[ Frauen ] in Vorarlberg Zahlen, Fakten aus der Frauenperspektive RAUENREFERAT DER VORARLBERGER LANDESREGIERUNG INFORMATIONEN FÜR DIE FRAU

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1 INFORMATIONEN FÜR DIE FRAU IN VORARLBERG [ Frauen ] in Vorarlberg Zahlen, Fakten aus der Frauenperspektive P.b.b.Verlagspostamt Bregenz Auflage Stück RAUENREFERAT DER VORARLBERGER LANDESREGIERUNG 2005

2 MOBILITÄT 3 Inhalt Seite 4 Bevölkerung Seite 8 Bildung Seite 10 Erwerbsarbeit/Tätigkeiten Seite 14 Soziales/Gesundheit Seite 16 Sicherheit Seite 18 Teilnahme am politischen Leben Stand: Sommer 2005 Zu bestellen unter: Frauenreferat, T 05574/ oder 24136, E Landesrätin Dr. Greti Schmid Im Jahr 2003 haben wir gemeinsam mit der Arbeiterkammer Vorarlberg und dem ÖGB Vorarlberg einen umfassenden Frauensituationsbericht herausgegeben. Ich freue mich, dass die Zahlen und Daten kompakt zusammengefasst und aktualisiert wurden. Mit dem neuen IF erhalten Sie einen sehr guten Überblick über die derzeitige Situation der Frauen in Vorarlberg. Für die Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern ist die Analyse und Auseinandersetzung mit statistischen Daten eine wichtige Voraussetzung. Die Broschüre wurde dankenswerter Weise in Zusammenarbeit mit der Statistikstelle des Landes Vorarlberg zusammengestellt. Mag. a Monika Lindermayr Das vorliegende IF enthält eine Sammlung und Beschreibung von statistischen Daten zur Situation von Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern in den Bereichen Bevölkerungsentwicklung, Bildung, Erwerbstätigkeit/Tätigkeiten, Soziales und Gesundheit, Sicherheit und Teilnahme am politischen Leben. Diese Zahlen geben ein Bild über die aktuelle Lebenssituation der Vorarlbergerinnen und setzen uns in die Lage, Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern zu setzen, denn es gilt, die Problembereiche zu erkennen und dann geeignete Lösungsansätze zu entwickeln. Ich bedanke mich bei all jenen Frauen und Männern in den verschiedensten Institutionen die durch Ihre unbürokratische Zusammenarbeit wesentlich am Zustandekommen dieser Broschüre beigetragen haben und besonders bei Frau Marlene Matt für die Koordination.

3 BEVÖLKERUNG 5 Familienstand/familiäre Lebensformen Von Frauen ab 15 Jahren sind (28,1 Prozent) ledig, (54,1 Prozent) verheiratet, (10,8 Prozent) verwitwet und (6,9 Prozent) geschieden. In Vorarlberg war jede neunte Frau verwitwet (jeder 50. Mann) und jede 14. Frau geschieden (jeder 20. Mann). Der Anteil der ledigen Personen an der Vorarlberger Bevölkerung steigt leicht an (1997 sind Frauen ledig). Insgesamt waren in Vorarlberg Menschen verheiratet waren es noch Mikrozensus Jahresdurchschnitt 2003 Bevölkerungsentwicklung 2004 lebten in Vorarlberg im Jahresdurchschnitt Personen. 50,65 Prozent davon sind Frauen. Altersstruktur Bevölkerung im Jahresdurchschnitt 2004 nach Altersgruppe und Geschlecht (Statistik Austria) Altersgruppen Männlich Weiblich Frauen Gesamt absolut absolut in Prozent bis 14 Jahre , bis 29 Jahre , bis 44 Jahre , bis 59 Jahre , bis 74 Jahre , Jahre und älter , Gesamt , Im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung geht die Zahl der Eheschließungen jedoch zurück. Ein Beispiel: 1995 wurden noch Ehen geschlossen, 2004 waren es Ehen. Die Gesamtscheidungsrate betrug 42,98 Prozent. Konkret landeten 2004 insgesamt 775 Ehen vor dem Scheidungsrichter. Gegenüber 2003 bedeutet dies einen Rückgang um 8,9 Prozent. 703 Kinder unter 18 Jahren waren betroffen. Weitere Details: Österreichweit wurden 89,1 Prozent der Scheidungen einvernehmlich getroffen, jede 10. Scheidung erfolgt nach der Silbernen Hochzeit. Die mittlere Ehedauer betrug 9,5 Jahre. Info-Quelle: Statistik Austria 2004 Lebensgemeinschaften Die Zahl der Paare, die unverheiratet zusammenleben, ist in den letzten Jahren weiter angestiegen waren 5,6 Prozent der Familien Lebensgemeinschaften, 2001 waren es 9,6 Prozent (Österreich: 10,1 Prozent) verheiratete Partner Paare leben in einer ehelosen Lebensgemeinschaft Seit 1971 hat sich die Zahl der Paare ohne Trauschein österreichweit fast vervierfacht, in Vorarlberg hat sie sich verzehnfacht. Von den Ehepaaren waren ohne Kinder, mit Kindern aller Altersstufen, die durchschnittliche Kinderzahl betrug 1,7 (bezogen auf alle Familien mit mind. einem Kind). Zur Erläuterung: Die Differenz zwischen verheiratete Partner und Ehepaare ist damit zu erklären, dass Paare zum Zeitpunkt der Erhebung rechtlich noch verheiratet sind, aber nicht mehr in partnerschaftlichen Wohngemeinschaften zusammenleben. bevölkerung

