DIALOG. über BodenArchitektur. Architektur muss brennen. ein gespräch mit Wolf D. Prix.

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1 VORWERK TEPPICH DIALOG #4 People Projects Culture April 2011 DIALOG über BodenArchitektur Architektur muss brennen. ein gespräch mit Wolf D. Prix. Architechture has to burn. An interview with Wolf D. Prix. Vorwerk Teppich auf Den Messen 2011 Ein Resümee. Vorwerk Carpets at expositions in 2011 A summary. Wer sind wir? Das multiversum der Künstlerin Heike Weber. Who are we? The Multiversum by artist Heike Weber.

2 Editorial VORWERK TEPPICH 3 01 INterview S.04 Architektur muss brennen. ein gespräch mit Wolf D. Prix. P. 04 Architechture has to burn. An interview with Wolf D. Prix. Zuschnitt von Heike Webers Multiversum Cut-out from Heike Weber s Multiversum 02 Transflooring S.08 Vorwerk Teppich auf Den Messen 2011 Ein Resümee. P. 08 Vorwerk Carpets at expositions in 2011 A summary. 03 Art Commitment S.12 Wer sind wir? Das multiversum der Künstlerin Heike Weber. Wolf D. Prix generiert ihn, wir verwandeln ihn, Heike Weber schneidet ihn aus: den Teppichboden. P. 12 Who are we? The Multiversum by artist Heike Weber. Heike Weber Kilims, 2008, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz 04 Recent Projects S. 16 Unser neuer Internetauftritt. P. 16 Our new internet presentation. Wenn Sie einen Menschen beschreiben lassen, was er zuerst in einem Raum gesehen hat, werden Sie sehen, dass der Blick nicht a priori gegen die Decke gerichtet ist, sondern vielmehr Wand und Boden als Einheit wahrnimmt oder den Kontrast zwischen Wand, Decke und Boden. So beschreibt Wolf D. Prix die Wahrnehmung der Raumarchitektur. Und so allgemeingültig seine Beobachtung zu sein scheint, so unterschiedlich sind die Möglichkeiten, Boden zu gestalten. In einem ausführlichen Interview, das die Journalistin Lilli Hollein für die DIALOG mit ihm führte, spricht Wolf D. Prix über komplexe Systeme, computergenerierte Teppichfliesen und die Verwandlung des Bodens in Himmel (S. 4). Die Verwandlung des Bodens war auch Thema unserer diesjährigen TRAns- FLOORING TOUR. Auf der DOMOTEX, der BAU, der imm cologne und dem Design Parcours der Kölner PASSAGEN haben wir uns mit einer vielschichtigen Besucherschaft unterhalten: Architekten, Händlern, Branchenkennern, Medienvertretern. Wie schon im Vorjahr herrschte eine beflügelte Stimmung voller angeregter Gespräche. Wir ziehen ein kurzes Resümee und zeigen ein paar Eindrücke (S. 8). In der Rubrik ART COMMITMENT möchten wir Sie anschließend in das Museum Marta Herford führen. Anlässlich der Ausstellung Wir sind Orient Zeitgenössische Arabesken hatte das Museum u. a. die Künstlerin Heike Weber eingeladen, der Frage nach typisch europäisch und typisch orientalisch nachzugehen. Das Ergebnis: eine Raum-Skulptur namens Multiversum, die den Boden und die Wände eines der Ausstellungsräume mit einem blutroten Teppichboden-Scherenschnitt (unserem Velours-Klassiker Modena) überzog. Wir haben mit Heike Weber über ihre Arbeit gesprochen und dabei erfahren: Sie malt mit Teppichboden (S. 12). Übrigens: Unsere Design-Fliesenkollektionen SCALE und FreeSCALE wurden ge rade mit dem Focus in Silber ausgezeichnet. Die Jury des internationalen Design preises Baden-Württemberg, Focus Open 2010, war von den Mosaikmöglichkeiten des Systems und dem sich daraus ergebenden Gestaltungsfreiraum für Architekten überzeugt. Wir hoffen, Sie sind dies auch. Fragen Sie uns! Sprechen Sie uns an! Oder besuchen Sie unsere in Kürze vollständig überarbeitete Website auf Ein Vorgeschmack finden Sie auf der Rückseite. Ihr Johannes Schulte, Geschäftsführer Vorwerk Teppichwerke Wolf D. Prix generates it, we transform it, Heike Weber cuts it out: The Carpet. If you have a person describe what they saw first in a room, you ll see that their gaze is not directed a priori towards the ceiling but all the more so towards perceiving wall and floor as a unit or the contrast between wall, ceiling and floor. That s how Wolf D. Prix describes the perception of room architecture. And as universal as his observation appears to be, the possibilities to design a floor are just as varied. In an exhaustive interview that journalist Lilli Hollein conducted with him for DIALOG, Wolf D. Prix talks about complex systems, computer-generated carpet tiles and the transformation of the floor in the sky (p. 4). The transformation of the floor was also the theme of our TRANSFLOORING TOUR this year. We talked with a multifaceted visiting public at the DOMOTEX, BAU and imm cologne trade fairs, and on the concourse at the exhibition PASSAGEN in Cologne. Architects, retailers, industry cognoscenti, media representatives... As with the year before, an inspired mood full of animated discussions reigned. We offer a brief summary and show a few impressions (p. 8). In the column ART COMMITMENT we would like to follow up by taking you to the Museum Marta Herford. On the occasion of the We are Orient Contemporary Arabesques exhibition the museum had invited artist Heike Weber, among others, to pursue the issue of what is typically European and typically Oriental. The result: a spatial sculpture called Multiversum that covered the floor and walls of one of the exhibition halls with a blood-red carpet cut-out (our velours classic, Modena). We talked with Heike Weber about her work and learned: She paints with carpets (p. 12). By the way: Our design tile collections SCALE and FreeSCALE were recently awarded the Focus in Silber. The jury at Focus Open 2010, the international prize for design given by the State of Baden-Württemberg, was convinced by the system s mosaic possibilities and resulting design leeway for architects. We hope that you are, too. Ask us! Talk to us! Or visit our soon to be completely revised website at A taste of what s to come can be found on the last page. Johannes Schulte, CEO Vorwerk Teppichwerke

