Behinderung und Entwicklung was geht mich das an? Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

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1 Behinderung und Entwicklung was geht mich das an? Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern / bezev 2011 /

2 Inhalt Vorwort 3 1 Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern 4 2 Gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung 6 3 Möglichkeiten der schulischen und beruflichen Bildung 8 4 Wie können Menschen mit Behinderung ein Einkommen erzielen? 9 5 Welche Möglichkeiten der sozialen Versorgung sind gegeben? 10 6 Wie ist die Einstellung der Gesellschaft zum Thema Behinderung? 11 7 Welche Rolle spielt Armut bei der Entstehung von Behinderung? 12 8 Welche Rolle spielt Behinderung bei der Entstehung von Armut? 15 9 Aus dem Leben eines Menschen mit Behinderung aus Sambia 17 Herausgeber: Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.v. (bezev) Wandastr. 9, Essen Tel: +49 (0)201/ Fax: +49 (0)201/ Redaktion: Benedikt Nerger, Gabriele Weigt Gestaltung: Christian Bauer, studiofuergestaltung.net Druck: Druckerei Nolte, Iserlohn Essen 2011 Bildrechte Cover: oben: CBM/Shelley, unten: Kindernothilfe Für den Inhalt ist der Verfasser allein verantwortlich. Mit finanzieller Unterstützung durch 2 Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

3 Vorwort Menschen mit Behinderung leben überall. Bei uns in der Nachbarschaft, in Süd- und Norddeutschland, in Tansania und in Nicaragua. Doch nicht überall haben alle Menschen genug zu essen, sauberes Trinkwasser und eine eigene Wohnung. In den sogenannten Entwicklungsländern leben viele Menschen in Armut und unter unwürdigen Bedingungen. Menschen mit Behinderung, die in diesen Ländern leben, sind in besonderer Weise von Armut betroffen. Die vorliegende Broschüre, welche das Projekt Behinderung und Entwicklung was geht mich das an? begleitet, gibt einen Einblick in die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern. Welchen Anteil stellen Menschen mit Behinderung an der Bevölkerung dar? Wie sind ihre Lebensbedingungen? Welche Chancen haben sie, einen Beruf auszuüben und Einkommen zu erzielen? Was versteht man überhaupt in anderen Kulturen unter einer Behinderung? Darüber hinaus erklärt die Broschüre, welchen Zusammenhang es zwischen Armut und Behinderung gibt. Jeder Menschen hat ein Recht auf ein Leben in Würde egal wo er wohnt und ob er eine Behinderung hat oder nicht! / bezev 2011 / 3

4 1 Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern Sieben Milliarden Menschen leben zurzeit auf dieser Welt. Nach Schätzungen des Weltbehindertenberichts 2011 haben eine Milliarde Menschen (15%) eine oder mehrere Behinderungen. 1 Die große Mehrheit der Menschen mit Behinderung, nämlich 80 Prozent, lebt in den sogenannten Entwicklungsländern. Die Vereinten Nationen schätzen sogar, dass in den ärmeren Ländern ein Viertel der Bevölkerung direkt oder indirekt von Behinderung betroffen ist. Mitglieder der Behindertenkooperative aus Tahoua/Niger, die Lederwaren herstellen. Die Behinderung ist meist die Folge von Kinderlähmung. ( Klaus Weingärtner) Alle Entwicklungsländer 20% Industrieländer 100% 80% 80 Prozent aller Menschen mit Behinderung leben in Entwicklungsländern. Während in den Industrienationen die grundlegenden Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung weitestgehend gewährleistet sind (Nahrung, Wohnung, medizinische Versorgung und Bildung), ist dies in Entwicklungsländern häufig nicht der Fall. Während Menschen mit Behinderung in den Industrie - nationen für verbesserte Dienstleistungen und selbstbestimmtes Leben kämpfen, geht es uns ums Überleben. Joshua Malinga lebt in Simbabwe und hat eine körperliche Behinderung. Viele Menschen in den Entwicklungsländern sind von Armut bedroht, Menschen mit Behinderung jedoch in besonderer Weise. Nach Angaben der Weltbank lebten im Jahr 2008 weltweit 1,2 Milliarden in absoluter Armut. 2 1 WHO: World Report on Disability, Weltbank: Global Monitoring Report, Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

