Dazugehören Magazin Nr. 3/2009. Wo bleibt die Menschenrechtskonvention?

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1 Wo bleibt die Menschenrechtskonvention?

2 Inhaltsverzeichnis 3 Editorial Von Daniela Mencarelli 4 Wo bleibt die Menschenrechtskonvention? Henri Guisan lässt grüssen Von Andi Vogt 5 Recht zu bleiben Recht zu arbeiten Interview mit Bea Schwager, Sans-Papiers Anlaufstelle Zürich Von Andi Vogt 9 Ungerechte Lohnunterschiede Von Petra Mauro 12 Beratungsstelle für ImmigrantInnen auf Spanisch Von Marta Gonnet 13 Bienvenidos al Aeropuerto Simon Bolivar Von Patricia Ehrler 15 Informationen zum Thema Scheidung für Migrantinnen (und auch für Migranten) Von Katharina Boesefeldt Hess 19 Leche tibia von Carmen Gremli Moreno Von Marta Gonnet Übersetzungen Deutsch: Petra Mauro, Schindler Marie-Christine, Andreas Wölfle Englisch: Marta Gonnet Französisch: Katharina Boesefeldt Hess, Catherine Monney, O'Kane Françoise Italienisch: Petra Mauro, Daniela Mencarelli Spanisch: Marta Gonnet, Janina Fuentes 2

3 Editorial Von Daniela Mencarelli Stellen sie sich vor, in der Schweiz herrsche Bürgerkrieg. Bewaffnete Gruppen üben ihre Macht mit Gewalt und Grausamkeit aus. Ihre Kinder, Eltern, Freunde oder Nachbarn sterben vor ihren Augen. Auf der Strasse per Zufall von einer Kugel getroffen oder im Gefängnis. Stellen sie sich vor, es gäbe in der Schweiz eine Hungersnot. Ihre Kinder erkranken, weil sauberes Trinkwasser fehlt. Ihr Zuhause wäre lediglich eine Blechhütte. Würden sie selber nicht fliehen und Hoffnung auf ein besseres Leben haben wollen? Der Mensch kann nicht ohne Hoffnung unter den Schwierigkeiten leben, die das Leben bereitet. Die Gesichter der geschätzten 300'000 Sans-Papiers, die in der Schweiz leben, erzählen die eine oder die andere Geschichte. Sie haben wegen politischer oder religiöser Verfolgung, wegen Krieg oder Armut ihr Heimatland verlassen und sind auf der Suche nach einem besseren Leben in die Schweiz gekommen. Ihre Hoffnung wird ihnen ausgetrieben, denn die Sans-Papiers leben in der Schweiz unter unmenschlichen Umständen, die kaum jemand von uns aushalten würde. Könnten sie sich vorstellen, jede Woche den Wohnort zu wechseln, von 10 Franken Migros-Gutscheinen zu leben und sich nicht einmal eine (legale) Tramfahrt leisten zu können? Die Schweiz mit ihrer langen humanitären Tradition verweigert ihnen nicht nur die Hilfe, sondern verunmöglicht, dass Sans-Papiers sich selber helfen: Sie dürfen nicht legal arbeiten und sich integrieren. Unter den eingeschränkten persönlichen Freiräumen können sie kaum eine Familie gründen oder Beziehungen pflegen. Dazu kommt noch das Gefängnis: Im Kanton Zürich sind über 50% aller Untersuchungshäftlinge MigrantInnen und abgewiesene Asylsuchende ohne geregelten Aufenthalt. Die meisten sitzen ausschliesslich wegen ihrem Verstoss gegen das Ausländergesetz ( illegaler Aufenthalt ) in Untersuchungshaft 1. Die Schweiz gehört zurzeit zu den europäischen Ländern, welche die schärfsten Asyl- und Migrationgesetze haben. Nach dem neuen Asylgesetz müssen abgewiesene Asylsuchende ihre Wohnungen verlassen und von Nothilfe leben. In Deutschland und Holland wird ein Bleiberecht umgesetzt. Spanien, Italien und Frankreich haben mehrmals Hunderttausende von MigrantInnen legalisiert. Vor dem 19. Dezember 2008, als 150 Sans-Papiers die Predigerkirche in Zürich aus Protest besetzten 2, war in der Schweiz das Bleiberecht kein Thema. Mit dieser Nummer des Dazugehören-Magazins wollen wir einen kleinen Beitrag zur Diskussion leisten und unsere Solidarität zeigen. Auf Seite 4 finden Sie einen Artikel von Andi Vogt über die Schweizer Flüchtlingspolitik und auf Seite 5 ein Interview mit Bea Schwager von der Sans-Papiers Anlaufstelle in Zürich. 1 Siehe das Interview mit Bea Schwager auf Seite 5. 2 Für weitere Informationen siehe Wir bedanken uns beim Bleiberecht-Kollektiv Zürich für die Erlaubnis, die Fotos ihrer Homepage in dieser Nummer zu benützen. 3

4 Wo bleibt die Menschenrechtskonvention? Henri Guisan lässt grüssen Von Andi Vogt Das nachstehende Interview mit Bea Schwager von der Anlaufstelle Zürich der Sans-Papiers gibt Etliches zu denken. Eigentlich sind wir im 21. Jahrhundert doch das Verhalten von Behörden, Politikern und der Armee führt uns zurück in längst vergangene Zeiten! So ist der Film Das Boot ist voll von Markus Imhof (1981) wieder hoch aktuell. Im Krieg schickten die Schweizer Behörden und Politiker rund 30'000 Juden in den sicheren Tod. Meines Wissens gab es zu dieser beschämenden Tragödie nie eine offizielle Entschuldigung. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen Flüchtlingen, die ein Asylverfahren durchlaufen haben und als Flüchtlinge staatlich anerkannt sind und Flüchtlingen, an deren Fluchtgründe nicht geglaubt wird oder welche der restriktiven Anerkennungspraxis nicht genügen. Nachfolgender Artikel handelt von den Letzteren. Wohl gerade deshalb meinen Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf, die SVP unter verdeckter Führung von alt Bundesrat Christoph Blocher sowie die FDP und grosse Teile der CVP (z.b. Regierungsrat Hans Holenstein) populistisch in Sachen Flüchtlinge - und es sind Flüchtlinge, nicht Asylanten wie das die Rechten und ganz Rechten bezeichnen, es müsse zum Wohle und Schutz der Schweiz hart durchgegriffen werden. Die gleichen Politiker, die ein Einkommen zwischen CHF 200'000 und unendlich haben und für das Militär ohne zusätzliche Rüstungsprogramme jährlich um die rund CHF 4 Mrd. budgetieren, setzen hilflose, mittellose, desillusionierte Menschen, die eh schon voller Angst sind, massiv unter Druck, so zum Beispiel erhalten sie nur noch Nothilfe (eine Erfindung der SVP) und das nicht in bar, sondern in Migrosgutscheinen (wieso nicht Coop, Denner oder Aldi?). Eine weitere Schikane ist die Kriminalisierung dieser Flüchtlinge. Gemäss neuem, von Blocher und Konsorten ausgebrüteten Ausländergesetz ist illegaler Aufenthalt in der Schweiz strafbar beim ersten Mal bringt das 2-3 Monate Gefängnis bedingt. Im Kanton Zürich sind 50% aller Flüchtlinge in Untersuchungshaft MigrantInnen und abgewiesene Asylsuchende ohne geregelten Aufenthalt. Auch die so genannte 7-Tage-Regelung ist menschenunwürdig und dient ganz einfach der Abschreckung. Diese Regelung verlangt von hilflosen Flüchtlingen, dass sie jede Woche den Aufenthaltsort wechseln. Der eigentliche Wahnsinn ist, dass die Schweizer Politiker und Behörden wissentlich zum immer grösser werdenden internationalen Flüchtlingsstrom von Süd nach Nord beitragen. Sie beliefern nämlich unter anderem (Angaben 2007) Pakistan und Indien (trotz seit Jahrzehnten schwelendem Kaschmirkonflikt), Ägypten, Libanon und Jordanien (trotz Nahostkonflikt), Russland (!), Bosnien- Herzegowina, Bulgarien und Niger mit Kriegsmaterial (ohne Dual-use Güter das sind z.b. Werkzeugmaschinen, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können). Ganz brisant ist aber, dass gleichzeitig in 5 dieser Länder (Pakistan, Indien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina und Niger) schweizerische Entwicklungshilfe unter der Oberaufsicht von Micheline Calmy-Rey geleistet wird. Das nennt man dann interne Kommunikation und Koordination. Diese Doppelhilfe ist beschämend und dégoûtant. 4

