Gliederung der ersten Vorlesungen und Übungen

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2 Gliederung der ersten Vorlesungen und Übungen Vorlesung 2 (heute): Vorlesung 3 (06. Mai.): Grundlagen Grundlagen / Kartelle und Kartellverbot Übung 1 (07.Mai) Mikroökonomische Grundlagen Vorlesung 4 (13. Mai): Kartelle und Kartellverbot Seite 2

3 1. Was ist Wettbewerbspolitik und wozu brauchen wir sie? Praktische Wettbewerbspolitik Die unsichtbare Hand von Adam Smith: (Kompetitive) Marktgleichgewichte sind effizient! Wozu also Wettbewerbspolitik? Antwort wurde in der VL Wirtschaftspolitik gegeben: Marktversagen Theorie der Wettbewerbspolitik Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre Anwendung der ökonomischen Theorie und empirischer Erkenntnisse Wissenschaftliche Beratung der praktischen Wettbewerbspolitik In der EU z.b: Generaldirektion Wettbewerb, seit wenigen Jahren mit Chefökonom und ökonomischem Stab Seite 3

4 2. Wettbewerb, Marktgleichgewicht und Hauptsätze der Wohlfahrtsökonomik Marktallokation und Wettbewerbspolitik Benchmark: Das kompetitive Gleichgewicht (Wettbewerbsgleichgewicht) Das Wirken der unsichtbaren Hand (Adam Smith) und deren Voraussetzungen Was heißt effizient? EU schaut stark auf Konsumentenwohlfahrt Seite 4

5 Wohlfahrtsökonomik und Wettbewerbspolitik (1) Alternative Ansätze zur Analyse von Zielen der Wettbewerbspolitik Analyse der tatsächlich verfolgten Ziele (positive Theorie) Analyse der Ziele, die aus übergeordneten (politischen oder ethischen) Gründen verfolgt werden sollten (normative Theorie) Wohlfahrtsökonomik (Welfare Economics) Herleitung von Zielen der Wettbewerbspolitik aus übergeordneten Prinzipien des Gemeinwohls Herleitung von Allokationszielen (und Stabilisierungszielen) aus potenziellen Marktfehlern Herleitung von möglichen Verteilungszielen Beurteilung und Lösung möglicher Zielkonflikte zwischen Allokations- und Verteilungszielen Seite 5

6 Wohlfahrtsökonomik und Wirtschaftspolitik (2) Paretianische Wohlfahrtsökonomik nach Vilfredo Pareto (1896/97) Für normative Aussagen dient in der Wohlfahrtsökonomie das Konzept des Pareto-Optimums: Ein Zustand (bzw. eine Allokation) ist dann optimal (=effizient), wenn kein Individuum besser gestellt werden kann, ohne ein anderes Individuum schlechter zu stellen. Ein Zustand ist dann (Pareto-)besser als ein anderer,... wenn kein Individuum schlechter gestellt wird, aber mindestens eines besser. (lax:...wenn alle Individuen besser gestellt werden!) Seite 6

7 Wohlfahrtsökonomik und Wettbewerbspolitik (3) Es gilt der 1. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie: Jedes Wettbewerbsgleichgewicht ist ein Pareto-Optimum. Lax: (Kompetitive) Marktgleichgewichte sind effizient! Dies ist die unsichtbare Hand von Adam Smith! Wirtschaftspolitische Konsequenzen aus dem 1. Hauptsatz: - Wettbewerb führt zu einem individuell und gesellschaftlich optimalen Zustand. - Abweichungen von der vollständigen Konkurrenz führen zu suboptimalen Zuständen und sollten daher korrigiert werden. Seite 7

8 Wohlfahrtsökonomik und Wettbewerbspolitik (4) Es gilt unter vollständiger Konkurrenz auch der 2. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie: Jedes Pareto-Optimum ist bei entsprechender Ausgangsverteilung als Wettbewerbsgleichgewicht realisierbar. Wirtschaftspolitische Konsequenzen aus dem 2. Hauptsatz: - Das Allokationsproblem kann bei vollständiger Konkurrenz vom Verteilungsproblem getrennt werden. - Über die optimale Verteilung von Gütern und Produktionsfaktoren muss mit Hilfe eines anderen Kriteriums entschieden werden. Seite 8

9 Wohlfahrtsökonomik und Wettbewerbspolitik (4) Die oben hergeleiteten Bedingungen optimaler Allokation gelten nur für private Güter; bei anderen Arten von Gütern müssen sie modifiziert werden Man unterscheidet Güter nach der Rivalität im Konsum einerseits und nach der Ausschließbarkeit vom Konsum andererseits Ausschließbarkeit vom Konsum Keine Ausschließbarkeit vom Konsum Rivalität im Konsum Private Güter Allmendegüter Keine Rivalität im Konsum Clubgüter (Reine) öffentliche Güter Seite 9