5 Jeder Fünfte von ihnen hat eine Behinderung. Menschen aus ärmeren Ländern haben also ein höheres Risiko mit einer Behinderung zu leben, denn zwischen Armut und Behinderung besteht ein enger Zusammenhang. Viele Frauen leben mit einer Behinderung Insbesondere Frauen haben in ärmeren Ländern ein höheres Risiko als Männer mit einer dauerhaften Beeinträchtigung leben zu müssen. In Bangladesch wird dies besonders deutlich, wo 23 % der Frauen und 10 % der Männer mit einer Behinderung leben. 1 Frauen sind in vielen Ländern doppelt benachteiligt: Zum einen werden sie wegen ihrer Behinderung diskriminiert, zum anderen als Frau, denn in einigen Ländern haben Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer. Was ist eine Behinderung? Was eine Behinderung ist, dafür gibt es weltweit viele Definitionen und wird in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich definiert. Behinderung kann aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. In der Vergangenheit wurde sie als Problem der betroffenen Personen gesehen, welche wohltätiger Fürsorge bedarf (karitatives Modell). Auch das medizinische Modell von Behinderung beschreibt Behinderung als ein individuelles Problem, nämlich ein körperliches oder intellektuelles Defizit, das durch medizinische Eingriffe gemindert oder beseitigt werden kann. Das soziale Modell hingegen bezieht auch die Umgebung des Menschen mit ein, welche ihn auf vielfältige Weise aus der Gesellschaft ausschließt. Dies können z.b. räumliche Barrieren (Treppenstufen, schmale Eingänge) oder negative Haltungen, Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber Menschen mit Behinderung sein. Man kann also Behinderung als einen Oberbegriff verstehen, der die Gesundheit der Person und sein Umfeld umfasst, so wie es die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung erläutert: Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristig körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können. [Artikel 1] 1 Mitra, Posarac, Vick: Disability and Poverty in Developing Countries: A snapshot from the World Health Survey, Discussion Paper No. 1109, April / bezev 2011 / Birtukaine (13) kann dank einer Orthese, die ihren Fuß stützt, zur Schule gehen. Stolz zeigt sie, was sie gelernt hat. ( LICHT FÜR DIE WELT, Österreich) Wichtigste Fakten 15% der Menschen auf der Welt haben eine oder mehrere Behinderungen. 80% der Menschen mit Behinderung leben in Entwicklungsländern. 20% der Menschen, die in absoluter Armut leben, haben eine Behinderung Frauen sind häufiger von einer Behinderung betroffen als Männer. 5

6 2 Gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung Ein Physiotherapeut von Handicap International in Haiti hilft einem kleinen Mädchen bei ersten Gehversuchen mit der neuen Prothese. ( William Daniels, Handicap International) Die Gesundheitsversorgung in ärmeren Ländern ist oft unzureichend und nicht zu vergleichen mit der in Industriestaaten. Während in Industriestaaten auf 1000 Einwohner bis zu 11 Gesundheitsfachkräfte entfallen, ist es in Afrika nur eine Fachkraft pro 1000 Einwohner. 1 Einerseits benötigen Menschen mit Behinderung gesundheitliche Dienstleistungen wie andere Menschen, andererseits brauchen sie Fachkräfte für Rehabilitation und Therapie. Fachkräfte, die es in Entwicklungsländern aber kaum gibt. In ländlichen Regionen ist die gesundheitliche Versorgung noch schlechter als in den Städten. Da Behinderung in ländlichen Regionen weiter verbreitet ist als in Städten 2, hat dies zur Folge, dass Patienten weite Wege zurücklegen müssen, um einen Arzt aufzusuchen. Gerade für Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung kann die Anreise sehr beschwerlich sein, denn in der Regel ist der öffentliche Nahverkehr wenn vorhanden nicht barrierefrei. Auch Krankenhäuser sind selten barrierefrei. Insgesamt haben nur zwei Prozent der Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung und Rehabilitation. 3 Das medizinische Personal ist kaum für die Belange von Menschen mit Behinderung sensibilisiert und geschult. Hörgeschädigte Menschen oder Personen mit einer Sprachbehinderung haben daher Probleme, mit Ärzten zu kommunizieren und können im schlimmsten Fall nicht behandelt werden. Damit die Menschen wissen, wie sie sich vor Krankheiten schützen können, müssen die Informationen für alle Menschen zugänglich sein. Für erfolgreiche Aufklärungskampagnen oder Gesundheitsbroschüren ist es 1 Külker, Rainer; Prytherch, Helen; Ruppel, Andreas; Müller, Olaf: Entwicklungsländer: Gesundheit für alle aber ohne Personal?, Deutsches Ärzteblatt 2010; 107(19): A und OECD: International migration outlook, Mitra, Posarac, Vick: Disability and Poverty in Developing Countries: A snapshot from the World Health Survey, Discussion Paper No. 1109, April Department for International Development: Disability, Poverty and Development, Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

