4 Spezielle Bilanzelemente

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1 EBDL Bilanzierung 4 Spezielle Bilanzelemente Ziele dieses Kapitels Die unterschiedlichen Arten von Rücklagen und deren Bedeutung kennen lernen Rückstellungen von Rücklagen unterscheiden können und deren Bedeutung verstehen Die Bedeutung von Abschreibungen erkennen und den Zusammenhang zwischen handelsrechtlicher und steuerrechtlicher Abschreibung verstehen Die lineare Abschreibung berechnen können Mag. Barbara Fegerl 39

2 EBDL Bilanzierung Spezielle Bilanzelemente 4.1 Rücklagen und Rückstellungen Rücklagen i Info + Zusatzinfo Unternehmen bilden Rücklagen, um für zukünftige Investitionen oder für schlechtere Zeiten gerüstet zu sein, ähnlich einer Privatperson, die Geld für schlechtere Zeiten oder für eine große Anschaffung spart. Es werden zwei Arten von Rücklagen unterschieden: 1. Offene Rücklagen: Diese gehören zum Eigenkapital des Unternehmens und werden in der Bilanz auf der Passivseite unter dem Eigenkapital angeführt. Sie können durch Nichtausschüttung von Gewinnen gebildet werden. Ein Teil des Jahresüberschusses wird im Unternehmen gelassen und nicht an die Eigentümer ausbezahlt. 2. Stille Rücklagen: Diese werden in keiner Bilanz ausgewiesen (daher auch ihr Name). Sie entstehen durch Unterbewertung von Aktiva, oder durch Überbewertung von Passiva. Dies geschieht häufig durch Befolgen zwingender Bewertungsgrundsätze (z.b. Prinzip der kaufmännischen Vorsicht) und das Ausschöpfen von Bewertungswahlrechten. Beispiel: Für ein Grundstück mit dem Anschaffungspreis könnte beim Verkauf derzeit ein Preis von erzielt werden. Es darf jedoch in der Bilanz nur mit dem Anschaffungswert angegeben werden. Es bestehen somit stille Rücklagen von Prinzip der kaufmännischen Vorsicht: Das Anlage- und Umlaufvermögen darf höchstens mit dem Anschaffungspreis (vermindert um eine eventuelle Abschreibung) in der Bilanz erscheinen. Ein möglicher Verkaufspreis kann wesentlich höher sein. 40 ikon 2004

3 EBDL - Bilanzierung Rückstellungen Rückstellungen sind Passivposten in der Bilanz, die für drohende Aufwendungen gebildet werden, die zwar im Abschlussjahr verursacht wurden, deren Höhe aber noch nicht feststeht. Wichtig ist die Verursachung im aktuellen Geschäftsjahr: Es muss bereits ein Ereignis eingetreten sein, das eine Aufwendung zur Folge haben könnte. Beispiel: Am erfolgt eine Klage gegen das Unternehmen. Es ist noch nicht klar, wie hoch die Summe sein wird, die zu zahlen ist, es wird aber angenommen, dass ein Schaden entstehen wird. Aufgrund des Prinzips der kaufmännischen Vorsicht (siehe 4.1.1) ist eine Rückstellung zu bilden. Möglicherweise tritt die Aufwendung auch überhaupt nicht ein. Es besteht bloß ein Risiko dafür. i Info Beispiele für Rückstellungen Rückstellungen für Prozessrisiko Rückstellungen für bereits erhaltene, aber noch nicht in Rechnung gestellte Leistungen Abfertigungsrückstellungen Pensionsrückstellungen Steuerrückstellungen Rückstellungen für schwebende Geschäfte Rückstellungen für Aufwendungen (z.b. Beratungsaufwand, Rechtsanwalt) Garantierückstellungen (für die Inanspruchnahme von Garantien durch Kunden) Mag. Barbara Fegerl 41

