Notwendige Unterlagen zur Erlangung einer Zustimmung im Einzelfall für Überkopfverglasungen (Merkblatt GÜ Fassung )

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1 Notwendige Unterlagen zur Erlangung einer Zustimmung im Einzelfall für Überkopfverglasungen (Merkblatt GÜ Fassung ) Inhaltsverzeichnis 1 Allgemeines 1 2 Notwendige Angaben und Unterlagen 2 3 Ergänzende Hinweise 3 4 Standsicherheits- und Gebrauchstauglichkeitsnachweise 4 5 Zusätzliche Anforderungen für betretbare Überkopfverglasungen 4 6 Gebühren 5 7 Ablauf und Datenschutz 5 8 Literatur 5 1 Allgemeines Dieses Merkblatt informiert über die Besonderheiten im Rahmen einer Zustimmung im Einzelfall (ZiE) für Überkopfverglasungen. Es ergänzt und konkretisiert die im allgemeinen Merkblatt zur Zustimmung im Einzelfall aufgeführten Sachverhalte. Für Überkopfverglasungen, welche den Technischen Regeln für die Verwendung von linienförmig gelagerten Verglasungen (TRLV) /1/ oder den Technischen Regeln für die Bemessung und die Ausführung punktförmig gelagerter Verglasungen (TRPV) /2/ entsprechen bzw. von diesen nicht wesentlich abweichen, ist eine ZiE nicht notwendig. Für die Beurteilung der Abweichung im Rahmen der ZiE kann eine gutachterliche Stellungnahme erforderlich sein. Für begehbare Überkopfverglasungen, z.b. Treppenstufen und Podeste, sind die Hinweise aus dem speziellen Merkblatt für diese Art der Verglasung zu beachten. Für Verglasungen, die zusätzlich brandschutztechnische Anforderungen erfüllen müssen, ist auch das Merkblatt Notwendige Unterlagen zur Erlangung einer Zu- Merkblatt GÜ Seite 1

2 stimmung im Einzelfall im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes (Merkblatt B) zu berücksichtigen. Forderungen Dritter, welche sich nicht aus der BbgBO ergeben, bleiben unberührt und sind nicht Gegenstand des Zustimmungsverfahrens. 2 Notwendige Angaben und Unterlagen Um eine zügige Bearbeitung des Antrags auf Zustimmung im Einzelfall zu unterstützen, sind durch den Antragsteller mindestens nachfolgend aufgelisteten Angaben und Unterlagen im Antrag auf Zustimmung im Einzelfall dem Bautechnischen Prüfamt schriftlich mitzuteilen bzw. vorzulegen. Anschriften: Unterlagen: - Antragsteller - Bauherr - Bauvorhaben - prüfende Stelle (z.b. Materialprüfanstalt) - überwachende Stelle - zuständige untere Bauaufsichtsbehörde - Aufsteller der bautechnischen Nachweise - Prüfingenieur - Erläuterung der Einbausituation des Bauproduktes oder der -art - Anzahl und Abmessung der verwendeten Bauprodukte oder arten - vorhandene abz und abp - Einbau- und Montageanleitung des Bauproduktes oder der art - Abweichung von den Regelwerken (z.b. Normen, Richtlinien) oder den abz und abp - Beschreibung der angrenzenden Bauteile und der Art der Auflagerung - Grundrisspläne - Detailpläne mit Angaben der Baustoffe - gutachterliche Stellungnahmen und/oder Untersuchungsberichte über durchgeführte Versuche, welche die Verwendbarkeit des Bauproduktes oder Anwendbarkeit der Bauart belegen. Vor Einschaltung einer beurteilenden Stelle bzw. der Durchführung der Versuche ist jedoch eine Abstimmung mit dem Bautechnischen Prüfamt dringend zu empfehlen. Merkblatt GÜ Seite 2

