2006; Laurent Thévenot,»Die Person in ihrem vielfachen Engagiertsein«, in: Rainer Diaz-Bone (Hrsg.), Soziologie der Konventionen. Grundlagen einer pragmatischen Anthro - pologie, Frankfurt am Main 2011, S ; Laurent Thévenot,»Organized Complexity. Conventions of Coordination and the Composition of Economic Arrangements«, in: European Journal of Social Theory 4/4 (2001), S Luc Boltanski/Laurent Thévenot,»Die Soziologie der kritischen Kompetenzen«, in: Rainer Diaz-Bone (Hrsg.), Konventionen, S Boltanski/Thévenot, Über die Rechtfertigung; François Eymard-Duvernay/Olivier Favereau/ André Orléan/Robert Salais/ Laurent Thévenot,»Werte, Koordination und Ratio nalität: Die Verbindung dreier Themen durch die Economie des conventions «, in: Rainer Diaz-Bone (Hrsg.), Konventionen, S Boltanski/Thévenot, Über die Rechtfertigung. 15 Luc Boltanski/Ève Chiapello, Der neue Geist des Kapitalismus, Konstanz Vgl. Axel Honneth,»Verflüssigungen des Sozialen. Zur Gesellschaftstheorie von Luc Boltanski und Laurent Thévenot«, in: WestEnd 5/2 (2008), S , hier S.94, ; Lothar Peter,»Soziologische Kapitalismuskritik back in «, in: Soziologische Revue 34/2 (2011), S , hier S

6 Die Frage, wie Wirklichkeit konstruiert wird, hat Boltanski vor allem in seinen Büchern Soziologie und Sozialkritik und Énigmes et complots bearbeitet. 17 Hier bezieht er die skizzierten Grundannahmen der pragmatischen Ansätze auf das Problem der Macht und der Ordnung in der Gesellschaft sowie auf die Rolle des Staates und die der Institutionen insgesamt. Seine Argumentation ist folgende: Die Wirklichkeit muss der von sich aus unstrukturierten Welt ebenso abgerungen werden wie die Handlungskoordinationen radikal unsicheren Situationen. Es gilt also, die Wirklichkeit entgegen den Unwägbarkeiten und Unberechenbarkeiten der Welt zu definieren und zu konstruieren. Dies geschieht, indem Ordnungen in der Gestalt von Konventionen (Regeln, Institutionen, Recht und Kodierungen) festgelegt und abgesichert werden. Die Wirklichkeitskonstruktion kommt Boltanski zufolge einer übergeordneten und grundsätzlichen Handlungskoordination gleich, in der die Zuständigkeitsbereiche von Handlungsregimes wie auch der Bedeutungshorizont möglicher kognitiver und normativer Maßstäbe abgesteckt werden. Die daraus folgende Ordnung etabliert eine Semantik, die festlegt, dass das, was ist, so ist, wie es ist. 18 Diese seman - tische Funktion übt bei Boltanski, wie Tanja Bogusz gezeigt hat, die Bourdieu sche symbolische Gewalt aus, die zudem, wie geschlussfolgert werden kann, einer Foucault schen Disziplinarmacht entspricht. 19 Zugleich erlaubt diese Semantik, einem Sachverhalt, einem Ereignis, einer Gruppe, einem Kollektiv oder einer abstrakten Entität Sinn zuzuschreiben. Insofern stellt die Wirklichkeit konstruierende Ordnung für die Akteure kognitive und normative Formate bereit, die ihnen erlauben, Situationen zu definieren und Handlungen zu koordinieren. In mancher Hinsicht erinnert Boltanskis Konzeptualisierung der Wirklichkeit an Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit von Peter Berger und Thomas Luckmann. 20 Wie die beiden Klassiker des Sozialkonstruktivismus begreift auch Boltanski die Herstellung von Wirklichkeit als einen permanenten Prozess, in dem Wissensordnungen objektiviert und stabilisiert werden. Allerdings versteht Boltanski die Wirklichkeitskonstruktion insofern als einen im engeren Sinne gesellschaftlichen Vorgang, als er den andauernden Objektivierungsund Stabilisierungsprozess von Wissensordnungen sowohl auf den 17 Vgl. Luc Boltanski, Soziologie und Sozialkritik. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2008, Berlin 2010; Boltanski, Énigmes; Klaus Dörre/Tine Haubner,»Luc Boltanski, Soziologie und Sozialkritik. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2008«, in: Soziologische Revue 34/3 (2011), S Vgl. Boltanski, Soziologie und Sozialkritik; Luc Boltanski,»Individualismus ohne Freiheit. Ein pragmatischer Zugang zur Herrschaft«, in: WestEnd 5/2 (2008), S Vgl.Tanja Bogusz, Zur Aktualität von Luc Boltanski. Einleitung in sein Werk, Wiesbaden 2010, S Peter L.Berger/Thomas Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit [1966], Frankfurt am Main

7 Nationalstaat als auch auf die Mächte bezieht, die den Nationalstaat infrage stellen. 21 Auf der einen Seite etablieren und kontrollieren nationalstaatliche Institutionen, also etwa die Verwaltung und die Rechtsetzung, die gesellschaftsrelevantenwissensordnungen. Dadurch legen sie letztendlich einen Rahmen für die möglichen (legitimen) kognitiven und normativen Formate fest, mit denen die Akteure Situationsdefinitionen vornehmen und ihre Interaktionen koordinieren können. Von daher steht der Nationalstaat nach Boltanski für die offizielle und sichtbare Wirklichkeit. Auf der anderen Seite vergegenständlichen und verfestigen aber auch nationalstaatlich nicht eingehegte Mächte, wie etwa der globalisierte Kapitalismus, finanzkapitalistische Netzwerke, Menschenrechtsbewegungen, religiöse Vereinigungen oder in - ter nationale Politikinteressen, mögliche Wissensordnungen in ihrem ko gnitiven und normativen Potential. Diese Mächte konstruieren, so Boltanski, eine verdeckte, dennoch aber erfahrbare Wirklichkeit. Aus zwei Gründen bleibt die Wirklichkeitskonstruktion, für die der Natio - nalstaat einsteht, Boltanski zufolge prinzipiell ungesichert: erstens, weil die Wirklichkeitskonstruktion die Welt in ihren Unwägbarkeiten und Unberechenbarkeiten keineswegs vollständig aus sich verbannen kann, und zweitens, weil sie von staatlich nicht einzuhegenden, aus innerstaatlicher Perspektive betrachtet also verdeckten Wirklichkeits - konstruktionen herausgefordert wird. Dass nationalstaatlich nicht kodifizierte Wirklichkeitskonstruktionen gleichermaßen ungesichert sind, interessiert Boltanski weder in Soziologie und Sozialkritik noch in Énigmes et complots. Doch gilt na tür lich auch für die verdeckte Wirklichkeit, dass sie den Ungewiss - heiten der Welt abgerungen werden muss und durch die offizielle Wirklichkeit bedroht wird. Das Bedrohungsszenario, das sich aus der beidseitigen Unsicherheit ergibt, verweist auf Konflikte, die zwischen konkurrierenden Wirklichkeitskonstruktionen entstehen können, und damit auf das mögliche Legitimationsproblem jeder Wirklichkeitskonstruktion. Die Spannungen zwischen staatlicher Wirklichkeit, verdeckter Wirklichkeit und Welt lassen sich an Le Carrés Marionetten veranschaulichen: Das Projekt des eingangs zitierten Nachrichtendienstlers Bachmann, einen gewissen Abdullah als Informanten in ein Netzwerk einzuschleusen, konkurriert mit den Anstrengungen des britischen und US-amerikanischen Geheimdienstes, eigene Wirklichkeitskonstruktionen durchzusetzen. Bei der Absicherung der nationalstaatlich gesetzten Wirklichkeiten sind Bachmann wie seine Kollegen mit nationalstaatlich nicht eingehegten Wirklichkeiten konfrontiert etwa 21 Vgl. Boltanski, Éngimes et complots. 44

8 mit dem globalisierten Finanzkapitalismus in der Figur des Privatbankiers Tommy Brue oder auch mit der überstaatlichen Geltung der Menschenrechte, wie sie sich in der Figur der Anwältin Annabel Richter verkörpert. Darüber hinaus gefährdet die unberechenbare Welt die Absicherung der staatlichen (deutschen, britischen und amerikanischen) Wirklichkeitskonstruktionen zum Beispiel in Gestalt der Gesundheit des Flüchtlings Issa, den Bachmann als Köder für den potentiellen Informanten Abdullah einsetzt, oder in Gestalt der Emotionen, die sich in der Dreiecksbeziehung zwischen Privatbankier, Anwältin und Flüchtling entwickeln. 22 So kann Le Carré anhand des Plots, den er aus seinen Romanfiguren komponiert, die Frage aufwerfen, wie sich eine Semantik zur Beschreibung der Welt (in Wittgensteins Worten, der Gesamtheit aller bestehender Sachverhalte) durchsetzt oder nicht durchsetzt. Die am Ende etablierte Semantik entscheidet dar über, ob ein Sachverhalt überhaupt existiert oder nicht existiert, also zum Beispiel auch darüber, ob Le Carrés Romanfigur Issa ein tsche tsche nischer Flüchtling, ein Muslim, ein islamistischer Terrorist oder der Anspruchsberechtigte auf ein dubioses Vermögen ist, das eine britische Privatbank in Hamburg verwaltet und gegenüber der staatlichen Ban kenaufsicht verheimlicht. Dort, wo sich eine bestimmte Semantik durchsetzt und Wirklichkeit konstruiert, entsteht eine kollektiv verbindliche Ordnung. Und in dieser Hinsicht thematisiert Le Carré in Marionetten das Problem der Möglichkeit respektive Unmöglichkeit, Ordnung her zu stellen und durchzusetzen. II. Die Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik Die Möglichkeitsbedingungen sozialer Ordnung sind ebenfalls zentraler Gegenstand der Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik. Doch um welche Art von Ordnungen geht es diesen Handlungssoziologien? Um die Ordnungen der offiziellen und sichtbaren Wirklichkeit oder um diejenigen einer verdeckten, wenngleich durchaus erfahrbaren Wirklichkeit? Enthüllen sie die Gründe für die vorläufige und prekäre Natur von Ordnungen? Nehmen sie implizit und ungewollt auf den Topos der Verschwörung Bezug, in dem sie Gruppen, Kollektive oder abstrakte Entitäten postulieren? Oder stabilisieren ihre Analysen die offizielle staatliche Wirklichkeitskonstruktion? Bekräftigen sie gar die symbolische Gewalt und Disziplinar - macht staatlicher Wirklichkeitskonstruktion? Indem drei grundlegen de Konzepte der Soziologie der Konventionen, Rechtfertigung und Kritik die interpretative Rationalität, die Konvention beziehungsweise 22 Vgl. Le Carré, Marionetten. 45