3 INterview VORWERK TEPPICH 4 INterview VORWERK TEPPICH 5 Ob man die Parallelen mit Fußball, Hirnforschung oder der Musik von den Rolling Stones zieht, Architektur muss brennen Text: Lilli Hollein formulierten Coop Himmelb(l)au Und heute? Ein Gespräch mit Wolf D. Prix. Heute genießt das 1968 von Wolf D. Prix gemeinsam mit Helmut Swiczinsky gegründete Architekturbüro Weltruhm. Nach Jahren kleiner, aber aufsehenerregender Projekte, wird derzeit eine Vielzahl an Bauaufgaben realisiert und abgewickelt, dennoch hat Wolf Prix seinen Blick stets auch auf etwas anderes gelenkt: auf die Architektur der Zukunft. Lilli Hollein: Wir sitzen hier vor Ihrem eben im Taschen Verlag erschienen catalogue raisonné Coop Himmelb(l)au, complete works Nach vielen Jahren ungebauter, visionärer Projekte ist für das Büro zuletzt die Zeit der Visionen, die umgesetzt werden konnten, angebrochen. Kommt nun die Zeit einer neuen Utopie? Wolf D. Prix: Es ist eine gute Zeit für Utopien. Vor 10 Jahren hätte ich ge - sagt, ich wollte kein Jungarchitekt mehr sein, weil sich unser Berufsbild gewandelt hat, zum Schlechteren, wie ich meine, aber jetzt ist wieder eine gute Zeit für Utopien, aber nicht in formale, sondern in soziale Richtung gedacht: dass man gesellschaftspolitische Utopien verkleidet in Architektur der Öffentlichkeit vorstellt. Man sieht ja, dass Großprojekte, Ideen, die nicht sofort verstanden werden, oft bekämpft werden. Von den Bürgern, die Mitbestimmung, Mitspracherecht verlangen für Entscheidungen, die zum Teil so komplex sind, dass sie in kurzer Zeit nicht erklärt werden können. Das bringt mich zu einer anderen Idee: Ich habe mich vor kurzem mit einem Systemforscher über komplexe Systeme unterhalten. Mir wurde gesagt, dass komplexe Systeme und unsere Gesell - schaft ist ein solches so differenziert sind, dass sie immer komplexer werden. Komplexe Systeme verlangen folglich nach komplexen Lösungen, einfache Lösungen würden nicht mehr zum Erfolg führen und komplexe Lösungen haben den Nachteil, dass sie nie optimal sind. Sie haben also nicht nur Vorteile, sondern wie jeder Vorteil auch Nachteile. Daher ist es sehr schwierig, diese Lösungen einfach zu kommunizieren, es geht gar nicht! Diese Lösungen haben aber den Vorteil, dass sie neu sind. Einfache Lösungen wie JA/NEIN sind nicht neu, sie sind beharrend. Das ist die Schwierigkeit. Ich glaube das wäre die Gelegenheit für junge Architekturschaffende, sich intensiv mit diesem Problem auseinanderzusetzen und Vorschläge zu bringen, welche Plattformen wir benützen sollten, um solche Problemlösungen kommunizieren, zu können. Es ist tatsächlich eine Zeit, die danach verlangt. Wenn man die Zeitungen liest, sieht man: Es wird den Politikern vorgeworfen, dass sie keine Lösungen anbieten, dass sie keine Veränderungen provozieren. Das hat den Grund, dass sie sich fürchten, diese komplexen Lösungen, die eben auch Nachteile haben, zu kommunizieren und daher mit den Medien an der Oberfläche surfen und das führt zu Missverständnissen. WP: Wenn man den Architekten, die Architektin als Strategen begreift, dann ist es so. Wenn man nur Erfüllungsgehilfe der Wünsche des Bauherren ist, dann ist es nicht so. Wenn wir uns zu Erfüllungsgehilfen machen, dann manövrieren wir uns ins Abseits. Ich denke, dass die Architektinnen und Architekten der Zukunft strategisch denken können müssen, um eben diese komplexen Lösungen anpeilen zu können. LH: Um nochmal auf die Komplexität in der Kommunikation und einem politischen Umfeld zurückzukommen: Nach anfänglichen Vorbehalten haben Sie sich nun doch entschlossen, in China zu bauen. Die Region gilt für europäische Architekturschaffende durchaus als schwieriges Terrain. Hat sich die Situation entschärft, oder ist es das sportliche Dabei sein ist alles? WP: Da gibt es ein Missverständnis. Es gab den Vorwurf an Kollegen, dass sie für ein autoritäres System bauen. Das geht ins Leere, Brunelleschi hat damals auch für ein sehr autoritäres System, nämlich für die katholische Kirche, ein großartiges Bauwerk, nämlich die Kuppel von Florenz, geschaffen. Wir waren nicht nur skeptisch, wir haben auch schlechte Erfahrungen gemacht in China. Aber mittlerweile hat sich China gewandelt und auch das Bild der Architektur. Wir können dort machen, was wir uns vorstellen. Wir können auch den Auftraggeber überzeugen, von Dingen, die er ursprünglich nicht wollte. Man wollte, dass wir systemkonform bauen, und viele haben sich das gefallen lassen. Unsere Bauten und die von Rem Koolhaas, Herzog & de Meuron oder auch von Steven Holl sind aber sicher nicht systemkonform, sondern sie sind wie Viren in einem Gewebe. Wir hoffen, dass sich dieser Virus einer offenen Architektur weiterverbreitet. Kontraproduktiv ist es, wenn man sich anbiedert um des Auftrages Willen. Wir haben das nicht gemacht und deshalb auch Schwierigkeiten gehabt. Aber jetzt ist es soweit, dass unsere formale Sprache und die funktionellen Ideen, die wir bringen, akzeptiert werden. LH: Eine dicke Haut braucht man ja nicht nur in dieser Region, auch Bauen in Europa ist ja nicht immer eine einfache Sache. WP: Man spricht in Österreich und Deutschland gerne von Baukultur und meint dann Architektur als formale Übung. Baukultur ist die Kultur am Bau und die ist tatsächlich nicht vorhanden. Das ist mörderisch, fast ein Krieg auf der Baustelle, wo gewisse Berufszweige dazu da sind, Schuldzuweisungen zu verteilen, um dann nachher, nachdem sie keine Verantwortung übernommen haben, immer Recht zu haben. Das ist das, wogegen ich mich wende. Es gibt aber ein Licht am Horizont: Es gibt eine neue Planungsmethode, die dem Architekten die Kontrolle zurück gibt und es ihm ermöglicht, die Änderungen auf der Baustelle wirklich kontrolliert nachzuvollziehen. Er muss sich nicht mehr durch Zeit- und Kostendruck beirren lassen, sondern wird all dies steuern können. Building Information Modeling heißt die Software, die auch Frank Gehry verwendet. LH: Ein Werkzeug, das in Anbetracht der Abwicklung von komplexen Großprojekten wie der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt wohl ge rade zur rechten Zeit kommt. Wie läuft das Projekt EZB? WP: Für die EZB sind wir dabei in guter Zusammenarbeit mit Vorwerk einen Teppichboden zu entwickeln. Es ist ein Teppich für verschiedene Bereiche, der, obwohl er nur aus wenigen Teilen besteht Teppichfliesen wenn man so will, unterschiedliche Anordnungen zulässt. Diese werden über den Computer generiert. Wir machen bei der EZB sozusagen eine Computertomographie des Bodens, die übersetzt wird in verschiedenste Muster und Farben. Das ist übrigens ein Thema: Räume, die nicht zur Ermüdung führen. Wir haben in den 1970er Jahren ein Forschungsprogramm absolviert, wo wir das Wohlfühlelement in einem Raum analysiert haben. Wohlfühlen, Konzentration und Lebendigkeit werden beeinflusst nicht nur von der Raumform was man ja gerne vergisst, sondern auch von einer differenzierten Atmosphäre. Das heißt: Gleichförmiges Licht, gleichförmige Farben, gleichförmige Blickpunkte lassen den Menschen schneller ermüden als ein so genanntes Reizklima. Nur dieselbe Temperatur in einer Wohnung ist furchtbar, in einem Raum Wärme, in einem anderen kälter, das macht munter. Licht ohne Spots dazwischen führt zur Ermüdung. Dasselbe gilt auch für den Boden. Der Boden ist ein ganz wichtiges Thema in der Architektur, man nimmt den Boden eher wahr als die Decke. Und Vorwerk ist eine progressiv denkende Firma, die in Zusammenarbeit mit berufenen Leuten das Thema Boden weiterentwickelt. Das vollständige Interview als Video auf: The complete interview as video at: LH: Ist die Entwicklung auch dahingehend, dass nicht die Architektur die Lösung ist, sondern multidisziplinäres Nachdenken und Zusammenwirken über die Lösung komplexer Probleme? Pavillon/Pavilion 21 MINI Opera Space, München/Munich

