Erfahrungsbericht. Thomas Zebrowski, Physik Universität Karlsruhe. University of Connecticut, Storrs, Connecticut, USA. Vorwort

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1 Erfahrungsbericht Thomas Zebrowski, Physik Universität Karlsruhe University of Connecticut, Storrs, Connecticut, USA Vorwort Mein Bericht ist vor allem dazu gedacht, anderen Studierenden, die sich gerade für einen Auslandsaufenthalt entscheiden oder sich bereits entschieden haben und nun wie ich am Anfang dieses zweijährigen Prozesses nach Informationen und Hilfestellungen suchen, einen Einblick zu geben, was auf sie zukommen kann. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieser Bericht eine rein subjektive Sichtweise einnimmt und überwiegend auf meinen Aufenthalt an der University of Connecticut in Storrs, Connecticut, USA bezogen ist. Daher kann ich nur unterstreichen, dass jeder seine individuellen Erfahrungen machen muss und machen wird. Nichts desto trotz kann es durchaus hilfreich sein, sich durch die gesammelten Erfahrungen einstimmen zu lassen und die Informationen zu verwenden, um einigen typischen Problemen von vornherein aus dem Weg zu gehen. Ich habe mich in dem Bericht von den Fragen leiten lassen, die mich selbst beschäftigt haben und habe versucht sie so gut wie möglich zu beantworten. Bewerbung Für mich war es seit der Schule klar, dass ich während meines Studiums einen Auslandsaufenthalt wagen wollte. Doch wie es vielen wahrscheinlich geht, ist man erst einmal skeptisch, ob man mit seinen Noten überhaupt für ein Austauschprogramm oder Stipendium genommen wird. Bedenkt man die horrenden Kosten, die auf einen mit Studiengebühren in den USA zukommen können, dann ist solch eine Unterstützung dringend notwendig. Doch man sollte sich nicht von der Bewerbungsprozedur und der Auswahl abschrecken lassen. Speziell das Baden-Württemberg Programm trifft nach meinem Dafürhalten hier die richtige Entscheidung und zieht nicht nur die Noten für eine Überprüfung heran, sondern legt zurecht Wert auf soziale Fähigkeiten. Diese sind essenziell für ein erfolgreiches Absolvieren eines Auslandsaufenthaltes. Generell kann ich also nur jedem raten, der gerne ins Ausland möchte, den Versuch zu wagen und sich zu bewerben. Wenn es wider erwarten nicht mit dem Baden-Württemberg-Programm funktioniert, dann bleiben noch andere Programme oder die Möglichkeit sich, an einer Uni direkt zu bewerben. Wählt man nicht gerade eine der Spitzenuniversitäten, so hat man in den Vereinigten Staaten eine

2 reelle Chance angenommen zu werden, weil die Universitäten wissen, dass sie teilweise auch von ausländischen Studierenden abhängig sind. Im Vorhinein sollte man jedoch abklären, dass man an der Universität in seinem Department eine Anstellung als Teaching Assistent (TA) bekommen kann, dann entfallen nämlich in der Regel die Studiengebühren und man erhält ein nicht zu verachtendes Gehalt, von dem man ohne Probleme den Lebensunterhalt bestreiten können sollte. Gerade weil die Studiengebühren in den USA so teuer sind, zeigen die Professoren viel Verständnis und unterstützen einen gerne dabei, eine solide Finanzierung zu finden. Die Bewerbungsfrist für das BaWü-Programm endete im August und Mitte November wurde mir die Entscheidung mitgeteilt, dass ich für das Connecticut Programm ausgewählt wurde. Da hing ich dann ein bisschen in der Luft, weil ich nicht wusste, wie sicher diese Zusage war. Letztendlich entscheiden die Universitäten, an denen man sich dann innerhalb des Programms noch einmal bewerben muss, selbst, ob sie einen Austauschstudenten aus dem Programm aufnehmen. Und das wiederum dauerte bis Mitte Mai. Ich muss an dieser Stelle eine kleine konstruktive Kritik anbringen. Es ist mir bis heute nicht ersichtlich, warum der gesamte Bewerbungsprozess so lange dauert. Für die Studenten werden frühe Fristen gesetzt und dann dauert es von Ende November bis Mitte Februar, bis die Bewerbungsunterlagen vom AAA in die USA geschickt werden, und von Anfang März bis Mitte Mai, bis die Universität entschieden hat. Für Teilnehmer anderer Austauschprogramme, zum Beispiel des DAAD, stand spätestens Mitte März eine konkrete Zusage der Universität fest. Für die Studenten ist der lange Zeitraum der Unsicherheit recht unbefriedigend, da es für die meisten einen großen Schritt vorwärts im Leben bedeutet und sie deshalb gerne frühzeitig mit den Planungen beginnen möchten - nicht erst Mitte oder Ende Mai, wenn es wieder in die Prüfungsphase geht. Außerdem gibt es noch ganz praktische Gründe wie etwa die zunehmende Verteuerung der Flüge, die langen Wartezeiten beim (amerikanischen) Konsulat für die Erstellung von Visa, Bewerbungen für Stipendien oder die Beantragung von Auslands-Bafög. Auswahl der Hochschule Bei der Auswahl der Wunschhochschule sind einige kleine Stolperfallen zu beachten. Oft stehen die angebotenen Kurse als Auswahlkriterium im Vordergrund. Hier ist Vorsicht geboten: die Kurslisten auf den Internetpräsenzen der meisten Hochschulen sind die so genannten Course Catalogs. In diesen Listen stehen alle Kurse, die innerhalb der letzten drei Jahre angeboten wurden. Dies liegt an dem Credit System: alle Kurse werden von einer externen Stelle zertifiziert und eine Voraussetzung dafür ist, dass sie einmal innerhalb von drei Jahren gehalten werden, ansonsten fallen sie heraus und dürfen nicht mehr gehalten bzw. müssen neu zertifiziert werden. Also ist es zwar schön 60 Kurse in dieser Liste zu sehen, aber wenn am Schluss davon nur 10 angeboten werden, sind meist die

