Jubiläumsnummer 10 Jahre EB Zürich, 40 Mal Rezepte für einen frischen Geist. Souveränität So starten Sie durch in den Aufschwung.

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1 Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 40 Winter 2013/2014 Jubiläumsnummer 10 Jahre EB Zürich, 40 Mal Rezepte für einen frischen Geist. Souveränität So starten Sie durch in den Aufschwung. Wettbewerb Wer wars? Ordnen Sie Zitate Prominenten zu.

2 EDITORIAL 40 MAL FRISCHHALTETÜTE 10 Jahre ist es her, seit die EB Zürich aus dem Zusammenschluss von EB Wolfbach und FS Lingua hervorging. Damals, im März 2004, lag auch druckfrisch die erste Ausgabe unseres Weiterbildungsmagazins «EB Kurs» auf. «EB Kurs soll Sie dabei unterstützen, den richtigen Kurs zu halten», stand im ersten Edito. EB Kurs war also von Anfang als «Kurszeiger» oder Wegweiser gedacht. «Nicht GPS-Hightech-Satelliten-gestützt-autoritär, sondern so, dass Sie bei der Lektüre etwas für sich gewinnen.» Nun, rückblickend auf die 39 dieser Nummer vorangegangenen Ausgaben von EB Kurs, finden wir, dass uns das nicht schlecht gelungen ist. EB KURS Nr. 40 Winter 2013/2014 Magazin der EB Zürich, Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Zürich, Riesbachstrasse 11, 8090 Zürich TELEFON FAX INTERNET HERAUSGEBER Serge Schwarzenbach (für die Geschäftsleitung) REDAKTION Christian Kaiser (silbensilber), Guido Stalder GESTALTUNG Giorgio Chiappa MITARBEIT Felix Aeppli, Mitra Devi FOTOS Reto Schlatter, Keystone, EB Zürich ILLUSTRATIONEN Eva Kläui, Jan Zablonier DRUCK Ringier Print Die Titelgeschichte der 40. Nummer von EB Kurs rekapituliert darum als eine Art «Best of» noch einmal vorgestellte Rezepte, wie wir uns auf den Wandel in der Arbeitswelt einstellen und doch bei uns selber bleiben können (S. 8). Der Leitartikel rund um «Souveränität» verweist u.a. darauf, dass es «Mut zur Veränderung» braucht. Auch damit schliesst sich eine Klammer: Markus Freitag, damals noch Chef einer relativ kleinen Taschenfabrikation mit 35 Mitarbeitenden, hatte im Interview von EB Kurs Nr. 1 gesagt: «Weiterbildung hält geistig frisch. Die Welt verändert sich, mit diesen Prozessen soll sich der Mensch auseinandersetzen.» Verändern wird sich auch die Kommunikation der EB Zürich. EB Kurs wird eine Pause einlegen. Aber natürlich werden wir uns weiter für Weiterbildung und geistige Frische engagieren! Wir werden Sie ab Sommer 2014 mit einer neuen Publikation zu unserem Angebot überraschen, um dann ab 2015 mit einem neuen Kundenmagazin an die Öffentlichkeit zu treten. Wir versprechen also bewährt frischen Geist für geistig Frische in rundum erneuerter Verpackung. Herbstlichen Lesespass wünscht Serge Schwarzenbach Herausgeber BILD Reto Schlatter 2 EB KURS Nr. 40

3 5 INHALT PORTRÄT Nourredine Yous saugt Wissen auf wie ein Schwamm Sprachen, Kommunikation, Computer-Anwendungen. Jetzt ist er fit für die berufliche Selbstständigkeit. 6 EVENT Weiterbildung wie ich sie will: Die EB Zürich zeigte am Tag der offenen Türen, dass sie ihrem Motto gerecht wird. Und präsentierte auch gleich den aktuellen Preisträger des Schweizer Buchpreises, Jens Steiner. 8 SOUVERÄNITÄT Wie sich auf die künftige Arbeitswelt einstellen, wie vorbereiten, verhalten? Die besten Rezepte aus zehn Jahren Krise taugen auch für den kommenden Aufschwung. Eine Anleitung für mehr Souveränität. 16 PERSÖNLICH Eine Bildungsinstitution ist so gut wie die Menschen, die an ihr unterrichten. Doch was machen die eigentlich so privat? Einige der über 400 Gesichter der EB Zürich und ihre ungewöhnlichen Passionen als Steckbrief. 20 SFE-TAGUNG Das diesjährige Schweizerische Forum für Erwachsenenbildung widmete sich der «Zukunftsfähigkeit». Der deutsche Karikaturist, Theologe und Bestsellerautor Werner Tiki Küstenmacher reanimierte dafür virtuos ein einfaches Rezept: «Simplify your Future». 23 IM GESPRÄCH Wer hats gesagt? Der Erfinder der Freitag- Taschen, die Regierungsrätin, der Starkoch, die Rock-Röhre, der Brotpapst, die Flamenco-Tänzerin oder der Ehrenlegionär? Die Highlights aus zehn Jahren Prominenten- Interviews als kurzweiliger Wettbewerb Gesehen, gehört 15 WeiterBILDung 22 Kolumne 26 Mail an den Experten 27 Alljährlich Tagesthema 28 Kultur 29 Tipps und Tricks 30 Agenda 31 So finden Sie uns KURZSTOFFE Winter 2013/2014 3

