LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 5/ Wahlperiode Übergewichtige Kinder, landesseitige Initiativen und Therapieplätze

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1 LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 5/ Wahlperiode KLEINE ANFRAGE des Abgeordneten Stefan Köster, Fraktion der NPD Übergewichtige Kinder, landesseitige Initiativen und Therapieplätze und ANTWORT der Landesregierung Einem Beitrag der Ostsee-Zeitung vom 25. September 2009 zufolge werden Kuren für übergewichtige Kinder hierzulande viel zu wenig genutzt. Teilweise betrage der Anteil der Kinder aus Mecklenburg- Vorpommern an den Angeboten gerade einmal zehn Prozent. 1. Welche landesseitigen Initiativen gab es seit 1990, um den Anteil an übergewichtigen Kindern zu verringern? Welche Erfolge zeitigten die Initiativen? Seit Beginn der 90er-Jahre werden auf Initiative der Landesregierung verschiedene Projekte, die das Ziel der Gesundheitsförderung und der Prävention zum Ziel haben, unterstützt. Die Sektion Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. leistet mit einer Personalstelle im Rahmen von landesweiten Multiplikatorenschulungen präventive Aufklärungsarbeit zur Vermeidung von ernährungsbedingten Erkrankungen. In jährlich durchgeführten Tagungen werden Ernährungsfachkräften (Diätassistenten, Oecotrophologen, aber auch Lehrern und Erziehern) wissenschaftliche Erkenntnisse zu ernährungsrelevanten Themen vermittelt. Darüber hinaus ist die DGE auf diversen regionalen Veranstaltungen, wie Messen und Ausstellungen, mit diesen Themen vertreten. Die Ministerin für Soziales und Gesundheit hat namens der Landesregierung die Kleine Anfrage mit Schreiben vom 8. Dezember 2009 beantwortet.

2 Drucksache 5/2952 Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 5. Wahlperiode Verbraucherrelevante Aufklärung und Beratung werden über das Ernährungsprojekt der Neuen Verbraucherzentrale in Mecklenburg und Vorpommern (NVZ) e. V. personengruppenspezifisch angeboten. Die Beraterinnen der NVZ gehen mit speziellen Themen auf verschiedene Zielgruppen (Kindertagesstätten, Schulen u. a.) zu und bieten Anleitungen und Empfehlungen zum Handeln im Sinne eines gesunden Lebensstils und Ernährungsverhaltens an. Seit März 2009 setzt die von Bund und Land geförderte Vernetzungsstelle für Schulverpflegung Mecklenburg-Vorpommern, angesiedelt bei der DGE Bonn, mit allen Beteiligten vor Ort (Schule, Schulträger, Caterer) die Qualitätskriterien für Schulverpflegung in die Praxis um. Als relativ neues Instrument steht die Vermittlung des Ernährungsführerscheins durch den Land-Frauenverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. in Klasse 3 zur Verfügung. Die Umsetzung in 21 dritten Klassen im Jahr 2009 im Rahmen des Modellprojektes Gesunde Schulverpflegung verlief äußerst erfolgreich. Aktuell führen sechs geschulte Land-Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern den theoretischen und praktischen Unterricht durch. Im Rahmen des Modellprojektes trug das Land die Kosten. Die Nachhaltigkeit aus diesen Projekten wird durch die ständige Reproduktion von Ernährungswissen an die nachwachsenden Generationen erwartet, ist aber nicht unmittelbar messbar. Ziel aller Projekte ist die frühzeitige Wissensvermittlung zu den Themen Ernährung und Bewegung und praktische Anleitung durch die handelnden Personen zur nachhaltigen Verhaltensänderung bei den Kindern und ihren Familien. Seit 2003 arbeitet die Landesregierung gemeinsam mit Partnern an der Umsetzung der Kindergesundheitsziele Chancengleich gesund aufwachsen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Ziele 1 und 2 sind unter anderem auf das Vermeiden von Übergewicht und Adipositas ausgerichtet: Bewegungsförderung (1) und Förderung eines gesunden Ernährungsverhaltens (2). Zur Umsetzung der Kindergesundheitsziele wurde dem Landtag ein Bericht vorgelegt (Drucksache 4/2287). Die Verbesserung des Bewegungsverhaltens von Kindern und Jugendlichen ist eine der zentralen Aufgabenstellungen in der Sportpolitik der Landesregierung. Das für Sport zuständige Fachministerium des Landes konzipierte gemeinsam mit dem Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern unter dieser Zielstellung bereits spezielle Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche, wenngleich diese Aufgabe grundsätzlich bei allen organisierten Sport-Aktivitäten mit dieser Zielgruppe berücksichtigt wird. Mit Kooperationsprojekten, Initiativen und Veranstaltungen, wie beispielsweise Bewegter Kindergarten (seit 2000 Bewegte Kinder ), Gemeinsam Sport in Schule und Verein, Wir in M-V - fit und sicher in die Zukunft, Jahr des Schulsports in M-V oder Sport und Gesundheit - Kinder in Bewegung wurden konkrete, altersgerechte Sport-, Spiel- und Bewegungsangebote auch langfristig etabliert. 2

