Wegen der neuen Regelungen ist es sinnvoll, sich Gedanken zu machen. Und zwar in den nächsten Monaten um Altersversorgung und Krankenversicherungen.

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1 BFFM GmbH & Co KG Normannenweg Hamburg August 2012, Nr. 3 Viele Versicherungen ändern sich Unisex - Tarife zum Jahresende. Was ist zu tun? Was bedeuten Unisex - Tarife? Wo wird es billiger und wo teurer? Für den schnellen Leser vorab: Wegen der neuen Regelungen ist es sinnvoll, sich Gedanken zu machen. Und zwar in den nächsten Monaten um Altersversorgung und Krankenversicherungen. Der Stichtag ist der für alle die Unisex - Tarife. Risikolebensversicherungen sollten jedoch unabhängig vom künftigen Preis dann gemacht werden, wenn sie nötig sind. Bei Kapitallebensversicherungen ist es nicht sehr wichtig, zu reagieren Bei privaten Rentenversicherungen oder Basisrenten sollten wir uns vor dem Jahresende unterhalten Bei Riesterrenten gibt es schon Unisex-Tarife, es gibt außer durch die entgehende Förderung keinen Zeitdruck vor dem Jahresende. Betriebliche Altersversorgungen (BAV) sollten vor Abschluss sowieso immer sehr genau geprüft werden. Meist sind Riester oder Basisrenten (wegen der nicht anfallenden Krankenversicherungsbeiträge im Alter) deutlich besser. Und durch die Unisex-Tarife wird die Prüfung von BAVen nun noch komplizierter. Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen besteht vor dem Jahresende sowohl für Frauen wie auch für Männer Handlungsbedarf. Bei allen Arten von privaten Krankenversicherungen besteht vor dem Jahresende vor allem für Männer dringender Handlungsbedarf. Bei Kfz-Versicherungen wird es für Frauen teurer. Was aber nur im Einzelfall änderbar ist. zurück zur Homepage >>

2 Unisex zum Jahresende Zum Jahresende dieses Jahres müssen Versicherungen bei vielen Arten von Verträgen neu kalkulieren. Denn der Europäische Gerichtshof hat schon 2007 entschieden, dass Männer und Frauen bei Versicherungen in ganz Europa gleich behandelt werden müssen. Das soll der Geschlechtergerechtigkeit wie auch der Entbürokratisierung dienen. Und es tritt ab in Kraft. 2. Wo wirkt sich das aus? Bei diesen Versicherungsarten gab es bisher Beitragsunterschiede für Männer und Frauen: Lebensversicherungen Private Krankenversicherungen Kfz-Versicherungen Die Unterschiede ergaben sich aus den jeweils unterschiedlichen Risiken. Bei diesen Versicherungen müssen für Männer und Frauen ab dem nächsten Jahr gleich hohe Beiträge angeboten werden. Das Geschlecht mit dem geringeren Risiko wird also künftig das Geschlecht mit dem höheren Risiko subventionieren müssen. Das gilt allerdings nur für neue Verträge, die bestehenden Verträge bleiben wie bisher erhalten. 3. Ist eine solche Gleichstellung gerecht? Was sich auf den ersten Blick gerecht anhört, wird von Fachleuten als gut gedacht, aber schlecht gemacht angesehen. Und zwar, weil risikogerechte Kalkulationen durch solche Vorschriften unterbunden werden. Ein Beispiel: Nimmt man eine Versicherungssparte, in der Männer bisher preiswerter versichert wurden als Frauen. Das könnte eine Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Dann lag der Preisunterschied bisher daran, dass die Ausgaben der Gesellschaften für Frauen dafür höher waren als die für Männer. Die auf den ersten Blick positiven Folgen der neuen Regelung: Frauen werden beim Preis nicht mehr benachteiligt. Die auf den zweiten Blick negativen Folgen: Wenn nun beide Geschlechter künftig pro Kopf gleich viel Prämien einbringen, die Frauen aber weiterhin höhere Ausgaben erzeugen, sind Männer künftig eine lukrativere Kundengruppe als Frauen. Man wird also bei den Versicherungsgesellschaften künftig versuchen, im Verborgenen zu selektieren und vor allem Männer zu versichern. Und man wird Frauen (z.b. durch strengere Risikoprüfungen mit Ausschlüssen oder Ablehnungen) dafür lieber gar nicht erst aufzunehmen. Es beginnt dann unter den Anbietern - wie bei den gesetzlichen Krankenversicherungen seit den Einheitsbeiträgen - ein verstärkter Kampf um gute Risiken. Und das hat auch dort schon zu seltsamen Auswüchsen geführt (z.b. skurrile Werbung um Gutverdiener). Bei den privaten Versicherungen führt das dann zu mehr Ablehnungen schlechter Risiken. Versicherungen sind durch die neuen Regelungen dann insgesamt zwar gleich teuer, aber für viele