4 GESEHEN, GEHÖRT ZUR FEIER EIN SONG Arbeitsintegration. Viel gelernt und selbstsicherer geworden: Das sagten qualifizierte Migrantinnen zum Pilotkurs «World Wide Women» (WWW). EB Zürich, Stiftung ECAP und Kurszentrum K5 hatten sie während neun Monaten gezielt geschult, und einige haben bereits attraktive Stellen gefunden. An der Schlussfeier diskutierten Regula Zürcher (Bundesamt für Migration), Véronique Polito (Gewerkschaften) und Fiammetta Jahreiss (Migrationskommission), wie man noch mehr herausholen könnte. Und Fernando Benavente, Geschäftsführer des Projekt-Partners IFES, gab live seinen WWW-Song zum Besten, abgekupfert von der Beatles-Nummer «Obladi Oblada». Nächster Kursstart 28. Februar Infos unter und FREMDSPRACHEN AUSPROBIEREN Schnupperlektionen. Das kann schon passieren: Man geht mit viel Elan daran, eine Fremdsprache zu lernen. Hält tapfer einige Zeit durch, obwohl es nicht so richtig klappen will. Erst nach einiger Zeit steigt man aus, hat Geld und Zeit verloren und erst mal keine Motivation mehr. Um diesen Frust zu vermeiden, gibt es neu an der EB Zürich Schnupperkurse in Griechisch, Russisch, Chinesisch und Brasilianisch-Portugiesisch. Hier kann man ausprobieren, ob einem die Sprache wirklich zusagt und welches der richtige Kurs ist. Und falls es doch nicht passt, ist der Schaden überschaubar: Das Ganze dauert zwei Stunden und kostet vierzig Franken. Nächste Termine im Januar. REICHE BÜCHER-ERNTE Publikationen. Es gibt viel Neues zu lesen von Kursleiterinnen der EB Zürich: Esther Menet legt das kompakte Büchlein «Aussprechen» vor, schön gestaltet, mit wunderbaren Zungenbrechern zum Üben. Beate Rothmaier, Kursleiterin Kreatives Schreiben, schildert in ihrem dritten Roman «Atmen, bis die Flut kommt» eine aussergewöhnliche Vater-Tochter- Beziehung. Barbara Lukesch, Kursleiterin Journalismus, porträtiert in «Und es geht doch!» dreizehn Familien, in denen sich die Väter an der Kinderbetreuung und Hausarbeit beteiligen. Und Aleksandra Gnach, ebenfalls Journalismus, hat in ihrer Doktorarbeit die «Produktion von Fernsehnachrichten» wissenschaftlich untersucht. IM DIREKTEN DIALOG Generation Y. Sie seien besser als ihr Ruf, die heutigen Jugendlichen (die im Soziologie-Deutsch auch Generation Y genannt werden). Sie hätten eine wesentlich höhere Medienkompetenz als gemeinhin befürchtet. Das ist das Fazit einer gemeinsamen Tagung der EB Zürich und des Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung und -beratung SDBB. Gemäss dem Motto «Mit Jugendlichen statt über Jugendliche sprechen» diskutierten Berufslernende und Fachleute miteinander. Die Teilnehmenden brachten ihre digitalen Gadgets gleich mit und tauschten ihre Erfahrungen damit aus. 4 EB KURS Nr. 40

5 PORTRÄT Verstehen und verstanden werden Vielseitig. Nourredine Yous hat Kurse und Bildungsgänge an der EB Zürich gesammelt wie kein Anderer: interkulturelle Mediation, Journalismus, Kommunikation, Powerpoint, Word und Excel, Russisch, Deutsche Literatur und Grammatik, Didaktik. Jetzt ist der Finanzfachmann bereit für seine eigene Beratungsfirma. Aufgezeichnet GUIDO STALDER Bild RETO SCHLATTER «Wenn du eine neue Sprache lernen willst, musst du dein Gehirn damit bombardieren: Fernsehen, Radio hören, Zeitungen lesen. Ich singe dann noch Lieder, begleite mich dazu auf der Gitarre, und beriesle mich im Bus per Kopfhörer. Ich bin in Alger und Marseille aufgewachsen, mit Arabisch und Französisch. Inzwischen kamen noch Englisch, Italienisch, Russisch, Spanisch und Deutsch dazu. Offensichtlich habe ich eine eigentliche Liebe für Fremdsprachen. Russisch war übrigens mein erster Kurs an der EB Zürich. Ich habe in Paris Finanzen und Bankwesen studiert und dort eine Sprachaufenthalterin aus der Schweiz kennen gelernt. Später besuchte ich sie in Zürich und blieb gleich hier. Wir heirateten und bekamen vier Kinder. Jetzt bin ich schon zwei Drittel meines Lebens in der Schweiz. Natürlich wollte ich auch gleich Deutsch lernen, und zwar richtig. Deshalb sagte ich meinen Kollegen im Fussballclub Bremgarten oder im Tennisclub Zufikon, sie sollen Schweizerdeutsch mit mir reden. Ich arbeite seit vielen Jahren bei der SIX Group, sozusagen im Herzen des Finanzplatzes Schweiz. SIX betreibt die schweizerische Finanzmarkt-Infrastruktur, kümmert sich um Wertschriftenhandel und Zahlungsverkehr und bietet umfassende Wirtschaftsinformationen an. Für SIX bin ich auch in internationalen Gremien. Ich habe den Vorsitz eines Komitees, das die Normen der Finanzindustrie weltweit definiert. Seit der Finanzkrise vor fünf Jahren gibt es viele neue Regeln, da wird hart um die verschiedenen Interessen gerungen. Wenn ich dann einzelne Teilnehmer in ihrer Muttersprache anrede, zum Beispiel in Arabisch oder Russisch, kann ich ihnen oft ein Lächeln entlocken und alles wird entspannter. An der EB Zürich habe ich wirklich viel gemacht, all die Computerkurse und die vielen Sprachkurse. Aber noch wichtiger waren die Bildungsgänge in Kommunikation, Journalismus und interkultureller Mediation. In meinem Leben habe ich immer wieder gesehen, wie wichtig es ist, sich über Grenzen hinweg zu verständigen. Auch in der grossen Finanzwelt habe ich meine Philosophie der armen Leute beibehalten: Nicht verwöhnt zu sein, sondern stolz darauf, arbeiten zu können. Deshalb habe ich jetzt gemeinsam mit meiner Partnerin ein Unternehmen gegründet. Wir nennen es Intermediaction und bieten Schulungen und Beratungen für Firmen und Private an. Im Zentrum ist dabei die Verständigung. Damit ich selber kompetente Schulungen durchführen kann, besuche ich an der EB Zürich noch eine Didaktik-Ausbildung: wie man Lernveranstaltungen mit Erwachsenen durchführt. Ich will ja, dass man mich versteht.» Winter 2013/2014 5

