Finanzierungsbedingungen in Deutschland

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1 Nr. 2/2-2. November 2 Überblick Im Euroland-Vergleich günstigere Finanzierungsbedingungen sollten zu stärkerer Kreditnachfrage in Deutschland führen Die Zinsdifferenzen in der Eurozone bleiben nicht auf Staatsanleihen begrenzt. Die Erwartung, dass bonitätsstärkere Staaten auch ihre Banken besser schützen können, führt zu stark unterschiedlichen Finanzierungsniveaus der europäischen Banken. Deutsche Banken profitieren dabei von der hohen Bonität des deutschen Staates. In wie weit sich dies auf das Kundengeschäft auswirkt, werten wir anhand der europäischen Zinsstatistik für die einzelnen Einlagen- und Kreditsegmente aus. Vor allem im Hypothekenkreditgeschäft sind die deutschen Zinsen gegenüber dem Euroland-Durchschnitt seit 29 deutlich gefallen. Angesichts der in den letzten en stagnierenden Kreditvolumina in Deutschland besteht hier anders als in den meisten Ländern der Währungsunion keine Notwendigkeit zu einer Bilanzreduzierung bei den privaten Haushalten. Für die Kreditvergabe in Deutschland sind dies hervorragende Voraussetzungen. Wir erwarten daher, dass sich das Muster der letzten 2 e in der Währungsunion umdreht und die Kreditvolumina in Deutschland nun stärker wachsen als in den bislang boomenden Volkswirtschaften der EWU. Abb. 5J-CDS-Spreads ausgesuchter deutscher Banken und des Bundes 25 2 Bund Deutsche Bank Bayerische LB Commerzbank WestLB Bayerische Hypo- und Vereinsbank 5 5 Jan 8 Jul 8 Jan 9 Jul 9 Jan Jul Quellen: Bloomberg, DekaBank Autor Dr. Karsten Junius, Tel.: (69) , Disclaimer: Diese Darstellungen inklusive Einschätzungen wurden von der DekaBank nur zum Zwecke der Information des jeweiligen Empfängers erstellt. Die Informationen stellen weder ein Angebot, eine Einladung zur Zeichnung oder zum Erwerb von Finanzinstrumenten noch eine Empfehlung zum Erwerb dar. Die Informationen oder Dokumente sind nicht als Grundlage für irgendeine vertragliche oder anderweitige Verpflichtung gedacht, noch ersetzen sie eine (Rechts- und / oder Steuer) Beratung; auch die Übersendung dieser stellt keine derartige beschriebene Beratung dar. Die hier abgegebenen Einschätzungen wurden nach bestem Wissen und Gewissen getroffen und stammen (teilweise) aus von uns nicht überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen. Eine Haftung für die Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit der gemachten Angaben und Einschätzungen, einschließlich der rechtlichen Ausführungen, ist ausgeschlossen. Die Darstellungen inklusive Einschätzungen dürfen weder in Auszügen noch als Ganzes ohne schriftliche Genehmigung durch die DekaBank vervielfältigt oder an andere Personen weitergegeben werden. Jeder Empfänger sollte eine eigene unabhängige Beurteilung, eine eigene Einschätzung und Entscheidung vornehmen. Insbesondere wird jeder Empfänger aufgefordert, eine unabhängige Prüfung vorzunehmen und/oder sich unabhängig fachlich beraten zu lassen und seine eigenen Schlussfolgerungen im Hinblick auf wirtschaftliche Vorteile und Risiken unter Berücksichtigung der rechtlichen, regulatorischen, finanziellen, steuerlichen und bilanziellen Aspekte zu ziehen. Sollten Kurse / Preise genannt sein, sind diese freibleibend und dienen nicht als Indikation handelbarer Kurse / Preise.