4 INterview VORWERK TEPPICH 6 INterview VORWERK TEPPICH 7 Wenn Sie einen Menschen beschreiben lassen, was er zuerst in einem Raum gesehen hat, werden Sie sehen, dass der Blick nicht a priori gegen die Decke gerichtet ist, sondern vielmehr Wand und Boden als Einheit wahrnimmt oder den Kontrast zwischen Wand, Decke und Boden. Außerdem wird der Boden in der neuen Architektur anders definiert als nur eben. Der Boden vermittelt uns das Gefühl der Standfestigkeit, Gleichgewicht vermittelt Sicherheit. Wenn ich nun also einen schiefen Boden habe, entsteht ein anderes Gefühl, ebenso ist es mit weichem Boden und hartem Boden, steinigem Untergrund und ähnlichem. All das sind Themen, die in der Architektur immer wichtiger werden, im Sinne des Reizklimas. Wir haben Aspekte dieser Thematik formuliert, als wir in Zusammenarbeit mit Vorwerk einen Teppich gemacht haben, der eigentlich ein Bild war, das an der Wand hängt. Oder eine Zeichnung von mir, die wir im Teppich gespiegelt haben (Anm.: Dialog Art Collection, 1991, und Pieces, 2004). Der Boden war also Wand. Als weiteren Schritt in die Verunsicherung könnte ich mir vorstellen, den Boden als Himmel auszubilden. Gespiegelter Himmel so wie in den Barockkirchen, die Auflösung der Architektur in den Himmel. Barockarchitektur war übrigens die erste Medienarchitektur. Der nächste Schritt wäre also, dass man den Boden nicht mehr existieren lässt. LH: Ähnliche Umbrüche in der Wahrnehmung unseres Umfelds planen Sie auch mittels neuer Ansätze und den damit verbundenen Werkzeugen für eine Entwicklung der Städte. WP: Wir beschäftigen uns mit neuen Ideen der Stadtplanung, etwa dem Ersatz der Baufluchtlinie durch Energielinien. Außerdem beobachten wir interessante Resultate, wenn wir den Vergleich zwischen Wachstum und den Funktionen unseres Gehirns und einer Stadt machen. Die Funktionen einer Synapse und die Organisation unseres Gehirns sind als assoziatives Vorbild für gewisse Entscheidungsvorgänge in der Stadtplanung vorstellbar. Ein Flächenwidmungsplan ist meiner Meinung nach ein altertümliches Planungsinstrument. Ich glaube auch nicht, dass man das durch Raumplanung ersetzen kann, sondern dass man da andere Methoden verwenden muss, die nur über die Maschine Computer generiert werden können. Eine Stadtbezirk etwa: Was muss ich tun, damit der nicht überaltert? Was für Maßnahmen muss ich setzen? Schulen bauen, Kindergärten, Parkflächen schaffen. Was hat das für Auswirkungen auf das Steuereinkommen des Bezirks? Wie können diese Geldmittel für den Ausbau des Verkehrsnetzes verwendet werden, und wie wird dieser Geldfluss sich verändern, wenn man integrative Momente in diesem Bezirk festsetzen kann? All das kann man als Szenarien ausbilden und diese sollten als Entscheidungsgrundlage für Politiker dienen. Diese Parameter sind nicht nur Architektur, Stadtraum, sondern auch Migration, Geldfluss, Verkehrsfluss, Energiefluss, die mit parametrischen Designtools entwickelt und gelenkt werden können. LH: Es ist beeindruckend, wie es Ihnen gelingt, neben den derzeit im Bau- und Projektstadium befindlichen Großprojekten, die Ihr rapide gewachsenes Büro beschäftigen, auch solche Forschungsprojekte weiterzutreiben. Wie viel Zeit von Ihnen persönlich geht denn noch in Entwurf und Nachdenken über Architektur? WP: Viel! Das ist der Vorteil von heute. Ein Architekturbüro, wo der Architekt alles kann, sowohl rechtlich, finanziell, entwerfen, die Firmen im Griff halten das ist ja heute ein Ding der Unmöglichkeit, das ist 19. Jahrhundert. Das ist leider vorbei. Die Größe der Projekte lässt das auch nicht mehr zu. Architektur heute, ein Büro heute kann man mit einer Fußballmannschaft vergleichen: Es besteht aus Teamspielern, die ins Team kommen, weil sie gewisse Posten besonders gut spielen können und sich austauschen. Dieses Team arbeitet gemeinsam an einem Projekt, aber es gibt einen, der den genialen Pass gibt, der dann zum Tor führt. Und in dieser Rolle sehe ich mich. Das macht die Erfahrung. Der nächste Schritt wäre, dass man den Boden nicht mehr existieren lässt. Today the bureau for architecture founded jointly back in 1968 by Wolf D. Prix and Helmut Swiczinsky is world-famous. After years of small but attentiongetting projects, quite a few construction contracts are currently being enacted and completed. Yet Wolf Prix always has an eye focused on something else, too: on the architecture of the future. Whether parallels are drawn to football, brain research or the Rolling Stones music, Architecture has to burn COOP HIMMELB(L)AU stated in And today? An interview with Wolf D. Prix. Lilli Hollein: We re sitting here in front of your catalogue raisonné, Coop Himmelb(l)au, complete works , which has just been released by your publisher, Taschen Verlag. After many years of never-built visionary projects, the era of visions that were able to be enacted has finally dawned for the firm. Has the time come for a new utopia? Wolf D. Prix: It s a good time for utopias. 