Das Kolpingwerk in Afrika

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1 Perspektiven schaffen Selbsthilfe fördern Armut verringern Nachhaltige Entwicklung bewirken Das Kolpingwerk in Afrika Sozial und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e. V.

2 Das Kolpingwerk versteht sich als weltweite Solidargemeinschaft von Christen, die einen konkreten Beitrag für eine gerechtere und menschlichere Welt leisten wollen. Weltweit engagieren sich mehr als Mitglieder in 56 Ländern der Welt für Gerechtigkeit und Frieden. Durch die zahlreichen Projekte und Programme erhalten Jahr für Jahr mehr als Menschen Hilfe und Orientierung. In Afrika ist das Kolpingwerk seit 1980 aktiv Mitglieder sind in 580 Kolpingsfamilien organisiert. Die Kolpingsfamilien sind demokratisch strukturiert. Sie schließen sich zusammen auf Diözesanebene in Diözesanverbände sowie auf nationaler Ebene in Nationalverbände. Ziel der Kolpingarbeit in Afrika ist die nachhaltige Armutsbekämpfung durch die Förderung von Selbsthilfe und Eigenverantwortung. Wer die Chance bekommt, seine Talente und Potentiale zu entfalten, kann sich selbst helfen und dem Kreislauf der Armut entkommen. Kreativität und Selbsthilfewillen sind in Afrika vorhanden. Das wird sichtbar an der Überlebensleistung, die Tag für Tag Millionen von Afrikaner unter Beweis stellen. Diese Potentiale zu fördern ist das vorrangige Ziel der Arbeit des Kolpingwerkes. Neben konkreten Projekten zur Verbesserung der Lebensbedingungen unterstützt das Kolpingwerk in besonderem Maße Bildungs- und Bewußtseinsarbeit. Denn wirtschaftliche Verbesserung allein genügt nicht. Nachhaltige Entwicklung erfordert auch eine Veränderung ungerechter Strukturen und die Partizipation der Menschen an der Gestaltung ihrer Gesellschaft. Im Zeitalter von Globalisierung darf Afrika nicht zum vergessenen Kontinent werden. Das Kolpingwerk stellt sich der Herausforderung im Sinne von internationaler Solidarität. 44 % der Menschen in Schwarzafrika leben in extremer Armut, haben pro Tag weniger als 1 Dollar zur Verfügung. Seit 1990 ist die Zahl der extrem Armen sogar um 140 Mio. Menschen gestiegen. Dennoch muss die enorme Überlebensleistung von mehr als 400 Mio. Afrikanern betont werden, die trotz widriger Umstände, trotz knapper Ressourcen an Land, Wasser und landwirtschaftlicher Ausrüstung, weithin ohne medizinische Versorgung und oft in einem von Gewalt und Konflikten geprägten Umfeld Tag für Tag ihr Leben meistern. Eine der derzeit größten Bedrohungen für Afrika ist die Pandemie AIDS. Nach UN-Angaben waren Ende 2005 knapp 38,6 Mio. Menschen HIV-positiv. In Südafrika beispielsweise sind knapp 20 % der Erwachsenen infiziert. Die Lebenserwartung in vielen afrikanischen Ländern ist durch AIDS spürbar gesunken. In Uganda liegt sie bei 47 Jahren, in Südafrika bei 48 Jahren. Da vor allem die erwerbstätige Bevölkerung betroffen ist, stellt AIDS die Volkswirtschaften Afrikas vor große Zukunftsprobleme. 2

3 In den ländlichen Gebieten Afrikas ist das Fahrrad meist das einzige Transportmittel. In Tansania z. B. kommt auf Einwohner ein Pkw. Kleinkredite gegen Armut An Ideen, Talenten und Selbsthilfewillen fehlt es den Menschen in Afrika nicht. Eine kleine Starthilfe reicht aus, um Armut nachhaltig zu verringern. Als eine der erfolgreichsten Maßnahmen zur nachhaltigen Bekämpfung von Armut haben sich Kleinkreditprogramme und Spargruppen erwiesen. Daher sind diese Förderinstrumente für die Kolpingarbeit in Afrika von besonderer Bedeutung, denn sie stärken in besonderem Maße Selbsthilfe und Eigenverantwortung und fördern die Talente und Potentiale der Menschen. Ein konkretes Beispiel ist Joseph aus Uganda: Er hat sich mit Hilfe eines Kredites von 80 Euro eine Fahrradwerkstatt aufgebaut und damit eine stabile Existenzgrundlage für sich und seine Familie geschaffen. In Seminaren erhalten die Kleinstunternehmer Grundkenntnisse für das Führen ihres kleinen Unternehmens, wie Preiskalkulation, Einkauf, Vermarktung, Buchhaltung etc.. Für 90 % der Menschen in Afrika bildet der informelle Sektor die Lebensgrundlage. Das heißt Arbeiten und Wirtschaften ohne Zugang zu Krediten und ohne jegliche soziale Sicherung. Im informellen Sektor arbeiten heißt beispielsweise, mit einer Nähmaschine vor einer Hütte zu sitzen und Kleidung zu nähen, auf einem Grill auf dem Markt zubereitete Speisen anzubieten, unter freiem Himmel Möbel herzustellen etc. Solche Kleinstbetriebe spielen in Entwicklungsländern eine wesentliche Rolle für das Einkommen armer Men- Vorher lebten er und seine Familie von dem, was auf den kleinen Feldern angebaut wurde. Es reichte gerade für die Eigenversorgung. Meist blieb kaum etwas übrig, was verkauft werden konnte, um davon den Schulbesuch der Kinder zu finanzieren oder bei Krankheit Arzt und Medikamente zu bezahlen. Joseph ganz gut zu tun. Tag. Seine Fahrradwerkstatt sichert mittlerweile die Existenz seiner Familie. Mit der Gründung seiner Werkstatt hat sich eine Lage spürbar verbessert. Joseph hat mittlerweile reichlich zu tun. Sein kleiner Betrieb ist inzwischen bekannt für gute Arbeit und guten Service. Und Joseph ist stolz: Er hat den Kredit längst zurückgezahlt und denkt bereits über die Ausweitung seines Betriebes nach. Aber nicht nur der Kredit allein hat ihn erfolgreich gemacht. Auch von der fachlichen Beratung durch die Kolpingverantwortlichen hat er profitiert, und in der Gruppe der Kleinstunternehmer kann er über alle Probleme und Fragen sprechen, aber auch seine Erfahrungen weitergeben. 3

