Wer ich bin. Viel Spass wünsche ich dir, Hannah Boukraria

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2 Wer ich bin Mein Name ist Hannah Boukraria. Ich habe eine kleine Familie, bestehend aus einem Mann, einer Wochenend-Stieftochter (Jahrgang 2005) und einer ständigen Tochter (Jahrgang 2009). Und ich sage dir, ich liebe meinen Job. Ich liebe ihn deshalb, weil er mir jeden Tag auf s neue die Möglichkeit gibt, viele neue Dinge zu entdecken und die Chance wahrzunehmen, zu lernen und zu wachsen. Dabei lerne ich nicht nur, wie man mit Kindern umgeht, wie man eine Familie managt, wie man eine Partnerschaft pflegt, wie man Zeit für sich selbst freischaufelt und nutzt, sondern vor allem, wer ich bin, was mich ausmacht. So erstaunlich das ist, dass meiste lerne ich von meiner Tochter und meinem Mann. Sie beide bringen mir so unendlich viel bei und stoßen mich auf Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie zu mir gehören. Vor allem meiner Tochter bin ich so unendlich dankbar, weil sie einen unglaublich starken Charakter hat, der sämtlichen Manipulationsversuchen à la Das-Buch-sagt-das-also-muss-das-auch-sosein standgehalten hat und mir stattdessen gezeigt hat, wie ich mein eigenes Gefühl und meine eigene Meinung zu einer bestimmten Situation bilde, und dann auch auf dieses Gefühl höre. Auf diese Art verbringen wir eine unglaublich schöne Zeit, die wir sonst wahrscheinlich mit viel Stress und Ärger ausgefüllt hätten. Nachfolgend kommt ein kleiner Text, der dir hoffentlich als Inspiration dient und das Prinzip zeigt, nach dem ich lebe, und das mir hilft, sämtliche, potentielle Stress- Situationen nicht zu umgehen, sondern vielmehr sie in eine potentielle positive Situation zu verwandeln, die viele Möglichkeiten in sich birgt, die ich sonst höchstwahrscheinlich überhaupt nicht wahrgenommen hätte. Viel Spass wünsche ich dir, Hannah Boukraria

3 Stress oder nicht Stress, du hast die Wahl! Nein, wirklich, es ist tatsächlich so. Nehmen wir ein Beispiel: Das leidige Thema "Schlafen". Eins der ganz großen Themen unter Eltern, wenn nicht DAS Thema überhaupt. "Schläft sie schon durch?", fragen mich die Leute gefühlte hundertmal in der Woche. Und wenn ich dann verneine, gucken mich alle mit großen Augen an (übrigens egal, ob meine Tochter da gerade mal 4 Monate alt war, oder 1 Jahr). Wenn ich dann erzähle, dass meine Tochter an manchen Nächten so alle zwei Stunden aufwacht (auch noch mit einem Jahr), dann wandelt sich der erstaunte Ausdruck in Entsetzen. "Und was machst du da? Bist du denn nicht völlig fertig?", fragen mich dann die Leute. Tja, ehrlich gesagt, mache ich nichts, und es geht mir sehr gut damit. Obwohl, das stimmt nicht. Ich mache sehr wohl etwas. Ich mache mich nicht fertig, dass meine Tochter eben nicht durchschläft. Stattdessen schaue ich, wie ich die Zeit möglichst angenehm für uns alle gestalten kann. Denn genau hier liegt meine Entscheidungsmöglichkeit: Entweder ich mache mir und meiner Tochter einen furchtbaren Stress wegen etwas, dass momentan eben nicht ist (sprich "durchschlafen"), oder ich sehe stattdessen, was ist, und nutze die Möglichkeit, eine schöne Zeit daraus zu machen. Heißt in diesem Fall konkret: Was braucht meine Tochter? Sie braucht meine Nähe, und sie braucht es, gestillt zu werden (was sie mir sehr deutlich zu verstehen gibt ). Was brauche ich? Ich brauche Schlaf, Ruhe, und ja, tatsächlich, ich brauche auch die Nähe meiner Tochter und meines Mannes. Was braucht mein Mann? Er braucht Schlaf, Ruhe, und meine Nähe. Prima. Also mache ich folgendes: Abends bringe ich sie in ihr eigenes Bett. Aus folgendem Grund: Ihr Bett hat Gitterstäbe, sie kann also nicht einfach aus ihrem Bett plumpsen. Und: Ihr eigenes Bett wird langsam aber sicher ein Platz, an dem man auch schlafen kann, d.h., sollte sie irgendwann ganz in ihrem Bett schlafen, wird der Übergang nicht ganz so hart. Nicht, dass es nicht auch ganz ohne eigenes Bett gehen würde, aber erstens steht es sowieso in unserem Zimmer, und kann also genutzt werden, und zweitens wird meiner Tochter so eine andere Möglichkeit