4 BEVÖLKERUNG Außerfamiliäre Kinderbetreuung Laut Kindertagesheimstatistik 2004/05 gibt es Kinder, die außerfamiliär betreut werden. Von diesen Kindern sind Mütter vollbeschäftigt, teilbeschäftigt und nicht berufstätig. Außerfamiliäre Kinderbetreuung AlleinerzieherInnen In Vorarlberg beträgt der Anteil der Familien mit einem Elternteil (= gesamt Familien) 13,5 Prozent. Davon haben Kinder unter 15 Jahren, das sind insgesamt Kinder. Der Alleinerzieherinnenanteil beträgt mit insgesamt Frauen 11,6 Prozent davon haben Kinder unter 15 Jahren. 250 Männer sind alleinerziehende Väter mit Kindern unter 15 Jahren. Mikrozensus = MZ 2003 Kinderbetreuung Kinderbetreuung ist nach wie vor de facto Frauensache. Österreichweit ist ein Drittel der Frauen, die mit Mann und Kind/ern leben, überwiegend allein für den Nachwuchs zuständig. Erwerbstätige Mütter können eher mit der Unterstützung ihres Partners rechnen (rund 58 Prozent) als nicht-erwerbstätige Mütter (rund 43 Prozent). 40 Prozent der kinderbetreuenden Mütter, aber nur fünf Prozent der kinderbetreuenden Väter müssen ohne tägliche Mithilfe auskommen. Aus,,Frauen in Vorarlberg, Situationsbericht 2003 Elternkarenz Von der gesetzlichen Möglichkeit der Elternkarenz machen immer noch sehr wenige Männer Gebrauch. Von den Karenzbzw. Kinderbetreuungsgeld-BezieherInnen, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, waren: Elternkarenz Männer und Frauen Frauen Männer Tagesmütter 2004 waren 141 Tagesmütter aktiv. Sie betreuten insgesamt 248 Kinder. Mittagsbetreuung 36 Kindergärten 371 Kinder 14 Kinderbetreuungseinrichtungen 217 Kinder 43 Schülerbetreuungseinrichtungen Kinder 1 Spielgruppe 14 Kinder Gesamt: 94 Einrichtungen mit Kindern. Kindergarten sonstige Kinderbetreuung Schülerbetreuung Spielgruppen Tagesmütter Geburten Im Jahr 2004 wurden in Vorarlberg Kinder lebend geboren (2000 waren es Kinder). Davon waren Kinder (29,7 Prozent) unehelich. Lebenserwartung Die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen steigt kontinuierlich. Während diese 1991 bei 79 Jahren lag (Männer: 72,28), betrug 2004 die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen 82,14 Jahre (Männer: 76,43). Sterbefälle 2004 sind Frauen gestorben, um 10 mehr als vor vier Jahren sind Männer gestorben Männer und Frauen Männer und Frauen davon sind insgesamt Angestellte und ArbeiterInnen. Gestorbene nach Todesursachen: Anzahl nach Todesursache Frauen Männer Frauen in Prozent in Prozent Österreichweit beziehen Frauen und Männer Karenz- bzw. Kinderbetreuungsgeld. Quelle: Vlbg. Gebietskrankenkasse, Hauptverband österr. Soz.vers.träger, Jahresdurchschnitt an Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems 50,0 37,8 332 an bösartigen Tumoren 24,1 30,8 68 an Krankheiten der Atmungsorgane 4,9 6,6 39 an Verletzungen und Vergiftungen 2,8 7,9 14 durch Selbstmord/Selbstschädigung 1,0 4,3 (Suizidbericht 2004: 18 Frauen und 39 Männer nahmen sich das Leben. 42 an Krankheiten der Verdauungsorgane 3,0 4,5 194 an anderen Todesursachen 14,1 8, (Gesundheitsstatistik 2003)

5 BILDUNG 9 Erwachsenenbildung/Weiterbildung Bildung Das Ausbildungsniveau hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Dennoch: Vorarlberg hat nach dem Burgenland den zweithöchsten Anteil an Frauen, die nur eine Pflichtschulausbildung haben. Anzahl ab 15 Jahren Frauen Männer Frauen höchste abgeschlossene Ausbildung in Prozent in Prozent haben nur Pflichtschulabschluss 41,9 29, haben einen Lehrabschluss 25,5 38, besuchten berufsbildende mittlere Schulen (Fachschule) 14,5 10, besuchten allgemein höhere Schule (AHS) oder 12,0 13,6 berufsbildende höhere Schule (BHS) besuchten eine Hochschule bzw. 6,1 8,5 eine hochschulverwandte Lehranstalt Volkshochschulen Von den insgesamt Kursbesuchen im Jahr 2004 entfielen auf Frauen. Das sind 72,6 Prozent. Der Großteil der besuchten Kurse betrifft die Bereiche Gesundheit und Bewegung (86,3 Prozent), Kreativität und Gestalten (77,7 Prozent) sowie Sprachen (75,1 Prozent). Bildungs-Center der AK Von den insgesamt Kursbesuchen im Jahr 2004 entfielen auf Frauen. Das sind 68,8 Prozent. In folgenden Themenbereichen betrug der Frauenanteil: Freizeit 88 Prozent, Sprachen 71 Prozent, Persönlichkeit und Kommunikation 75 Prozent, EDV 53 und Berufsreifeprüfung 51 Prozent. WIFI Von den insgesamt TeilnehmerInnen im Kursjahr 2004/2005 waren 40 Prozent Frauen. Der Großteil der von Frauen besuchten Kurse betrifft die Bereiche Betriebswirtschaft (28 Prozent), Persönlichkeit (17 Prozent), Sprachen (19 Prozent) und EDV-Kurse (11 Prozent). (MZ Jahresdurchschnitt 2003) bildung

