SONDERVERÖFFENTLICHUNG, 18. OKTOBER 2014 KSPG. gibt Gas. Foto: Guido Sawatzki

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1 SONDERVERÖFFENTLICHUNG, 18. OKTOBER 2014 KSPG gibt Gas Foto: Guido Sawatzki

2 2 K Samstag, 18. Oktober 2014 KSPG AG Über die Grenzen hinaus erfolgreich KSPG arbeitet im In- und Ausland an der Zukunft Automobilzulieferer mit breiter Kundenbasis ay Ess Pee Tschee? Nein, es geht hier nicht um den Albert Whitted Airport in St. Petersburg, Florida. KSPG steht für Kolbenschmidt und Pierburg, zwei traditionsreiche Automobilzulieferer aus Deutschland. Mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro und weltweit knapp Beschäftigten gehört KSPG zu den bedeutenden Unternehmen in seiner Branche in Deutschland. Im weltweiten Ranking belegt KSPG Platz 61. Die vielfältigen Produkte vereint, dass sie mit dem Verbrennungsmotor zusammenhängen und mit der Verringerung des Verbrauchs. Dass der Konzern mit Hauptsitz in Neckarsulm seit 2011 nicht mehr Kolbenschmidt Pierburg AG heißt, sondern KSPG, hat zwar nicht unbedingt etwas mit Florida zu tun, mit den USA aber sehr wohl: Für Kunden und Geschäftspartner in Amerika war die Langversion des Namens auf Deutsch gesagt nicht aussprechbar. Die Automobilbranche ist aber weltweit aktiv. Wer erfolgreich sein möchte, braucht einen Namen, der auch Chinesen, Brasilianern, Japanern oder eben Amerikanern leicht über die Lippen geht. KSPG. Weltweit aktiv Die Internationalität ist eine der zentralen Stärken von KSPG. Nur rund ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Inland, die Hälfte im restlichen Europa, der Rest verteilt sich auf Amerika und die asiatischen Gesellschaften außerhalb der China-Joint-Ventures. Lange bevor Globalisierung zum Thema wurde, legten die Altvorderen die Basis hierfür: Schon 1959 errichtete Alfred Pierburg ein Werk in Brasilien, die damalige Kolbenschmidt AG folgte wenige Jahre später. Das waren richtige Pioniertaten. Heute ist das Unternehmen in allen wichtigen Märkten mit eigenen Fabriken präsent. In China ist der Zulieferkonzern Hasco Partner er gehört ins Umfeld des größten chinesischen Autoherstellers SAIC Motor Corporation. Stark in China Drei Gemeinschaftsfirmen mit 3500 Mitarbeitern betreiben KSPG und Hasco mittlerweile an sechs Standorten in China, das Umsatzvolumen lag 2013 umgerechnet bei einer halben Milliarde Euro, die im Konzernumsatz nicht konsolidiert sind. Erstmals hat das Unternehmen in diesem Sommer auch ein deutsches Werk in ein Joint Venture mit Hasco überführt. Darüber hinaus gibt es in China einige Unternehmen, die mehrheitlich oder ganz den Neckarsulmern gehören. Mit eigenen Werken ist KSPG außerdem in Japan, Indien, Mexiko, den USA und Brasilien sowie in Europa in Tschechien, Italien, Frankreich, Großbritannien und Spanien vertreten. Somit verfügt das Unternehmen über eine Mischung von Werken an Hochtechnologiestandorten wie Deutschland und in Regionen mit niedrigen Löhnen. Mit ihrem Angebot erreicht die KSPG AG Kunden aus allen Bereichen der Automobilindustrie. Größter Abnehmer der Produkte ist der Volkswagen-Konzern einschließlich Nicht nur in China: Auch in Neckarsulm gibt es ein Joint Venture zwischen der KSPG AG und Hasco aus Schanghai. Foto: Manfred Stockburger Fabriken in Niedriglohnländern wie hier in Mexiko und an Hightech- Standorten wie in Deutschland sind Teil der Erfolgsgeschichte. Die Fachkräfte von morgen zieht das Unternehmen am liebsten selbst heran. 300 Auszubildende sind derzeit bei KSPG beschäftigt. Audi und Porsche, der 2013 für etwa 16 Prozent des Umsatzes verantwortlich war. Ford ist mit 14 Prozent der zweitgrößte Kunde, aber auch Renault, die PSA-Gruppe, General Motors, BMW, Fiat und Daimler sind nennenswerte Abnehmer. 30 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit Kunden außerhalb des Pkw- Geschäfts. Markenpolitik Die traditionsreichen Marken Kolbenschmidt und Pierburg hat das Unternehmen aber jüngst wieder gestärkt und um Motorservice ergänzt. Unter dem Namen Kolbenschmidt werden wie der Name impliziert alle Groß- und Kleinkolben vermarktet, aber auch Zylinderkurbelgehäuse, Zylinderköpfe, Strukturbauteile sowie Gleitlager und Strangguss. Die Marke Pierburg wird verwendet für Wasser-, Öl- und Vakuumpumpen sowie Abgasrückführsysteme, Magnetventile und Aktuatoren. Neutraler und mit weniger Tradition verknüpft kommt die Marke Motorservice daher, unter der das nationale und internationale Ersatzteilgeschäft abgewickelt wird. Hintergrund ist, dass die in Neuenstadt am Kocher beheimatete Sparte Aftermarket auch Ersatzteile anderer Hersteller im Sortiment hat. Um auch in Zukunft den Aufgaben gerecht werden zu können, setzt KSPG in Deutschland auf den eigenen Nachwuchs. Aktuell beschäftigen die deutschen KSPG-Unternehmen 300 Azubis und duale Studenten. 57 von ihnen haben im Herbst begonnen. mfd Impressum KSPG eine Sonderveröffentlichung der Heilbronner Stimme in Kooperation mit der Rhein-Neckar-Zeitung und der Neuß-Grevenbroicher Zeitung Redaktion Alexander Schnell (verantw.), Manfred Stockburger Anzeigen Martin Küfner (verantw.) Fotos KSPG Verlag und technische Herstellung Heilbronner Stimme, GmbH & Co. KG, Allee 2, Heilbronn Automotive-Sparte des Rheinmetall-Konzerns Nicht bei Produkten, aber im Management gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Mutter Landläufig ist das Unternehmen Rheinmetall für seine Wehrtechnik bekannt vor 125 Jahren wurde die Firma gegründet, die unter anderem am Bau des Kampfpanzers Leopard 2 beteiligt ist und außerdem Luftabwehrkanonen, Munition und gepanzerte Radfahrzeuge herstellt. Doch der Düsseldorfer Konzern steht auf zwei Säulen. Die weniger bekannte, aber derzeit sogar größere Hälfte von Rheinmetall ist die KSPG AG. Marke, Märkte und Produkte sind sehr verschieden, im Top-Management sind die Sparten aber eng verknüpft. So sitzt KSPG-Chef Horst Binnig zugleich im Rheinmetall-Vorstand. KSPG-Personalvorstand Peter Sebastian Krause ist auch für das Personalwesen der Defence-Sparte zuständig. Und nicht zuletzt, weil Rhein- metall eine im M-Dax notierte Aktiengesellschaft ist, ist auch KSPG-Finanzvorstand Peter Merten ein Dauerpendler zwischen Neckarsulm und Düsseldorf. Mit Mitarbeitern erwirtschaftet der Rheinmetall- Konzern einen Jahresumsatz von 4,6 Milliarden Euro. mfd Die Zentrale der Rheinmetall AG steht in Düsseldorf. Foto: dpa