3 gewünschten nicht dabei. Deshalb sollte man vorab versuchen am Department zu erfahren, welche Kurse für den entsprechenden Zeitraum angeboten werden. Ich benutze hier bewusst den Ausdruck versuchen, weil in der Regel die Kurse für das Fall (Winter-) Semester erst im Januar oder Februar festgelegt werden und man somit bei der Bewerbung im August bzw. November keine wirklich guten Chancen hat, verlässliche Informationen zu erhalten. Aber vielleicht ist das nicht bei allen Universitäten und Fakultäten so. Durchaus vorkommen kann es aber, dass Kurse noch kurzfristig gestrichen werden, falls sich nicht genügend Studenten dafür eintragen. Es ist also ein kleines Glücksspiel. Ansonsten ist es vielleicht sinnvoll, den engeren Kandidatenkreis an Universitäten genauer abzuklopfen. Am besten geht das wahrscheinlich bei Studenten, die schon vor Ort waren. (Allgemeine Infos zum Studiensystem in der USA beim DAAD: Flug Grundsätzlich sind laut Auskunft der Reisebüros günstige Flüge so früh wie möglich zu buchen und in der Regel sind Flüge in der ersten Monatshälfte teurer als solche am Monatsende. Gute Erfahrungen habe ich auch mit einem open-end Ticket gemacht; man kann das Rückflugdatum selbst wählen, sobald man die genauen Daten für das Semesterende hat. Ich hatte vor allem Unannehmlichkeiten mit dem Flugdatum, das ich frühzeitig festlegen wollte und mich deshalb vorab bei der Universität erkundigt habe, wann ich dort sein müsste. Da man mich für einen International Student hielt, dies sind jene, die sich direkt an der Uni bewerben und nicht mit einem Austauschprogramm kommen, bekam ich glatt ein Datum zwei Wochen zu früh mitgeteilt und der Flug ließ sich später, als ich das korrekte Datum hatte, nicht mehr kostenlos umbuchen. Aus der Not machte ich eine Tugend und entschloss mich spontan für zehn Tage kulturelle Aufwärmphase in New York. Visum Als allererstes: Man sollte sich frühzeitig einen gültigen Reisepass ausstellen lassen (gültig bis mind. ein Jahr nach Rückkehr aus den USA, dauert ca. 8 Wochen). Den braucht man für alle weiteren Schritte, im speziellen die Passnummer, welche bei jedem neuen Reisepass eine andere ist. Entgegen all meiner Befürchtungen hat die Visumvergabe gut geklappt. Es ist allerdings etwas langwierig, da man erst einen Termin zum Vorsprechen beantragen muss. Das dauert oft sechs Wochen, daher sollte man das rechtzeitig planen. Man braucht dann unter anderem das Formular DS 2019 / I 20 von der Gastuniversität; die vollständige Liste entnimmt man am besten der Homepage des Konsulats. Man sollte auch rechtzeitig die Gebühren für Sevis und das Visum überweisen, sonst wird man wieder nach Hause geschickt. Vorsicht: Hier hat sich schon mal kurzfristig etwas geändert, deshalb ein paar Tage vor dem Termin nochmal auf die Webseite des Konsulats schauen, ob die

4 Gebühren kurzfristig erhöht wurden und gegebenenfalls den Restbetrag begleichen, bevor man sich auf die Reise macht. Dort angekommen sollte man vier Stunden Wartezeit einplanen. Man bekommt eine farbige Karte mit Nummer am Eingang und sollte gut auf die mündlichen Durchsagen aufpassen, die einen vom Wartebereich in die Warteschlangen aufrufen. Nachdem die ersten Beamten die mitgebrachten Unterlagen auf Vollständigkeit geprüft haben, muss man noch einmal kurz warten. Die eigentliche Vergabe dauert dann aber weniger als eine Minute. Man beantwortet dem Beamten nur vier Fragen und dann entscheidet er prompt. In der Regel kommt das Visum dann innerhalb von vier bis sieben Tagen mit der Post nach Hause. Versicherungen Bei den horrenden Krankenkosten in den USA ist es sinnvoll, eine gute Krankenversicherung zu haben. Man sollte diese aus Kostengründen unbedingt in Deutschland abschließen. Zuerst einmal sollte man prüfen, ob die bestehende Krankenversicherung den Auslandsaufenthalt mit abdeckt, das kommt bei manchen Privatversicherungen vor oder man bekommt dort zumindest durch einen kleinen Aufpreis alle Leistungen erweitert. Wichtig bei der Auswahl der Krankenversicherung ist vor allem ihre Zuverlässigkeit im Zahlungsfall und das ist eine Erfahrungssache. Da ich mit meiner Auslandskrankenversicherung keine Schwierigkeiten hatte und sie anstandslos auch noch ein halbes Jahr nach Behandlung meine Kosten erstattet hat und darüber hinaus noch einigermaßen günstig war, möchte ich hier einen Link angeben (www.mawista.de). Weitere Vorteile bei dieser Versicherung: Unfall- und Haftpflichtversicherung sind integriert, sie ist monatlich künd- und erweiterbar, die komplette Abwicklung lässt sich sofort online durchführen und die wichtigsten Unterlagen bekommt man innerhalb von einem Tag per zugeschickt. Allerdings kann ich nur empfehlen auch einige Angebote anderer Versicherer heranzuziehen und dann das Beste auszusuchen. Die oben angesprochene Haftpflichtversicherung ist auf jeden Fall sinnvoll. Auch hier gilt: einige deutsche Versicherungen gelten auch im Ausland, also zuerst prüfen und dann vergleichen. Für die UConn Studenten ist es sicher auch interessant, dass die Infirmary die meisten kleinen Behandlungen kostenlos abwickelt, solange man nur die Advisory Nurses sehen will. Erst wenn man einen Spezialarzt braucht oder ein Röntgenbild angefertigt werden muss, entstehen Kosten, die man vorleisten und später von der Versicherung zurückfordern muss. Impfungen und Health Report Die meisten Universitäten wollen von euch einen Health Report. Das ist ein Formular in das ihr eure bisherigen Krankheiten, die Krankheiten eurer Eltern und eure Impfungen eintragen müsst. Es empfiehlt sich dieses Formular mit dem Hausarzt durchzusehen und eventuell fehlende Impfungen