10 years ago I would have said I don t want to be a young architect any more because the image of our occupation has changed, in my opinion for the worse. But now it s a good time for utopias again, not in a formal line of thought but in a social mindset: sociopolitical utopias are presented to the general public disguised in architecture. We see that large-scale projects, ideas that are not immediately understood, are often fought against. By citizens who demand co-determination, the right to have their say regarding decisions, some of which are so complex that they can t be explained in a short time. Which brings me to another idea: I recently talked with a systems researcher about complex systems. I was told that complex systems and our society is one of them are so differentiated that they are becoming more and more complex. Complex systems consequently call for complex solutions. Simple solutions would no longer lead to success, and complex solutions have the disadvantage that they are never optimal. In other words, they not only have advantages, but just like any advantage there are disadvantages, too. That makes it very difficult to communicate these solutions simply: It doesn t work at all! Then again, these solutions have the advantage that they are new. Simple solutions like YES/NO aren t new, they re inert. That s the difficulty. I think this would be the opportunity for young people creating architecture to examine this problem intensely with a critical eye and bring up suggestions as to which kinds of platforms we should use in order to be able to communicate problem-solving solutions. It truly is a time that calls for this. When you read the newspapers you see: Politicians are accused of not offering any solutions, of not provoking any kinds of changes. The reason for this is that they re afraid to communicate that these complex solutions have their disadvantages as well, which is why they surf along the surface together with the media and that leads to misunderstandings. LH: Is this development also headed in the direction that architecture is not the solution when it comes to solving complex problems, but multi disciplinary reflection and inte r- action instead? WP: If the architect is understood as a strategist, then that s true. But if you re only a kind of vicarious agent for the builder s wishes, then it s not. If we turn ourselves into mere accomplices, then we manoeuvre ourselves onto the sidelines. I think that the architects of the future, both men and women, have to be able to think strategically in order to be able to target precisely these kinds of complex solutions LH: Going back to the complexity in communication and the political environment again: Following initial reservations you have now decided to build in China, after all. For European architecture-creators, the region is definitely viewed as difficult terrain. Has the situation toned down, or is it more a sporty taking part is all that counts? WP: A misunderstanding exists there. A reproach was made against fellow colleagues that they were building for an authoritarian system. There s no substance to that. Brunelleschi contracted for a very authoritarian system too at the time, namely the Catholic church. A fabulous edifice, the cathedral cupola in Florence. We weren t just sceptical, we had several bad experiences in China, too. But meanwhile China has changed, and the image of architecture has changed as well. We can do things there the way we picture them. We can also convince the client to try things they originally didn t want. The wish was that we build in conformity to the system, and lots of people put up with that. On the other hand, our buildings and those from Rem Koolhaas, Herzog & de Meuron or even Steven Holl are certainly not in conformity to the system, they re like viruses in a tissue. We hope that this virus of an open-minded architecture spreads. It s counterproductive to curry favour just for the sake of the contract. We didn t, and that s why we had difficulties. But now the point has been reached where our form language and the functional ideas we bring along are being accepted. LH: That region isn t the only one where you need a thick skin. Building in Europe isn t always a simple matter, either. WP: People in Austria and Germany like to talk about a building culture, though what they mean is architecture as a formal exercise. Building culture is the culture created in the on-site construction, and that truly doesn t exist. It s murderous, almost a war at the construction site, a place where certain professions are there to hand out accusations and blame others, only to always claim afterwards that they were right after not assuming the slightest responsibility. That s what I m opposed to. But there is some light on the horizon: There is a new planning method that gives the control back to the architect and enables them to reconstruct modifications at the construction site in a truly controlled way. The architect doesn t have to let themself be swayed by pressure on time and costs, he or she can steer all that instead. The software is called Building Information Modeling. Frank Gehry uses it, too. LH: Keeping the completion of complex, large-scale projects like the European Central Bank (ECB) in Frankfurt in mind, a tool that has certainly come at the right time. How is the ECB project progressing? WP: We re designing a carpet for the ECB in the course of a smoothly running co-operation with Vorwerk. It s a carpet for various areas, and although it consists of only a few segments carpet tiles, you could say it allows various arrangements. These are generated via computer. We re making a computed tomogram of the floor at the ECB, so to speak, which is then translated into the The next step would be not to let the floor exist any more. Getufteter Velours-Teppich von Coop Himmelb(l)au für die Vorwerk ART COLLECTION/ Tufted velours carpet by Coop Himmelb(l)au for the Vorwerk ART COLLECTION widest variety of patterns and colours. That s an issue, by the way: Rooms that don t make you tired. We concluded a research programme in the 1970s in which we analysed the element of well-being in a room. Well-being, concentration and liveliness are influenced not only by the spatial form something people love to forget but by a differentiated atmosphere as well. Which means: Even lighting, even colours, even points of focus let people get tired faster than a so-called stimulating climate. Just having the same temperature in a flat is horrible. Warmth in one room, colder in another, that picks you up. Lighting without spots in between makes you tired. The same goes for the floor. The floor is a very important subject in architecture. The floor is perceived more readily than the ceiling. And Vorwerk is a progressivethinking firm that develops the topic of the floor further while working together with qualified people. If you have a person describe what they saw first in a room, you ll see that their gaze is not directed a priori towards the ceiling but all the more so towards perceiving wall and floor as a unit or the contrast between wall, ceiling and floor. Besides that, in new architecture the floor is defined differently from being merely level. The floor conveys the feeling of stability to us, balance communicates safety, security. Now, if I have an uneven floor, a different feeling arises. It s the same with a soft floor and a hard