7 daher wichtig, dass alle Menschen diese lesen und verstehen können. Damit beispielsweise blinde Menschen verstehen können, wie sie sich vor HIV/Aids schützen können, muss entsprechendes Informationsmaterial in Braille zur Verfügung stehen. Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung benötigen unter Umständen die Informationen in Leichter Sprache. In Entwicklungsländern mangelt es aber an barrierefreien Materialien wie auch noch in vielen reicheren Ländern. Versorgung mit technischen Hilfsmitteln Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen benötigen in vielen Fällen Prothesen oder Orthesen. In vielen Ländern fehlt es an diesen technischen Hilfsmitteln oder Bedürftige können diese nicht bezahlen. So schätzt die Welt gesund heit sorganisation, dass 20 Millionen Menschen in Entwicklungsländern einen Rollstuhl benötigen, aber keinen ( Cambodia Trust) zur Verfügung haben. 1 Falsche Annahmen über Menschen mit Behinderung: Beispiel HIV/ Aids Bei der Bekämpfung von Aids oder anderen lebensbedrohlichen Krankheiten werden Menschen mit Behinderung oftmals nicht als Zielgruppe erkannt. Es wird häufig angenommen, dass sie nicht sexuell aktiv sind, keine Drogen nehmen oder nie Opfer von sexueller Gewalt werden. Sie haben selten Zugang zu medizinischen Vorsorgemaßnahmen und Aufklärungskampagnen erreichen seh- oder hörgeschädigte Menschen nicht, da sie nicht barrierefrei sind. Darüber hinaus finden sie nur schwer Selbsthilfegruppen, die einen Behinderten aufnehmen. So werden sie durch die Krankheit und ihre Behinderung doppelt benachteiligt. Frauen mit Behinderung sind in Entwicklungsländern aus einem anderem Grund oftmals von HIV/Aids betroffen: Weil sie sich nicht wehren können, sind sie häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch. Sie haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko, körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht zu werden als Frauen ohne Behinderungen. 2 1 World Health Organization (WHO): Wheelchair Guidelines, Department for International Development: Disability, Poverty and Development, Department for International Development: Disability, Poverty and Development, Sense International. 5 World Health Organization (WHO): Mental Health Atlas, / bezev 2011 / Wichtigste Fakten Nur zwei Prozent der Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern haben Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung und Rehabilitation. 3 Knapp 0,1 Prozent der blinden und gehörlosen Menschen in Entwicklungsländern werden angemessen unterstützt und betreut. 4 In den ärmsten Ländern gibt es nur eine/n Psychiater/in für zwei Millionen Menschen (in den Industrieländern ist das Verhältnis etwa 1:10.000) Millionen Menschen benötigen einen Rollstuhl, haben aber keinen. 7

8 3 Möglichkeiten der schulischen und beruflichen Bildung Inklusiver Schulunterricht in Nicaragua ( Ph. Revelli / Handicap International) Ein Weg aus der Armut ist Bildung. Denn wer eine Schule besucht, Schreiben, Lesen und Rechnen lernt, hat später bessere Chancen eine Ausbildung und einen Beruf zu finden. Die UNESCO schätzt, dass in Entwicklungsländern über 90 % der Kinder mit Behinderung keine Schule besuchen. 1 Dafür gibt es verschiedene Gründe: Es existieren zu wenig Schulgebäude, die barrierefrei sind (z.b. fehlende Rampen); Unterrichtsmaterialien sind nicht barrierefrei (keine Brailleschrift, keine Gebärdensprache); Lehrkräfte wissen nicht, wie sie mit Kindern mit Behinderung umgehen sollen und sind überfordert; Kinder werden aufgrund ihrer Behinderung nicht zur Schule zugelassen oder man traut ihnen nicht zu, dass sie einen Schulabschluss schaffen können; viele Menschen mit Behinderung leben in ländlichen Regionen, hier gibt es kaum Schulen oder sie müssen zu weite Wege zurücklegen. Ohne Schulbildung ist es schwierig, einen beruflichen Ausbildungsplatz zu bekommen und die wenigen Ausbildungsplätze berücksichtigen nicht die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung. Positiv-Beispiel: Inklusive Bildung Wichtigste Fakten Über 90% der Kinder mit Behinderung besuchen keine Schule. Nur 3% der Menschen mit Behinderung können schreiben und lesen. Bei den Frauen mit Behinderung sind es nur 1%. 2 Hingegen ist in einigen Entwicklungsländern der gemeinsame Unterricht von Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung schon weiter fortgeschritten als etwa in Deutschland. So werden zum Beispiel in vielen Regionen von Indien, Ruanda, Nicaragua, Bangladesch und Äthiopien Kinder mit und ohne Behinderung in der Grundschule gemeinsam unterrichtet. 1 UNESCO, EFA Global Monitoring Report, 2003/4 2 Vereinte Nationen (UN): Women with Disabilities Fact Sheet, online unter 8 Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

9 4 Wie können Menschen mit Behinderung ein Einkommen erzielen? Ohne berufliche Ausbildung haben junge Menschen kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wie auch in reicheren Ländern wird oft von Menschen mit Behinderung angenommen, dass sie keinen normalen Beruf ausüben können oder dass es zu teuer ist, sie einzustellen. Außerdem haben einige Arbeitgeber Vorurteile oder sind abergläubisch gegenüber Menschen mit Behinderung und stellen sie daher nicht ein. Zudem hat infolge der Globalisierung der Konkurrenzdruck auf den Arbeitsmärkten zugenommen, was die Arbeitsbedingungen in vielen Ländern verschlechtert. Unter diesen Bedingungen finden Menschen mit Behinderung selten eine Arbeit. Inklusion von Menschen mit Behinderung in Nicaragua. ( Ph. Revelli / Handicap International) Die Vereinten Nationen geben an, dass 80 bis 90 % aller Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern keine Arbeit haben, obwohl sie in einem arbeitsfähigen Alter sind. 1 Zum Vergleich: In den Industrieländern sind es 50 bis 70 %. Wer keine Arbeit hat und sich seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen kann, ist auf die Hilfe seiner Familien angewiesen und kann kein eigenständiges Leben führen. Eine andere Möglichkeit Geld zu verdienen, ist ein eigenes Geschäft zu eröffnen oder als Händler Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Doch auch dafür benötigt man kaufmännisches Wissen, zum Beispiel, wie man mit Geld umgeht. Außerdem müssen Geschäftsinhaber und Händler zunächst Geld investieren, um beispielsweise die Einrichtung für ihren Laden oder das Gemüse zu kaufen, welches sie später auf dem Markt verkaufen. Wenn sie kein Geld angespart haben, müssen sie sich zunächst das Geld von einer Bank leihen. Arme Menschen bekommen jedoch selten einen Kredit, weil sie aus der Sicht der Bank nicht kreditwürdig sind. Viele Menschen ohne Arbeit haben daher nur die Möglichkeit, als Bettlerin oder Bettler ein wenig Geld zu verdienen. Ein selbstbestimmtes Leben in Würde ist so nicht möglich. Wichtigste Fakten 1 Vereinte Nationen (UN): Fact Sheet Employment of persons with disabilities, DPI/2489, % der Menschen mit Behinderung, die arbeiten könnten, haben keine Arbeit. / bezev 2011 / 9