3 Auf dem Weg in die Spitzengruppe Vorstandschef Horst Binnig bringt die KSPG AG auf die Überholspur KSPG AG Samstag, 18. Oktober Von unserem Redakteur Manfred Stockburger E s ist wie im Motorsport, sagt Horst Binnig: Wer im Mittelfeld unterwegs ist, den kennt man nicht. Seit Jahresbeginn ist der 55-Jährige Vorstandschef. Und er drückt aufs Gas. Mein Anspruch ist es, die KSPG AG aus dem Mittelfeld der Branche herauszuholen und in die Spitzengruppe vergleichbarerer Unternehmen zu bringen. Wobei er damit nicht Größe meint, sondern Dynamik. Stellschrauben Vorbei sind die Zeiten, da sich der Automobilzulieferer im Mittelfeld der Branche wohlfühlte. Technologisch und wirtschaftlich will Binnig das Unternehmen nach vorn bringen. Und er weiß genau, an welchen Stellschrauben er drehen möchte, schließlich gehört er schon seit 15 Jahren in verschiede- Peter Merten Der gebürtige Stuttgarter und promovierte Betriebswirt ist seit 2002 im KSPG-Vorstand für Finanzen, Controlling und IT zuständig. Seine Laufbahn startete er bei Mercedes Benz. Peter Sebastian Krause Peter Merten, Finanzen, 60 Geboren in Rendsburg kam der Jurist 1997 als Peter Sebastian Krause, 54 Hauptabteilungsleiter zu Pierburg. Seit 2007 verantwortet er im KSPG-Vorstand als Arbeitsdirektor die Ressorts Personal, Recht und Organisation. Seit 2014 ist er zugleich Rheinmetall-Generalbevollmächtigter. mfd Elektromobilität Wir setzen uns mit der Thematik sehr wohl auseinander, sagt Horst Binnig. Ich bin überzeugt, dass die Elektromobilität kommt, und zwar zuerst in Chinen Funktionen dem Management des Konzerns an. Es ist keine Revolution, die Binnig seit Amtsantritt angezettelt hat, und er hat es geschafft, seine Führungsmannschaft mitzunehmen auf den Weg in die Zukunft. Bisher hatten wir durch unsere dezentrale Aufstellung in Business Units zwar viele Einzelstrategien, aber keine gemeinsame, konsolidierte KSPG- Strategie, lautet seine Diagnose. Durch eine neue Organisationsstruktur mit einem neunköpfigen Führungsgremium an der Spitze hat er das geändert. Und es ist kein Zufall, dass mit Jürgen Koopsingraven auch ein Spezialist für Strategie mit am Tisch sitzt. Mit tough love, beschreibt er den Umgangston, der an der neuen Unternehmensspitze herrscht: Man geht offen mit- Den Verbrennungsmotor wird nicht dasselbe Schicksal ereilen wie die Videokassette. Horst Binnig einander um und spricht auch unangenehme Wahrheiten aus. Zugleich wissen die Mitglieder des Gremiums aber, dass sie die besten Leute für den Job sind, betont Binnig. Sonst wären sie nicht dabei. Sie müssen also nicht beim ersten kritischen Blick befürchten, dass ihr Stuhl wackelt. Stattdessen können sie sich darauf konzentrieren, was zählt: die Zukunft. Das Team hat eine gute Eigendynamik entwickelt, sagt der Chef. Das macht richtig Spaß. Überhaupt: Obwohl die Aufgabe noch mehr Zeit in Anspruch nimmt, als er erwartet hatte, und seine geliebte Harley deswegen noch häufiger in der Garage bleibt: Das Lachen ist ihm in den ersten Monaten als Vorstandschef nicht vergangen. Weil er sieht, dass es zwar manchmal länger dauert als er sich wünschen würde, aber es geht voran. Unser Fo- KSPG-Vorstandschef Horst Binnig hat dem Unternehmen eine kräftige Dosis Dynamik verordnet. Unter seiner Führung soll die Firma einen nachhaltigen Platz im oberen Drittel der Branche erreichen. kus ist: Wo wollen wir im Jahr 2020 stehen? Kosten, Technologien, Markttrends: An Herausforderungen mangelt es der Automobilbranche nicht. Wie ist das mit den alternativen Antrieben? Kommt das E-Auto? Für ein Unternehmen, dessen Produkte in der Mehrzahl für Verbrennungsmotoren benötigt werden, sind das durchaus existenzielle Fragen. na. Aber wir wissen auch, dass der Verbrennungsmotor in Zukunft immer noch einen großen Anteil haben wird. Uns wird also nicht dasselbe Schicksal ereilen wie die Videokassette. Mit dem technologischen Spagat muss das Unternehmen weiterhin leben. Nur eben möglichst gut. Wir werden bis 2020 alle Hände voll zu tun haben, wenn wir die Chancen nutzen, die der Markt uns bietet, sagt Binnig, der die Gegend um die Neckarsulmer KSPG-Zentrale von Kindesbeinen an kennt und auch die Höhen und Tiefen der Branche in seiner Heimatregion miterlebt hat. An der Marktentwicklung zweifelt er nicht. Umso wichtiger sei es, die vorhandenen Kapazitäten finanziell wie personell möglichst sinnvoll einzusetzen, sagt Binnig. Die Frage, die sich uns stellt, ist vor allem: Was machen wir nicht? Ganze Bereiche stehen aber nicht zur Disposition. Wir diskutieren jede einzelne Produktgruppe. Dabei geht es auch darum, welche Produkte wir brauchen, um beim Thema Mobilität auch nach 2020 noch vorn dabei sein zu können, erklärt er. Wir wachsen nicht auf breiter Front, sondern sehr fokussiert, sehr selektiv. Das bringt uns nach vorn.