4 Auch Dorothy ist heute eine stolze Kleinunternehmerin. Mit einem Kredit hat sie sich eine Nähmaschine und Stoffe gekauft. Heute fertigt sie Kleidung an, verkauft sie auf dem Markt und an kleine Geschäfte. Im Schnitt verdient sie pro Monat umgerechnet 60 Euro. Das ist ein ansehnlicher Verdienst. Dorothy ist stolz auf ihre Leistung, und vor allem weiß sie, dass sie ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten kann, vor allem eine Schulausbildung und später sicher auch eine berufliche Qualifikation. Dorothy hat mit einem Kleinkredit eine Nähwerkstatt aufgebaut. Jetzt verdient sie so viel, dass sogar alle ihre 4 Kinder zur Schule gehen können. Wie funktioniert das Kreditsystem? In der örtlichen Kolpingsfamilie schließen sich Menschen, wie Dorothy oder Joseph, die sich ein kleines Geschäft aufbauen wollen, in kleinen Gruppen zusammen. Bevor jedoch überhaupt ein Kredit vergeben wird, findet eine Schulung statt. Dabei werden grundsätzliche betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt, beispielsweise Marktanalyse, Berechnung von Kosten und Gewinn, Kalkulation der Preise, Vermarktungsstrategien und Buchhaltung. Das sind elementare Voraussetzungen, damit die gegründeten Kleinstbetriebe auch erfolgreich arbeiten. Dieser Workshop wird in Zusammenarbeit mit der WAWATA (Katholische Frauen Tansanias) angeboten, die bereits wertvolle Erfahrung auf dem Gebiet der Mikrofinanzierung besitzt. Der Kreditrahmen bewegt sich zwischen und Tansanische Schilling (das sind umgerechnet zwischen 30 und 300 Euro). Der Kredit muss mit einem Zins von 17 % innerhalb eines halben Jahres zurückgezahlt werden. Die marktüblichen Zinsen der Dank eines Kredites hat Imelda Kigongo eine Schweinehaltung aufgebaut. Wenn die Ferkel groß sind und Banken liegen meist höher, abgesehen davon, dass verkauft werden, hat sie richtig Geld in der Kasse. Kleinstunternehmer bei Banken niemals einen Kredit erhalten würden, weil beispielsweise Sicherheiten fehlen oder weil Kleinkredite für Banken schlicht uninteressant sind. Die Rückzahlung des Kredites an das Kolpingwerk erfolgt jedoch durch die Gruppe. Das heißt, kommt einer für seinen Teil nicht auf, müssen die anderen die Differenz übernehmen, also für den Einzelnen haften. Das steigert die Eigenverantwortung des Einzelnen wie auch die der gesamten Gruppe. Die Resultate bestätigen dies. Weit über 90 % der Kredite werden pünktlich zurückgezahlt. Wer seiner Verpflichtung fristgerecht nachkommt, kann sich später für einen weiteren Ausbau seines Unternehmens zu Recht einen neuen ggfs. höheren Kredit erhoffen. Damit die Geschäfte auch langfristig erfolgreich laufen, werden die neuen Kleinstunternehmer durch einen Kolping-Fachmann beraten und begleitet. Besonders wichtig sind aber auch die monatlichen Treffen, in denen die Kleinstunternehmer ihre Erfahrungen austauschen und sich auch gegenseitig weiterhelfen. 4

5 Die beantragten Kredite werden für ganz unterschiedliche Unternehmen genutzt: Für den Aufbau für eine Nähwerkstatt, für die Einrichtung eines Schuhladens oder eines Tante-Emma- Ladens, aber auch für Initiativen im landwirtschaftlichen Bereich, so z. B. für den Aufbau einer Fischzucht, einer Hühnerhaltung oder eines Betriebes zur Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, wie zum Beispiel die Herstellung von Wein aus Bananen. Das Kolpingwerk in Tansania unterstützt pro Jahr ca. 250 Kleinstunternehmer, in Uganda sind es jährlich etwa 400 Familien, die sich mit einem Kleinkredit eine Existenz aufbauen. Das Projekt ist eine besonders erfolgreiches Instrument der Armutsbekämpfung, denn es mobilisiert Selbsthilfekräfte, stärkt Eigenverantwortung und trägt entscheidend zu nachhaltiger Entwicklung bei. Mikrofinanzierung hat sich als Instrument in vielen Ländern im Kampf gegen Armut und Hunger bewährt. Sie kann das Leben von Menschen tatsächlich verbessern, vor allem das Leben derer, die sie am dringendsten benötigen." so erklärte Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen im November 2004, als er das Jahr 2005 zum UN- Jahr der Kleinkredite erklärte. Gemeinsames Sparen mobilisiert Selbsthilfe Ein anderes erfolgreiches Instrument der Selbsthilfe sind die Spargruppen, die es seit 2000 in Uganda gibt. Diese zielen noch stärker auf Selbsthilfe und Eigeninitiative. Beispiel Spargruppe Karimbi: Hier haben sich 14 Mitglieder zusammengeschlossen, um gemeinsam Geld anzusparen und sich gegenseitig zu helfen. Doch zunächst haben die Gruppenteilnehmer an einem Seminar teilgenommen, in dem die Arbeitsweise einer Spargruppe erläutert wurde. Abschließend erhielt die Gruppe ein vorgedrucktes Kassen- und Kontobuch, in dem Ein- und Ausgänge der Kredite genau festgehalten werden. Rosemary ist heute Kleinunternehmerin. Ihr Stoffladen sichert die Existenz einer 8-köpfigen Familie. Jeder Teilnehmer zahlt pro Monat umgerechnet 40 Cent in eine gemeinsame Kasse. Aus dem gemeinsam angesparten Geld werden Kredite vergeben. So gingen beispielsweise 30 Euro an Rosemary, die sich einen Stoffladen einrichtete, oder an Gregory, der sich mit einem Kredit von 22 Euro eine Garküche aufgebaut hat und nun auf dem Markt verschiedene Speisen verkauft. Die Spargruppe trifft sich regelmäßig. Dabei werden die nächsten Kreditvergaben besprochen, die Rückzahlung der Kredite wird geprüft und mögliche Probleme kommen zur Sprache. Darüber hinaus erhält die Gruppe regelmäßig Schulungen, in denen Grundlagen wirtschaftlicher Geschäftsführung vermittelt werden. Die Teilnehmer der Spargruppe Kasimbi lernen, wie man ein Kassenbuch führt. 5

