Zu den pathologischen Ursachen eines Eisenmangels gehören Blutungen sowie Aufnahmestörungen.

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1 Pathologische Ursachen Zu den pathologischen Ursachen eines Eisenmangels gehören Blutungen sowie Aufnahmestörungen. Blutungen Während Regelblutungen zu den natürlichen Ursachen gehören, ist jegliche sonstige Art von Blutung pathologischer Natur. Mit zunehmendem Alter steigt die Möglichkeit von gastrointestinalen Sickerblutungen, die vom Patienten selbst oftmals unbemerkten bleiben. Sowohl Schleimhautentzündungen (Gastritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) als auch Ulcera, Polypen, Adenome und Krebs können zu einem stillen Blutverlust (Sickerblutung) führen. In der Regel kann ein solcher erst durch eine Stuhluntersuchung nachgewiesen werden. Weil solche Tests aber nicht sehr zuverlässig sind, ist es im Zweifelsfall indiziert, eine endoskopische Untersuchung des Magens und Darms durchzuführen. Im Gegensatz zu den Sickerblutungen werden Hämorrhoidalblutungen vom Patienten aufgrund des sichtbaren Verlusts von Frischblut eindeutig wahrgenommen. Eine Blutung wird durch die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten verstärkt, ein Zustand, der mit steigendem Alter in zunehmender Häufigkeit vorliegt. Der beurteilende Arzt trägt die Verantwortung, einen solchen gastrointestinalen Blutverlust nicht zu übersehen. Anamnese, Laborwerte und körperliche Untersuchung stel- 1

2 len dazu die wegweisende Entscheidungshilfe zur Verfügung. Eine zwanzigjährige Frau mit den typischen Eisenmangelsymptomen, die über keinerlei Schmerzen klagt, deren Appetit normal und Körpergewicht konstant ist und die einen normalen Stuhlgang ohne Unregelmässigkeiten hat, soll primär nicht verdächtigt werde, eine pathologische Ursache für ihren Eisenmangel zu haben. Hier gebiert der gesunde Menschenverstand, die Regelblutung als normale Ursache in den Vordergrund zu stellen und das fehlende Eisen in erster Linie zu geben. Bei einem Senior hingegen haben wir Ärzte dank unserer Ausbildung und klinischen Erfahrung gelernt, minuziöser nach pathologischen Ursachen zu suchen als bei einer jungen Frau, weil wir im fortgeschrittenen Alter eine solche primär immer vermuten müssen. Und wenn sich dann eine solche ausschliessen lässt, dürfen wir guten Gewissen eine Mangelernährung als Ursache vermuten. In jedem Lehrbuch können weitere Ursachen eines Blutverlusts nachgelesen werden. Hier wird eine Auswahl wiedergegeben: - Gynäkologischer Blutverlust (Tumore, Zysten) - Blutverluste aus Nieren und Lunge, Nase - Dialyse - Operationen und Unfälle 2

3 Aufnahmestörungen Erkrankungen im Magen-Darm-Kanal können eine verminderte Eisenaufnahme zur Folge haben. Beispielsweise wird die Resorption im Magen durch eine Infektion mit Helicobacter pylori eingeschränkt. Ebenso kann ein autoimmunologisch bedingter Morbus Crohn, eine Zöliakie oder ein Malassimilationssyndrom die Aufnahme von Eisen hemmen. Auch ein chronischer Durchfall kann zu einer verminderten Eisenresorption führen. Eine Eisenmangelpatientin im Menstruationsalter, die beispielsweise an einer Zöliakie leidet, hat also zwei Ursachen für ihren Eisenmangel: einerseits ein natürlicher, regelmässigen Blut- und somit auch Eisenverlust und andererseits eine pathologisch verminderte Aufnahme von Eisen infolge der Zöliakie. Bei einer solchen Patientin liegt es auf der Hand, ihr nicht nur das fehlende Eisen zu geben, sondern auch die Ernährung zu optimieren. Durch eine Vermeidung schädlicher Nahrungsmittel gelingt es vielleicht sogar, die bis anhin gestörte Eisenaufnahme zu verbessern. Hepcidin: Ein spezieller Regulator der Eisenaufnahme (Text aus Wikipedia) Unter dem Begriff Hepcidin versteht man zwei Proteine mit 20 und 25 Aminosäuren. Diese spielen eine wichtige Rolle in der Regulation des Eisenstoffwechsels, indem sie die Eisenaufnahme über den Darm, über die Placenta und 3

4 das retikuloendotheliale System bremsen. (Retikuläres Bindegewebe befindet sich in den sekundären lymphatischen Geweben wie Lymphknoten, Milz, in schleimhautassoziiertem lymphatischem Gewebe und im Knochenmark. Die Aufgabe dieses Gewebes ist es, freien Zellen, insbesondere solchen des Immunsystems, einen Aufenthaltsraum zur Verfügung zu stellen.) Weiter aus Wikipedia: Hepcidin-20 bindet z. B. in Dünndarm-Mucosazellen und in Makrophagen an Ferroportin, welches normalerweise Eisen aus dem Zellinneren heraustransportiert. Ist Hepcidin an Ferroportin gebunden, können diese Zellen kein Eisen mehr exportieren und im Blut an das Transportprotein Transferrin abgeben. Dünndarm-Mucosazellen können erst in den letzten zwei Tagen, bevor sie in den Darm abgestoßen werden, ihr aufgenommenes Eisen über das Ferroportin wieder exportieren; wenn viel Ferroportin durch Hepcidin inaktiviert wird, geht das in diese Zellen aufgenommene Eisen mit der Zellabschilferung wieder über den Stuhl verloren. So regelt Hepcidin die Eisenaufnahme im Darm herunter. Hepcidin spielt auch eine wichtige Rolle bei der Veränderung des Eisenstoffwechsels im Rahmen chronischer Entzündungen. Das bei solchen Entzündungen erhöhte Interleukin-6 führt zu einer Erhöhung des Hepcidinspiegels. Dieses hält dann das Eisen in den Makrophagen, die in der Milz alte Erythrozyten abbauen, und verhindert ein promptes Recycling, was dann zu einer entzündungsbedingten Anämie führt. 4

5 Säugetiere können Eisen nicht aktiv ausscheiden. Der Eisenhaushalt wird somit im Wesentlichen über die Eisenaufnahme durch das Hepcidin reguliert. Soviel zu Hepcidin-20. Über Hepcidin-25 wird in Wikipedia bisher noch nicht berichtet. Leider ist die wirkliche Bedeutung des seit 2000 bekannten Hepcidin, aus der sich therapeutische Konsequenzen ableiten liessen, noch weitgehend unerforscht. Könnte es sogar sein, dass ein pathologisches Verhaltensmuster von Hepcidin zu einem Eisenmangel führt? Müsste man in einem solchen Fall vielleicht sogar das Verhalten von Hepcidin normalisieren? Beispielsweise mit geeigneten Medikamenten? Derzeit sind wir noch weit davon entfernt, solche offenen Fragen konkret stellen zu können, geschweige denn beantworten zu können. Dr. med. Beat Stephan Schaub, April

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