floor, with stone subflooring and the like. These are all topics that are becoming more and more important in architecture in the sense of the stimulating climate. We formulated aspects of this theme when we made a carpet in co-operation with Vorwerk that was basically a picture hanging on the wall. Or a drawing I made that we mirrored in a carpet (Note: Dialog Art Collection, 1991, and Pieces, 2004). In other words, the floor was the wall. As a further step into insecurity I could picture forming the floor as the heavens. Mirrored heavens like they have in Baroque churches, the dissolution of architecture in the sky. By the way, Baroque architecture was the first media architecture. The next step would be not to let the floor exist any more. LH: You re also planning upheavals of a similar nature in how we perceive our surroundings by using new approaches and the tools associated with them to wards urban development. WP: We re occupying ourselves with new ideas in urban planning, for instance replacing the building alignment with energy lines. Apart from that, we re seeing interesting results when we make the comparison between growth and the function of our brain and that of a city. The functions of a synapse and the organisation of our brain are conceivable as an associative role model for certain decision-making occurrences in urban planning. In my opinion, a zoning plan is an outdated planning instrument. Nor do I believe that it can be replaced by spatial planning. Other methods have to be used there that can only be generated via the machine called a computer. An urban district, for example: What do I have to do so that it doesn t get too old as a whole? What kind of measures do I have to take? Build schools, kindergartens, create parking areas. What kind of impacts does that have on the district s tax revenue? How can these funds be used to expand the traffic network, and how is this flow of money going to change when integrative moments can be established in that district? All that can be formed into scenarios, and they should serve as the basis for politicians decision-making. These parameters are not only architecture and urban space, they include migration, money flow, traffic flow and energy flow, too. All of which can be developed and guided using parame t- rical design tools. LH: It s impressive how you manage to forge ahead with research projects like that alongside the large-scale projects presently in the construction and project phases that keep your rapidly grown bureau busy. How much time is left for you personally to spend on drafting and thinking about architecture? WP: Lots! That s the advantage nowadays. An architect s bureau where the architect can do everything, the legal side, the financial side, draft, keep a grip on the companies today that s out of the question, it s 19th century. It s unfortunately dead and gone. The scale of the projects doesn t allow that to happen any more, either. Architecture these days, a bureau these days can be compared with a football team: It s made up of team players who come onto the team because they can play certain positions particularly well and are able to give and take. This team works jointly on a project, but there s one player who sets up a brilliant pass that then leads to the goal. I see myself in that role. Experience does the trick.

5 transflooring VORWERK TEPPICH 68 transflooring VORWERK TEPPICH 9 Vorwerk Teppich auf der DOMOTEX, der BAU, der imm cologne und den Kölner Passagen. Ein Resümee. DOMOTEX, Hannover/Hanover

6 transflooring VORWERK TEPPICH 10 transflooring VORWERK TEPPICH 11 Der erste Teil unserer TRANSFLOO- RING TOUR führte uns vor einem Jahr auf einen neuen, sehr eigenen Weg der Präsentation und Kommunikation eine Kommunikation, die Ausdruck eines kreativen Bodenverständnisses ist, und ein Konzept, das Freiraum schafft für Neues, so Johannes Schulte, Geschäftsführer der Vorwerk Teppich. Die positive Resonanz des letzen Jahres bekräftigte uns, diesen Weg auch 2011 weiter zu verfolgen. Vier sehr unterschiedliche Plattformen die DOMOTEX, die BAU, die imm cologne und der Design Parcours der Kölner PASSAGEN zogen eine vielschichtige Besucherschaft an. Auf den neu gestalten Messeständen und während des Ausstellungs-Events bei Meiré und Meiré in Ehrenfeld, trafen Ideen auf Produkte, Menschen auf Marken, Vorhaben auf Lösungsansätze. Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen: die Neuauflage der Objektkollektion PROJECTION und die ART COLLEC- TION, die in den letzten Jahren in Kooperation mit zahlreichen Künstlern entstand. Angeregt durch das kreative Umfeld und die Inhalte des Transflooring Talks mit Prof. Dr. Herbert Lachmayer und der Journalistin Lilli Hollein, suchten viele Interessenten einen aktiven Gedankenaustausch mit uns. Es herrschte eine beflügelte Stimmung voller angeregter Gespräche. Genau das hatten wir uns erhofft., resümiert Johannes Schulte. Passagen, Köln/Cologne BAU, München/Munich imm, Köln/Cologne TRANSFLOORING 2011 Vorwerk Carpets at the trade fairs DOMOTEX, BAU and imm cologne, as well as on the PASSAGEN design concourse in Cologne. A summary. A year ago, the first part of our TRANSFLOORING TOUR led us to a new and very own way of im ple menting presentation and communication communication that expresses a creative understanding of the floor along with a concept that creates room for the new, according to Johannes Schulte, CEO at Vorwerk Carpets. The positive feedback over the last year encouraged us to pursue this path further in Four very differ - ent platforms the DOMOTEX, BAU and imm cologne trade fairs together with the design concourse at the PASSAGEN exhibition in Cologne drew a multifaceted visiting public. Ideas met up with products, people with brands, and projects with problem-solving approaches at the newly designed trade-fair booths. The same occurred during the exhibition event at the agency Meiré und Meiré in Cologne-Ehrenfeld. The focal point of all these events: the new edition of PROJECTION, a carpet collection for business sites, and ART COLLECTION, which arose in recent years in co-operation with numerous artists. Stimulated by the creative environment and the content of the Transflooring Talk with Professor Dr Herbert Lachmayer and journalist Lilli Hollein, a large number of in te r e sted visitors sought an active exchange of opinions with us. An inspired mood full of animated discussions reigned. Exactly what we had hoped for, was how Johannes Schulte summed up the events.

