HIV heute. Hansjakob Furrer Universitätsklinik für Infektiologie Inselspital 3010 Bern

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1 HIV heute Hansjakob Furrer Universitätsklinik für Infektiologie Inselspital 3010 Bern

2 HIV / AIDS H = Human I = Immunodeficiency V = Virus = Menschliches Abwehrmangelvirus A = Acquired I = Immuno D = Deficiency S = Syndrome = Erworbene Abwehrmangelkrankheit 2

3 Geschichte des HIV ca 1910 Speziesbarrieredurchbruch SIV zu Menschen 1959 Erster (retrospektiver) Nachweis von HIV in Zentralafrika (Lancet 1986; 1:1279) 1981 Erste Beschreibungen eines neuen Immunmangelsyndroms bei männlichen Homosexuellen (NEJM 1981;305) 1982 AIDS (MMWR 1982; 31:504) 1983 Isolation eines neuen Retrovirus in Patienten mit AIDS 1985 Antikörpernachweis gegen HIV als kommerzieller HIV-Test 1996 Wirksame antiretrovirale Kombinationstherapie 3

4 Debit, Lancet Infect Dis

5 Bush-Meat-Market 5

6 < Meldung von AIDS-Fällen in der Schweiz bis vertikal 800 unklar Kinder Blut 9403 an AIDS-Erkrankte, davon knapp 6000 gestorben 700 Transf. 600 ivdu hetero sexuell 500 MSM

7 Neu diagnostizierte HIV-Infektionen BAG

8 Neu diagnostizierte HIV-Infektionen BAG

9 Adults and children estimated to be living with HIV 2009 Total: 33.3 million [31.4 million 35.3 million]

10 HIV Cycle Weiss, Nature 2001 Replikationsdauer ca 2 Tage Virale Enzyme

11 Plasma HIV RNA (Kopien/ml) CD4 -Lymphozyten (/µl) Anti-HIV Antikörper Immunaktivierung Serokonversion Primäre HIV Infektion Verlauf der HIV-Infektion asymptomatisch Opportunist. Krankheiten AIDS Organdysfunktion Chronische Krankheiten Wochen 2-14 Jahre 1-6 Jahre

12 HIV Serkonversion, Primäre HIV infektion Labortests Plasma HIV RNA p24-antigen Anti-HIV Antibodies Klinische Symptome Tage Nachweisgrenze 10d -12w 5d 5d 12

13 Soorstomatitis, - ösophagitis

14 Pneumocystis jirovecii Pneumonie

15 CMV Retinitis

16 Kaposi Sarkom (HHV8)

17 HIV Cycle Weiss, Nature 2001 Hemmer der Reversen Transkriptase

18 Antiretrovirale Therapie HIV-Infektion unter antiretroviraler Therapie Plasma HIV RNA (Kopien/ml) CD4 -Lymphozyten (/µl) Anti-HIV Antikörper Immunaktivierung Serokonversion Primäre HIV Infektion asymptomatisch Verhinderung Opportunistischer Krankheiten Opportunist. Krankheiten Weniger Organdysfunktionen Organdysfunktion Chronische Krankheiten Längeres Überleben Wochen 2-14 Jahre 1-6 Jahre

19 Indikationen zur antiretroviralen Therapie Behandlung der potentiellen Quelle der HIV-Infektion - Behandlung des HIV-infizierten Sexualpartners -> Test and Treat Strategie - Behandlung während der Schwangerschaft -> Verhinderung der vertikalen Transmission Postexpositionsprophylaxe Therapie der akuten HIV-Infektion Therapie der symptomatischen HIV-Infektion CD4 Therapie der fortschreitenden HIV-Infektion 2015: CD4 Zellen unter 350/ Virämie t

20 Plasma HIV RNA (Kopien/ml) CD4 -Lymphozyten (/µl) Treatment as Prevention als populationsbasierte Massnahme Serokonversion Primäre HIV Infektion asymptomatisch Nicht nachweisbare Viren Keine Infektiosität Opportunist. Krankheiten HOW?? Wochen 2-14 Jahre Antiretrovirale 1-6 Therapie Jahre 20

21 Ja, aber «HIV treatment cascade»

22 HIV Treatment Cascade CH Vernazza, CROI 2015

23 HIV attack rate Sexuell: (10)% - insertiv vs. rezeptiv, vaginal vs. anal, andere STDs Vertikal: 10-35% - peripartal - Stillen Transfusion: >95% Stichverletzung: 0,3% - Tiefe des Stichs, Hohlnadel, viral load Quelle

24 HIV-Präventionsstrategien 2015 PCR und serologische Testung Blutprodukte Kein Spritzentausch Safer Sex (Treue, Kondome) Impfung Bisher sehr limitierte Wirksamkeit, keine breite Anwendung Antiretrovirale Präexpositionsprophylaxe PREP vaginaler Gel Perorale Dauertherapie, Behandlung vor und nach Risikosex Behandlung von HIV-Infizierten -> Infektiosität reduziert z.b. Schwangerschaft, diskordantes Paar, Hochrisikoverhalten Postexpositionsprophylaxe

25 Überleben behandelter HIV-Infizierter in DK Obel, PLoS One : Non HIV 1: HIV 2:Suboptimales Ansprechen auf ART; später ART Start 3: HCV, CV oder metabolische Komorbidität 4: Alkohol- oder Drogenabusus

26 Blutkontakt blutübertragbare Viren Durchschnittliches Übertragungsrisiko bei Stichverletzung mit kontaminiertem Blut HBV (HBeAg+) 30% HBV (HBsAg+, HBeAg-) 1-6% HCV 3% HIV 0.3%

27 HIV-PEP: Medikamente Beginn möglichst rasch (innert weniger Stunden); nach >48 Stunden nicht mehr empfohlen Im allgemeinen keine PEP falls Quelle unter guter antiretroviraler Therapie (Plasma HIV RNA nicht nachweisbar) 3er-Kombination 4 Wochen z.b. 3 NRTI: Zidovudin+3TC+Tenofovir: z.b. Combivir Viread 1x1 2 NRTI+ Integraseinhibitor (evtl. PI): z.b. Truvada Isentress Nebenwirkungen (je nach verwendeten Medikamenten) Diarrhoe, Übelkeit, Erbrechen Muskelschmerzen, Schlafstörungen Hemmung der Blutbildung Nierenfunktionsstörung Interaktionen (Cytochrom P450) durch Protease-Inhibitor

28 Massnahmen nach Stich-/Schnittverletzungen oder Schleimhautkontakt mit Blut/Körperflüssigkeiten Zusätzlich zum Waschen mit Wasser und Seife und Desinfektion können folgende Massnahmen das Risiko einer Ansteckung vermindern Hepatitis B PASSIVE IMPFUNG (falls kein Impfschutz) AKTIVE IMPFUNG vervollständigen Hepatitis C KEINE! (evtl. Frühbehandlung bei akuter Hepatitis C) HIV MEDIKAMENTÖSE Postexpositionsprophylaxe (= PEP) Diese Massnahmen sind am wirksamsten, wenn sie innert Stunden nach der Verletzung verabreicht werden

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