5 gleich in Deutschland durchzuführen. Mein Arzt und ich vertraten den Standpunkt, nur wirklich wichtige Informationen in dieses Formular einzutragen. Mag sein, dass wir etwas misstrauisch sind, doch einige geforderte Angaben scheinen zu willkürlich. Die Impfungen sind in Deutschland in der Regel kostenlos, wenn sie medizinisch notwendig und sinnvoll sind. Die Meningitis Impfung fällt in Deutschland nicht unter diese Richtlinie und muss daher selbst bezahlt werden, ist aber für die meisten Universitäten in den USA Aufnahmebedingung. An der UConn kostete sie 100$, in der Apotheke in Deutschland ca. 30. Wohnung und Verpflegung Es wird grundsätzlich stark zwischen Undergraduate (Studenten vor dem Bachelor Abschluss) und Graduate Studenten (Studenten mit Bachelor Abschluss) unterschieden. Speziell die Erstsemester sind oft verpflichtet, in den der Universität zugehörigen Dormitories (Wohnheimen) zu wohnen. Dort teilen sich dann immer zwei Personen ein Zimmer. Für ältere Semester und Graduate Studenten ist die Wahl zwischen Wohnheim oder Off Campus Wohnung offen gelassen. Speziell für Studenten, die älter als 23 Jahre sind, gibt es die Möglichkeit im Grad Dorm zu wohnen. Dort bekommt man ein kleines Einzelzimmer (ca. 10 m²), vergleichbar mit unseren deutschen Wohnheimen. Die Kosten für das Wohnheim belaufen sich auf rund 500$ pro Monat. An der UConn sind die "Grad Dorms" sehr zentral auf dem Campus, was ein unschlagbarer Vorteil ist. Mit "Off Campus" wohnen konnte ich leider keine Erfahrungen sammeln. Allerdings hat man dann dort in der Regel wesentlich mehr Freiheiten, denn die Wohnheime sind stark reglementiert, da dort immer eine ruhige Arbeitsatmosphäre herrschen soll. Die Grad Dorms sind meist von internationalen Studenten bewohnt, es gibt aber auch einheimische. Alle Undergrad Studenten sind an der UConn verpflichtet, einen Mealplan für die Dining Halls zu kaufen. Laut Aussage einiger unglücklicher internationaler Studenten sind die Leistungen viel zu umfangreich (3 Mahlzeiten täglich, nicht erstattbar, nur bedingt übertragbar) und dadurch verhältnismäßig teuer. Allerdings kann man sich nicht davor drücken. Für die Graduates hingegen steht die Wahl offen zwischen Community Mealplan (25 Mahlzeiten für 180$, übertragbar, erstattbar) oder aber selber kochen in den Küchen der Grad Dorms. Die Auswahl an Dininghalls ist gut; es gibt fünf Stück an der UConn, wobei ich zumeist in der größten war, genannt South. Die Mahlzeiten bestehen aus einem Buffet und man kann sich selbst bedienen, wie einem der Hunger und Appetit steht. Entgegen aller Befürchtung gelingt es einem durch Mäßigung auch, sein Gewicht zu halten. Kurswahl Aller Wahrscheinlichkeit nach bekommt man vorab auch ein Formular zur Wahl der zu belegenden

6 Kurse. Meine Erfahrung ist, dass viele Professoren ein persönliches Gespräch wünschen. Daher ist es in den meisten Fällen ratsam, mit der Kurswahl abzuwarten, bis man vor Ort ist und ein Gespräch mit seinem Advisor am Department geführt hat. Für viele Kurse braucht man überdies eine Permission Number vom Professor, um sich für den Kurs registrieren zu dürfen. Vorbereitungstreffen Das vom Akademischen Auslandsamt organisierte Vorbereitungstreffen in Bad Herrenalb ist sehr empfehlenswert, da man dort etwas über die Region erfährt, die Verantwortlichen für das Programm kennen lernt und Kontakte zu anderen Studenten aufbauen kann, mit denen man gemeinsam dorthin aufbricht. Es sind auch immer Studenten dort, die gerade aus den USA zurückkommen und man kann von ihnen wertvolle Informationen und Tipps erhalten. Ankunft Wie schon weiter oben erwähnt, empfiehlt es sich frühzeitig einen Flug zu buchen. Um vom Flughafen zum Campus zu kommen, ist die günstigste Methode das öffentliche Verkehrssystem, das sich jedoch sehr vom deutschen Nahverkehrssystem unterscheidet. Die Unterschiede liegen vor allem darin begründet, dass das Netz bei weitem nicht so eng gestrickt ist wie in Mitteleuropa und andererseits darin, dass die Entfernungen viel größer sind. Es ist deshalb ratsam, schon vor der Ankunft das weitere Fortkommen geplant zu haben. Der Zug spielt in den USA eine untergeordnete Rolle, auch wenn er für manche längere Strecken als Alternative zum etwas günstigeren Greyhound Bussystem dienen mag. In größeren Städten wie etwa New York oder Boston, ist das Nahverkehrssystem meist gut ausgebaut mit Subway und Bus und unschlagbar günstig. Wenn man jedoch auf das Land muss, wie etwa beim UConn Campus, dann muss man sehr sorgfältig vorgehen. Es stehen prinzipiell drei Städte zur Ankunft in den USA zur Auswahl. Die meisten Fluglinien bedienen wohl New York J. F. Kennedy (http://www.panynj.gov). Diesen Flughafen habe ich benutzt, da ich noch einige Tage in New York verbracht habe, bevor ich weiter reiste. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um vom JFK Airport zum Campus zu kommen. Am Billigsten ist es, wenn man den Airtrain zur Jamaica Station nimmt und von dort die Subway Linie E (90 min.) nach Manhattan zur Port Authority. Schneller und geringfügig teurer ist es, die Long Island Rail Road (LIRR, 35 min.) anstatt der Subway zu benutzen. Von dort fahren Greyhound (http://www.peterpanbus.com) Busse zum Campus (270 min). Für die anderen zwei New Yorker Flughäfen, La Guardia und Newark, ist wahrscheinlich Port Authority auch die beste Anlaufstelle, um über Hartford zum Campus weiterzukommen. Allerdings ist zu beachten, dass diese Transportvariante