7 Art Commitment VORWERK TEPPICH 12 Art Commitment VORWERK TEPPICH Wer sind wir? Und woher stammen bestimmte Aspekte unserer Kultur? Das Multiversum der Künstlerin Heike Weber. Heike Weber: Multiversum, 2010 Teppichbodenschnitt, Installationsansicht Marta Herford 2010/ Carpet cut-out, installation view Marta Herford 2010 Der Begriff des Orients verweist auf ein widersprüchliches Verhältnis zwischen westlichen Gesellschaften und dem Nahen Osten. Ist dieses Verhältnis heute vielfach geprägt durch eine ängstliche Distanz gegenüber einer fremden Welt, so sind vor allem in Verbindung mit dem Begriff des Orients auch romantisie rende Vorstellungen mit einer Vorliebe für das Exotische lebendig. Doch jenseits dieser klischeebehafteten Vorstellungen offenbart ein genauer Blick auf die Geschichte des Ornaments eine jahrhundertealte Beziehung zwischen westlichen und östlichen Bildkulturen. (Museum Marta Herford) Unter dem Ausstellungsthema Wir sind Orient Zeitgenössische Arabesken versammelte das Museum Marta Herford von Dezember bis Februar fünf zeitgenössische westeuropäische Künstler, in deren Werk das Ornament eine zentrale Rolle spielt. Unter ihnen: die Künstlerin Heike Weber, die mit ihrer Rauminstallation Multiversum Boden und Wände eines der Ausstellungsräume mit einem Liniengeflecht aus rotem Teppichboden überzog. Wir haben uns mit ihr über ihre Arbeit unterhalten: Frau Weber, sind Sie Orient? Ich glaube, ich bin durch und durch (aus dem) Okzident. Allerdings inspiriert mich der Orient enorm. Ein NRW-Stipendium 2006/07 in Istanbul hat mir viele neue Impulse für meine Arbeit gegeben. Ich betrachte die östliche Bildersprache mit meinem westlichen Blick. In Ihren Arbeiten führen Sie Betrachtern das Eigene im Fremden vor. Was bewegt sie dazu? Sie beziehen sich bei der Frage auf die Silikonteppiche, für die ich postkartengroße Souvenir-Teppiche aus Istanbul als Vorlage verwende. Diese benutze ich rein formal, denn für die Ornamentik verwende ich rein westliche Motive und vermeide jegliche Symbolik. Die kilims haben in einer Ausstellung in Istanbul und auf der Mardin Biennale große Irritation hervorgerufen, da die türkischen Betrachter natürlich ihre gewohnte Symbolik in den Zeichen gesucht, aber nicht gefunden haben. Ich verwende das Ornament als zeichnerischen Ausdruck und nicht als inhaltliches Symbol. Die Kraft der Arbeit liegt in ihren profanen Mitteln und deren Verwandlung im Zusammenspiel mit dem Raum. Der Raum wird durch meine Eingriffe zur Skulptur.

8 VORWERK TEPPICH Art Commitment VORWERK TEPPICH 15 Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihre Installation multiversum, die kürzlich im Museum Marta Herford zu sehen und zu begehen war. Großartigerweise hat mir die Firma Vorwerk die Realisierung dieser raum greifenden Arbeit ermöglicht. Ich habe einen kompletten Saal (1200 x 1000 x 1200 cm) mit einem blutroten Teppichboden-Scherenschnitt überdeckt. Dafür habe ich 260 m 2 Veloursteppichboden der Qualität Modena zusammen mit meinem Assistenten in einen Scherenschnitt verwandelt. Ausgangspunkt der Zeichnung waren Gummiringe, die ich gescannt habe. Aus der Vielzahl an Kringeln habe ich am Computer eine all over structure für den organisch geschwungenen Raum von Frank Gehry entwickelt. Die begehbare Zeichnung ist am Boden verdichtet und löst sich bis in eine Höhe von 12 m auf. Der Betrachter wird körperlich in die Raum-Skulptur eingebunden und hochgesogen. Er ist von der Zeichnung umschlossen und somit ein Teil davon. Nur durch ihn wird die Arbeit fühl- und erfahrbar. Ein Universum ist nicht fassbar, so wie sich auch meine Arbeit mit ephemeren Zuständen beschäftigt. Die Entgrenzung des Raumes ist mein Thema. Die Wissenschaft vermutet, dass nicht nur eins, sondern mehrere Universen existieren, und die grafische Anschauung ähnelt meiner Zeichnung sowie meiner Idee. Ein Universum ist nicht fassbar, so wie sich auch meine Arbeit mit ephemeren Zuständen beschäftigt. Die Entgrenzung des Raumes ist mein Thema. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Vorwerk Teppich? Das Mutterhaus der Firma Vorwerk ist in Hameln ansässig, und deshalb gab es gleich einen guten Kontakt zwischen dem Museum Marta und der Firma Vorwerk. Vorwerk hat die Arbeit komplett gesponsert. Sonst wäre eine Finanzierung und somit eine Realisierung der Arbeit nicht möglich gewesen. Allerdings hatte ich selber auch den Wunsch geäußert, mit Vorwerk zusammenzuarbeiten, da ich schon früher Vorwerk-Teppichböden für Bodenzeichnungen für das Museum Morsbroich in Leverkusen (2004) und für die Ausstellunghalle zeit - genössische Kunst in Münster (2007) verwendet hatte. Die Qualität und die Farbauswahl überzeugen mich. Welche Eigenschaften waren Ihnen bei der Auswahl des Materials / des Teppichs wichtig? Die Dicke des Velours und die Farbe. Mir ist wichtig, dass die Zeichnung erhaben auf dem Boden des Ausstellungsraumes liegt quasi wie ein begehbares Relief. Das führt dazu, dass der Besucher die Arbeit nicht nur sieht, sondern auch fühlt. Das dadurch kostbar erscheinende Material beeinflusst die Bewegung des Betrachters im Raum. Und das Rot erscheint tief und matt durch den dichten Velours. Es gibt keine Spiegelung keine Reflexion, und man wird förmlich von der Farbe aufgesogen. Ich habe Rot verwendet, weil es für mich die körperlichste und leidenschaftlichste Farbe ist. Man könnte fast sagen: Ich male mit Teppichboden, aber mich interessiert die Zeichnung. In der Linie liegt die Zeit und das Hier und Jetzt. Welche Werkzeuge haben Sie verwendet? Den Cutter, viele Assistenten, Selbstklebefolie und Hubwagen/Steiger zum Montieren der Arbeit. Sie haben einmal gesagt: Ich arbeite wie ein Seismograf und zeichne ein Echo des Raumes. Wenn Sie dieses Echo nun mit HILfe eines TEPPICHbodens zeichnen, verändert dieser Teppichboden nicht wiederum die Intensität der Erschütterungen im Raum? Ein ewiger Zyklus? Das Zitat steht im Zusammenhang mit meinen architekturbezogenen Boden- und Raumzeichnungen, die ich mit Edding-Markern wie Schallwellen auf die Wände oder Elemente im Raum be ziehe. Aber natürlich ist der Gedanke auf den Teppichboden übertragen interessant. Die Teppichbodenarbeiten sind freier konzipiert und setzen den Raum als Bildträger ein. Das Material