Hass macht hässlich. Rassismus was ist denn das? Seite 20 Titel VIN 22. Ausgrenzung und Vorurteile :

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1 Seite 20 Titel VIN 22 Hass macht hässlich Rassismus was ist denn das? Ich bin gegen Rassismus. Wir Menschen haben nicht das RECHT, anderen Menschen die Entscheidung zu nehmen, wie sie zu leben haben. Wir haben nicht das Recht, ihnen etwas vorzuschreiben oder anzuhängen. Erst müssen wir uns selbst ändern, bevor wir andere ändern... Oscar Wilde Jeder kennt es, jeder hat es schon mal gehört oder selbst erlebt doch was bedeutet Rassismus eigentlich? Wie man leicht erkennen kann, hat RASSismus etwas mit Rassen zu tun. Im Allgemeinen versteht man unter Rasse die Herkunft einer Person. Ob ein Mensch Afroamerikaner ist, Italiener oder Türke, ist für die meisten Menschen eigentlich gleich. Doch andere Leute, so genannte Rassisten, haben sehr wohl etwas gegen Personen mit anderer Herkunft. Man merkt schnell, wer zu den Gruppen gehört, die gegen Ausländer sind. Ausgrenzung und Vorurteile : 50 % erklären, dass sie nicht mit Türken in einem Haus wohnen möchten. 26 % sind der Meinung, Menschen mit schwarzer Hautfarbe passten nicht nach Deutschland. Einerseits gibt es genug Vorurteile, die manche Menschen dazu bringen, sich über Ausländer aufzuregen. Vorurteile, die einfach nur sinnlos sind. Zum Beispiel, dass Türken uns das Geld und die Arbeit wegnehmen, kriminell sind und aggressiv. Wieder andere sagen, sie leben nur vom Sozialamt. Doch wie entstehen solche Vorurteile? Ich mein, was soll das?! Viele Rassisten kennen keinen Türken persönlich. Meine beste Freundin ist Türkin und ich habe kein Problem mit ihr! Warum sollte ich auch? Sie ist genau wie jeder andere Mensch, auch nicht anders als zum Beispiel eine Deutsche. Und das gilt für alle Türken. Deutschland ist bestimmt nicht voller Neonazis, aber es gibt eine Menge Vorurteile. Vorurteile sind nicht auszurotten