2 Nr. 2/2-2. November 2. Bonität der Staaten Die nun drei e anhaltende Finanzkrise hat zu enormen Steuerausfällen und steigenden Staatsausgaben geführt. Dies hat die mittelfristige Bonität vieler Staaten verschlechtert und ihre Fähigkeit in Frage gestellt, die eingegangenen Zahlungsverpflichtungen zu bedienen. Die Zinsdifferenzen von Staatsanleihen haben sich in der Eurozone daher trotz Einrichtung des European Financial Stability Facility (EFSF) nicht nachhaltig reduziert (s. Tab. ). Die Bonität der Staaten wird zusätzlich durch die Erwartung belastet, dass die nationalen Regierungen versuchen werden, ihre Banken im Krisenfall zu stützen, um Ansteckungseffekte, systemische Krisen und einen Zusammenbruch der Kreditversorgung der heimischen Wirtschaft zu verhindern. Dies belastet aktuell beispielsweise die Bonitätseinschätzung Irlands an den Finanzmärkten. Die Entwicklung in Island nach dem Zusammenbruch der dortigen Banken ist ein weiteres Beispiel. Die Erwartung, dass die nationalen Regierungen ihren Banken zur Seite springen, führt dazu, dass die Bonität der Banken wiederum von der Bonität ihrer Heimatländer abhängt. Schließlich ist die bisherige Unterstützung der Banken immer zu Gunsten der Anleihehalter ausgegangen, da befürchtet wurde, dass ein Ausfall auf das Fremdkapital zu Abschreibungsbedarf bei anderen Investoren und so zu Ansteckungseffekten und unkalkulierbaren systemischen Risiken führen könnte. Tab. Zinsaufschläge ggü J Bunds in Bp Letzter Wert Vor 5 Tagen Vor Monat Vor 3 Vor Monaten Belgien Spanien Griechenland Italien Österreich Frankreich Portugal Irland Finnland Niederlande Quellen: Bloomberg, DekaBank Abb. 2 5J-CDS-Spreads ausgesuchter Banken und Nationalstaaten Jan 8 Jul 8 Jan 9 Jul 9 Jan Jul Allied Irish Bank of Ireland Staat Irland 35 5 Jan 8 Jul 8 Jan 9 Jul 9 Jan Jul Banco Espirito Santo BBVA Santander Banco Populare Staat_Spanien Jan 8 Jul 8 Jan 9 Jul 9 Jan Jul Credit Agricole Natixis BNP Paribas Frankreich_Staat Jan 8 Jul 8 Jan 9 Jul 9 Jan Jul Rabobank Niederlande Staat ING Quellen: Bloomberg, DekaBank 2

3 Nr. 2/2-2. November 2 Abb. (S. ) und Abb. 2 stellen die Ausfallprämien einzelner Banken und Staaten in der Eurozone anhand der CDS-Spreads im Fünfjahresbereich dar. Folgendes ist zu erkennen: Zum einen weisen die CDS-Spreads der Banken und Staaten gemeinsame Schwankungen auf, was für die gegenseitige Abhängigkeit ihrer Kreditwürdigkeit spricht. Zum anderen ist zu erkennen, dass die CDS- Niveaus insgesamt nationalen Einflussfaktoren zu unterliegen scheinen. Sie sind in Spanien und Irland allgemein höher als in Deutschland und den Niederlanden. So liegen sie bei deutschen Banken im Bereich um Bp und damit gut 5 Bp über dem von Bundesanleihen. Spanische Banken haben dagegen wie der spanische Staat CDS-Spreads, die zuletzt bei rund 2 Bp lagen. Bei irischen Banken und dem Staat Irland sind sie dagegen sogar auf 4-5 Bp angestiegen. In den Niederlanden bewegen sich die CDS-Spreads sowohl der Banken als auch des Staates ähnlich zu denen in Deutschland auf sehr niedrigen Niveaus. Wir überprüfen im Folgenden, ob die Entwicklung der CDS-Prämien mit ähnlichen Bewegungen im Kundengeschäft der Banken einhergeht. Dabei konzentrieren wir uns auf die Zinsniveaus in Deutschland im Vergleich zum Euroland- Durchschnitt. Hinweise dazu liefert die harmonisierte Kreditstatistik der EZB, zu der die einzelnen Zentralbanken in ihren Ländern erhobene Daten zuliefern. Die Daten sind weitgehend harmonisiert, wenngleich Unterschiede bleiben. Dies ergibt sich bereits durch unterschiedliche Kreditbedingungen, die neben den reinen Zinsniveaus üblich sind. Daher konzentrieren wir uns bei der Analyse weniger auf die absoluten Niveauunterschiede und stärker auf die Entwicklung der Zinsdifferenzen zwischen den Ländern. 