9 die Rechtfertigungsordnung und die Prüfung (épreuve) erläutert werden, soll diesen Fragen jetzt nachgegangen werden. Die Gründe der vorläufigen und prekären Natur gesellschaftlicher Ordnung aus handlungssoziologischer Perspektive zu enthüllen, fordert zunächst einmal dazu auf, die Rationalitäten derjenigen Akteure zu untersuchen, die Ordnungen etablieren oder deren semantisches Regelwerk befolgen. Die klassische Handlungssoziologie differenziert soweit sie Max Weber folgt zwischen zweckrationalen und wertrationalen Handlungen. Zweckrationalität und Wertrationalität werden dabei als alternative Orientierungen verstanden, die vor dem Vollzug einer Handlung über deren jeweilige Ausrichtung entscheiden. Dieser Konzeption widersprechen die hier zur Rede stehenden pragmatischen Ansätze. Sie gehen davon aus, dass die Handlung aufgrund radikaler situativer Unsicherheit auf interpretativer Rationalität basiert. Eine solche Interpretation strukturiert und evaluiert die Unwägbar- und Unberechenbarkeiten einer Situation. Sie ist gewisser - maßen das Deutungsinstrument, mit dem im Sinne des Pragmatismus JohnDeweys Ziele und Mittel im Handlungsprozess ausgewählt werden. Weder sozialisationsbedingtes Rollenverhalten und Habitus noch ein der Handlung vorausgeschicktes strategisches Kalkül und normkonfor - mes Verhalten entbinden den Akteur davon, die interpretative Ratio - nalität einzusetzen. Deren Aufgaben sind: erstens eine Situation zu definieren, zweitens im Hinblick darauf Personen und Objekte zu qualifizieren sowie drittens in der Koordination den vor dem Hintergrund der Gesamtheit bestehender Sachverhalte zwangsläufig unvollständigen Sinn von Ordnungen zu ergänzen. Von daher leistet die interpretative Rationalität, mit Thévenot gesprochen, eine Forminves - tition (investissement de forme), die die Handlungskoordination erst ermöglicht. Dort, wo Akteure zudem die Gerechtigkeit (justice) oder Angemessenheit (justesse) einer Situationsdefinition, einer Qualifikation oder einer Ordnung thematisieren, bringen sie ihre kritische Urteilskompetenz zum Ausdruck. Folgt man der Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik, macht sich Webers dualistische Konzeption von Handlungsrationalität einer fragwürdigen Verein - fachung schuldig. Sie blendet aus, dass die Akteure eine Situation deutlich komplexer auffassen und nach einem viel reicheren Kriterienapparat definieren. 23 Situationsinterpretationen sowie -definitionen, Personen- wie auch Objektqualifikationen und Sinnergänzungen von Ordnungen sind vielmehr abhängig von unterschiedlichen Regimes, die die Akteure für ihr Handeln (Boltanski) oder ihr Engagement in der Welt (Thévenot) benutzen. Zwar spiegelt sich Webers Dualis mus 23 Thévenot, L action au pluriel, S

10 von Zweck- versus Wertrationalität auch in diesen Regimes wider, etwa im industriellen Gemeinwesen oder im häuslichen Gemeinwesen des Regimes der Rechtfertigung, doch verschwindet sie als eine prinzipiell binärehandlungsklassifizierung aus der soziologischen Betrachtung. 24 Insofern durchbrechen die Soziologien der Konventionen, der Rechtfer - tigung und der Kritik dank des Konzepts der interpretativen Rationalität die problematische Verengung der soziologischen Untersuchungsper - s pektive auf die Nutzenmaximierung einerseits und auf die Absicherung normativer Integrität andererseits. 25 Die Wirtschaftssoziologie zum Beispiel gewinnt mit diesem Modell ein Untersuchungskriterium, das wirtschaftliches Handeln, kulturelle Praxis und die sozialen Funktionen von Institutionen aufeinander verweist. 26 Und für die Institu - tionssoziologie erschließt dieses Konzept einen Ansatz, der die norma - tiven Erwartungen der Akteure und ihre Effizienzanforderungen an die Ordnung gesellschaftlicher Beziehungen in einen Zusammenhang bringen kann. So gesehen braucht eine soziologische Analyse, sofern sie auf die interpretative Rationalität ausgerichtet ist, den Topos der Verschwörung nicht. Die ausschließlich mikrosoziologische Fokussierung auf die situationsbezogene Interpretation der Akteure und ihre Handlungskoordination kann die Konkurrenzen zwischen nationalstaatlicher Wirklichkeitskonstruktion und verdeckten, nationalstaatlich nicht ein - gehegten Wirklichkeitskonstruktionen ausblenden. Sie muss derartige Konkurrenzen nicht enthüllen. Allerdings verliert sie mit dem Topos der Verschwörung auch die Tatsache aus dem Blick, dass die interpretative Rationalität der Akteure stets zeitlich und räumlich verortet ist. Damit verschwindet im Fall der mikrosoziologischen Analyse von Situ - ationsinterpretation und Handlungskoordination die Gesellschaft als Bezugspunkt und Objekt der wissenschaftlichen Beobachtung von Gesellschaft. 27 Unter konventions-, rechtfertigungs- und kritiksoziologischen Gesichtspunkten wird Gesellschaft faktisch nur dort greifbar, wo Konventionen oder Rechtfertigungsordnungen die individuelle Situationsdefinition und lokale Handlungskoordination kollektiv vermitteln. 24 Boltanski/Thévenot, Über die Rechtfertigung; Danny Trom,»De la justification: un tournant dans la sociologie compréhensive«,in: Breviglieri/Lafaye/Trom (Hrsg.),Compétences, S Zum Verhältnis zwischen Konventionssoziologie und dem Weber schen handlungssoziologischen Ansatz vgl. Rainer Diaz-Bone,»The Methodological Standpoint of the économie des conventions «, in: Historical Social Research 36/4 (2011), S Vgl. Rainer Diaz-Bone/Robert Salais,»Economics of Convention and the History of Economies. Towards a Transdisciplinary Approach in Economic History«, in: Historical Social Research 36/4 (2011), S.7 39; François Eymard-Duvernay,»Les enfants des cités en économie«, in: Breviglieri/Lafaye/Trom (Hrsg.), Compétences, S Vgl. Boltanski, Énigmes et complots, S

11 Dabei sind Konventionen historisch herausgebildete und in jeder Interaktionssituation sich weiterentwickelnde Muster oder Formate für die Koordination. Sie bieten den Akteuren Lösungen für den Umgang mit der Unsicherheit einer Interaktionssituation an. Zugleich werden sie ständig verändert, indem sie in der Handlungskoordination zur Anwendung kommen. 28 Es sind Regeln, die sich mit und durch ihre Anwendung wandeln oder bestätigen können. Als solche sind sie in Verhaltenskodizes und in bereits bestehenden Qualifikationen sowie Wertmaßstäben eingelagert, freilich auch in Organisationsformen und in Institutionen wirksam. Demgegenüber enthalten Rechtfertigungsordnungen historisch und ideengeschichtlich sedimentierte Vorstellungen über das Gemeinwesen, das die jeweils fokussierten gesellschaftlichen Beziehungen bilden sollen. Sie fundieren die Prin - zipien der kritischen Urteilskraft der Akteure. Ihren Ausdruck finden sie im staatlich gesetzten Recht, in staatlichen Institutionen oder auch in der Organisation der Betriebsstrukturen eines Wirtschaftsunternehmens ebenso wie in Ideologien, die die offizielle und sichtbare Wirklichkeitskonstruktion hinterfragen. Konventionen und Rechtfertigungsordnungen stellen also insgesamt kognitive und normative Muster für die Verarbeitung sowie Bewertung von Informationen, Ereignissen und Erlebnissen bereit. Dergestalt reduzieren sie die notorische Unsicherheit der Handlungskoordination. Mit dem Konzept der Handlungskoordination durch Konvention und Rechtfertigungsordnung zielen die pragmatischen Ansätze da - rauf, die klassisch soziologische Gegenüberstellung von individueller und kollektiver Handlungsebene zu durchbrechen. Im Lichte dieses soziologischen Konzepts verweisen die Einzelhandlungen der lokalen Koordination notwendigerweise auf ein Kollektiv und das Kollektiv seinerseits auf die lokale Koordination der Einzelhandlungen. Insofern stellen Konvention wie Rechtfertigungsordnung einen Transmissionsriemen dar, der zwischen dem individuellen Akteur mit seiner Kompetenz zum kritischen Urteil und dem Kollektiv in seiner Macht, Wirklichkeit zu konstruieren und Ordnung zu setzen, ständig vermittelt. Diese wechselseitige Vermittlung der individuellen und kollektiven Handlungsebene ist etwa im Feld der Wirtschaftssoziologie insofern interessant, als sie auch die Konstitution und Funktionsweise von Märkten erhellen kann, wie Rainer Diaz-Bone am Beispiel des Finanzmarkts verdeutlicht hat. 29 Die französischen Wirtschaftswissenschaftler Michel Aglietta und André Orléan zeigen denselben 28 Diaz-Bone/Salais,»Economics of Convention«, S. 9 u. S. 13f. 29 Vgl. Rainer Diaz-Bone,»Die Autoreferentialität der Finanzmärkte. Die Perspektive der Economie des conventions auf die Börsenwelt«, in: Herbert Kalthoff/Uwe Vormbusch (Hrsg.), Soziologie der Finanzmärkte, Bielefeld 2012, S

12 Vermittlungsmechanismus am Geld auf, das in ihren Augen die Konventionen und die Rechtfertigungsordnung marktgesellschaftlicher Beziehungen festlegt, indem es via Nachahmungszwang und der Unverzichtbarkeit von Vertrauen die individuelle Handlung an ein Kollektiv bindet. 30 Und in der Organisations- und Institutionssoziologie führt der Blick auf die wechselseitige Vermittlung von individueller mit kollektiver Handlungsebene vor Augen, dass die Organisationsstrukturen und institutionalisierten Ordnungsmuster eines Kollektivs darauf angewiesen sind, in der lokalen Koordination von Einzelhandlungen bestätigt zu werden. 31 Für die politische Soziologie lässt sich schließlich festhalten, dass Kritik machtlos bleibt, falls sie nicht an die Institutionen eines Kollektivs gebunden wird, und dass ein Kollektiv seine etwaige Macht verwirkt, schirmt es seine Institutionen gegen Kritik ab. 32 Gerade mit Blick auf den historischen Wandel, dem die Konventionen und Rechtfertigungsordnungen aufgrund ihrer Vermittlungsfunktion zwischen individueller und kollektiver Handlungsebene unterliegen, wird die Notwendigkeit deutlich, sie zeitlich und räumlich zu situieren. Dieser Notwendigkeit kommt die pragmatisch gewen - dete Soziologie insofern nach, als ihre Vertreter die Genese einzelner Konventionen etwa Berufskategorien, Maßstäbe zur Bemessung von Produktqualität oder auch die Genese einzelner Rechtfertigungsordnungen etwa die projektförmige Polis nachvollziehen und auf bestimmte nationalstaatliche Kontexte beziehen. 33 Sie erklären allerdings nicht die spatiotemporalen Verflechtungen, die die Konventionen und Rechtfertigungsordnungen zu verschiedenen Zeitpunkten auf unterschiedlichen Handlungsebenen und an differenten Orten miteinander eingehen. Dass solche Verflechtungen multiple sichtbare wie verdeckte Wirklichkeiten konstruieren und dadurch Erfahrungen etwa mit Rassismus, Krieg, Gewalt, Diskriminierung, vorenthaltenen 30 Vgl. Michel Aglietta/André Orléan, La monnaie entre violence et confiance, Paris 2002; André Orléan,»La monnaie, opérateur de totalisation. Entretien avec André Orléan realisé par Françoise Bourdarias«, in: Journal des anthropologues (2002), S Vgl. Peter Wagner,»Handlung, Institution, Kritik. Materialien zur immer noch notwen - digen Erneuerung der Gesellschaftstheorie«, in: Soziologische Revue 34/3 (2011), S ; ders.,»die Soziologie der Genese sozialer Institutionen theoretische Perspektiven der neuen Sozialwissenschaften in Frankreich«, in: Zeitschrift für Soziologie 22/6 (1993), S Vgl. Nikola Tietze, Imaginierte Gemeinschaft. Zugehörigkeiten und Kritik in der europäischen Einwanderungsgesellschaft, Hamburg In der Reihenfolge der zitierten Beispiele vgl.claire Judde de Lavrivière/Georges Hanne,»Occupational Naming Conventions: Historicity, Actors, Interactions«, in: Historical Social Research 36/4 (2011), S ; Bert De Munck,»Guilds, Product Quality and Intrinsic Value. Towards a History of Conventions?«, in: Historical Social Research 36/4 (2011), S ; Boltanski/Chiapello, Geist; Robert Salais,»Labour-Related Conventions and Configurations of Meaning: France, Germany and Great Britain prior to the Second World War«, in: Historical Social Research 36/4 (2011), S

