Ideen zu Fair Trade. Rollenspiel. Spiele

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1 Ideen zu Fair Trade Rollenspiel Minuten Rollenspiel zu Fair Trade und Welthandel (Kartenvorlagen im Anhang). Die Jugendlichen haben nun die Möglichkeit, nachdem sie am Vortag einiges über die Mechanismen gehört haben, diese als Argumentationsgrundlage für ein Diskussionsrollenspiel zu nutzen. Die Jugendlichen werden in Dreier- oder Vierergruppen aufgeteilt und erhalten eine Person, mit deren Lebensumständen und Ansichten sie sich eingehend auseinandersetzen sollen. Insbesondere sollen sie sich fragen, welches die Argumente sind, weshalb diese Person genau so handelt und nicht anders. Nachdem sich die einzelnen Gruppen grundsätzlich einig sind darüber, was die Person denkt, können sie sich bereitmachen, diese Person zu spielen. Dazu setzt sich aus jeder Gruppe jemand in den Diskussionskreis, der von einer moderierenden Person geleitet wird. Der Einstieg ins Gespräch ist die Frage nach möglichst billigen Produkten für die Kunden in aller Welt, und wie das zu bewerkstelligen sei. Spiele Minuten Fair Trade Poker (zu bestellen bei Brot für alle) Das eigens für die ökumenische Kampagne 2010 von Brot für alle und Fastenopfer entwickelte World Fair Trade Poker macht deutlich, welche Konsequenzen das globale Pokern mit Lebensmitteln hat und welche Alternativen es geben könnte: spielerisch, frech und realitätsbezogen. Das Spiel lässt sich mit 5-25 Teilnehmer/innen ab 13 Jahren spielen. Es ist sehr gut einsetzbar im Unterricht auf der Oberstufe, in der Jugendarbeit oder Erwachsenenbildung und dauert zwei bis drei Stunden je nach Länge der Pokerrunden, Auswertungen und Vertiefungen. EineWeltSpiel (zu bestellen bei Brot für alle) Eine Spielerische Auseinandersetzung mit Mangel und Überfluss Alle Menschen leben auf derselben Erde. Die Bedingungen für das Leben sind nicht für alle gleich, was dieses Spiel auf spielerische Weise veranschaulicht. Den Spielenden wird eindrücklich vor Augen geführt, dass Menschen, Geld, Wasser, Nahrung oder Elektrizität nicht gleichmässig und 1

2 gerecht verteilt sind. Das Spiel bietet keine fertigen Antworten sondern will zum Gespräch anregen. The Trading Game ( zu bestellen bei Das Trading Game will auf eine spannende Art erfahrbar machen, wie der Welthandel die ökonomische Entwicklung eines Landes beeinflussen kann. Neben dem inhaltlichen Vermitteln werden während des Spiels auch emotionale Erfahrungen der Mitspielenden sehr wichtig, was eine sorgfältige Vor- und Nachbereitung bedingt. Geeignet für grössere Unterrichtseinheiten. Handwerkliches 180 Minuten Die Jugendlichen basteln Haushaltsgegenstände und Spielsachen aus Materialien, die wir bei uns grundsätzlich wegwerfen würden. Diese Produkte können sie auf der Strasse verkaufen und den Erlös dem Projekt der Kirchgemeinde zukommen lassen. Die Produkte können auch an einem Basar oder nach dem Suppentag verkauft oder verschenkt werden. Möglicherweise wollen die Jugendlichen ihre Erzeugnisse auch behalten, weil sie ihnen gefallen, und als Erinnerung an den Workshop. Gut verarbeitbare Materialien sind: Tetrapacks, Dosen und Büchsen, PET-Flaschen, Elektrodraht, Holzabfälle, Röhren, Hilfsmaterialien sind: Draht, starker Leim, Schnur, Nägel, Nieten Arbeitsmaterialien: Zange, Ahle, Drahtschneider, Säge, Schere, Hammer, Nietenzange Mögliche Bastelobjekte: Taschen aus Tetrapack-Material, Portemonnaies oder Börsen sind ebenfalls gut machbar. Kistchen aus Blech oder Alu können sehr kunstvoll sein. Windräder aus Blech, sowie Windspiele aus Glasstücken, die in Draht eingefasst werden. Teelichthalter aus Blech oder aus PET (Hier muss darauf geachtet werden, dass die Kerze genug Raum hat, damit das PET nicht anfängt zu schmelzen). Vasen aus PET-Flaschen, Verziert mit allerlei Dingen, die kunstvoll daraufgeklebt werden. Gegebenenfalls kann Fimo als Verzierung genutzt werden. 2