6 ERWERBSARBEIT/TÄTIGKEITEN 11 Erwerbsquote von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren (nach dem Labour-Force-Konzept, MZ Jahresdurchschnitt Nach diesem Konzept gelten all jene Personen als erwerbstätig, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gegen Entgelt oder als helfende Familienangehörige gearbeitet haben.) Erwerbsarbeit/Tätigkeiten Die Zahl der unselbstständig erwerbstätigen Frauen in Vorarlberg ist in den letzten zehn Jahren von auf Frauen angestiegen. (von 1994 auf 2004 Jahresdurchschnitt) waren in Vorarlberg Frauen als Arbeiterinnen beschäftigt Angestellte Beamtinnen Insgesamt waren Frauen und Männer beschäftigt. (Info-Quelle: Hauptverband der Soz.vers.träger, Jahresdurchschnitt 2004) Selbstständige Im Dezember 2004 waren nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz insgesamt Frauen und Männer als selbstständig gemeldet. Davon waren Frauen. Der Frauenanteil (am Gesamtversichertenstock im Bereich der Pensionsversicherung) betrug demnach 22,39 Prozent. Das sind (gemessen am MZ Jahresdurchschnitt 1997) um rund 748 Frauen mehr als vor sieben Jahren. (Info-Quelle: Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft) Arbeiterinnen (mit Beamtinnen) Insgesamt waren in Vorarlberg Frauen als Arbeiterinnen registriert. Das sind 30,5 Prozent waren es 28,8 Prozent. Davon 600 (14,6 Prozent) als Lehrlinge (49,5 Prozent) als Hilfsarbeiterinnen (38,5 Prozent) angelernte Arbeiterinnen (19,1 Prozent) als Facharbeiterinnen 100 (4,2 Prozent) als Vorarbeiterinnen oder Meisterinnen (MZ Jahresdurchschnitt 2003) Angestelle (mit Beamtinnen) Insgesamt waren in Vorarlberg Frauen als Angestellte tätig. Das sind 49,8 Prozent waren es 50 Prozent. Davon 900 (56,3 Prozent) als Lehrlinge (68,8 Prozent) mit Hilfstätigkeiten (54,2 Prozent) mit einfachen Tätigkeiten (58,7 Prozent) mit mittleren Tätigkeiten (41,6 Prozent) mit höheren Tätigkeiten (24,3 Prozent) mit hochqualifizierten Tätigkeiten 300 (10,3 Prozent) mit führenden Tätigkeiten (MZ Jahresdurchschnitt 2003) Die Erwerbsquote liegt bei 69,2 Prozent (1997: 61,5 Prozent) davon bei Alleinerzieherinnen mit 81 Prozent (1997: 80,6 Prozent) höher als bei Ehefrauen mit 67,6 Prozent (1997: 58,9 Prozent) Teilzeitbeschäftigung Vorarlberg hat einen ständig steigenden Anteil von unselbständig teilzeiterwerbstätigen Frauen betrug die Teilzeitquote 28,6 Prozent, 2003 war sie bei 35,9 Prozent. Innerhalb von sechs Jahren war eine Zunahme von teilzeitbeschäftigten Frauen von auf (das sind 37,6 Prozent) festzustellen. Arbeitslosigkeit Laut AMS-Statistik 2004 betrug die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 6,1 Prozent. Davon betroffen waren Frauen (6,7 Prozent). Die meisten arbeitslosen Frauen gibt es in den Berufsgruppen: 21,1 Prozent Allg. Büro- und Verwaltungsberufe 17,5 Prozent 16,2 Prozent Hotel-, Gaststätten- und Küchenberufe Handelsberufe 12,9 Prozent Hilfsberufe aller Art Einkommen Das durchschnittliche Monats-Netto-Einkommen lohnsteuerpflichtiger Männer, berechnet aufgrund der Lohnsteuerstatistik, liegt in Vorarlberg geringfügig über dem Österreichdurchschnitt, das der Frauen darunter. Der durchschnittliche Jahres- Nettobezug unselbständig erwerbstätiger Frauen (Bezugsdauer: Ganzjährig) betrug Euro, bei Männern lag er bei Euro. Demnach verdienten Frauen im Durchschnitt 40,25 Prozent weniger als Männer. Diese Zahlen sind nicht zeitbereinigt. Statistik der Lohnsteuer 2002 einkommen

7 ERWERBSARBEIT/TÄTIGKEITEN Prozent verdienen weniger als (Arbeiterinnen) (Angestellte) 75 Prozent 25 Prozent 50 Prozent Frauen im Lehrberuf 69 Prozent der Vorarlberger Lehrpersonen sind Frauen. Besonders hoch ist Frauenanteil an Volks- und Sonderschulen (84 bzw. 83,2 Prozent). Die niedrigste Quote mit 21,4 Prozent weisen BPS (Berufsbildende Pflichtschulen) auf. In Vorarlberg gibt es insgesamt 81 Frauen als Schuldirektorinnen bzw. Leiterinnen, das sind somit 33,2 Prozent. Ein Großteil davon sind in Volkschulen (43,1 Prozent) und in Allg. Sonderschulen (42,9 Prozent) tätig. Statistik Austria, bezogen auf das Schuljahr 2004/05) 25 Prozent verdienen weniger als 989 Euro (Arbeiterinnen ohne Lehrlinge) Euro (Angestellte ohne Lehrlinge) Beitragspflichtige Monatseinkommen (einschließlich Sonderzahlungen) im Jahr 2004: 25 Prozent verdienen weniger als 989 Euro (Arbeiterinnen ohne Lehrlinge) Euro (Angestellte ohne Lehrlinge) 50 Prozent verdienen weniger als Euro (Arbeiterinnen) Euro (Angestellte) 75 Prozent verdienen weniger als Euro (Arbeiterinnen) Euro (Angestellte) Info-Quelle: Hauptverband der Sozialversicherungsträger Hausarbeit Haushaltsführung der Wohnbevölkerung ab 18 Jahren: 50 Prozent verdienen weniger als (Arbeiterinnen) (Angestellte) ganz oder über- gemeinsam (fast) nicht wiegend allein mit anderen absolut in % absolut in % absolut in % Vorarlberg Männer , , ,3 Frauen , , , Frauen als Lehrlinge 2004 liegt der Frauenanteil bei Lehrberufen bei 33,2 Prozent. Insgesamt waren laut Statistik der Wirtschaftskammer Lehrlinge weiblich. Erfreulich ist die Entwicklung von Mädchen in klassischen Männerberufen. Insgesamt wählten 408 Mädchen und Frauen (davon 132 im 1. Lehrjahr) einen untypischen Frauenberuf. Zum Vergleich: 1995 waren es noch 175, davon 61 Mädchen im ersten Lehrjahr. Am häufigsten wählen Mädchen nach wie vor folgende Lehrberufe: 28,5 Prozent 12,5 Prozent 11,4 Prozent 6,5 Prozent Einzelhandel Friseurin Bürokauffrau Restaurantfachfrau Frauen im Landesdienst Von den insgesamt Beschäftigten in der Landesverwaltung (innerhalb und außerhalb des Beschäftigungsrahmenplanes) sind 763 Frauen. Das sind 41,7 Prozent. Fast die Hälfe davon ist teilzeitbeschäftigt, nämlich 377 Frauen. 1,3 Prozent haben Führungspositionen, 8,9 Prozent sind Expertinnen und 28,8 Prozent sind Sachbearbeiterinnen. Stand: 2004 Österreich Männer , , ,3 Frauen , , ,7 Dabei wenden über 36 Prozent der Frauen und 6,8 Prozent der Männer rund 15 bis 30 Stunden auf. Im Vergleich dazu: 1995 gaben noch 67,3 Prozent der Vorarlberger Frauen und 9,8 Prozent der Männer an, ganz oder überwiegend den Haushalt zu führen. Info-Quelle: MZ 2002

