Fit für den Klimawandel Was kann ich als Waldbesitzer dafür tun?

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1 Fit für den Klimawandel Was kann ich als Waldbesitzer dafür tun?

2 Gliederung Klimaveränderungen ein unsicherer Einstieg (Standorts)-Veränderungen Dynamik vieler Rahmenbedingungen Auswirkungen auf die Forstwirtschaft Baumarten, Wuchsleistung, Stabilität Ungewissheit und Risiko Handlungsoptionen und Entscheidungsfindung Zielwaldstrukturen die Mischung macht s Waldbewirtschaftung best practice 2 9. Juli 2013 Sven Martens

3 Klimamodellierung ein Einstieg Satellitenmessungen: Strahlungsdifferenz 1,6 W/m² Atmosphäre/ Ozeanmodelle: bisher 0,7 statt 1,0 Grad Ökosystemmodelle: noch mehr Rückkopplungen Umlaufbahn Sonnenaktivität Sonne Wasser Wolkenbildung Energietransport Energiespeicher Treibhausgase (CO2 / Methan / Lachgas) Verdunstung Reflexion Vegetation/ Boden 3 9. Juli 2013 Sven Martens

4 Klimamodellierung - Rückkopplungen 4 9. Juli 2013 Sven Martens

5 Klimamodellierung - Extreme 5 9. Juli 2013 Sven Martens

6 (Standorts)Veränderungen Wetterextreme Holzmarkt Substitution Holzerntetechnologien Niederschlag Temperatur Standortsfaktoren Holzbearbeitung Stickstoffeinträge Holzverarbeitung 6 9. Juli 2013 Sven Martens

7 Auswirkungen auf die Forstwirtschaft Betroffenheit: Wie wird sich die Wuchsleistung des aktuellen Bestandes verändern? Wie stabil ist mein Wald gegenüber den sich ändernden Risiken? Was passiert, wenn man weiter wie bisher wirtschaftet oder nichts tut? Anpassungsmöglichkeiten: Wie soll ich mit den beschriebenen Unsicherheiten umgehen? Welche Baumarten sind zukünftig ertragsstark und geeignet? Was kann ich schon heute anders machen? 7 9. Juli 2013 Sven Martens

8 Auswirkungen auf die Forstwirtschaft Betroffenheit abnehmende Wuchsleistungen Abiotische Störungen Größe der Schrift entspricht dem aktuell publiziertem Wissen zum Sachverhalt. steigende Wuchsleistungen Biotische Störungen Migration von Baumarten Anpassungsmöglichkeiten 8 9. Juli 2013 Sven Martens

9 Migration von Baumarten: BERN-Datenbank für Sachsen Zeitraum Juli 2013 Sven Martens

10 Baumarteneignung: Grenzen der Vorhersage Quelle: Svenning & Skov, 2004: Limited filling of the potential range in European tree species, Ecology Letters Modellgrenzen: Gleichgewichtsbedingungen zwischen Umwelt & Pflanzengesellschaft Limitierender Faktor Verbreitungsmechanismen / Störungsregime Juli 2013 Sven Martens

11 Baumarteneignung: Grenzen der Vorhersage 60% 18% 50% 15% 40% 12% 30% 9% 20% 6% 10% 3% 0% RBU TEI HBU WLI BAH SAH Blattverlust Nekrosen Mortalität 0% Juli 2013 Sven Martens

12 Abiotische Risiken Spätfrost Sturm Schnee Trockenheit Kaltlufteinbrüche bei früherem Austrieb Schutz durch Schirm / Seitenschutz / Vorwaldkonzepte intensivere Stürme bei gleicher Häufigkeit Durchforstungsregime (Jugend stark / Alter schwach) / Mischung / angepasste Zieldimensionen & Ernteverfahren Starkniederschläge im Winter weiterhin häufig rechtzeitige Stammzahlreduktion / Kronenschluss über Verjüngung und Waldinnenränder ausgedehnte Trockenphasen wahrscheinlicher Reduktion Wurzelkonkurrenz und Seitenschutz vor Sonneneinstrahlung / Bodenvegetation minimieren Juli 2013 Sven Martens

13 Wuchsleistungen: beobachtete Veränderungen Forsteinrichtung 15 BU Versuchsflächen DGZ Bonität EI GFI Begründungsjahr GKI Quelle: Dr. habil Matthias Noack, Vortrag zum Winterkolloqium der LFE 2011 Dendrologie Juli 2013 Sven Martens

14 Auswirkungen auf die Forstwirtschaft 14Wuchsleistungen günstig: Temperatur, Kohlendioxidgehalt, Stickstoffeinträge Wasserversorgung und andere Nährstoffe als limitierende Faktoren Relief und Bodeneigenschaften wirken differenzierender 9. Juli 2013 Sven Martens Stabilität Sturmintensität & Starkniederschläge (Schnee) Spätfrost und Winter noch bestimmend Dynamik biotischer Gruppen unsicher Waldentwicklung günstig: häufigere Baummast (Ahorn, Buche) Veränderung der Konkurrenzverhältnisse (Fi>TA>BU>EI>KI) Trockenperioden und Bodenvegegtation (Wild) steuern Entwicklung