6 Frauen profitieren besonders Die meisten Kreditnehmer sind Frauen. Das ist nicht ungewöhnlich, denn Frauen in Afrika tragen in besonderem Maße Verantwortung: Sie sind für die Erziehung der Kinder zuständig und sichern durch ihre Arbeit auf dem Feld ohnehin den größten Teil des Lebensunterhaltes. Auch die Beschaffung von Trinkwasser ist in Afrika fast ausschließlich Frauen- und Kindersache. Mehrmals am Tag schleppen Frauen und Kinder von weit entlegenen schmutzigen Tümpeln das Trinkwasser heran. Oft kommen die Frauen durch einen Kleinkredit und den Aufbau eines kleinen Geschäfts überhaupt erst einmal in die Lage, Geld in den Händen zu haben und damit eigenverantwortlich umzugehen. Das stärkt natürlich auch ihr Selbstwertgefühl und ihre Position in der Gesellschaft. Frauen sind stark daran interessiert, die Situation ihrer Familie, insbesondere ihrer Kinder zu verbessern. Das ausgesprochene Engagement der Frauen prägt die Kolpingarbeit in Afrika. In Tansania und Afrika sind über 70 % der Kolpingmitglieder Frauen. Sie sind es, die die sozialen Belange ihrer Familien und der dörflichen Gesellschaft vertreten und sich für eine positive Veränderung einsetzen. Viele Projekterfolge sind dem Engagement von Frauen Weil Frauen besonders sensibel für die Bedürfnisse ihrer Familie sind, engagieren sie sich intensiv, wenn es darum geht, ein kleines Geschäft aufzubauen und die wirtschaftliche Lage ihrer Familien zu verbessern. Kleinkreditprogramme und Sparvereine stellen in der Arbeit des Kolpingwerkes ein besonders wirksames Instrument der Armutsbekämpfung dar, denn an Talenten und Kreativität fehlt es den Menschen in Afrika nicht. Im harten Alltag sind die Menschen wahre Überlebenskünstler. Das Kolpingwerk möchte diese Talente und Fähigkeiten der Menschen fördern und ihnen ein Leben aus eigener Kraft ermöglichen. Die Erfolge sprechen für sich. Viele Kreditnehmer konnten sich eine sichere Existenz aufbauen, manche haben bereits einen zweien Kredit in Anspruch genommen, ihren Betrieb ausgeweitet und den Umsatz verdoppelt. In vielen Fällen ist aus einem Einpersonen-Betrieb bereits ein Unternehmen mit 3 5 Personen geworden. Diese Förderprogramme bewirken aber nicht nur eine wirtschaftliche Verbesserung, sondern sie stärken auch das Selbstwertgefühl und die Eigenverantwortung der Menschen. Sie sind stolz auf ihre Leistung und erfahren sich nicht mehr als ohnmächtig, sondern als Menschen, die aus eigener Kraft ihr Schicksal in eine bessere Richtung lenken können. 6

7 Landwirtschaftsprojekte sichern die Existenz der Menschen auf dem Land Uralia hat, wie viele Menschen in Uganda, ein schweres Schicksal. Die 51-jährige Frau hat in den vergangenen Jahren vier ihrer erwachsenen Kinder durch Aids verloren. Für die zurückgebliebenen 14 Enkelkinder trägt sie nun zusammen mit ihrem Mann die Verantwortung. Bevor Kolping ihr half, kämpfte sie tagtäglich ums Überleben. Die kleinen Felder, die sie und ihr Mann mit Hacke und Spaten bewirtschaftet, brachten so wenig, dass es kaum ausreichte, die Kinder satt zu bekommen. Oft wusste Uralia nicht, was sie den Kindern am nächsten Tag zu essen geben würde. Ich bin beeindruckt von der Kraft, mit der diese Frau ihre Situation meistert, sagt Wolfgang Niedecken von der Rockgruppe BAP beim Besuch der Kolpingprojekte in Uganda. Was ich bei Kolping gesehen habe, ist eine wunderbare Angelegenheit. Doch sie hat Glück gehabt und den Kontakt zum Kolpingwerk gefunden. Durch Kolping kam die Hilfe, genauer gesagt durch eine Milchkuh. An dieser Kuh hängt heute die Existenz dieser 16-köpfigen Familie. Das wichtigste: die Kinder bekommen nun jeden Tag einen Becher Milch. Das hat ihre körperliche Entwicklung deutlich verbessert. Aber das ist nicht alles: Uralia verkauft einen Teil der Milch, denn es gibt ja keinen Kühlschrank, in dem die überschüssige Milch aufbewahrt werden könnte. Der Verkauf der Milch beschert ihr ein regelmäßiges kleines Einkommen. Mit diesem Geld kann sie jetzt sogar Schulmaterial für die Kinder kaufen, denn Uralia möchte, dass die Kinder eine Ausbildung bekommen und dadurch später ein besseres Leben haben. Diese Milchkuh hat das Schicksal von Uralia und ihrer Familie verändert. Sie ist glücklich und zuversichtlich. Ihre Enkelkinder kann sie nun gut versorgen. Und noch etwas bewirkt die Milchkuh: Seit Uralia ihre Felder mit dem Kuhdung düngt, fallen die Ernten doppelt so gut aus. Die Bananenstauden sind kräftig, und auch die Maisernte bringt doppelten Ertrag. Uralia kann jetzt sogar einen Teil der Ernte verkaufen, und auch das bringt Einkommen. Das erste weibliche Jungtier wird Uralia an eine andere Familie abgeben. So kann eine weitere Familie profitieren. Aber die nachfolgenden Jungtiere wird Uralia verkaufen und sich dadurch eine Rücklage schaffen oder größere Investitionen tätigen.. Die Milchkuh bringt eine ganze Reihe von Verbänderungen in Gang, die das Leben von Uralias Familie grundlegend verbessert hat. Sie muss sich um die Zukunft ihrer Enkel keine Sorgen mehr machen. 7