13 Rechtsansprüchen oder verweigerter Lebensqualität bewirken, führen hingegen andere historische und soziologische Untersuchungen eindrücklich vor Augen. 34 Indem die Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik dank ihres Konzepts der Konvention und Rechtfertigungsordnung individuelle und kollektive Handlungsebene miteinander vermittelt, kann sie ganz unterschiedliche soziale Gruppen (etwa die Statistiker, die Führungskräfte), Kollektive (etwa die Künstler, die Manager) oder auch abstrakte Entitäten (etwa den Staat, das Unternehmen, den Kapitalismus) adressieren und zum Gegenstand ihrer Analyse machen. Damit werden»totalisierte«objekte um mit Popper zu sprechen zu relevanten Erklärungsgrößen in der soziologischen Untersuchung. Arbeiten die pragmatischen Ansätze deshalb mit dem Topos der Verschwörung? Nach Boltanski geht es den pragmatischen Ansätzen um die Rekonstruktion von Kollektivbezeichnungen, die die jeweils mikrosoziologisch untersuchten Akteure selbst verwenden. Derartige Kollektivbezeichnungen seien gesellschaftlich performativ, weil sie die Handlungskoordination bestimmen. Eine solche performative Dynamik haben Boltanski und Ève Chiapello in ihrer Studie Der neue Geist des Kapitalismus vor Augen geführt. Indem die beiden Autoren die moralischen Grundlagen des individuellen wirtschaftlichen Handelns die Rechtfertigungen der Akteure und ihre Kritik auf langfristige Entwicklungen beziehen, zeichnen sie die Herausbildung und Transformation von Gruppen, Kollektiven sowie abstrakten Entitäten nach. Gleich einem Roman über Konkurrenz- und Industriespionage enthüllen sie, doch nach sozialwissenschaftlichen Regeln und im soziologischen Sprachduktus, einerseits die makrosoziologischen Auswirkungen mikrosoziologisch fundierter Handlungen. Andererseits beleuchten sie die mikrosoziologischen Effekte makrosoziologischer Machteinwirkung hinsichtlich der entsprechenden Wirklichkeitskon - s truktion. So wird die Verflechtung individueller mit kollektiven, mikro- mit makrosoziologischen Handlungsebenen sichtbar. Es wird gezeigt, dass und wie die sogenannte Sozialkritik der Akteure im gegenwärtigen Kapitalismus an Wirkung einbüßt und das neoliberale Management die sogenannte Künstlerkritik der Akteure für sich vereinnahmt. Dabei arbeitet Boltanskis und Chiapellos soziologische Rekonstruktion keineswegs der neoliberalen Wirklichkeitskonstruktion in die Hände. Vielmehr demonstrieren sie, dass diese neoliberale Wirk- 34 Vgl. zum Beispiel François Dubet/Olivier Cousin/Eric Macé/Sandrine Rui, Pourquoi moi? L expérience des discriminations, Paris 2013; Ulrike Jureit, Das Ordnen von Räumen. Territorium und Lebensraum im 19. und 20. Jahrhundert, Hamburg 2012; Bénédicte Zimmermann, Ce que travailler veut dire. Une sociologie des capacités et des parcours professionnels, Paris

14 lichkeitskonstruktion in dem Maße»kritisierbar«wird, wie es gelingt, die normativen Grundlagen einer solchen Wirklichkeitskonstruktion aufzudecken. 35 Boltanski und Chiapello geraten, sofern sie die Prüfungen der Akteure ihre épreuves nachvollziehen, durchaus nicht in ein verschwö - rungstheoretisches Dilemma. Die Prüfung in der Rechtfertigungs - soziologie auch»beweisführung«genannt besteht eben darin, ein lokales Problem in der Handlungskoordination, eine Unangemessenheit oder Ungerechtigkeit, auf Konventionen oder Rechtfertigungsordnungen zu beziehen und dadurch zu einer Bewertung des Problems und gegebenenfalls zu dessen Lösung zu gelangen. 36 Sie steht mithin für den kritischen Umgang der Akteure (nicht der Soziologen) mit sozialen, politischen oder auch ökonomischen Phänomenen, die die Akteure ihrerseits mitunter auch als Verschwörungen interpretieren. Indem die Handelnden eine Unangemessenheit oder Ungerechtigkeit prüfen, übertragen sie den mikrosoziologischen Einzelfall, der die Koordination behindert oder die staatliche Wirklichkeitskonstruktion hinterfragt, auf makrosoziologisch etablierte Konventionen und Rechtfertigungsordnungen. 37 Die Prüfung besteht mit anderen Worten in Verallgemeinerungen sowie Kategorisierungen, die ein lokales Problem in die Sprache der Gerechtigkeit, des Rechts und der Legitimität übersetzen. 38 Von dieser Form der Prüfung, die sie auch als Größenprüfung (épreuve de grandeur) bezeichnen, unterscheiden Boltanski und Chiapello die Kraftprobe (épreuve de force). Diese wiederum zielt darauf, zu verhindern, dass ein Einzelfall in seiner Situiertheit auf Konventionen und Rechtfertigungsordnungen übertragen und insofern verallgemeinert wird. Mit einer Kraftprobe umgehen die Handelnden die Bezugnahme auf transsituative Konventionen und Rechtfertigungsordnungen. Sie»verschieben«, anders gesagt, das Problem einer Interaktion auf punktuelle und praktische Zwänge. 39 Den Soziologen der Konventionen, Rechtfertigung und der Kritik gelingt es dank des Konzepts der Prüfung (épreuve de grandeur und épreuve de force) die klassisch soziologische Gegenüberstellung von Mikro- und Makroebene zu überwinden. In den prüfenden Verschiebungen von der Mikro- auf die Makroebene und umgekehrt werden Institutionen, Rechte, Maßstäbe, Ideen und Interessen bestätigt oder 35 Siehe Jörg Potthast,»Der Kapitalismus ist kritisierbar. Le Nouvel Esprit du Capitalisme und das Forschungsprogramm der Soziologie der Kritik «, in: Berliner Journal für Soziologie 11/4 (2001), S Vgl. Boltanski/Thévenot,»Die Soziologie der kritischen Kompetenzen«, in: Diaz-Bone (Hrsg.), Konventionen, S Vgl. Boltanski/Thévenot, Über die Rechtfertigung. 38 Boltanski/Chiapello, Geist, S. 362ff. 39 Ebd. 51

15 verändert. Die pragmatischen Ansätze identifizieren in dieser Hinsicht Anknüpfungspunkte für Fragestellungen der politischen Soziologie und für Sondierungen zur Legitimität staatlicher Ordnung. 40 Die Prüfung stellt den Ort dar, an dem die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Ordnung thematisiert wird. In ihr wird die Legitimität bestehender Ordnungen hinterfragt oder deren Wandel durchgesetzt. Folglich bildet die Prüfung die vergesellschaftenden Wechselwirkungen ab, die im Sinne Georg Simmels der Konflikt über die Ordnung sozialer Beziehungen produziert. In Der neue Geist des Kapitalismus arbeitet die Kritik mit Größenprüfungen. Sie bezieht Einzelfälle aufeinander, verallgemeinert und kategorisiert die jeweils spezifischen Probleme der Einzelfälle, um sie mit Fragen nach der Gerechtigkeit, dem Recht und der Legitimität zu verbinden. Die Kraftprobe hingegen ist nach Auskunft des Buches der Operationsmodus des netzwerkökonomischen Managements. Diese Gegenüberstellung von Größenprüfung und Kraftprobe ruft ohne Zweifel den Topos der Verschwörung auf, weil sie verdeckt gehaltene Wirklichkeitskonstruktionen von sozialen Gruppen etwa des Managements in der Netzwerkökonomie freilegt. Boltanski und Chiapello zielen mit dieser Gegenüberstellung darauf, die Bedingungen für die Kritik am Management zu erhellen. Allerdings stellt sich die Frage, ob ihre soziologische Untersuchung hier in ein verschwörungstheoretisches Dilemma gerät. Ist mit der Gegenüberstellung von Größenprüfung und Kraftprobe das Verhältnis zwischen Kritik, Macht und Herrschaft allgemein und ausreichend erfasst? Verweist die Kritik qua Definition auf Größenprüfungen? Ist sie zu Kraftproben unfähig? Rekurrieren diejenigen, die über die Macht verfügen, Wirklichkeit zu konstruieren, ausschließlich auf Kraftproben? Sind Größenprüfungen zwangsläufig kritisch und Kraftproben zwangsläufig Mittel der Machtdurchsetzung oder Herrschaftsausübung? Treten Größenprüfung und Kraftprobe in der gleichen Zuordnung auf, wenn Kritik, Macht und Herrschaft nicht im Hinblick auf das netzwerkökonomische Management, sondern zum Beispiel im Hinblick auf die Wohlfahrtsstaatlichkeit, auf die Gleichstellung der Geschlechter, auf den Nationalismus oder auch auf die Europäisierung betrachtet werden? Boltanski greift in Soziologie und Sozialkritik das Beziehungsgefüge zwischen Kritik, Macht und Herrschaft erneut auf und führt eine neue Unterscheidung zwischen Wahrheitsprüfungen (épreuves de vérité), Realitätsprüfungen (épreuves de réalité) und existentiellen Prüfungen 40 Vgl. zum Beispiel Jörg Potthast,»Politische Soziologie technischer Prüfungen. Das Beispiel Straßenverkehrssicherheit«, in: Leviathan 40/4 (2012), S ; Robert Salais,»Europe and the deconstruction of the category unemployement«, in: Archiv für Sozialgeschichte 47 (2007), S

