Grabower Juden im 1. Weltkrieg

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1 Grabower Juden im 1. Weltkrieg Mitten im Ersten Weltkrieg, am 11. Oktober 1916, verfügte der preußische Kriegsminister Adolf Wild von Hohenborn die statistische Erhebung des Anteils von Juden an den Soldaten des deutschen Heeres. Man schien die jüdischen Deutschen der Drückebergerei verdächtigen zu wollen. Die "Judenzählung" war Ausdruck des wachsenden Antisemitismus im Heer und im Deutschen Reich, sie war ein Meilenstein auf dem Weg nach Auschwitz? Die Anordnung war kein taktloser Fehlgriff, sie war typisch für den üblichen Antisemitismus in Teilen der damaligen Gesellschaft. Wie war es, ganz generell, um den Antisemitismus im deutschen Heer bestellt? Behauptete nicht später Hitler, seine maßgeblichen Überzeugungen im Schützengraben an der Westfront gewonnen zu haben? Auch Grabower Juden sind im 1. Weltkrieg gefallen. Bei der Ehrung gefallener jüdischer Soldaten aus der Familie Lichtenstein zeigte sich der Antisemitismus auch in Grabow.

2 Der jüdische Kaufmann Simon Lichtenstein, Besitzer des Manufakturwarengeschäftes in der Großen Straße 5/6 Der Kaufmann Simon Lichtenstein stammt aus Polen, er wurde 1855 in Schulitz einer Stadt an der Weichsel geboren. Seine Frau Sophie wurde in Crivitz geboren. Simon Lichtenstein hat sich etwa um 1880 in Grabow niedergelassen und in der Großen Straße ein Manufakturwarengeschäft gegründet. Zwei seiner Söhne sind im 1. Weltkrieg gefallen, der dritte Sohn ist bereits im Alter von 39 Jahren verstorben. Heinrich Dreyer hat die Tochter Anna von Kaufmann Simon Lichtenstein geheiratet und das Geschäft in der Großen Straße weitergeführt. Anzeige aus dem Jahre 1924

3 Der Kaufmann Simon Lichtenstein stammt aus Polen, seine Ehefrau aus Crivitz. Simon Lichtenstein geb in Schulitz Schulitz ist eine Stadt an der Weichsel 20 km südöstlich von Bromberg gest in Grabow Sophie Lichtenstein geb in Crivitz gest in Grabow Die Grabsteine des Ehepaars Lichtenstein befinden sich noch heute auf dem jüdischen Friedhof in Grabow. Kinder: Sigmund Lichtenstein geb Victor Lichtenstein geb Anna Lichtenstein geb Leopold Lichtenstein geb

4 Der älteste Sohn Sigmund Lichtenstein war verheiratet, seine Ehe wurde durch Gerichtsbeschluß aufgelöst. Am 28. Mai 1920, einen Tag nach ihrem 27. Geburtstag, heiratete Meta Oppenheimer in Hamburg den acht Jahre älteren jüdischen Kaufmann Siegmund Lichtenstein, der damals schon lange im mecklenburgischen Grabow lebte. Rund zwei Jahre später wurde die Ehe vom Mecklenburgisch- Schwerinischen Landgericht jedoch für nichtig erklärt, also als niemals existent. Ein solcher Vorgang war damals nur möglich bei Formfehlern, bei Geschäftsunfähigkeit, Bewusstlosigkeit oder "vorübergehender Störung der Geistestätigkeit eines Ehegatten" bei der Eheschließung, bei Verstoß gegen das Verbot der Doppelehe sowie der Verwandten- oder Verschwägertenehe oder bei einer Ehe zwischen "Ehebrechern". Zitiert nach: Die Gründe für die Auflösung dieser Ehe kennen wir nicht, es ist anzunehmen das Sigmund Lichtenstein geisteskrank war. Er ist am im Alter von 39 Jahren verstorben. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Grabow beerdigt, sein Grabstein ist heute noch vorhanden. Die beiden anderen Söhne Victor und Leopold sind im ersten Weltkieg gefallen. Im ersten Stock der ehemaligen Realschule auf dem Kießerdamm befindet sich eine Gedenktafel für im 1. Weltkrieg gefallene Schüler.

5 Auch auf dem Gedenkstein für die gefallenen Sportler des Männerturnvereins finden wir den Namen von V. Lichtenstein. In der Zeit des Nationalsozialismus wollte man jedoch verschweigen, das im 1. Weltkrieg viele Juden für Deutschland gefallen sind. In dem Buch Grabow in Kriegszeiten und als Garnison von O. Kurz befindet sich im Anhang eine Ehrentafel der Söhne Grabows, die im Weltkriege 1914/18 für unser deutsches Volk und Vaterland ihr Leben opferten. Hier fehlen die Eintragungen für die Grabower Juden Victor und Leopold Lichtenstein, sowie für Robert Jakob. Das Buch ist im Jahre 1937 erschienen. Studienrat Oscar Kurz war Lehrer an der Realschule in Grabow, er kannte also die Ehrentafel und hat die Juden bewußt weggelassen. Dafür aber Adolf Hitler Mein Kampf ausführlich zitiert. Die Tochter Anna Lichtenstein hat sich in den Kaufmannssohn Heinrich Dreyer aus der Kirchenstraße verliebt. Nach der Hochzeit stieg der Schwiegersohn in das renomierte Konfektionsgeschäft mit ein. Nach 1938 lies sich Heinrich Dreyer auf Anraten von seiner Frau scheiden. Die junge Frau verließ Grabow und tauchte unter. Sie wurde am 14. April 1942 ins Ghetto nach Warschau deportiert und dort ermordet. Letzte Änderung:

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