7 mit meist reichlich vorhandenem Gepäck wirklich zur Qual werden kann, da gerade im Sommer die Subwaytunnel sehr heiß sind. Alternative Transportmethoden sind natürlich Limoservice oder Taxi, was den Preis aber sofort enorm in die Höhe treibt. Wenn man rechtzeitig plant und gemeinsam mit anderen Austauschstudenten den selben Flug wählt oder sich zumindest am Zielflughafen trifft, dann ist eine sinnvolle Alternative das Mieten eines Autos. Das hat zudem den Vorteil, dass man in den ersten Tagen auf dem Campus mobil ist, um die anstehenden Besorgungen zu machen (Führerschein etc., siehe unten). Die Kosten halten sich dabei, unter Mehreren aufgeteilt, in Grenzen. Am Besten ist es, wenn die Mietperson über 25 Jahre alt ist. Andernfalls kommen erhebliche zusätzliche Versicherungsgebühren zu den angegebenen Preisen (!) hinzu. Ein Spezialangebot für Fahrer unter 25 habe ich von Alamo über eine deutsche Agentur gefunden (http://www.usareisen.de/mietwagen/alamo/index_u25.htm), wobei keine Gewähr besteht, dass dieses Angebot von längerer Dauer ist. Ähnliche Transportmöglichkeiten ergeben sich von den zwei restlichen in Frage kommenden Flughäfen Boston Logan Int. Airport (http://www.massport.com) beziehungsweise Hartfords Bradley International (www.bradleyairport.com). Von dort könnte man sich eventuell auch mit dem Auto abholen lassen, was manchmal einige ehemalige Austauschstudenten übernehmen. Beide Flughäfen sind in etwa 1 bis 1,5 Stunden mit dem Auto erreichbar. Führerschein und Auto Speziell für Connecticut ist es ratsam, ein Auto zu kaufen, weil die Wege vom UConn Campus doch recht lange sind, zum Beispiel ca. 15 Minuten zum nächsten richtigen Supermarkt. Dabei kann man alleine investieren, oder etwa wie auch ich zu zweit mit einem anderen Austauschstudenten. Das kommt billiger und funktioniert unter dem Semester reibungslos. Ein öffentliches Nahverkehrssystem ist quasi nicht existent, wenn man von Bonanza-Bussen absieht, die dreimal täglich am Campus halt machen. Einen amerikanischen Führerschein zu bekommen, ist ein langwieriges Unterfangen. In unserer Gruppe von Deutschen gab es eine Person, die geschlagene sieben mal zum DMV (Department of Motorvehicle, gefahren ist, bis sie alle Unterlagen beisammen hatte um ihren Führerschein zu bekommen. Den Führerschein benötigt man, um eine Autoversicherung abzuschließen, ohne die man sein Auto nicht zulassen kann. Generell ist es ratsam, sich vorab auf der Homepage über die benötigten Unterlagen zu informieren. Auf jeden Fall praktisch ist es, eine ins Englische übersetzte Geburtsurkunde als zweiten Identitätsnachweis mitzunehmen. Das größte Problem entsteht dadurch, dass man als Austauschstudent in der Regel keine Social Security Number (SSN) hat. Diese braucht

8 man, wenn man einer regulären Arbeit nachgeht. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder man besorgt sich einen Waiver bei der Social Security Administration (www.ssa.gov), also eine Bestätigung, dass man keine SSN hat, oder aber man kümmert sich am Anfang des Semesters in der Einführungswoche um selbige. Meist werden in diesem Zeitraum spezielle Veranstaltungen angeboten, bei denen Beamte der SSA an die Universität kommen, um alle Formalitäten vor Ort zu erledigen. Der Rest besteht darin, zum nächsten DMV zu fahren, ein paar Formulare auszufüllen, einen Augentest zu machen und zu warten bis der Einwanderungs-Status Check durchgelaufen ist, welcher mindestens zwei Stunden dauert (Oder wie bei mir doppelt so lange, weil der erste Test negativ ausfiel). Folglich ist es ratsam, genug Zeit einzuplanen und früh morgens aufzubrechen. Eine extra Fahrprüfung muss für Inhaber eines deutschen Führerscheins in Connecticut nicht abgelegt werden. Jedoch ist das ein Abkommen zwischen Deutschland und Connecticut und kann in anderen Bundesstaaten unterschiedlich sein. An ein halbwegs fahrtaugliches Auto zu kommen, das kann mitunter schwierig sein. Das Auto von einem UConn Vorgänger abzukaufen, ist in der Regel eine sichere Sache und kostengünstig. Wem das aber als zu riskant erscheint, und wenn man das Auto vorher lieber mit eigenen Augen sehen und testen will, dann würde ich raten, einen Händler aufzusuchen. Ich habe vier Wochen Autos aus privaten Anzeigen angeschaut und war meist von deren Zustand erschüttert. Der Händler aber muss gesetzlich geregelt Gewähr für die Fahrtüchtigkeit des Autos übernehmen. Leider spiegelt sich das oft auch im Preis wider. Alle oben genannten Besorgungen sind ohne Auto in Connecticut kaum möglich. Auch daher ist es ratsam, sich für die erste Zeit gemeinsam mit anderen einen Leihwagen zu besorgen. (Für Connecticut kann ich auf Anfrage eine detaillierte Anleitung für den Führerschein per zuschicken: Bank und Kreditkarte Da es im allgemeinen sehr teuer ist, eine Auslandsüberweisung zu tätigen, und auch Kreditkartenbuchungen mit Auslandseinsatz auf die Dauer teuer werden, ist es ratsam, sich ein Konto bei der Deutschen Bank einzurichten. Diese hat eine Kooperation mit der Bank of Amerika, die flächendeckend in ganz USA zu finden ist und es lässt sich an deren Geldautomaten mit der Deutschen Bank Karte kostenlos Geld abheben. An der UConn befinden sich auf dem Campus zwei Automaten der Bank of Amerika. Nichts desto trotz ist es immer praktisch, eine Kreditkarte zu haben, sei es nur weil es für die Bezahlung der Sevis-, und Visa- und Toeflgebühren praktisch ist oder für die Tankstellen in den USA, wo man am einfachsten mit der Kreditkarte direkt am Tankautomaten zahlt.

