Alfred Schütz Konstitution sinnhaften Handelns

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1 Konstitution sinnhaften Handelns Erklären bedeutet also für eine mit Sinn des Handelns befasste Wissenschaft soviel wie: Erfassung des Sinnzusammenhangs, in den, seinem subjektiv gemeinten Sinn nach, ein aktuell verständliches Handeln hineingehört (Weber) Schütz setzt an Definition des Begriffs Erklären seine kritische Diskussion der Methodologie Webers an. Schütz weist auf das Postulat der verstehenden Soziologie hin, wonach Beobachter keinen direkten Zugang zu dem subjektiven Sinnzusammenhang finden kann, in den der Handelnde sein Handeln stellt. der Beobachter erfasst die objektive Gegenständlichkeit des Handlungsablaufs, welche durch einen Akt der Deutung etwa der Benennung von mir und für mich in einen Sinnzusammenhang eingestellt wird... (Schütz, 1974 S.36)

2 Sinnzusammenhang Diese Konstruktion des Beobachters nennt Schütz den objektiven Sinnzusammenhang. Die prinzipielle Unzulänglichkeit des subjektiven Sinns gilt für den Beobachter, der mit dem Handelnden in seinem Alltag zusammenlebt, ebenso wie für den Soziologen, obwohl das Verstehen des objektiven Sinnes in diesen beiden Fällen unterschiedlichen Bedingungen unterliegt.

3 A B H C S S S G1 G2 Alfred Schütz Sinnzusammenhang Wie das Schaubild zeigt, unterscheidet sich der subjektiv gemeinte Sinn S, den der Handelnde A mit seiner Handlung H verbindet, erstens von dem objektiven Sinn S, den ein Mitglied B der Alltagswelt dem Handelnden als Sinn des Handelns zuschreibt. Zweitens wird der Soziologe C als wissenschaftlicher Beobachter auf einen davon abweichenden Sinn S stoßen, wenn er sich bemüht, den subjektiven Sinn der Handlung zu rekonstruieren. Die Begründung der Gültigkeit (G1) des objektiven Sinnes S, den das Mitglied der Alltagswelt der Handlung unterstellt, baut auf der Konstitutionsanalyse des subjektiven Sinns auf. Dagegen bildet das Problem der Gültigkeit (G2) der wissenschaftlichen Rekonstruktion S ein methodologische Problem, das Schütz auf die Webersche Methode der Idealtypen zurückführt.

4 Konstitution von subjektiven Sinn Für Schütz verbindet ein Handelnder mit seinem Handeln keinen Sinn, sondern erlebt das Handeln als einen Strom von Ereignissen. Erst wenn ein Handeln abgelaufen ist, kann sich der Handelnde diesem Handeln durch Reflexion zuwenden und auf diese Weise eine Handlung konstituieren. Das besondere Wie dieser reflexiven Zuwendung definiert Schütz als den Sinn des Handelns, durch den ein Erlebnis in eine Handlung transformiert wird. Nicht jedes erlebte Handeln wird durch die Zuwendung des Handelnden mit Sinn versehen und auf diese Weise zu einer Handlung. Der Handelnde greift aus dem Strom des erlebten Handelns bestimmte Elemente heraus und ordnet diese Erlebnisse in den vorgegebenen Gesamtzusammenhang der Erfahrung ein, woraus sich der gemeinte Sinn als eine Selbstauslegung des Erlebnisses von einem neuen Erleben her ergibt.

5 Ein Vergleich mit Mead Das erlebte Handeln bei Schütz mit der Reaktion des I bei Mead vergleichbar =>verläuft spontan und der Akteur vergleicht sie in der nachfolgenden Reflexion mit den Erfahrungen, die er während der Identitätsentwicklung erworben hat. Dieser Rückbezug auf die Identität verleiht der Reaktion des I im nachhinein einen Sinn, => führt zur Erweiterung der Erfahrungen des Individuums und damit zur Veränderung der Identität Mit dem Begriff der Identität geht Mead von einem vorgegebenen Bezugssystem der Erfahrungsverarbeitung aus und führt die Sinnkonstitution auf die im Sozialisationsprozess übernommenen Haltungen anderer zurück, die wiederum in der Sozialstruktur verankert sind. Diesen Rückbezug auf emergente Ordnungsstrukturen meidet Schütz und entwickelt damit ein allgemeineres Modell als Mead.

6 Ein Vergleich mit Mead Schütz definiert den Sinnzusammenhang => Folge sinnvoller Erlebnisse, aus denen der Handelnde, falls er seinen Blickstrahl auf sie richtet, eine Synthesis höherer Ordnung bildet. Diese Synthese ist nicht von vornherein durch eine sozial verankerte Struktur, wie sie die Identität bei Mead darstellt, eingegrenzt. Nach Mead konkretisiert der Akteur durch das Me die Haltungen der anderen im Hinblick auf bestimmte Handlungssituationen und legt damit sein späteres Handeln im moralischen Sinne fest. Schütz verwendet eine parallele Konstruktion, indem er das entscheidende Charakteristikum des Handelns darin sieht, dass es durch einen Entwurf, der im zeitlich vorausgeht, bestimmt wird. Dieser Entwurf, aus dem nach Schütz der primäre und fundamentale Sinn einer Handlung besteht, lässt sich durch die Unterscheidung zwischen Um-zu-Motiven und Weil-Motiven weiter aufgliedern.