6 EVENT Vom Sahnehäubchen kosten Umfassendes Angebot. Die EB Zürich öffnete ihre Türen und zeigte, was sie zu bieten hat. Die Schule, die laut Rektorin Josefa Haas Innovation in den Genen hat, präsentierte sich als eine einzige Werkschau. Als Zugabe las Jens Steiner, Gewinner des Schweizer Buchpreises 2013, aus seinem preisgekrönten Roman. Text GUIDO STALDER Bild MARCEL BAPST «Weiterbildung ist, als ob man einen Raum betritt und den Lichtschalter nicht findet.» Das sagt der Grafiker Karl Sochor von einem lebensgrossen Plakat herab. Er hat das Atelier Web-Design besucht und hoffentlich inzwischen den Schalter gefunden. Auf dem Plakat daneben betont Leyla Herrera (Französisch-Kurse und Zertifikat in Deutsch für den Beruf): «Weiterbildung ist eine Investition, die sich lohnt.» Schliesslich bekennt die Russisch-Lehrerin Anna Lang- Snegina, Teilnehmerin PC-Einstiegskurs: «Ich habe Freude am Lernen.» Sternstunde Literatur. An den Plakaten vorbei geht es zur Bibliothek, die den stilvollen Rahmen für Lesungen abgibt. Peter Gschwend liest aus seinem Werk «Rosa». Seit acht Jahren besucht er das Atelier «Feedback zum Schreiben», um seine neusten literarischen Texte zu testen. Jetzt, nach seiner Lesung am Tag der offenen Türe, wird er fachkundig befragt von Andrea Vesti, Absolventin des Bildungsgangs Journalismus. Dann folgt einer mit Star-Potenzial: Jens Steiner. Sein Roman-Debüt «Hasenleben» schaffte es gleich auf die Longlist des deutschen Buchpreises (unter die besten zwanzig), dieses Jahr auch sein zweiter Roman «Carambole». Beim Schweizer Buchpreis, der höchsten Auszeichnung für aktuelle Schweizer Literatur, ist er bereits unter den letzten fünf. Jens Steiner liest aus seinen Romanen, bringt seine junge, eigene Sprache zum Klingen. Seine Verlegerin und gewissermassen Entdeckerin Sabine Dörlemann ist auch da, im anschliessenden Gespräch erzählen die beiden von ihrer Zusammenarbeit. Man spürt, wie sorgsam sie mit dem Text und miteinander umgehen. Wenige Wochen später erhält Jens Steiner tatsächlich den Schweizer Buchpreis. Dazu bekommt Alice Munro, auch sie im Programm von Sabine Dörlemann, den Nobelpreis. Ein Hauch von Literatur-Nobelpreis also am Tag der offenen Tür. Kreativ-Werkstatt. In der Halle vor der Bibliothek blitzt es, es wird geredet, gerufen, gelacht. Roger Canali 6 EB KURS Nr. 40

7 EVENT hat sein mobiles Fotostudio aufgebaut und porträtiert alle, die kostenlos eine professionelle Aufnahme wollen. Viele wollen, suchen die optimale Pose und Mimik, kichern verlegen oder blicken stolz. Foto-Dozent Canali hat genauso Spass an der Sache wie die Porträtierten: «Es ist lustig, die Leute aus der Reserve zu locken.» In der Ecke gegenüber laufen Filme, die an der EB Zürich entstanden sind, von Teilnehmenden und Dozierenden. Daneben gibt es eine Kurzeinführung zu «Google and the Cloud», zwei Tische weiter tuckert ein 3D-Drucker vor sich hin und formt ein dreidimensionales Logo. Auch das kann man hier lernen: dreidimensional drucken. Nochmals einige Meter entfernt herrscht wieder reger Betrieb. Im Lernfoyer, dem Selbstlernbereich, gibt es Kostproben quer durch die Themen: Lernen mit ipad, ein E-Portfolio erstellen, selbstständig Fremdsprachen lernen, Computerpraxis für den Alltag. Hier zeugen auch Prospekte, Faltblätter, Fotoarbeiten von kreativen Ateliers und vielerlei individuellen Projekten. Sahnehäubchen und Bleistiftabsätze. In der Aula, einen Stock höher, läuft den ganzen Nachmittag und Abend «Best of digitale Medien» auf einer grossen Leinwand: Animationsfilme, Videos, Werbespots alles hier entstanden. Unterbrochen werden die Shows durch die offizielle Begrüssung. Rektorin Josefa Haas betont, die EB Zürich müsse vorwegnehmen, was komme, «immer drei Schritte im Voraus». Man arbeite ja in der beruflichen Weiterbildung, im quartären Bildungsbereich und das, so Josefa Haas, «ich sage es gerne, das ist wie das Sahnehäubchen». Im Foyer zeigt eine Ausstellung Interessantes und Amüsantes aus 140 Jahren Gewerbeschulen in Zürich. Die Direktion 1933 zum Thema Appell: «Vielleicht benutzt er (der Lehrer) die Gelegenheit, um in der Klasse das Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken, indem er auf die Pflichten hinweist, die aus diesem Verbundensein resultieren: Fleiss, Pünktlichkeit, Ruhe und Ordnung.» Und die Vorsteherin der Abteilung Frauenberufe 1970: «Das Betreten der Schulzimmer mit Bleistiftabsätzen ist nicht gestattet. Fehlbare haben Fr. 5. für die Schadendeckung zu bezahlen.» Singsang und Stille. Im ersten Stock sitzt eine kleine Gruppe im Halbkreis und versucht sich in chinesischem Alltagsphrasen: Guten Tag Auf Wiedersehen Ich trinke einen Kaffee Vielen Dank. Alles mit viel Hingabe und noch mehr asiatischem Singsang. Kursleiterin Sylvie Xing Chen lobt jeden einzelnen Beitrag und verabschiedet die Gruppe mit einer Extraportion Motivation: «Herzlichen Dank für diese unglaubliche Leistung.» Wieder eine Etage höher entspannen sich einige Leute auf Liegematten und lassen sich in Yoga und Pilates einführen. Später übt eine andere Gruppe, sich mit Achtsamkeit zu entspannen und Kraft zu tanken. Der Beobachter ist hier fehl am Platz. Er steigt wieder ganz nach unten zu den Foto-Blitzlichtern und den grossen Plakaten uns verlässt das Haus der offenen Türen. Winter 2013/2014 7

8 SOUVERÄNITÄT Durchstarten in den Aufschwung Resilienz, Soft-Skills, Uniquability, Selbstmarketing. 10 Jahre EB Zürich, das heisst auch 10 Jahre Krise(n) und Umwälzungen in der Wirtschaft. Wie soll man sich als arbeitendes Individuum auf die neue Arbeitswelt einstellen? EB Kurs lieferte Denkanstösse für mögliche eigene Antworten und immer noch aktuelle Rezepte für mehr Souveränität im Berufsalltag. Ein Blick zurück und voraus: auf das, was wir alles können wollen sollen. Text CHRISTIAN KAISER Humor ist, wenn man trotz Krise lacht. Es war im Jahr 2009 als die Marke «krisipedia» europaweit angemeldet wurde; das nicht ganz ernst gemeinte «Lexikon der Wirtschaftskrise» versprach «Wissenswertes für angehende Krislinge»: «Praktische Krisenkniffe», «neue Berufsbilder der Wirtschaftskrise» und «viele wertvolle Strategien zur persönlichen Krisenbewältigung.» Für Letzteres wurden auf unter anderem vorgeschlagen: «Aussitzen», «Totstellen», «Aktenvernichten», «der Gang zum Pfandleiher» oder die «Krisencircumvention». Der Sinn des Ganzen: Krisipedia wollte helfen, die «Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen humorvoll zu meistern». Krisipedia ist wieder aus dem Netz verschwunden, aber die Krise hat sich als hartnäckiger und dauernder entpuppt als ihre Vorgängerinnen. Seit 2009 ist vielen das Lachen vergangen, denn die Krise zog immer weitere Kreise: Finanzkrise, Bankenkrise, Eurokrise, Griechenland, Portugal, Spanien am Abgrund. Auch wenn die Schweiz in einem Meer mit emporschnellenden Arbeitslosenquoten und grassierender Langzeitarbeitslosigkeit noch ein vergleichsweise sicherer Hafen blieb weltweiter Stellenabbau, Outplacements und Reallohnsenkungen machten auch an der Grenze zur Schweiz keinen Halt. Optimismus und Stehauffähigkeit. Ängste, Ohnmacht, das Gefühl des Ausgeliefertseins ergriff viele Menschen. Und diesmal waren selbst die gut ausgebildeten Spezialisten nicht vor dem Stempeln und dem sozialen Abstieg gefeit; es konnte schlicht jede und jeden treffen. Gabi Herzog, Sozialberaterin bei Georg Fischer, konstatierte eine allgemeine Verunsicherung: «Man versteht nicht, was passiert, und es gibt kaum Möglichkeiten auszuweichen; die Krise ist branchenübergreifend, schweizweit und global.» (EB Kurs Nr. 23) Die Appelle, sich nichtsdestotrotz eine opti- 8 EB KURS Nr. 40