9 UConn Connecticut (http://de.wikipedia.org/wiki/connecticut) ist einer der kleinsten Staaten in den USA und liegt zwischen New York und Boston. Der Staat hat etwa die Fläche eines Drittels von Baden- Württemberg und eine Bevölkerung von etwa 3,5 Mio Einwohnern, was eine mit Baden-Württemberg vergleichbare Bevölkerungsdichte ergibt. Die Hauptstadt ist Hartford. Im Süden grenzt der Staat an den Atlantik und wird ins Landesinnere etwas hügelig. Die Landschaft ist vorwiegend von Wald geprägt und ist mit Wiesen und vielen kleinen Seen durchsetzt. Im Herbst kann man hier die typisch bunten Wälder Neuenglands bestaunen. Der UConn Campus (www.uconn.edu) liegt etwa 30 Autominuten nordöstlich von Hartford am Highway 195 in der Kleinstadt Storrs-Mansfield (www.mansfieldct.org) im County Tolland. Storrs wirkt auf den ersten Blick trotz der rund Einwohner (davon dürften gut Studenten sein) nicht wie eine mitteleuropäische Stadt, sondern sehr ländlich, weil sich die Häuser um den Campus herum mehr oder weniger locker im Abstand einiger Zig bis Hundert Meter an den Rändern des Highways oder der verstreuten Straßen unter die Bäume kauernd aufreihen. Die weitläufige Universität bildet das Zentrum von Storrs und besteht aus vielen kleineren und größeren roten Ziegelstein-Gebäuden. UConn ist die Vorzeigeuniversität von Connecticut (was sich auch im Budget zum Bau von neuen Gebäuden äußert) und ist landesweit vor allem durch die erfolgreichen Männer- und Frauen- Basketballteams bekannt. Aber auch akademisch hat sich die Hochschule in den letzten Jahren einen Ruf erarbeitet und gilt angeblich als eine der staatlichen Top-Universitäten. Vor allem das Business Programm soll einen guten Ruf haben. Die Universität ist eine Volluniversität, jedoch sind einige Bereiche wie etwa Medizin auf andere kleinere Campi ausgelagert. In Storrs studieren rund Studenten. Die abendlichen Freizeitaktivitäten beschränken sich meist auf den Campus, da in näherer Umgebung kaum Möglichkeiten angeboten werden. Zum Ausgehen stehen einem drei Kneipen zur Verfügung. Ansonsten gibt es ein umfangreiches Angebot von Sportstätten, das weiter ausgebaut wird. Intensiv genutzt habe ich zum Beispiel die Sporthalle zum wöchentlichen Fußballspiel mit anderen Deutschen und internationalen Studenten oder aber die Racquetball Courts. Racquetball ist ein Spiel, dass dem Squash ähnelt. Auch Fitnessräume und ein Schwimmbad stehen zur Verfügung. Im Winter kann es aber gelegentlich eng werden, vor allem wenn die Intramurals stattfinden. Das sind kleine Turniere für viele verschiedene Sportarten wie Basketball, Fußball, Badminton etc., die zentral organisiert werden und immer viel Spaß bereiten. Die witzigste Sportart, an der ich teilnahm, war Waterpolo, welche gespielt wird wie Wasserball, nur dass man in einem Schlauchreifen sitzt.

