Häufig gestellte Fragen zum Thema Schlaf

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1 Häufig gestellte Fragen zum Thema Schlaf Prof. Dr. med. Thomas-Christian Wetter Warum schlafen wir? Eine triviale Antwort wäre: Wir schlafen, weil wir müde sind. Warum wir allerdings müde werden, ist nicht genau bekannt. Die Frage, warum wir schlafen müssen, ist letztlich noch nicht schlüssig geklärt und eine einfache Erklärung gibt es nicht. So viel ist aber sicher: Schlaf ist für die Funktionsfähigkeit des Gehirns und das Überleben des gesamten Organismus notwendig. Eine interessante Hypothese geht davon aus, dass während des Tiefschlafes die Reparatur von Zellwänden und der Ersatz von Botenstoffen ermöglicht werden. Vollständiger Schlafentzug über einen längeren Zeitraum kann zu Schäden der Zellen führen und dem Körper schweren Schaden zufügen. Im Tiefschlaf werden vor allem bei jüngeren Personen grössere Mengen Wachstumshormone ausgeschüttet, weshalb man dieser Schlafphase eine besonders erholsame Wirkung zuschreibt. Schlaf scheint aber auch, neuen Studien zufolge, wichtig für die Festigung von Gedächtnisinhalten zu sein. Das Gefühl von Müdigkeit ist nur einer von mehreren Faktoren für die Schlafbereitschaft. Auch tageszeitliche Schwankungen spielen eine Rolle. Es ist gut erforscht, dass jedes Lebewesen eine zirkadiane (d.h. ungefähr 24 Stunden) Periodik von Aktivitäts- und Ruhephasen aufweist. Der Zeitablauf und die Kontrolle dieses Schlaf-Wachzyklus hängen von einer oder mehreren biologischen Uhren in unserem Körper ab. Diese inneren Uhren reagieren empfindlich auf Licht und haben sich im Laufe der Zeit annähernd mit dem 24-Stunden Licht-Dunkel-Zyklus der äusseren Umgebung synchronisiert. Schlaf erscheint somit als unabdingbarer Teil des Verhaltens. Der Mensch ist physiologisch darauf programmiert, jeden Tag zu schlafen.

2 2/6 Wie viel Schlaf braucht man? Es gibt kein allgemein gültiges normales Schlafmass. Die durchschnittliche Schlafdauer für Erwachsene beträgt 7-8 Stunden. Es gibt aber Personen, die sich schon nach 5 Stunden gut erholt fühlen, während andere wiederum über 10 Stunden benötigen, um tagsüber ausgeruht zu sein. Ihr optimales Schlafmass ist dann ausgeschöpft, wenn sie tagsüber, auch bei längerer Tätigkeit im Sitzen konzentriert einer Tätigkeit nachgehen können, ohne schläfrig zu werden. Wir können uns nicht dazu zwingen, unser Schlafoptimum über einen längeren Zeitraum beträchtlich zu über- oder unterschreiten. Eine Stunde Schlaf weniger als gewohnt, und dies über mehrere Nächte, führt tagsüber zu einem Gefühl von Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Andererseits bewirkt die Überschreitung unserer optimalen Schlafdauer über längere Zeit hinweg einen schlechteren Schlaf mit häufigem Aufwachen, insbesondere in den Morgenstunden. Wissenschaftler nehmen an, dass die jeweils benötigte optimale Schlafdauer biologisch von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Unser individueller Schlafbedarf wird zu einem grossen Ausmass von den Erbanlagen bestimmt. Braucht man weniger Schlaf, wenn man älter wird? Aktuelle Studien zeigen, dass gesunde ältere Menschen genauso viel schlafen wie sie es als junge Erwachsene getan haben. Die weit verbreitete Annahme des geringeren Schlafbedarfs beim älteren Menschen liegt wahrscheinlich darin, dass im Alter häufig körperliche Beeinträchtigungen wie Schmerzen einen gesunden Schlaf hemmen. Aus diesem Grund weisen die meisten älteren Menschen ein sogenanntes polyphasisches Schlafmuster auf mit einem nur leichten teilweise auch unterbrochenen Schlaf in der Nacht bei zusätzlichen kurzen Schlafepisoden tagsüber. Lässt sich versäumter Schlaf nachholen? Bis zu einem gewissen Grad kann man versäumten Schlaf nachholen. Nach grösseren Schlafverlusten kann sich in den folgenden Nächten eine Verlagerung zugunsten des Tiefschlafes einstellen, wobei jedoch kaum mehr als 2-4 Stunden län-