9 SOUVERÄNITÄT mistische Einstellung zu bewahren und die humoristische Sicht aufs Leben nicht zu verlieren, mochten in den Ohren der direkt Betroffenen wie Zynismus klingen. Was in Zeiten solch fundamentaler Umwälzungen vor allem gefragt ist, ist die «Stehaufmännchenfähigkeit» Resilienz. Sie ist die «Krisenkompetenz» schlechthin: Die Fähigkeit, nach niederschmetternden Tiefschlägen wieder aufzustehen und weiterzuschreiten. Und wer mit Humor und Optimismus gesegnet ist, gilt als resilienter. Für den Basler Psychologen Bruno Stocker, der Resilienz-Seminare für Führungskräfte erteilt, ist eine optimistische Lebenseinstellung der wichtigste Treiber für Resilienz. Optimismus hat für ihn aber nichts mit der rosaroten Brille zu tun: «Optimisten anerkennen die Realität und akzeptieren die unabänderliche Situation.» Mut zu Veränderung und Humor. Erst das gibt einem die Möglichkeit, den Wechselfällen des Lebens zu trotzen: «Resiliente Individuen biegen sich und entwickeln angesichts von Krisen und Widrigkeiten Wachstums- und Überlebenskräfte», schreibt Stocker. In seinen Führungsseminaren fördert er vor allem die Fähigkeit zur Transformation: aus widrigen Umständen zu lernen, an Krisen zu wachsen und sich zu verändern. Wichtig dabei ist es, das Gefühl der Selbstwirksamkeit (wieder) zu gewinnen: «Ich kann etwas bewirken und beeinflussen.» So kann man aus Ohnmacht und Opferrolle herauskommen und die Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebens wieder in die Hand nehmen. Humor kann dabei helfen: «Wenn wir etwas zum Lachen finden, ist es kleiner, schwächer und bedeutungsloser als wir selbst und genau das ist die Basis, auf der Humor zu einer resilienten Eigenschaft wird.» Das schreibt jedenfalls die deutsche Psychotherapeutin Katja Doubek in ihrem Buch «Was uns nicht umbringt, macht uns stark.» Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft. Auch wenn sich die Zeichen langsam verdichten, dass die Weltwirtschaft sich allmählich erholt, bleibt Resilienz eine der Kernkompetenzen in einer Arbeitswelt, die sich immer rascher wandelt: Sich von widrigen Umständen nicht Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 23 Herbst 2009 Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 35 Herbst 2012 Krise: Trauma oder Chance? Stefan Fröhlich: Schneller Veloblitz. Karriereschlüssel Schreiben eröffnet neue Denkund Lernräume ID Schweiz 16 Seiten über Swissness und Identität Delia Mayer Kommissarin, Musikerin; Baggerfahrerin und Kioskfrau? Winter 2013/2014 9

10 SOUVERÄNITÄT aus der Bahn werfen zu lassen und sich anpassen zu können, wird auch künftig gefragt sein. In den USA ist Resilienz seit längerem ein wichtiges Thema, und Führungskräfte und Angestellte werden auch gezielt darin geschult. Die American Psychological Association (APA) ist davon überzeugt, dass man alle zur Resilienz beitragenden Eigenschaften auch lernen kann: eine positive Selbsteinschätzung und Vertrauen in die eigenen Kräfte und Möglichkeiten die Fähigkeit realistische Pläne zu machen und Schritte zu ihrer Verwirklichung zu unternehmen Kommunikations- und Problemlösungskompetenz die Fähigkeit starke Gefühle und Impulse zu managen Fachkenntnisse und «Soft Skills». Auch an der EB Zürich lassen sich diese Kompetenzen gezielt schulen (siehe Kasten S. 13) Im Resilienz- Training an der EB Zürich forschen die Teilnehmenden beispielsweise nach stärkenden Ressourcen und Schutzmechanismen, die sie ins Arbeitsleben einbringen können: «Schatzsuche statt Fehlerfahndung» lautet die Devise. Wichtig dafür ist auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie; entsprechende biografische Schreibtechniken können diesen Prozess gezielt unterstützen. Das Schreibenkönnen in all seinen Facetten entpuppt sich sowieso je länger je mehr als eine der Schlüsselressourcen für Erfolg und Karriere (EB Kurs Nr. 35); Noch nie wurde im Job so viel geschrieben und schreibend nachgedacht wie heute. Dass Fachkenntnisse und Fremdsprachen (EB Kurs Nr. 21 / 39) allein aber längst nicht mehr ausreichen, damit man auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist, bestätigten die beiden damals beliebtesten Schweizer Arbeitgeber Google und ABB in einer Titelgeschichte vom Sommer 2008 (EB Kurs 18): Sie setzen immer mehr auch auf soziale Kompetenzen. Eine wissenschaftliche Auswertung von Stelleninseraten hatte gar ergeben, dass die Anforderungen an die «Soft Skills» zwischen 1990 und 2007 um 180 Prozent gestiegen sind. Selbstmotivation und Selbstorganisation. «Soft Skills werden heute massiv häufiger verlangt», sagte Alexander Salvisberg, Co-Autor der Studie des Soziologischen Instituts der Uni Zürich im Interview. «Und zwar nicht nur moderne Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 21 Frühling 2009 Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 39 Herbst 2013 Fremdsprachen: Neue Lernformen. Mona Vetsch: Immer auf Empfang. Fremdsprachen Vielsprachig zuhause erfolgreich in der Welt? Jagdfieber Eine journalistische Pirsch auf 16 Seiten. Antonio Colaianni Spitzenkoch auf der Suche nach Einfachheit. 10 EB KURS Nr. 40