8 Die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion ist ein besonderes Anliegen der Kolpingarbeit in Afrika, denn in vielen Ländern lebt der größte Teil der Menschen auf dem Land. Niedrige Ernteerträge, Dürreperioden und Abholzung gefährden jedoch die Zukunft der Menschen in den ländlichen Regionen. Die allermeisten Familien sind Subsistenzbauern, d. h. sie bewirtschaften ihre Felder ausschließlich für den eigenen Bedarf. Größere Ernteüberschüsse für die Vermarktung fallen oft nicht an. Daher fehlen finanzielle Mittel, wenn im Krankheitsfall Medikamente gekauft oder wenn Schuluniformen und Schulmaterial für die Kinder angeschafft werden müssen. Die Projektarbeit des Kolpingwerkes richtet sich daher in besonderem Maße auf die fachliche Beratung der Kleinbauern, damit bessere Ernten erzielt werden. Learning by doing heißt die Devise. Die Seminare, die die Kolping-Fachleute durchführen, finden auf den Feldern der Bauern statt. Hier lernen sie neue Anbaumethoden kennen, lernen, wie man die gepflanzten Setzlinge vor der sengenden Sonne schützt, sie sehen, wie man Bodenerosion verhindert, wenn der starke Tropenregen die Erde wegspült. Sie lernen, alternative Produkte anzubauen, die auf dem Markt Chancen haben und so zusätzliches Einkommen schaffen. Sie lernen, wie man Obwohl die Urbanisierung in Afrika voranschreitet, lebt in zahlreichen Ländern der Großteil der Menschen auf dem Land, so beispielsweise in Uganda, wo die ländliche Bevölkerung 87,7 % ausmacht. Armut und mangelnde Entwicklung sind in den ländlichen Regionen besonders deutlich sichtbar. Die Infrastruktur ist in diesen Gebieten völlig unterentwickelt. So gibt es z. B. in Uganda nur km befestigte Straßen. Auf Einwohner kommen nur 1,8 PKW und nur 2,5 Telefone. Nur 50 % der Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser. Energieversorgung gibt es für die meisten Menschen nicht. Brennholz ist für die meisten Menschen auf dem Land der einzige Energierohstoff. Die Folge: Die Abholzung wird in vielen Regionen mittlerweile zu einem wachsenden Problem. Mary erklärt den Frauen, wie man die Felder besser bewirtschaftet und damit bessere Erträge erzielt. Josephine ist stolz auf ihre Ernte. Für sie und ihre Familie hat das Leben auf dem Land nun eine Zukunft. in einem komplizierten System Kompost anlegt und dadurch einen ökologischen und sehr wirksamen Dünger produziert, der die Ernten verdoppelt oder sogar verdreifacht. Auch bei diesen Projekten stellen Frauen die Mehrheit. Und die Beratung geht noch weiter. In speziellen Kursen lernen die Frauen, wie man die angebauten Produkte weiterverarbeiten kann und sie erfolgreich vermarktet, beispielsweise wie man Obst konserviert, zu Marmeladen und anderen Produkten verarbeitet etc. Die ärztliche Versorgung ist mangelhaft. Auf Einwohner kommen in Uganda nur 0,05 Ärzte. 8

9 Neben der fachlichen Beratung, die enorm wichtig ist, erhalten die Bauern aber auch kleine Starthilfen, beispielsweise für den Kauf von Saatgut oder landwirtschaftlichen Geräten. Oft werden diese Hilfen in Form von Kleinkrediten gegeben, um dadurch Selbsthilfe und Eigenverantwortung zu stärken. Nicht nur die Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge, die Bekämpfung von Mangelernährung und die Schaffung von Einkommen gehören zu einer nachhaltigen Entwicklung in den ländlichen Regionen. Nachhaltige Entwicklung beinhaltet auch den Schutz der Umwelt, um Bodenerosion zu vermeiden, der Ausbreitung von Dürren entgegenzuwirken und so die Lebensgrundlage künftiger Generationen zu sichern. Die Abholzung ist in vielen Teilen Afrikas ein fortschreitendes Problem. Hauptgrund: Nach wie vor beziehen die meisten Menschen in den ländlichen Regionen ihre Energie zum Kochen aus Feuerholz, da es keine Alternativen gibt. Dadurch sind viele Regionen bereits stark abgeholzt und damit anfällig für Bodenerosion und Dürreperioden. In vielen Regionen breitet sich die Savanne immer stärker aus. Umweltschutz gehört für Kolping daher auch zu den Zielen ländlicher Entwicklung, beispielsweise durch Wiederaufforstungsprogramme. In Uganda beteiligt sich inzwischen jede Kolpingsfamilie an Wiederaufforstungsmaßnahmen. Aus Samen werden zunächst Setzlinge gezogen. Sind sie groß genug, werden sie angepflanzt. Dabei wird auch darauf geachtet, dass unterschiedliche Baumsorten gewählt werden, um einerseits Monokulturen zu vermeiden, aber auch um Nutzbäume heranzuzüchten, die den Menschen später auch Erträge bringen, so beispielsweise Obstbäume. Francis ist in seiner Kolpingsfamilie für das Ziehen von Setzlingen verantwortlich. Er hat bereits einige tausend kleiner Setzlinge herangezogen, die einmal zu stattlichen Bäumen Die Frauen wissen, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag leisten, damit die nächste Generation in einer einigermaßen intakten Umwelt leben kann. Ländliche Entwicklung bedeutet für das Kolpingwerk, die Menschen zu orientieren und zu unterstützen, über die Subsistenzwirtschaft hinaus die landwirtschafltiche Produktion auf der Basis ökologischer Bewirtschaftung zu intensivieren und auszubauen, durch Verbesserung der Anbaumethoden, Anbau alternativer Produkte, Einführung von Tierhaltung, Unterstützung bei der Vermarktung der Produkte, Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und ihre Vermarktung. Darüber hinaus fördert das Kolping den Zugang zu sauberem Wasser durch den Bau von Zisternen, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und einen Beitrag zur Gesundheitsförderung zu leisten. Auch ökologische Maßnahmen gehören zu den Programmen ländlicher Entwicklung, um einen Beitrag zum Schutz der Umwelt und Sicherung der Lebensgrundlage künftiger Generationen zu leisten. In Tansania beispielsweise fördert das Kolpingwerk auch die Einführung von Solarlampen als Alternative zur Nutzung von Brennholz als Energiequelle. Neben den konkreten Projektinvestitionen spielt dabei Bildungs und Bewußtseinsarbeit eine besondere Rolle. 9