5 Die schweizerische Flüchtlingspolitik hängt unter anderem von Gesinnung, Flexibilität, Überzeugungen, Einsicht und Demut ab. Das Nord-Südgefälle ist zu studieren, zu analysieren und die richtigen Massnahmen, das richtige Verhalten daraus abzuleiten und schliesslich wirksam zum Wohl der internationalen Flüchtlinge und der SchweizerInnen umzusetzen. Zuerst aber muss seitens des Staates die potentielle Fremdenfeindlichkeit z.b. mit Aufklärungskampagnen und Begegnungstreffs bekämpft werden. Am wichtigsten dabei sind die Sprachen, die erst eine direkte Kommunikation, einen direkten internationalen Kontakt zulassen. Dazu könnte der Bund 10% des Militärhaushalts (rund CHF 5.5 Mio.) einsetzen, um Gratiskurse für Flüchtlinge in Deutsch, Französisch oder Italienisch anzubieten. Das würde ihre Integration massiv fördern und ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt sicher erhöhen. Aber die heutigen Regierungen und Behörden (Bund und Kantone ja bis hinab zu den Gemeinden) wollen gerade das nicht: die Assimilation von Fremden. Im Gegenteil, sie sind darauf erpicht, diese Menschen auszugrenzen, zu entmutigen, psychisch und physisch fertig zu machen. Das ist nicht nur verabscheuungswürdig, es schadet auch dem internationalen Ruf der angeblich humanitären Schweiz (SRK!). Recht zu bleiben Recht zu arbeiten Interview mit Bea Schwager, Sans-Papiers Anlaufstelle Zürich Von Andi Vogt Wie viele Sans-Papiers leben schätzungsweise in der Schweiz und insbesondere wo? Laut einer Studie des Forschungsinstituts gfs, welche das Bundesamt für Migration in Auftrag gegeben hatte, leben ca Sans-Papiers in der Schweiz, davon im Kanton Zürich und in der Stadt Zürich und in Genf ca Andere Schätzungen gehen von bis zu Sans-Papiers schweizweit aus. Die meisten von Ihnen sind sogenannte primäre Sans- Papiers, d.h. MigrantInnen, die den Behörden nicht bekannt und behördlich nicht registriert sind. Die sogenannten sekundären Sans-Papiers hingegen, haben in der Vergangenheit über eine Bewilligung verfügt, diese wurde ihnen aber entzogen oder nicht mehr verlängert. Dazu gehören die Sans-Papiers, die ein Asylverfahren durchlaufen haben, und solche, deren Aufenthaltszweck, welcher für eine Bewilligung nötig ist, nicht mehr existiert, weil beispielsweise eine Ehe geschieden worden, oder eine EhepartnerIn verstorben ist. Diese Menschen werden durch die staatliche Politik illegalisiert. Aus welchen Ländern kommt die Mehrheit? Eine grosse Anzahl der Sans-Papiers kommt aus Lateinamerika (in unserer Anlaufstelle bilden Frauen aus Lateinamerika, insbesondere aus Brasilien, gefolgt von Peru, Bolivien, Kolumbien die grösste Gruppe). Eine weitere grosse Gruppe bilden Sans-Papiers aus südeuropäischen Drittstaaten (insbesondere Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Albanien). Aus afrikanischen Ländern wendet sich die grösste Zahl von Sans-Papiers aus Algerien, gefolgt von Nigeria, Côte d Ivoire und Kamerun an unsere Anlaufstelle. Aus asiatischen Ländern stehen an erster Stelle alleinstehende Frauen aus der Mongolei, gefolgt von Männern aus Bangladesh und Pakistan. 5