2 VIN 22 Titel Seite 21 Für 57 % ist das Tragen sichtbarer religiöser Symbole am Arbeitsplatz nicht akzeptabel. 55 % stimmen folgender Aussage zu: Ich glaube nicht an die Integration von Ausländern, denn wir verstehen ihre Welt nicht und sie verstehen unsere nicht. (Quelle: Caritas) Man kann ja vermuten, das sind alles ungebildete Leute. Aber alltäglichen, gedankenlosen Rassismus gibt es auch bei Politikern, und zwar nicht nur bei der NPD. Vor allem im Wahlkampf ist da scheinbar jedes Mittel recht. nicht verstehen, um was es geht. Ursachen sind vor allem mangelnde Sprachkenntnisse und geringe Bildung im Elternhaus. Es ist entscheidend, ob zu Hause Deutsch gesprochen wird oder nicht hatten unter den 15- bis 19-jährigen Migranten 15,4 Prozent keinen Schulabschluss erreicht. Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund sind es dagegen nur 6,7 Prozent. (Quelle: Bertelsmann-Stiftung). Kinder statt Inder, forderte der ehemalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) vor zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen. Und beim Politischen Aschermittwoch in diesem Jahr wollte sich unser Ministerpräsident gegen die Zuwanderung in die Sozialsysteme sträuben bis zur letzten Patrone!. Wir wissen doch aber, dass Gewalt mit Worten anfängt Ein ganzes Buch hat der ehemalige Berliner Senator Thilo Sarrazin geschrieben: Deutschland schafft sich ab wurde 2010 zum Bestseller. Da behauptet er zum Beispiel, dass Erbfaktoren für das Versagen von türkischen Jugendlichen im Schulsystem verantwortlich sind. Das heißt ungefähr Türken sind doof. Noch schlimmer: Ein Teil davon wird ökonomisch nicht gebraucht und produziert ständig neue Kopftuchmädchen. Wenn das nicht rassistisch ist Und wenn das Politiker sagen, darf man sich nicht wundern, wenn es einfache Leute nachplappern. Doch es ist genau andersherum! Ausländer, vor allem Jugendliche, haben es ziemlich schwer, einerseits, weil sie sich erst mit der neuen Sprache zurechtfinden müssen, in der Schule nicht überall mitreden können oder gar Ständig neue Kopftuchmädchen? Wenn man genau hinsieht, findet man also eine Unmenge von Vorurteilen. Kein Wunder, wenn Ausländer im Alltag Nachteile hinnehmen müssen. Und das nicht nur, wie gesagt, in der Schule. Danach bekommen sie oft wegen ihrer Herkunft oder einfach wegen ihres ausländischen Namens keine oder eine schlechtere Arbeitsstelle. Es kann für sie auch schwieriger sein, eine passende Wohnung zu finden. Manche vermieten grundsätzlich nicht an Ausländer, andere verlangen höhere Mieten. Banken vergeben nicht so leicht Kredite oder verleihen ihr Geld zu schlechteren Zinssätzen. Selbst für die Autoversicherung zahlen Ausländer mehr, und manche Versicherungen können sie gar nicht abschließen. Es gibt Schwierigkeiten bei Ämtern und Behörden oder bei der Polizei.

3 Seite 22 Titel VIN 22 Die Nachteile hören bei der Gesundheit nicht auf. Immer wieder gibt es Klagen, dass Ärzte ausländische Patienten schlechter behandeln verhängte ein Mediziner in Hessen ein Kopftuchverbot in seiner Praxis und gab außerdem bekannt: Amadeu Antonio war eines der ersten Todesopfer rassistischer Gewalt nach der Wiedervereinigung. Fünf der jugendlichen Täter wurden im September 1992 vom Bezirksgericht Frankfurt/Oder zu Bewährungs- und maximal vierjährigen Haftstrafen verurteilt. Kinderreiche islamistische Familien mit mehr als 5 leiblichen Kindern werden hier nicht behandelt Rassistische Sprüche oder Witze sind vielleicht noch harmlos und Benachteiligungen im Alltag sind sehr ärgerlich, aber nicht gefährlich. Beim Arzt oder im Krankenhaus sieht die Sache schon anders aus. Aber aus alltäglichem Rassismus kann viel Schlimmeres entstehen tödlicher Hass. 1988: Schwandorf Gar nicht weit weg von uns ereignete sich vor 25 Jahren der erste Brandanschlag gegen ein von Türken bewohntes Haus. Drei Mitglieder einer türkischen Familie und ein Deutscher kamen ums Leben, 12 Menschen wurden verletzt. Ein 20-jähriger Neonazi hatte im Treppenhaus Feuer gelegt. 1990: Amadeu Antonio Amadeu Antonio Kiowa lebte als angolanischer Vertragsarbeiter in Eberswalde in Brandenburg. In der Nacht vom 24. auf den 25. November 1990 zog eine Gruppe von etwa 50 rechtsextremen Jugendlichen mit Baseballschlägern durch die Stadt, um Jagd auf Schwarze zu machen. In einer Gaststätte trafen sie auf drei Afrikaner, die sie verprügelten. Während zwei Mosambikaner teils schwer verletzt flüchten konnten, erwachte der 28-jährige Antonio nicht mehr aus dem Koma. Er starb zwei Wochen später. Amadeu Antonio Amadeu Antonio Jr. hat seinen Vater nie kennen gelernt. Er kam wenige Wochen nach dessen Tod zur Welt. Er lebt heute mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern in Brandenburg. Amadeu-Antonio-Stiftung: 1998 wurde die Amadeu-Antonio-Stiftung gegründet. Sie will die demokratische Zivilgesellschaft stärken und wendet sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Die Stiftung unterstützt Initiativen und Projekte in den Bereichen Jugend und Schule, Opferschutz und Opferhilfe, alternative Jugendkultur und Kommunale Netzwerke. Im Internet findest du sie unter 1991: Hoyerswerda Am 17. September 1991 griffen jugendliche Neonazis auf dem Marktplatz von Hoyerswerda vietnamesische Händler an, die in ein Wohnheim flüchteten. Innerhalb weniger Stunden tauchten drei bis vier Dutzend junge Neonazis vor dem Gebäude auf, grölten Parolen und warfen Steine. Bis zum Eintreffen der Polizei vergingen mindestens zwei Stunden. Am nächsten Abend setzten die Neonazis die Belagerung mit Steinen und Molotow-