4 4 Samstag, 18. Oktober 2014 KSPG AG Kolbenschmidt ist das Rückgrat Division Hardparts soll mit bestehenden Produkten in Wachstumsmärkten zulegen Von unserem Redakteur Manfred Stockburger K lar, der Kolbenschmidt macht Kolben. Das weiß in Neckarsulm jedes Kind. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Die KSPG-Division Hardparts, deren Aktivitäten inzwischen allesamt unter der Marke Kolbenschmidt laufen, macht deutlich mehr als Kolben. 1,1 Milliarden Euro erwirtschafteten die unter Kolbenschmidt zusammengefassten Unternehmen Geführt werden sie vom Standort Neckarsulm aus. Neckarsulm ist aber nur einer von zahlreichen Standorten im In- und Ausland: Die Internationalität ist längst eine zentrale Stärke von Kolbenschmidt geworden auch wenn das aus deutscher Sicht nicht immer so aussieht. Für das Unternehmen ist Hardparts zudem wegen der hohen Fertigungstiefe, die Gießereien erfordern, eine sichere Bank: In dieses Geschäft steigt kein neuer Wettbewerber so schnell ein, sagt KSPG- Vorstandschef Horst Binnig, der vor seiner Berufung in den Vorstand selbst große Teile der Division verantwortete. Bei den volatilen Märkten, in denen wir uns bewegen, ist das ein wichtiger stabilisierender Faktor, sagt er. Kleinkolben Für Autos und Lastwagen, für Motorsägen und Motorboote, für Dieselund Ottomotoren: Das angestammte Geschäft steuert innerhalb der Hardparts-Division den größten Umsatzanteil bei. Es ist vielfältig und zugleich knallhart. Schließlich darf ein Standard-Kolben kaum mehr kosten als drei Liter Benzin, muss aber zugleich Etwa 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet die Sparte Hardparts im Jahr. Geführt wird dieser Geschäftsbereich von Neckarsulm aus, wo auch die KSPG-Holding angesiedelt ist. immer leichter werden und immer höheren Drücken standhalten. Die Konsequenz, die das Unternehmen gezogen hat, ist ein dramatischer Umbau des Standorts Neckarsulm: 2016 werden dort die letzten Kleinkolben aus Aluminium gegossen werden die Zukunft gehört in diesem Bereich dem Werkstoff Stahl. Nächstes Jahr sollen in Neckarsulm bereits eine Million Stahlkolben gefertigt werden für Lastwagen, KSPG hat aber auch schon die ersten Pkw-Aufträge in den Büchern. Aktuell arbeiten die KSPG- Fachleute an der dritten Generation der sogenannten Steelteks-Kolben, wobei parallel zum Kolbendesign auch die Fertigungstechnik verbessert wird. Vorteile der dritten Generation sind neue, verbesserte Umformverfahren. Sie erlauben es, das volle Potenzial dieses Kolbendesigns auszuschöpfen. Auch hier wird die Die Zukunft ist Stahl jedenfalls bei den Lkw. Alexander Sagel Prozessentwicklung durch neueste Simulationsmethodik unterstützt. Der Klassiker aus Aluminium ist aber weiterhin gefragt. Allerdings kommt er künftig aus Werken im Ausland: Thionville in Frankreich und Usti in Tschechien sind die beiden europäischen Werke, Kunden in Asien werden aus China, Japan und Indien bedient, während der amerikanische Markt aus Mexiko, Brasilien und den USA beliefert wird. Technologisch liegt auch bei den Aluminium-Kolben die Herausforderung darin, die Produkte leichter werden zu lassen, kleiner. Und stabiler. Motoren mit höherer Leistung aber weniger Zylindern, die angesichts der CO 2 -Ziele en vogue sind, stellen die Entwickler vor neue Herausforderungen. Großkolben Während bei Pkw-Kolben jedes Gramm zählt, haben Großkolben andere Werte. Sie kommen in Schiffsmotoren zum Einsatz, bei Lokomotiven und in Kraftwerken. 219 Kilogramm bringt ein Schiffsdiesel-Kolben auf die Waage, der Durchmesser beträgt bis zu 63 Zentimeter Zentimeter. Nicht nur in Gewicht und Größe unterscheiden sie sich, sondern auch in den Laufzeiten: Anders als ein Pkw-Motor läuft ein Schiffsdiesel. Und läuft. Und läuft. Das hat Folgen für die Einsatzbedingungen: Ein Schiffskolben muss schon einmal mitten auf dem Ozean bei laufendem Motor ausgewechselt werden die Einzelzylinderabschaltung macht s möglich. Zugleich sind die Stückzahlen kleiner. Gut eine halbe Million Großkolben hat das Unternehmen für Schiffe produziert aber nicht im vergangenen Jahr, sondern seit dem Wiederaufbau des Unternehmens nach dem Zweiten Weltkrieg. Vergangenes Jahr lag der Umsatz der Business Unit bei 75 Millionen Euro. Bei Kreuzfahrtschiffen ist Kolbenschmidt Weltmarktführer. Weil mittlerweile 80 Prozent aller Hochseeschiffe in Asien gebaut werden, hat KSPG vergangenes Jahr ein erstes Großkolbenwerk in China eingeweiht, dessen Mitarbeiterzahl in den kommenden Jahren auf etwa 100 anwachsen soll. Die chinesische Gesellschaft ist eine 100-prozentige Tochter der KS Kolbenschmidt GmbH. Gleitlager Schon 1924 entwickelt Kolbenschmidt die Als tonnenschwere Rollenware kommt das Material in St. Leon-Rot an, das dort millionenfach zu kleinen Gleitlagern verarbeitet wird. Alexander Sagel Nach seiner Promotion im Fach Werkstoffwissenschaften und verschiedenen Stationen bei Daimler kommt Alexander Sagel (43) 2005 zu KSPG, wo er sich zunächst um Geschäftsentwicklung und Innovation kümmert. Ab 2010 verantwortet er das globale Kolbengeschäft, seit Juli leitet er die Division Hardparts. mfd Alexander Sagel ist promovierter Werkstoffwissenschaftler.