3 - 3 - auch schwerer erreichbar und damit eben auch ungerechter. Denn die, die so eine Versicherung mit höherer Wahrscheinlichkeit brauchen (in diesem Beispiel: Frauen mit Vorerkrankungen), kriegen im neuen System in mehr Fällen als zuvor gar nicht erst eine angeboten. Da war es vorher schon besser, dass man zwar als Frau mit Vorerkrankungen zwar mehr bezahlen musste als Männer, aber dafür wenigstens überhaupt eine Versicherung bekommen konnte. So dreht sich vermeintliche Gerechtigkeit in das Gegenteil um. Viele Antragsteller haben bei erhöhten Prämien für Krankheiten (für die man ja selbst nichts kann...) jetzt schon das Gefühl, im Vergleich zu gesunden Antragstellern ungerecht behandelt zu werden. Dieses Gefühl wird sich nun noch verstärken, da die Ungerechtigkeiten für die schlechten Risiken ja tatsächlich zunehmen werden. Aber alle Europäer zusammen werden mit diesen neuen Regulierungen der EU leben müssen. Auf was muss man sich aber im Einzelnen einstellen? Das heißt: Auf welche Versicherungsarten wirkt sich das wie aus? 4. Auswirkungen Lebensversicherungen Dazu gehören Risiko- und Kapitallebensversicherungen, Rentenversicherungen, Basis- und Riesterrenten, Betriebliche Altersversorgungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen Risikolebensversicherungen Da Männer statistisch kürzer leben als Frauen, stellten Sie für Versicherer bisher ein höheres Risiko dar. Und damit waren Männer im Bezug auf den Todesfallschutz bisher teurer. Das wird sich nun ändern. Da in dieser Sparte vor allem Männer - als Hauptverdiener in ihren Familien - versichert werden und da Risikolebensversicherungen auch bisher schon sehr knapp kalkuliert werden, werden diese Versicherungen voraussichtlich für Männer günstiger und für Frauen teurer werden. Falls aber so eine Absicherung nötig ist, ist es eher nicht so, dass es sich für Männer lohnt, bis zum nächsten Jahr zu warten. Denn erstens decken Risikolebensversicherungen meist existentielle Risiken gegenüber Darlehensgebern oder Familien ab und zweitens sind sie auch heute im Verhältnis zu den abgedeckten Summen schon sehr preiswert. Deswegen ist die zeitgerechte Absicherung wesentlich wichtiger als eine eventuelle Ersparnis von ein paar Euro im Jahr Kapitallebensversicherungen Da Kapitallebensversicherungen zwar auch einen Todesfallschutz enthalten, da aber innerhalb der Verträge auch bisher schon zwischen Kapitalteil und Todesfallschutz hin- und hersubventioniert werden konnte, werden die Auswirkungen tendenziell zwar ähnlich wie bei Risikolebensversicherungen sein, allerdings werden die Unterschiede eher geringer bleiben. Ein Reagieren unter Zeitdruck wird eher nicht lohnen.