6 Was sind die häufigsten Fluchtgründe? Die meisten Gründe für die Migration sind Armut und Perspektivenlosigkeit (in einem grossen Masse für alleinerziehende Mütter). Klassische Fluchtgründe wie Verfolgung, Gewalt- und Kriegssituation stehen bei Sans-Papiers, die ein Asylverfahren durchlaufen haben im Vordergrund. Dies sind häufiger Flüchtlinge aus afrikanischen und asiatischen Ländern. Wie kommen Sans-Papiers in die Schweiz und wieso haben sie keine Papiere? Das fehlende Papier bezieht sich auf die fehlende Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Die meisten Sans-Papiers verfügen über einen Pass. Die meisten Sans-Papiers reisen ganz legal mit einem Touristenvisum ein. Die meisten abgewiesenen Asylsuchenden sind mithilfe einer Fluchtagentur in die Schweiz gekommen, auf zum Teil sehr verschlungenen und langwierigen Pfaden. Häufig verlangen die Agenten die Pässe, welche für die Reise gedient haben zurück. Sehr häufig verfügen die Flüchtlinge aber über keine Papiere aus dem Herkunftsland, weil sie dort verfolgt werden oder in Bürgerkriegsländern die zivile Administration nur sehr eingeschränkt funktioniert, oder sich die Behörden weigern, Pässe auszustellen. Was ist Deine Meinung zum Nord/Süd-Gefälle? Solange dieses Gefälle besteht, wird die Migration in den Norden eine Tatsache sein. Die Migrationsflüsse sind als solche auch kaum steuerbar. Aufgrund der ständigen Gesetzesverschärfungen gibt es eine Tendenz zur Verlagerung von der regulären zur irregulären Migration. Konsequenz ist die rechtlose und so verwundbare Situation der Betroffenen sowie aufgrund der Abschottungsmassnahmen noch mehr Tote an den Grenzregionen. In den letzten Jahren hat eine eigentliche Militarisierung der Grenzen stattgefunden, die Grenzschutzagentur Frontex ist als hochgerüstete Organisation an den Schengen-Aussengrenzen tätig. Was sind die Hauptgründe für die harte Haltung der Politiker insbesondere im Kanton Zürich? Die Gründe für die harte Haltung der Politik gegenüber abgewiesenen AsylbewerberInnen liegt in der Abschreckung gegenüber potenziellen neuen Flüchtlingen und in der gewünschten Vertreibung der bereits Anwesenden. Neben den Schikanen wie 7-Tage-Rhythmus (Dynamisierung), Migros- Gutscheine, keine Arbeitsbewilligung, muss auch unbedingt die Kriminalisierung von Sans-Papiers erwähnt werden. Diese besteht in der Einleitung von Untersuchungen der Staatsanwaltschaft wegen illegalem Aufenthalt was in der Regel zu einer Verurteilung von 2-3 Monaten Gefängnis führt. Beim ersten Mal in der Regel bedingt, - nachher im Wiederholungsfall hingegen zu unbedingten Strafen. Im Kanton Zürich sind über 50% aller Untersuchungshäftlinge MigrantInnen und abgewiesene Asylsuchende ohne geregelten Aufenthalt. Die meisten sitzen ausschliesslich wegen ihrem Verstoss gegen das Ausländergesetz ( illegaler Aufenthalt ) in Untersuchungshaft. 6

7 Was für konkrete Konsequenzen hat das neue Ausländergesetz für die Sans-Papiers? Das neue Ausländergesetz etabliert das sogenannte 2-Kreise Modell, demgemäss Drittstaatenangehörigen keine Arbeitsbewilligungen mehr erteilt werden dürfen, ausser sie seien speziell hochqualifiziert und der Nachweis kann erbracht werden, dass keine Person aus dem EU/EFTA-Raum für diese Stelle gefunden werden konnte. Mit dem neuen Ausländergesetz gerät jede binationale Ehe mit einem/einer Drittstaatenangehörigen unter den Verdacht der Scheinehe. Dies insbesondere, wenn der Aufenthalt einer der beiden Personen nicht geregelt oder prekär ist. Zivilstandsämtern fällt so zunehmend die Rolle eines verlängerten Armes der Migrationsbehörden zu. Obwohl noch nicht gesetzlich verankert, wird in der Praxis eine Ehe mit einer/einem Sans-Papiers praktisch verunmöglicht. Der Familiennachzug wird mit dem neuen Ausländergesetz noch restriktiver geregelt als bis anhin. Das neue Ausländergesetz hat die Regelungen betreffend Zwangsmassnahmen (Haftdauer und Haftgründe) verschärft. Allerdings muss ein Teil dieser Verschärfungen nun zum Glück mit dem Schengen-Beitritt wieder entschärft werden. Wieso ist die heutige Situation insbesondere für abgewiesene Asylsuchende unhaltbar? Die Massnahmen wie Sozialhilfestopp, 7-Tage-Regelung, kein Bargeld etc. zielen wie oben dargelegt auf Abschreckung und Vertreibung. Dass ein Grossteil der betroffenen abgewiesenen Flüchtlinge das Land gar nicht verlassen kann, wird in dieser Handhabung komplett ignoriert. Vom Gesetz her gäbe es zwei Grundlagen, die auf diese Situation adäquate Lösungen bieten würden: Zum einen eine vorläufige Aufnahme bei der Unmöglichkeit eines Vollzugs der Wegweisung. Leider wird diese aber nur in besonders krassen Ausnahmesituationen verfügt, nicht aber in den Fällen, die die Regel sind. Das zweite wäre die im revidierten Asylgesetz neu eingeführte Härtefallklausel. Sie wurde eingeführt, um die Härte des Sozialhilfestopps abzumildern. Leider ist die Anerkennungsquote von Härtefällen im Kanton Zürich aber nahezu gleich null. Dies grenzt m. A. nach an Rechtsverweigerung. Was für Auswirkungen hat das Schengen-Abkommen mit der EU auf die Einwanderung? Auswirkungen hat es vor allem auf die AsylbewerberInnen. Sie werden, falls sie in einem anderen Schengen-Land bereits ein Asylgesuch durchlaufen haben, konsequent in das Erst-Gesuchsland zurückgeschickt. Dies auch, wenn dort das Verfahren bereits abgeschlossen ist. Schengen hat aber auch Auswirkungen auf die Kontrolltätigkeit. Währenddem vor dem Schengen- Beitritt einigermassen davon ausgegangen werden konnte, dass die Ausweiskontrollen vornehmlich an der Grenze durchgeführt werden, können sie nun überall stattfinden. Kleine Länder (wie die Schweiz) werden sozusagen zu Grenzländern, in denen überall und jederzeit mit Kontrollen gerechnet werden muss. Dies schränkt die Bewegungsfreiheit von Sans-Papiers noch mehr ein und verschärft ihre Situation massiv. Zudem wird durch Schengen der internationale Datenaustausch noch mehr Realität. Dies schränkt den Bewegungsradius weiter ein. 7