3 3 Ergänzende Hinweise Die an die Überkopfverglasung gestellten Regeln und Anforderungen nach den TRLV /1/ sind im Allgemeinen zu beachten. Für Glasarten, welche in den TRLV, Abschnitt 2.1 aufgeführt werden, müssen deren Eigenschaften (z.b. Festigkeit und Bruchbild) im Rahmen des Zustimmungsverfahrens nicht mehr nachgewiesen werden. Für Verbund-Sicherheitsglas (VSG) aus teilvorgespannten Glas (TVG) gelten die in der Bauregelliste für VSG genannten Produktanforderungen bzw. die Angaben der entsprechenden allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abz). An Überkopfverglasungen werden zum Schutz von darunterliegenden Verkehrsflächen besondere Anforderungen hinsichtlich der Tragfähigkeit bei Glasbruch (Resttragfähigkeit) und Splitterschutz gestellt. Deshalb wird für Einfachverglasungen i.d.r. VSG oder Drahtglas verwendet. Alternativ können zur Erreichung des Schutzzieles jedoch auch andere Glasarten, z.b. mehrschichtige Verglasung mit Gießharzverbund, oder konstruktive Maßnahmen, z.b. Anordnung von Splitterschutzfolien oder Netzunterspannungen, verwendet werden. Es ist jedoch deren Wirksam- und Dauerhaftigkeit nachzuweisen. Die Stütz- und Haltekonstruktion für die Verglasung muss nach den technischen Baubestimmungen bemessen sein. Es ist darauf zu achten, dass eine zwängungsfreie Montage der Scheiben möglich ist und der planmäßige Glaseinstand ist so zu ermitteln, dass ein hinreichender Einstand für alle möglichen Verformungszustände gewährleistet ist. Durch den Einsatz geeigneter Baustoffe, ist eine hinreichende Dauerhaftigkeit zu gewährleisten. Der direkte Kontakt zwischen verschiedenen Gläsern oder Glas und harten Baustoffen, z.b. metallische Werkstoffe, ist durch geeignete Zwischenschichten auszuschließen. Die Ermittlung der Resttragfähigkeit der Überkopfverglasung unter der Einwirkung von planmäßigen Lasten, z.b. Eigengewicht, Schnee usw., wird i.d.r. durch Bauteilversuche nachgewiesen. Diese Versuche müssen die statisch-konstruktiven Verhältnisse am Bauwerk, z.b. Verglasungsaufbau, Stützweiten, Auflagerung usw., hinreichend genau abbilden. Falls übertragbare Versuchsergebnisse vorliegen, dürfen diese zur Beurteilung herangezogen werden. Für eine prinzipielle Versuchsdurchführung bei einer üblichen Einfachverglasung sind z.b. mindestens 0,5 kn/m² Flächenlast (ohne eigene Biegesteifigkeit oder innere Gewölbewirkung) aufzubringen. Es ist der Bruch aller VSG-Scheiben mittels Hammerschlag oder Körnerpunktierung herbeizuführen. Dabei ist der statisch ungünstigste Rissverlauf anzustreben. Das Rissbild und die Standzeit sind zu dokumentieren. Nach 24 h darf der Versuch abgebrochen werden. Merkblatt GÜ Seite 3