Teppich absorbiert den Schall. Man fühlt sich wie in einem geschlossenen, geschützten Raum. Der Teppich suggeriert Geborgenheit, aber die Zeichnung entgrenzt den Raum, und man verliert den Bo den unter den Füßen. Es ist ein Spiel mit den Gegensätzen, was sich in meinem Werk immer wieder findet. Wie reagierten die Besucher der Ausstellung auf die Installation? Gab es so etwas wie Berührungsängste? Ja, die Berührungsängste gab es, denn darf man ein Kunstwerk betreten? Das war im Museum Marta wirklich interessant, da viele Besucher sich nicht getraut haben, den Teppich zu berühren, und stattdessen in die Zwischenräume getreten sind. Nur Kinder nehmen das unmittelbarer war entweder versuchen sie, die Kreise nachzugehen, oder sie springen in die Löcher. Ein begehbares Kunstwerk verlangsamt den Schritt und ich glaube, der Betrachter merkt, dass er in dem Moment Teil des Ganzen ist. Was sind Ihre nächsten Projekte, woran arbeiten Sie gerade? Dieses Jahr werde ich neben anderen zwei große Kunst-am-Bau-Projekte realisieren. Zum einen eine Wandmalerei für das Foyer des Bundesbeschaffungsamtes in Bonn, bei der wiederum die Gummiringe Grundlage des Entwurfes sind. Zum anderen für das Foyer des Operativen Zen trums der Universitätsklinik in Düsseldorf, wo ich die vier Aufzugstürme komplett mit der filigranen Linienzeichnung Utopia versehen werde. Außerdem ist ein Projekt zusammen mit vier weiteren Kollegen im Goethe Institut Prag geplant, das vom Intendanten des Kunstmuseums Bonn, Stephan Berg, kuratiert wird. Frau Weber, besten Dank für das Gespräch. WHO ARE WE? And where do certain aspects of our culture come from? The multiversum of artist Heike Weber. The term Orient refers to a contradictory relationship between Western societies and the Near East. Whereas this relationship is marked in many ways these days by an anxiety-laden distance towards a foreign world, above all romanticising notions with a predilection for the exotic come equally alive in conjunction with the concept of the Orient. Yet beyond these notions so ridden with clichés, a more pre - cise look at the history of ornament reveals a relationship between Western and Eastern pictorial cultures that has gone on for centuries. (Museum Marta Herford) Under the exhibition theme We are Orient Contemporary Arabesques, from December to February the Museum Marta Herford brought together 5 contemporary artists from western Europe, whereby ornament plays a central role in their work. Among them: artist Heike Weber, who covered the floor and walls of one of the exhibition halls with her spatial installation Multiversum, a mesh of lines made of red carpet. We talked with her about her work: Ms Weber, are you Orient? I think I m (from the) Occident through and through. Although, the Orient inspires me enormously. A grant in Istanbul in 2006/07 from North-Rhine Westphalia gave me lots of new impulses for my work. I view the Eastern pictorial language through my Western eye. In your works you present viewers with elements of themselves in an alien context. What moves you to do that? With that question you re referring to the silicon carpet in which I use postcard-size souvenir carpets from Istanbul as a template. I use them in a purely formal way, because I make use of purely Western motifs for the ornamentation and avoid any kind of symbolism. The kilims caused a great deal of irritation at an exhibit in Istanbul and at the Biennale in Mardin. Turkish viewers naturally looked for the symbolism they were accustomed to in the symbols they saw, but they didn t find it. I use orna mentation as graphic expres - sion, not as a symbol with thematic content. The power of the work lies in the profane means used and their transformation in interaction with the space. My interventions turn the space into a sculpture. Please tell us something about your installation multiversum, which could recently be seen and walked through at the Museum Marta Herford. A universe is not tangible, just like my work concerns itself with ephemeral states, too. Dissolving the boundaries of space is my theme. It was fabulous that Vorwerk made the realisation of this room-encompassing work possible for me. I covered a complete hall (1200 x 1000 x 1200 cm) with cut-outs from a blood-red carpet. To do that I transformed 260 m² of velour carpet from the Modena line into a kind of silhouette cut-out together with my assistant. The starting point for the drawing were rubber rings I had scanned. From that multitude of rings I used the computer to develop an allover structure for the organically curved room designed by Frank Gehry. The accessible drawing is compacted on the floor and spreads out up to 12 metres high. The beholder is physically inte - gra ted into the spatial sculpture and drawn up. The viewer is enclosed by the drawing, and thus a part of it. The only way the work can be felt and ex perienced is through the viewer. Science presumes that multiple universes exist, not just one, and this graphic point of view is similar to my drawing and the idea I have. A universe is not tangible, just like my work concerns itself with ephemeral states, too. Dissolving the boundaries of space is my theme. How did the work together with Vorwerk Carpets come about? The Vorwerk parent company is based in Hamlin, and that s why there was a good contact right away between the Museum Marta Herford and Vorwerk. The work was fully sponsored by Vorwerk. Heike Weber, kilim, 2007, Silikon/silicon, Transfer Türkiye-NRW, Santralistanbul Istanbul Mehr Informationen über die Künstlerin/More information about the artist A fun ding, and consequently any realisa tion of the work, wouldn t have been possible otherwise. Though I should add that I myself expressed the wish to work together with Vorwerk because I had already used Vorwerk carpets before for floor drawings at the Museum Morsbroich in Leverkusen (2004) and at the Ausstellunghalle Zeitgenössischer Kunst, an exhibition hall for contemporary art in Münster (2007). The quality and the choice of colours convinced me. Which attributes were important to you in choosing the material / the carpet? The velour thickness and the colour. It s important to me that the drawing lies raised