8 Ziele und Forderungen der Sans-Papiers und ihrer schweizerischen Unterstützungsorganisation bleiberecht.ch Aufenthaltsstatus aller Asylsuchenden und Flüchtlingen normalisieren; Nationale Strategie für den Umgang mit Einwanderung und die Integration entwickeln; Beteiligung der Asylsuchenden an der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Schweiz ermutigen; Schnelle wirtschaftliche Entwicklung in den Staaten der Dritten Welt fördern sowie zur Restrukturierung der bestehenden unhaltbaren Strukturen und Mechanismen in der Weltwirtschaft beitragen; Allen Arten von Diskriminierung entgegentreten; Humane und unbürokratische Umsetzung der gesetzlich verankerten Härtefallregelung; Papiere für alle! Schluss mit der Kriminalisierung und Inhaftierung von Sans-Papiers; Aufhebung des Arbeitsverbotes Arbeit statt Nothilfe; Eine rasche Einsetzung der Härtefallkommissionen; Eine sofortige Angleichung der Zürcher Härtefallrichtlinien zumindest an die vorliegenden eidgenössischen Vorschläge; Eine rasche Verbesserung der Nothilfe (Abschaffung der Migrosgutscheine (Bargeld). Was sind potentielle mögliche Tätigkeitsbereiche für die Sans-Papiers in der Schweiz? Sehr viele Sans-Papiers sind in Privathaushalten tätig. Dabei kommen alle Arbeitstätigkeiten im Haushalt in Frage: Reinigung, Wäsche waschen und bügeln, Aufräumen, Kinder hüten, Senioren und Behinderte pflegen, Nachhilfeunterricht, Hunde spazieren führen, Gartenpflege etc. Daneben arbeiten Sans-Papiers häufig in folgenden Sektoren: Gastronomie, Reinigungs- und Umzugsunternehmen, Landwirtschaft und Bau. Was sind die Vorteile von Arbeitsbewilligungen? Eine Arbeitsbewilligung führt zu einer Aufenthaltsbewilligung. Mit einer Bewilligung können sich Angestellte besser für ihre Rechte und gegen Ausbeutung wehren. Ohne Bewilligung zu arbeiten heisst hingegen, den ArbeitgeberInnen ausgeliefert zu sein, da diese bei Beanstandungen oder Arbeitskonflikten mit einer Denunziation drohen und diese auch durchführen können. Ohne Bewilligung zu arbeiten, heisst extrem schlechten Bedingungen ausgesetzt zu sein. Es gibt keinen effektiven Schutz vor missbräuchlichen Kündigungen, vor fristlosen Kündigungen, vor unbezahlten Ferien, vor unbezahlter Krankheit, vor Lohnbetrug. Die Sozialversicherungsbeiträge werden nur in den seltensten Fällen durch ArbeitgeberInnen bezahlt; aus diesem Grund verfügen Sans-Papiers auch nach langen Jahren Arbeitstätigkeit über keine Altersvorsorge. Häufig existieren auch keine Unfalloder Krankenversicherung. Meistens existieren in ungeregelten Arbeitsverhältnissen keine schriftlichen Verträge, keine Quittungen bei Lohnzahlung, sodass keine Beweise für die Arbeitstätigkeit bestehen. Zudem ist der Gang vor Arbeitsgericht praktisch ausgeschlossen für Sans- Papiers, da die Gerichte theoretisch eine Meldepflicht haben und die Sans-Papiers beim Migrationsamt denunzieren müssten. Aber auch das Leben ausserhalb des Arbeitsverhältnisses ist für 8

9 Sans-Papiers sehr prekär. Sie sind zudem in allen Bereichen neben der Arbeit, auch beim Wohnen, in der Freizeit, in den Freundschaften und Beziehungen der ständigen Gefahr von Denunziation, Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt. Auch für den Staat hat es selbstverständlich Nachteile: Bei ungeregelten Arbeitsverhältnissen werden keine Sozialversicherungsbeiträge und keine Steuern bezahlt. Besteht eine reale Chance, an den Europäischen Menschengerichthof zu gelangen mit dem Ziel der: Verurteilung der schweizerischen menschenverachtenden Praktiken insbesondere im Kanton Zürich? Sans-Papiers haben in den seltensten Fällen die nötigen Ressourcen, um eine Klage bis nach Strassburg an den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen. Vorher muss der ganze Beschwerdeweg in der Schweiz durchlaufen werden. Bereits dies nimmt schon mehrere Jahre in Anspruch. Wird ein ablehnender Entscheid des Bundesgerichts nach Strassburg weitergezogen, muss mit mehreren Jahren Frist bis zu dessen Behandlung gerechnet werden (2-5 Jahre). Meistens hat ein Begehren keine aufschiebende Wirkung, das heisst, die Wegweisung kann trotz hängiger Beschwerde vollzogen werden. Ungerechte Lohnunterschiede Von Petra Mauro Der Arbeitsmarkt Der Arbeitsmarkt ist eine abstrakte Idee: Wie man uns sagt, hängt das durchschnittliche Salär als Bestimmungsgrösse von Angebot und Nachfrage ab. Aber natürlich nehmen verschiedene Faktoren Einfluss auf die Entlöhnung. Viele davon, nach denen die Arbeitgeber den Lohn kalkulieren, der dem Arbeitnehmen angemessen ist, sind korrekt. Allerdings gibt es auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Nationalität, das Geschlecht oder der Zivilstand, die keineswegs in die Berechnung der Honorierung einfliessen sollten. Die Faktoren Raum und Zeit spielen ebenfalls eine Rolle bei der Entlöhnung, was bedeutet, dass man in einer Region mehr verdient als in einer anderen, oder dass es ein Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot gibt (N > A = Arbeitslosigkeit, A > N = niedere Vorstellungsrate). Wir können die verschiedenen Elemente, welche bei der Bemessung des Gehalts einen Einfluss haben, in drei Kategorien einteilen: Die einem Job innewohnenden Voraussetzungen, die Beurteilung der für eine Stelle notwendigen Leistung und die sozialen Aspekte. Ungerechtfertigte Lohnunterschiede 9

10 Wenn man die Statistiken anschaut kann man feststellen, dass es grosse Unterschiede zwischen den Löhnen gibt und zwar basierend auf dem Geschlecht, der Nationalität, des Kantons und dem akademischen Titel. Schauen wir uns die beiden ersten im Detail an. Lohnunterschied zwischen Männer und Frauen - Monats-Bruttolohn der Frauen gegenüber jenem der Männer % Quelle: Bundesamt für Statistik Zuerst fällt der Unterschied zwischen dem Nettolohn der Männer und jenem der Frauen auf. Das Bundesamt für Statistik unterstreicht, dass die Differenz in manchen Fällen geradeheraus 40% beträgt. Die Männer verdienen monatlich im Durchschnitt bis zu Fr. 1'000.- mehr und das bei vergleichbarer Qualifikation und Verantwortung. Im Durchschnitt verdient eine Frau, die 100% angestellt ist, 80% des Lohnes ihres Kollegen, der ebenfalls in Vollzeit arbeitet. Ich denke, dass dies daher kommt, dass sich der Mann schon immer um das Einkommen und die Sicherheit der Familie gekümmert. hat. Nun, die Zeiten ändern sich und eine gewisse Angleichung zwischen den Geschlechtern wird bejaht, konsequenterweise wäre es denn nun auch an der Zeit, einen Ausgleich auf dem Niveau der Arbeit zu erreichen. Auf der anderen Seite ist es klar, dass die Arbeitgeber nicht bereit sind, die Differenz zwischen dem Lohn der Frauen und Männer zu begleichen und letztere sind nicht daran interessiert, auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten. Ich denke daher, dass diese Ungerechtigkeit noch lange dauern wird. Im Durchschnitt verdienen die Schweizer viel mehr als die Ausländer. Gemäss einer Medienmitteilung des Bundesamts für Statistik verdienen die Ausländer da mehr, wo sie entweder hochqualifizierte Arbeiten verrichten oder wo es für eine Arbeit zu wenig Schweizer Arbeitnehmer gibt. Die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik ergeben allerdings klar, dass im Banken- und Versicherungs- Sektor gewisse Ausländer im Jahr 2006 mehr als die Schweizer verdient haben. Welche? Die nicht hier fest wohnhaften, jene mit einer mit Aufenthaltserlaubnis, die an eine Arbeitsstelle gekoppelt ist. Für alle anderen, also die Ansässigen, bleibt der Lohn tiefer als jener der Schweizer, und zwar im Banken-, Versicherungs- und Informatik-Sektor. Selbst in der Baubranche verdienen die Ausländer weniger, immerhin ein Sektor, in dem sie die Mehrheit der Arbeitskräfte ausmachen. (BFS/LSE, 2006). 10