10 Wasser ist Leben Verseuchtes Wasser verursacht in vielen Regionen Afrikas Infektionskrankheiten und ist in vielen Gegenden für eine hohe Kindersterblichkeit verantwortlich. Überall und zu jeder Tageszeit sieht man in Afrika Frauen und Kinder mit Wasserkanistern auf dem Kopf. Über 80 % der Menschen auf dem Land haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zwar regnet es vielerorts genügend, Viele Kinder müssen schon morgens vor der Schule über viele Kilometer Wasser holen, und das dreimal am Tag. Das größte Problem: das Wasser ist verseucht und verursacht eine Vielzahl von Krankheiten. aber das Wasser versickert sofort und kann nicht gespeichert werden. Und Brunnen zu bauen, ist zu teuer, zumal in vielen Gegenden über 30 m tief gebohrt werden müsste. Die einzige Alternative für die Menschen sind offene Tümpel oder an einigen Stellen Brunnen. Das größte Problem stellen die Tümpel dar, denn das Wasser ist mit gefährlichen Bakterien verseucht. Auch das Vieh und andere Tiere nutzen die Tümpel als Wasserquelle. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Kinder unter Wurmerkrankungen, Durchfall und anderen Infektionskrankheiten leiden, die durch dieses verschmutzte Wasser verursacht werden. Da viele Kinder ohnehin mangelernährt sind, führen solche Krankheiten nicht selten zum Tod. Zugang zu sauberem Wasser zu schaffen, ist daher für das Kolpingwerk in Uganda und in Tansania ein wichtiges Anliegen. Der Bau bzw. die Installierung von Zisternen hat sich in den letzten Jahren als wahrer Segen erwiesen. In Uganda haben sich große Plastiktanks bewährt, in Tansania werden aus Draht und Beton Zisternen gebaut. In diesen Tanks bzw. Zisternen wird das Regenwasser gesammelt bis zu Liter. Der Regen wird durch eine Dachrinne bzw. ein Rohr in die Zisterne geleitet und versorgt eine Familie über Monate mit sauberem Wasser. Sauberes Wasser, weniger Krankheiten, Zeit und Kraft sparen - das sind die großen Vorteile solch einer Zisterne Die verhältnismäßig gute Qualität des Wassers ist der größte Vorteil dieses Projektes. Dies sieht man deutlich an der besseren gesundheitlichen Verfassung der Kinder. Und die vielen langen Wege, die Kraft und Zeit erfordern, werden überflüssig. Familien, die eine Milchkuh besitzen, müssen alleine für diese Kuh pro Tag bis zu 50 Litern Wasser heranschleppen. Mit einer Zisterne ist auch dieses Problem gelöst. 10

11 Eine Berufausbildung öffnet den Weg in eine bessere Zukunft Wer über eine berufliche Ausbildung verfügt, findet einen guten Job oder kann sich selbständig machen und findet so den Weg aus Armut und Perspektivlosigkeit Für Anthony sieht die Zukunft gut aus. Er ist einer von 22 Lehrlingen in der Kolping-Lehrwerkstatt in Kibwona in Uganda und lernt dort den Beruf des Schreiners. Für ihn ist das etwas ganz Besonderes, denn eine berufliche Ausbildung ist in Uganda noch immer sehr selten. Er ist der Einzige in seiner Familie, der diese Chance hat, und Anthony ist deshalb sehr stolz darauf, in gut 10 Monaten sein Ausbildungszertifikat zu bekommen. Die Lehrwerkstatt ist für deutsche Verhältnisse sehr einfach, denn es gibt hier keinen Strom. Die Ausbildung muss mit Hobel, Säge, Hammer etc. erfolgen. Aber sie ist dennoch sehr gut und fundiert. Es wird nicht nur ausgebildet, sondern auch produziert. Das hat den Vorteil, dass die Schüler einerseits konkrete Erfolge sehen, wenn sie beispielsweise ein Bett oder einen Schrank zimmern, und zum anderen kann mit dem Verkauf der Möbel Geld erwirtschaftet werden, um den Ausbilder zu bezahlen oder neues Holz oder Werkzeuge anzuschaffen. Anthony will sich im Anschluss an seine Ausbildung selbständig machen. Er ist voller Tatendrang und weiß, dass er eine bessere Zukunft haben wird als seine Eltern. Die Lehrwerkstatt genießt einen sehr guten Ruf - nicht zuletzt durch die engagierte Arbeit des Ausbilders. Neben dem praktischen Unterricht gibt es natürlich auch theoretischen Unterricht. Hier lernen die jungen Leute jedoch nicht nur, die Maße eines Möbelstückes zu berechnen, sondern auch, wie man den Preis eines Produktes kalkuliert, worauf es bei der Vermarktung ankommt, wie ein guter Kundenservice aussieht, was man bei einer einfachen Buchhaltung beachten muss. Denn viele der Jugendlichen, die hier eine Ausbildung absolvieren, machen sich anschließend selbständig und verdienen damit den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien. Der Ausbilder ist nicht nur fachlich ein guter Lehrmeister, sondern bedeutet für viele auch so etwas wie ein Vaterersatz. Denn die Jugendlichen, die - wie Anthony - von weit her kommen, leben während der Ausbildung in einem einfachen Schuppen neben der Werkstatt. Die Werkstatt hat seit 3 Jahren eine offizielle Anerkennung der staatlichen Behörden und Uganda und ist damit eine der wenigen qualifizierten Ausbildungsträger. 11