16 (épreuves existentielles) ein. Die Wahrheitsprüfungen dienen dazu, die offizielle und sichtbare Wirklichkeitskonstruktion zu bestätigen. Deshalb sind sie als ein nationalstaatliches Mittel der Machtdurchsetzung und Herrschaftsausübung zu verstehen. Realitätsprüfungen wiederum stellen einen Modus dar, in dem entweder eine reformistische Kritik formuliert wird oder die Herrschenden einer solchen Kritik entgegentreten. Die existentiellen Prüfungen dagegen bringen radikale Kritik zum Ausdruck, die die Legitimität der Herrschenden in Frage stellt. Sie bestehen darin, subjektive Erfahrungen zu äußern und den Prüfungsformaten entgegenzuhalten, die unter bestimmten Herrschaftsbedingungen als legitim und gerecht gelten. Anders formuliert, bringen existentielle Prüfungen jene Welt ins Spiel, die die sichtbaren und verdeckten Wirklichkeitskonstruktionen aus sich zu verbannen suchen. 41 Mit der Unterscheidung dieser drei Prüfungsformate lässt Boltanski freilich Kontingenz, Unwägbarkeiten und Ambivalenzen aus dem Konflikt über die Legitimität und Durchsetzung einer Ordnung verschwinden. Er verdichtet, mit Michael Dellwing und Michèle Spohr gesprochen, die»offene Welt«des Konflikts zu einer»feste[n] Struktur«und setzt»das Bild einer festen Ordnung«in Szene. 42 III. Plädoyer für eine konflikttheoretische Erweiterung Der Konflikt ist nach Georg Simmel Medium einer vergesellschaftenden Wechselwirkung zwischen Menschen. 43 Diese Wechselwirkung hat per se keine Funktion es sei denn, die soziologische Untersuchung des Konflikts ordnet ihr eine solche zu. Lewis A. Coser beispielsweise betrachtet den Konflikt ausgehend von der Funktion, gesellschaftliche Beziehungen zu integrieren. 44 Die Konventions-, Rechtfertigungs- und Kritiksoziologen wiederum begreifen den Konflikt über die Funktion, Ordnungen zu prüfen und im Falle der Realitätsprüfung»eine begründete und legitime Einigung zu erreichen«, wie Boltanski und Thévenot schreiben. 45 Solche funktionalisierenden Lesarten des Konflikts er - fassen meines Erachtens die vergesellschaftende Wechselwirkung des 41 Vgl.Boltanski, Soziologie und Sozialkritik, S.155ff.; ders.,»individualismus ohne Freiheit«, S. 138ff. 42 Vgl. Michael Dellwing/Michèle Spohr,»Zur Feier des lärmenden Durcheinanders. Boltanskis und Thévenots ordentliche Soziologie der Unordentlichkeit«, in: Soziologische Revue 34/3 (2011), S , hier S. 279 u. S Georg Simmel,»Der Streit«, in: ders., Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, Frankfurt am Main 1992, S »Wenn jede Wechselwirkung unter Menschen eine Vergesellschaftung ist, so muß der Kampf, der doch eine der lebhaftesten Wechselwirkungen ist, der in der Beschränkung auf ein einzelnes Element logisch unmöglich ist, durchaus als Vergesellschaftung gelten«(ebd., S. 284). 44 Lewis A. Coser, Theorie sozialer Konflikte [1956], Wiesbaden Boltanski/Thévenot,»Die Soziologie der kritischen Kompetenzen«, in: Diaz-Bone (Hrsg.), Konventionen, S

17 Konflikts insofern nicht erschöpfend, als sie die Konfliktpraxis ausschließlich unter der Perspektive des zu erreichenden Zieles analysieren und beurteilen. Die unter dieser Hinsicht dysfunktionalen Elemente der Konfliktpraxis werden entweder pathologisiert oder verschwörungstheoretisch in die funktionalisieren den Lesarten eingeordnet. Nimmt die soziologische Untersuchung jedoch den Konflikt als solchen zum Ausgangspunkt, kann sie neben den Versuchen, den Konflikt mithilfe von Integration und Ordnung zu interpretieren, auch die Dynamik und Wirkung der Konfliktpraxis, die diesen Versuchen entgegensteht, zum Objekt der Analyse machen. Sie ist dadurch in der Lage, einerseits die funktionalen und dysfunktionalen Aspekte der Konfliktpraxis in ein Verhältnis zueinander zu setzen und andererseits den Kampf oder Streit über das, was Integration oder Ordnung leisten soll, zu reflektieren. Vor diesem Hintergrund gilt es, die Soziologie der Konventionen, Rechtfertigung und Kritik konflikttheoretisch zu erweitern, auch wenn dadurch»das Bild einer festen Ordnung«des Konflikts aus den Fugen gerät und Ambivalenzen von Kritik, Macht und Herrschaft sichtbar werden. 46 Konflikte, in denen die Legitimität einer Ordnung geprüft, über den Wandel einer Ordnung entschieden oder über den Sinn einer Ordnung gestritten wird, entfalten sich als historische Prozesse. Folglich sind die Konzepte der Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik zeitlich wie räumlich zu verorten. Die interpretative Rationalität, mit der die Handelnden ein Handlungsregime oder ein Regime des Engagements mit der Welt wählen, Situationen definieren, Personen und Objekte qualifizieren wie auch den Sinn von Ordnungen ergänzen, baut auf Erfahrungen auf, die die Handelnden mit den Handlungs- beziehungsweise Engagementregimes, mit vorausgehenden Situationsdefinitionen, Personen- und Objektqualifikationen wie auch mit in anderen Kontexten vollzogenen Sinn - ergänzungen gemacht haben. 47 Eine prozessuale Betrachtung, wie sie die konflikttheoretische Erweiterung in die pragmatisch gewendete soziologische Untersuchung einführt, kann zudem den Wechsel der Handelnden zwischen den verschiedenen Handlungsregimes beziehungsweise Regimes des Engagements wie auch die sich wandelnden Ausrichtungen der interpretativen Rationalität besser in der Analyse berücksichtigen. Erfahrung und Erinnerung beeinflussen ebenfalls die Prüfungen, mit denen Akteure ein lokales Problem in der Handlungskoordination auf Konventionen oder Rechtfertigungsordnungen beziehen. 48 In dieser Hinsicht vermitteln die Konventionen und Recht- 46 Dellwing/Spohr,»Zur Feier «, S Vgl. Dubet/Cousin/Macé/Rui, Pourquoi moi? 48 Vgl. Zimmermann, Ce que travailler veut dire. 54

18 fertigungsordnungen die unterschiedlichen Handlungsebenen nicht nur auf lineare Weise, vielmehr können zum Beispiel im Rahmen kolonialistischer, nationalistischer oder totalitärer Wirklichkeitskonstruktionen Ungleichzeitigkeiten und divergierende Raumbezüge in die Handlungskoordination aufgenommen werden. 49 Sie ermöglichen nicht nur die etwaige Inklusion in eine Handlungskoordination, sondern legitimieren unter Umständen auch Exklusionen. Im Übrigen belehrt die Geschichte darüber, dass Konflikte über den Sinn und die Legitimität einer wirklichkeitskonstruierenden Ordnung mit der Etablierung des demokratischen und auf das Handlungsregime der Rechtfertigung verwiesenen Nationalstaats mitnichten endgültig eingehegt sind. 50 Tatsächlich hat die Nationalstaatlichkeit ganz im Gegenteil erbitterte Kämpfe produziert und das Handlungsregime der Gewalt immer wieder aufgewertet, ja explizit legitimiert. Die mit einer konflikttheoretischen Erweiterung identifizierbaren Ambivalenzen von Kritik, Macht und Herrschaft verlangen über die historisierende Untersuchung hinaus nach einer differenzierten Betrachtung dessen, was mit Kritik, Macht und Herrschaft eigentlich soziologisch bezeichnet wird. Kritik, die anprangert,»was subjektiv als ungerecht empfunden und erfahren wird«, 51 wird ja nicht nur im Hinblick auf die Angemessenheit und Gerechtigkeit von Ordnungen geäußert, sondern auch in der Absicht vorgebracht, zu den Mächtigen oder denjenigen der herrschenden Mehrheit dazuzugehören, Macht zu sichern oder zu gewinnen. Sie findet ihren Ausdruck nicht nur in der kritischen Urteilskraft diskursiver Akteure, sondern mitunter auch in der Ausübung von Gewalt. Wie Jan Philipp Reemtsma für den Machtbegriff erläutert hat, ist zwischen Machtgewinn, -nutzung und -erhalt ebenso zu unterscheiden wie zwischen den Handlungen, die Macht gewähren, entziehen oder Gewalt ausüben. 52 Vor dem Hintergrund eines solchermaßen abgestuften Machtbegriffs kann sich die soziale Praxis der Macht verdeckter, aber erfahrbarer Wirklich keits - konstruktio nen nicht auf Kraftproben beschränken.vielmehr schließt sie zwangsläufig auch Größenprüfungen ein und (wie die Kritik) den immer möglichen Wechsel zwischen den von Boltanski unterschiede - nen Handlungsregimes der Rechtfertigung, der technischen Passung und der Gewalt oder zumindest der Androhung von Gewalt. Herrschaftspraxis unterscheidet sich von der Praxis der Macht im Allge- 49 Vgl. Jureit, Das Ordnen von Räumen. 50 Vgl. Michael Mann, Die dunklen Seiten der Demokratie. Eine Theorie der ethnischen Säuberung, Hamburg Danny Trom,»Zwei Tropismen. Die Krise der Gesellschaftskritik aus Pariser und Frankfurter Sicht«, in: Mittelweg 36 19/2 (2010), S Jan Philipp Reemtsma,Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne, Hamburg 2008, S. 141ff. 55