5 KSPG AG Samstag, 18. Oktober Stahlkolben erfordern andere Verarbeitungstechniken als solche aus Aluminium. Zunehmend baut KSPG die Fertigungstiefe der Stahlkolbenproduktion in Neckarsulm aus. ersten Gleitlager, in die Serienproduktion gehen die Lager dann im Jahr Als der Platz in Neckarsulm zu eng wird, gründet das Unternehmen das Gleitlagerwerk im badischen St. Leon-Rot. Seit 1969 gehört auch der Standort Papenburg in Niedersachsen zur KS-Familie. Die Teile sind zwar unscheinbar, aber technologisch sehr anspruchsvoll. Ohne sie würde kein Motor laufen: Die hohe Kunst der Gleitlagerentwicklung besteht darin, verschiedene Materialien so zu kombinieren, dass sich ihre Eigenschaften im Sinne des Erfinders addieren: Auf kleinstem Bauraum und bei und geringsten Reibungsverlusten müssen sie hochbelastbar, verschleißfest und langlebig sein. Hierzu wird Stahl mit verschiedensten Aluminium- und Kupferlegierungen sowie speziellen Kunststoffen kombiniert. Einige Gleitlagertypen erhalten anschließend noch eine hauchdünne Beschichtung, teilweise wird sogar Atom für Atom aufgedampft. Besonders gefragt waren zuletzt wartungsarme Permaglide-Gleitlager, die aus einem Stahl-Bronze-Polymer-Verbund bestehen. Um dem international stark ansteigenden Umsatz gerecht zu werden, hat KSPG 2011 kräftig in einen zweiten Fertigungsstand- ort in Mexiko investiert. Permaglide-Lager kommen außerhalb des Motors zum Einsatz etwa in Stoßdämpfern, Cabrio-Verdecken, Scheibenwischern oder bei der Sitzverstellung. Aluminium-Technologie Eine Sonderrolle spielt die Business Unit Castings also Gussteile in der Division Hardparts: Auf Zylinderkurbelgehäuse aus Aluminium ist dieser Bereich spezialisiert. Der Porsche Cayenne und der Audi A6 sind nur zwei Beispiele der Fahrzeuge, deren Motorblöcke in Neckarsulm gegossen werden. Am Standort Neckarsulm beschäftigt dieser Bereich, der seit 2000 rasant gewachsen ist, rund 900 Mitarbeiter und ist damit die größte Produktionseinheit vor Ort: Neben der sehr komplexen Gusstechnik in verschiedenen Varianten übernimmt die Firma auch die mechanische Fertigbearbeitung der Blöcke. Das sehr investitionsintensive Geschäft, früher bekannt unter dem Namen Aluminium- Technologie AG oder kurz ATAG, gehört inzwischen allerdings nur noch zur Hälfte der KSPG AG: Im Juli hat das Unternehmen das Geschäft in ein neues Joint-Venture mit Hasco eingebracht, dem großen chinesischen Partner, mit dem es im Reich der Mitte bereits mehrere Gemeinschaftsunternehmen gibt. Zusammen mit den Chinesen will KSPG damit weltweit das Geschäft mit dem Guss komplizierter Motorblöcke aus Aluminium aufrollen und auch die passenden Zylinderköpfe liefern. Denkbar sind dabei durchaus Standorte auf anderen Kontinenten, wie Hasco-Chef Zhang Haitao im Juli angedeutet hat. Obwohl die Umsätze dieses Geschäftsbereichs künftig wie die 500 Millionen Euro der anderen Gemeinschaftsunternehmen schon jetzt nicht mehr in der KSPG-Bilanz auftauchen werden, gehört der Bereich gemäß der Strategie der Neckarsulmer weiterhin zur internationalen Hardparts- Familie. Pkw-Kolben für einen Ottomotor Großkolben Zylinderkurbelgehäuse Gleitlager

6 Zeitgemäßes Erscheinungsbild W KSPG hat seinen Werbe- und Marktauftritt neu strukturiert ie tritt ein Unternehmen in der Öffentlichkeit auf? Wie sehen Marketingkampagnen aus? Was muss man tun, um wahrgenommen zu werden? Diese und weitere Fragen hat sich auch die KSPG Gruppe in den vergangenen Monaten intensiv gestellt. Seit Sommer präsentiert sich das Unternehmen mit einem neuen Marktauftritt in der Öffentlichkeit. Das Ziel dabei ist, eine Beschränkung auf die drei gut eingeführten Kernmarken Kolbenschmidt, Pierburg und Motorservice zu erzielen, sagt Peter Hartung Leiter des Zentralbereichs Unternehmenskommunikation. Dabei legen wir besonderen Wert auf einen hohen Bezug zum Kunden. Zugleich wollen wir eine starke Mitarbeiterorientierung dokumentieren. Der neue Auftritt soll nicht nur nach außen gegenüber Kunden etabliert werden. Er richtet sich auch an die eigenen Mitarbeiter, an allen 36 Standorten auf der ganzen Welt. So wird nicht nur dem Kunden verdeutlicht, dass es der Leidenschaft und dem persönlichen Einsatz der Mitarbeiter von KSPG zu verdanken ist, dass das Unternehmen ein Leistungsgarant ist. Auch die Mitarbeiter selbst werden mit der neuen Kommunikation abgeholt, der Wert ihrer Arbeit honoriert und ihr Engagement als Motor, der KSPG antreibt, kommuniziert. Wer nach außen glänzen will, muss von innen heraus strahlen, beschreibt Peter Hartung das neue Konzept. Das Leitbild Unser Herz schlägt für Ihren Antrieb schafft die Brücke zwischen technischen Spitzenleistungen, Emotionen und der Verbindung von Unternehmen und Kunden, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Mit einer maximalen Leistung in Entwicklung, Produktion und Management die besten Antriebslösungen bereitzustellen. Das neue Kommunikationskonzept betont dabei vor allem die menschliche Seite des technologisch führenden Zulieferers und vermittelt ein kompetentes und sympathisches Gesamtbild, bei dem trotzdem Know-how und Leistungen klar und deutlich transportiert werden. Wie der Marktauftritt aufgebaut ist, veranschaulicht die Anzeige in der Mitte mit einigen Erläuterungen. Ich bin das K und das S. Ich bin das P und das G. Ich bin das A und das O Ihres Motors. Wenn wir Kolben und Pumpen, Ventile und Gleitlager entwickeln, dann tun wir das mit Herzblut. Ihr Antrieb ist unser Motor. Und Ihre Herausforderungen sind unser Ansporn, Sie mit maßgeschneiderten, innovativen Komponenten zu versorgen. Bei Kolbenschmidt, Pierburg und Motorservice arbeiten wir an der Mobilität der Zukunft. Nicht im Alleingang, sondern gemeinsam mit Ihnen.* UNSER HERZ SCHLÄGT FÜR IHREN ANTRIEB. Die Stärken des Unternehmens werden deutlich kommuniziert. Die Produktpalette und das Leistungsspektrum von KSPG werden im Wettbewerb um den Antrieb der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Dabei legt das Unternehmen großen Wert darauf, dass die Lösungen gemeinsam mit dem Kunden entwickelt werden. Das neue motto Unser Herz schlägt Unternehmens- für Ihren Antrieb ergänzt die Neuaufstellung und den Marktauftritt auf emotionale Art und Weise. Grundsätzlich erscheint in Anzeigen immer Bei seinen Anzeigenmotiven rückt KSPG seine Mitarbeiter als zentralen Bestandteil des Unternehmenserfolgs bewusst in den Vordergrund. Dabei setzt KSPG auf Authentizität. Gezeigt werden in der Regel reale Mitarbeiter, die ihre jeweilige Division glaubwürdig vertreten und verdeutlichen, wie durch ihr Herzblut Höchstleistungen für ihre Kunden erzielt werden. das Gruppenlogo (KSPG Automotive) in Verbindung mit den Logos der drei marken Kolbenschmidt, Pierburg und Mo- Kerntorservice. Die Botschaft ist klar: Mit den drei Kernmarken ist KSPG in jedem Bereich breit aufgestellt und dabei so spezialisiert, dass technologische Spitzenprodukte für Kunden entstehen. Unter dem Dach der KSPG Gruppe vereinen sie sich zu einem Gesamtunternehmen, das für seine Kunden ein einzigartiges Full-Service-Paket rund um den Antrieb bereitstellt.