4 VIN 22 Titel Seite 23 Cocktails fort. Anwohner kamen dazu, die entweder tatenlos zusahen oder sogar Beifall klatschten. Die Polizei griff kaum ein. 1992: Rostock-Lichtenhagen Die Krawalle in Rostock-Lichtenhagen wischen dem 22. und 26. August 1992 waren die schwersten fremdenfeindlichen Ausschreitungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Zunächst war die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in Mecklenburg-Vorpommern das Ziel der Randalierer. Nachdem diese evakuiert worden war, richtete sich die Gewalt gegen ein Wohnheim für ausländische Arbeiter. 1992: Mölln In der Kleinstadt in Schleswig-Holstein warfen am 23. November 1992 zwei Neonazis Molotow-Cocktails in zwei türkische Häuser. Zwei Mädchen und ihre Großmutter starben in den Flammen, neun andere Menschen wurden schwer verletzt. Während der Löscharbeiten gab es Bekenneranrufe bei der Polizei, die mit Heil Hitler endeten. 1993: Solingen Der Brandanschlag von Solingen war ein am 29. Mai 1993 in Solingen (Nordrhein-Westfalen) verübtes Verbrechen, dem fünf Menschen, darunter drei Kinder, zum Opfer fielen. Drei Neonazis aus Solingen hatten ein von einer türkischen Familie bewohntes Haus in Brand gesteckt. Evakuierung in Rostock-Lichtenhagen Dieses wurde mit Molotowcocktails in Brand gesetzt, während sich noch über 100 Vietnamesen und ein Fernsehteam darin aufhielten. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen zog sich die Polizei zeitweise völlig zurück und überließ das Haus sowie die Eingeschlossenen schutzlos sich selbst. An den Ausschreitungen beteiligten sich mehrere hundert Neonazis. Bis zu Zuschauer applaudierten den Gewalttätern und behinderten den Einsatz von Polizei und der Feuerwehr. Solingen 1992 Schwandorf, Mölln oder Solingen waren Verbrechen von kriminellen Neonazis Einzelnen oder Gruppen. Aber in der Geschichte gibt es auch zahlreiche Fälle, wo der Staat zum Verbrecher wurde.