11 Der Lohnunterschied ist deutlich: Im Durchschnitt ist der Bruttolohn eines Ausländers mindestens Fr tiefer als jener seines Schweizer Kollegen. Gemäss Bundesamt für Statistik betrugt 2006 der Brutto- Durchschnittslohn der Schweizer Arbeitnehmer Fr. 5'952.-, jener der Ausländer Fr. 5'140.- Man stellt allerdings auch signifikante Lohnunterschiede zwischen den Ausländern selber fest und zwar abhängig von der Aufenthaltsbewilligung. Das mittlere Monatseinkommen der Inhaber einer Kurzaufenthaltsbewilligung war tiefer als Fr. 4'400.- während jenes der anderen im Durchschnitt Fr. 5'100.- ausmachte. Mit Fr. 5'500.- sind die Grenzgänger im Vorteil (BFS/LSE, 2006), ohne jedoch auf dem Niveau der Schweizer angelangt zu sein. Aber trotz des grossen Unterschieds in der Entlöhnung ist in der Mehrheit der Fälle der Lohn klar über dem, was die ausländischen Arbeitnehmer in ihrem Herkunftsland verdienen würden. Das hat aber seinen Preis: Normalerweise finden die Immigranten bei der Arbeitssuche in unserem Land nicht die Stelle, welche ihrer Qualifikation entspricht und sie sind gezwungen, bescheidenere und repetitive Arbeiten anzunehmen. Das ist zum Beispiel der Fall bei Maria Branca., die im Diskussionsforum von dazugehoeren erzählt, dass sie, obschon sie Journalismus und Jus studiert hat, sich mit einer Arbeit als Haushaltshilfe begnügen musste. Sie hat versucht, sich zu integrieren. Meiner Meinung nach ist es sicherlich gerecht, dass Personen, die über viele Jahre und grösstenteils in ihre Eigenmittel investiert haben, mehr verdienen, als andere. Wo die finanziellen Mittel fehlen, stellt der Staat Stipendien zur Verfügung. Leider ist das nicht für jedermann dasselbe. Die Einwanderer sind gezwungen, bescheidenere und repetitive Arbeit zu verrichten, selbst wenn sie besser qualifiziert wären. Wir dürfen aber das Damokles-Schwert der Arbeitslosigkeit nie vergessen: 2007 betrug der Anteil Arbeitsloser unter den Schweizern 2.5%, jener unter den Ausländern 7.1%. 11

12 Beratungsstelle für ImmigrantInnen auf Spanisch Von Marta Gonnet Während der 60er Jahre kamen die ersten grossen Wellen spanischsprachiger Immigranten eingewandert. Zu jener Zeit sprach man nicht über Integration wie heutzutage, und sowohl die Immigranten als auch die Schweizer waren davon überzeugt, dass sie nur für ein paar Jahre bleiben würden und nicht für immer. Deswegen haben viele jener Immigranten niemals genügend Deutsch gelernt. Und nun, da sie im Seniorenalter sind, fällt es ihnen sehr schwer, sich mit Dingen wie Altersrente, Finanzen, Aufnahme in ein Altersheim oder eine mögliche Rückkehr in ihr Heimatland zu befassen. Ateneo Popular Español kontaktierte Pro Senectute des Kantons Zürich. Zusammen organisierten sie ein Pilotprojekt, eine Beratungsstelle für Senioren auf Spanisch, der diesen Herbst eine weitere Beratungsstelle auf Italienisch und in Zukunft ähnliche Projekte in anderen Sprachen folgen werden. Dieses Projekt wird von Pro Senectute des Kantons Zürich finanziert sowie von Organisationen spanischer Immigranten und dem Büro Stadt Zürich für die Förderung von Integration. Die Dienstleistung wird persönlich oder telefonisch erbracht und ist völlig kostenlos. Information zur Beratung Wann? Wo? Der erste Donnerstag in jedem Monat, Von Uhr Pro Senectute Centre Kanton Zürich - Forchstrasse 145, 8008 Zürich Telefon? Beratungsthemen: - Fragen über das Älterwerden und das hohe Alter - Altersrente - Verbleib in der Schweiz/Rückkehr in Ihr Heimatland/Pendelzeit - Was zu tun ist, wenn die finanziellen Mittel nicht reichen - Vielleicht können Sie nicht wie bisher selbständig weiterleben - Verlust des Ehepartners durch Tod oder Scheidung - Einsamkeit/Isolation/Traurigkeit/Depression - Hilfe beim persönlichen Umgang mit der Verwaltung und Instituten, in mündlicher und/oder schriftlicher Form - Organisieren von Begleitung für Besuche auf der Verwaltung, beim Arzt oder auf Ämtern, wo die Gespräche auf Deutsch stattfinden - Wir bieten Menschen Informationen an, die sich nach Beschäftigung oder Unterhaltung umsehen 12