19 meinen nur insofern, als sie auch auf Wahrheitsprüfungen angewiesen ist, die den Legitimitätsglauben der Beherrschten im Sinne Max Webers sicherstellen sollen. Geht man von dem Konflikt aus, in dem über den Sinn sowie die Legitimität einer Ordnung und die dadurch eingeführten asymmetrischen Gesellschaftsbeziehungen gestritten und gekämpft wird, verschwimmen folglich die Grenzen zwischen offizieller sowie sichtbarer Wirklichkeitskonstruktion, die Boltanski in Énigmes et complots dem Nationalstaat zuweist, und verdeckter, aber tatsächlich erfahrener Wirklichkeitskonstruktion, die er den staatlich nicht eingehegten Mächten zuschreibt. Die eine wie die andere Wirklichkeitskonstruktion ist ungesichert, und die Protagonisten beider Wirklichkeitskonstruktionen rekurrieren sowohl auf die Gültigkeit von Normen als auch auf Zwang wenn auch aus unterschiedlichen Gründen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Konflikt. Angesichts dessen erscheint es wenig überzeugend, staatlichen Institutionen per se die Rolle zuzuordnen, die zwischen Kritik und Macht vermittelt und Defizite in der gewährleisteten Gerechtigkeit und Angemessenheit der Ordnung kompensiert. Eine konflikttheoretische Erweiterung der Soziologie der Konventionen, der Rechtfertigung und der Kritik hat zur Konsequenz, dass die Eindeutigkeit verlorengeht, mit der die Vertreter dieser pragmatischen Ansätze die Ermöglichungsbedingungen von Kritik und gesellschaftlicher Ordnung identifizieren. Sie kann stattdessen stärker die Unwägbarkeiten und Ambivalenzen von Kritik, Ordnungsdurchsetzung und -gewährleistung wie auch gelungener oder misslungener Handlungskoordination thematisieren. Sie hebt dabei das Verschwörungsdilemma der soziologischen Untersuchung auf, gerade weil das Verschwörungsproblem als Konflikt zum genuinen Gegenstand soziologischer Untersuchung avanciert. Summary With their conceptualization of the preconditions for orders of social relations, the sociologies of conventions, justification, and critique have introduced a pragmatic turn in French sociology. But have they, in doing so, also solved the conspiracy problem in sociological method identified by Karl Popper? This contribution discusses the basic assumptions of pragmatic approaches in sociology and three of their elementary concepts (interpretative rationality, conventions or orders of justification, and the test) and explores their usefulness as well as their limitations. It is argued here that extending pragmatic socio logy to incorporate aspects of conflict theory offers opportunities for analysis of society that avoid the pitfalls of conspiracy theory. 56

Sozialisation und Identität

Sozialisation und Identität Universität Augsburg Lehrstuhl für Soziologie Übung: Grundkurs Soziologie Dozent: Sasa Bosancic, M.A. Sebastian Schmidt, Marion Röder, Hanna Heß Sozialisation und Identität Inhaltsverzeichnis Biographie

Mehr

Womit beschäftigt sich Soziologie? (1) Verschiedene Antworten:

Womit beschäftigt sich Soziologie? (1) Verschiedene Antworten: (1) Verschiedene Antworten: Soziale Tatsachen Emile Durkheim Interaktion (soziale Wechselwirkungen Georg Simmel) (soziales) Handeln Max Weber Gruppen Strukturen Soziale Systeme Fazit: Mikro- und Makro-Ebene

Mehr

Gesellschaftliche Integration durch double interchanges und die kybernetische Kontrollhierarchie

Gesellschaftliche Integration durch double interchanges und die kybernetische Kontrollhierarchie Gesellschaftliche Integration durch double interchanges und die kybernetische Kontrollhierarchie Man könnte - und Parsons hat in dieser Richtung Einiges unternommen - mit Hilfe des AGIL-Schemas eine möglichst

Mehr

Reader : Copyshop Rotplombe Nr. 19

Reader : Copyshop Rotplombe Nr. 19 Reader : Copyshop Rotplombe Nr. 19 Online Texte: Homepage: http://www.unierfurt.de/internationalebeziehungen/ Passwort: EinführungPO Politische Ordnungen Staaten und Soveränität Dr. Andrea Ribeiro Hoffmann

Mehr

Weltgesellschaft und die Semantik der Nation

Weltgesellschaft und die Semantik der Nation Florian Eichenmüller Weltgesellschaft und die Semantik der Nation Zum Zusammenhang von politischer Struktur und kollektiver Identität in Zeiten der Globalisierung Mit einem Vorwort von Ilse Lenz 2011 Der

Mehr

Frieder Nake: Information und Daten

Frieder Nake: Information und Daten Frieder Nake: Information und Daten Mit Grundlagen der Zeichentheorie nach Morris Seminar 31120: Information Philosophische und informationswissenschaftliche Perspektiven, SS 2004 Frieder Nake: Information

Mehr

Formulierungshilfen für das wissenschaftliche Schreiben

Formulierungshilfen für das wissenschaftliche Schreiben Formulierungshilfen für das wissenschaftliche Schreiben 1. Einleitendes Kapitel 1.1.1 Einen Text einleiten und zum Thema hinführen In der vorliegenden Arbeit geht es um... Schwerpunkt dieser Arbeit ist...

Mehr

Von der Metaethik zur Moralphilosophie: R. M. Hare Der praktische Schluss/Prinzipien Überblick zum 26.10.2009

Von der Metaethik zur Moralphilosophie: R. M. Hare Der praktische Schluss/Prinzipien Überblick zum 26.10.2009 TU Dortmund, Wintersemester 2009/10 Institut für Philosophie und Politikwissenschaft C. Beisbart Von der Metaethik zur Moralphilosophie: R. M. Hare Der praktische Schluss/Prinzipien Überblick zum 26.10.2009

Mehr

Sozionik: Programmatik und Anwendungsperspektiven. Dr. Ingo Schulz-Schaeffer TU Hamburg-Harburg

Sozionik: Programmatik und Anwendungsperspektiven. Dr. Ingo Schulz-Schaeffer TU Hamburg-Harburg Sozionik: Programmatik und Anwendungsperspektiven eines neuen Forschungsfeldes Dr. Ingo Schulz-Schaeffer TU Hamburg-Harburg Sozionik: Zielsetzung: Erforschung und Modellierung künstlicher Sozialität Leitidee:

Mehr

GRUNDBEGRIFFE DER SOZIOLOGIE. Markus Paulus. Radboud University Nijmegen DIPL.-PSYCH. (UNIV.), M.A.

GRUNDBEGRIFFE DER SOZIOLOGIE. Markus Paulus. Radboud University Nijmegen DIPL.-PSYCH. (UNIV.), M.A. GRUNDBEGRIFFE DER SOZIOLOGIE Markus Paulus DIPL.-PSYCH. (UNIV.), M.A. Radboud University Nijmegen IX, MACHT UND HERRSCHAFT Die, die die menschlichen Angelegenheiten mit philosophischem Blick betrachten,

Mehr

Hans-Ulrich Derlien Doris Böhme Markus Heindl. Bürokratietheorie. Einführung in einejheorie der Verwaltung VS VERLAG

Hans-Ulrich Derlien Doris Böhme Markus Heindl. Bürokratietheorie. Einführung in einejheorie der Verwaltung VS VERLAG Hans-Ulrich Derlien Doris Böhme Markus Heindl Bürokratietheorie Einführung in einejheorie der Verwaltung VS VERLAG Inhalt Vorwort 9 Abkürzungsverzeichnis 11 Abbildungsverzeichnis 13 1 Prolegomena 15 1.1

Mehr

B.A. Sozialwissenschaften. Reiseführer durch das Pflichtmodul 5: Methoden der empirischen Sozialforschung

B.A. Sozialwissenschaften. Reiseführer durch das Pflichtmodul 5: Methoden der empirischen Sozialforschung B.A. Sozialwissenschaften Reiseführer durch das Pflichtmodul 5: Methoden der empirischen Sozialforschung Modulverantwortung Modulverantwortlich für die Methoden der empirischen Sozialforschung in Marburg

Mehr

Strategisches Management im öffentlichen Sektor: Eine Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung

Strategisches Management im öffentlichen Sektor: Eine Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung Strategisches Management im öffentlichen Sektor: Eine Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung Prof. Dr. Isabella Proeller Universität Potsdam Workshop der WK ÖBWL Uni Mannheim, 9.10.2009 1 Strategisches

Mehr

Kampf um Zeit Emanzipatorische Potentiale einer Arbeitszeitverkürzung. Carina Altreiter, Franz Astleithner

Kampf um Zeit Emanzipatorische Potentiale einer Arbeitszeitverkürzung. Carina Altreiter, Franz Astleithner Kampf um Zeit Emanzipatorische Potentiale einer Arbeitszeitverkürzung Carina Altreiter, Franz Astleithner Gutes Leben für Alle - Kongress 21.02.2015, Wien Soziologische Perspektiven auf Arbeitszeit Blick

Mehr

Heidemarie Hanekop Neue Möglichkeiten für collective action mit vielen weltweit verteilten Akteuren: Vergemeinschaftung?

Heidemarie Hanekop Neue Möglichkeiten für collective action mit vielen weltweit verteilten Akteuren: Vergemeinschaftung? Heidemarie Hanekop SOFI Göttingen Vergemeinschaftung im Web 2.0? Neue Möglichkeiten für collective action mit sehr vielen weltweit verteilten Akteuren 1 Das Phänomen: Internetcommunities sind große und

Mehr

Schritt in Richtung TQM? DIN EN ISO 9001:2000 aus wissenschaftlicher Perspektive

Schritt in Richtung TQM? DIN EN ISO 9001:2000 aus wissenschaftlicher Perspektive Revision der DIN EN ISO 9001 1 Schritt in Richtung TQM? DIN EN ISO 9001:2000 aus wissenschaftlicher Perspektive Ingo Janas, Aachen Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus bleibt die neue Norm ein Katalog

Mehr

Grundannahmen und Ziele der systemischen Beratung

Grundannahmen und Ziele der systemischen Beratung Grundannahmen und Ziele der systemischen Beratung SoSe 2005: Beratungstraining - Grundannahmen der systemischen Beratung 1 Überblick Grundannahmen und Ziele der systemischen Beratung 1. Entdecke die Möglichkeiten!

Mehr

Dossier Die Leipziger Schule der Übersetzungswissenschaft

Dossier Die Leipziger Schule der Übersetzungswissenschaft Dossier Die Leipziger Schule der Übersetzungswissenschaft 1. Einleitung 2. Gesetzmäßigkeiten in der Übersetzung (Otto Kade) 3. Translation und Translationslinguistik (Gert Jäger) 4. Pragmatische Aspekte

Mehr

SELBSTREFLEXION. Selbstreflexion

SELBSTREFLEXION. Selbstreflexion INHALTSVERZEICHNIS Kompetenz... 1 Vergangenheitsabschnitt... 2 Gegenwartsabschnitt... 3 Zukunftsabschnitt... 3 GOLD - Das Handbuch für Gruppenleiter und Gruppenleiterinnen Selbstreflecion Kompetenz Die

Mehr

Die Magna Charta der Universitäten Präambel Die unterzeichneten Universitätspräsidenten und -rektoren, die sich in Bologna anlässlich der neunten Jahrhundertfeier der ältesten europäischen Universität

Mehr

DAS WESENTLICHE IM WISSENSMANAGEMENT

DAS WESENTLICHE IM WISSENSMANAGEMENT DAS WESENTLICHE IM WISSENSMANAGEMENT Auszüge aus Videostatements mit: Dr. Ueli Mäder, Soziologe Basel Prof. Sabine Maasen, Wissenschaftsforschung Universität Basel Basel Marco C. Bettoni, Prof. für Wissensmanagement

Mehr

Leseproben Fernstudienlehrbriefe

Leseproben Fernstudienlehrbriefe Weiterbildender Masterstudiengang»Technische Kommunikation«Leseproben Fernstudienlehrbriefe Henrietta Hartl Einführung in das Übersetzungsmanagement in der technischen Dokumentation Wissenschaftliche Weiterbildung

Mehr

Berührt von Gott, der allen Menschen Gutes will... 2 Wer sich von Gott geliebt weiß, kann andere lieben... 2 In wacher Zeitgenossenschaft die

Berührt von Gott, der allen Menschen Gutes will... 2 Wer sich von Gott geliebt weiß, kann andere lieben... 2 In wacher Zeitgenossenschaft die Berührt von Gott, der allen Menschen Gutes will... 2 Wer sich von Gott geliebt weiß, kann andere lieben... 2 In wacher Zeitgenossenschaft die Menschen wahrnehmen... 3 Offen für alle Menschen, die uns brauchen...