15 Ungewissheit und Risiko: Handlungsoptionen 15 prognostizierte Veränderungen 9. Juli 2013 Sven Martens treten mit Sicherheit ein sind mit Unsicherheiten behaftet deren Wahrscheinlichkeiten bekannt sind (Risiken) von denen wir keine Vorstellungen haben (Ungewissheit)

16 Migration von Baumarten: Großraumversuch Fichte 1811: Gründung Tharandt Aufforstung devastierter Wälder mit Fichte und Kiefer 1816: Jahr ohne Sommer 1-2 Generationen >2 wärmer Juli 2013 Sven Martens

17 Zieltypen auf standörtlicher Basis Kiefer / Eiche Eiche / Buche Juli 2013 Sven Martens Buche / Tanne / Höhenkiefer Fi / Bu

18 Zieltypen: Baumarten Zielzustand HBA % MBA % NBA (0-10%) KI-BI Kiefern-Birken-Mischwald KI BI REI KI-EI Kiefern-Eichen-Mischwald KI EI, BI REI HKI Höhenkiefern-Mischwald KI LÄ, BI, BU, EI, HBU DGL EI-KI Eichen-Kiefern-Mischwald EI KI, HBU, WLI, REI, DGL BI, SAH EI-BU Eichen-Buchen-Mischwald EI BU, REI, DGL, HBU, WLI, SAH, KI, LÄ BI, VKI EI-LB Eichen-Laub-Mischwald SEI REI, KI, HBU, WLI, BAH, ES, SAH, VKI, FUL, BU, WTA, RER, BI BI, ASP EI-ELB Eichen-Edellaub-Mischwald EI BAH, SAH, ES, HBU, WLI, BU, SLI, VKI, FAH, UL Elsbeere BU-EI Buchen-Eichen-Mischwald BU EI, DGL, HBU, WLI, WTA, BAH, FI, KI, ASP, BI, SAH, ES, REI, LÄ VKI BU-TA Buchen-Tannen-Mischwald BU WTA, DGL, FI, BAH, ES, BUL BI, EB, LÄ, KI, TEI, HBU, WLI BU-FI Buchen-Fichten-Mischwald BU FI, WTA, DGL, BAH, ES, BUL LÄ, EB, BI BU-ELB Buchen-Edellaub-Mischwald BU BAH, SAH, ES, BUL, EI, HBU SLI, VKI, Elsbeere FI Fichten-Bergwald FI EB, BU, WTA BAH, BI FI-BU Fichten-Buchen-Mischwald FI BU, WTA, BAH, ES, BUL LÄ, KI, EB, BI FI-TA Fichten-Tannen-Mischwald FI WTA, BAH, ES, KI ER, EB, BI, MBI NB-MW Nadel-Mischwald FI, KI, BU, LÄ WTA, BI EB MO Moorwald FI, KI BKI, MBI, BI, ER EB BT Erlen-Eschen-Mischwald ER, ES, (Bachtälchen) BAH FI, BUL, SEI, HBU FUL AW Auwald SEI ER, ES, FUL, BAH, SAH, HBU VKI, PAP, Weiden, FAH Juli 2013 Sven Martens

19 Mischbestände: Wer streut rutscht nicht! Ertragskundlich: komplementäre Ausnutzung des Wuchsraumes Finanzmathematisch: Risikostreuung auf Ebene des Betriebes oder Bestandes Pretsch (2008): Produktivitätsrelation zwischen Fichte und Fichte/Buche Konsequenzen angesichts des Klimawandels, LWF-Wissen Heft Juli 2013 Sven Martens Knoke (2008): Finanzielle Risiken von Rein- und Mischbeständen, LWF-Wissen Heft 58

20 Beteiligung gebietsfremder Baumarten Wuchsleistung Weymouths- Kiefer Murray- Kiefer Rumelische- Kiefer Douglasie Baumhasel Esskastanie Schwarz- Kiefer Küsten-Tanne Rot-Eiche Veitchs-Tanne Zerreiche Omorika-Fichte Stech-Fichte Spätblühende Traubenkirsche (ökologische) Stabilität Juli 2013 Sven Martens

21 Beteiligung gebietsfremder Baumarten Breite physiologische Amplitude der Baumarten Verwendungseigenschaften (und Wüchsigkeit) bestimmen Anbaueignung Stabilität (seltene Mischbaumart) und Verjüngungsfreudigkeit (invasive Arten!) Juli 2013 Sven Martens

22 Waldbewirtschaftung anpassen: 22Waldstruktur: Samenpotenziale durch Waldumbau schaffen Mischbaumarten fördern (Pionierbaumarten: Lä, Bi, Ki) Übergang zu kleinteiligem Bestandesmosaik (0,5 bis 1,5 ha große BE) forcieren Verjüngungsfortschritt an Risiko des Bestandesverlustes anpassen 9. Juli 2013 Sven Martens Bestandesbild: Vermeidung verdämmender Bodenvegetationsdecken Kronenschluss entsprechend Bestandesalter variieren (locker => dicht) aber auch: zielkonforme Naturverjüngung konsequent fördern Baumhabitus: Erziehung großkroniger Bäume durch intensive Förderung in der Jugend mit zunehmender Ungunst des Standortes: Vorrang der Vitalität gegenüber Qualität Vermeiden von Wurzeldeformation bei der Pflanzung

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