10 Man sollte sich auf keinen Fall entgehen lassen, Karten für die UConn Basketballspiele zu besorgen. Es ist zwar immer eine langwierige Angelegenheit, wenn man für Karten anstehen muss, aber die Tatsache, dass manche Leute Tage vorher vor den Verkaufsstellen auf dem Universitätsgelände campen, spricht für die Qualität und den Spaß, der geboten wird. Die Tickets für Studenten sind dabei sehr günstig im Vergleich zu den begehrten Tickets für die Allgemeinheit. Im Winter sind Abstecher in die nahen Berge zum Skifahren eine schöne Gelegenheit um dem Campus-Koller zu entfliehen. Die Grad Dorm Association organisierte mehrere Tagesausflüge mit dem Bus inklusive Ausrüstung für unschlagbare 25$. Semesterablauf Nach der Ankunft im August bleibt meist ca. eine Woche bis Semesterbeginn, die vollgestopft ist mit offiziellen Terminen wie Begrüßungen oder organisatorischen Dingen wie Health Screening oder der Anfertigung des Studentenausweises. Sinnvoll ist es meiner Erfahrung nach, sich mit anderen Studenten zusammenzutun, um über alles den Überblick zu behalten. Auch für Führerschein und Autokauf ist jetzt Zeit, wenn auch nur wenig. Man sollte sich vielleicht auch im Department bei dem zugeteilten Advisor vorstellen und sich mit ihm über die Kurswahl beraten. Das Herbstsemester geht von Anfang September bis Mitte Dezember, das Frühlingssemester von Mitte Januar bis Anfang Mai. Jeweils die letzte Woche vor Semesterende ist die "Finals Week"; im Zeitraum von einer Woche findet in jedem Kurs nochmal eine letzte Klausur statt, so ähnlich wie früher in der Schule. In der Regel gibt es ein bis zwei Klausuren während des Semesters, so genannte "Midterms". In den Semesterferien gibt es in der Regel keine Klausuren und der Campus wirkt dann auch sehr verlassen. Mitte November (Thanksgiving) und Anfang März (Springweek) sind jeweils eine Woche Ferien. Nach Ende des Frühlingssemesters muss man normalerweise innerhalb einer Woche aus den Wohnheimen ausgezogen sein. Während allen anderen Ferien kann man als Grad im Wohnheim bleiben. Undergrads müssen immer ihre Wohnheime verlassen, da diese für die entsprechenden Ferien-Zeiträume geschlossen werden. Physics Department Das Physik Department der UConn ist im Vergleich zu Karlsruhe klein, vor allem was die Zahl der Studenten betrifft. Das hat den Nachteil, dass immer nur wenige Kurse angeboten werden können, aber den Vorteil, dass man sich schnell einleben und die Mitstudenten kennen lernen kann, weil natürlicherweise ein enges Verhältnis besteht und schnell jeder jeden kennt. So wurde ich zum

11 Beispiel gleich in der ersten Woche bei einem anderen Studenten auf eine Party eingeladen, was den Grundstein zu neuen Bekanntschaften legte. Ganz ähnlich verhält sich das mit den Professoren, die einen meist nach kurzer Zeit auch mit dem Vornamen ansprechen. Durch die kleinen Klassen ist eine sehr lockere Atmosphäre gegeben und die Studenten stellen während der Vorlesung viele Fragen. Andererseits baut sich durch das engere Verhältnis auch ein großer Druck auf, was zum Beispiel die Erledigung der Hausaufgaben angeht. Man ist nicht so anonym wie an einer deutschen Uni. Wegen der wenigen Studenten bekam auch ich als Austauschstudent einen Büroplatz zugewiesen. Meine Officemates waren drei Erstsemester Graduate Studenten, mit den ich mich sehr gut verstand. Einer kam aus der Türkei, der zweite war halb Libanese, halb Niederländer, und der dritte war ein in den USA aufgewachsener Ukrainer. Insgesamt also eine sehr bunte Mischung von kulturellem und religiösem Hintergrund, die viel Spass bereitete und interessante Diskussionen ergab. Eine sehr gute Einrichtung des Departments, die in Karlsruhe leider weit weniger ausgeprägt ist, sind die vielen Vorträge, die vom Department engagiert organisiert werden. Dazu werden wöchentlich Gäste aus unterschiedlichen Forschungsbereichen eingeladen. Die Studenten treffen sich dann vor dem Vortrag mit dem Gast zu einer informellen Diskussions- und Gesprächsrunde. Unter anderem war es mir dadurch vergönnt, an einer Diskussion und einem Vortrag des Physik Nobelpreisträgers Frank Wilczek teilzunehmen. Ausflüge und Reisen Ich habe versucht, alle Möglichkeiten zu nutzen, um auch etwas von den USA zu sehen. Ich kann jedem nur empfehlen, das Gleiche zu tun, da dieses Land einfach wunderschön und einmalig ist. Noch bevor ich auf dem Campus ankam, verbrachte ich zehn Tage in der Stadt der Städte - New York. Es war eine wunderschöne Einstimmung auf das bevorstehende Jahr, obwohl es Mitte August in der Stadt vor lauter Hitze und Schwüle kaum auszuhalten war. In fünf Tagestrips wanderte ich im Zick- Zack Kurs von der Südspitze Manhattans, dem Battery Park, bis in die 125. Straße in Harlem und verschaffte mir so einen Eindruck von dieser Stadt. Zu sehen gibt es in New York genug und deshalb war die Stadt auch später mehrmals Ziel von Tagesausflügen, unter anderem zur Bundestags- Wahlparty im Goethe Institut. Die erste richtige Reise war ein Wochenendtrip nach Vermont. Mit ein paar anderen Studenten hatten wir ein kleines Cottage an einem See gemietet. In Vermont gibt es viele schöne Wälder und Berge und dementsprechend haben wir auch einige Wandertouren und Ausflüge gemacht. Ein kleiner Abstecher nach Burlington stand auch auf dem Programm. Die kleine Universitätsstadt zeichnet sich