11 SOUVERÄNITÄT Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 18 Sommer 2008 Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 16 Winter 2007/08 Soft Skills: Was Google & Co. verlangen. Prisca Steinegger: Teamchefin mit viel Zug aufs Tor. Standortbestimmung: Wie kompetent sind Sie? Ziehen Sie Bilanz Vera Kaa: Vom Männerblues zum Frauenblues wie Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und Kreativität, sondern auch klassische wie Belastbarkeit, Fleiss und Verantwortungsbewusstsein.» Salvisberg betonte vor allem die gestiegenen Ansprüche an die Anpassungsfähigkeit: Tugenden wie Stressresistenz, Teamfähigkeit, Selbstmotivation (EB Kurs Nr. 38) und Selbstorganisation, Engagement und Dynamik stünden heute ganz oben auf der Wunschliste der Arbeitgeber. Schatzsuche statt Fehlerfahndung. Schon erstaunlich, was wir heute alles können sollen und so wie es aussieht, wird es in nächster Zeit nicht weniger werden. Vielleicht kein schlechter Zeitpunkt, um sich nicht nur mit dem Soll, sondern auch einmal mit der Habenseite des eigenen Könnens zu befassen. Einmal Bilanz zu ziehen, was man eigentlich so alles draufhat; mit einer Standortbestimmung (EB Kurs Nr. 16). «Die Menschen konzentrieren sich viel zu sehr auf ihre Defizite», sagte die Schriftstellerin Michèle Minelli, 2008 noch Leiterin des Zentrums für Kompetenzenbilanz. Minelli: «Ständig fragen wir uns: Was kann ich nicht?, statt uns zu vergewissern, was vorhanden ist.» Was man alles kann, lässt sich in einem ersten Schritt zum Beispiel anhand folgender acht Fragen zusammentragen: 1. Was gelingt mir immer wieder? 2. Wofür werde ich häufig gelobt? 3. Welche Arbeiten liegen mir am meisten? 3. Auf welchen Fachgebieten fühle ich mich besonders kompetent? 4. In welchen Situationen habe ich das bewiesen? 5. Meine Bekannten sagen, ich hätte (Organisationstalent, Humor, Ausdauer ) 6. Wo habe ich Schlüsselkompetenzen wie Konfliktfähigkeit, Kommunikationstalent oder Führungsqualitäten unter Beweis gestellt? 7. In welchen Schulfächern war ich besonders gut? 8. Womit beschäftige ich mich gern in der Freizeit? Winter 2013/

12 SOUVERÄNITÄT Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 34 Sommer 2012 Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 17 Frühling 2008 Selbstmarketing Im Spagat zwischen auffallen und authentisch sein Sprache im Wandel Herausforderung Schreiben im Berufsalltag Gottfried Honegger «Kunst ist hochpolitisch» Creative Work: So arbeiten wir in zehn Jahren. Bastien Girod: Jung und gelockt im Nationalrat. Erfahrung und Engagement. Als Quelle für den Blick auf die Aktivseite der Biografie dienen Lebenslauf, Tätigkeiten, Stellenprofile. Aber auch in der Freizeit, in der Familie und oder bei nebenberuflichen Engagements haben wir die Möglichkeit, wichtige Erfahrungen zu sammeln. «Auch dieses Erfahrungswissen gehört zu unserer persönlichen Bilanz», betonte Laufbahnberaterin Elisabeth Bertschi. Der Tipp dazu aus EB Kurs Nr. 34 lautete: «Nennen Sie spontan zehn Eigenschaften, in denen Sie richtig gut sind; auch Hobbys, Talente, besondere fachliche Kenntnisse oder bestimmte charakterliche Eigenschaften können von nicht zu unterschätzendem Wert sein für eine Anstellung.» Einzigartigkeit! Sich sein Können bewusst zu machen, stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, man kann so seiner Einzigartigkeit auf die Spur kommen. Das birgt eine grosse Chance: Ob in Bewerbungen, im Vorstellungsgespräch, in Lohnverhandlungen oder einer Laufbahnberatung selbstbewusst vertreten und kommunizieren kann man nur, was man auch kennt. Geht es nach den Trendforschern, so liegt in der persönlichen Einzigartigkeit heute überhaupt der Schlüssel für Erfolg in der neuen Arbeitswelt (EB Kurs Nr. 17). Um in der Wirtschaft von heute und morgen bestehen zu können, muss man seinen ureigenen Mix an Stärken und Talenten kennen und seine Berufslaufbahn danach ausrichten. Denn: In einer Zeit, in der Unternehmen das «Hire and Fire» (Anstellen und Rausschmeissen) praktizieren und niemand verlässlich weiss, welche Fachkompetenzen in ein paar Jahren auf dem Markt gefragt sein werden, wird die «Uniquability» zur einzig wirklich verlässlichen Richtschnur. «Wenn ich keine Garantien mehr habe, kann ich gleich machen, was ich will», bringt es die Trendforscherin und Unternehmensberaterin Imke Kei- cher auf den Punkt. Schliesslich könne heute niemand mehr darauf setzen, dass er oder sie den «richtigen» Beruf wählt, mit dem sich ein ganzes Arbeitsleben absichern lässt. Innensicht und Kreativität. Für Keicher tritt die Uniquability deshalb unweigerlich an die Stelle der Employability (Arbeitsmarktfähigkeit) als Erfolgsfaktor. Die Employability schielt nur auf die im Markt gefragten Fähigkeiten, Methoden und Tools. Die Uniquability ist hingegen eine Orientierung von innen heraus: «Wer bin ich?», «Was gibt mir Energie?», «Mit wem will ich arbeiten?» lauten die entscheidenden Fragen. Und in der Arbeitswelt von morgen, so Keicher, brauche es einzigartige, nicht austauschbare Fähigkeiten. Dazu gehört vor allem auch Kreativität. Keicher: «Alle Menschen haben kreatives Potenzial, nur nutzen sie es häufig kaum am Arbeitsplatz.» Für Keicher ist das Business der 12 EB KURS Nr. 40