10 5 Welche Möglichkeiten der sozialen Versorgung sind gegeben? Prakesh Wagle, CBR-Berater von INF (International Nepalese Fellowship) in Jumla (Nepal) im Gespräch mit einem Patienten, dessen Beine gelähmt sind. ( Ernst Hisch, DAHW) In Deutschland und in vielen anderen Ländern erhalten Menschen, die nicht für ihren eigenen Lebensunterhalt aufkommen können, eine finanzielle Unterstützung vom Staat. In vielen Entwicklungsländern gibt es eine solche Unterstützung nicht oder ist viel zu gering, um damit zu überleben. Außerdem brauchen einige Menschen mit Beeinträchtigungen Unterstützung im Haushalt oder bei der Pflege. Sie können sich aber keinen Assistenten leisten und sind auf die Hilfe von Freunden oder ihrer Familien angewiesen. Infolgedessen haben die Angehörigen weniger Zeit, um Geld zu verdienen. Sie sind indirekt ebenfalls von der Behinderung betroffen. Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen schätzte bereits in den 80er Jahren, dass ein Viertel der Bevölkerung in Entwicklungsländern direkt oder indirekt von einer Behinderung betroffen ist. Wichtigste Fakten 25% der Bevölkerung in Entwicklungsländern sind von Behinderung betroffen. 10 Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

11 6 Wie ist die Einstellung der Gesellschaft zum Thema Behinderung? Das Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderung ist von Kultur zu Kultur unterschiedlich und kann sowohl negativ als auch positiv sein. Es reicht von Vernachlässigung, Ablehnung, Missbrauch, Ausgrenzung bis hin zu Anerkennung, Akzeptanz und gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft. Zum Beispiel sind in einigen Ländern übernatürliche Kräfte wie Götter und Geister Teil des Alltags und Lebens. Es kommt vor, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung als privilegierte oder von Göttern auserwählte Personen angesehen werden. ( Kindernothilfe) Beispiel Anden: Die besondere Hand Über einen Medizinmann der Kallawaya-Indigenas in Bolivien schreibt die Ethnologin Ina Rösing: In der Tat ist seine rechte Hand besonders. Die vier Finger sind nicht ausgebildet, er hat Daumen, und den Rest einer ungestalten Hand. Und genau das macht ihn zum Berufenen. (...) Hier wird das Andere nicht ab-, sondern aufgewertet. 1 Andererseits wird Behinderung auch als Strafe oder Hexerei verstanden. So werden in einigen Regionen Westafrikas Menschen mit psychischer Erkrankung an Bäume gekettet, da sie angeblich verhext seien. 2 In Deutschland und in den meisten westlichen Ländern versteht man unter einer Behinderung vor allem eine körperliche, intellektuelle oder Beeinträchtigung der Sinne. In anderen Ländern und Kulturen kann es sein, dass Menschen aus ganz anderen Gründen als behindert betrachtet werden und deshalb ausgeschlossen werden. Sie werden als behindert betrachtet, weil sie sich anders verhalten, als von ihnen erwartet wird. Beispiel Somalia: Die Heiratsverweigerin Während des Besuchs eines Rehabilitationsprogramms wurde dem Mitarbeiter Einar Helander eine Frau gezeigt, die als behindert angesehen wurde. Diese Frau war 30 Jahre alt und sah nicht ungewöhnlich aus, noch verhielt sie sich auffällig. Sie lebte bei ihrer verheirateten Schwester und half dieser im Haushalt. Der Grund, warum sie als behindert angesehen wurde, war, dass sie ihr Vater mit einem alten, unattraktiven Mann verheiraten wollte, als sie elf Jahre war. Sie hat die Heirat verweigert und wird seitdem als Dummkopf und Idiot betrachtet. 3 1 Rösing, Ina: Berufung oder Behinderung. Anmerkung zum Umgang mit Behinderung in einer andinen Kultur, in: Brigitte Holzer, Arthur Vreede, Gabriele Weigt (Hrsg.): Disability in Different Cultures - Reflections on Local Concepts, Bielefeld Weitere Infos hierzu unter 3 Schilderung nach Helander, Einar: Prejudice and Dignity. An introduction to Community-based rehabilitation. New York / bezev 2011 / 11

