Prof. Dr. Ulrike Schildmann: Verhältnisse zwischen Geschlecht und Behinderung

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2 Gliederung: - Strukturen von Geschlecht Strukturen von - Theoretischer Vergleich der Strukturkategorien Geschlecht und - Wechselwirkungen zwischen Geschlecht und, empirisch betrachtet Grundlagen: - Intersektionalitätsforschung (Theorie) - DFG-Forschungsprojekt Umgang mit Heterogenität: Verhältnisse zwischen und Geschlecht in der gesamten Lebensspanne; (Empirie)

3 Geschlecht gehört zu den entscheidenden Aspekten des persönlichen Lebens, der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Kultur. Es handelt sich um eine Arena, in der es um schwierige praktische Fragen der Gerechtigkeit, der Identität und selbst des Überlebens geht (Connell 2013, 13). Geschlecht ist ein Muster sozialer Arrangements (a.a.o., 28 f.), eine soziale Strukturkategorie, die gemeinsam mit anderen Strukturkategorien, z.b. Klasse/Schicht, Ethnizität, Alter, der Gesellschaft als soziales Ordnungsprinzip und damit als Indikator für soziale Ungleichheitslagen dient.

4 Dimensionen von Geschlecht (Connell (2012, 108 ff.): Machtverhältnisse: direkt, diskursiv, kolonisierend Produktion, Konsumtion, vergesellschaftlichte Akkumulation Emotionale Beziehungen Symbolismus, Kultur, Diskurs.

5 " als sozialer Begriff bezieht sich zum einen (1) auf einen Prozess sozialer Ausgrenzung und Segregation, hinter dem unterschiedliche ökonomische, soziale, historische und normative Interessen stehen, zum anderen (2) auf individuelle Geschichten biographischer Erschwernisse und Probleme, häufig überlagert durch (3) naturalisierende ([z.b. 'genetisches' Syndrom] oder individualisierende Ideologien, deren Bezugspunkte Abweichungen von der fiktiven Norm des mitteleuropäischen oder nordamerikanischen Menschen mittleren Lebensalters, mit guter Schulbildung, angemessenem Einkommen und männlichen Geschlechts sind" (Jantzen 2002, S. 322). In einem besonders hohen Maß "durch Prozesse der Verwundbarkeit gekennzeichnet" seien dabei Menschen mit geistiger, so Wolfgang Jantzen (2002, S. 325).

6 Theoretischer Vergleich von Geschlecht und : - Geschlecht: Soziale Gesamtheit zweier etwa gleich großer Gruppen; Ergänzung zu einem Ganzen, jedoch ungleich gebrochen - : Soziale Minderheit; negativ konnotiert; Maßstab: gesellschaftliche Normalität - Sowohl Geschlecht als auch haben ausgewiesene Körperdimensionen, die jedoch sehr unterschiedlich sind (Relevanz für Intersektionalitätsforschung!)

7 Wechselwirkungen zwischen Geschlecht und, empirisch betrachtet Rasante Dynamiken zwischen Geschlecht und (vgl. Schildmann 2013): Lebensanfang: leicht erhöhte Betroffenheit von Krankheit und gesundheitlicher Auffälligkeit bei Jungen (55 % gegenüber 45 % Mädchen), Kindergartenalter : Jungenanteil der als behindert Geltenden (Bezug sozialer Eingliederungshilfe )etwa 2/3 gegenüber 1/3 Mädchen. Schulalter: Unter den SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ca. 2/3 Jungen, Ab Berufsausbildung soziale Benachteiligung behinderter Mädchen/Frauen vor dem Hintergrund der Strukturen der geschlechterspezifischen Arbeitsteilung einschließlich des geschlechtersegregierten Arbeitsmarktes. Auswirkungen bis ins hohe Alter..

8 Wechselwirkungen zwischen Geschlecht und, empirisch betrachtet An den Definitionen von (und an Ausgleichs-, Hilfsund Unterstützungsmaßnahmen) sind unterschiedliche politische Ressorts beteiligt: von der Gesundheitspolitik in den ersten Lebensjahren über die Bildungspolitik im Schulalter, die Arbeitsmarkt-/Wirtschaftspolitik das gesamte Erwerbsfähigkeitsalter hindurch (allerdings unter Ausblendung der Familienpolitik), die Sozialpolitik für die Fragen des großen Lebensabschnittes des Alters..

9 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Literatur Beer, Ursula (1987): Klasse Geschlecht. Feministische Gesellschaftsanalyse und Wissenschaftskritik. Bielefeld. Connell, Raewyn (2013): Gender. Wiesbaden. Ebeling, Smilla (2006): De/Konstruktion von Geschlecht und Sexualität. In: Ebeling, Smilla; Schmitz, Sigrid (Hrsg.): Geschlechterforschung und Naturwissenschaften. Wiesbaden. Hagemann-White, Carol (1993): Die Konstrukteure des Geschlechts auf frischer Tat ertappen? Methodische Konsequenzen einer theoretischen Einsicht. In: Feministische Studien 11, 2, Jantzen, Wolfgang (2002): Identitätsentwicklung und pädagogische Situation behinderter Kinder und Jugendlicher. In: Sachverständigenkommission 11. Kinder- und Jugendbericht: Gesundheit und im Leben von Kindern und Jugendlichen. Band 4. München: DJI Verlag, S Schildmann, Ulrike (2004): Geschlecht und. In: Becker, Ruth; Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, Wiesbaden, Schildmann, Ulrike (2011): Strukturkategorien Geschlecht, Alter,, in: Hinz, Renate / Walthes, Renate (Hrsg.): Verschiedenheit als Diskurs, Tübingen, Ulrike Schildmann (2011): Verhältnisse zwischen Geschlecht, und Alter/Lebensabschnitten als intersektionelle Forschungsperspektive, in: Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW, Nr. 29, Ulrike Schildmann (2012): Wechselwirkungen zwischen sozialen Ungleichheitslagen:, Geschlecht, Alter/Lebensphasen neuer Forschungskomplex an der TU Dortmund. In: VHN, 81. Jg., H. 1, Ulrike Schildmann (2013): Wechselwirkungen zwischen Geschlecht und von der frühen Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter. In: Behindertenpädagogik, 52. Jg., Heft 1, Winker,Gabriele /Degele, Nina (2009): Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten. Bielefeld. World Health Organization (WHO) (1980): International Classification of Impairment, Disability and Handicap. Genf.

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