13 SOUVERÄNITÄT SOUVERÄNER WERDEN MIT DER EB ZÜRICH: KURSE ZUM THEMA 1. Resilienz und Soft Skills Resilienz-Training Erkennen Sie Ihre Risiko- und Schutzfaktoren und planen Sie Ihren Umgang mit Anforderungen entsprechend. Ist meine Realität «die Realität»? Erkennen, was einen ängstlich werden lässt und wie daraus Konflikte entstehen. Inneres Team: Sich selber coachen Sich selber effizient und liebevoll coachen lernen. Mentaltraining in Beruf und Alltag Erfolgsorientiert mentale Strategien anwenden. Respekt am Arbeitsplatz Respekt einfordern und einen respektvollen Umgang pflegen. 2. Standortbestimmung, Laufbahn- und Weiterbildungsberatung Professionelle Laufbahnplanung in 5 Schritten Ausgehend von einer Standortbestimmung die weitere Laufbahn planen. Berufliche Lebensziele bestimmen und planen Sinnvolle Ziele für die eigene Lebenszufriedenheit setzen. Bildungsgang «Perspektiven in der Familienphase» Eine Perspektive für die persönliche und berufliche Zukunft entwickeln. Schreiben zur Selbsterkenntnis Biografische Schreibtechniken für sich nutzen. Weiterbildungsberatung In einem Beratungsgespräch Szenarien für die berufliche Laufbahn entwickeln und Umsetzungsschritte planen. 3. Selbstmarketing und Kommunikation Assessment Kommunikation Sein eigenes kommunikatives Potenzial erkennen. Redetraining Kompetent auftreten bei Reden und Präsentationen. Gespräche führen verstehen und verstanden werden Sich in einer mündlichen Kommunikation wirkungsvoll einbringen. Einführung in die Körpersprache Körpersprache gezielt einsetzen. Eine Sache auf den Punkt bringen Kommunikationsblockaden erkennen und auflösen. Der erste Eindruck entscheidet der letzte bleibt Sich korrekt und selbstsicher an gesellschaftlichen Anlässen bewegen. Mit E-Portfolio potenzielle Arbeitgeber überzeugen Mithilfe von E-Portfolios berufsrelevante Kompetenzen darstellen und überzeugend kommunizieren. Einzelberatungen zu Bewerbungsdossiers und E-Portfolios Die eigenen Kompetenzen zeitgemäss, korrekt und überzeugend kommunizieren. Weitere Kurse und Infos auf Zukunft darum eines des «Creative Work», und wir stecken schon mitten drin. Viele Routinearbeiten können auch Computer oder Arbeitskräfte in Billiglohnländern schneller und günstiger erledigen; die «Jedermann-Jobs», die jeder erledigen kann, sterben auch hierzulande allmählich aus. Exzellenz und Intelligenz. Was es heute braucht, ist «Exzellenz» auf irgendeinem Gebiet, «wahre professionelle Meisterschaft», wie Gunter Dueck es nennt. Der ehemalige Chief Technology Officer von IBM fordert von uns allen mehr «Professionelle Intelligenz» (EB Kurs 32). Professionelle Intelligenz ist für Dueck die Summe von sechs Teil-Intelligenzen, die künftig gefragt sein werden: der IQ (Intelligenz des Verstandes) ist dabei nicht wichtiger als der EQ (emotionale Intelligenz), der CQ (Intelligenz der Kreativität), der AQ (Intelligenz der Anziehung oder Sinnlichkeit), der VQ (vitale Intelligenz) und der MQ (Sinn für Sinn; Sinnstiftung und Intuition von engl. «meaning»). «Diese sechs Intelligenzen helfen dabei zu erklären, was künftig im Berufsleben gefordert sein wird», sagt Dueck. Sie sind der Massstab, an dem sich unsere Exzellenz im Beruf messen lässt. Duecks Message: «Der Erfolg liegt in dir!» Ob verpackt als «Uniquability» oder «Professionelle Intelligenz» unsere Palette an einzigartigen Fähigkeiten zu entdecken und zu fördern, scheint der erfolgsversprechendste Weg, um im auf uns zukommenden Zeitalter der «Creative Work» zu bestehen. Keicher: «Wer an seinen Stärken und Talenten arbeitet, hat mehr Freude am Arbeiten, und diese Freude ist eine unschätzbare Energiequelle und ein Kreativitätsbooster.» Die zentralen Fragen für den Arbeitsalltag im Jahr 2015 müssten deshalb lauten: Was ist mein besonderes Talent? Aus welcher Arbeit schöpfe ich Energie? Was begeistert mich? Wo liegen meine kreativen Stärken? Marketing für die Marke «Ich». Wer seine Uniquability in seiner Arbeit nutzen und pflegen könne, sei zudem belastbarer und leistungsfähiger und darum auch für Arbeitgeber attraktiver, sagte Keicher im Interview rund um die Arbeitswelt von morgen (EB Kurs Nr. 17). Sie ortete in den Umwälzungen auch grosse Chancen, beispielsweise Winter 2013/

14 SOUVERÄNITÄT Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 32 Winter 2011/2012 Magazin der EB Zürich Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Nr. 29 Frühling 2011 Exzellenz im Beruf Darauf kommt es morgen an! Roger Schneider Vom Asphalt aufs Glatteis Orientierung: Wie finde ich die richtige Weiterbildung? Franz Hohler: Reiseleiter in Gegenwelten durch neue Berufsbilder in den Entwicklungsfeldern Umwelt/Energie, Gesundheit, Bildung, Pflege oder im Management. Als Beispiele nannte sie etwa den «Corporate Teenager», der den Unternehmen hilft, den Dialog mit der jugendlichen Aussenwelt aufrechtzuerhalten und immer neue Impulse ins Unternehmen zu bringen. Oder den «Biografie-Designer», der ausgehend von der eigenen Uniquability bei der Gestaltung einer ganzheitlichen Lebens- und Arbeitsbiografie hilft inklusive Suchmaschinen- Erscheinungsbild. Das hervorragendste Portfolio an einzigartigen Talenten nützt allerdings nichts, wenn niemand davon erfährt. Damit die persönliche Einzigartigkeit auch wahrgenommen wird, bedarf es einer guten Portion an cleverem Selbstmarketing (EB Kurs Nr. 34). Wer nicht auffällt, fällt durch. «Aus der Masse herausragen» und «sich von der Konkurrenz abheben» lauten die gängigen Rezepte der Ratgeberliteratur. Dabei spielt auch der Auftritt der «Marke Ich» eine nicht zu unterschätzende Rolle: Wie schaffe ich einen «Wiedererkennungswert»? Wie sieht der professionelle und überzeugende Mix meiner «Markenpersönlichkeit» aus? Worin mache ich den Unterschied zu anderen Bewerbern aus? Auffallen und doch authentisch bleiben. Oder um im Marketing-Jargon zu bleiben: Was sind die USPs (Unique Selling Propositions einzigartige Verkaufsargumente) des Angebotes «Ich»? Jede und jeder wird in diesem Umfeld notgedrungen zum Marketing-Leiter seiner Ich-AG, seines Lebensunternehmens. Und benötigt auch entsprechendes Marketing-Know-how; Bewerbungstrainings, Kurse für Kommunikation, Rhetorik und Sprechtechnik oder korrekten Auftritt und Körpersprache können hilfreich sein, damit die persönliche Einzigartigkeitsbotschaft auch richtig ankommt ohne, dass man sich dafür verstellen muss; der Spagat zwischen auffallen und authentisch bleiben, ist auch in einer krisenanfälligeren Arbeitswelt mit härterer Konkurrenz zu schaffen. Eine Weiterbildungsberatung kann klären, wo die Lebenszeit und das Ersparte am besten in die eigene Marke investiert ist (EB Kurs 29). Übrigens: Das Krisenlexikon Krisipedia schlug als Krisenrezepte vor: «Dreierlei vom Kris», einfache, sättigende Mahlzeiten wie «Krisbrei oder Krispudding». Im kommenden Aufschwung darfs dann vielleicht ein Boom-Steak mit Konjunktur- Tinktur und als Beilage ein Rally- Risotto (mit Optionen) sein. Alle Titelgeschichten von EB Kurs sind abrufbar unter > Aktuell > EB Kurs Magazin der EB Zürich 14 EB KURS Nr. 40