7 8 Samstag, 18. Oktober 2014 KSPG AG Pierburg erobert die Welt Division Mechatronics soll mit neuen Produkten in bestehenden Märkten wachsen Von unserem Redakteur Manfred Stockburger E infach war die Geschichte von Pierburg nicht immer, denn einst war das Unternehmen ein Synonym für den Vergaser. Der Saugmotor ist aber längst Teil der Technologiegeschichte und mit ihm das Bauteil, das Luft und Kraftstoff ins richtige Verhältnis bringt. Spätestens mit der Einführung des geregelten Drei-Wege-Katalysators 1992 ist der Vergaser obsolet. Und doch ist Pierburg quicklebendig: Vergangenes Jahr setzte die KSPG-Division Mechatronics, in der die fünf Business Units der Marke Pierburg zusammengefasst sind, 1,2 Milliarden Euro um. Und sie wächst weiter. Wie das geht? Pierburg hat sich erfolgreich neu erfunden als Spezialist für Aggregate zur Abgasund Verbrauchsreduzierung. Eine ganze Reihe von Produktgruppen ist daraus im Lauf der Jahre entstanden. Unser aktuelles Produktportfolio ermöglicht ein konstantes Wachstum, sagt Divisions-Chef Olaf Hedden. Bisher ist das Pierburg-Geschäft im Vergleich zu Hardparts europalastig. Der Grund hierfür ist einfach: Bei den Abgasnormen geben die europäischen Behörden in vielen Bereichen den Takt vor, Wachstumsmärkte wie China oder Brasilien hinken eher hinterher. Die strategische Hausaufgabe, die das KSPG-Management der Mechatronics-Division aufgegeben hat, ist deswegen die Internationalisierung: Die Produkte, die in Europa schon erfolgreich sind, sollen auch in anderen Märkten eingeführt werden. Und für Europa sollen zusätzlich neue Pro- 1,2 Milliarden Euro hat die KSPG-Division Mechatronics im vergangenen Jahr umgesetzt. Alle Produkte laufen unter der Marke Pierburg. Geführt wird die Division von Neuss aus. dukte entwickelt werden. In der Vorentwicklung befinden sich momentan zum Beispiel Projekte zum variablen Ventiltrieb für die Optimierung des Ladungswechsels. Um den jeweiligen Produktbereichen eine sinnvolle Struktur zu geben, hat KSPG die Mechatronics-Division in fünf Business-Units aufgeteilt. Aktuatoren Die Umwandelung elektrischer Signale in mechanische Bewegungen ist die Aufgaben von Aktuatoren, nach denen die Business-Unit benannt ist. Zum Einsatz kommen diese Geräte, die in Deutschland primär am Berliner Pierburg-Standort hergestellt werden, unter anderem in Drosselklappen. Die Laststeuerung bei Ottomotoren erfolgt im Normalfall durch Drosselung der Ansaugluft. Erreicht wird dies mit eben diesen Drosselklappen, mit denen auch Funktionen wie der Leerlauf oder die Geschwindigkeit geregelt werden können. Auch in modernen Motorkonzepten wie Otto- Direkteinspritzern werden Drosselklappen benötigt. Im Abgasstrang kommen die Klappen darüber hinaus zur Emissionsreduzierung und zur Verbesserung der Akustik zum Einsatz. Abgassysteme Angesichts steigender Kraftstoffpreise und immer strengerer Emissionsvorschriften arbeitet Pierburg schon seit Jahrzehnten mit Bauteilen zur Abgasrückführung, sogenannten AGR- Modulen. Hergestellt werden diese AGR-Ventile heute primär im nordspanischen Pierburg-Werk in Abadiano, aber auch in Tschechien, den USA sowie in Indien und China. Rund 75 Millionen AGR-Module sind bisher alleine aus dem Werk im Baskenland ausgeliefert worden, pro Jahr werden aktuell etwa sechs Millionen Stück produziert. Die Wirkung der Abgasrückführung beruht unter anderem auf einer Absenkung der Verbrennungstemperatur. Dadurch verringert sich die Entstehung von Stickoxiden. Beim Benzinmotor ergibt sich durch die Entdrosselung des Motors bei Teillast gleichzeitig eine Senkung des Verbrauchs. Welche Bedeutung die AGR- Module mittlerweile haben, machen Großaufträge im dreistelligen Millionenbereich deutlich alleine für das kompakte Abgasrückführventil, das vergangenes Jahr auf den Markt kam. Namhafte europäi- Unser akutelles Produktportfolio in den Pierburg- Bereichen ermöglicht ein konstantes Wachstum. Olaf Hedden sche und amerikanischen Hersteller setzen das Ventil in Motoren ein, die die aktuelle Schadstoffnorm Euro 6 erfüllen. Nutzfahrzeuge Was für einen Pkw gut ist, reicht von den Anforderungen her nicht unbedingt aus, um auch in Nutzfahrzeugen eingesetzt werden zu können: Längere Laufleistungen und höhere Anforderungen bedeuten, dass für dieses Segment spezielle Produkte entwickelt werden müssen zum Beispiel eine gekühlte Variante der Pierburg-Abgasrückführsysteme. Seit 2009 wird dieses Geschäftsfeld unter dem Namen Commercial Diesel Systems als eigene Business Unit geführt, die in Neuss angesiedelt ist. Nicht nur um AGR-Module geht es In Millionenstückzahlen produziert Pierburg in Neuss diese Schubumluftventile, die in fast allen Turboladern von Personenwagen zum Einsatz kommen. Olaf Hedden Nach dem BWL-Studium an der Universität Hamburg ging Olaf Hedden, 50, zur damaligen Kolbenschmidt- Mutter Metallgesellschaft. Über Voest-Alpine und Rheinmetall kam er 2002 zu Pierburg. Nach vier Jahren als Chef der Heilbronner Läpple AG leitet er seit diesem Frühjahr die KSPG-Division Mechatronics. mfd Hedden ist nach der Zwischenstation in Heilbronn wieder in Neuss.