12 Von der Straße in eine geregelte Arbeit: Jugendliche in Südafrika finden einen Weg in eine menschenwürdige Zukunft Obwohl die Apartheid in Südafrika abgeschafft ist und demokratisch gewählte Politiker regieren, geht es einem großen Teil der Bevölkerung kaum besser. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 26,2 %, in vielen Regionen erreicht sie sogar 50 %. Vor allem Jugendliche haben oft kaum eine Aussicht auf eine bessere Zukunft, flüchten in Drogen und Kriminalität. Perspektivlosigkeit, Demotivation und Resignation machen sich breit. Das Kolpingwerk hat deshalb ein Berufsvorbereitungsprogramm initiiert, das Jugendlichen den Einstieg ins Erwerbsleben ermöglicht. Zum Beispiel Louisa Jacobs: Aus ihrem Elternhaus kennt sie nur blanke Armut. Nach dem Abschluss der Schule fand sie, so wie ihr Bruder und ihre Schwester, keine Arbeit. Mit Gelegenheitsjobs kämpfte die Familie tagtäglich ums Überleben. Alles änderte sich, als die drei Geschwister Plätze im Berufsvorbereitungsprogramm des Kolpingwerkes fanden. Louise und ihre Schwester machten eine Ausbildung im Catering und als Kochgehilfin. Mittlerweile arbeiten beide im besten Restaurant der Stadt. Der Bruder hat bei Kolping eine Ausbildung zum Elektriker gemacht und ebenfalls schon eine Stelle gefunden. Die Vorbereitung auf einen Beruf öffnet nicht nur den Weg in eine bessere Zukunft, sondern vermittelt den Jugendlichen auch Selbstvertrauen. Dieser Cateringkurs verschaffte Louise die Chance, einen Beruf zu lernen und Arbeit zu finden. Louise sagt: Durch die Ausbildung habe ich nicht nur einen Job und ein gutes Auskommen gefunden, sondern ich bin auch stolz und selbstbewusst geworden. Zu Beginn der Ausbildung werden zunächst 10 Tage lang sog. soft skills vermittelt, d.h. es geht darum, den jungen Leuten Selbstachtung, Selbstvertrauen, kommunikative und rhetorische Fähigkeiten nahezubringen. Gute Aussichten. Diese Jugendlichen sind stolz und glücklich, denn sie haben eine Zusage für eine feste Anstellung. Zudem lernen sie die Welt der Arbeit kennen, lernen, worauf es ankommt, wenn man sich auf eine Stelle bewirbt. 12

13 In der Schulung werden mit den Jugendlich auch Karriereverläufe besprochen und Ratschläge für die Berufswahl gegeben - immer im Hinblick auf die aktuelle Arbeitsmarktsituation. Aber auch Arbeitsethik, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit etc. sind Themen dieser Bildungsmaßnahmen. Danach beginnt die berufsspezifische Qualifizierung. Da das Kolpingwerk Südafrika nur einige wenige Ausbildungswerkstätten betreibt, wird ein Teil der Jugendlichen in andere Ausbildungsstätten vermittelt, wo sie beispielsweise den Beruf des Schreiners erlernen. Das Kolpingwerk begleitet jedoch die Jugendlichen, bis sie einen Job gefunden haben. So werden die jungen Leute schon während der Ausbildung in ein Praktikum vermittelt, damit sie erste konkrete Erfahrungen mit dem Erwerbsleben machen. Und nicht selten werden sie nach der Ausbildung von den Unternehmen direkt übernommen. Auch bei der Arbeitssuche steht das Kolpingwerk den jungen Leuten zur Seite. Die Kolpingverantwortlichen stehen mit zahlreichen Unternehmen in Verbindung und können vielen Jugendlichen erfolgreich eine Stelle vermitteln. Es gibt jedoch auch junge Leute, die sich nach der Ausbildung selbstständig machen. Auch hier unterstützt das Kolpingwerk bei der Erarbeitung eines Geschäftsplanes und einer Marktanalyse. Kolping hilft sogar mit einem Kleinkredit als Starthilfe. Paul hat durch Kolping gelernt, mit Holz zu arbeiten. Er hat in einem kleinen Betrieb Arbeit gefunden und stellt Holzrahmen her. Raus aus der Sackgasse - hin zu einem Leben mit Perspektive und Würde. Für viele Jugendliche wird dies dank des Kolpingprogramms möglich. Stolz und glücklich sind diese jungen Leute über ihr Abschlussdiplom. Alle haben bereits eine feste Zusage für eine Stelle. Das Kolpingwerk fördert Programme der beruflichen Bildung in Uganda, Tansania, Südafrika, Ruanda, Nigeria und Togo. In den meisten dieser Länder ist das Kolpingwerk eine der ganz wenigen Einrichtungen der beruflichen Bildung. Jahr für Jahr werden ca. 500 junge Menschen ausgebildet. Das Kolpingwerk verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz. Im Vordergrund steht natürlich die berufliche Qualifikation. Darüber hinaus erhalten die Jugendlichen jedoch auch Orientierung im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich. Es werden Themen wie Familie, Arbeitswelt, Gesellschaft etc. behandelt. Und auch mit Freizeitaktivitäten bieten die Ausbildungsprogramme den Jugendlichen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. 13

