Co-Therapie in der Eltern-Kind-Reha

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1 Dr. Becker < Leben bewegen Co-Therapie in der Eltern-Kind-Reha Warum sie so bedeutend ist Nützliche Tipps von Dr. Volker Koch* *Dr. Volker Koch ist Leitender Arzt der Pädiatrie an der Dr. Becker Klinik Norddeich. Die Reha-Klinik an der Nordsee verfügt über jahrelange Erfahrung in der Eltern-Kind-Reha und wendet das Konzept der Co-Therapie erfolgreich an. Dr. Petra Becker (Hrsg.)

2 Inhaltsverzeichnis Top 1: Eltern sind Experten für ihre Kinder Seite 1 Top 2: Eltern geben ihren Kindern Stabilität Seite 1 Top 3: Eltern erleichtern Diagnose und Verlaufsbeobachtung Seite 2 Top 4: Eltern sorgen für Nachhaltigkeit Seite 2 Top 5: Eltern sollen Experten für die Krankheit werden Seite 3 Top 6: Eltern müssen eigenen Stress vermeiden lernen Seite 3

3 Was ist überhaupt Co-Therapie? Die Dr. Becker Klinik Norddeich bietet seit etwa zehn Jahren pädiatrische Rehabilitationsleistungen - insbesondere für chronische Krankheitsbilder wie Asthma, Neurodermitis, Adipositas, aber auch im Bereich der Orthopädie - an. Dabei gehört es zum Therapiekonzept, dass Begleitpersonen von erkrankten Kindern - in den meisten Fällen ist dies ein Elternteil - mit in die Klinik aufgenommen werden. Diese Begleitperson übernimmt während der Reha-Maßnahme (und hoffentlich auch darüber hinaus) die Rolle des Co-Therapeuten. Das bedeutet, dass dieses Elternteil Mitverantwortung für den therapeutischen Weg übernimmt. Die Erkrankung kann so gemeinsam von Mutter und/oder Vater sowie Kind bewältigt werden. Voraussetzung für einen optimalen Behandlungsverlauf ist dabei ein gezielter Informationsaustausch mit einer individuellen therapeutischen Anleitung, die wir auch als Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnen. Warum ist aber die Co-Therapie durch die Eltern so wichtig für den Behandlungserfolg? Top 1: Eltern sind Experten für ihre Kinder Es liegt in der Natur der Sache, dass Eltern ihre Kinder besser kennen als jeder andere. Sie bringen sozusagen das Expertenwissen über das Verhalten, die Erziehung, das Vorwissen und die Kompetenzen ihrer Kinder mit, das uns als wichtige Grundlage dient, wie der weitere Therapieverlauf zu gestalten ist. Top 2: Eltern bieten ihren Kindern Stabilität Eine Erkrankung bedeutet für das Kind, von einer Gefahr bedroht zu sein. Die meisten Kinder haben deshalb Angst, sind gestresst, und manche leiden unter Stimmungsschwankungen. Auch hier können am besten die Eltern unterstützen. Nur sie kennen die Vorlieben und Gewohnheiten des Kindes und wissen, wie man es trösten kann. Dies führt dazu, dass sich die Kleinen sicherer und geschützter fühlen, was wiederum zur Verbesserung der Heilungschancen beiträgt. Top 3: Eltern erleichtern Diagnose und Verlaufsbeobachtung In der Dr. Becker Klinik Norddeich führen wir vor Beginn der eigentlichen Rehabilitationsmaßnahme eine umfassende Diagnostik durch, um so die für das Kind optimale Therapie gewährleisten zu können. Die Eltern der Kleinen erleichtern uns dabei durch ihre eigenen Beobachtungen und ihr Vorwissen die Diagnose erheblich. Natürlich können wir das Kind nicht rund um die Uhr begleiten. Deshalb ist es für uns sehr hilfreich, wenn die Begleitpersonen die Therapiefortschritte ihrer Sprösslinge beobachten, uns über deren Entwicklung berichten und uns Auskunft darüber geben können, welche Anwendungen bisher am erfolgreichsten waren. Top 4: Eltern sorgen für Nachhaltigkeit Eltern sind für gewöhnlich die engsten Bezugspersonen ihrer Kinder. Das ist alleine schon mit der emotionalen familiären Bindung und einem weiter abgesteckten Zeitrahmen, in dem sie Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringen, zu erklären. Dadurch haben sie einen größeren Einfluss auf das Denken und Verhalten des Kindes als andere Co-Erzieher wie beispielsweise auch wir Behandler. Mutter oder Vater erleben ihr Kind zudem in der Therapie und entwickeln schon hier Ideen, wie sie das in der Klinik Erlernte zu Hause umsetzen können. Nur, wenn sie auch überprüfen, dass von uns verordnete Therapien auch im häuslichen Umfeld weiterhin eingehalten werden, kann die Reha-Maßnahme nachhaltig sein. Zudem geht es in der Rehabilitation immer auch darum, unsere Patienten zum selbstbestimmten 1 2