4 gezeigt, die auch schön ist. Wie ich meine Tochter in ihr Bett bringe, variiert, von Phase zu Phase. Zurzeit stille ich sie, und wenn sie eingeschlafen ist, gebe ich ihr den Schnuller (sonst lässt sie sich nicht abdocken, bis sie in der Tiefschlafphase ist), und lege sie dann in ihr Bett. Manchmal wacht sie dabei kurz auf, sieht wo sie ist, spürt meine Hand auf ihrem Körper, und schläft weiter. Dann wacht sie oft auf. Manchmal erst gegen Mitternacht, manchmal erst um 5 Uhr morgens, und manchmal schon nach einer Stunde. Jetzt habe ich wieder die Wahl: Entweder ich versuche, dass sie wieder in ihrem eigenen Bett schläft, was manchmal klappt, aber mir während meiner eigenen Nachtruhe schlichtweg zu anstrengend ist, oder ich nehme sie zu mir mit ins Bett. Meistens tue ich letzteres. Wenn sie bei mir im Bett schläft, hat das einen großen Vorteil: Ich kann sie stillen (z.b. wenn sie Blähungen hat, das hilft ihr ungemein), ohne wirklich aufzuwachen. Ich stille sie im Liegen. Sehr oft schlafe ich dabei tief und fest ein. Wenn sie mir zu lange nuckelt, gebe ich ihr den Schnuller, und das ist auch OK. Auf diese Art und Weise sind alle Bedürfnisse von allen befriedigt, und vor allem: Ich bekomme so viel Schlaf und Ruhe, dass ich sagen kann: Nein, wir haben kein Schlafproblem. Viele, viele Eltern sind gestresst, weil sie eines tun: Sie denken an die Zukunft, und wie sich ihr Kind verhalten sollte, und was es brauchen sollte (laut Ratgebern), und wie es um Gottes Willen in der Zukunft sein wird, und nicht wie es JETZT ist, was es JETZT tut. Wahrscheinlich ist das die Stressquelle überhaupt! Diese ewige Angst vor dem, was gar nicht ist, und wahrscheinlich auch nie sein wird. Wir verbringen so viel Zeit damit, uns einen Kopf zu machen, was wohl passieren wird, wie man entgegensteuern kann, damit es anders kommt, dass wir ganz vergessen, das Jetzt zu sehen. Wir sehen unsere Kinder in zehn Monaten oder 20 Jahren und vergessen, sie im Hier und Jetzt wahrzunehmen, und Ihnen zu geben, was sie JETZT brauchen. Das Ding ist, das unser ganzes Leben eigentlich nur aus Jetzt besteht. Wenn du immer in der Zukunft oder in der Vergangenheit lebst, wer lebt dann im Heute?

5 Bleiben wir beim Schlafen. Viele, viele zögern, ihr Kind mit in ihr Bett zu nehmen, weil sie Angst haben, dass ihr Kind dann für immer in ihrem Bett bleiben wird, und weil sie glauben, dass ihr Kind in ihrem eigenen schlafen sollte. Ich muss sagen, auch ich habe Zeiten gehabt, in denen ich meine Tochter auf gar keinen Fall zu mir nehmen wollte, einfach weil ich Angst hatte, dass sie dann nie wieder woanders schlafen will. Außerdem hatte ich ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich es doch tat, einfach weil es momentan verpönt zu sein scheint. Bei vielen zumindest. Um dieses schlechte Gewissen zu lösen, habe ich mir folgende Fragen gestellt: Ist das wahr? Ist es wahr, dass Marwa für immer in meinem Bett schlafen will, wenn ich es einmal zulasse, dass sie bei mir schläft? Es scheint so. Jedenfalls wird immer wieder beschrieben, wie schwierig es ist, die Kinder in ihr eigenes Bett zu bringen. Ich würde schließlich nachts auch lieber kuscheln, anstatt alleine in meinem Bett zu liegen. Kann ich absolut sicher sein, dass Marwa für immer, oder zumindest seeeeehr lange bei mir in meinem Bett schlafen wird? Hmmmm. Nein, das kann ich nicht. Ich kann nicht in die Zukunft blicken. Marwa macht oft von heute auf morgen Entwicklungsschübe durch, und was gestern noch unmöglich schien, ist heute auf einmal kein Problem mehr. Außerdem kam auch bei mir der Punkt, an dem ich lieber ein eigenes Bett wollte, anstatt bei meiner Mama zu schlafen. Wie reagiere ich, wenn ich den Gedanken glaube? Ich werde gestresst. Ich bekomme Angst. Ich kann mich gar nicht freuen, meine Tochter im Arm zu halten. Ich sehe nur die Zukunft vor mir, und den riesigen Kampf, sie in ihr eigenes Bett zu bringen. Ich probiere unzählige Methoden aus, nur damit sie in ihrem Bett schläft. Ich nehme unzählige