14 Kindern eine Zukunft geben Ein neues Zuhause für Aids-Waisen. 150 Kinder haben eine neue Familie gefunden. Kolping hilft, damit sie gut versorgt werden, eine Schulausbildung und später eine berufliche Qualifikation erhalten. In vielen Ländern Afrikas ist AIDS zum Problem Nr. eins geworden, auch wenn in Ländern wie Uganda aufgrund umfangreicher Aufklärungsarbeit in den letzten Jahren die Infiziertenrate wieder gesunken ist. Bereits heute leben in Afrika südlich der Sahara mehr als 11 Mio. Aids-Waisen. In vielen Dörfern trifft man heutzutage fast nur noch alte Menschen und Kinder an. Da AIDS vor allem die mittlere Generation betrifft, also die erwerbsfähige Bevölkerung, stellt diese Pandemie auch für die Volkswirtschaften Afrikas zunehmend ein Problem dar. Wenn in Afrika Kinder zu Waisen werden, springt traditionell die Großfamilie ein. Die große Zahl von Aids-Waisen überfordert jedoch zunehmend die afrikanische Gesellschaft, da die Familien meist selbst so arm sind, dass sie die Versorgung der Waisen nicht verkraften. Der Verlust der Eltern bedeutet für die Kinder eine Katastrophe. Die Vermittlung in eine Familie bietet ihnen die Chance auf eine normale Entwicklung und eine gute Zukunft. Seit 1994 unterstützt das Kolpingwerk Familien in Uganda, die Aids-Waisen aufnehmen. Die Hilfe richtet sich dabei nicht nur darauf, den Unterhalt der Kinder zu gewährleisten, d. h. dafür zu sorgen, dass sie ausreichend ernährt werden, sondern auch darauf, dass die Kinder eine Schule besuchen und später auch eine berufliche Ausbildung absolvieren. Die Kinder werden daher so lange begleitet und unterstützt, bis sie auf eigenen Beinen stehen und für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Katie Nalule ist 12 Jahre alt. Ihr Onkel hat sie aufgenommen und bekommt - weil er selbst arm ist und 8 eigene Kinder versorgen muss Unterstützung durch das Kolpingwerk., um Nalule eine Schulausbildung zu ermöglichen. Das Kolpingwerk unterstützt Familien, die Ais-Waisen aufnehmen, auch durch konkrete Projektinvestitionen, um deren Lebensbedingungen zu verbessern, beispielsweise durch den Bau einer Zisterne, durch die Verteilung von Milchkühen, durch landwirtschaftliche Hilfen. James Setongo, 15 Jahre alt - hat beide Eltern durch Aids verloren. Kolping unterstützt ihn, damit er die Schule besuchen und später auch eine berufliche Ausbildung absolvieren kann. Neben der konkreten Hilfe für Aids-Waisen versucht das Kolpingwerk in Afrika auch durch Aufklärungsarbeit und Bildungsprogramme, einen Beitrag dazu zu leisten, um die Zahl der Infizierungen zu senken. 14

15 Wissen macht stark! Mitmachen schafft Einfluss Um Armut nachhaltig zu verringern, reicht finanzielle Förderung allein nicht aus. Ungerechte Strukturen müssen verändert und die Partizipation der Menschen an der Gestaltung ihrer Gesellschaft ermöglicht und gefördert werden. Armut ist nicht häufig nur das Resultat mangelnder Ressourcen oder unzureichender Produktion. In vielen Ländern Afrikas ist Armut auch ein Ergebnis ungerechter Strukturen oder ineffizienter Verteilung von Ressourcen, weil die herrschenden Eliten primär ihre eigenen Interessen verfolgen. Die Dorfbewohner hören gespannt einem Vortrag über Rechte und Verantwortung eines Bürger zu. Auch wenn in vielen afrikanischen Ländern in den letzten Jahren und Jahrzehnten formal Demokratie eingeführt wurde, so funktioniert sie doch häufig in der Praxis bislang kaum. Ohne verbesserte Anstrengungen im Bildungsbereich wird sich dies auch kaum ändern, denn der Grad der Bildung eines Volkes trägt entscheidend dazu bei, ob Partizipation und Gerechtigkeit in einer Gesellschaft funktionieren oder nicht. In Ländern wie Nigeria wird dies deutlich. 70 % der Bevölkerung Nigerias müssen mit weniger als 1 Dollar pro Tag auskommen. Dabei ist Nigeria ein reiches Land, denn es verfügt über große Erdölvorkommen. Doch von diesem Reichtum kommt bei den Bürgern nichts an. Zwar gibt es demokratische Wahlen, aber Wahlfälschungen und Stimmenkauf führen dazu, dass eine korrupte Elite den Reichtum unter sich aufteilt. Mit Bildungs- und Bewusstseinsarbeit versucht das Kolpingwerk, den Menschen Mut zu machen, ihre Bürgerrechte einzufordern und sich politisch einzumischen, so beispielsweise durch Vorträge, in denen es um Themen wie Streiks und gute Regierungsführung geht. Allein in 2005 nahmen in den 93 nigerianischen Kolpingsfamilien Personen an Bildungsseminaren teil, in denen die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, Bürgerverantwortung, politische Partizipation etc. behandelt wurden. In diesem Seminar geht es um das Thema Wählen. Vielen Menschen ist nicht bewusst, welche Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten sie haben. 15