Mehr

Damit Würde Wirklichkeit wird

Damit Würde Wirklichkeit wird Evangelisch-lutherisches Missionswerk in Niedersachsen Stiftung privaten Rechts Georg-Haccius-Straße 9 29320 Hermannsburg Postfach 1109 29314 Hermannsburg Damit Würde Wirklichkeit wird Grundsätze der Entwicklungsarbeit

Mehr

Optimieren von Requirements Management & Engineering

Optimieren von Requirements Management & Engineering Xpert.press Optimieren von Requirements Management & Engineering Mit dem HOOD Capability Model Bearbeitet von Colin Hood, Rupert Wiebel 1. Auflage 2005. Buch. xii, 245 S. Hardcover ISBN 978 3 540 21178

Mehr

Statistisches Bundesamt (Hrsg.)

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Statistisches Bundesamt (Hrsg.) In Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim (ZUMA) Datenreport 2006 Zahlen

Mehr

Das Internet als Herausforderung politischer Bildung

Das Internet als Herausforderung politischer Bildung A im S t u d i e n z u P o l i t i k u n d W i s s e n s c h a f t Thilo Harth Das Internet als Herausforderung politischer Bildung WOCHEN SCHAU VERLAG Inhalt Votwort 1 1 Einleitung 3 Das Internet ist

Mehr

Soziale Netzwerke Es kommt nicht darauf an, WAS man weiß, sondern WEN man kennt.

Soziale Netzwerke Es kommt nicht darauf an, WAS man weiß, sondern WEN man kennt. Soziale Netzwerke Es kommt nicht darauf an, WAS man weiß, sondern WEN man kennt. Soziale Netzwerke für Millionen von Usern Ein Soziales Netzwerk Was ist das eigentlich? Drei Definitionen: Soziale Netzwerke

Mehr

Sicherheit als mediales Konstrukt.

Sicherheit als mediales Konstrukt. Gerhard Vowe, Universität Düsseldorf Sicherheit als mediales Konstrukt. Sicherheitswahrnehmung aus Sicht der Kommunikationswissenschaft Beitrag zum Workshop der Arbeitsgruppe 1 Sicherheitswahrnehmungen

Mehr

Sprechen wir über Zahlen (Karl-Heinz Wolff)

Sprechen wir über Zahlen (Karl-Heinz Wolff) Sprechen wir über Zahlen (Karl-Heinz Wolff) Die Überschrift ist insoweit irreführend, als der Autor ja schreibt und nicht mit dem Leser spricht. Was Mathematik im allgemeinen und Zahlen im besonderen betrifft,

Mehr

Hessen. Wie wir uns verstehen. Diakonisches Werk in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck e.v. Selbstverständnis

Hessen. Wie wir uns verstehen. Diakonisches Werk in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck e.v. Selbstverständnis Hessen Wie wir uns verstehen Diakonisches Werk in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck e.v. Selbstverständnis 2 Selbstverständnis Diakonie Hessen Diakonie Hessen Selbstverständnis 3 Wie wir uns verstehen

Mehr

Existenzgründer Rating. Kurzbeschreibungen-Inhaltsangaben zu Publikation Autor: Jörg Becker (erschienen im BoD Verlag)

Existenzgründer Rating. Kurzbeschreibungen-Inhaltsangaben zu Publikation Autor: Jörg Becker (erschienen im BoD Verlag) Existenzgründer Rating Kurzbeschreibungen-Inhaltsangaben zu Publikation Autor: Jörg Becker (erschienen im BoD Verlag) Existenzgründer-Rating Die Person im Mittelpunkt, 2009 ISBN 978 3 8370 7284 6 - Existenzgründung

Mehr

Neue Wege zur InklUsion: Theorie-U, Persönliche Zukunftsplanung und ihr Beitrag zur Systemveränderung

Neue Wege zur InklUsion: Theorie-U, Persönliche Zukunftsplanung und ihr Beitrag zur Systemveränderung Neue Wege zur InklUsion: Theorie-U, Persönliche Zukunftsplanung und ihr Beitrag zur Systemveränderung Dr. Oliver Koenig INSOS Kongress Vorwärts denken 27.08.2014 Agenda UN-Konvention und das Wesen der

Mehr

Männer als Paten für Kinder

Männer als Paten für Kinder Männer als Paten für Kinder inhaltsverzeichnis 3 4 7 11 16 19 22 23 25 27 29 2 vorwort veit hannemann 01. 3 02. GrUsswort von evelyn selinger und andreas schulz 4 03. 01. Männer Und die übernahme von

Mehr

(2) (x 2 1 + x 2 2 + + x 2 n)(y 2 1 + y 2 2 + + y 2 n) = z 2 1 + z 2 2 + + z 2 n

(2) (x 2 1 + x 2 2 + + x 2 n)(y 2 1 + y 2 2 + + y 2 n) = z 2 1 + z 2 2 + + z 2 n Über die Komposition der quadratischen Formen von beliebig vielen Variablen 1. (Nachrichten von der k. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Mathematisch-physikalische Klasse, 1898, S. 309 316.)

Mehr

6. ÜBERBLICK ÜBER DIE ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT

6. ÜBERBLICK ÜBER DIE ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT 26 6. ÜBERBLICK ÜBER DIE ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT 6.1. GESCHICHTE DER ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT Die Übersetzungswissenschaft ist eine sehr junge akademische Disziplin und wurde erst Anfang der 60er Jahre

Mehr

MACHWÜRTH TEAM INTERNATIONAL

MACHWÜRTH TEAM INTERNATIONAL MTI-Tool Das Werte-Profil TM Unternehmenskultur analysieren um Nachhaltigkeit zu erzielen! MACHWÜRTH TEAM INTERNATIONAL Training & Consultancy Management & Leadership Marketing & Sales Customer Service

Mehr

Master of Science (MSc) der Erziehungswissenschaften. 90 oder 120 ECTS-Punkte

Master of Science (MSc) der Erziehungswissenschaften. 90 oder 120 ECTS-Punkte Master of Science (MSc) in Erziehungswissenschaften 90 oder 120 ECTS-Punkte Dieses Masterprogramm richtet sich an Studierende, welche sich für Rolle und Funktion von Erziehung und Bildung in einer sich

Mehr

Johnson & Johnson: CRM ist ganzheitliche Fokussierung auf Kunden

Johnson & Johnson: CRM ist ganzheitliche Fokussierung auf Kunden Johnson & Johnson: CRM ist ganzheitliche Fokussierung auf Kunden Kai Künstler, Director CRM bei Johnson & Johnson skizziert den Aufbau des Customer Relationship Management bei Johnson & Johnson. Er führt

Mehr

Einleitung: Der Horizont der Studie... 15. 1 Impulse zur Studie... 15 2 Fragen und Ziele der Studie... 19. 3 Schritte zur Durchführung...

Einleitung: Der Horizont der Studie... 15. 1 Impulse zur Studie... 15 2 Fragen und Ziele der Studie... 19. 3 Schritte zur Durchführung... Inhaltsverzeichnis Erster Teil Einleitung: Der Horizont der Studie... 15 1 Impulse zur Studie... 15 2 Fragen und Ziele der Studie... 19 2.1 Es geht um das Subjekt Der Blick auf den Einzelnen und seine

Mehr

Zeit- und Dividendeneinfluss. auf einen amerikanischen Aktien-Call-Optionsschein.

Zeit- und Dividendeneinfluss. auf einen amerikanischen Aktien-Call-Optionsschein. HSBC Zertifikate-Akademie Zeit- und Dividendeneinfluss auf einen amerikanischen Aktien-Call-Optionsschein Liebe Leserinnen und Leser der HSBC Zertifikate-Akademie In den vergangenen Ausgaben wurden verschiedene

Mehr

Implementierung des Marketing

Implementierung des Marketing 3 1 Implementierung des Marketing Zur Lernorientierung Nach der Bearbeitung dieses Kapitels sollten Sie:! die Bedeutung unterschiedlicher Organisationsformen für die Realisierung der gewählten Marketingstrategien

Mehr

ETHISCHE FUNDIERUNG VON MANAGEMENT- VERGÜTUNGEN IN DER KREDITWIRTSCHAFT

ETHISCHE FUNDIERUNG VON MANAGEMENT- VERGÜTUNGEN IN DER KREDITWIRTSCHAFT ETHISCHE FUNDIERUNG VON MANAGEMENT- VERGÜTUNGEN IN DER KREDITWIRTSCHAFT (Juli 2013) I. Präambel Die ethische Fundierung von Managementvergütungen entwickelt sich zu einem unverzichtbaren Faktor für eine

Mehr

SoSe 2015. 11210 Grundlagen der Malerei und der künstlerischen Arbeit im Raum N.N.

SoSe 2015. 11210 Grundlagen der Malerei und der künstlerischen Arbeit im Raum N.N. Modulhandbuch Abschluss: Studiengang: Gültig für das Semester: PO-Version: Bachelor of Fine Arts (B.F.A.) 1. Studienabschnitt Freie Bildende Kunst 11000 Modul FK-1: Grundlagen der Praxis und Theorie künstlerischer

Mehr

Modulhandbuch. für den Teilstudiengang. Wirtschaft / Politik

Modulhandbuch. für den Teilstudiengang. Wirtschaft / Politik Modulhandbuch für den Teilstudiengang Wirtschaft / Politik im Studiengang (gewerblich-technische Wissenschaften) der Universität Flensburg Fassung vom 18.11.008 (überarb. 19.05.009) Modultitel: Grundlagen

Mehr

Infobrief August 2013

Infobrief August 2013 Infobrief August 2013 Die Spezialisten für Strategie und Technologie im Asset Management Themen ÄIFRS Fast Close Time is of Essence ÄEuropean Roll-out IFRS Fast Close Time is of Essence Um den Anforderungen

Mehr

6WDWHPHQW 3URIHVVRU'U-RFKHQ7DXSLW],QVWLWXWI U'HXWVFKHV(XURSlLVFKHVXQG,QWHUQDWLRQDOHV 0HGL]LQUHFKW*HVXQGKHLWVUHFKWXQG%LRHWKLN 8QLYHUVLWlWHQ+HLGHOEHUJXQG0DQQKHLP 6FKORVV 0DQQKHLP )D[ (0DLOWDXSLW]#MXUDXQLPDQQKHLPGH

Mehr

STÉPHANE ETRILLARD FAIR ZUM ZIEL. Strategien für souveräne und überzeugende Kommunikation. Verlag. »Soft Skills kompakt« Junfermann