8 SOZIALES/GESUNDHEIT 15 Soziales/Gesundheit Sozialhilfe Im Laufe des Jahres 2004 gab es in Vorarlberg EmpfängerInnen offener Sozialhilfe. Knapp die Hälfte (1.786) der AntragstellerInnen (47,55 Prozent) waren Frauen. Pflege älterer Angehöriger Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger wird in den meisten Fällen von Frauen übernommen. Bei Krankheiten bis zu einer Woche obliegt die Betreuung zu 42 Prozent (Österreich 32 Prozent) bei Töchtern und Schwiegertöchtern, bei längeren Krankheiten zu 44 Prozent (Österreich 25 Prozent). In 84 Prozent der Fälle übernehmen Frauen die Betreuung ihrer betagten Angehörigen. Die Hälfte dieser Frauen ist älter als 57 Jahre. Jede achte hat wegen der Betreuung eines zu pflegenden Angehörigen ihren Beruf aufgegeben. Etwa ein Drittel ist nicht selbst pensionsversichert. aus Situationsbericht 2003 Frauen in Vorarlberg Medizin Im Jahr 2004 wurden in Vorarlberger Fondskrankenanstalten insgesamt Menschen stationär behandelt, davon Frauen. Info-Quelle: Abtl. IVb Aktive Ärzte in Vorarlberg, 2004 Ärzte Ärztinnen Von insgesamt aktiven Ärzten in Vorarlberg sind 379 Frauen (Stichtag ). Davon sind 116 niedergelassene Ärztinnen 114 Ärztinnen für Allgemeinmedizin (praktische) 156 Fachärztinnen Krebsneuerkrankungen In Vorarlberg wurden Krebsneuerkrankungen gemeldet. Davon waren 623 Frauen betroffen. 189 erkrankten an Brustkrebs (30,3 Prozent) 123 hatten Tumore bei Verdauungsorganen (19,7 Prozent) bei 81 Frauen wurden Tumore bei weiblichen Genitalorganen (13 Prozent) diagnostiziert. Quelle: AKS Bregenz Krankenstände Im Jahr 2004 meldeten Frauen insgesamt Krankenstandsfälle (Männer: ). In Tagen waren das (Männer: ). Die durchschnittliche Krankenstandsdauer betrug bei Frauen 10,4 Tage, bei Männern 10,5 Tage. Info-Quelle: GKK Vorarlberg Süchte/Krankheiten Der Anteil der Frauen an den Alkoholkranken ist im Steigen (von einem Sechstel im Jahr 1950 auf ein knappes Viertel Ende der neunziger Jahre), beträgt aber immer noch weit weniger als bei Männern. Laut letzter MZ-Erhebung zum Thema Gesundheit gaben 40,7 Prozent der Männer und 32,2 Prozent der Frauen an, täglich zu rauchen. Gegenüber der Befragung im Jahr 1991 stieg demnach der Anteil der Raucher bei Männern um 12,4 Prozent und bei Frauen um knapp 55 Prozent! Mädchen mit 15 Jahren haben die Burschen bereits um zwei Prozent überholt. Parallel zu diesen Entwicklungen musste bei den Frauen ein Anstieg der Lungenkrebserkrankungen registriert werden. Frauen nehmen mehr Medikamente ein als Männer. Der Anteil der Frauen, die ärztlich verordnete Medikamente gegen Nervosität nehmen, ist mehr als doppelt so hoch wie jener der Männer. Der Medikamentenkonsum steigt pro Jahr um sechs Prozent. Essstörungen, vor allem Magersucht und Bulimie, sind psychosomatische Erkrankungen, von denen immer noch überwiegend Mädchen und Frauen betroffen sind. aus Frauen in Vorarlberg, Situationsbericht 2003 Primarärztinnen gibt es in Vorarlberg bis dato keine. Quelle: Ärztekammer Vorarlberg soziales