3 Besonders Geschickte können aus Draht und Blech ein kleines Auto zusammenstellen, Räder aus Holz oder Metall, oder sich an einem Flugzeug versuchen. Grundsätzlich gilt: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vorlagen sind keine vorhanden, denn die Kinder, die in Afrika, Asien und Lateinamerika solche Arbeiten ausführen, um sich ihre eigenen Spielsachen herzustellen, respektive ihr Taschengeld aufzubessern, erarbeiten ihre Produkte ebenfalls aus dem Kopf. Weitere Ideen/Anregungen: Was für Produkte aus fairem Handel sind auf dem Markt? Jugendliche erkunden selber in den Grossverteilern Migros, Coop, Denner etc. die Produktpalette von Fair Trade und vergleichen die Preise mit herkömmlicher Ware. Wo gibt es am meisten Fair Trade? Fair Trade Brunch/Mittagessen Gemeinsam mit den Jugendlichen kann das Thema Fair Trade auch in der Kirchgemeinde zum Thema gemacht werden. Zum Beispiel mit einem Fair Trade Brunch für alle. Dabei werden nur fair gehandelte Produkte (z.b. Orangensaft, Kaffee, Kakao, Tee, Honig, etc.) oder Lebensmittel aus der Region (Butter, Milch, Confi etc.) verwendet. Anstelle eines Brunchs kann auch ein faires Mittagessen gekocht werden: Dekoration: Rosen Max Havelaar Einstieg: Orangensaftdrink Menu: Reis mit Curry und Geschnetzeltem, Ananasscheiben Dessert: Bananensplit Diese Produkte gibt es als Fair Trade: Rosen, Orangensaft, Reis, Curry, Bananen, Schokolade, Ananas Modeschau mit Fair Trade Nicht nur Lebensmittel sind als Fair Trade erhältlich. Zum Beispiel produziert die Kleidermarke Switcher ausschliesslich faire Kleider. Mit fairen Kleidern lässt sich mit den Jugendlichen eine Modeschau organisieren. Fair Trade in der Kirchgemeinde Während eines Brunchs, Mittagessens oder einer Modeschau kann Fair Trade für die Gemeinde thematisiert werden: warum kauft die Kirchgemeinde nicht Fair Trade Kaffee? Wie können wir uns als Kirchgemeinde für mehr Fairness einsetzen? Dabei kann auch mit der Kirchgemeinde ein Quiz zu Fair Trade gespielt werden, z.b. wie das Spiel "Wer wird Millionär", "Wer wird Fair Trade König". 3

4 Weltbankett Für einen Projekttag zum Thema Fairness eignet sich auch das Spiel Weltbankett. Dabei kann die ungerechte Verteilung der Güter nachempfunden werden. Nach den globalen Aufteilung von Reich und Arm werden die Teilnehmenden per Los in vier Gruppen eingeteilt: ca. 5% Superreiche, 50% Reiche, 25% Arme, 20% Verarmte. Das Mittagessen fällt dann auch entsprechend aus: ein 5-Gang-Menu für die Superreichen, normales Essen mit Fleisch für die Reichen, gewöhnlicher Reis für die Armen und für die Verarmten gibt es noch ein Glas Wasser mit etwas Milch. Regel: Es darf nicht ausgeholfen werden, alle bleiben in ihrer Gruppe. (Quelle: Hanspeter Schmutz 2005) Als Abschluss und Auflösung eignet sich ein Abendmahl mit genügend Brot und Traubensaft, so dass die Armen und Verarmten sich noch satt essen können. Wichtig ist das anschliessende Gespräch dazu. 4