7 Um-Zu-Motive und Weil-Motive Um-zu-Motive: beziehen sich auf die Zukunft und sind identisch mit dem Ziel oder dem Zweck, für deren Verwirklichung die Handlung selbst das Mittel darstellt. Weil-Motive: beziehen sich auf die Vergangenheit und sie stellen die Gründe oder Ursachen des Handelns dar. Während bei Mead zu kritisieren ist, dass er weder die für das jeweilige Individuum charakteristische Art der Bildung des Me noch die sich wiederholende typische Reaktion des I als Bestandteile der Identität untersucht, stellt Schütz die Um-zu-Motive in das subjektive System der Biographie des Handelnden.

8 Konstitutionsanalyse Allgemein Konstitutionsanalyse im Hinblick auf die Frage des Verstehens und Erklären=> Schützsche Modell enstpricht dem Typ der intentionalen Erklärung. (siehe Folien Wright) Falls die Weil-Motive aus früheren Handlungen des Handelnden ablesbar sind und die Um-zu-Motive sich auf beobachtbare Handlungsergebnisse beziehen handelt es sich um eine quasi-teleologische Erklärung. In der Regel entspricht die Schützsche Erklärung aber dem intentionalen Typ, aus dem ein praktischer Schluss formalisiert werden kann.

9 Formen des Fremdverstehens Im Fremdverstehen stellt sich der Beobachter auf den Standpunkt des Handelnden, indem er sich vorstellt, er hätte dieselben Handlungsziele bzw. um-zu-motive. Dann interpretiert er die Handlungen so, als hätte er sie als Handelnder selbst vollzogen. In diesem Augenblick unterstellt er die Kongruenz seiner Perspektive mit der des Handelnden. Diese Annahme, bei Schütz = Generalthesis des alter ego, ist nur teilweise zutreffend, da die Erlebnisströme von Beobachter und Handelndem nicht identisch sind. Während der Beobachter sein eigenes Handeln als einen kontinuierlichen Strom erlebt, erfasst er von seinem Gegenüber lediglich diskontinuierliche Segmente. (Schütz, 1974 S.146).

10 Formen des Fremdverstehens Diese Auffassung von Schütz,... alles echte Fremdverstehen auf Akten der Selbstauslegung des Verstehens fundiert ist entspricht den Gedanken Meads, dass ein Akteur die Haltungen anderer übernimmt, indem er in sich die gleichen Reaktionen erzeugt wie der andere. weitere Übereinstimmung zwischen beiden Autoren = in der besonderen Bedeutung der symbolischen Kommunikation. Der Soziologe als Beobachter kennt die Alltagswelt nur bruchstückhaft, selbst wenn er als teilnehmender Beobachter eine Weile in dieser Alltagswelt lebt. Daher kann er nicht von der Generalthesis des alter ego ausgehen, wie ein Mitglied der Alltagswelt. Im Hinblick auf die Interpretation von Zeichen und Symbolen ist die Situation für den Wissenschaftler günstiger, weil ihm durch die Sprache ein universeller Schlüssel zur Interpretation zur Verfügung steht.

11 Komponenten des Zeichensetzens Aus der Universalität der Sprache folgt allerdings nicht, dass die Deutung der Zeichen, die ein anderer verwendet, zutreffend sein muss. Nach Schütz sind insgesamt sechs Komponenten des Zeichensetzens zu berücksichtigen um zu einer vollständigen Interpretation zu gelangen.

12 Komponenten des Zeichensetzens 1. der Zeichensetzende stellt die Erlebnisse in einen bestimmten Sinnzusammenhang das Zeichen selbst bildet ein Element eines Zeichensystems D.h. der Beobachter muss zum einen den Sinnzusammenhang rekonstruieren und zum anderen das System berücksichtigen, in dem das Zeichen steht (Dialekt, Subgruppen-Slang usw.) 2. das Zeichensetzen ist eine Handlung, durch die ein Handelnder etwas kundgibt. Das Kundgeben wird unterteilt in reines Ausdruckshandeln (wenn jemand im Restaurant einer ihm bekannten Person gestisch mitzuteilen versucht, dass er auf jemanden wartet. Zeichensetzung als Kundgabehandlung (Kundgeben in den übergeordneten Zusammenhang gestellt). Hier muss der Interpret die zugrunde liegende Regel für eine Orientierungskundgabe erkennen.

13 Komponenten des Zeichensetzens 3. Der Adressat der Handlung wird berücksichtigt der Adressat wird in den Sinnzusammenhang des Kundgebens einbezogen der Zeichensetztende verbindet mit seinem Zeichen gegenüber dem Adressaten eine bestimmte Absicht. (z.b. in der Korrektur einer Rollenzuschreibung) Auf der ersten Ebene wird somit das Zeichen als Aussage, auf der zweiten die Handlung und auf der dritten als auf einen Adressaten gerichtete Handlung interpretiert.

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