3 3/6 ger als gewöhnlich geschlafen wird. Dies hängt mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus zusammen, der von unserem Schlafbedarf und unserer inneren Uhr geprägt wird. Was kann man selbst für einen gesunden und erholsamen Schlaf tun? Die folgenden Empfehlungen können nützlich sein: Halten Sie sich an regelmässige, individuell angepasste Schlafens- und Aufstehzeiten. Seien Sie hinsichtlich des Nickerchens konsequent: Schlafen Sie entweder jeden Nachmittag oder gar nicht. Bei gelegentlichen Nachmittagsschläfchen hat man im Allgemeinen Schwierigkeiten, nachts einen guten Schlaf zu finden. Bringen Sie regelmässig am Morgen oder am frühen Nachmittag ihren Kreislauf in Schwung, aber vermeiden Sie anstrengende körperliche Aktivität kurz vor dem Zubettgehen. Vermeiden Sie reichhaltige und schwer verdauliche Mahlzeiten vor dem Zubettgehen. Gehen Sie massvoll mit Genussmitteln um und vermeiden Sie Alkoholgenuss nach dem Abendessen. Ein Schlummertrunk stört den Ablauf des Schlafes mehr, als dass er ihn fördert und kann für verfrühtes morgendliches Erwachen verantwortlich sein. Finden Sie für sich selbst die richtige Raumtemperatur heraus und achten Sie darauf, dass sie in der Nacht konstant bleibt. Seien Sie vorsichtig im Umgang mit Schlaftabletten. Diese Medikamente sollten nur auf ärztliche Anordnung und kurzfristig eingenommen werden. Ein längerer Gebrauch kann zu einer zunehmenden Schlaflosigkeit oder auch zu einer Abhängigkeit führen. Lassen Sie den Tag ausklingen und versuchen Sie, sich zu entspannen und gedankliche Stresssituationen zu vermeiden. Und ganz wichtig: Denken Sie nicht zuviel über den Schlaf nach.

4 4/6 Was sind die Anzeichen eines Schlafapnoe-Syndroms? Häufige Symptome sind lautes, unregelmässiges Schnarchen, vom Bettpartner berichtete Atempausen, starkes nächtliches Schwitzen, morgendliche Kopfschmerzen und eine ausgeprägte Müdigkeit sowie Konzentrationsstörungen. Ursache der Apnoe ist eine Verlegung der Atemwege während der Respiration. Der Patient ringt um Atem, durch die Anstrengung öffnen sich die Luftwege ein wenig, so dass wieder etwas Luft einströmen kann. Hierdurch wird ein plötzliches, nach der Atempause sehr lautes Schnarchgeräusch verursacht. Dieser Vorgang kann sich sehr häufig in der Nacht wiederholen, wobei jedes Mal der Schlaf kurzzeitig unterbrochen wird, was zur ausgeprägten Müdigkeit tagsüber beiträgt. Im Falle einer bereits bestehenden Herzerkrankung bzw. einem verminderten Sauerstoffgehalt des Blutes kann eine Schlafapnoe gefährliche Konsequenzen haben. Wenn die Schlafapnoe tagsüber unvorhersehbare Schlafanfälle verursacht, kann dies zu lebensbedrohlichen Situationen (Sekundenschlaf am Steuer) führen. Schlafbedingte Atmungsstörungen finden sich oft in Verbindung mit starkem Übergewicht und Bluthochdruck und können langfristig zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf- Systems führen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist deshalb zur Prävention dieser Erkrankungen hilfreich. Was ist Narkolepsie? Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, die mit einem chemischen Ungleichgewicht im Bereich der Schlaf-Wach-Regulation im Gehirn verbunden ist. Aus diesem Grund erleidet der Patient tagsüber plötzlich auftretende Schlafanfälle. Dies kann zu jeder Zeit und überall stattfinden, z.b. während einer Unterhaltung, beim Essen, auf der Strasse, usw. Zum Erscheinungsbild der Narkolepsie gehören auch die Komponenten des REM-Schlafes, wie die Lähmung der Willkürmuskulatur und Halluzinationen, die jedoch zu einem völlig anderen, abnormen Zeitpunkt auftreten können (Kataplexie). Die Narkolepsie ist nach der Schlafapnoe die zweithäufigste Ursache einer ausgeprägten Tagesschläfrigkeit und beim Menschen keine Seltenheit. Mit einer Häufigkeit von etwa 1:2000 nimmt sie annähernd den gleichen Stellenwert ein wie die Multiple Sklerose. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Die Nar-