6 Kämpfe und Geschrei jetzt in Kauf, nur um etwaige Kämpfe in der Zukunft vermeiden zu können. Wer wäre ich ohne meine Geschichte? Gelassen. Ruhig. Voller Vertrauen. Ich spüre, wie schön es tatsächlich ist, meine Tochter nachts im Bett zu haben. Ich bin glücklich, sie bei mir zu haben. Umkehrung: Marwa will nicht für immer bei mir schlafen. Das ist sogar äußerst wahrscheinlich! Irgendwann kommt bei jedem Kind der Punkt, an dem es sich weiter abnabeln will. Und dazu gehört ein eigenes Bett. Ich kenne keinen Teenager, der nachts bei Mama schläft. Ich will für immer bei Marwa schlafen. Hmmm. Wenn ich ehrlich bin, finde ich es so toll, sie bei mir zu haben, dass ich es höchst wahrscheinlich vermissen werde, sie nicht bei mir zu haben. Es gibt nichts schöneres, als wenn sie sich nachts an mich kuschelt und den Arm um mich legt. Warum sollte ich so etwas Schönes aufgeben? Ich will für immer bei mir schlafen. Diese Umkehrung bringt viel Kraft und Unabhängigkeit mit sich: Es zeigt, dass ich nicht abhängig davon bin, ob meine Tochter oder mein Mann bei mir schlafen. Mein Glück ist ganz allein von mir abhängig, und von niemand sonst. Alles, was ich brauche, um Frieden und Glück zu empfinden, bin ich selbst.

7 Noch einen anderen Gedanken kann man hinterfragen: Mein Kind sollte nicht in meinem Bett schlafen. Ist das wahr? Es scheint so üblich zu sein, dass Kinder in ihrem eigenen Bett zu schlafen haben. Kann ich absolut sicher sein, dass Kinder in ihr eigenes Bett gehören? Nein. Erstens ist es in anderen Kulturen durchaus üblich, sie mit ins Bett zu nehmen, und andererseits frage ich mich, warum es so viele Babys gibt, die lieber bei Mama schlafen, als alleine, wenn es sich so gehört, dass sie alleine schlafen sollten. Können so viele Babys irren? Wie reagiere ich, wenn ich glaube, dass Kinder in ihrem eigenen Bett schlafen sollten, und mein Kind will unbedingt zu mir ins Bett? Genervt. Gestresst. Ich bekomme schlechte Laune. Ich fange an zu schimpfen. Es gibt ein riesen Theater. Ich nehme einen riesigen Kampf in kauf, nur um dem zu entsprechen, was so üblich ist. Wer wäre ich ohne meine Geschichte? Gelassen. Ich könnte sehen, dass es vielleicht doch auch für mich sehr angenehm ist, mein Kind bei mir zu haben. Ich bin klar. Ich sehe Möglichkeiten, wie wir alle zu dem kommen, was wir wollen und brauchen. Ich bin zufrieden, weil ich das tue, was für uns das richtige ist, und nicht für andere.