12 7 Welche Rolle spielt Armut bei der Entstehung von Behinderung? Hüttensiedlung in Okuryangava (Katutura) in Windhoek, Namibia ( Sandra Hollweg) Wenn man sich fragt, warum so viele Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern leben und warum viele von ihnen in Armut leben, landet man schnell bei den Fragen: Warum erzeugt Armut Behinderung? Was versteht man überhaupt unter Armut? Was bedeutet Armut? Viele Menschen in den Entwicklungsländern müssen mit sehr schwierigen Lebensumständen zurechtkommen und leben unter unwürdigen Bedingungen in Armut. Was Armut ist, dafür existiert keine allgemeingültige Definition. Die Weltbank versteht z.b. unter absoluter Armut, wenn man weniger als 1,25 Dollar pro Tag zur Verfügung hat. Neben der materiellen Knappheit, kann Armut auch bedeuten, kaum Chancen zu haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das bedeutet z.b. nicht zur Schule gehen zu können oder nicht an kulturellen Aktivitäten teilnehmen zu können. Der Alltag von Menschen, die Armut leben, ist geprägt von: Mann ohne Beine überqert Straße in Quito, Ecuador ( Gabriele Weigt) Unter- oder Mangelernährung und schlechte Trinkwasserversorgung Unzureichende Gesundheitsversorgung Umweltzerstörung Fehlende Bildungsmöglichkeiten Ungenügende Wohnverhältnisse Keine oder unsichere Arbeitsmöglichkeiten Fehlende Sicherheit, Konfliktsituationen (Kriege) und Naturkatastrophen Soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und Missachtung von Menschenrechten Armut verursacht Behinderung Viele der genannten Bedingungen, unter den Menschen in Entwicklungsländern leben, sind direkt oder indirekt für die Entstehung von Behinderungen verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und Weltbank rechnen, dass 50 % aller Schädigungen, die zu einer Behinderung führen, ein Folge von Armut sind und vermieden werden könnten. 1 1 Philippa Thomas: Disability, Poverty and the Millennium Development Goals, DFDI Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

13 Unter- oder Mangelernährung und schlechte Trinkwasserversorgung Menschen, die zu wenig zu essen haben oder sich nur einseitig ernähren können, haben ein erhöhtes Risiko für eine dauerhafte Beeinträchtigung. Wenn eine Mutter während der Schwangerschaft zu wenig Jod aufnimmt, erhöht dies das Risiko, dass ihr Kind mit einer intellektuellen Beeinträchtigung geboren wird. Jod-Mangel ist die am meisten verbreitete Ursache von vermeidbaren intellektuellen Beeinträchtigungen. Eiweiß- und Eisen-Mangel führt bei Kindern zu Untergewicht und Entwicklungsverzögerungen. Eine der häufigsten Ursachen für Blindheit bei Kindern bis sechs Jahren ist Vitamin A-Mangel. Besonders Beeinträchtigungen, die während der Schwangerschaft oder im Kindesalter entstehen, sind meist nicht mehr zu korrigieren. Außerdem ist ein durch Mangelernährung geschwächter Köper viel anfälliger für Infektionskrankheiten, weil sein Immunsystem schwächer ist. Wasserholen in einem Flüchtlingscamp in Dakhla, Algerien ( UN Photo/Evan Schneider) Über eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Durch verschmutztes Trinkwasser nehmen sie Bakterien auf, die die Ursache von Hepatitis oder Durchfallerkrankungen sind. Die knappen Nährstoffe wie Vitamin A werden bei Durchfallerkrankungen aus dem Körper ausgeschieden. Unzureichende Gesundheitsversorgung Körperliche und intellektuelle Beeinträchtigungen infolge von Unterernährung und schlechter Trinkwasserversorgung können durch eine gute Gesundheitsversorgung und rehabilitative Behandlung vermieden oder zumindest gemildert werden. Sowohl die Gesundheitsvorsorge als auch die rehabilitative Versorgung sind in ärmeren Ländern nicht ausreichend. Deshalb wirken sich schon leichtere Behinderungen gravierender aus. Zu der fehlenden Gesundheitsversorgung zählt auch eine schlechte Versorgung mit Medikamenten und Impfungen. Frau in ihrem Dorf in Bangladesch nach den Überschwemmungen 2007 ( Handicap International) Umweltzerstörung Ein Drittel aller Krankheiten, die häufig zu Behinderungen führen, werden durch Umweltrisikofaktoren verursacht. Beispielsweise führt schmutziges Trinkwasser zu Trachoma, einer der häufigsten Ursache für Blindheit. 1 1 Behinderung und Dritte Welt (3/2004), Schwerpunkt Ökologie und Behinderung, online unter pdf/2004_3.pdf / bezev 2011 / 13