on the exhibition-space floor like a quasi-walkable relief. As a result the visitor not only sees the work but feels it, too. The seeming preciousness of the material influences the viewer s movement within the space. And the redness appears to be deep and matt due to the dense velours. There is no mirroring no reflection. You are literally sucked in by the colour. I used red because for me it s the most physical and most passionate colour. One could almost say: I use carpets to paint with, but what interests me is the drawing. Time and the here and now lie in terms of the line. What kinds of tools did you use? A cutter, lots of assistants, self-adhesive foil and pallet trucks/cherry pickers to assemble the work. You once said: I work like a seismograph and draw an echo of the space. When you draw that echo now with the aid of a carpet, doesn t the carpet, in turn, change the intensity of the quakes within the space? A perpetual cycle? The quote refers to my architecture-related floor and room drawings in which I use Edding markers like sonic waves to cover the walls or elements in the room. Although, transposed onto carpet, the thought is naturally interesting. The works using carpet are conceived more freely and involve the room as a pictorial carrier. As a material, carpet absorbs the sound. You feel like you re in a sealed, protected space. The carpet suggests a sense of security, but the drawing dissolves the space s borders, and the bottom drops out of your world. It s about playing with opposites, something that recurs again and again in my work. How did the visitors to the exhi - bition react to the installation? Was there something like a fear of making contact? Yes, there was definitely a fear of making contact because: Are you allowed to walk on a work of art? At the Museum Marta Herford it was really interesting because lots of visitors didn t dare to make contact with the carpet and stepped into the spaces in-between instead. Children are the only ones who perceive what s first-hand either they try to follow the circles or they jump into the holes. An accessible work of art slows the pace down, and I think the beholder realises that at that moment they are a part of something in its entirety. What are your next projects, what are you working on at the moment? Alongside other projects, this year I am going to realise two large site art pro - jects constructed on public space. One is a wall painting for the lobby of the German Federal Procurement Office in Bonn, in which the rubber rings are a basis for the design draft. The other is for the lobby of the Outpatient Operations Centre at University Hospital in Düsseldorf, where I am going to adorn the four lift towers with the filigree line drawing Utopia from top to bottom. In addition to that, a project is planned at the Goethe Institute in Prague together with four other fellow artists. Stephen Berg, the artistic director at the Museum of Art in Bonn, will act as curator. Ms Weber, thank you very much for the interview.

9 Recent Projects VORWERK TEPPICH 16 Privat / Stilwelten / Avantgarde ISLANDS FOR YOUR HOME MERKZETTEL vorwerk teppich PRIVAT PROFESSIONAL MAGAZIN FLOOR FINDER UNTERNEHMEN PRESSE Immer wieder selbsthaftend. Immer wieder ablösbar. Die innovativen Teppichfliesen Esprit home ISLANDS. Ein seriöses spiel Privat / Stilwelten / Avantgarde EXPERIMENTELLE BODENARCHITEKTUR Floor Finder Für welchen Raum suchen sie einen Teppichboden? Auswahl Unternehmen Transflooring 2011 Suche Kontakt Sprache www. Händlerverzeichnis Magazin vorwerkteppich. de Kultur ist ein Umweg, der sich lohnt, sagt Prof. Herbert Lachmayer. Ein Gespräch mit Lilli Hollein. Care Commitment AUF DEM WEG In Kürze ist es soweit: Unsere vollständig überarbeitete Website wird online gehen. Einer der essentiellen Bestandteile der neuen Seite wird der FLOOR FINDER sein ein Tool, mit dem Sie mühelos den für Sie passenden Teppich suchen, finden und anschließend im dreidimensionalen Raum simulieren können. Schauen Sie einmal vorbei, wir freuen uns auf Ihren Besuch auf Die Kollektion Selected Rugs mixt Materialien, Ideen, Philosophien. vorwerk teppich PRIVAT PROFESSIONAL MAGAZIN FLOOR FINDER UNTERNEHMEN PRESSE Suche Kontakt Sprache Händlerverzeichnis FLOOR FINDER art Alle Teppichfliese Auslegeware Teppiche Ergebnis raum farbe muster alle Alle flur weiss wohnzimmer beige schlafzimmer braun kinderzimmer grün 1 32 von 745 produkten alle zur kollektionssuche Alle uni grafische muster melange sortieren nach art Selected Rugs Hammada Selected Rugs Steel Selected Rugs Sahara Selected Rugs Karacta It won t be long now: Our completely revised website will be going online. One of the essential components of the new site is going to be FLOOR FINDER a tool with which you can effortlessly look for the fitting carpet, find it, and then simulate installation in a three-dimensional space. Drop in and take a look. We look forward to your visit at Fascination Lyrica 2C84 Fascination Lyrica 4D33 Fascination Lyrica 4D29 Fascination Lyrica 4D30 Preview Dialog #5 Die nächste Ausgabe der DIALOG erscheint im Sommer und be - richtet u. a. über unsere OBJECT COLLECTION sowie die neuen Räumlichkeiten von bene in Wien. The next issue of DIALOG will come out in the summer. Among other topics, it is going to report on our OBJECT COLLECTION along with the new bene showrooms in Vienna. Impressum Vorwerk & Co. Teppichwerke GmbH & Co. KG Kuhlmannstrasse 11 D Hameln Telefon Telefax Vorwerk & Co. Teppichwerke GmbH & Co. KG c/o Thomas Aichholzer Zyklamengasse 32 A-1140 Wien Telefon Telefax Vorwerk & Co. Teppichwerke GmbH & Co. KG c/o Walter Auer Römerwiese 11 CH 8645 Jona Telefon Telefax Konzept und Art Direction: Meiré und Meiré, Köln Fotografie (Cover/Seite 1 2): Heike Weber (Multiversum) VG Bild-Kunst, Bonn 2011 Fotografie (Cover/Seite 5 6): Duccio Malagamba (Pavillon 21) Fotografie (Seite 2, 12): Hans Schröder Fotografie (Seite 4): Tamás Bujnovszky (Portrait) Fotografie (Seite 8 9): Uwe Spöring Fotografie (Seite 10 11): Uwe Spöring / Hartmut Nägele Fotografie (Seite 14 15): Olaf Ballnus VG Bild-Kunst, Bonn 2011 Produktion: Produktionsbüro Romey von Malottky GmbH VKF-Nr

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