4 und eigenverantwortlichen Handeln anzuleiten - das gilt selbstverständlich auch für unsere jüngsten Patienten. Die Eltern unterstützen uns dabei, die Handlungskompetenzen ihrer Kinder im Alltag zu fördern und ihren Nachwuchs mit in den Behandlungsprozess einzubeziehen. selbstständig positiv beeinflussen, und es zeichnet sich eine erfreuliche Entwicklung ab. So entsteht sozusagen eine Win-win-Situation für beide Seiten: Wenn die Eltern die Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit ihrer Kinder in der alltäglichen Umgebung unterstützen, stärken sie gleichzeitig ihre eigenen Kompetenzen. Top 5: Eltern sollen Experten für die Krankheit werden Was tun aber wir von unserer Seite, um die Eltern als Co-Therapeuten zu befähigen? Zum einen vermitteln wir Wissen und Aufklärung. Denn die Eltern sollen die Erkrankung ihres Kindes besser kennenlernen, um selbst besser damit umgehen zu können. Viele Eltern haben Ängste wegen der (chronischen) Krankheit ihres Kindes, ihnen fällt es selbst schwer, diese zu akzeptieren. Wir in der Dr. Becker Klinik Norddeich bieten deshalb regelmäßige Eltern-Schulungen an. Hier lernen Vater oder Mutter, Eigenverantwortung zu übernehmen und die chronische Erkrankung selbst zu managen. Dadurch bilden wir die Eltern als Co-Therapeuten aus. Sie werden also Experten für die Erkrankung und lernen, Anwendungen eigenständig durchzuführen, Auslöser zu vermeiden und Verschlechterungen des Gesundheitszustands rechtzeitig zu erkennen. Je intensiver die Eltern dabei mitarbeiten, desto größer sind die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie. Top 6: Eltern müssen eigenen Stress vermeiden lernen Eltern stehen selbstverständlich durch die Krankheit ihres Sprösslings selbst unter emotionalem Stress. Sie müssen aber lernen, sich selbst zu beruhigen, um den kleinen Patienten nicht noch zusätzlich zu belasten und beunruhigen. Natürlich machen sich Mutter oder Vater eines kranken Kindes viele Sorgen. Aber auch diese sollten sie ihrem Nachwuchs gegenüber nicht äußern und ihm stattdessen mehr Eigenverantwortung übergeben. Oftmals stellt sich auch ganz von selbst ein Lerneffekt ein: Sobald die Eltern merken, dass ihre Anweisungen hilfreich sind, geschieht ein eigener Lerneffekt. Sie können zunehmend mehr Situationen beim Kind ohne zusätzliche Hilfe 3 4

5 Dr. Becker < Leben bewegen Worum es in diesem Ratgeber geht Erkrankt ein Kind, ist dies nicht nur für den kleinen Patienten, sondern auch für die Eltern eine Belastung und Stresssituation. Wie mit der Krankheit umgehen? Wie mit dem Nachwuchs umgehen, ohne ihm aus Sorge Selbstbestimmung und Selbstständigkeit zu nehmen. Die Dr. Becker Klinik Norddeich bezieht bereits seit Jahren das Therapiekonzept der Eltern als Co-Therapeuten erfolgreich in die Reha-Behandlung mit ein. In speziellen Eltern- und Familienschulungen lernen sie, mit der Krankheit ihres Sprösslings umgehen zu können und erhalten Hilfestellung, wie sie insbesondere dem jungen Patienten auch im Alltag helfen können. Dieser Ratgeber zeigt wesentliche Punkte auf, die es bei der Eltern-Kind-Therapie zu beachten gilt. Über die Herausgeberin Dr. rer. pol. Petra Becker, geboren am 9. Januar 1968, studierte zunächst Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Karlsruhe, bevor sie an der Universität Hamburg promovierte. Seit 1997 ist sie an der Seite ihrer Schwester Geschäftsführerin der Dr. Becker Unternehmensgruppe. Zum Unternehmen gehören mittlerweile neun Rehabilitationskliniken, vier ambulante Physiotherapiezentren und fünf Pflegeheime. Dr. Petra Becker ist insbesondere für die internen Prozesse und Strukturen der Häuser verantwortlich. 5

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