13 Bienvenidos al Aeropuerto Simon Bolivar Von Patricia Ehrler Das Erste was Du siehst, wenn Du in diesem wunderbaren Land ankommst ist dieses: Sobald Du aus dem Flugzeug steigst, bemerkst Du, dass hier alles über persönliche Beziehungen läuft. Die Leute strömen aus dem Flugzeug und treffen ihre Agenten, die sie durch den Zoll begleiten, so dass sie nicht in der Warteschlange verweilen müssen. Manchmal ist die Warteschlange der Agenten länger, als jene der normalen Passagiere, was mich dazu bringt zu denken, dass dieser Ort wohl nicht so leicht mit anderen Orten zu vergleichen ist, die ich schon besucht habe. Wenn Du dann weiter gehst, um Dein Gepäck zu holen, wirst Du abgelenkt durch das Gelächter und die Gespräche der Flughafen- Angestellten, die immer den Eindruck machen, als hätten sie gerade Pause. Vermutlich hast Du bis jetzt versucht herauszufinden, von welchem Land ich gerade spreche. Ich bin sicher, einige von Euch haben es geschafft, ihre Vermutung irgendwo auf Lateinamerika zu reduzieren. Das wunderbare Land, wovon ich spreche, ist VENEZUELA. Es ist das Land in dem ich geboren wurde und in dem ich die meiste Zeit meiner Jugend verbracht habe. Obschon ich in einem europäischen Haushalt aufgewachsen bin, war ich immer sehr stolz, Teil einer so interessanten Kultur zu sein. Venezuela ist ein Land mit vielen Gesichtern und es bietet jedermann etwas. Da ist zum Beispiel die Küste, an welcher einige der schönsten Strände der Welt zu finden sind. Die «Ilanos» - die Flachlandgebiete sind der Lebensraum von Millionen von wild lebenden Tieren und wenn Du etwas Glück hast, findest Du vielleicht sogar etwas Schnee in der Region von Merida. Die Hauptstadt und das Finanzzentrum ist Caracas. Und vergessen wir nicht den höchsten Wasserfall der Welt, den Salto Angel er ist in der Region Guiana zu finden. Wie Du siehst, bleibt kein Wunsch unerfüllt. Ungefähr 25.5 Millionen Menschen leben in Venezuela, die Arbeitslosenquote beträgt 8.5%. Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen den verschiedenen Einkommensklassen. Ich glaube hingegen, dass es zwei Dinge gibt, die alle Klassen unabhängig von ihrem Einkommen miteinander verbinden: Musik und Essen. Ich habe festgestellt, dass die Musik die Venezolaner ganz unbewusst zum Tanzen bringt. Sobald jemand Merengue, Vallenato oder Salsa spielt, siehst Du, dass die Leute langsam zu Tanzen beginnen und lächeln. Es hilft ihnen, die Alltagssorgen und andere Probleme zu vergessen. Es gibt ihnen einen Ort des Komforts wo jedermann egal ob jung, alt, reich oder arm sich wohl fühlt. Das Zweite, was die Venezolaner wirklich zufrieden macht, ist ihr Essen. Es entfernt diese Grenzen zwischen den Einkommensklassen. Wenn Venezolaner kochen und Leute in ihr Heim einladen können, gibt ihnen das ein Gefühl von Befriedigung und Freude. Normalerweise sind die Familien recht gross und wenn ein Abendessen angesagt ist, sind alle eingeladen. Und wenn ich alle sage, meine ich alle, von Brüdern und Schwestern über Nachbarn und jedermann, der sich an diesem Tage gerade in der Nähe des Hauses aufhält. Es gibt keine bestimmte Zeit, zu der die Gäste ankommen. Normalerweise kommst Du, wenn Du hungrig bist. Selbst wenn die Mahlzeit nicht bereit ist, gibt es ein kleines «Mischmasch» von traditionellen Speisen, vielleicht eine Empanada, oder ein Arepa. Ein Arepa ist ein Teigplätzchen aus Maismehl. Die Zutaten sind wie gesagt Maismehl, etwas Salz und heisses Wasser. Normalerweise isst man sie als Snack und die Zutaten sind billig, so dass auch Familien mit niedrigem Einkommen diese wunderbare venezolanische Kost geniessen können. Das Plätzchen wird solange gebacken, bis es goldbraun ist. Man kann Arepa entweder ohne Zutaten oder 13

14 gefüllt geniessen. Die meisten Leute halbieren sie und füllen sie entweder mit Weisskäse (queso blanco), schwarzen Bohnen oder mit Rindfleisch (in Fasern auseinander gezupft). Die Mahlzeit, welche die Venezolaner normalerweise für Feste zu bereiten, ist das Parbellon Criollo. Dazu gehören Rindfleisch, Reis, schwarze Bohnen und Kochbananen. Die Zubereitung dieser Mahlzeit nimmt einige Zeit in Anspruch und so ist es nicht ungewöhnlich, mit dem Kochen bereits am Vortag oder am Vormittag des Festes zu beginnen. Dafür benötigt man Rindfleisch (am besten Suppenfleisch). Damit man das Fleisch mit den Fingern in Fasern zupfen kann, muss man es mindestens 4 Stunden mit Zwiebeln und Salz schmoren. Um das Fleisch feucht zu halten, muss man immer wieder Rindsbouillon hinzugeben. Wenn das Rind in Fasern auseinandergezupft ist, gibt man es zurück in die Pfanne und fügt Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, grünen Paprika und zwei Suppenlöffel Rindsbouillon dazu. Weiterkochen bei tiefer Temperatur, nach eigenem Gutdünken würzen und dann bis zum Essen warm halten. Die schwarzen Bohnen müssen mindestens 24 Stunden in Wasser eingelegt werden. Wenn sie weich sind, müssen sie ohne Wasser in eine hohe Saucenpfanne gegeben werden. Sie werden dann mit zwei Esslöffeln Rindsbouillon erwärmt (hierzu kann man die Brühe nehmen, in der das Fleisch geschmort wurde). Nach dem Würzen werden sie bis zum Servieren beiseite gestellt. Der Reis wird wie gewohnt zubereitet. Um der Mahlzeit etwas Farbe zu geben, bereiten die Venezolaner Kochbananen zu. Diese müssen noch grünlich sein. Man schneidet jede Banane in 2-3 Stücke (üblicherweise quer) bevor man sie in einer Pfanne anbratet. Wenn die ganze Arbeit getan ist, setzt man sich hin und geniesst dieses herrliche Essen mit allen, die einem lieb und teuer sind. Rezept für Arepas (Venezolanische Maisküchlein) Ergibt 5-10 Arepas - 2 Tassen Maismehl - ½ Esslöffel Salz - 3 Tassen kochendes Wasser - 3 Esslöffel Öl. Zubereitung 1. Backofen auf 200ºC vorwärmen. Maismehl und Salz in einer grossen Schüssel vermischen. 2 1/2 Tassen kochendes Wasser dazugiessen, mit einer Holzkelle mischen bis ein Teig entsteht. Mit einem Tuch oder einer Klarsichtfolie bedecken, 5-10 Minuten beiseite stellen und Teig ruhen lassen. 2. Mit feuchten Händen Teigbälle formen. Dafür benötigt man ungefähr ¼ Tasse Teig die man in kleinen Kuchen von circa 8cm Länge und ca. 2cm Dicke formt. Wenn der Teig an den Ecken rissig wird, fügt man noch ein wenig Wasser hinzu und formt dann die Küchlein. 3. Öl in einer Bratpfanne bei mittlerer Hitze erwärmen. Die Küchlein anbraten immer nur en paar pro Mal, bis sie auf einer Seite eine hellbraune Kruste haben (ca. 5-6 Minuten), dann Küchlein drehen und auf der anderen Seite anbraten. 4. Wenn alle Küchlein schön braun sind legt man sie auf ein Backblech und schiebt sie für Minuten in den Ofen, bis sie leicht hohl klingen, wenn man sie mit dem Finger oder einem Gegenstand anklopft. Sofort servieren. 14