4 EBDL Bilanzierung Spezielle Bilanzelemente! Vorsicht Unterschiede zwischen Rückstellungen und Rücklagen Da Rückstellungen bis zur Realisierung des Aufwandes eine ungewisse Verbindlichkeit darstellen, zählen sie zum Fremdkapital. Im Gegensatz dazu wird die Rücklage zum Eigenkapital gezählt! Die Bildung der Rückstellung wird als Aufwand verbucht und mindert daher den Jahresgewinn. Eine Rücklage mindert den Gewinn nicht. Die Rückstellung ist daher steuerlich sehr attraktiv. 4.2 Abschreibungen Die Positionen des Anlagevermögens verlieren laufend an Wert. Wertverlust durch Gebrauch: Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude Wertverlust durch Zeitablauf: Computer, Autos Dieser Wertverlust muss in der Bilanz als Aufwand verbucht werden. Es wird eine jährliche so genannte Abschreibung berechnet, die den Wert der abnutzbaren Vermögensgegenstände jährlich mindert Planmäßige Abschreibung (Handelsbilanz) a Anmerkung Begriff der planmäßigen Abschreibung Durch die planmäßige Abschreibung müssen die Anschaffungs- und Herstellungskosten des abnutzbaren Anlagevermögens auf die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt werden. Dadurch werden die einzelnen Geschäftsjahre anteilsmäßig mit einem Teil der Kosten belastet. Dies hilft dem Unternehmer, die Kostenwahrheit aufrechtzuerhalten und eine Neuanschaffung zu disponieren. Es gilt jeder Vermögensgegenstand als abnutzbar, dessen Nutzung durch technischen oder wirtschaftlichen Verschleiß zeitlich begrenzt ist. Ein Wirtschaftsgut, das in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres angeschafft wird, darf in diesem Jahr mit dem vollen Jahresbetrag abgeschrieben werden. Ein in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres erworbenes Gut darf nur mit dem halben Jahresbetrag abgeschrieben werden. 42 ikon 2004

5 EBDL - Bilanzierung Berechnung der planmäßigen Abschreibung Man unterscheidet die lineare progressive + Zusatzinfo degressive (Auto, Computer) und leistungsbedingte Abschreibung. Die progressive Abschreibung steigt jedes Jahr an, bei der degressiven Abschreibung kommt es im ersten Jahr zur höchsten Wertminderung und sie sinkt jedes Jahr. Die leistungsbedingte Abschreibung orientiert sich an der tatsächlichen Leistung (z.b. Produktion) des Anlagegutes. Da steuerrechtlich nur die lineare Abschreibung zulässig ist, wird diese auch in der Handelsbilanz vorrangig verwendet. Bei der linearen Abschreibung werden die Anschaffungskosten gleichmäßig auf die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt. planmäßige Abschreibung = Anschaffungs / Herstellungskosten Nutzungsdauer m Merksatz Anschaffungskosten sind die Summe aller Kosten, die man zum Erwerb des Wirtschaftsgutes aufwendet. Zum Kaufpreis werden sämtliche Nebenkosten, die entstehen, um das Wirtschaftsgut nutzen zu können, hinzugezählt. Die GuV gibt den jährlichen Abschreibungsbetrag als Aufwendung an. Gleichzeitig verringert sich der Wert des Wirtschaftsgutes in der Bilanz um den jährlichen Abschreibungsbetrag. Mag. Barbara Fegerl 43

6 EBDL Bilanzierung Spezielle Bilanzelemente? Aufgabe Beispiel 1: Planmäßige Abschreibung Der Einzelunternehmer Franz Huber schafft sich einen Kleintransporter an. Der Anschaffungspreis beträgt Der Transporter soll über 8 Jahre abgeschrieben werden. Berechnen Sie die jährliche planmäßige Abschreibung. Lösung: planmäßige Abschreibung = = pro Jahr 8 Anmerkung: Hätte Herr Huber den Kleintransporter in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres angeschafft, dürfte er in diesem Jahr nur den halben Abschreibungssatz anwenden. Er hätte den Kleintransporter in diesem Jahr nur mit abschreiben dürfen. Dann wäre er 7 Jahre mit dem vollen Satz abgeschrieben worden und schließlich wäre im letzten Jahr wieder der halbe Satz anzuwenden gewesen. 44 ikon 2004