9 SICHERHEIT 17 Sicherheit Strafbare Handlungen/Opfer von Straftaten in Vorarlberg Polizeiliche Kriminalstatistik 2004, BMI An strafbaren Handlungen gab es im Jahr 2004: gesamt gegen Leib und Leben gegen die Freiheit gegen die Sittlichkeit gegen fremdes Vermögen (16,57 Prozent Frauen) gegen Leib und Leben, um 4,1 Prozent mehr als (6,6 Prozent Frauen) gegen die Freiheit, um 4,3 Prozent mehr als (15,56 Prozent Frauen) gegen die Sittlichkeit, um 24,2 Prozent mehr als (18,53 Prozent Frauen) gegen fremdes Vermögen, um 2,5 Prozent weniger als sicherheit Frauen 2004 Frauen 2003 Männer Verkehrsunfälle 980 Frauen waren 2004 Opfer von Verkehrsunfällen (Männer: 1.345). Sechs Frauen starben infolge der Verletzungen Fälle mit Verletzungsfolge wurden nach zur Anzeige gebracht, davon betroffen sind überwiegend Männer (1.364). Gewalt gegen Frauen Im Bundesland Vorarlberg wurden 2004 insgesamt 191 Betretungsverbote durch die Exekutive verfügt, nur 13 dieser Verbote betrafen Frauen. IfS-FrauennotWohnung 2004 suchten 69 Frauen mit insgesamt 62 Kindern die Unterstützung der IfS- FrauennotWohnungen in Dornbirn und Bludenz auf. 68 Prozent der Frauen waren verheiratet. Rund 70 Prozent waren zwischen 20 und 40 Jahren. 47 Prozent der Frauen waren österreichische Staatsbürgerinnen. Die Zunahme von Migrantinnen gegenüber 2003 beträgt neun Prozent. Die Aufenthaltsdauer in der IfS-FrauennotWohnung ist unterschiedlich lang: Ca. 1 /4 (21 Prozent) nutzte die IfS-Frauennot- Wohnung für einen Krisenaufenthalt (ein bis drei Tage) nach einer Misshandlung. Für 27 Prozent der Frauen stellte sie eine Übergangslösung dar (ein bis drei Monate). 13 Prozent der Frauen sind bis zu einem halben Jahr in der IfS-FrauenNotwohnung. Datenquelle: IfS-FrauennotWohnung

10 TEILNAHME AM POLITISCHEN LEBEN 19 Teilnahme am politischen Leben Landesregierung Unter den sieben Mitgliedern der Vorarlberger Landesregierung ist eine Frau (Frauenanteil 14%) Landtag Landtagsabgeordnete LTW ÖVP t.weibl. 27,8 % SPÖ 60,0 % 9 FPÖ 18,2 % Landtagsabgeordnete LTW ÖVP t.weibl. 28,6 % 6 4 SPÖ 33,3 % 2 3 FPÖ 40,0 % Die Grünen 50,0 % Seit 2004 sind zwei Frauen als Vizepräsidentinnen im Landtagspräsidium. Nationalrats- und Bundesratsabgeordnete Von den 183 Abgeordneten zum Nationalrat sind 60 Frauen, darunter zwei aus Vorarlberg. Der Anteil der weiblichen Mitglieder im Bundesrat beträgt 28,3 Prozent (17 Frauen), aus Vorarlberg ist keine Frau in diesem Gremium vertreten. 1 2 Die Grünen 50,0 % Männer Gesamt 66,7 % Frauen Gesamt 33,3 % Den höchsten Frauenanteil im Gemeinderat haben die Gemeinden Altach und Lochau mit jeweils 40,7 Prozent. In den Gemeinden Bürserberg, Fontanella, Reuthe, Röns, Sibratsgfäll und Sonntag gibt es keine Gemeindevertreterinnen. Mitgliedschaften in Kammern und Gewerkschaften Von den Gewerkschaftsmitgliedern im Jahr 2004 waren (26 Prozent) Frauen. Während die Zahl der weiblichen Mitglieder in den letzten Jahren konstant geblieben ist, stieg die Anzahl der Betriebsrätinnen deutlich. So sind von insgesamt Betriebsrätinnen knapp ein Drittel weiblich. Ein Großteil der weiblichen Mitglieder kommt aus den Bereichen Privatwirtschaft, Öffentlicher Dienst, Gemeindedienst und Metall-Textil. Datenquelle: ÖGB Bei der Vorarlberger Arbeiterkammer sind von insgesamt 70 FunktionärInnen 13 weiblich. Das sind 18,57 Prozent. Insgesamt hat die AK weibliche Mitglieder, das sind 43,95 Prozent. Datenquelle: AK Feldkirch Bei der Vorarlberger Wirtschaftskammer sind von angemeldeten Einzelfirmen (Natürliche Personen ohne Kapitalgesellschaften), von Frauen registriert. Das sind 25,7 Prozent. Somit ist rund jede/r 4. Selbständige weiblich. Von insgesamt FunktionärInnen sind 119 weiblich (10,4 Prozent). Datenquelle: WK Feldkirch Gemeindevertreterinnen in Prozent ÖVP 23,6 % SPÖ 23,2 % FPÖ 16,7 % Grüne 39,3 % Andere 17 % Gemeindevertreterinnen (Stand: 2005) Von GemeindevertreterInnen in Vorarlberg sind 395 Frauen. Das sind 20,2 Prozent. ÖVP 143 (23,6 Prozent) Frauen SPÖ: 42 (23,2 Prozent) Frauen FPÖ: 22 (16,7 Prozent) Frauen Grüne: 24 (39,3 Prozent) Frauen Andere: 109 (17 Prozent) Frauen Datenquellen: Mikrozensus (= MZ), Amt für Statistik Vorarlberg, Statistik Austria. Einige Zahlen und Hintergründe wurden direkt den zuständigen Institutionen entnommen siehe Fußnoten. Dort wo es möglich war, sind die jeweils aktuellsten Datenerhebungen für das Jahr 2004 angeführt. Zahlreiche Themen werden jedoch periodisch nur alle zwei, fünf oder zehn Jahre von den zuständigen Institutionen bzw. Statistikstellen erfasst. Die Veränderungen sind in den hier angeführten Bereichen erfahrungsgemäß gering. Das statistisch erhobene Jahr ist als Fußnote angeführt. politik

11 Medieninhaberin und Herausgeberin: Amt der Vorarlberger Landesregierung, Frauenreferat, A-6901 Bregenz Redaktion: Monika Lindermayr, Marlene Matt, Gottfrieda Natter Gestaltung: Bertolini LDT Fotos: Frauenreferat Druck: Druckerei Hämmerle, Hohenems Auflage: Stück.