15 WEITERBILDUNG Winter 2013/

16 PERSÖNLICH Die Gesichter der EB Zürich Zweitens Standbein Kunst, Kultur, Sport. Der Mensch hinter den Wissensvermittlern: Wo holen sich die Kursleitenden an der EB Zürich ihre Inspiration, was sind ihre Tankstellen, was reizt sie am Unterrichten? EB Kurs hat in 10 Jahren 39 Kursleiterinnen und Kursleiter porträtiert anhand einer ungewöhnlichen Passion, eines Hobbys oder Zweitberufs. Eine Auswahl. «Nicht ohne meinen Partner» Alf Hofstetter und Max Frei FUNKTION Künstlerkollektiv ALMA PASSION Kunst im Dialog entwickeln GEBEN KURSE FÜR Web-Design «Cowboys und Fussballer sind mutig, wir sind Angsthasen.» QUELLE EB Kurs 19 «Stress fängt in den Gedanken an» Evi Giannakopoulos FUNKTION Selbstständiger Stresscoach PASSION Entspannungstechniken und Mentaltraining GIBT KURSE FÜR Stress-Management, Achtsamkeit, gesunde Ernährung «Davon hatte ich immer geträumt: Ich wollte mit dem Thema Gesundheit und mit Menschen zu tun haben.» QUELLE EB Kurs 36 «Rässer Käse, süsser Kuchen» Christine Mühlberger FUNKTION Marktfahrerin mit exquisitem Käsestand und Künstlerin PASSION «Chees und Broot», Performances, Fremdsprachen GIBT KURSE FÜR Deutsch für Fremdsprachige «Es ist einfach schön, etwas zu schaffen aus der eigenen Freude und Energie.» QUELLE EB Kurs EB KURS Nr. 40

17 PERSÖNLICH «Der Porträtierer der Welt» Roger Canali FUNKTION Weltgewandter Fotograf PASSION Reisefieber, Reisebilder und humanitäres Engagement GIBT KURSE FÜR Digitale Fotografie «Ich möchte meine Leidenschaft für das Fotografieren weitergeben.» QUELLE EB Kurs 32 «Bilderjägerfotosammlerhausmann» Fritz Franz Vogel FUNKTION Büchermacher, Kunsthistoriker, Fotograf, Ausstellungsmacher PASSION Handkolorierte Bromsilberpostkarten und erotische Fotografien sammeln GIBT KURSE FÜR Online-Publishing, EBooks, Indesign, Mac-Kurse «Ein bisschen perfekt darfs schon sein.» QUELLE EB Kurs 9 «Die Langsamerzählerin» Jacqueline Zünd PASSION Freischaffende Filmemacherin, filmische Experimente zwischen Dokumentar- und Spielfilm GIBT KURSE FÜR Video: Imagefilm für Unternehmen «Die Einladung nach Cannes kam völlig überraschend, das bestärkt einen ungemein.» QUELLE EB Kurs 31 «Die Blütenzüchterin» Hanna Züllig FUNKTION Web-Entwicklerin und virtuelle Architektin PASSION Gestaltung mit Herz, Strukturen in der Natur GIBT KURSE FÜR Generative Gestaltung mit Processing «Das ist das Spannende am Programmieren: Man muss das zugrunde liegende Muster erkennen.» QUELLE EB Kurs 33 «Cobra, Salsa und spanische Konversation» Enrique Laitano FUNKTION Tramführer VBZ und Literaturwissenschafter PASSION Latin-Dance: Salsa, Merengue & Co. GIBT KURSE FÜR Spanisch und Sprachencafé Spanisch «Jeder Tag ist wieder anders; es wird einem in der Fahrerkabine nie langweilig.» QUELLE EB Kurs 22 Winter 2013/

18 PERSÖNLICH «Theater zwischen Zürich und Burkina Faso» Roger Nydegger FUNKTION Theatermacher und Kommunikationstrainer PASSION Tanztheater, Schauspielerei und Regie, Theateraufführungen für Kinder in Afrika GIBT KURSE FÜR Einführung in die Körpersprache, schlagfertig und spontan reagieren «Theaterspielen könnte ein universelles Heilmittel sein, wenn es uns gelingt, dem Spieltrieb in uns wieder Leben einzuhauchen.» QUELLE EB Kurs 11 «Dr. Rolling Stone» Felix Aeppli FUNKTION Historiker, Autor und Filmkritiker PASSION Sammler und Diskograf der Rolling Stones GIBT KURSE FÜR Allgemeinbildung, Themen und Motive des Schweizer Films «Die Medienbeachtung der Stones verhält sich umgekehrt proportional zu ihrer musikalischen Qualität.» QUELLE EB Kurs 26 «Tänzerin zwischen den Welten» Sylvie Xing Chen FUNKTION Künstlerin PASSION Kalligraphie, Tanz (Körperkalligraphie), Taoismus und Zen GIBT KURSE FÜR Chinesisch «Viele Konflikte entstehen aus einem Missverständnis der kulturellen Unterschiede heraus. Kunst überwindet Grenzen.» QUELLE EB Kurs 28 «Ich bin ein Potpourri» Marinella Papastergios Pedevilla FUNKTION Leiterin des Bereichs Deutsch als Zweitsprache PASSION Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen über die Sprache zusammenbringen GIBT KURSE FÜR Deutschkurse; Wortschatz und Konversation «Heimat ist weniger ein Ort als die Menschen, mit denen ich mich wohl fühle. Oder die Sprache.» QUELLE EB Kurs 38 «Die fragende Reiseleiterin» Anna-Lydia Florin FUNKTION Dokumentarfilmerin und Forscherin PASSION Der Einbau von Interviews in bewegte Bildwelten GIBT KURSE FÜR Drehbuchschreiben, Essayfilm, Video «Ich erachte es als grosses Privileg, den Leuten ein Loch in den Bauch fragen zu dürfen.» QUELLE EB Kurs EB KURS Nr. 40