7 EBDL - Bilanzierung Absetzung für Abnutzung (AfA) in der Steuerbilanz Die AfA ist das steuerrechtliche Äquivalent der planmäßigen Abschreibung. Sie ist nach Art und Höhe für die einzelnen Anlagegegenstände festgelegt Betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer Grundlage der AfA-Berechnung ist die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer: Bei Maschinen und Einrichtungsgegenständen beträgt die Nutzungsdauer in der Regel zwischen 5 und 10 Jahren. PKWs: 8 Jahre (gesetzliche Regelung) Computer: 3 bis 5 Jahre Gebäude: 25 bis 50 Jahre Geringwertige Wirtschaftsgüter Wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsgutes 400 nicht übersteigen, handelt es sich laut Steuerrecht um ein geringwertiges Wirtschaftsgut. Es darf bereits im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als Betriebsausgabe geltend gemacht werden und mindert somit in voller Höhe den Gewinn. Es erscheint daher nur im Jahr der Anschaffung als Aufwand in der GuV, in der Bilanz wird es nicht aufgeführt (= nicht aktiviert) Aktivierungspflicht Wirtschaftsgüter, die nicht als geringwertig eingestuft werden, müssen in der Bilanz aktiviert (d.h. als Anlagevermögen in die Bilanz aufgenommen) werden. Es besteht eine Aktivierungspflicht. Man spricht bei der Anschaffung von aktivierungspflichtigen Vermögensgegenständen auch von aktivierungspflichtigen Ausgaben. Eine weitere Voraussetzung für die Aktivierung ist die vorhandene Bilanzierungsfähigkeit. Diese ist immer dann gegeben, wenn es sich um Vermögensgegenstände, Schulden oder Rechnungsabgrenzungsposten handelt. + Zusatzinfo Mag. Barbara Fegerl 45

8 EBDL Bilanzierung Spezielle Bilanzelemente Aufgrund gesetzlicher Gegebenheiten werden die steuerrechtlichen Regelungen meist auch in der Handelsbilanz (d.h. bei der planmäßigen Abschreibung) verwendet. Dies kann problematisch sein, wenn die steuerrechtlichen Bestimmungen (Nutzungsdauer und Anwendung der linearen Berechnungsmethode) nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Beispiel: Ein PKW kann nicht länger als fünf Jahre eingesetzt werden, weil er extrem stark eingesetzt wird. Aufgrund der vorgeschriebenen Nutzungsdauer von 8 Jahren muss er dennoch über 8 Jahre abgeschrieben werden. Wenn er nach 5 Jahren verkauft oder verschrottet wird, wird er aus der Bilanz genommen und vermindert in diesem Geschäftsjahr den Gewinn um die restlichen drei Abschreibungsraten. Die Gewinnminderung in den ersten 5 Jahren entsprach allerdings nicht den wirklichen Gegebenheiten. 46 ikon 2004

9 EBDL - Bilanzierung 4.3 Übungsfragen Spezielle Bilanzelemente 1. Was ist der Unterschied zwischen Rückstellung und Verbindlichkeit? 2. Wie unterscheiden sich Rücklagen und Rückstellungen? 3. Können Rückstellungen beliebig gebildet werden? 4. Erläutern Sie den Unterschied zwischen offenen und stillen Rücklagen. 5. Was ist eine Abschreibung und wie wird sie berechnet? 6. Was bedeutet Aktivierungspflicht? Für welche Vermögensgegenstände besteht eine Aktivierungspflicht? 7. Was ist ein geringwertiges Wirtschaftsgut? 8. Ein Unternehmen kauft eine Maschine um Diese soll über 7 Jahre abgeschrieben werden. Berechnen Sie den jährlichen Abschreibungssatz. Mag. Barbara Fegerl 47

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