5 Seite 24 Titel VIN 22 Südafrika : Die Apartheid In Südafrika gab es, vor allem zwischen 1940 und 1994, eine so genannte Rassentrennung. No black people! - so lauteten Schilder an Cafés, Restaurants, Toiletten. Am schlimmsten ist es, wenn man als Schwarzer mit Hunden verglichen wird Nelson Mandela: Mandela wurde 1918 in Südafrika geboren. Er studierte Jura, wurde dann Rechtsanwalt und verbrachte 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft. Natürlich durften die Schwarzen nicht gemeinsam mit den Weißen die Schule besuchen, im selben Haus wohnen oder am selben Strand baden. Sex zwischen Schwarzen und Weißen war verboten. Aber warum machen Menschen das? Weshalb werden Personen mit anderer Rasse benachteiligt, ausgegrenzt oder sogar angegriffen? Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter im Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen sowie als Wegbereiter des versöhnlichen Übergangs von der Apartheid zu einem demokratischen Südafrika erhielt er den Friedensnobelpreis, von 1994 bis 1999 war er der erste schwarze Präsident des Landes. Ruanda: Hutu gegen Tutsi In Südafrika war das Weiß gegen Schwarz. Es gibt auch Schwarz gegen Schwarz, wie vor fast 20 Jahren in Ruanda. Der Völkermord begann am 06. April 1994 begann und dauerte bis Mitte Juli Er kostete ca bis Menschen das Leben, die niedrigsten Schätzungen gehen von mindestens Toten aus. Angehörige der Hutu-Mehrheit töteten etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit und Hutu, die sich am Morden nicht beteiligten oder sich dagegen einsetzten. Die Täter kamen aus den Reihen der ruandischen Armee, der Präsidentengarde, der Nationalpolizei und der Verwaltung. Sowas gibt s nur in Afrika? Falsch.

6 VIN 22 Titel Seite : Jugoslawienkriege Nach dem Ende des Vielvölkerstaates Jugoslawien kam es ab 1991 zu Auseinandersetzungen und Kriegen zwischen Serben, Kroaten, Bosniern, Albanern und anderen Gruppen. Dabei gab es zahlreiche Kriegsverbrechen. Albanische Flüchtlinge im Kosovo Bei einem Massaker in der bosnischen Kleinstadt Srebrenica wurden 1995 über 8000 Albaner getötet. Insgesamt starben über Menschen. Die grausamsten rassistischen Verbrechen geschahen allerdings zwischen 1933 und Deutschland: Judenverfolgung können. Nie werden wir Menschen vergessen, wie schlimm die Zeit des Nationalsozialismus war. Es wurden damals nicht nur Juden, sondern auch Schwule und Lesben, Sinti und Roma, Behinderte und alte Menschen getötet. Doch die Zahl der umgebrachten Juden ist ungeheuerlich. Warum nur? Die Frage ist schwer zu beantworten, niemand kennt alle Gründe. Am einfachsten lässt es sich so erklären: Da Juden sich anders verhielten, bzw. sich nicht genügend integrierten, wurden sie jahrhundertelang diskriminiert. Sie durften früher nur in bestimmten Stadtteilen wohnen, nur bestimmte Arbeiten erledigten und waren eigentlich für die Deutschen nur Dreck. Ihnen wurde auch vorgeworfen, Jesus Christus getötet zu haben oder das Blut von christlichen Kindern zu trinken. Juden waren an ALLEM Schuld! Was natürlich Quatsch ist. Hitler hat diese Vorurteile nur übernommen, denn irgendwer musste ja schuld sein. So entstand die Judenverfolgung, grob gesehen. Die Diskriminierung und Verfolgung der Juden haben die Nazis nicht erfunden, die gab es seit Jahrhunderten. Es kam immer wieder zu so genannten Pogromen, bei denen Juden ermordet wurden. Meistens, weil Schuldige gebraucht wurden z.b., wenn im Mittelalter irgendwo die Pest ausbrach. Im Dritten Reich unter Adolf Hitler wurde die Verfolgung dann aber systematisch und industriell betrieben wurde in Oświęcim das erste Konzentrationslager in Polen eingerichtet und auf den deutschen Namen Auschwitz getauft. Bis zum Ende des Krieges 1945 wurden rund sechs Millionen Juden Opfer des Rassenwahns. Es wurden so viele Juden ermordet Wer kann so etwas nur verantworten? Die Judenermordung war das Schlimmste, was je hätte passieren Dir will jemand erzählen, dass das alles gar nicht stimmt? Immer daran denken: Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun. Francesca Catullo

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