14 Kinderarbeit in einem indischen Steinbruch, ausbeuterisch und extrem gefährlich. ( Benjamin Pütter/misereor) Keine oder gefährliche Arbeitsmöglichkeiten Arme Menschen arbeiten oft unter gefährlichen und gesundheitsschädigenden Bedingungen, welche zu dauerhaften Schädigungen führen können. Viele Edelmetalle wie Gold werden in Entwicklungsländern in Minen abgebaut, die kaum Schutz vor Arbeitsunfällen bieten. Zudem sind die Arbeiter oftmals giftigen Gasen und Dämpfen ausgesetzt. Fehlende Sicherheit,Konfliktsituationen (Kriege) und Naturkatastrophen Viele Entwicklungsländer waren und sind immer noch geprägt durch bewaffnete Konflikte wie Bürgerkriege. Im Krieg erlittene Verletzungen bleiben häufig als dauerhafte Beeinträchtigungen zurück. Auch in ehemaligen Kriegsgebieten ist die Gefahr groß, z.b. durch Minen schwere körperliche Schädigungen zu erleiden. Im Jahr 2009 wurden knapp 4000 Menschen von einer Mine verletzt. 1 Viele Entwicklungsländer sind aufgrund ihrer geographischen Lage von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Überschwemmungen bedroht. Das erhöht das Risiko für eine Behinderung. Mustapha Thiam macht Sensibilisierungsarbeit zum Thema Behinderung in Senegal. ( J.-J. Bernhard / Handicap International) Soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und Missachtung von Menschenrechten Behinderung ist nicht nur eine körperliche, intellektuelle oder Sinnes-Beeinträchtigung. Viele Menschen werden erst behindert, weil sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, ihnen ihre Menschenrechte verwehrt werden. Besonders in Entwicklungsländern mit Diktaturen werden Menschenrechte missachtet, die Rechte von Menschen mit Behinderung zählen hier am wenigsten. 1 Mines Action Canada, Action On Armed Violence, Handicap International, Human Rights Watch, Landmine Action, Norwegian People s Aid International, Landmine Monitor, Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

15 8 Welche Rolle spielt Behinderung bei der Entstehung von Armut? Während in den reicheren Industrieländern die grundlegenden Bedürfnisse (Nahrung, Wohnen, gesundheitliche Versorgung) von Menschen mit Behinderung in der Regel gewährleistet sind, leben viele Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern in Armut und unter unwürdigen Bedingungen. Verschiedene Faktoren, die mit dem Thema Behinderung verknüpft sind, erhöhen das Risiko in Entwicklungsländern arm zu sein. Behinderung verursacht Armut Kein Zugang zu Arbeit Die wenigen vorhandenen Arbeitsplätze sind nicht barrierefrei. Es fehlen z.b. Rampen am Arbeitsplatz oder Informationen in Brailleschrift. Damit auch Menschen mit Behinderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arbeitsplatz gelangen können, müssen diese barrierefrei sein, was in Entwicklungsländern selten der Fall ist. Wer keinen Zugang zur Arbeit hat, hat wenige Verdienstmöglichkeiten und ist von Armut bedroht. Thérèse (45) erlitt beim Erdbeben in Haiti im Januar 2010 schwere Beinverletzungen. ( CBM/Shelley) Fehlender Zugang zu Bildung Menschen mit Behinderung haben meistens keinen Zugang zu Bildung, weil zum Beispiel Schulgebäude oder Unterrichtsmaterialien nicht barrierefrei sind. Das verschlechtert ihre Chancen auf eine Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt. Schlechte medizinische Versorgung und fehlende Rehabilitationsangebote Fehlende Behandlungsmöglichkeiten und Rehabilitationsangebote lassen aus leichten Beeinträchtigungen bleibende Behinderungen entstehen. Gesundheitliche Aufklärung richtet sich meistens nur an Menschen ohne Behinderung, so haben Menschen mit Behinderung kaum Zugang zu den Informationen. Soziale Ausgrenzung, Diskriminierung Diskriminierung, Vorurteile und falsche Vorstellungen über Behinderung führen dazu, dass Menschen mit Behinderung nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und isoliert bleiben. In vielen Ländern fehlen Antidiskriminierungsgesetze oder Menschen mit Behinderung werden sogar durch Gesetze und staatliche Einrichtungen diskriminiert. / bezev 2011 / 15

16 Hohes Risiko bei Naturkatastrophen Länder wie beispielsweise Pakistan oder Chile sind häufig von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen bedroht. Menschen mit Behinderung werden von solchen Katastrophen schwerer getroffen, z.b. können gehbehinderte Menschen nicht einfach vor der Flut weglaufen, Personen mit einer Sprachbehinderung können nicht auf sich aufmerksam machen oder gehörlose Menschen hören die Warnungen nicht. Zudem berücksichtigen viele Nothilfemaßnahmen die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung nicht. Infolgedessen können sich die Beeinträchtigungen verschlimmern, neue können hinzukommen. Beispiel Flutkatastrophe Pakistan 2010 Nach der schweren Flutkatastrophe in Pakistan im Jahr 2010 mussten Überlebende in Rettungscamps ausharren. Leider hatte man nicht an Menschen mit Behinderung und ihre speziellen Bedürfnisse gedacht. Es gab keine barrierefreien Toiletten, so dass viele Menschen mit Behinderung deswegen weniger Nahrung aufnahmen, um möglichst selten eine Toilette aufsuchen zu müssen. Menschen, die eigentlich eine Gehhilfe brauchten, konnten ohne Unterstützung nicht zu den Essenausgabestellen und zu den sanitären Einrichtungen gelangen. Bis heute leben viele von ihnen noch in Übergangslagern. Schilderungen des bezev-partners Milestone, Pakistan Kaum inklusive Entwicklungsprojekte Unter Entwicklungszusammenarbeit oder Entwicklungshilfe versteht man das gemeinsame Bemühen von Industrie- und Entwicklungsländern, die weltweite Armut zu bekämpfen und jedem Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Viele Entwicklungsprojekte und -programme sind bisher vor allem auf die Bedürfnisse von Menschen ohne Behinderung zugeschnitten. So haben Menschen mit Behinderung keinen Zugang zu Entwicklungsprojekten und nur eine geringe Chance der Armut zu entkommen. Armut verursacht Behinderung Behinderung verursacht Armut. Es entsteht ein Teufelskreis. 16 Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

