HERZERKRANKUNGEN Risikofaktoren und Krankheitsbilder

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1 HERZERKRANKUNGEN Risikofaktoren und Krankheitsbilder Prim. Univ. Prof. Dr. Peter Siostrzonek Interne II-Kardiologie, KH der Barmherzigen Schwestern Linz

2 TODESURSACHEN IN ÖSTERREICH

3 KRANKHEITSVERLAUF BEI KORONARER HERZKRANKHEIT Koronare Herzkrankheit Atherosklerose Minderdurchblutung Gefäßwandschädigung Großer Herzinfarkt Risikofaktoren Herzschwäche Bluthochdruck Erhöhtes Cholesterin Rauchen Diabetes Bewegungsmangel Terminale Herzschwäche Rhythmusstörung, Tod

4 Wie entsteht Atherosklerose? (Gefässverkalkung) Endothelschaden Fettstreifen, beginnende Atherosklerose Das Endothel (Gefäßinnenhaut) wird durch Rauchen, fettreiche Kost und Bewegungsarmut klebrig und undicht. Fettpartikel und Blutzellen wandern in die Gefäßwand ein. Es entsteht in der Gefäßwand eine lokale Entzündung. Der Patient ist beschwerdefrei. Der Belastungstest ist unauffällig.

5 Wie entsteht Atherosklerose? (Gefässverkalkung) Typischer atherosklerotischer Plaques Typischer instabiler Plaques Es bildet sich eine Plaques-Kappe aus Muskelzellen und Kollagen. Im Kern finden sich Entzündungszellen, Fett und abgestorbenes Material. Angina pectoris. Pos. Ergometrie Weitere Entzündung führt zum Aufweichen und Einriss der Plaques- Kappe. Der Plaques quillt auf. Es bildet sich ein Gerinnsel mit Gefäßverschluss. Ein Herzinfarkt tritt auf.

6 KORONARANGIOGRAPHISCHE BEFUNDE Stabiler Plaques, Stenose>70% Gefäßverschluss, Thrombus Angina pectoris bei Belastung Herzinfarkt, Ruheschmerz

7 RISIKOFAKTOREN FÜR HERZINFARKT Risiko erhöhend Faktor RAUCHEN 2.87 ERHÖHTE BLUTFETTE 3.25 DIABETES 2.37 HYPERTONIE 1.91 STAMMFETTSUCHT 1.62 PSYCHOSOZIALE FAKTOREN 2.67 Risiko vermindernd Faktor KÖRPERLICHE AKTIVITÄT 0,86 GESUNDE ERNÄHRUNG 0.70 ALKOHOL Patienten mit und ohne Infarkt in 52 Ländern wurden verglichen. INTERHEART-STUDIE, Lancet 2004

8 DAS METABOLISCHE SYNDROM Stammfettsucht (Prä)-Diabetes Abnorme Blutfette Hypertonie

9 METABOLISCHES SYNDROM Ziel: BMI unter 25kg/m 2 Bauchumfang unter 94cm bei Männern, 80cm bei Frauen Gewichtsreduktion

10 ERHÖHTES böses LDL-CHOLESTERIN Erhöhtes LDL-Cholesterin bedingt erhöhtes Risko für Gefäßerkrankung (Herzinfarkt, Schlaganfall). Jede Erhöhung um 1mg/dl erhöht das Risiko um 1%. Zielwerte: LDL-Cholesterin: unter 160 bzw. 130mg/dl Bei hohem Risko: unter 100mg/dl Bei sehr hohem Risko: unter 70mg/dl Derartige Werte können alleine mit Diät und körperlicher Aktivität meist nicht erreicht werden!

11 Das gute HDL-CHOLESTERIN Niedriges HDL-Cholesterin bedingt 4-8-fach erhöhtes Risko für Herzinfarkt. Jede Erniedrigung um 1mg/dl führt zu einer Risikoerhöhung um 3%. Das Risiko besteht unabhängig vom LDL- Cholesterin! Nikotinkarenz und Bewegung Erhöhen das HDL-Cholesterin. HDL-Cholesterin transportiert Fette aus den Blutgefässen zur Leber. Zielwerte: über 40 mg/dl bei Männern, über 50 mg/dl bei Frauen

12 HERZ- UND GEFÄSSVERÄNDERUNGEN BEI BLUTHOCHDRUCK HERZMUSKEL KORONARGEFÄSSE Verdickter Herzmuskel. Primär Füllungsbehinderung, dann auch Einschränkung der Kontraktion. Atemnot. Risiko für Herzschwäche 4-fach! Verdickung der Gefäßmuskulatur. Einengung des Lumens mit Behinderung der Blutversorgung des Herzens. Brustschmerzen. Risiko für KHK 2fach!