10 3. Marktallokation und Marktversagen Voraussetzungen für einen vollkommenen Markt Homogenität des Gutes Vollständige Information aller Marktteilnehmer Keine Unteilbarkeiten in der Produktion Übereinstimmung individueller und gesellschaftlicher Nutzen und Kosten Bedingungen für vollständige Konkurrenz Vollkommener Markt Große Zahl von Anbietern und Nachfragern (keine Marktmacht) Seite 10

11 Wohlfahrtsanalyse kompetitiver Gleichgewichte Partialanalyse: Im Konkurrenzgleichgewicht ist die Summe aus Konsumentenrente (KR) und Produzentenrente (PR) maximal. Dies gilt allgemeiner: Jedes kompetitive Marktgleichgewicht ist Pareto-effizient (1. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik) Seite 11

12 Marktallokation und Marktversagen Das Marktgleichgewicht bei vollständiger Konkurrenz dient als Referenzmodell, um wirtschaftspolitische Eingriffe unter allokativen Gesichtspunkten zu rechtfertigen Sie werden relevant im Fall von Marktversagen, wenn die Effizienz der Marktallokation gestört ist Dies ist z.b. der Fall: wenn das Marktgleichgewicht instabil ist Wenn ein Marktgleichgewicht nicht existiert wenn kein vollkommener Markt vorliegt (z.b. wegen asymmetrischer Information) wenn Marktmacht auftritt Mögliche Marktfehler Seite 12

13 Abweichungen vom vollkommenen Markt: Bsp. Externalitäten Aufgrund technologischer Externalitäten bestehen Interdependenzen zwischen den individuellen Nutzen- oder Kostenfunktionen, die nicht in der Marktpreisbildung berücksichtigt werden. Die privaten Grenznutzen und -kosten stimmen im Gleichgewicht nicht mit den gesellschaftlichen (sozialen) Grenznutzen und -kosten überein. Technologische Externalitäten finden sich prinzipiell auf allen Märkten und bieten damit eine beliebte Rechtfertigung für wirtschaftspolitische Eingriffe zur Korrektur von Marktversagen Aber: Unklar bleibt oft, wie gesellschaftliche Nutzen und Kosten konkret zu messen sind Ökonomisch sinnvoll ist es in jedem Fall, bei einer angestrebten Korrektur externer Effekte die Grenzkosten der Korrektur mit den Grenzschäden bei Nicht-Korrektur zu vergleichen. Seite 13

14 Beispiel: Negative Externalitäten in der Produktion durch Umweltschäden Gesellschaftliche Grenzkosten Private Grenzkosten Ergebnis: Das private Angebot ist größer als gesellschaftlich sinnvoll Seite 14

15 Abweichungen vom vollkommenen Markt: Bsp. Marktmacht Unteilbarkeiten und zunehmende Skalenerträge können zum Auftreten natürlicher Monopole führen - Bei Produktionsprozessen mit hohen Fixkosten sinken in der Regel die Durchschnittskosten der Produktion bei wachsender Angebotsmenge. - Größere Anbieter können damit immer billiger anbieten als kleinere. - Da die Grenzkosten bei sinkenden Durchschnittskosten immer unter den Durchschnittskosten liegen, führt eine Preisbildung nach Grenzkosten zu Defiziten. - Damit besteht die Gefahr, dass große Anbieter ihre Marktmacht nutzen, um kleine Anbieter zu verdrängen und als natürliches Monopol zu agieren. Seite 15

16 4. Zusammenfassung Ausgangspunkt der praktischen Wettbewerbspolitik ist die unsichtbare Hand von Adam Smith: Kompetitive Marktgleichgewichte sind (Pareto-)effizient. Wozu also Wettbewerbspolitik? Wegen Marktversagen! Die Wettbewerbspolitik hat das Ziel, die Konsumentenwohlfahrt zu maximieren. Durch Regeln, Vorgaben und Leitlinien wird versucht möglichst nah an eine Situation zu gelangen, wie sie auf einem vollkommenen Markt herrschen würde. In der Praxis ist die oft schwierig. In der EU hat die Generaldirektion Wettbewerb das Ziel, einen More Economic Approach bei Wettbewerbsfragen zu wählen, das heisst mit modernen ökonomischen Modellen und empirischer Analyse jeden Wettbewerbsfall (einzeln) zu analysieren. Seite 16

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