3 Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 5. Wahlperiode Drucksache 5/2952 Bewegungsförderung zählt zu den Kernaufgaben der Gesundheitsziele für Kinder und Jugendliche, u. a. im Kampf gegen zunehmendes Übergewicht und Adipositas. Die Förderung von Bewegungsprogrammen ist bedeutender Bestandteil des aktuellen Landesaktionsplanes zur Gesundheitsförderung und Prävention. Seit 2008 erfolgt die Förderung der Maßnahmen im Rahmen des Landesaktionsplanes zur Gesundheitsförderung und Prävention (Drucksache 5/1559). Diese finden in Kommune, Kindertagesförderung, Schule und Betrieb statt. Eine Erfassung ist aufgrund der Vielzahl der Maßnahmen nicht möglich. 2. Wie hat sich der Anteil übergewichtiger Erstklässler seit 1990 in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt (bitte jahrweise aufführen)? Daten zu übergewichtigen Kindern liegen nur für die Einschulungsuntersuchung vor. Die Merkmale Übergewicht und Adipositas werden seit dem Schuljahr 2003/04 nach dem Body- Mass-Index (BMI=Körpergewicht/Körpergröße²) erfasst. Als übergewichtig gelten Kinder, deren BMI über der 90igsten Perzentile liegt. Als adipös (krankhaftes Übergewicht) gelten Kinder, deren BMI über der 97igsten Perzentile nach Kromeyer/Hauschild liegt. Vergleiche mit den Vorjahren sind daher nicht möglich. Einschüler mit Übergewicht bzw. Adipositas Schuljahr Untersuchte Adipositas absolut in % Untersuchte Übergewicht absolut in % 2003/ , ,8 2004/ , ,6 2005/ , ,8 2006/ , ,9 2007/ , ,7 2008/ , ,8 * Adipositas BMI über 97. Perzentile; ** Übergewicht = Kinder mit BMI über der 90. Perzentile; nach Kromyer/Hauschild 3

4 Drucksache 5/2952 Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 5. Wahlperiode 3. Welche Hilfsangebote in Kurkliniken und therapeutischen Einrichtungen gibt es (bitte die Standorte, die Art der Angebote, die Plätze und den jeweiligen Grad der Auslastung seit 1990, bzw. seit das Angebot besteht, aufführen)? Wie hat sich der dabei der Anteil der aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden Kinder entwickelt? Adipositas wird im Rehabilitationsbereich nicht als eigenständige Indikation ausgewiesen, sondern oft auch bei Kliniken mit dem medizinischen Betreuungsgebiet Stoffwechselerkrankungen als medizinische Rehabilitations- bzw. Vorsorgemaßnahme durchgeführt. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es aktuell sieben Kinder- und Mutter-Vater-Kind-Einrichtungen, die Adipositas explizit ausgewiesen haben: 1. Jugenddorf Garz Fachklinik für Kinder und Jugendliche Putbuser Straße Garz/Rügen, 2. Ostseestrand-Klinik Klaus Störtebeker Strandstraße Seebad Loddin-Kölpinsee, 3. Kindersanatorium Markower Mühle Voigtsdorfer Weg Parchim, 4. Inselklinik Heringsdorf Haus Gothensee Setheweg Seebad Heringsdorf, 5. Mutter-Kind-Kurklinik Strandstraße Ostseebad Baabe, 6. Kinder-Rehazentrum Usedom Strandstraße Seebad Loddin-Kölpinsee, 7. AHG Kindersanatorium Tannenhof Ribnitzer Straße Ostseeheilbad Graal-Müritz. Nähere Informationen zur genauen Ausgestaltung der Angebote und zum Grad der Auslastung liegen im Ministerium für Soziales und Gesundheit nicht vor, da vonseiten der Leistungserbringer und der Kostenträger keine Meldepflicht besteht. Die Anzahl der Therapieplätze und die Inhalte der Vorsorge- und Rehabilitationsangebote werden in Einzelverhandlungen zwischen der entsprechenden Klinik und der Gesetzlichen Krankenversicherung bzw. der Gesetzlichen Rentenversicherung ausgehandelt. 4

5 Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 5. Wahlperiode Drucksache 5/2952 Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von ambulanten Hilfsangeboten, die von der Landesregierung nicht erfasst werden. 4. Welche konkreten Nachbehandlungsmöglichkeiten gibt es derzeit im Land (bitte ausführlich erläutern und die Standorte aufführen)? Die Nachbehandlung erfolgt, soweit es erforderlich ist, durch die niedergelassenen Kinderärzte und Ernährungsberater am Heimatort. Das Adipositasnetzwerk Mecklenburg- Vorpommern e. V. hat sich das Ziel gestellt, die dazu vorhandenen Strukturen miteinander zu vernetzen. 5

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