12 Grüner Frauenbericht

13 Grüner Frauenbericht 2005 Grüner Frauenbericht 2005 erstellt von a MagP P. Brigid Weinzinger a DrP P. Anita Bernroitner a MagP P. Sabine Wagner 2

14 Inhaltsverzeichnis Grüner Frauenbericht 2005 Vorwort 4 1. Frauenpolitik dringend gesucht Die weiblichste Regierung von allen? Ran an den Mann Ist da jemand? 7 2. Frauen und Macht Frauen in der Zweiten Republik Zusammensetzung der Parlamente und Regierungen in Österreich Frauenrepräsentation im internationalen Vergleich Frauen in Spitzenpositionen in der Wirtschaft Frauen im Erwerbsleben Die Einkommensschere bei den Unselbstständigen Einkommensschere zwischen Frauen und Männern nach wie vor enorm Einkommensschere bei den Selbstständigen Beschäftigungsquote von Frauen steigt nur bei prekären Arbeitsverhältnissen Teilzeitarbeit Atypische Beschäftigung Unternehmerinnen Frauenpensionen Frauenarbeitslosigkeit Arbeitslose Frauen sind unsichtbar Frauenarbeitslosigkeit steigt seit Schwarz-Blau kontinuierlich Frauenarbeitslosenquote nach EUROSTAT höher als die der Männer Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung: Frauen diskriminiert Frauen und Armut Österreichs Sozialsystem fördert Frauenarmut Wohnungslosigkeit Frauen und Diskriminierung Gleichbehandlungsgesetze Diskriminierung außerhalb des Arbeitsplatzes Frauen und Gewalt Österreichische Rechtslage zum Gewaltschutz Geldnot im Gewaltschutzbereich Frauen in der Fremde Situation von Migrantinnen Frauenhandel Kein Asyl für Frauen? Genitalverstümmelung von Frauen Frauen und Bildung Das Bildungsniveau von Frauen und Männern Schule in Ö zementiert geschlechtsspezifische u.soziale Unterschiede Universitäten und Fachhochschulen Frauen in der Forschung Frauen und Gesundheit Lebenserwartung und Todesursachen Frauen und Depression Gesundheitsberufe Frauen und ihre Rahmenbedingungen Vereinbarkeit von Beruf und Familie Frauen und Mobilität 62 3

15 Grüner Frauenbericht 2005 Wer sich nicht wehrt, muss zurück an den Herd. (Spruch aus einer feministischen Mädchen-Projektarbeit) Liebe Frauen, liebe Männer, Objektiv und subjektiv gesehen geht es den Frauen in Österreich heute in vieler Hinsicht schlechter als vor 10 Jahren: Existenzsichernde Jobs sind immer schwerer zu bekommen, das Kindergeld drängt Frauen stärker aus dem Arbeitsmarkt, die Pensionsreformen schlagen bei Frauen mit aller Härte durch und das Armutsrisiko von Frauen steigt. Andererseits schaffen es zwar noch immer sehr wenige, aber doch immer mehr Frauen bis ganz an die Spitze eines Unternehmens oder einer öffentlichen Einrichtung. Ansprüche und Erwartungshaltungen von Frauen sind gestiegen, und damit auch ihr Selbstbewusstsein. Frauen in Österreich waren noch nie so gut ausgebildet wie heute. Ein riesiges Potential für die Entwicklung unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft das allerdings derzeit nicht genutzt wird. Die vertanen Chancen für die Entwicklung unseres Landes sind gleichzeitig die entgangenen Chancen einer jeden Frau, die es betrifft. Viele Gründe also, Frauen in den nächsten Jahren Vorrang einzuräumen: Vorrang auf dem Arbeitsmarkt, bei der existenziellen Absicherung, bei der Weiterbildung, bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen, in der besseren Gesundheitsversorgung... Die derzeitige Regierung hat hinlänglich bewiesen, dass sie dazu weder bereit noch imstande ist. Besonders eklatant ist das Desinteresse ausgerechnet der Frauenministerin an Frauenpolitik. Auf frauenpolitische Initiativen von ihrer Seite durfte frau nach den letzten Jahren sowieso nicht mehr hoffen. Dass allerdings nicht einmal der 2005 fällige österreichische Frauenbericht (der letzte erschien 1995) zur Erforschung und Dokumentation der frauenrelevanten Entwicklungen erstellt wurde, ist ein Armutszeugnis. Und ein Grund mehr, wieder einen Grünen Frauenbericht vorzulegen. Wien September 2005 a MagP P. Brigid Weinzinger Grüne Frauensprecherin 4

