Arbeiten auf dem Dach der Welt Praktikum in Nepal

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1 Arbeiten auf dem Dach der Welt Praktikum in Nepal Nicht jeder weiß nach Beenden des Studiums bereits, in welche Berufsrichtung es einen verschlägt. Dafür ist ein Pflichtpraktikum am Studienende sehr praktisch: es gibt einem nicht nur die Chance, seine theoretisch erlernten Fähigkeiten, praktisch umzusetzen, sondern auch die Möglichkeit, sich selber auszuprobieren. Letzteres hatte Priorität bei meiner Auswahl, denn es war klar, dass ich das Praktikum auf jeden Fall im Ausland absolvieren wollte. 1. Vorbereitung Die Suche war nicht ganz so leicht, da ich kein bestimmtes Land im Auge hatte und es recht viele Angebote gab. Daher habe ich das Online-Angebot der Fachhochschule durchgeforstet und bin daraufhin auf einen Link des ASA-Programms gestoßen. ASA (Arbeits-und Studienaufenthalte) ist ein entwicklungspolitisches Netzwerk, welches sich für eine nachhaltige und sozial gerechte globale Entwicklung einsetzt. Das Konzept des Basisprogrammes hat mich auf Anhieb angesprochen, denn es beinhaltet neben einer 3-monatigen Praxisphase eine Vorbereitungsphase, in welcher sich die Teilnehmer mit globalen Themen kritisch auseinander setzen, sowie auch eine Nachbereitungsphase um die Nachhaltigkeit der Projekte zu fördern. Im Vordergrund stand also nicht nur ein Projekt im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit, sondern ein Ganz-Jahres-Konzept. Also habe ich mich für das Programm beworben und nach einem zwei-stufigem Auswahlverfahren hatte ich 2 Monate später die Zusage in der Hand. Beworben habe ich mich auf zwei Projekte: für einen Geschäftsideenwettbewerb (Pakistan) und eine Marketingstudie (Nepal). Die Zusage habe ich für das Projekt in Pakistan bekommen und habe dann zusammen mit meinem Projektpartner begonnen, mich auf das Projekt und die Situation vor Ort vorzubereiten. Leider hat sich zu der Zeit die politische Lage in Pakistan extrem zugespitzt, sodass wir im zweiten Seminar 2 Monate vor der Abreise das Projekt aus Sicherheitsgründen absagen mussten. Zufällig konnte das Büro in Kathmandu noch einen weiteren Platz zur Verfügung stellen, sodass es dann Mitte August zusammen mit dem neuen Projektpartner Valentin nach Kathmandu ging.

2 2. Das Leben vor Ort Kathmandu ist die Hauptstadt Nepals und zählt ca Einwohner. Nach 10,5 Stunden Flugzeit und einem Zwischenstopp in Doha (Arabische Halbinsel) bin ich auf dem einzigen internationalen Flughafen in Nepal gelandet. Glücklicherweise wurde ich von einem Mitarbeiter der GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH) abgeholt, denn vor dem Flughafen erwartete mich ein regelrechter Taxibasar. Nach ca. 30min wirrer Autofahrt durch Kathmandu und vieler Eindrücke, wurde ich direkt vor der Wohnung, die ich mir mit Valentin teilte, Blick auf Kathmandu aus Sicht der Swayambunath-Stupa abgesetzt. Kurz angekommen und erste Erfahrungen ausgetauscht, gingen wir fürs Abendessen zum ersten Mal in die Stadt. Gleich an diesem Abend haben wir erste Freundschaften geschlossen, sodass wir uns erstaunlicherweise sehr schnell und gut eingelebt haben. Dabei ist zu erwähnen, dass es natürlich ein großer Unterschied ist, ob man allein in eine fremde und unbekannte Kultur reist oder zu zweit. Das war auch unser Vorteil, um bei den vielen Eindrücken keinen Kulturschock zu erleiden. So wird man mit vielen Tatsachen konfrontiert, die in Deutschland als gegeben hingenommen werden. Hier einige Beispiele: - sehr liberale Verkehrsregeln (stündlicher Stau ist vorgesorgt) - abends nur eine Grundbeleuchtung auf den Straßen - durch mangelnde Stromversorgung gibt es mind. 2 Stunden am Tag keinen Strom - fehlendes Abwasser- und Abfallsystem (Lagerung des Mülls am Rande der Stadt) - politische Unstabilität (Straßenbesetzungen, Streiks, usw.) Daneben gibt es natürlich weitere nennenswerte Fakten. Selbstverständlich ist Nepal auch das Land der größten Berge der Welt und zählt 8 von 14 Achttausendern. Wenn man einmal in Nepal ist, kommt man auf keinen Fall drum herum, wandern zu gehen, die Berge ziehen einen magisch an. Ein altes Sprichwort aus den Puranas besagt:

3 Hundert göttliche Zeitalter reichen nicht aus, um alle Wunder des Himalayas zu beschreiben. Blick (in ca. 4000m Höhe) auf den Nilgiri und Annapuna I 3. Das Praktikum im Büro der Teekooperative Am dritten Tag ging es dann ins Büro von HIMCOOP (Himalayan Tea Producers Cooperative Limited), wo uns der Marketingmanager John Taylor bereits erwartete. HIMCOOP ist eine Kooperative mehrerer nepalesischer Teeproduzenten, welche sich 2003 zusammengeschlossen haben, um ihren Tee gemeinsam zu vermarkten und zu verkaufen. In der ersten Woche haben wir uns in bisherige Studien und Dokumente eingearbeitet, sowie einen Plan für die folgenden 3 Monate erstellt. Jedoch fiel uns die Einarbeitung nicht ganz so leicht, denn unsere deutsche Arbeitsweise weicht stark von der nepalesischen ab. Anders als in Deutschland gibt es in Nepal die 6-Tage-Woche, gearbeitet wird von Sonntag bis Freitag, im Sommer der Zeit von 10-18:00 Uhr sowie im Winter teils nur bis 17:00 Uhr. Untereinander wird Englisch sowie Nepali gesprochen. Die alltäglichen Geschäfte werden zwar üblicherweise über das Telefon oder das Internet abgewickelt, was jedoch Planung und Organisation angeht, da muss damit gerechnet, dass ein Meeting auch mal spontan stattfindet. Unser Projekt Marketingstudie für traditionell angebauten Tee aus dem Himalaya wurde von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) vorgeschlagen, mit dem

4 Ziel, Ansätze für eine bessere Vermarktung des Tees sowie Qualitätsaspekte zu ermitteln. Die PTB ist das nationale deutsche Metrologie-Institut mit Schwerpunkt in der Grundlagenforschung sowie der Messtechnik. Sie unterstützt Nepal auf dem Gebiet der Qualitätsinfrastruktur und stellt ihre Dienste auf abgestimmten Teilen der Wertschöpfungskette zur Verfügung. Ziel des Projektes war Qualitätsaspekte herauszuarbeiten, um aufbauend vorhandene Marketingaktivitäten zu optimieren. Als Einstieg in das Projekt sind wir 2 Wochen lang durch den Osten Nepals gereist, um uns die dort angebauten Teegärten anzusehen. Für diese Zeit hatten wir Fragebögen für die Pflückerinnen und Teebauern erstellt. Das Ziel war den Wissenstand über organische bzw. biologische Anbauverfahren festzustellen. Diese Reise war unglaublich beeindruckend, da wir nicht nur vieles über Tee sondern auch über die Kultur kennen gelernt haben. Sogar hautnah könnte man sagen, denn als Reiseweg haben wir uns für eine ca. 20-stündige Busfahrt (für ca. 250km) entschieden. Hierbei ist zu erwähnen, dass das Straßennetz in Nepal bei weitem nicht ausgeprägt ist, und auch die Busse würden aufgrund fehlender Katalysatoren, oder auch mangelnder Sicherheit bei einem deutschen TÜV durchfallen. Übernachtet haben wir größtenteils im Haus der Teebauern herzlichst mit und Dal wurden Bhat (Linsensuppe mit Reis) verpflegt. Kommuniziert haben wir größtenteils mit Gesten, bzw. einigen nepalesischen Sätzen, die wir bis dahin gelernt hatten, da die meisten ArbeiterInnen kein Englisch sprechen. Teegarten in Ilam Die Exkursion diente uns als Grundlage für unser Projekt. Die Fragebögen haben wir nach unserer Rückkehr ausgewertet und die Ergebnisse mit den Antworten deutscher Teehandelsunternehmen verglichen. Darauf aufbauend haben wir in unserer Studie einige Marketingaspekte zur Optimierung der geschäftlichen Beziehungen nach Deutschland herausgearbeitet. Abschließend haben wir die Ergebnisse als Empfehlungen vor einigen Mitgliedern von HIMCOOP präsentiert.

5 4. Fazit Die Zeit in Nepal war einzigartig und das Praktikum für mich eine Gelegenheit, zwei unterschiedliche Welten zu verbinden. Im Praktikum konnte ich nicht nur theoretische Grundlagen praktisch umsetzen, sondern ich habe gleichzeitig einen Einblick in die Arbeitsweise einer Teekooperation bekommen. Zusätzlich habe ich durch die Vorbereitungsseminare von ASA und auch durch Erfahrungen in Nepal viel über Entwicklungszusammenarbeit und Nord-Süd-Beziehungen gelernt. Daher kann ich nur jedem raten die Möglichkeiten eines Auslandspraktikums zu nutzen, nicht nur, um Sprachkenntnisse aufzufrischen, sondern um eine andere Arbeitswelt kennenzulernen. Interessierten an entwicklungspolitischen Projekten kann ich das ASA- Programm wärmstens empfehlen und stehe auch gerne für Fragen zur Verfügung. Namentlich danken möchte ich für die Unterstützung Frau Hagemann (Praktikantenamt BW), Herr Prof. Sauer (Betreuer), Siegrid Netzel (ASA), Uwe Miesner (PTB), John Taylor (HIMCOOP), sowie natürlich vielen anderen ;-) Namasté, Božena Schieman Bei Fragen oder Anregungen:

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