5 Anhang: Karten für Rollenspiel Bäuerin aus dem Kongo ihre Gedanken sein könnten zu verschiedenen Themen im Fair Trade-Bereich, Geboren wurdest du als drittes von sieben Kindern. Schon früh war es klar, dass du in die Fussstapfen deiner Eltern treten und auch in der Landwirtschaft tätig sein würdest. Ein weiterer Grund, weshalb du das getan hast, ist die fehlende Möglichkeit einer schulischen Bildung. Damit stehst du in deiner Familie nicht alleine da. Fünf Kinder leben noch, und alle betreiben Landwirtschaft. Die Umstände sind schwierig. Politisch befindet sich dein Land in einer instabilen Lage, und mehrfach schon ist es vorgekommen, dass die eine oder andere Miliz Teile deiner Felder zerstört haben. Darüber hinaus ist die Wasserlage prekär. Eine Bewässerungsanlage kostet zu viel Geld, und das hast du nicht, da du nur wenig von deinen Erzeugnissen verkaufen kannst. Das meiste benötigst du für deine Familie, und das Geld, das du beim Verkauf verdienst, wird sofort umgesetzt in Nahrungsmittel oder nötige Gebrauchsgegenstände Verschiedene internationale Hilfsorganisationen würden dir zwar einen Kleinkredit geben, doch der reicht nicht aus, aus deinem Bauernbetrieb einen Gewinn abwerfenden Hof zu machen. Frustrierend ist für dich, dass du unmöglich so billig produzieren kannst, wie die internationalen Produkte in den Supermärkten angeboten werden. Zwar verstehst du nicht, wie das überhaupt gehen kann, doch dagegen etwas unternehmen kannst du auch nichts. Momentan erwägst du verschiedene Möglichkeiten, die dich aus deiner Misere befreien könnten. Du schliesst dich einer Kooperative an und verlierst dadurch deine Selbständigkeit; du ziehst in die Stadt und verdingst dich als Tagelöhnerin; oder du fängst an, für den Export anzubauen, baust also Kaffee an, und kaufst deine Nahrungsmittel auf dem Markt. Solange der Kaffeepreis stabil bleibt und die Ernte sicher, wäre das machbar. 5

6 Konsument ohne Wunsch nach «sozialen» Produkten ihre Gedanken sein könnten zu verschiedenen Themen im Fair Trade-Bereich, Einkaufen ist für dich schlicht die Notwendigkeit, für dich Produkte zum leben zu kaufen. Diese sollten von möglichst guter Qualität sein und ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Alles andere ist unwichtig. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass du gegen Fair Trade bist und diese Produkte boykottierst, vielmehr bist du dir der gesamten Problematik schlicht nicht bewusst. Geld für den Kauf von solchen Produkten hättest du allerdings. Klar ist für dich auf jeden Fall: Hätten Fair Trade-Produkte eine bessere Qualität, würdest du diese vorziehen. Doch irgendetwas sagt dir, dass das wahrscheinlich nicht so ist. Du müsstest also noch überzeugt werden, und das nicht nur durch einfache Werbung, sondern irgendein Label oder so. 6

7 Bauer aus Lateinamerika ihre Gedanken sein könnten zu verschiedenen Themen im Fair Trade-Bereich, Als Bauer an den Hängen entlang der Bolivianischen Hochebene hast du das Glück, in einer sehr fruchtbaren Gegend zu Hause zu sein. Leider ist deine Heimat ein ziemlich unwegsames Gelände, weswegen du - auch wenn du das Geld hättest - deine landwirtschaftlichen Aktivitäten nicht mechanisieren könntest. Momentan baust du verschiedene Gewürze an, die du trocknest und in den lokalen Märkten verkaufen kannst. Das Einkommen daraus deckt deinen Lebensbedarf nicht, doch für deine Anbauaktivitäten erhältst du von einer Hilfsorganisation aus Amerika einen jährlichen Unterstützungsbetrag, den du so zu deinem Einkommen zählen kannst. Als Gegenleistung verzichtest du auf den Anbau von Koka-Pflanzen. Deren Anbau würde sich lohnen, da du rund das 20-fache verdienen könntest von dem, was dir die Gewürze und die direkte Unterstützung einbringen. Hinzu kommt, dass du dich von der Regierung unverstanden fühlst, und du dementsprechend sowieso lieber Koka anbauen solltest, einfach, um «denen da oben» eins auszuwischen. 7

8 Manager einer multinationalen Firma ihre Gedanken sein könnten zu verschiedenen Themen im Fair Trade-Bereich, Deine Firma umfasst ein globales Netzwerk, welches in über 60 Ländern, darunter in vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas, Produkte verkauft. Die Gewinne des Konzerns sind gewaltig, und dein eigener Lohn ist entsprechend gross: 12 Millionen US-Dollar pro Jahr, zuzüglich grosszügige Aktienpakete. Dank guter Lobby-Arbeit in der Politik hat dein Konzern hervorragende Einfuhrbedingungen in die meisten Länder Afrikas: tiefe Zölle und Exportsubventionen aus den Industrieländern, was dem Konzern ermöglicht, die Produkte zu konkurrenzlosen Preisen anzubieten. Wohnen tust du aus Steuergründen in Luxemburg, doch das ist dir nicht so wichtig, da du meistens in den USA, Deutschland, Japan und England unterwegs bist. Dein Ziel ist es, die Gewinne der Firma möglichst zu maximieren. Mit grosser Marktdominanz möchtest du Mitstreiter verdrängen, und wenn du in einem Land das Monopol für ein Produkt hast, kannst du die Preise diktieren. Deine Aktionäre werden es dir danken. 8