STÉPHANE ETRILLARD FAIR ZUM ZIEL. Strategien für souveräne und überzeugende Kommunikation. Verlag. »Soft Skills kompakt« Junfermann STÉPHANE ETRILLARD FAIR ZUM ZIEL Strategien für souveräne und überzeugende Kommunikation»Soft Skills kompakt«verlag Junfermann Ihr Kommunikationsstil zeigt, wer Sie sind 19 in guter Absicht sehr schnell

Mehr

360 FEEDBACK UND REFERENZEN IM MANAGEMENT AUDIT von KLAUS WÜBBELMANN

360 FEEDBACK UND REFERENZEN IM MANAGEMENT AUDIT von KLAUS WÜBBELMANN 360 FEEDBACK UND REFERENZEN IM MANAGEMENT AUDIT von KLAUS WÜBBELMANN 360 Feedback / Referenzen Referenzen und andere Verfahren der Einbeziehung von Personen aus dem Arbeitsumfeld einer einzuschätzenden

Mehr

Kann-Aussagen. Zum Beispiel:

Kann-Aussagen. Zum Beispiel: 1 Kann-Aussagen Hier finden Sie eine Anzahl Kann-Aussagen, Aussagen über Ihre Sprachkenntniss in Deutsch und Englisch. Ich bin daran interessiert, wie gut oder schlecht Sie Ihre eigene Sprachkenntnis in

Mehr

Wertewandel und Vermarktung des Sozialen

Wertewandel und Vermarktung des Sozialen Alpbacher Universitätenforum Technologien und Werte im Wandel Wertewandel und Vermarktung des Sozialen o.univ.prof. Dr.phil. Jens S. Dangschat, TU Wien, ISRA 21.08.2013, Alpbach 1 Inhalt 1. Wertewandel

Mehr

Was ist wissenschaftlich?

Was ist wissenschaftlich? 1 Niklas Lenhard-Schramm (Westfälische Wilhelms Universität Münster) Was ist wissenschaftlich? Was ist wissenschaftlich? Eine Auseinandersetzung mit dieser Frage ist lohnenswert für jeden, der wissenschaftliches

Mehr

Warum (immer noch) partizipative TA?

Warum (immer noch) partizipative TA? Warum (immer noch) partizipative TA? Leonhard Hennen Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse Karlsruher Institut für Technologie Elfte österreichische TA-Konferenz 20 Juni 2011, Wien TA

Mehr

Social Software im Change Management. Bachelorarbeit

Social Software im Change Management. Bachelorarbeit Social Software im Change Management Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science (B.Sc.) im Studiengang Wirtschaftswissenschaft der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der

Mehr

Alter und Familie Frauen zwischen tradierten Normalitätsvorstellungen und neuen Gestaltungsanforderungen Cordula Kropp, Jana Türk und Sophia Post

Alter und Familie Frauen zwischen tradierten Normalitätsvorstellungen und neuen Gestaltungsanforderungen Cordula Kropp, Jana Türk und Sophia Post Alter und Familie Frauen zwischen tradierten Normalitätsvorstellungen und neuen Gestaltungsanforderungen Cordula Kropp, Jana Türk und Sophia Post Sektionsveranstaltung Alter(n) jenseits der Normalfamilie?

Mehr

Ein Bildungsmodell zur Rausch- und Risikobalance

Ein Bildungsmodell zur Rausch- und Risikobalance Treatment: «risflecting» Ein Bildungsmodell zur Rausch- und Risikobalance Rausch = Prozesshafte Veränderung sinnlicher und sozialer Wahrnehmung hinsichtlich Eindrücken, Emotionen, Grenzen und Konventionen

Mehr

Auswertung qualitativer Interviews

Auswertung qualitativer Interviews Auswertung qualitativer Interviews Problem: umfangreiche Texte in eine Form zu bringen, die als Erzählung, als Leseangebot für den Leser dienen können Texte müssen eingedickt werden, sie müssen im Rahmen

Mehr

English version Version Française Deutsche Fassung. Eurocode 5: Design of timber structures - Part 1-2: General - Structural fire design

English version Version Française Deutsche Fassung. Eurocode 5: Design of timber structures - Part 1-2: General - Structural fire design EUROPEAN STANDARD NORME EUROPÉENNE EUROPÄISCHE NORM EN 1995-1-2:2004/AC March 2009 Mars 2009 März 2009 ICS 91.010.30; 13.220.50; 91.080.20 English version Version Française Deutsche Fassung Eurocode 5:

Mehr

Methoden der Erkenntnisgewinnung. Seminar Empirische Sozialforschung/ Pflegeforschung Prof. Dr. U. Toellner-Bauer

Methoden der Erkenntnisgewinnung. Seminar Empirische Sozialforschung/ Pflegeforschung Prof. Dr. U. Toellner-Bauer Methoden der Erkenntnisgewinnung Seminar Empirische Sozialforschung/ Pflegeforschung Prof. Dr. U. Toellner-Bauer Parabel Ein Ichthyologe, ein Fischkundiger, will das Leben im Meer erforschen. Er wirft

Mehr

Plagemann Rechtsanwälte. Mediation

Plagemann Rechtsanwälte. Mediation Plagemann Rechtsanwälte Mediation Was ist Mediation? Bei der Mediation handelt es sich um ein Verfahren der außergerichtlichen Konfliktlösung. In Gesprächen der Konfliktparteien unter Begleitung des Mediators

Mehr

Diplom Sozialwissenschaft (auslaufend zum WiSe 11/12) Äquivalenztafeln zum BA/MA-Angebot

Diplom Sozialwissenschaft (auslaufend zum WiSe 11/12) Äquivalenztafeln zum BA/MA-Angebot Diplom Sozialwissenschaft (auslaufend zum WiSe 11/12) Äquivalenztafeln zum BA/MA-Angebot Grundstudium Äquivalenztafel zu den Bachelor-Modulen Teilgebiete/Pflichtveranstaltungen nach der Diplomordnung Ab

Mehr

«Wir wollen keine Subventionen, wir wollen einen funktionierenden Markt»

«Wir wollen keine Subventionen, wir wollen einen funktionierenden Markt» «Wir wollen keine Subventionen, wir wollen einen funktionierenden Markt» Interview: Lukas Meyer-Marsilius. Ist die Schweiz ein «Urheberrechts-Guantánamo»? Das behauptet der Verein Musikschaffende Schweiz.

Mehr

Abb. 1: Die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit Veränderungen

Abb. 1: Die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit Veränderungen Changemanagement die Unternehmenskultur zu verändern braucht Zeit Von Ralf Strehlau und Marc Sieper Wenn Unternehmen erkennen In unserer Organisation klemmt es zum Beispiel im Bereich Führung und Zusammenarbeit

Mehr

10 Fakten zum Betriebsrat. leicht verständlich erklärt

10 Fakten zum Betriebsrat. leicht verständlich erklärt 10 Fakten zum Betriebsrat leicht verständlich erklärt Der Betriebsrat zahlt sich aus Beschäftigte in Betrieben mit Betriebsrat verdienen im Durchschnitt über 10 % mehr als in Betrieben ohne Betriebsrat.

Mehr

Fall 5. Strafbarkeit von T und F? Die Strafbarkeit wegen dem Überfall auf die Tankstelle ist nicht zu prüfen. Gutachten. A. Strafbarkeit der F

Fall 5. Strafbarkeit von T und F? Die Strafbarkeit wegen dem Überfall auf die Tankstelle ist nicht zu prüfen. Gutachten. A. Strafbarkeit der F Fall 5 T hat einen Raubüberfall auf eine Tankstelle begangen. Einige Zeit später kommt es zur Anklage vor dem Landgericht Saarbrücken. Da T nicht eindeutig identifiziert werden konnte, weil er während

Mehr

Business Compass FRANKREICH

Business Compass FRANKREICH Business Compass FRANKREICH Kooperationstraining für Fach- und Führungskräfte Broer Cross-Cultural Management Inh. Bastian Broer Am Zinnbruch 15, 53129 Bonn info@bccm-web.com www.bccm-web.com Viele Deutsche

Mehr

Abstract von Fhr Robert SCHMELZ

Abstract von Fhr Robert SCHMELZ Abstract von Fhr Robert SCHMELZ Thema: Neue Medien Konsequenzen auf die interne und externe Kommunikation im Österreichischen Bundesheer unter besonderer Berücksichtigung der Theresianischen Militärakademie.

Mehr

STEUERRECHTLICHE ANFORDERUNGEN IN DEUTSCHLAND

STEUERRECHTLICHE ANFORDERUNGEN IN DEUTSCHLAND 1 Brisanz der elektronischen Rechnung in deutschen Unternehmen# STEUERRECHTLICHE ANFORDERUNGEN DER FINANZBEHÖRDEN AN DIE ELEKTRONISCHE RECHNUNG IN DEUTSCHLAND BACHELORARBEIT zur Erlangung des akademischen

Mehr

Berufsbildung ist Allgemeinbildung Allgemeinbildung ist Berufsbildung

Berufsbildung ist Allgemeinbildung Allgemeinbildung ist Berufsbildung Andreas Schelten Berufsbildung ist Allgemeinbildung Allgemeinbildung ist Berufsbildung In: Die berufsbildende Schule 57(2005)6, S. 127 128 Die Auseinandersetzung zwischen Allgemeinbildung und Berufsbildung

Mehr

Customer Relationship Marketing

Customer Relationship Marketing Customer Relationship Marketing Marc Müller Die Entwicklung des Marketings hin zum Customer Relationship Marketing lässt sich unter anderem auf die technologische Entwicklung zurückführen. Die Änderungen

Mehr

ANDERE METHODEN. ANDERE RÄUME. ANDERE RESULTATE.

ANDERE METHODEN. ANDERE RÄUME. ANDERE RESULTATE. ANDERE METHODEN. ANDERE RÄUME. ANDERE RESULTATE. CHALLENGE Wie werden Führungskräfte für die Zukunft befähigt? Wie bekommen sie Lust auf den permanenten Wandel? Wie bleiben sie handlungsfähig in der Komplexität?

Mehr

Rechtsanwalt Dr. Martin Theben Fachanwalt für Arbeitsrecht. Arbeitsrecht und Menschenrechte in der anwaltlichen Praxis

Rechtsanwalt Dr. Martin Theben Fachanwalt für Arbeitsrecht. Arbeitsrecht und Menschenrechte in der anwaltlichen Praxis Rechtsanwalt Dr. Martin Theben Fachanwalt für Arbeitsrecht Arbeitsrecht und Menschenrechte in der anwaltlichen Praxis I. Einleitende Bemerkungen zur Praxisrelevanz der Menschenrechte jenseits des Arbeitsrecht

Mehr

Konstruktion der Wirklichkeit durch Kriminalitat und Strafe

Konstruktion der Wirklichkeit durch Kriminalitat und Strafe Detlev Frehsee/Gabi Loschper/Gerlinda Smaus (Hg.) Konstruktion der Wirklichkeit durch Kriminalitat und Strafe Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden Inhaltsverzeichnis Detlev Frehsee, Bielefeld/Gabi Loschper,

Mehr

Agile Techniken für klassisches Projektmanagement. Qualifizierung zum PMI-ACP. Nils Pröpper

Agile Techniken für klassisches Projektmanagement. Qualifizierung zum PMI-ACP. Nils Pröpper Agile Techniken für klassisches Projektmanagement Qualifizierung zum PMI-ACP Nils Pröpper Einleitung Ziel des Buches Es ist schon viele Jahre her, in den 1990ern war es, da kamen Ideen auf, die Entwicklung

Mehr

Uwe Meyer Universität Osnabrück Seminar Der Sinn des Lebens (WS 2003/04) Karl R. Popper: Hat die Weltgeschichte einen Sinn?