16 Dabei bleibt es nicht nur bei der Theorie. So wurden beispielsweise im Hinblick auf die Themen Wahlen und Stimmrecht und Bedeutung von Volkszählung die Teilnehmer im Süden Nigerias ermutigt, sich zählen bzw. als Wähler registrieren zu lassen. Denn nur wer registriert ist, zählt auch, wenn es etwa um Regionalplanung und die Zuteilung von Geldern an lokale und regionale Verwaltungen geht. Ein sichtbarer Erfolg der Bildungsarbeit: Bereits vor drei Jahren ließen sich im Rahmen einer gemeinsamen Initiative des Kolpingwerkes und der Katholischen Kirche im Südosten Nigerias 180 Kolpingmitglieder vor den anstehenden Kommunalwahlen als Wahlbeobachter ausbilden und kontrollierten die Vorgehensweise bei den Wahlen. Lebhafte Beteiligung an einem Bildungsseminar zum Thema Was ist Demokratie. Auch in Vorbereitung auf die bevorstehenden Wahlen zum Amt des Staatspräsidenten und der Provinzgouverneure im kommenden Jahr veranstaltet das Kolpingwerk Nigeria eine Vielzahl von Seminaren und Vorträgen, um die Menschen zu ermutigen, ihre Bürgerverantwortung wahrzunehmen. Auch in Uganda betreibt das Kolpingwerk seit Jahren politische Bildungs - und Bewusstseinsarbeit. Und die Arbeit trägt Früchte: Mittlerweile gibt es fast in jeder Kolpingsfamilie Mitglieder, die in den Distriktparlamenten vertreten sind und dort für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in ihren Regionen eintreten. Die Partizipation der Menschen in Afrika zu stärken, ist deshalb eine bedeutende Aufgabe der Entwicklungspolitik. Hier geht es um das Thema: Wie funktioniert ein Distriktparlament. Bildung ist der Schlüssel für Entwicklung Bildungsarbeit ist für das Kolpingwerk ein entscheidendes Instrument der Entwicklung und nachhaltigen Armutsbekämpfung. Dabei geht es einerseits darum, Menschen die Chance zu geben, ihre Potentiale zu entdecken und ihre Persönlichkeit zu entwickeln, um eigenverantwortlich und menschenwürdig leben zu können. Zum anderen sieht das Kolpingwerk in der ganzheitlichen Bildung eine wichtige Voraussetzung, damit der Einzelne seine Verantwortung in Familie und Gesellschaft wahrnimmt und an der Gestaltung einer gerechteren Welt mitwirkt. Die Vermittlung von Werten und die Mitgestaltung von Gesellschaft sind dabei wichtiges Ziel. Das Kolpingwerk unterstützt daher nicht nur Maßnahmen der Grundbildung (Kindergärten, Vorschulen, Schulen, Alphabetisierung) und fördert berufliche Qualifizierung als Voraussetzung zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz. Vielmehr haben auch allgemeinbildende, christliche, soziale sowie gesellschaftspolitische Bildungsmaßnahmen eine große Bedeutung, denn sie ermutigen und befähigen den Einzelnen, für menschliche und christliche Werte in Familie und Gesellschaft einzustehen und durch Wahrnehmung der Bürgerverantwortung an der Gestaltung einer gerechteren Gesellschaft mitzuwirken. 16

17 Gemeinschaft, die trägt Die Kolpingsfamilie versteht sich als familienhafte Gemeinschaft, die dem Einzelnen Halt, Geborgenheit und Orientierung gibt. Die Mitglieder praktizieren untereinander Solidarität und unterstützen sich bei der Bewältigung von Problemen und Schwierigkeiten. Die Mitglieder der Kolpingsfamilie Burugu kommen an den Sonntagen zusammen, um Gemeinschaft und Geselligkeit miteinander zu erleben. Die Kolpingsfamilie ist nicht nur Gemeinschaft, die Heimat gibt, sondern auch ein Ort, wo christlicher Glaube und christliche Werte gelebt werden. Kolpingmitglieder sind in der Kirche zu Hause, und als katholisch-sozialer Verband vertritt das Kolpingwerk christliche Werte in der Gesellschaft. Die Kolpingsfamilie ist demokratisch strukturiert und bietet ihren Mitgliedern die Möglichkeit, Demokratie im Kleinen zu lernen und einzuüben. Durch Bildungsmaßnahmen und gemeinsame Initiativen werden die Mitglieder darüber hinaus motiviert, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren und an der Gestaltung einer gerechteren Welt mitzuwirken. Die Mitglieder der Kolpingsfamilie Buseesa beispielsweise versammeln sich einmal pro Woche. Sie kommen gerne zusammen, denn in der Gemeinschaft erleben sie Rückhalt und Solidarität. Hier können sie über ihre Probleme sprechen, gemeinsam nach Lösungen suchen, Erfahrungen austauschen. Einige von ihnen sind mit dem Problem Aids konfrontiert, haben Angehörige verloren, müssen Aids-Waisen großziehen und sind mit diesen Belastungen überfordert. Die Gemeinschaft der Kolpingsfamilie trägt und bietet Hilfe und Unterstützung. Sport, Tanz und kulturelle Veranstaltungen haben ihren festen Platz im Leben einer Kolpingsfamilie. Auch Probleme, die das gesamte Dorf oder die ganze Region betreffen, sei es eine Dürre, sei es die lokale Politik oder beispielsweise der unzureichende Zugang zu Wasser werden gemeinsam besprochen und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Die Kolpingsfamilie ist aber auch ein Ort, an dem Menschen Freude und Geselligkeit erleben. So gehören kulturelle Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten und Sportveranstaltungen zu den regelmäßigen Aktivitäten einer Kolpingsfamilie. In dem oft schwierigen Alltag ist die Kolpingsfamilie für die Menschen ein Ort, an dem Freude, Glück und Gemeinschaft erlebt wird. Diese Aktivitäten bieten einen Ausgleich zum harten Leben der Menschen. 17

18 Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e.v. Kolpingplatz Köln Tel.: /-199/-212 Fax: Unterstützen Sie die Arbeit des Kolpingwerkes in Afrika! Pax-Bank e. G. Köln Kto.-Nr BLZ

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