19 PERSÖNLICH «Schräger Vogel mit Platten am Kinderwagen» Eva Bühler FUNKTION Sportlerin und Bibliothekarin PASSION Alle Formen der Bewegung, Hauptsache Sport GIBT KURSE FÜR Pilates und Lernberatung «Ich weiss nicht, ob der Sport der Ausgleich ist zum Beruf oder umgekehrt.» QUELLE EB Kurs 30 «Organisationsberater statt Buschpilot» Hans Peter Gächter FUNKTION Organisationsberater und Friedensrichter PASSION Gleitschirmfliegen, Töfffahren, Pilze sammeln GIBT KURSE FÜR Bildungsgang Management in Non- Profit-Organisationen «Nach dem Gymnasium wollte ich eigentlich Buschpilot werden fast hätte ich es geschafft.» QUELLE EB Kurs 18 «Lust am Verborgenen» Elena Schaidl FUNKTION Logopädin und Malerin PASSION Gegenstände und Eindrücke sammeln und in Schichten auf die Leinwand bringen GIBT KURSE FÜR Rechtschreibung, Lesen und Schreiben für Erwachsene «Vielleicht male ich, weil ich manche Sachen nicht begreife. Über die Bilder kann ich mich ihnen annähern.» QUELLE EB Kurs 27 «Auf Spurensuche» Gitta Gsell FUNKTION Preisgekrönte Spiel- und Dokumentarfilmerin PASSION Das Zusammenspiel von Mensch und Musik filmisch beschreiben GIBT KURSE FÜR Video und Dokumentarfilm: Kamera, Schnitt, Filmsprache «Im Dokumentarfilm muss ich mit dem Material arbeiten, das sich ergibt; die Dramaturgie entsteht erst am Schnittplatz, während sie im Spielfilm bereits im Drehbuch festgelegt ist.» QUELLE EB Kurs 25 «Auch Gummi-Hirschkäfer leben» Deny Fousek FUNKTION Grafiker und 3D-Animateur PASSION Ferngesteuerte Flugzeuge und Kurz filme basteln GIBT KURSE FÜR Bildungsgang 3D-Visualisierung und -Animation «3D-Animation fasziniert mich total; es gibt ständig was Neues zu entdecken, alles entwickelt sich ununterbrochen weiter.» QUELLE EB Kurs 29 Winter 2013/

20 SFE-TAGUNG Die Zukunft vereinfachen mit Limbi Glücksfaktor Lebensvereinfachung. Der deutsche Bestsellerautor und Karikaturist Werner Tiki Küstenmacher liefert Tipps für die richtige «Limbi»- Haltung. Das Schweizerische Forum für Erwachsenenbildung SFE hatte ihn an die EB Zürich eingeladen, um über «Zukunftsfähigkeit» zu sprechen. Seine heitere Präsentation rund um mehr Einfachheit hatte durchaus Tiefgang. Text CHRISTIAN KAISER Foto RETO SCHLATTER Fürs Schlussbouquet der diesjährigen Tagung des SFE trat ein ausgewiesener Experte in Sachen Einfachheit ans Rednerpult und nahm den Stift in die Hand: Werner Tiki Küstenmacher, Karikaturist, Buchautor und evangelischer Pfarrer aus Deutschland. Seine Bücher heissen «Simplify your Life», «Simplify your Love», «Best of Simplify» usw. Über sechs Millionen Bücher soll er verkauft haben, allein von «Simplify your Life» gingen laut Wikipedia weltweit über vier Millionen Exemplare über den Ladentisch. Mehr als 40 Auslandsausgaben gibts von dem Buch sein Leben zu vereinfachen scheint ein universelles Bedürfnis zu sein, das der Pfarrer aus Bayern genialisch bedient. Besonders auch dann, wenn er live vor Publikum zeichnet: Seine Vorträge sind eine Mischung aus Karikaturperfomance, Kabarett und beherzten Predigten für ein besseres Leben wurde er für seine unkonventionelle Präsentationstechnik von der «German Speakers Association» in die «Hall of Fame» aufgenommen. Das Wuscheltier in uns. Die Botschaft, die er für das Publikum am SFE 2013 parat hatte, lautete schlicht «Simplify your Future». Sein Einstiegsbild: Eine «Bimmelbahn» (nach James Krüss), die gerade munter aus den Schienen hüpft, garniert mit dem Slogan: «Überlege, was dich aufblühen lässt. Dem gehe nach.» Küstenmacher benennt auch gleich die schwierigen Felder, auf welchen wir uns bewegen, etwa die «Belastung im Berufsleben» oder das «komplizierter werdende Verhältnis zwischen Mann und Frau». Und kommt auf das eigentliche Ziel zu sprechen, das aus dem Blick geraten kann: in Zukunft einfacher und glücklicher zu leben. Wobei er hier den Komparativ betont; absolut einfach und glücklich gehe nicht, doch etwas mehr von beidem sehr wohl. Der Comic-Star, der uns den Weg dorthin weist, heisst «Limbi». Küstenmacher lässt ihn in wenigen Strichen auf dem Papier entstehen. «Limbi» ist kein Limburger Käse, sondern sieht aus wie eine Mischung aus Schosshündchen und Schaf und steht für das limbische System, eine Gehirnregion rund um unser Stammhirn. «Es ist entstanden, als wir alle noch kleine Säugetiere waren daher stelle ich es mir klein und wuschelig vor.» Limbi ist unglaublich schnell, er sieht schwarz-weiss und reagiert völlig emotional. Küstenmacher: «Limbi ist ein Hedonist, er will geniessen oder Schmerzen vermeiden.» Regierungssprecher und Opposition. Limbi kommuniziert mit uns über unseren Körper: Wenn ihm etwas gefällt, fühlen wir uns wohl. Passt ihm etwas nicht, geraten wir in Panik oder spüren Schmerz, Unlust, Müdigkeit usw. Oft tritt Limbi in Opposition zu unserem Grosshirn (Neokortex), das uns ermöglicht, sehr differenziert zu analysieren, abzuwägen und zu entscheiden. «Das Grosshirn funktioniert wie ein Regierungssprecher», sagt Küstenmacher, «egal wie er eine Entscheidung findet, er muss sie nach 20 EB KURS Nr. 40

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