12 vor allem durch eine für amerikanische Verhältnisse eher unübliche, wunderschöne Fußgängerzone aus. Das Wochenende in dem kleinen Holzhaus bei herbstlicher Novemberstimmung war eines der schönsten Erlebnisse des Jahres. In der Thanksgiving Break bin ich mit dem Auto zu einem Trip nach Chicago und Wisconsin aufgebrochen, um Freunde zu besuchen. Diese 20 Stunden Fahrt am Stück ganz alleine durch sieben Staaten der USA war so ziemlich das Verrückteste, was ich jemals gemacht habe. Aber Chicago ist eine wunderschöne Stadt und es hat sich wirklich gelohnt. Als Geheimtipp kann ich einen Besuch des Hancock Towers empfehlen. Dort gibt es eine einfache Möglichkeit die üblichen Eintrittspreise zu umgehen, indem man den Aufzug in die Bar im obersten Stockwerk nimmt. Der Ausblick über die Stadt ist dort einfach phantastisch. Weihnachten habe ich in Miami Beach und Key West verbracht. Wieder waren wir mit dem Auto unterwegs, das uns zuverlässig 3000 Meilen entlang der Ostküste seinen Dienst leistete. Zwischendurch machten wir unter anderem Stop in den sehenswerten Städten Savannah (dort wurde die Szene mit der Bushaltestelle aus dem Film Forrest Gump gedreht) und Charleston (dort begann der Amerikanische Bürgerkrieg 1861). Ein wunderschönes Erlebnis war auch der Besuch des Everglade Nationalparks. Auf dem Rückweg machten wir in Washington DC Halt. Das Weiße Haus und die Museen auf der National Mall hinterließen unvergessliche Eindrücke. Im Frühling unternahm ich den einzigen Ausflug nach Boston. Leider war es zu diesem Zeitpunkt viel zu kalt, um die Stadt ausführlich anzuschauen. Ich kann nur eines sagen: dieses Versäumnis muss ich irgendwann nachholen. Nach Ende des Semesters und aller Klausuren machte ich mich wiederum mit dem Auto auf den Weg an die Westküste. Die Stationen auf den Spuren der Route 66 nach Los Angeles waren New York, Chicago, St. Louis, Amarillo, der Grand Canyon und Las Vegas. Danach schloss sich eine Autotour durch den Staat an, der eine ganze Welt in sich birgt: Kalifornien (San Diego, Death Valley, Yosemite und San Francisco), bevor ich dann zum Abschluss von Seattle ausgehend Washington State und Victoria in Kanada erkundete. Die veranschlagten vier Wochen für diese Tour waren viel zu kurz und eines steht fest: Es gibt dort noch so viel, was ich unbedingt sehen muss und wofür es sich lohnt zurückzukehren. Persönliches Fazit In der Bewerbung für das Programm habe ich mir drei Ziele definiert. Zum einen wollte ich eine andere akademische Arbeitsweise und physikalische Forschungsgebiete kennen lernen, die in

13 Karlsruhe nicht angeboten werden. Weiterhin setzte ich mir zum Ziel, meine Sprachfertigkeiten zu verbessern. Und last but not least wünschte ich mir die amerikanische Kultur und die Menschen aus eigenen Erfahrungen heraus verstehen zu lernen, im Gegensatz zu den medientransportierten Pauschalansichten, und aus den neu gewonnen Erfahrungen, Perspektiven und Möglichkeiten meine Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Akademisch gesehen hat mich die kleine Auswahl an Fächern sehr eingeschränkt und ich habe notgedrungen im ersten Semester Wiederholungskurse in Mathematik, Quantenmechanik 2 und statistischer Physik belegt. Anfänglich versuchte ich mich auch an Quantenfeldtheorie 2, ohne jemals zuvor den ersten Kurs gehört zu haben, was ich aber nach einigen Wochen vergeblichen Mühens aufgeben musste. Im zweiten Semester wollte ich zwei Fächer als Prüfungsfach für eine Diplomprüfung kombinieren. Leider gab es dafür nur eine thematische Kombinationsmöglichkeit: Advanced Topics of Condensed Matter und Nuclear Magnetic Resonance. Weil das eine Fach der beiden zu breit gefächert und umfangreich war, um direkt am Ende des Semesters neben all den Klausuren eine vernünftige Prüfung nach Karlsruher Maßstäben abzulegen, musste ich meine Pläne notgedrungen aufgeben. Weitere Fächer im zweiten Semester waren Quantenmechanik 3 und ein Französisch Kurs zur Auffrischung meiner Kenntnisse. Kurzum will ich mit den Ausführungen andeuten, dass nicht immer alles nach Plan läuft und die Umstände einen zwingen, Kompromisse einzugehen; oft ist es einfach Glückssache. Dennoch habe ich neben dem persönlichen Gewinn auch akademisch viel gelernt und meine Basis verbreitern können. Ich habe die Arbeitsweise an amerikanischen Hochschulen sehr zu schätzen gelernt. Die kleinen Gruppen, das gemeinsame Büro und das enge Verhältnis zum Professor motivieren zum kontinuierlichen Studieren. Auf der anderen Seite kann einem der entstehende erhöhte Arbeitsumfang manchmal auch ein bisschen über den Kopf wachsen, vor allem, wenn man sich an die deutsche, zyklische Arbeitsweise, Anonymität und Eigenverantwortlichkeit gewöhnt hat. Auch der Umstand, dass man am Anfang des Semesters seine Kurse fest wählen muss, ohne dass man überhaupt einen richtigen Eindruck hat, ob einem das Fach zusagt, ist oft unbequem, gerade wenn es auf die dann obligatorischen Prüfungen zugeht. Wünschenswert, aber an manchen Stellen schwerlich vereinbar, wäre eine Mischung aus beiden Systemen. Meine Fertigkeiten, mich in der Englischen Sprache auszudrücken, haben sich enorm verbessert. Es stellt heute keine Barriere mehr dar, auf andere Leute zu zugehen und sie auf Englisch anzusprechen, um ein informelles Gespräch zu führen. Jedoch waren meine Erwartungen wohl etwas zu hoch angesetzt und ich habe die Grenzen kennen gelernt, was die Möglichkeiten angeht sich bei einem akademischen Auslandsaufenthalt im Wortschatz stark zu verbessern. Ein Hochschuljahr ist dafür vielleicht etwas zu kurz. Eine damit zusammenhängende, ambivalente Erfahrung ist zum Beispiel die Tatsache, dass ich viel