5 5/6 kolepsie ist bisher nicht heilbar, es wird versucht, die Symptome der Einschlafattacken und der narkoleptischen Lähmung mit einer medikamentösen Behandlung unter Kontrolle zu halten. Was ist das Restless Legs Syndrom? Dieses Phänomen wird auch als Syndrom der unruhigen Beine bezeichnet und kommt relativ häufig vor, insbesondere bei Eisenmangel, in der Schwangerschaft und bei einer Funktionsstörung der Niere. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, warum, ist bisher nicht geklärt. Die Patienten schildern meist erst auf konkrete Nachfrage typischerweise schwer beschreibbare Missempfindungen (ein Kribbeln, Ziehen, Rumoren, aber auch Schmerzen) meistens in den Unterschenkeln, einen Bewegungsdrang in Ruhe (also Liegen oder Sitzen), eine deutliche Besserung durch Bewegung und über eine Zunahme der Beschwerden am Abend bzw. in der Nacht. Ein- und Durchschlafstörungen sind daher eine sehr häufige Folge dieser Erkrankung, in schweren Fällen können auch psychische Beeinträchtigungen wie depressive Verstimmungen auftreten. Häufig ist der Schlaf durch gleichzeitig auftretende periodische Beinbewegungen gestört. Die Ursache dieser neurologischen Erkrankung ist bisher nicht vollständig aufgeklärt, genetische Faktoren scheinen aber eine bedeutende Rolle zu spielen. Immer wieder werden Familienstammbäume mit einer grossen Anzahl von Betroffenen beschrieben. Ist die Symptomatik sehr ausgeprägt, kann eine spezifische medikamentöse Behandlung eine deutliche Besserung bewirken. Sind die Beschwerden jedoch nicht sehr stark oder treten nur gelegentlich auf, kann auf Medikamente verzichtet werden. Wichtig ist eine vorhergehende Untersuchung im Hinblick auf den Eisenstoffwechsel. Bei einem Eisenmangel kann durch die Zufuhr eines Eisenpräparates eine Besserung erreicht werden. Wie kommt es zum Schlafwandeln? Schlafwandeln, auch als Somnambulismus bezeichnet, ist ein Zustand veränderter Bewusstseinslage, in dem Phänomene von Schlaf und Wachsein gleichzeitig auftreten. Schlafwandler verhalten sich so, als ob sie wach wären, die Gehirnströme zeigen aber, dass sich die betroffene Person im Tiefschlaf befindet. Schlafwandeln

6 6/6 beginnt häufig mit einem plötzlichen Aufrichten im Bett. Entweder sie legen sich dann wieder hin und schlafen weiter oder sie stehen auf, verlassen das Bett und führen scheinbar sinnvolle, durchaus komplexe Handlungen durch. Beispielsweise sind Patienten dazu in der Lage, sich mit einer anderen Person - scheinbar vernünftig - zu unterhalten oder sich Essen zuzubereiten. Schlafwandler können sich aber, weil sie ihre Umwelt nicht bewusst wahrnehmen, einem erheblichen Verletzungsrisiko aussetzen: so kann es vorkommen, dass sie nachts die Wohnung verlassen und auf die Strasse gehen oder eine Tür mit einem Fenster verwechseln. Die meisten Schlafwandelepisoden dauern nur wenige Minuten, selten wesentlich länger. Am nächsten Morgen besteht meist keine Erinnerung an die Ereignisse. Schlafwandeln tritt am häufigsten zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr auf (etwa 15-20% aller Kinder schlafwandeln einmal), deutlich seltener im Erwachsenenalter. Ursächlich für das häufige Auftreten im Kindesalter wird eine noch nicht abgeschlossene Reifung des Gehirns angenommen, in der Regel verlieren sich die Episoden mit dem Eintritt in die Pubertät. Auslösend können Fieber, Schlafentzug und emotionale Belastungsfaktoren sein. Im Erwachsenenalter können auch bestimmte Medikamente oder nächtliche Atempausen Episoden von Schlafwandeln auslösen. Meist ist keine medikamentöse Behandlung notwendig, im Vordergrund stehen Massnahmen zur Sicherheit der betroffenen Person (z.b. Fenster und Türen sichern). Schlafwandeln tritt nicht selten gemeinsam mit Pavor nocturnus auf. Pavor nocturnus, auch als Schlafterror bezeichnet, ist durch ein plötzliches Erwachen aus dem Tiefschlaf mit gellendem Schrei und Zeichen intensiver Furcht gekennzeichnet. Der Betroffene reagiert in diesem Zustand nicht auf Zuspruch, meist geht die Erregung nach wenigen Minuten von selbst wieder zurück. Auch in diesem Fall weiss der Betroffene in aller Regel am nächsten Morgen nichts von dem nächtlichen Ereignis. Schlafwandeln und Pavor nocturnus werden, wie auch das Zähneknirschen, das Kopfschlagen, gewisse Formen des Einnässens und des Um-sich- Schlagens im Schlaf zur Gruppe der Parasomnien gezählt. Diese Schlafstörungen sollten, wenn eine Verletzungsgefahr der eigenen Person oder des Bettpartners droht oder wenn als Differenzialdiagnose epileptische Anfälle im Schlaf vermutet werden, im Schlaflabor untersucht werden.

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