8 KSPG AG Samstag, 18. Oktober dabei, vielmehr soll die gesamte Pierburg-Kompetenz ausgehend von der Kompetenz in Sachen Schadstoffreduzierung vom Pkw- auf den Lkw-Motor übertragen werden. Ziel ist, als Systemanbieter den Lkw- Herstellern ein umfassendes Produktprogramm rund um den Motor anzubieten. Neben der Weiterentwicklung bestehender Komponenten für härtere Einsatzbedingungen entwickelt die Pierburg-Business-Unit auch ganz neue Produkte wie die speziell für den Heavy-Duty- Bereich entwickelten Drosselklappen, Aktuatoren und Abgasklappen. Pumpen Schon in den 1960er Jahren hat Pierburg erste Membranpumpen für Dieselmotoren hergestellt. Heute gilt das Unternehmen als Spezialist für innovative und zukunftsweisende Pumpentechnologie. Das Produktportfolio umfasst mittlerweile Kühlmittel-, Öl- und Vakuumpumpen. Oberstes Ziel der Entwickler ist die Verfügbarkeit optimaler Leistung zu jedem Betriebspunkt. Einfache mechanische Pumpen werden deshalb wo möglich durch elektrisch angetriebene oder variable Geräte ersetzt, weil sie unabhängig von der Motorendrehzahl gesteuert werden können. Damit lassen sich Kraftstoff sparen und Abgase reduzieren, weil die Pumpen nicht immer auf Hochtouren laufen und weil der Motor erst dann gekühlt wird, wenn er die optimale Betriebstemperatur tatsächlich erreicht hat. Das Produktportfolio wird abgerundet durch Vakuumpumpen, eine elektronisch kommutierte Wasserumwälzpumpe sowie Komponenten für zukunftsweisende, moderne Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge. Neben Neuss sind für das Pumpengeschäft vor allem der sächsische Standort Hartha von Bedeutung, wo Pierburg eigene Elektromotoren herstellt. Außerdem gibt es Werke der Business Unit in Livorno in Italien, Thionville in Frankreich, Celaya in Mexiko, Takwe in Indien sowie an zwei Joint-Venture- Standorten in China. Magentventile Das sogenannte Downsizing, also der Verringerung des Hubraums bei gleicher oder gesteigerter Motorleistung durch einen Turbolader, ist bei modernen Motoren nicht mehr wegzudenken. Geregelt werden inzwischen fast alle Turbolader mit einem seit 2004 von Pierburg entwickelten elektrischen Schubumluftventil. Mehr als 15 Millionen Stück hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren verkauft und das Produkt ständig weiterentwickelt. Die vierte Entwicklungsgeneration ist mittlerweile im Serieneinsatz sie ist kleiner, leichter, haltbarer und günstiger als ihre Vorgänger. Gefertigt werden die Magnetventile auf Englisch Solenoid Valves in Neuss, wo im vergangenen Jahr eine weitere Fertigungslinie installiert wurde. Sie steht inzwischen im neuen Werk Niederrhein. Abnehmer sind nahezu alle bedeutenden Autohersteller. Auch für die Steuerung weiterer Funktionen rund um den Motor können die Magnetventile eingesetzt werden. An diesem Heißgasprüfstand in Neuss werden gekühlte Abgasrückführmodule auf Herz und Nieren getestet. Schaltbare Kühlmittelpumpe Kompaktes Ventil zur Abgasrückführung Variable Ventilsteuerung

9 10 Samstag, 18. Oktober 2014 KSPG AG Auf der alten Hafenmole mitten in Neuss, in Sichtweite der Innenstadt, steht das neue KSPG-Werk Niederrhein. Zum Schutz vor Hochwasser wurde das Terrain aufgeschüttet. S Neue Fabrik auf historischem Boden chon die Römer wussten es: Neuss, an der linken Seite des Rheins gelegen, ist ein guter Standort. Als Alfred Pierburg nach dem Krieg einen Standort im Westen sucht, baut er dort eine erste Fabrik. Auch das heutige Management ist vom Standort überzeugt: Für einen zweistelligen Millionenbetrag ist auf der Neusser Hafenmole in den vergangenen Monaten ein neues Werk entstanden, in dem 700 Menschen arbeiten, die bisher in den Fabriken in Nettetal und dem angestammten Pierburg-Standort in Neuss ihre Arbeitsplätze hatten. In der Unternehmensgeschichte ist das Werk Niederrhein ein weiterer Meilenstein. Werk Niederrhein ist der jüngste Meilenstein einer langen Unternehmensgeschichte Die Großinvestition in Neuss baut auf einer Erfolgsgeschichte auf, die mehr als ein Jahrhundert weit zurückreicht: Als Stahlhandelsunternehmen wird die Gebr. Pierburg OHG 1909 in der Berliner Friedrichsstraße gegründet unter anderem beliefert die Firma, die ab 1925 Vergaser für Benzinmotoren herstellt, auch die Autoindustrie. Am Anfang stehen in Lizenz gefertigte Solex-Vergaser, später setzt Alfred Pierburg auf eigenentwickelte Produkte. Ein Jahr nach der Pierburg- Gründung macht sich Karl Schmidt 1910 selbstständig Vater Christian ist der Gründer von NSU und damit des heutigen Audi-Werks Neckarsulm. Zunächst auf die Produktion von Schmelzöfen für Gießereien spezialisiert, beginnt er 1920 mit der Produktion von Kolben aus Aluminium. Krieg und Zerstörung werfen beide Unternehmen zurück, im Wirtschaftswunder- Deutschland gedeihen die Kolbenschmidt AG, die mehrheitlich zur Metallgesellschaft gehört, und Pierburg. Beide werden Haus- und Hoflieferanten der deutschen Automobilwirt- schaft. Pierburg wird zum Synonym für den Vergaser, Kolbenschmidt liefert neben Kolben auch Gleitlager und ganze Motorblöcke. Rheinmetall-Ära Mitte der 1980er Jahre steigt die Rheinmetall AG aus dem benachbarten Düsseldorf bei Pierburg ein, der Wehrtechnikkonzern setzt auf Diversifizierung übernimmt Rheinmetall nach einem langen Übernahmekampf die Mehrheit der Kolbenschmidt AG und verschmilzt beide Firmen zur Kolbenschmidt Pierburg AG, die bis 2007 eigenständig an der Börse notiert bleibt. Mittlerweile ist das Unternehmen zu 100 