17 9 Aus dem Leben eines Menschen mit Behinderung aus Sambia Was bedeutet es konkret für einen Menschen in einem Entwicklungsland mit einer Behinderung aufzuwachsen? Im folgenden Interview stellt Dorothy Musakanya Mapulanga ihr Leben als Frau mit einer körperlichen Beeinträchtigung in Sambia vor. Bitte stellen Sie sich kurz vor: Wo und wie leben Sie? Mein Name ist Dorothy Musakanya Mapulanga, geboren bin ich 1965 in Mumbwa in Sambia. Derzeit lebe ich zusammen mit meinem Ehemann und meinen zwei Söhnen in Lusaka, der Hauptstadt von Sambia. Als ich zwei Jahre alt war habe ich mich mit Polio infiziert, was zu einer Lähmung meines rechten Beins geführt hat. Trotz einer stationären und einer traditionellen Behandlung blieb das Bein gelähmt. Es macht mir beim Gehen teilweise Schwierigkeiten, da ich hauptsächlich mit nur einem Bein die Balance halte. Im Alter von 22 Jahren wurde ich im Universitätsklinikum Lusaka operiert, seitdem kann ich Schuhe tragen. Welcher grausame Mann hat Ihnen das angetan? Dorothy mit ihrem ersten Sohn Emmanuel. ( Musakanya) Wann haben Sie zum ersten Mal festgestellt, dass es Barrieren in Ihrem Alltag gibt? Was waren das für Barrieren? Wie hat sich das ausgewirkt? Die ersten Barrieren habe ich in der Schule wahrgenommen. Damals gab es so gut wie keine Aufklärungsarbeit, was Menschen mit Behinderung betrifft. Man wurde wie ein krankes Kind angesehen. So wurde ich von beinahe allen Aktivitäten ausgeschlossen. Zu dieser Zeit hielten sich Mitschüler und Lehrer fern von mir, da sie dachten eine Behinderung sei ansteckend. Die schlimmsten Barrieren waren jedoch die physischen, wie zum Beispiel Stufen. Sie haben mich ausgeschlossen und isoliert. Diese Barrieren waren Teil meines täglichen Lebens und sorgten dafür, dass ich mein Selbstbewusstsein und meine Selbstachtung eingebüßt hatte. Würden Sie kurz ihre Kindheitserlebnisse bis zur Schule schildern? Während meiner Kindheit riefen mir die Kinder Namen zu wie Chatyoka, was soviel heißt wie etwas ist kaputt. Andere nannten mich Akaloshi kailowa akakulu, was übersetzt bedeutet die Hexe, die ihr eigenes Bein verhext hat. Niemand wollte mit mir zu tun haben, noch nicht einmal Bücher tauschen oder am selben Tisch sitzen. Als einziges von acht Kindern, das eine Behinderung hatte, musste ich in / bezev 2011 / 17

18 meiner Familie mit vielen Einschränkungen und Verboten leben. Zuerst kamen immer die Anderen an die Reihe, ich war die Letzte. War es für Sie möglich eine Schule zu besuchen? Wenn ja, was haben Sie für einen Abschluss? Dorothy bei einem Vortrag während einer Frauenkonferenz in Malawi. ( Musakanya) In meiner Schulzeit musste ich viele verschiedene Schulen besuchen, da mein Vater an unterschiedlichen Orten arbeiten musste. Meine mittlere Reife bzw. Hochschulberechtigung habe ich in einem Internat gemacht. Hier war die große Herausforderung die Hygiene in den Sanitär-Anlagen, da ich zu dieser Zeit noch keine Schuhe tragen konnte habe ich mich ins College eingeschrieben und habe Management studiert. Nebenbei habe ich Kurse zu Mikrokrediten für Frauen mit Behinderung besucht und an einer Ausbildung für Nachwuchsführungskräfte teilgenommen. Mein Ziel ist es, Frauen in meiner Situation zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen für ihre Rechte zu kämpfen. Derzeit forsche ich mit Aids & Rights Alliance for South Africa (ARASA) im Bereich HIV/Aids und Menschrechte. Sind Sie derzeit berufstätig? Wenn nein, bekommen Sie eine Unterstützung (materiell oder immateriell) vom Staat? Nein, ich habe zurzeit keine feste Arbeit. Zuerst habe ich als Assistentin der Geschäftsleitung der Gehörlosen-Organisation Deaf Association in Sambia gearbeitet und war Gebärden sprachdolmetscherin bin ich nach Simbabwe gezogen und habe als Frauenbeauftragte für die Organisation South African Federation for the Disabled (SAFOD) gearbeitet. Seit 2010 bin ich leider ohne feste Arbeit, die meiner Qualifikation entspricht. Gelegentlich arbeite ich als Haushaltshilfe. Derzeit bekomme ich keinerlei Unterstützung vom Staat. Ich habe nur den unregelmäßigen Verdienst aus dem Haushaltsjob. Haben Sie das Gefühl, als Frau anders behandelt zu werden als ein Mann? Frauen mit Behinderung werden in den meisten Fällen anders behandelt. Sie werden wie Kinder gesehen und ihnen wird nicht zugetraut, Verantwortung zu übernehmen. Frauen mit Behinderung werden beinahe überall ausgeschlossen: aus der Bildung, von der medizinischen Versorgung, vom Landbesitz und sogar von Familientreffen. Aufgrund von kulturellen Vorstellungen ist eine Heirat für Frauen mit Behinderung ein viel größeres Problem als für Männer mit Behinderung. Einer Frau mit Behinderung wird in der Regel nicht zugetraut, dass sie für ihr Kind sorgen kann. Das führt dazu, dass sie ihrer natürlichen Aufgabe beraubt wird und so an emotionaler und persönlicher Würde verliert. 18 Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

