Welche Arbeitsbedingungen fördern die Passung von Arbeits- und Privatleben?

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1 Welche Arbeitsbedingungen fördern die Passung von Arbeits- und Privatleben? Heinz Schüpbach & Barbara Pangert Beitrag Lanceo-Zwischentagung Freiburg, 28./ gefördert vom

2 Kurzüberblick Stand der Forschung I Zusammenspiel der Erwerbsarbeit und dem Leben außerhalb der Erwerbsarbeit Betrachtung Spillover-Effekte Negative Auswirkungen eines Lebensbereichs auf einen anderen (Konflikte) Positive Auswirkungen eines Lebensbereichs auf einen anderen (Bereicherungen) zumeist entsprechend der Richtung ihrer Wirkung unterschieden (von der Erwerbsarbeit auf das Privatleben / vom Privatleben auf die Erwerbsarbeit) Betrachtung Kompensationseffekten zwischen Lebensbereichen (Bsp: Erholung) Verortung Balance- / Passungsbegriff im Kontext dieser Effekte Folie 2

3 Kurzüberblick Stand der Forschung II Ursachen für negative und positive Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben (McDowall, Kinman, Eib & Allan, 2011) Arbeitsanforderungen wie Rollenkonflikte, Druck, Stress, Unvorhersehbarkeit, Ungleichheit, Selbstständigkeit, höhere Zahl von Arbeitsstunden, sowie hohe Autonomie fördern negative Auswirkungen Unterstützende Organisationskultur / Führungskraft, Verfügbarkeit von familienorientierten Arbeitgeberleistungen, Mentorenprogramme, starkes Gemeinschaftsgefühl bei der Arbeit, Flexibilität, höhere wahrgenommene Kontrolle bei der Arbeit sowie Zugang zu unterstützenden Angeboten hingegen verhindern negative Auswirkungen Aussagen basieren zumeist lediglich auf korrelativen Querschnittsstudien Mangel an Studien zu Ursachen von positiven Auswirkungen Folie 3

4 Untersuchungsanliegen und ansatz I Untersuchung potentieller arbeitsbezogene Ursachen von Konflikten und Bereicherungen, welche von der Erwerbarbeit ausgehend auf das Privatleben wirken Grundannahme: Folie 4

5 Untersuchungsanliegen und ansatz II Konkretisierung der Annahmen unter Bezugnahme auf zentrale arbeitspsychologische Theorien zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Beschäftigtengesundheit Folgende Diskrepanzen zwischen Anforderungen und Ressourcen werden als potentielle Ursachen für Konflikte und Bereicherungen betrachtet: Diskrepanzen zwischen Anforderungen und Ausführungsbedingungen (Handlungsregulationstheorie, Hacker, 1998), konkret Regulationsüberforderungen im Sinne qualitativer / quantitativer Überforderung, Diskrepanzen zwischen Anforderungen und Selbstwerterhalt (Stress-as-Offenseto-Self-Ansatz, Semmer et al., 2007), konkret als illegitim wahrgenommene Arbeitsaufgaben im Sinne von als unnötig / unzumutbar empfundenen Aufgaben sowie Diskrepanzen zwischen Anforderungen und Gratifikationen (Modell beruflicher Gratifikationskrisen, Siegrist, 1996) Folie 5

6 Methode der Studie I Längsschnittstudie Fragebogen (Online / Papier) zur Erfassung von negativen Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben positiven Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben qualitativer und quantitativer Überforderung unnötigen und unzumutbaren Aufgaben Gleichgewicht von Verausgabung und Belohnung Einsatz bewährter Skalen Hohe Werte sprechen für eine hohe Ausprägung des erfassten Merkmals Folie 6

7 Methode der Studie II Stichprobe: Beschäftigte eines Industrieunternehmens Kontext: Einführung eines neuen Vergütungssystems mit hohem leistungsabhängigen Bestandteil (abhängig von der Leistungsbeurteilung des direkten Vorgesetzten) Erster Befragungszeitpunkt Juli / August Beschäftigte (entspricht einem Rücklauf von 34%) Zweiter Befragungszeitpunkt März Beschäftigte (entspricht einem Rücklauf von 42%) Teilnahme an beiden Befragungen: 192 Beschäftigte (Zuordnung über Code) Folie 7

8 Ergebnisse: Korrelationen Alle angenommenen Ursachefaktoren hängen in der zu erwartenden Richtung mit positiven und negativen Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben zusammen Das Korrelationsmuster zu t1 und t2 ist sich sehr ähnlich, auch über die Zeit hinweg (Ursachefaktoren t1, Passung von Erwerbsarbeit und Privatleben t2) zeigt sich ein vergleichbares Bild stärkste Zusammenhänge zu positiven und negativen Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben: quantitative Überforderungen sowie Gleichgewicht von Verausgabung und Belohnung Die reversen Zusammenhänge (Ursachefaktoren t2, Passung von Erwerbsarbeit und Privatleben t1) weisen eine geringere Stärke auf Folie 8

9 Ergebnisse: Cross-Lagged-Panel-Analysen I Keiner der betrachteten Ursachefaktoren kann über die Zeit hinweg positive Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben vorhersagen Folie 9

10 Ergebnisse: Cross-Lagged-Panel-Analysen II Lediglich quantitative Überforderung kann über die Zeit hinweg negative Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben vorhersagen Folie 10

11 Ergebnisse: Cross-Lagged-Panel-Analysen III Es zeigen sich keinerlei reverse Effekte von negativen und positiven Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben auf die Ursachefaktoren Folie 11

12 Zusammenfassung Quantitative Überforderung ist unter den betrachteten Ursachefaktoren die einzige Variable, welche relevant für die Vorhersage von negativen Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben ist Zentraler Ansatzpunkt für die Förderung eines gelungenen Zusammenspiels von Erwerbsarbeit und Privatleben Für die Vorhersage von positiven Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf das Privatleben ist keine der betrachteten Variablen hilfreich Weitere Studien sollten andere Variablen wie z. B. Aufgabeninhalte, Tätigkeitsspielräume und soziale Unterstützung berücksichtigen Folie 12

13 Konsequenzen für eine balanceorientierte Leistungspolitik Ziel: Arbeitsmenge so gestalten, dass sie für die Beschäftigten in der vorgesehenen Arbeitszeit unter den vorherrschenden Arbeitsbedingungen (meist unvorhersehbare Schwankungen und Störungen) gut zu bewältigen ist Weg: Die Aushandlung einer in diesem Sinne gestalteten Arbeitsmenge sollte Bestandteil leistungspolitischer Instrumente wie z. B. Leistungsgesprächen sein Mutmaßliche Voraussetzungen für erfolgreiche Realisierung: Balanceorientiertes Klima, in dem nicht nur der Leistung, sondern auch dem Wohlbefinden der Beschäftigten ein hoher Stellenwert zukommt Partizipation bei der Definition von Anforderungen Klarheit von Anforderungen Folie 13

14 Ausblick Relevanz der genannten Faktoren soll in weitergehenden Analysen anhand des vorhandenen Datensatzes überprüft werden Untersuchung, inwiefern balanceorientiertes Klima, Partizipation bei der Definition von Anforderungen sowie Klarheit von Anforderungen in Zusammenhang mit quantitativer Überforderung stehen Bedingungsorientierte Perspektive soll um eine verhaltensorientierte Perspektive erweitert werden: Lanceo-Balance-Tagebuch Untersuchung der Rolle des individuellen Beschäftigtenhandelns im Umgang mit Anforderungen des Berufs- und Privatlebens Folie 14

15 Herzlichen Dank für Ihr Interesse! gefördert vom

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