Prozent in die Rheinmetall AG integriert. Mit einer eigenständigen Führung behält KSPG aber weiterhin eine eigene Identität. Der Versuch, die Automotive-Tochter an die Börse zu bringen, scheiterte 2012 am schwierigen Kapitalmarktumfeld. Heute ist die Zwei-Säulen Strategie der Rheinmetall AG, die dieses Jahr 125. Geburtstag feierte, wieder Gesetz: Mobilität und Sicherheit lautet das Geschäftsmodell. mfd Zukunft Für Olaf Hedden, der als Divisionsleiter Mechatronics die Verantwortung für das Projekt trägt, ist es ein wichtiger Erfolg, am angestammten Ort einen zukunftsfähigen Produktionsstandort für Magnetventile und Truckkomponenten mit weltweiter Leitwerkfunktion aufzubauen. Nicht nur die Montage findet in dem Hafenareal statt, auch eine neue Gießerei und eine mechanische Bearbeitung hat das Unternehmen errichtet. Die Montage der Vergaser war bei Pierburg in der Nachkriegszeit eine personalintensive Aufgabe. Automatisierung? Fehlanzeige. In den 1950er Jahren war die Kolbenproduktion in Neckarsulm reine Handarbeit. Fotos: KSPG

10 Ersatzteile für die Welt Division Motorservice in Neuenstadt soll künftig 20 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaften KSPG AG Samstag, 18. Oktober I Von unserem Redakteur Manfred Stockburger n wie viele Länder der Erde Motorservice liefert? 130 Staaten hat das Unternehmen mit Sitz in Neuenstadt am Kocher aktuell auf der Liste. Denn Ersatzteile werden überall benötigt, wo gefahren wird. Und je exotischer die Länder sind, umso mehr wird repariert. Wer je in Asien auf einer Landstraße unterwegs war, weiß was gemeint ist. Dort haben Motoreninstandsetzer und Werkstätten jede Menge zu tun. Und sie benötigen Dinge, bei denen der durchschnittliche Mitteleuropäer den Kopf schüttelt: Kolben in verschiedenen Übergrößen etwa, für Motoren, deren Zylinderdurchmesser sich durch den Verschleiß vergrößert hat. Außerdem Zylinderköpfe, Nockenwellen, Pleuelstangen, Lambdasonden, Ölund Wasserpumpen, Ventile oder Schwungscheiben. Export Entsprechend stark ist das Auslandsgeschäft. In der Region um Neckarsulm gehört das Unternehmen regelmäßig zur Spitzengruppe der Firmen mit dem höchsten Exportanteil. Über eigene Niederlassungen verfügt die Division zudem in Frankreich und Spanien sowie in der Türkei, China und Brasilien. Eine wichtige Rolle spielt in dem Geschäft die Fälschungssicherheit der Motorservice- Produkte, die durch aufwendige Verpackungen gewährleistet wird. Aber auch lokale Verbindungen werden gepflegt: Mit dem Motorman Run, einem von Motorservice ge- sponserten Extremhindernislauf, hat sich das Unternehmen in seiner Heimatregion ein Gesicht gegeben. Mit einem Jahresumsatz in der Größenordnung von 270 Millionen Euro ist Motorservice die kleinste der drei KSPG-Divisionen. In Sachen Profitabilität braucht sie sich aber nicht zu verstecken. Entsprechend steht der Geschäftsbereich im strategischen Fokus: Auf 20 Prozent soll der Anteil bis 2020 erhöht werden, den die Division am Konzernumsatz erwirtschaftet dieses Ziel hat Vorstandschef Horst Binnig unlängst vorgegeben. Bei insgesamt Wir machen uns Gedanken über passende Akquisitionen, die unser Portfolio abrunden. Hansjörg Rölle steigender Tendenz versteht sich. Rölle hat als Chef der Division in den nächsten Jahren also viel zu tun. Wir machen uns Gedanken über passende Akquisitionen oder Kooperationen, die unser Portfolio abrunden, erklärt der Manager, wie er das Ziel erreichen möchte. Rölle denkt dabei vor allem an Zulieferer, die bisher über keine eigene Aftermarket-Organisation verfügen. Schon länger hat Motorservice auch Ventile und Ventiltriebkomponenten konzernfremder Marken im Sortiment hat Motorservice mit der Übernahme der BF Fahrzeugteile GmbH seine Kompetenz im Geschäft für Motorkomponenten für Nutz- fahrzeuge ausgebaut. Aber natürlich soll das Ersatzteilgeschäft des Konzerns nicht nur durch weitere Zukäufe, sondern auch aus eigener Kraft wachsen. Dazu hat Rölle den Vertrieb und das Produktmanagement neu aufgestellt. Parallel wird der Internetvertrieb zusätzlich forciert schon jetzt kommen mehr als zehn Prozent der Bestellungen online in der Zentrale an ein neuer Shop soll den Kunden zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten bieten. Wir haben eine gesunde Ausgangsposition und verfügen über den passenden Werkzeugkasten, um die Ziele zu erreichen, ist Rölle zuversichtlich. Erweiterung Möglich werden soll das Wachstum auch durch den Ausbau der eigenen Fertigungskapazitäten, wo künftig Produkte nach Kundenwunsch produziert werden sollen. Schon im vergangenen Jahr hat die Firma Quadratmeter Erweiterungsfläche erworben und zwar direkt neben dem bestehenden, Quadratmeter großen Firmengelände in Neuenstadt, wo momentan gut 230 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dorthin hatte das Unternehmen seinen Sitz bis 2008 in mehreren Schritten verlagert, zuvor hatte die MS Motorservice International GmbH Büros und Lager in Neckarsulm. Konkrete Baupläne gibt es momentan aber noch nicht. Das deutsche Aftermarket-Geschäft, das mit knapp 130 Mitarbeitern als eigene Business Unit geführt wird, sitzt in Asperg zwischen Heilbronn und Stuttgart, dem angestammten BF-Standort. Die logistische Zentrale der Division Motorservice ist das Hochregallager in Neuenstadt in der Nähe von Neckarsulm. Fotos: KSPG Aufs richtige Maß kommt es an: Anders als in der Serienfertigung gibt es bei Motorservice Ersatzteilkolben in verschiedenen Übergrößen. Mit der Förderung des Extremhindernislaufs Motorman Run engagiert sich das Unternehmen vor Ort in Neuenstadt. Foto: Mario Berger Hansjörg Rölle Auf dem zweiten Bildungsweg hat es Hansjörg Rölle, 57, ganz nach oben gebracht. Auf den Hauptschulabschluss in Mosbach folgen die Wirtschaftsschule und die Bundeswehr, wo er das Fachabitur ablegt. Nach dem Studium in Heilbronn kommt er 1987 zum Kolbenschmidt- Ersatzteilgeschäft, das er seit 1997 verantwortet. mfd Hansjörg Rölle ist einer der dienstältesten KSPG-Manager. Ersatzventil für Motoren Fälschungssichere Verpackungen

