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1 Elektronischer Pressespiegel November 2010

2 1 von :40 Donnerstag, » Artikel drucken» PDF generieren TECHNOLOGIE-BERATUNGEN IT-Experten müssen menscheln Mit einem zu starken Fokus auf Technologie liegen IT-Beratungen bei Projekten oft daneben. Die Folgen der Blauäugigkeit: Organisationschaos, Mitarbeiterfrust und Systemausfälle. Eine neue Sichtweise greift Raum von Lars Reppesgaard HAMBURG. Der Nachruf, den die Burton-Group-Analystin Anne Thomas Manes Anfang 2009 in ihrem Blog veröffentlichte, erinnerte nicht an einen verstorbenen Menschen. Sie trug ein technologisches Konzept zu Grabe: "Die Service-orientierte Architektur (SOA) ist von uns gegangen. SOA-Müdigkeit ist endgültig von SOA-Desillusionierung abgelöst worden. SOA ist zu einem bösen Wort geworden, das wir aus unserem Vokabular streichen müssen." Peinlich für die Branche der IT-Berater: Das böse Wort SOA füllte in den Jahren zuvor als Schlagwort etliche Präsentationen. Rund um die Welt waren mehrere hundert Projekte angeschoben worden, um in Firmen die alte, statische IT-Landschaft durch eine modulartig aufgebaute Architektur zu ersetzen. Doch viele zogen sich länger hin als geplant, bei etlichen explodierten die Kosten, einige scheiterten ganz. Vorbei die einsame Zeit: IT-Experten sollen teamfähiger werden. Quelle: Pressebild Die Idee der flexiblen Anwendungen besticht auf dem Papier weiterhin. Schließlich lässt sich die IT so extrem schnell an neue Geschäftsanforderungen anpassen. Klar ist aber auch: Das Konzept SOA bedeutet für die Anwender, dass sie sich extrem umstellen müssen. Wie schwer das vielen fiel, bemerkten Berater oft erst im Zuge der Projekte. "Da haben wir gewaltig was angestiftet, ohne manchmal in letzter Konsequenz zu bedenken, ob wir vielleicht Organisationen überfordern", sagt Uwe Dumslaff, Technologie-Vorstand der Beratungsfirma Capgemini in Deutschland. Strategie oder Aktionismus? Die Folgen der Blauäugigkeit: Organisationschaos, Mitarbeiterfrust und Systemausfälle. Auch Sicherheitsprobleme drohen aus einer zu vehementen Vernetzung und Digitalisierung von immer mehr Unternehmensprozessen. Auf der Pro-Seite verlocken hingegen eine höhere Geschwindigkeit, Kostenvorteile oder Produktivitätsgewinne. Kommt es zu Ausfällen, wird es teuer: Schon die Reparatur schadhafter IT-Systeme kostet eine Durchschnittsfirma jährlich Euro, errechneten die britischen Marktforscher Coleman Parkes. Laut einer Schätzung des IT-Management-Software-Anbieters CA Technologies entstehen so Umsatzausfälle von jährlich über 17,7 Mrd. Euro in Europa. Dumslaff ist einer der wenigen, die es wagen, angesichts der unbeabsichtigten Folgen von IT-Projekten nun auch selbstkritische Töne anzuschlagen. "Der Blick zurück betrifft uns jeden Tag", sagt Dumslaff. "Wir müssen mit den Ergebnissen leben, egal, ob wir oder ein Wettbewerber den Kunden von der Nutzung einer bestimmten Lösung überzeugt haben." Nun rollen nach Themen wie SOA, Vernetzung und Outsourcing mit Cloud Computing, Web 2.0 oder der Virtualisierung die nächsten technologischen Wellen auf die Unternehmen zu. Dumslaff rät ihnen zu prüfen, ob die technologielastigen Beratungskonzepte aus der Vergangenheit noch greifen. Unterschätzt die Branche systematisch die Folgen der Technik für die Menschen in den Unternehmen? Jens-Uwe Holz, Geschäftsführender Gesellschafter des IT-Dienstleisters Itellium Services, hält begleitende Beratung für immer wichtiger. "In der IT-Dienstleistung bemisst sich Qualität nicht alleine auf Basis der sicheren Beherrschung von Bits und Bytes, sondern durch das Mitdenken des Dienstleisters", sagt Holz. Weil zunehmend Standard-Technologien zum Einsatz kommen, ist es seiner Ansicht nach selten geworden, dass Projekte wegen technischer Probleme gegen die Wand gefahren werden. Organisatorische Auswirkungen neuer Technologien auf Unternehmen und Mitarbeiter rücken in den Fokus: "Etwa indem man ein komplexes IT-Projekt durch ein professionelles Change-Management-Programm begleitet", regt Holz an. Bei der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), einer Kundenvereinigung, treffen die Consultants damit den richtigen Ton. Die DSAG-Mitglieder schätzen es zwar, wenn Anbieter kontinuierlich mit technologischen Visionen aufwarten. Man wünsche sich aber "vor allem bedarfsgerechte und ausgereifte Neuerungen, die einen echten Mehrwert bringen", erklärt die DSAG. Capgemini reagiert - mit einem Workshop-Format namens Technovision. Dort treffen sich die IT-Fachleute und Consultants des Beratungshauses, die auf Branchen spezialisiert sind, mit den Kunden. Ziel des interdisziplinären Dialogs: Man ermittelt gemeinsam, welche Techniken sich für Geschäftsinnovationen eignen. "Heute kommen viele Impulse aus den Fachbereichen", sagt Dumslaff. "Wir liefern zwar Ideen, müssen aber auch besser verstehen, wohin jemand sein Geschäftsmodell entwickeln will." Eine allzu technische Sicht aus den Beraterköpfen zu verbannen, lohne sich durchaus: Beim Thema Geschäftsprozesse ergibt sich so die Chance, nicht nur mit IT-Experten ins Gespräch zu kommen, sondern auch mit Fachabteilungen und Geschäftsbereichen. Und oft entscheiden die über das Budget. Zukunftsmarkt Jobmotor: Softwarehersteller und IT-Dienstleister geben dem Industriestandort Deutschland wichtige Impulse. Laut Branchenverband Bitkom schufen sie hierzulande in den vergangenen zehn Jahren Arbeitsplätze. Bei Software- und Service-Spezialisten sind damit inzwischen zwei Drittel der insgesamt Beschäftigten der gesamten Informations- und Kommunikationstechnik-Branche tätig. Wachstum: Als ein Schlüssel für den künftigen Erfolg der Branche gilt Cloud Computing - die Nutzung von IT-Leistungen über Datennetze. Der Umsatz wird hier laut einer Erhebung der Experton Group in Deutschland um fast 50 Prozent jährlich steigen - auf 8,2 Mrd. Euro im Jahr Laut Bitkom müssen die deutschen Anbieter rasch den Vorsprung einiger ausländischer Konkurrenten aufholen Handelsblatt GmbH Verlags-Services für Werbung: (Mediadaten) Verlags-Services für Content: Content Sales Center Sitemap Archiv Schlagzeilen Powered by Interactive Data Managed Solutions Keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Bitte beachten Sie auch folgende Nutzungshinweise, die Datenschutzerklärung und das Impressum.

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