4 Private Rentenversicherungen und Basisrenten Hier wirkt sich die Gleichstellung umgekehrt aus wie bei den Todesfallabsicherungen. Da bei Rentenversicherungen die Langlebigkeit versichert ist und da Frauen länger leben als Männer, werden die bisher teureren Frauen eher günstiger. Männer müssen hier künftig mehr zahlen, Frauen tendenziell weniger. Wegen den bei privaten Rentenversicherungen fehlenden Risikoprüfungen wird es hier aber auch künftig eher keine negative Risikoselektion durch die Gesellschaften geben können. Bei normalen klassischen Rentenversicherungen lohnt es sich also als Frau, die neuen Tarife abzuwarten oder als Mann kurz vor dem Jahresende noch zuzuschlagen. Der Stichtag ist der Anders sieht es wegen der steuerlichen Gegebenheiten bei Basisrenten aus: Planen Sie eine Basisrente, sollten Sie als Mann auch vor dem darum bemühen. Für Frauen mit Basisrenten sind die 10 Tage zwischen den und dem besonders interessant (neuer Tarif, alte Steuervorteile...) Riesterrenten Bei Riesterrenten wirken sich die neuen Gesetze gar nicht aus, denn diese Tarife sind bereits seit ihrer Einführung Unisex-Tarife. Eine Reagieren unter Zeitdruck ist nicht nötig Betriebliche Altersversorgungen (BAV) Unter betriebliche Altersversorgungen können ja neben allen Arten von Lebensversicherungen (außer Basis- und Riesterrenten) auch noch Pensionsfonds, Pensionskassen, Unterstützungskassen u.a. fallen. Hierzu hat sich der Europäische Gerichtshof bisher gar nicht geäußert. Viele Rechtsexperten meinen aber, dass er das auch nicht tun wird und dass hier die alte Geschlechtertrennung weiter bestehen bleiben kann. Es ist also im Bezug auf betriebliche Altersversorgungen eher keine Eile geboten. Der Abschluss einer betrieblichen Altersversorgung sollte aber wegen diverser, sehr komplexer Kriterien (Stichwort: Krankenversicherungsbeiträge auf betriebliche Renten im Alter...) stets ganz genau geprüft werden. Der Vergleich mit den anderen Arten von geförderten Altersversorgungen wird aber durch die künftig womöglich unterschiedlichen Tarife noch komplizierter als bisher. Hier ist eine objektive Beratung demnach künftig noch dringender notwendig als bisher. Rufen Sie uns an Berufsunfähigkeitsversicherungen Hier waren Frauen bisher deutlich teurer. Es wird aber auch künftig entgegen diverser anderslautender Glaubensbekenntnisse in der Presse für Frauen kaum günstiger werden. Da bei Berufsunfähigkeitsversicherungen auch bisher schon sehr intensive Gesundheitsprüfungen stattgefunden haben, werden sich diese auch künftig fortsetzen. Und das wird dann deutlich zu der oben beschriebenen negativen Risikoselektion führen. Und das erhöht die Kosten insge-

5 - 5 - samt. Man wird also Männer zwar teurer machen, Frauen aber eher nicht oder nur wenig günstiger. Als Mann sollten Sie bei Bedarf also versuchen, noch bis eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Melden Sie sich dazu bitte wegen der voraussichtlichen Terminenge vor dem Jahresende noch möglichst früh in diesem Jahr. Als Frau bieten Ihnen manche (gute) Gesellschaften die Möglichkeit, jetzt noch (mit den alten Risikoprüfungen) in eine solche Versicherung rein zu kommen und dann ggf. nächstes Jahr in einen neuen Frauentarif umzusteigen. Eine interessante Variante, bei der es sich auch für Frauen lohnen kann, in 2012 noch zu handeln. 5. Auswirkungen auf Krankenversicherungen und Pflegeversicherungen Frauen waren in privaten Krankenversicherungen bisher stets teurer als Männer. Es wird jedoch, wie schon von den meisten Gesellschaften angekündigt, kaum zu niedrigeren Beiträgen bei Frauen kommen. Das liegt daran, dass diese auch bisher aufgrund der Preiskämpfe in der Branche auch bisher schon häufig zu knapp kalkuliert waren. Es wird also vor allem für Männer zum nächsten Jahr teurer. Sollten Sie sich mit dem Gedanken an einen Wechsel zur privaten Krankenversicherung tragen, lohnt es sich, dass möglichst umgehend anzugehen. Das gilt genauso für private Zusatztarife zur gesetzlichen Krankenversicherung sowie für Pflegeversicherungstarife. 6. Auswirkungen auf Autoversicherungen Bisher gab es bei manchen Gesellschaften Vorteile für Frauen. Das wird ab 2013 abgeschafft. Da Kfz-Versicherungen aber sowieso jedes Jahr einzeln und neu kalkuliert werden, nützt es hier jedoch nichts, lange vorher aktiv zu werden. Evtl. loht es sich in den nächsten Jahren, gelegentlich auf den Ehepartner umzustellen. Das muss im Einzelfall geprüft werden. 7. Fazit Sie sehen, dass es die Gesetzgeber mal wieder schaffen trotz vermeintlicher Vereinfachung vieles (wie so oft...) auch wieder deutlich komplizierter zu machen. Es ist aber wegen der neuen Regelungen sinnvoll, sich in den nächsten Monaten um Altersversorgung und Krankenversicherungen Gedanken zu machen. Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gern. Ihr BFFM - Team Bildnachweis: Wilhei -

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