11 12 Samstag, 18. Oktober 2014 KSPG AG Mit dem Reibleistungsprüfstand im Neckarsulmer Entwicklungszentrum für Kolbentechnologie arbeiten die Kolbenschmidt-Mitarbeiter daran, ihre Bauteile leichtgängiger zu machen. S ein Job ist die Zukunft: Mit welchen Technologien KSPG weiter am Ball bleibt, erforscht Heinrich Dismon mit seinem Team. Im Interview spricht er über die Herausforderungen, den CO 2 - Ausstoß von Motoren weiter zu verringern. Wie unterstützt KSPG die Hersteller beim Erreichen der 95- Gramm-Grenze für CO 2? Heinrich Dismon: Mit unserem Produktportfolio können wir die mechanische und die thermodynamische Effizienz der etablierten verbrennungsmotorischen Antriebskonzepte der Autohersteller signifikant verbessern. Wichtige Erfolgsfaktoren sind die Verringerung der innermotorischen Reibleistung und der Bauteilmassen im Triebwerk sowie eine geringere Leistungsaufnahme bei Nebenaggregaten. Parallel dazu zeigen wir mit neuen Ideen wie dem Range Extender Alternativen auf. Gibt es Produktbeispiele für die Effizienzsteigerung? Dismon: Ein gutes Beispiel sind die Stahlkolben für Pkw- Dieselmotoren, mit denen KSPG ab 2014 hochbelastete Aluminiumkolben ersetzen wird. Unsere Pkw-Stahlkolben Wohin die Reise geht Heinrich Dismon kümmert sich bei KSPG um Technologien für die Zukunft Warum? Dismon: Die Nebenaggregate werden nur dann eingeschaltet, wenn sie benötigt werden. Damit kann man in einer Größenordnung von 1,5 bis drei Prozent Kraftstoff sparen. Regelbare Kühlmittelpumpen beispielsweise ermöglichen eine kontrollierte und schnelle Erwärmung des Triebwerks zur Reibleistungsabsenkung. Allerdings setzen sich rein elektrische Kühlmitsind leicht, kompakt und zeichnen sich durch ein sehr gutes Laufverhalten aus. Intensiven Versuchen unserer Kunden folgend, können Verbrauchseinsparungen von umgerechnet drei bis vier Prozent erzielt werden. Bei Ottomotoren fokussieren wir uns auf weitere Optimierungsschritte von Aluminiumkolben: Sie werden noch leichter, erzeugen dank innovativer Beschichtungen weniger Reibung und sind dennoch den Anforderungen moderner Motoren gewachsen. Und über den Grundmotor hinaus? Dismon: Bei den Nebenaggregaten gilt es, die Antriebsleistung und die Reibleistungs- Heinrich Dismon verantwortet die Forschung und Entwicklung. Und wie sieht es mit der thermodynamischen Effizienz aus? Dismon: Wir sind seit Jahren Marktführer von Abgasrückführungs-Systemen für Dieselverluste zu vermindern. Wo mechanische Antriebe vorhanden sind, optimieren wir ihre Parameter und machen sie, wo es möglich ist, schaltbar oder regelbar. An anderer Stelle ersetzen wir mechanische durch elektrische Antriebe. Heinrich Dismon Für ihn ist ein µ-meter ein µ und ein Milligramm ein Milligramm: Seit 2013 ist Heinrich Dismon Leiter Forschung & Technologie der KSPG AG. Der 51-Jährige studierte am Lehrstuhl für Angewandte Thermodynamik an der RWTH Aachen kam er zu Pierburg, zunächst in die Serien-, später in die Vorentwicklung. mfd telpumpen im Hauptkühlkreislauf nur zögerlich durch. In Nebenkühlkreisläufen wie etwa beim Turbolader ist das anders. Auch alternative Antriebe benötigen etwa zur Batteriekühlung intelligente Kühlkreisläufe. Wie viel Potenzial steckt drin? Dismon: Wir sehen noch großes Optimierungspotenzial durch ein effizientes Thermomanagement vor allem des Kühlmittelkreislaufs. Hier bieten wir neben Pumpen zunehmend auch Regelventile an. Ist bei Ölpumpen eine ähnliche Entwicklung absehbar? Dismon: Auch hier reduzieren wir durch variabel regelbare mechanische Ölpumpen die Leistungsaufnahme und damit die Fördermenge bedarfsgerecht. Elektrische Ölpumpen für die Schmierölversorgung des Verbrennungsmotors sind dagegen aus Leistungs- und Sicherheitsgründen wohl noch nicht so schnell serienfähig, Anwendungen im Getriebe dagegen schon. motoren und stellen fest, dass diese Technik nun auch bei Ottomotoren Einzug hält. Die Abgasrückführung erlaubt hier beispielsweise, auf eine Anfettung zum Schutz des Turboladers zu verzichten. Das spart Kraftstoff. Die thermodynamische Effizienz des Motors verbessern natürlich auch unsere variablen Ventiltriebsysteme, die je nach Ausgangsmotor zwischen drei und sechs Prozent Einsparpotenzial bringen. Halten Sie die Grenze von 95 Gramm CO 2 pro Kilometer für erreichbar? Dismon: Ehrlich gesagt wird es für manche Hersteller nicht leicht, die 95 Gramm zu erreichen. Und was in der EU für Mitte bis Ende des nächsten Jahrzehnts angedacht wird dann sprechen wir über 68 bis 78 Gramm CO 2 pro Kilometer wird erheblich weitergehende Maßnahmen erfordern. Welche könnten das sein? Dismon: Unterschätzt wird dabei nach wie vor das Potenzial des Erdgasmotors mit der hohen Klopffestigkeit des Betriebsstoffs und dem weitaus geringeren CO 2 -Ausstoß. Allerdings gibt es da bei der jetzigen Tankstelleninfrastruktur noch große Defizite.

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