4 4 Standsicherheits- und Gebrauchstauglichkeitsnachweise Landesamt für Bauen Die Beanspruchungen der Verglasung und der Halterung sind rechnerisch zu ermitteln und entsprechend nachzuweisen. Hierbei sind die Vorgaben und Einwirkungen nach TRLV anzusetzen. Zusätzliche Zwangbeanspruchungen infolge Temperatur und Montage müssen ggf. berücksichtigt werden. Es ist zu beachten, dass das in TRLV, Anhang A angegebene Näherungsverfahren für Isolierverglasung nur für allseitig liniengelagerte rechteckige Glasscheiben unter einer konstanten Flächenlast gilt. Falls die obere Scheibe der Isolierverglasung über keine ausreichende Resttragfähigkeit verfügt, muss entsprechend TRLV, Abschnitt auch der Ausfall der oberen Scheibe untersucht werden. Für vorgespannte Gläser ist der Spannungsnachweis ohne Berücksichtigung des Eigenspannungszustandes der Verglasung zu führen. Beim Nachweis der unteren Scheibe von Isolierverglasungen im Fall des Versagens der oberen Scheibe dürfen die zulässigen Hauptzugspannungen für TVG um den Faktor 1,5 erhöht werden. Die nach TRLV zulässige Erhöhung der Biegezugspannungen beim Nachweis von Klimalasten liniengelagerter Verglasungen darf auch für TVG angewendet werden. 5 Zusätzliche Anforderungen für betretbare Überkopfverglasungen ZiE für betretbare Überkopfverglasungen werden i.d.r. für Bauprodukte erteilt, bei denen die folgenden Bedingungen eingehalten sind. a) Die Verglasung ist keine öffentlich zugängliche Verkehrsfläche. b) Die Verglasung wird bei der Einwirkung von wesentlichen Lasten, z.b. Schneelast, oder bei geschädigten Scheiben nicht betreten. c) Auf der Verglasung darf sich höchstens eine Person mit einem Höchstgewicht von 100 kg, welche nur einen Gegenstand, z.b. Werkzeug, mit einem Höchstgewicht von 4 kg mitführt, aufhalten. Zusätzlich darf ein wassergefüllter 10 l-kunststoffeimer mitgeführt werden. Können die oben genannten Bedingungen nicht eingehalten werden, so ist ein mit dem Arbeitsschutz und dem Bauherrn abgestimmtes Nutzungskonzept vorzulegen, aus welchem hervorgeht, um welche Arbeiten es sich handelt, welche Gegenstände mitgeführt werden und wie viele Personen sich gleichzeitig auf der Verglasungsfläche befinden dürfen. Erforderliche Sicherungsmaßnahmen für das Reinigungs- und Wartungspersonal, z.b. gegen seitliches Herabfallen, Durchsturz usw., richten sich nach den einschlägigen Arbeitsschutzbestimmungen. Unabhängig von der ZiE sind eventuelle weitergehende Anforderungen, z.b. Seilsicherung des Wartungspersonals, Rutschsicherung, Schutz des Verkehrsraumes neben der Verglasung usw., rechtzeitig vor Nutzung mit der gewerberechtlich zuständigen Stelle abzuklären. Merkblatt GÜ Seite 4

5 Die maßgebenden Verglasungen, welche die Bedingungen a) bis c) einhalten, sind zusätzlich zu den nach Abschnitt 4 erforderlichen statischen Nachweisen für eine statische Einzellast von F = 1,5 kn mit einer Aufstandsfläche von 10 x 10 cm in ungünstigster Laststellung nachzuweisen. Dadurch ergibt sich der zusätzliche Lastfall Eigengewicht der Verglasung und statische Einzellast. Bei Isolierverglasungen muss zusätzlich der Ausfall der oberen Scheibe berücksichtigt werden. Die nachfolgenden Bauteilversuche müssen zusätzlich zu den in Abschnitt 3 beschriebenen Versuchen für Verglasungen, welche die Bedingungen a) bis c) einhalten, durchgeführt werden. Der Versuchsablauf erfolgt in Anlehnung an die GS- BAU-18 /3/. Ergänzend zu /3/, Abschnitt muss die Anfangsfallhöhe mindestens 1,2 m betragen und ist anschließend schrittweise auf mindestens 1,8 m zu steigern. Die Prüfkörper müssen die Personenlast auch bei Glasbruch aufnehmen können. Vom Prüfkörper dürfen keine großen Glasstücke oder Konstruktionsteile abfallen. Die Ergebnisse der Bauteilversuche sind durch die prüfende Stelle zu dokumentieren und in Bezug auf die Verwendbarkeit der Überkopfverglasung (Betretbarkeit, Resttragfähigkeit und Gefährdung der darunterliegenden Flächen) zu bewerten. 6 Gebühren Bezüglich der Gebührenfestsetzung für eine Zustimmung im Einzelfall wird ausdrücklich auf das allgemeine Merkblatt Zustimmung im Einzelfall verwiesen. 7 Ablauf und Datenschutz Bezüglich des Ablaufs des Zustimmungsverfahrens und des Datenschutzes wird auf das allgemeine Merkblatt Zustimmung im Einzelfall verwiesen. 8 Literatur /1/ Technische Regeln für die Verwendung von linienförmig gelagerten Verglasungen, Fassung August 2006 /2/ Technischen Regeln für die Bemessung und die Ausführung punktförmig gelagerter Verglasungen, Fassung August 2006 /3/ Grundsätze für die Prüfung und Zertifizierung der bedingten Betretbarkeit oder Durchsturzsicherheit von Bauteilen bei Bau- oder Instandsetzungsarbeiten, Ausgabe Februar 2001 Merkblatt GÜ Seite 5

6 Impressum Landesamt für Bauen Dezernat 35 Gulbener Straße Cottbus Telefon / Telefax / Merkblatt GÜ Seite 6

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