14 Freizeit mit deutschen Studenten verbracht, aber auch einen engen Kontakt zu Freunden und Familie in Deutschland gepflegte habe und natürlicherweise dann auch deutsch gesprochen wurde. Ich nenne es eine ambivalente Erfahrung deshalb, weil mir dadurch einerseits problemlose Übergänge am Anfang und am Ende des Jahres gelungen sind. Die Organisation aller zu erledigender Formalitäten klappt in einer Gruppe zum Beispiel einfach viel leichter. Andererseits war dadurch die Notwendigkeit genommen, sich vollends auf die Sprache und die Amerikaner einzulassen. Daran anknüpfend war es schwieriger als erwartet, Kontakte zu amerikanischen Studenten aufzubauen. Es bestätigte sich das Vorurteil, dass viele Amerikaner zwar immer freundlich und höflich sind, aber der Graben zu einer engeren Beziehung oft tief ist. Realistischerweise muss man dann erkennen, dass gerade Graduate Studenten sehr auf ihre studentische Arbeit fixiert sind. Darüber hinaus ist es schwer in die meist bestehenden, festen Gruppen hinein zu kommen, die sich zum Teil seit Studienbeginn etabliert haben. Beim Reflektieren über diese Thematik ist mir jedoch aufgefallen, dass ausländische Studenten an meiner Universität genau das Gleiche erleben. Die Rudelbildung auf Grund von gemeinsamen Interessen ist also eine natürliche Konsequenz. Und so verbrachte ich viel Freizeit im Kreise deutscher, französischer und schwedischer Studenten. Nachvollziehen lassen sich solche Entwicklungen auch, wenn man bedenkt, dass viele der amerikanischen Graduate Studenten Off Campus gewohnt haben und somit in einem ganz anderen Umfeld von Freunden und Bekannten fest eingebunden waren. In dieser Hinsicht wäre es vielleicht vorteilhafter gewesen, in den Undergraduate Wohnheimen zu wohnen, da dort allein durch das gemeinsame Wohnen mit einem Zimmernachbarn mehr Überschneidungspunkte entstehen. Nichts desto trotz habe ich einige Bekanntschaften mit Amerikanern gemacht, die auch über den Aufenthalt hinaus gepflegt werden. Falls sich mir neue Möglichkeiten bieten sollten, ins Ausland zu gehen, und darauf will ich hinarbeiten, dann werde ich versuchen, die in dieser Hinsicht gesammelten Erfahrungen zu nutzen, um unerwünschten Entwicklungen entgegenzuwirken. Bis dahin ist es mein erklärtes Ziel, an meiner Heimathochschule verstärkt Kontakt zu ausländischen Studierenden zu suchen. Neue Möglichkeiten, sich persönlich weiterzuentwickeln, haben sich zuhauf geboten. Alleine durch neue Einblicke habe ich meinen Horizont erweitern können. Einen sehr wichtigen Einblick, den ich gewinnen konnte, ist die Erfahrung als Ausländer zu Gast in einem anderen Land zu sein. Nun sind die Vereinigten Staaten ja kein monokulturelles Land, wie etwa die mitteleuropäischen Staaten, sondern vielmehr ein Schmelztiegel der Kulturen. Konsequenterweise fühlt man sich nicht fremd, weil Verschiedenheit ein alltägliches Phänomen ist. Dennoch konnte ich erkennen und selber nachvollziehen, dass gerade im Ausland die eigene kulturelle Identität an Bedeutung gewinnt. Auch wenn dies aus einer anderen Perspektive nicht immer nachvollziehbar sein sollte, ist eben nichts schlimmes dabei, sich seiner eigenen Herkunft gemäß auszudrücken, solange der gegenseitige Respekt und die Bereitschaft zu Neuem und zur Integration vorhanden sind. Integration gewinnt für mich die Bedeutung, dass man lernt, den Wert der anfänglich fremden Sitten und Sichtweisen zu respektieren

15 und zu schätzen. Sie äußert sich nicht in dem Zwang, seine Identität aufzugeben. Auch ganz praktische Möglichkeiten der Weiterentwicklung und Entfaltung habe ich ergriffen, welche mir Zuhause nicht zur Verfügung stehen oder die ich einfach vorher noch nie wahrgenommen hatte. Im Winter etwa gelangen mir erste Schwünge im Snowboard fahren und Racquetball entwickelte sich zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Es ging beim Studieren im Ausland für mich nicht nur darum, meine angestammte, bequeme und sichere häusliche und akademische Umgebung zu verlassen, sondern besonders darum, mich bewusst auf neue, unbekannte Terrains einzulassen. Ein wirkliches Highlight war für mich daher auch ein Fallschirmsprung mit dem UConn Skydiving Club. Für relativ günstige 180$ bekam ich einen unvergesslichen Tandemsprung über Neuengland. Ich kann jedem UConn Studenten nur empfehlen, diese Chance wahrzunehmen und den gigantischen Ausblick auf Boston und den Atlantik und die irren Gefühle beim Sprung zu genießen. Die erfolgreiche Überwindung der eigenen Ängste resultierte in einem Hochgefühl, dass mir bei dem Gedanken daran noch Monate später ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert. Es war eine unvorstellbar schöne Erfahrung der Selbstüberwindung und steht deshalb auch symbolisch für das wunderbare Jahr in den Vereinigten Staaten. Danksagung An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Menschen und Institutionen bedanken, die mir diesen Jugendtraum erfüllt haben. Bedanken möchte ich mich bei Herrn Horsch, Herrn Blüm und Prof. de Boeur für ihre Empfehlungsschreiben. Insbesondere danke ich Frau Hertlein in Vertretung des Akademischen Auslandsamtes der Universität Karlsruhe und der verantwortlichen Leiterin des Programms in Connecticut Frau Seitz für die Organisation und Hilfestellung. Weiterhin möchte ich mich beim Baden-Württemberg Stipendium für die finanzielle Unterstützung bedanken. Mein Dank gilt auch den Professoren des Physics Department der UConn, insbesondere meinem Advisor Prof. Dunne. Außerdem gilt er Lorraine Smurra, Mary George und Lisa Mcadam Donegan für ihre tatkräftige Unterstützung im Bürokratiedschungel der Universität.

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