Uwe Meyer Universität Osnabrück Seminar Der Sinn des Lebens (WS 2003/04) Karl R. Popper: Hat die Weltgeschichte einen Sinn? Karl R. Popper: Hat die Weltgeschichte einen Sinn? * 28.07.1902 in Wien Frühe Auseinandersetzung mit Marx, Freud und Einsteins Relativitätstheorie; um 1918 als Sozialist politisch aktiv, dann kritische

Mehr

Die Führungskraft als Vorbild - Neun Faktoren erfolgreichen Führens

Die Führungskraft als Vorbild - Neun Faktoren erfolgreichen Führens Die Führungskraft als Vorbild - Neun Faktoren erfolgreichen Führens Immer wieder tritt die Frage auf, welche Eigenschaften eine erfolgreiche Führungskraft kennzeichnen. Wie immer gibt es hier keine Musterantwort.

Mehr

Spezielle wissenschaftliche Arbeitsmethoden

Spezielle wissenschaftliche Arbeitsmethoden Prof. Dr. Ralf Laging Einführung in die speziellen wissenschaftlichen Arbeitsmethoden Vorlesungsteil 1 Spezielle wissenschaftliche Arbeitsmethoden Einführung in forschendes Arbeiten Worum es in diesem

Mehr

Master Soziale Arbeit in internationaler Perspektive

Master Soziale Arbeit in internationaler Perspektive Master Soziale Arbeit in internationaler Perspektive Vortrag Fachtag Zukunftsvisionen für die Soziale Arbeit Etablierung der Professionalisierung der Sozialen Arbeit durch ihre Masterstudiengänge Ernst-Abbe-Fachhochschule

Mehr

Prosoziales Verhalten

Prosoziales Verhalten Prosoziales Verhalten Drei verwandte Begriffe Hilfreiches Verhalten, prosoziales Verhalten, Altruismus Hilfreiches Verhalten Prosoziales Verhalten Altruismus Prosoziales Verhalten ist dann gegeben, wenn

Mehr

Schullehrplan IDAF. BM I Typ Wirtschaft. 1. Allgemeines. 2. Richtlinien zum interdisziplinären Arbeiten

Schullehrplan IDAF. BM I Typ Wirtschaft. 1. Allgemeines. 2. Richtlinien zum interdisziplinären Arbeiten 1. Allgemeines Grundlagen - Verordnung über die eidgenössische Berufsmaturität (Berufsmaturitätsverordnung BMV) 2009 - Rahmenlehrplan für die Berufsmaturität 2012 - Kant. Verordnung zum Einführungsgesetz

Mehr

E-Business Seminar SS 2005

E-Business Seminar SS 2005 E-Business Seminar SS 2005 Beschreibung von Interorganisationalen Informationssystemen (IOIS) und Industriestrukturen Vorgetragen von Martin Leenders Bearbeiteter Text: Contours of diffusion of electronic

Mehr

Das Grundrecht auf Datenschutz im Europarecht Wirkungen und Problemfelder. Ao. Univ.-Prof. Dr. Alina-Maria Lengauer, LLM

Das Grundrecht auf Datenschutz im Europarecht Wirkungen und Problemfelder. Ao. Univ.-Prof. Dr. Alina-Maria Lengauer, LLM Das Grundrecht auf Datenschutz im Europarecht Wirkungen und Problemfelder Ao. Univ.-Prof. Dr. Alina-Maria Lengauer, LLM Das Grundrecht auf Datenschutz im Europarecht 1. Zur Genese des Grundrechtes auf

Mehr

Befragung und empirische Einschätzung der Praxisrelevanz

Befragung und empirische Einschätzung der Praxisrelevanz Befragung und empirische Einschätzung der Praxisrelevanz eines Vorgehensmodells zur Auswahl von CRM-Systemen D I P L O M A R B E I T zur Erlangung des Grades eines Diplom-Ökonomen der Wirtschaftswissenschaftlichen

Mehr

1. Normen für Unternehmen

1. Normen für Unternehmen 1. Normen für Unternehmen Normen sind gut für ein Missverständnis und schlecht für ein Verständnis. Um diesem Wortspiel einen konkreten Inhalt zu geben, seien zwei Thesen angeführt: Das Missverständnis

Mehr

Informationen der BMW Group Mai 2002

Informationen der BMW Group Mai 2002 Informationen der BMW Group Mai 2002 Wir bei BMW. Das Mitarbeiter- und Führungsleitbild der BMW Group. Die Mitarbeiter bestimmen den Erfolg unseres Unternehmens. Damit die BMW Group weiterhin erfolgreich

Mehr

COMINN KOMpetenzen für INNovation im Metallsektor DEFINITIONEN DER LERNERGEBNISSE

COMINN KOMpetenzen für INNovation im Metallsektor DEFINITIONEN DER LERNERGEBNISSE COMINN KOMpetenzen für INNovation im Metallsektor Land: Institution: Qualifikation: Portugal Inovafor Innovationsentwicklung und Verantwortliche für Innovation in Arbeitsteams in Klein- und Mittelbetrieben,

Mehr

Unternehmenspolitik zu Sicherheit, Security, Gesundheits- und Umweltschutz im Roche-Konzern

Unternehmenspolitik zu Sicherheit, Security, Gesundheits- und Umweltschutz im Roche-Konzern Deutsche Übersetzung. Im Zweifelsfall gilt das englische Original Unternehmenspolitik zu Sicherheit, Security, Gesundheits- und Umweltschutz im Roche-Konzern Ausgabe 2012 Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft

Mehr

Dein perfektes Social Media Business

Dein perfektes Social Media Business Dein perfektes Social Media Business Tipps und Tricks für effektives Content-Marketing Informationen Tipps und Tricks für effektives Content-Marketing Du hast eine Frage? Dann kontaktiere uns einfach:

Mehr

ISMS Teil 3 Der Startschuss

ISMS Teil 3 Der Startschuss ISMS Teil 3 Der Startschuss Nachdem das TOP-Managenment die grundsätzliche Entscheidung getroffen hat ein ISMS einzuführen, kann es nun endlich losgehen. Zu Beginn sollte Sie noch die Grundlagen des ISMS

Mehr

Erklärung von Alma-Ata

Erklärung von Alma-Ata Erklärung von Alma-Ata Die Internationale Konferenz über primäre Gesundheitsversorgung, die am zwölften Tag des Monats September neunzehnhundertachtundsiebzig in Alma-Ata stattfand, gibt angesichts des

Mehr

Es gilt das gesprochene Wort. Anrede

Es gilt das gesprochene Wort. Anrede Sperrfrist: 28. November 2007, 13.00 Uhr Es gilt das gesprochene Wort Statement des Staatssekretärs im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Karl Freller, anlässlich des Pressegesprächs

Mehr

Gesellschaft und Wirtschaft vor dem grossen Strukturwandel CC BY 3.0

Gesellschaft und Wirtschaft vor dem grossen Strukturwandel CC BY 3.0 Social Business Gesellschaft und Wirtschaft vor dem grossen Strukturwandel CC BY 3.0 Kleine Geschichte zur industriellen Revolution 1710 1769 1776 1802 1822 1836 1843 1867 1874 1879 1884 1890 Dampfpumpe

Mehr

Peter Spiegel. Muhammad Yunus ± Banker der Armen

Peter Spiegel. Muhammad Yunus ± Banker der Armen Peter Spiegel Muhammad Yunus ± Banker der Armen Band 5880 Das Buch Vertrauen heiût auf Latein ¹credereª, das Ursprungswort unseres ¹Kreditsª. Die Welt gibt Kredite nur an Besitzende ± Muhammad Yunus mit

Mehr

1 Einleitung. 1.1 Unser Ziel

1 Einleitung. 1.1 Unser Ziel 1 Dieses Buch wendet sich an alle, die sich für agile Softwareentwicklung interessieren. Einleitend möchten wir unser mit diesem Buch verbundenes Ziel, unseren Erfahrungshintergrund, das dem Buch zugrunde

Mehr

Alexander Artopé und smava: Zwei Kompetenzführer für soziale Kredite (nicht nur) für Selbständige

Alexander Artopé und smava: Zwei Kompetenzführer für soziale Kredite (nicht nur) für Selbständige Alexander Artopé und smava: Zwei Kompetenzführer für soziale Kredite (nicht nur) für Selbständige Name: Alexander Artopé Funktion: Geschäftsführer Organisation: smava Kurzeinführung zum Thema im Rahmen

Mehr

Interdisziplinarität - Zwischen allen Stühlen, glücklich?

Interdisziplinarität - Zwischen allen Stühlen, glücklich? Interdisziplinarität - Zwischen allen Stühlen, glücklich? Jörg Bergmann Universität Bielefeld Fakultät für Soziologie Universität Hamburg, 27.06.2013 Übersicht 1. Organisierte Interdisziplinarität: Das

Mehr

Wissen erarbeiten und analysieren

Wissen erarbeiten und analysieren Concept Map Ludger Brüning und Tobias Saum Ziel: Wissen erarbeiten und analysieren In komplexen Texten finden sich oft verschiedene logische Strukturen. Um solche Zusammenhänge darzustellen, eignet sich

Mehr

Kann die Kunst politisch erziehen? Ein historischer und kritischer Überblick über die (Un-)Macht der Kunst

Kann die Kunst politisch erziehen? Ein historischer und kritischer Überblick über die (Un-)Macht der Kunst Europa-Universität Viadrina Lehrstuhl für Westeuropäische Literaturen Anne Gräfe, Hernán Caro Große Scharrnstraße 59 15230 Frankfurt (Oder) Kann die Kunst politisch erziehen? Ein historischer und kritischer

Mehr

Freie Software und. Stefan Meretz. stefan@meretz.de

Freie Software und. Stefan Meretz. stefan@meretz.de Freie Software und Freie Gesellschaft Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen (John Holloway) Stefan Meretz Berlin stefan@meretz.de www.kritische-informatik.de www.opentheory.org Struktur Produktionsweise

Mehr

Sittenwidrigkeitsprüfung von Kettenkrediten

Sittenwidrigkeitsprüfung von Kettenkrediten Sittenwidrigkeitsprüfung von Kettenkrediten Nach der Rechtsprechung kann ein Kreditvertrag auch dann sittenwidrig sein, wenn er auf einem unangemessenen Umschuldungsverlangen der Bank beruht, weil die

Mehr