16 Grüner Frauenbericht Frauenpolitik dringend gesucht U1.1. Die weiblichste Regierung von allen? Seit Januar 2005 hat Österreich so viele Ministerinnen (gleichzeitig) in der Regierung wie noch niemals zuvor. Waren bislang meist eher den stereotypen weiblichen Klischees zugeordnete Bereiche wie Soziales oder Bildung von Frauen geführte Ministerien, so sind nun endlich auch Schwergewichte wie das Außenministerium oder das Innenressort in Frauenhand. Zählt man in der Regierung nur die MinisterInnen, so stellen Frauen exakt die Hälfte der RessortleiterInnen. Nimmt man die gesamte Regierung, also auch die Staatssekretäre, dazu, ist allerdings die Regierung immer noch zu zwei Drittel in Männerhand. Vor allem aber: Trotz der vielen Ministerinnen ist weit und breit keine Spur davon zu erkennen, dass nun die Interessen von Frauen in der Regierungspolitik besser berücksichtigt werden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Es scheint das Motto vorzuherrschen, dass es reicht, Frauen in die Regierung zu rufen; für Frauen dann auch noch Politik zu machen, erübrigt sich für schwarz-blau/orange. Auch ein eigenes Frauenministerium sucht man weiterhin vergebens. Die Frauenpolitik bildet das (allem Anschein nach unerwünschte) Anhängsel im Gesundheitsministerium und fristet ein mehr als bescheidenes Dasein. Ein vergleichbares Strickmuster findet sich auch in dem bisschen Frauenpolitik, das noch betrieben wird: Die Regierung nimmt sich einzelne Aspekte der Frauenpolitik - meist nur symbolisch ins Haus und folgert daraus, dass eine Unterstützung der frauenpolitischen NGOs und Beratungsstellen daher wohl nicht mehr nötig ist. So gibt es ein mehr als unauffällig agierendes Migrantinnen-Service ohne erkennbares Budget im Ministerium selbst (böse Zungen munkeln, es handle sich ohnehin nur um eine Telefonnummer, an der eine fremdsprachenkundige Mitarbeiterin Dienst tut). MigrantInnen-Projekte und Betreuungs- und Beratungsarbeit für ausländische Frauen kämpfen derweilen um die nötigsten Finanzmittel. Jene NGOs, die dank der Regierungspolitik von einer Existenzkrise in die nächste taumeln, sich endlosen Überprüfungen und Nachfragen ausgesetzt sahen und sehen, müssen dafür immer wieder als Feigenblatt der Ministerien herhalten, wenn sie um Maßnahmen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit gefragt werden. Geradezu pikant ist in diesem Zusammenhang etwa der schon fast notorische Verweis des Innenministeriums auf die rühmliche und vom Innenministerium ja unterstützte Tätigkeit des Vereins LEFÖ (in Sachen Gewalt-schutz etwa), der zu Amtsantritt der blau-schwarzen Regierung ins Visier der Ideologie-Fahnder geriet und monatelang sogar in einem parlamentarischen Ausschuss evaluiert wurde. Oder der Verweis auf die erfolgreiche Arbeit der Interventionsstellen gegen Gewalt quasi als Leistung der Regierung in Sachen Opferschutz die aber zuletzt unter so extremen Finanzierungsnöten litten, dass etwa die Wiener Interventionsstelle die Betreuung ganzer Bezirke einstellen musste. Daran hat auch die Übernahme des Ministeriums durch eine Frau nichts geändert. 5

17 Grüner Frauenbericht 2005 U1.2. Ran an den MannU Im letzten Jahr wurde die schmale Kurzfassung eines Frauengesundheitsberichtes herausgegeben (die Langfassung lässt noch immer auf sich warten, wenn sie denn je kommt) nachdem zuvor bereits ein mehrbändiger Männergesundheitsbericht erschienen war. Die Regierung hielt Männergesundheitstage und eine Väterkonferenz ab (mit teils haarsträubenden Inhalten). Nach einer Väter-CD wurde noch ein umfangreicher Männerratgeber auf DVD und in Papierform produziert, und immerhin die seit Jahren etablierte Broschüre Frauenratgeberin endlich neu aufgelegt. Die Beschäftigung mit dem Mann boomt wie noch bei keiner Regierung zuvor. Was bei fortschrittlicher, gleichstellungsorientierter Zugangsweise und mindest gleich großem Aufwand für die Erforschung frauenspezifischer Phänomene ja durchaus wünschenswert wäre. Doch die Mittel für Frauenforschung verkümmern zum dünnen Rinnsal, während parallel Männerbroschüren Weisheiten folgender Tonart von sich geben: Von Natur aus ist die Frau emotional und physisch dazu ausgerüstet, Kinder Monate vor der Geburt und Jahre nachher als primäre und dominante Beziehung zu betreuen. Dieser angeborene Impuls kann sich auch auf erweiterte Pflege und Hilfe über die Kindesjahre und die eigenen Kinder hinaus übertragen was von allen Gesellschaften genutzt wird. Doch ist das nicht mehr genetisch zwingend... Auch spricht die universelle Verbreitung von kämpferischen und kooperativen Männergemeinschaften in allen Kulturen dafür, dass der genetisch-hormonelle Trieb zu Dominanz und Einordnung, zu Führung und Kumpanei Männern stärker zu eigen ist als Frauen. Mit Variationen doch Amazonen sind sicher nicht der genetische mainstream. (aus: Männerratgeber, BMSG, 2005, S. 259) Hoppla! Galten solche Ansichten nicht schon im letzten Jahrhundert als hoffnungslos überholt und widerlegt? Solche Abschnitte tragen zwar nicht unwesentlich zur Erheiterung der Leserin bei, verraten aber gleichzeitig recht deutlich, welch Geistes (oder Wunschdenken s) Kind zumindest Teile dieser Regierung sind! Der damals noch Sozialminister Haupt differenzierte in einer Parlamentsrede am zu dieser Einstellung passend folgerichtig zwischen Frauen mit Kindererziehungszeiten (also Müttern) und Single- Frauen, als wäre die Mutterschaft automatisch an den Status als Nicht-Single gebunden. Alleinerzieherinnen kommen in seinem Weltbild offenbar nicht vor, Gehaltsunterschiede zwischen Single-Männern und Single-Frauen übrigens auch nicht. Wen wundert es, dass da (sehnsüchtig?) die Kumpanei der Männer und der genetische Pflegetrieb der Frauen beschworen werden? Als Regierungspolitik im Jahr 2005 ist derlei aber völlig untragbar. 6