8 Umkehrung: Mein Kind sollte bei mir schlafen. Genauso wahr. Meine Tochter tut es. Sie ist glücklich. Und ich bin es auch. Ich sollte nicht bei Marwa schlafen. Auch wahr. Vielleicht bin ich es ja, die diese Nähe braucht? Vielleicht gibt in Wirklichkeit Marwa mir die Nähe, die ich brauche, und nicht umgekehrt? Vielleicht möchte in Wirklichkeit ich nicht alleine schlafen? Das bringt mich zu einer ganz anderen Möglichkeit: Vielleicht spürt mein Kind, was ich brauche, und kommt dem nach. Und erst, wenn ich selbst soweit bin, wird es auch mein Kind sein und in ihr Bett gehen. Erst, wenn ich selbst loslasse. Erst, wenn es für mich selbst OK ist. Was auch erklären würde, warum es ein riesiges Geschrei gibt, wenn ich sie zu früh in ihr eigenes Bett bringe. Weil ich selbst noch nicht soweit bin, gebe ich ihr unterschiedliche Signale und bin unklar. Das kann für Marwa sicher sehr frustrierend sein. Ich sollte nicht in meinem Bett schlafen. Ich finde diese Umkehrung sehr schwierig. Wie kann es sein, dass ich nicht in meinem Bett schlafen sollte? Wenn ich es so formuliere, gewinnt es sehr viel: Ich sollte nicht in meinem Bett schlafen, außer ich tue es. Und dass kann ich wirklich als wahr bezeichnen! Wie könnte ich etwas anderes tun, als ich tue? Es ist verrückt, aber wenn ich ganz einfach sehe, dass ich nun mal in nicht in meinem Bett schlafe, wenn ich nicht in meinem Bett schlafe, und ich zeitgleich niemals etwas anderes tun kann, geht auf einmal der ganze Widerstand, der sich aufbaut, wenn ich meine, ich sollte aber etwas anderes tun, verloren. Es fühlt sich sehr friedlich und sicher an. Und ich kann dasselbe auch bei meiner Tochter sehen: Sie sollte nicht in

9 ihrem Bett schlafen, außer sie tut es! Etwas anderes ist überhaupt nicht möglich! Ganz klar! Auf einmal ist es kein Problem mehr, denn wie könnte sie etwas anderes tun, als sie tut? Unmöglich. Soweit zu mir. Wie sieht es mit dir aus? Es kann natürlich genauso sein, dass es für alle Beteiligten die beste Lösung ist, in getrennten Betten zu schlafen. Tatsächlich kenne ich Kinder, die durchschlafen, seitdem sie in ihrem eigenen Bett schlafen. Auch das ist möglich. Es geht nicht darum, was wie getan werden muss. Es gibt keine allgemeingültige Lösung. Es gibt kein Rezept, wie alle glücklich sind. Es gibt nur Situationen und Lösungen. Erst, wenn du aufhörst, zu glauben, was wie getan werden sollte, wirst du klar sein, und die vielen Möglichkeiten entdecken, die sich aus vermeintlichen Problemen ergeben. Vielleicht entdeckst du ja, dass dieses vermeintliche Problem in Wirklichkeit ganz toll ist? Wenn du merkst, dass dich etwas stresst, überprüfe, ob dieser Stress gerechtfertigt ist. Schau dir genau an, was dich gerade stresst. Sind es Zukunftsvisionen? Überprüfe, ob sie Bestand haben, wenn du sie dir genauer anschaust. Sind es Dinge, die man macht? Frage dich, wer man ist, ob du es unbedingt genauso machen musst. Sind es Dinge, die vielleicht in Wirklichkeit gar nichts mit deinem Kind zu tun haben, sondern nur mit dir selbst? Ganz oft übertragen wir unsere eigenen Ängste und schlechten Erfahrungen auf andere Leute. Versuche zu trennen, was zu dir gehört, und was zu deinem Kind. Und schließlich: Dein Kind ist eine eigene Persönlichkeit! Auch wenn wir es manchmal gerne anders hätten, Kinder haben ihre ganz eigenen Wünsche und Vorstellungen und die decken sich nicht unbedingt mit unseren eigenen! Lerne, sie zu respektieren, genauso wie du möchtest, dass man deine Wünsche und Vorstellungen respektiert!

10 Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spass und Freude mit deiner Familie, und denk immer daran: Jeder Tag ist ein Geschenk! Genieße ihn! Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute, Hannah Boukraria Ps.: Übrigens, die 4 Fragen, die ich mir gestellt habe, sind von Byron Katie. Schau mal auf vorbei!

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