13 KARDIALE KOMPLIKATIONEN BEI BLUTHOCHDRUCK LV Hypertrophie Atemnot Lungenstauung Angina pectoris Herzinfarkt Kardiomyopathie

14 SYSTEMERKRANKUNG BLUTHOCHDRUCK GEHIRN Schlaganfall, Blutung GEFÄSSE Aneurysma, Ruptur HERZ Herzinfarkt, Herzschwäche NIERE Niereninsuffizienz, Dialyse

15 BLUTHOCHDRUCK Betrifft bis zu 50% aller Erwachsenen. Lange unbemerkt, keine Beschwerden. Oft mit anderen Risikofaktoren (Übergewicht, Rauchen, Alkohol) verbunden. Idealer Wert: bis 120/80mmHg Behandlungsbedürftig: Werte über 140/90mmHg Bei Diabetes und Nierenschaden niedrigere Zielwerte!

16 Menschen mit Diabetes weltweit Mio Jahr

17 Auswirkungen von Typ-2-Diabetes 75% der Patienten mit Typ-2-DM sterben auf Grund von kardiovaskulären Erkrankungen 1 Retinopathie Diabetes ist die häufigste Erblindungs- Ursache für Menschen im Arbeitsalter 1 Diabetes ist die Nephropathie häufigste Ursache für dialysepflichtiges Nierenversagen 1 Menschen mit Diabetes haben 15 mal Neuropathie häufiger Amputationen 1,2 1. King s Fund. Counting the cost: The real impact of non-insulin dependent diabetes. British Diabetic Association, 1996.

18 TYP-2 DIABETES Betrifft 30% aller Patienten mit koronarer Herzerkrankung. Weitere 30% aller Patienten mit koronarer Herzerkrankung. weisen einen gestörten Zuckerbelastungstest auf. Zielbereich: Nüchtern-BZ unter 100 mg/dl BZ nach dem Essen unter 140mg/dl HbA1c unter 7.0% Therapiemaßnahmen: Gewichtsreduktion Tabletten (Antidiabetika) Insulin

19 In Österreich rauchen 2.3 Millionen Menschen! RAUCHEN 45% 37% Weiterrauchen verdoppelt Risiko für Reinfarkt und Tod! 18% Tabakkonsum reduzieren Rauchen aufhören Konsonante Raucher Aufhören verringert Risiko auch nach Infarkt!

20 ÖFFENTLICHES RAUCHVERBOT? Strenges öffentliches Rauchverbot in Italien seit Rückgang der Herzinfarktrate z.b. in Rom seither um ca 10%. Rückgang besonders bei 35-74jährigen. Effekt deutlicher bei niedrigem sozialen Status. Circulation 2008;117:

21 RISIKO-SCORES

22 RISIKOKOABSCHÄTZUNG MIT BELASTUNGSTEST (ERGOMETRIE)? -Beurteilung der Leistungsfähigkeit -Beurteilung des Blutdruckverhaltens -Diagnose der Herzminderdurchblutung 20% (20/100) aller gesunden Testpersonen haben einen (falsch) auffälligen Test! Kein idealer Screening-Test!

23 RISIKOKOABSCHÄTZUNG MIT KORONAR-CT

24 Prävention und Krankheitsverlauf bei Koronarer Herzkrankheit Koronare Herzkrankheit Atherosklerose Minderdurchblutung Gefäßwandschädigung PRIMÄR- PRÄVENTION Risikofaktoren Großer Herzinfarkt SEKUNDÄR- PRÄVENTION Herzschwäche Bluthochdruck Cholesterin Rauchen Diabetes Inaktivität Terminale Herzschwäche Rhythmusstörung, Tod

25 PRIMÄR- UND SEKUNDÄRPRÄVENTION DER KORONARER HERZKRANKHEIT Primärprophylaxe Lebensstilumstellung Raucherentwöhnung Gewichtsreduktion Ernährungsumstellung Sport Blutdruckkontrolle Diabeteskontrolle Blutfettkontrolle Sekundärprophylaxe Strengere Zielwerte Zusätzliche Medikamente: Aspirin Plavix Beta-Blocker Angiotensin-Hemmer

26 RISIKOREDUKTION VON TOD UND KARDIOVASKULÄREN EREIGNISSEN Was kann und muss ich selbst beitragen? Rauchen beenden Übergewicht reduzieren BMI <25kg/m2 Richtige Ernährung (Mediterrane Kost) Körperliche Aktivität 3x/Woche 30min Medikamente einnehmen! Blutdruck-Einstellung: unter 140/90mmHg Cholesterin-Senkung: LDL unter 130mg/dl Diabetes-Einstellung: HbA1c unter 7%

27 RISIKOFAKTOREN NACH HERZINFARKT EUROASPIRE III STUDIE: VERGLEICH Anteil (%) aller Patienten Übergewicht Diabetes Rauchen : Blutfette besser behandelt, Blutdruck in 37% ungenügend behandelt! EUROASPIRE III

28 Es ist noch viel zu tun und Es ist nie zu spät Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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