15 Nun, Du magst denken, dass all dieses Essen furchtbar ungesund sei. Darum ergänze ich gerne, dass frische Früchte in den Ernährungsgewohnheiten der Venezolaner eine wichtige Rolle spielen. Mango, Ananas und Papaya sind einige der Grundnahrungsmittel, die in jedem Haushalt zu finden sind. Frische Fruchtsäfte in allen Sorten sind immer erhältlich. Die in meiner Erinnerung besten Fruchtsäfte habe ich bei kleinen, unbekannten Strassenhändlern gekauft. Ich hoffe, Du hast es genossen ein Stück weit mit mir zu teilen, wie ich Venezuela und seine Kultur als kleines Mädchen erlebt habe. Ich darf sagen, dass ich tolle Zeiten in diesem Land verbracht habe: Ich habe dort wunderbare Menschen getroffen und einige Speisen genossen, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Alles in allem Erfahrungen, die ich nie vergessen werde. Informationen zum Thema Scheidung für Migrantinnen (und auch für Migranten) Von Katharina Boesefeldt Hess Problematik und Rechtslage Migrantinnen, die sich von ihren Ehemännern trennen wollen oder müssen temporär, z.b. bei erlittener körperlicher oder sexueller Gewalt - oder definitiv, stehen sich einem grossen Problem gegenüber: Migrantinnen aus sogenannten Drittstaaten, die mit einem Schweizer verheiratet sind, können sich während der ersten fünf Jahren der Ehe nicht scheiden lassen, ohne ihr Aufenthaltsrecht zu riskieren. Der Aufenthalt der Migrantin ist an dasjenige des Mannes gebunden ( Verbleib beim Ehemann ). Es besteht aber ein Anspruch auf Verlängerung der Bewilligung nach Auflösung der Familiengemeinschaft wenn gewisse Härtefälle vorliegen, die einen weiteren Aufenthalt rechtfertigen. Einem Verschulden, das zur Trennung führt, wird dabei nicht Rechnung getragen. Es gibt sogar Männer, die ihren Frauen mit der Scheidung drohen, wenn diese sich nicht so verhalten, wie sie es wollen. Auch haben Frauen oft Angst, sich von ihrem Mann zu trennen, weil sie fürchten, ihre Kinder zu verlieren. Eine Migrantin, die mit einem in der Schweiz lebenden Migranten verheiratet ist und deren Mann gewalttätig geworden ist, darf dabei nicht einmal den gemeinsamen Haushalt verlassen, ohne ihr Aufenthaltsrecht in der Schweiz aufs Spiel zu setzen, ironisch gesagt Bleiben Sie bei Ihrem Ehemann, auch wenn er Sie schlägt - (Veröffentlichung des Fraueninformationszentrum Zürich). In Zukunft sollte diese Regel auch für Migrantinnen gelten, die mit einem Schweizer verheiratet sind. Oft stehen Migrantinnen vor der schweren Entscheidung, zu blieben oder zu gehen, wenn die Gewalt unerträglich wird. Dabei gilt oft der Grundsatz Wer schlägt, der bleibt (Veröffentlichung des Fraueninformationszentrum Zürich). Frauen, die ihren Mann verlassen, wird oft 15

16 Rechtsmissbrauch vorgeworfen, es wird ihnen unterstellt, sie wären eine Scheinehe eingegangen. Dabei werden dir Frauen nicht wie Opfer eines gewalttätigen Mannes, sondern wie Täterinnen behandelt. Besserung in Sicht? Im Kanton Zürich wird z. Zt. geplant ein Gewaltschutzgesetz zu erlassen, um gewaltbetroffenen Frauen mehr Sicherheit und Schutz zu bieten und Täter zur Verantwortung zu ziehen. Ausserdem gibt es einen behördlichen Ermessensspielraum bei der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung in Härtefällen. Dies bedeutet aber keine Rechtssicherheit, denn die Bewilligung wird von verschiedenen Kriterien abhängig gemacht wie allgemeiner Integrationsgrad oder persönlichem Verhalten. Deshalb hat Nationalrätin Christine Goll 1996 eine parlamentarische Initiative eingereicht, die das Bleiberecht von Migrantinnen selbständig sowie unabhängig vom Zusammenleben mit ihrem Ehemann sichern soll. Diese Initiative wurde im Rahmen des neuen Ausländerrechts mitberaten (Veröffentlichung des Fraueninformationszentrum Zürich). Beratung für betroffene Frauen Unabhängig vom Aufenthaltsstatus gibt es bei: FIZ, Quellenstrasse 25, 8005 Zürich, Telefon 01/ , Fax 01/ Telefonische Beratung Mo Do 9 13 Uhr, persönliche Beratung n. Vereinbarung. Hilfe gewährt ausserdem das Frauenhaus Violetta für Migrantinnen, Tel (siehe unten). Ausserdem:www.binational.ch und ein Artikel von Dazugehoren: Da Scheidungen bei Migrantinnen oft durch häusliche Gewalt ausgelöst werden, hier noch einige Adressen zu häuslicher Gewalt: - Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt der Direktion der Justiz und des Inneren (IST). Informationen zu Häuslicher Gewalt, auch übersetzt in verschiedene Sprachen (Website im Aufbau). - Kantonale Opferhilfestelle der Direktion der Justiz und des Inneren. Übersicht über die Opferhilfe, wichtige Informationen (auch zur Rechtssprechung) und Links. - Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich, wichtige Hinweise zum ärztlichen Vorgehen. - Website der Stadtpolizei mit Informationen zu Häuslicher Gewalt (pdf) und Stalking (pdf) sowie interessante Links zu Beratungs- und Opferberatungsstellen. Unter anderem Kriminalstatistik des Kantons Zürich. - Fachstelle gegen Gewalt des Eidg. Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau. Unter anderem Übersicht über den aktuellen Stand der kantonalen Schutzgesetzgebungen 16