19 Welche Erfahrungen haben Sie als Mutter mit einer Behinderung gemacht? Als ich mich entschied, ein Kind zu bekommen habe ich viele negative Erfahrungen gemacht. In einer Klinik zeigte der Arzt auf meinen Bauch und fragte: Welcher grausame Mann hat Ihnen das angetan? Als die Wehen einsetzten, wurde ich in der nächstgelegenen Klinik wegen meiner Behinderung einfach abgelehnt. In der nächsten Klinik passierte genau das Gleiche mit der Begründung, dass angeblich kein Doktor anwesend war. Die nächste Klinik war weitere 60 Kilometer entfernt. Dort rief die Schwester ohne mit mir zu reden direkt die Ärztin an. Glücklicherweise kam die Ärztin sofort und belehrte die Schwester, dass ich trotz meiner Behinderung ganz normal mein Kind zur Welt bringen würde. So habe ich am Weltbehinderten-Tag im Jahr 1992 einen strammen Jungen zur Welt gebracht. Die negativen Einstellungen mir gegenüber bekam ich später auch in den Kinderkliniken zu spüren. In einer Klinik sprach mich eine Schwester an, zeigte auf mein Baby und fragte, wo bitte die Mutter des Kindes sei. Ohne zu antworten habe ich mein Baby hochgenommen, ihm die Brust gegeben und so gezeigt, dass ich die Mutter des Jungen war. Auch in der eigenen Familie habe ich viele schwierige Situationen erlebt. So wollte meine Mutter mir das Kind wegnehmen, weil sie dachte, ich könnte nicht allein für das Kind sorgen Was ist für Sie die größte Schwierigkeit, mit der Menschen mit Behinderungen in Ihrem Land zu kämpfen haben? Die größten Herausforderungen für Menschen mit Behinderungen in meinem Land sind: Fehlende Möglichkeiten der Bildung oder Weiterbildung, was zu einem Verlust an Selbstvertrauen, Selbstachtung und zu Minderwertigkeitskomplexen führt. Die Menschen sind oft isoliert und können ihre Häuser nicht verlassen. Verschärft wird diese Situation durch eingefahrene Denkmuster und soziokulturelle Gegeben heiten. Die negativen Verhaltensweisen der Beschäftigten im Gesundheitssektor spiegeln im Wesentlichen die Sicht der Gesellschaft wider, dass Menschen mit Behinderung keinen Sex haben und deshalb keine Informationen über Verhütung brauchen.»women with disabilities, let us stand up and be counted. Time is now!«(frauen mit Behinderung, lasst uns aufstehen und sichtbar werden.) ( Musakanya) Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, um die Situation von Menschen mit Behinderungen in Ihrem Land zu verbessern? Die Verfassung und Gesetze müssen eine Gleichberechtigung in allen Teilen der Gesellschaft sicherstellen. Wir brauchen inklusive Programme, obwohl fälschlicherweise häufig angenommen wird, dass getrennte Programme das Beste wären. Menschen mit Behinderung brauchen mehr Informationen, wie sie ihre Gesundheit besser schützen können und außerdem muss der Zugang zur medizinischen Versorgung ebenfalls verbessert werden. / bezev 2011 / 19

20 Diese Broschüre gibt einen Einblick in die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern. Welchen Anteil stellen Menschen mit Behinderung an der Bevölkerung dar? Welche Chancen haben sie, einen Beruf auszuüben und Einkommen zu verdienen? Was hat Armut mit Behinderung zu tun? Ein Interview mit einer Frau mit Behinderung aus Sambia rundet die Broschüre ab. Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern und die Broschüre Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit sind Teil des inklusiven Programms Behinderung und Entwicklung was geht mich das an? bezev möchte mit diesem Programm Menschen mit und ohne Behinderung gewinnen, sich für diese Themen zu interessieren. Hierfür bezev stellt barrierefreie Hintergrundinformationen und Aktionsvorschläge zur Verfügung. Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.v. (bezev) engagiert sich für eine gerechte und soziale Welt, in der alle Menschen die gleichen Entwicklungs- und Teilhabechancen haben. bezev fördert eine inklusive Entwicklung und stärkt die gleichberechtigte Beteiligung von Menschen mit Behinderung bei entwicklungspolitischen und humanitären Initiativen mit Schwerpunkt in Afrika, Asien und Lateinamerika. Neben Projekten im Ausland und einem Freiwilligendienst ist bezev in der entwicklungspolitischen Informations-, Bildungs- und Lobbyarbeit aktiv. Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

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