18 Grüner Frauenbericht 2005 U1.3. Ist da jemand? Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt. Die Regierung beging daher am 1. Mai einen großen Arbeitsgipfel. Verschwiegen wurde dabei allerdings, dass die Arbeitslosigkeit vor allem bei Frauen steigt, während jene der Männer konjunkturbedingt bereits wieder leicht sinkt. Dennoch bestanden sämtliche Vorschläge und Maßnahmen, der Regierung in Vorstößen zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in fast ausschließlich Männern vorbehaltenen Branchen wie der Bauwirtschaft. Ein zwei Monate später auf Drängen von KritikerInnen einberufener Frauen-Arbeitsgipfel entpuppte sich als im Vergleich Mini-Veranstaltung. Wirtschafts- und Arbeitsminister Bartenstein schlug die Umschichtung von AMS-Geldern von einem bewährten Projekt zur Förderung von Frauen in technischen Berufen zu einem neuen Projekt zur Förderung von Frauen in technischen Berufen vor. Die Frauenministerin selber konnte wieterhin nichts anderes bieten als die ewig selbe Maßnahme, Frauen im Kindergeldbezug einen Brief zu schreiben und ein Orientierungsseminar anzubieten. Mehr gab es nicht. Dabei sind die Probleme drängend genug. Um nur einige zu nennen: steigende Arbeitslosigkeit von Frauen deutlich höheres Armutsrisiko von Frauen international letztrangige Zuwächse bei der Frauenerwerbsquote spärliche Vertretung von Frauen in Spitzenpositionen wieder weiter auseinanderklaffende Einkommensschere völlig unzureichende Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen Doch von der Frauenministerin ist dazu nichts zu hören. Keine Aussagen, schon gar keine Maßnahmen und sicher keine Aktionspläne mit klaren Zielsetzungen. Dieses Ausmaß an Lustlosigkeit und Desinteresse ist bei einer Frauenministerin unerreicht! Und sollte Konsequenzen haben: Wenn Ministerin Rauch-Kallat sie nicht zieht indem sie das Ressort abgibt oder sich eine andere berufliche Aufgabe sucht dann ist nur zu hoffen, dass die nächsten Wahlen dazu führen. Gefordert ist daher... "! # $ %& & '( )*$ %& &+-,. % / & )01 32 % 4 )5 %&%& ) 66 7! 8 &% ) statt festhalten an verzopften Klischees / % 9:; )$% =< ">? < ) 4 /A! B1CD 0 =<,% 4* %&%& E,F )4* % 46 - &%&% EG 8 )*

19 Grüner Frauenbericht Frauen und Macht U2.1. Frauen in der Zweiten RepublikU Die Zweite Republik wird heuer 60 Jahre alt. Zeit, auch einen kritischen Blick auf die Entwicklung der politischen Beteiligung von Frauen in dieser Zweiten Republik zu werfen. Obwohl das aktive und passive Frauenwahlrecht bereits 1919 eingeführt wurde, gehörten der Gründungsversammlung des Parlaments 1945 gerade einmal 8 Frauen an: Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel, Maria Tusch und Hildegard Burjan. Der Anteil der im Nationalrat vertretenen Frauen blieb zwischen 1945 und 1975 mehr oder weniger konstant niedrig bei etwa 5 Prozent. Nach 1975 kam es zu einem im Vergleich zur Ausgangslage deutlichen Anstieg des Frauenanteils und 1979 konnte zum ersten Mal die 10 Prozent Grenze überschritten werden. Der Anstieg von weiblichen Nationalratsabgeordneten hielt weiter an und 2002 war endlich wenigstens ein Drittel (33,9%) der Abgeordneten weiblich. In den letzten Jahren kam es jedoch zu einer Stagnation bzw. einem leichten Rückgang. Im Jahr 2005 sind nur mehr 32,2% oder in absoluten Zahlen ausgedrückt 59 der 183 Nationalratsabgeordneten weiblich. Weibliche Nationalratsabgeordnete Prozent Jahr 8

20 Grüner Frauenbericht 2005 Im Lauf der 60 Jahre der Zweiten Republik nahmen Frauen Etappe für Etappe wichtige Positionen ein. Es gab die erste Staatssekretärin, die erste Ministerin, die erste Bürgermeisterin usw. Im folgenden ein kurzer Überblick über die erste Positionsinhaberinnen der Zweiten Republik: 1945: Hella Postranecky wird erste Staatssekretärin 1953: Johanna Bayer wird erste Vorsitzende des Bundesrats in der Zweiten Republik 1953: Maria Krenn wird die (so weit bekannt) erste Bürgermeisterin Österreichs in Groß- Siegharts (NÖ) 1966: Grete Rehor wird die erste Bundesministerin (für Soziale Verwaltung) 1986: Marga Hubinek zieht als erste Frau ins Präsidium des Nationalrats ein 1986: Freda Meissner-Blau ist die erste (Ob)Frau an der Spitze eines Parlamentsklubs 1990: Johanna Dohnal ist die erste Frauenministerin Österreichs 1993/94: Madeleine Petrovic und Heide Schmidt sind die ersten Parteichefinnen der Zweiten Republik 1996: Waltraud Klasnic wird die erste Landeshauptfrau 2000: Susanne Riess-Passer wird als erste Vizekanzlerin angelobt Der neuen Phase der Frauenbewegung Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre mit ihren Forderungen nach Straffreiheit für Abtreibung, nach ökonomischer Eigenständigkeit und rechtlicher Unabhängigkeit von Frauen trug die Regierung Kreisky II ( ) mit der Einrichtung eines Staatssekretariats für Familienpolitik und Frauenfragen Rechnung. Beide dieser Bereiche wurden mit einer Frau als Staatssekretärin besetzt. Weiters kam es zur Einrichtung eines Staatssekretariats für die Belange der berufstätigen Frau sowie eines Staatssekretariats für allgemeine Frauenfragen. Erst 1990 kam es zur Schaffung des Bundesministeriums für Frauenangelegenheiten wurde Johanna Dohnal unter Bundeskanzler Bruno Kreisky Staatssekretärin für Frauenangelegenheiten im Bundeskanzleramt. Von 1990 bis 1995 war sie die erste und bislang durchsetzungsstärkste Frauenministerin Österreichs. Auf ihre Ära gehen zentrale frauenpolitische Errungenschaften wie die Fristenlösung oder die Reform des Eherechts zurück. Ihr folgten von 1995 bis 1997 Helga Konrad und von Barbara Prammer im Amt nach. Mit der schwarz-blauen Wende im Jahr 2000 wurde das Frauenministerium als eigenständiges Ressort abgeschafft. Die Frauenangelegenheiten verschwanden im Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen, geleitet von Elisabeth Sickl (FPÖ), deren 9

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