17 Recht und Politik - Übersicht und Links zu allen Zürcher Frauen- und Kinderberatungsstellen, sowie zu den Frauenhäusern. - mannebüro Züri, Links zu Beratungsangeboten für gefährdende Männer. - Bewährungs- und Vollzugsdienste ; Lernprogramm PoG ; Informationen zum Lernprogramm Partnerschaft ohne Gewalt ;Bewährungsdienst II, Tel.: Rechtliche Informationen zu diversen Rechtsfragen und Rechtsgebieten u.a. auch bei Häuslicher Gewalt. - Arbeitsgemeinschaft gegen Ausnützung von Abhängigkeitsverhältnissen. mit Links und Hinweis auf Weiterbildungen. - Eine wirklich hilfreiche Website für schlagende Männer und solche, die ihre Probleme angehen wollen. - Mit Hinweisen auf die kantonale Sozialhilfe (Behördenhandbuch). - Amt für Jugend und Berufsberatung mit Adressen des Kinderschutzes und weitere nützliche Informationen. Hilfe und Beratung: Polizeinotruf 117 Polizeiliche Fachstellen Häusliche Gewalt Kantonspolizei - Postfach, 8021 Zürich Tel.: (Bürozeiten), Fax: Stadtpolizei Zürich - Zeughausstrasse 31, 8004 Zürich, Tel.: (Bürozeiten), Tel.: (nachts, am Wochenende). Stadtpolizei Winterthur - Postfach 126, 8402 Winterthur; Tel , Opferhilfeberatungsstellen für Frauen bif, Beratungs- und Informationsstelle für Frauen gegen Gewalt in Ehe und Partnerschaft, Tel.: Frauen Nottelefon Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen Winterthur Tel.: Beratungsstelle Nottelefon für Frauen - gegen sexuelle Gewalt Zürich (bei vorwiegend sexueller Gewalt): Tel.: Für Männer und Jungen - allgemeine Opferhilfe-Beratungsstelle, Tel.: Beratungsstelle für gefährdende Personen (für Männer) mannebüro züri, Tel.: Weitere Beratungsstellen - FIZ Fraueninformationszentrum für Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa, Tel.:

18 - Infodona - Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten, Tel.: Beratungsstelle Frauenhaus Zürich Oberland, Tel.: , Beratungen auch per Mail: Frauenhäuser - Notunterkünfte für gefährdete Frauen - Frauenhaus Violetta für gewaltbedrohte Migrantinnen, Tel.: Frauenhaus Zürich, Tel.: Frauenhaus Winterthur, Tel.: Frauenhaus Zürich Oberland, Tel.: Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche Okey für Opferhilfeberatung und Kinderschutz, Tel Pikett-Tel Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich, Tel Mädchenhaus Zürich, Tel Schlupfhuus, Tel Castagna, für sexuell ausgebeutete Kinder, weibliche Jugendliche und in der Kindheit ausgebeutete Frauen, Tel Beratung für gewaltbetroffene Frauen im Kanton Basel - Rheinsprung 16, 4001 Basel, Tel /94, - Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt Basel-Landschaft, Rathausstr.2, 4410 Liestal, Tel /10 (Mo Do Uhr), - Nottelefon: Beratungsstelle und Opferhilfe für gewaltbetroffene Frauen Basel- Stadt und Basel-Landschaft, Steinenring 53, 4051 Basel, Tel , Fax , 18

19 Leche tibia von Carmen Gremli Moreno Von Marta Gonnet Carmen Gremli Moreno wurde 1954 in Medellin, Kolumbien geboren. Sie ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt seit 1981 in der Schweiz fing sie an, Erzählungen für Erwachsene und Kinder sowie Gedichte und Romane zu schreiben. Im September 2002 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, Leche tibia, eine biographische Geschichte über ihre Erfahrungen als schwarze und immigrierte Frau in der Schweiz folgte die Veröffentlichung ihres zweiten Buches, Tampoco soy santa. Für das Lateinamerikanische Magazin Chévere hat sie viele Artikel geschrieben. Seit 2006 ist sie Mitglied bei AdS, AutorInnen aus der Schweiz, und hält immer wieder öffentliche Vorträge. Nun die Beschreibung auf der Rückseite des Buches: Dieses Buch ist das Zeugnis einer vieler Immigrantinnen, die mit einem Gepäck voller Illusionen in Zürich ankommt, ohne sich überhaupt den Preis vorzustellen, den sie zahlen würde, um es auszupacken. Sie ist die typische Immigrantin, die nicht nur über die generelle Schwerfälligkeit der Schweizer Vorurteile stolpert, sondern auch über ihre eigenen und Tag für Tag um ihre Integration in der Schweizer Gesellschaft kämpft. Diese Erzählbiographie zeigt in allgemeinen Worten, was es wirklich heisst, in einem fremden Land leben zu müssen, was es bedeutet und beinhaltet. Sie macht auch die immense Bedeutung deutlich, die Wörter wie Zuhause, Familie, Freund, Nachbarn oder einfach nur Bekanntschaften für all jene haben, die im Ausland leben müssen. Die Autorin dieses Buches macht Vergleiche zwischen Situationen, die sie in der Schweiz erlebt hat, und wie es gewesen wäre, wenn sie sie in ihrem Heimatland, Kolumbien, erlebt hätte. Und so hat sie versucht, ein bisschen von ihrer Kultur zu zeigen, die den SchweizerInnen so unbekannt ist. Glücklicherweise geht diese Erzählung glücklich zu Ende, weil sich die Hauptfigur völlig in die charmante schweizerische Unvollkommenheit verliebt und diese in jedes einzelne ihrer Kinder. Jetzt, nach zwanzig Jahren in Zürich, verleugnet sie keine einzige ihrer Erfahrungen und ist darüber hinaus sehr glücklich und zufrieden mit ihrem Leben dort. (Quelle: Mir hat dieses Buch gefallen Mir hat dieses Buch gefallen. Es geht darin um die typische Immigrantin, die ankommt, ohne vorbereitet zu sein, ohne die geringste Ahnung davon zu haben, was Migration bedeutet, und obendrein denkt, dass sie nicht für immer im neuen Land bleiben wird. Unter diesen Umständen ist es unmöglich, die neue Kultur zu akzeptieren. Sie wird sich nur wohl fühlen, wenn sie akzeptiert, dass ihr Leben in der Schweiz und mit den Schweizern ist. Ich fand es interessant, die Entwicklung dieser Frau zu verfolgen, und glaube, dass die meisten Immigrantenfrauen Details unserer eigenen Geschichte in dieser Erzählung wiederfinden werden. Wir werden uns ein wenig mit ihr identifizieren können. Marta Gonnet 19

20 Werden Sie aktiv! Dazugehören fördert als Diskussionsforum das Wissen und den Austausch unterschiedlicher Kulturen und bietet allen einen Raum. Wir unterstützen durch das Medium alle Initiativen, welche zur Entwicklung einer interkulturellen Gemeinschaft einen Betrag leisten. Sie sind aufgefordert, einen Beitrag Informationen, Texte, Bilder, Gedichte, Projekte, Veranstaltungen zu leisten. Sie können - an unserem Diskussionsforum teilnehmen - an die Redaktion unseres Magazins Texte oder Bilder schicken - uns Mitteilungen für die Agenda senden - und für das Archiv unserer nützlichen Infos Informationen senden - uns mit Spenden und Sponsoring unterstützen - Mitglied unseres Vereins werden - mit uns zusammenarbeiten. Suchen Sie etwas oder bieten Sie etwas an? Im Diskussionsforum können Sie: - eine Anzeige veröffentlichen lassen - und unter Weiss jemand...? eine Frage stellen. Dazugehören Postfach 8021 Zürich Postkonto Nr Redaktion: Agenda: Machen Sie mit!: 20

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