9 Konsumentin in der Schweiz mit «sozialem Gewissen» ihre Gedanken sein könnten zu verschiedenen Themen im Fair Trade Bereich, Aufgewachsen in einer Familie, die dir schon früh die Grundsätze der Ökologie nahegebracht hat, bist du zu einer Konsumentin geworden, die gerne mal etwas mehr für ihre Produkte bezahlt, wenn diese dafür einen sozialen oder ökologischen Mehrwert besitzen. Lebensmittel kaufst du wenn immer möglich auf dem Markt, denn dort sind es oft Produkte aus der Region, und das bedeutet weniger Transportwege, was besser ist für die Umwelt. Nahrungsmittel von weiter her sind meistens Max Havelaar Produkte, Claro-zertifiziert oder sonst von einer Firma, die zwar mehr für die Produkte verlangt, dafür aber den Produzenten in den Ländern des Südens eine faire Bezahlung garantieren. Daneben ist dir wichtig, dass die Arbeitsbedingungen gut sind (kein Gifteinsatz auf den Plantagen ohne Schutzkleidung, geregelte Stunden, angemessene Arbeitsplatzgestaltung), und dass die Produkte einigermassen umweltschonend hergestellt werden. Problematisch ist für dich manchmal, dass dein eigenes Einkommen nicht sehr gross ist, und du deswegen auf Luxusprodukte verzichten musst, zu Gunsten deines sozialen Gewissens. 9

10 Einkäuferin in Asien ihre Gedanken sein könnten zu verschiedenen Themen im Fair Trade Bereich, Als Zulieferin der Grossverteiler in Europa hast du kaum je etwas mit Kleinbauern oder anderen vernachlässigbaren Produzenten zu tun. Dein Augenmerk ist auf die grossen Märkte gerichtet. Eine Lieferung von 25 Tonnen Reis betrachtest du als kleine Sache. Im Rahmen deiner Tätigkeit ist dir aufgefallen, dass du als europäische Einkäuferin in Asien oft Glück hast, dass du die Preise wenn nötig auch ein wenig hochschrauben kannst, indem du die Nachfrage in Europa geltend machst. So können die einheimischen Einkäufer kaum noch den lokalen Reis aufkaufen und national vertreiben. Vielmehr kannst du ihnen hochsubventionierten Reis aus den USA gewinnbringend verkaufen, denn dieser ist in Europa nicht so sehr gefragt. Nicht zuletzt, seit nicht mehr garantiert werden kann, dass US-Reis gentech-frei ist. Die Asiaten scheint's wenig zu kümmern. Wichtig ist dir, dass die Quantität stimmt. Kleine Bauern liefern zwar interessante Sorten und Produkte, sie liefern aber schlicht zu wenig für den globalen Vertrieb. 10

11 Verkäufer in der Schweiz ihre Gedanken sein könnten zu verschiedenen Themen im Fair Trade Bereich, Als Detailhändler richtest du dich nach der Nachfrage bei deiner Kundschaft. So gesehen ist Fair Trade nie ein sehr zentrales Thema gewesen bei dir. Wenigstens persönlich hat es dich nie sonderlich interessiert. Zwar hast du Fair Trade Orangensaft und Max Havelaar Bananen, doch das scheinen die einzigen Produkte zu sein, die einigermassen verkäuflich sind bei deiner Kundschaft. Du hast zwar einige Kundinnen (es sind interessanterweise meistens Frauen, die dich deswegen zur 'Rechenschaft' ziehen), die immer wieder fordern, dass du mehr Fair Trade Produkte führen solltest. Du entgegnest darauf immer, dass du das gerne tätest, wenn sie verkäuflich wären, doch die Mehrheit der Kunden kauft dann trotzdem das billigere Produkt. Das Argument, dass du dann halt einfach nur noch die Fair Trade Version eines Produktes führen solltest, leuchtet dir nicht so ganz ein, weil du Angst hast, so möglicherweise deinen Kunden zu verlieren. Einzig beim Label «Bio» scheinen die Kunden mehr bezahlen zu wollen. Das hat wohl damit zu tun, dass die Kunden bei solchen Produkten das Gefühl haben, sie seien gesünder als konventionell hergestellte Produkte. 11

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