2. Zinsunterschiede im Kundengeschäft Das aktuelle Niveau der Einlagenzinsen der privaten Haushalte sowie der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften findet sich für die einzelnen Länder der Eurozone in Tab. 2. Dabei handelt es sich um Angaben für das Neugeschäft und nicht die Durchschnittsverzinsung der Einlagen. Die Zinsen in Deutschland liegen in allen Bereichen unterhalb der Durchschnittsniveaus in der Eurozone. Davon ausgenommen sind lediglich seinlagen über 2 en, für die Daten von vielen Ländern fehlen und volumensmäßig mit rund 5 der Gesamteinlagen kaum ins Gewicht fallen. Ähnlich niedrige Niveaus finden sich in Österreich, Finnland, Belgien und mit Abstrichen in Frankreich. Besonders hohe Einlagenzinsen werden ohne Überraschung in Griechenland, Spanien und Zypern gezahlt. Tab. 2 Einlagenverzinsung in der EWU Aug. Land bis zu mehr als 2 bis zu 2 en private Haushalte mit vereinbarter Laufzeit Mehr als 2 e mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu 3 Monaten mehr als 3 Monate nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften mit vereinbarter Laufzeit bis zu mehr als 2 bis zu 2 en Mehr als 2 e Euror aum Deuts chland Belgien Finnland Griechenland Frankreich Italien Irland Luxemburg Malta Niederlande Österreich Portugal Slow akei Slow enien Spanien Zypern Anmerkung: Daten für das Neugeschäft Abb. 3 Zinsaufschläge in Deutschland für Einlagen der privateneur Haushalte.5 2. Einlagenverzinsung Deutschland im Vergleich Täglich fällig Vereinbarte Laufzeit < J Vereinbarte Laufzeit J-2J Vereinbarte Laufzeit >2J Vereinbarte Kündigungsfrist <3M Vereinbarte Kündigungsfrist >3M

4 Nr. 2/2-2. November 2 Abb. 4 Zinsaufschläge in Deutschland für Einlagen nichtfinanz. Kapitalgesellschaften.5.5 Wir halten jedoch die Entwicklung der Zinsdifferenzen innerhalb der Eurozone für aussagekräftiger als die Niveaus. Abb. 3 und Abb. 4 zeigen daher die Zinsdifferenzen von Deutschland und dem Eurolanddurchschnitt. Positive Werte ergeben sich bei vergleichsweise höheren deutschen Zinsen. Tendenziell ist zu erkennen, dass die Zinsen für Einlagen der privaten Haushalte in den meisten dargestellten Segmenten vor der Finanzkrise in Deutschland oberhalb der Durchschnittsniveaus in Euroland lagen, seit 29 relativ gefallen sind und nun unterhalb des EWU-Mittels liegen. Am ausgeprägtesten ist dies bei Einlagen mit einer Laufzeit von weniger als einem zu erkennen. Bei den Einlagen nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften fällt vor allem die hohe Volatilität der Zeitreihen auf, die auf eine schlechte Datenqualität schließen lässt. In dem relativ stetigen und volumensmäßig gewichtigen Laufzeitenbereich von unter einem ist allerdings ebenfalls ein klarer Abwärtstrend zu erkennen. Dieser zeigt, dass sich auch die Verzinsung der Einlagen nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften im Neugeschäft im Vergleich zum Eurolanddurchschnitt verringert hat. -.5 Täglich fällig Vereinbarte Laufzeit < J Vereinbarte Laufzeit J-2J Vereinbarte Laufzeit >2J Abb. 5 Struktur der deutschen Kreditbestände Kasten : Struktur der deutschen Kreditbestände 8 nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften......von über 5 en (24,9 ) Zum besseren Verständnis der Bedeutung der einzelnen Kreditbereiche sind in Abb. 5 deren Anteile in Deutschland dargestellt. Wohnungsbaukredite haben das stärkste Gewicht mit 42,9, gefolgt von den skrediten mit 36,8 und den n mit 2,3. Innerhalb aller drei Segmente dominieren die Kreditlaufzeiten von über 5 en. Beim europäischen Vergleich ist zu beachten, dass sich die Struktur in den anderen Ländern so nicht widerspiegelt. So haben beispielsweise Wohnungsbaukredite mit einer Ursprungslaufzeit bis oder variabel verzinst in Deutschland kaum eine Bedeutung, während sie in Spanien wesentlich gängiger sind. Auf der Einlagenseite sind es ebenfalls die privaten Haushalte, die mit einem Anteil von 75 eine wesentlich höhere Bedeutung als die nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften mit 25 haben. Während allerdings die Einlagen der privaten Haushalte überwiegend eine Laufzeit von über 2 en haben, ist es bei den skrediten umgekehrt bis 5 e (,9)......von über 5 en (4, )... bis 5 e (6,2 ) Wohnungsbaukredite... von über 5 en (4,5)... bis 5 e (,4) Quellen: Bundesbank, DekaBank Anm.: Die schließen die sonstigen Kredite ein 2.2 Kreditzinsen Deutschland im Vergleich die privaten Haushalte Bei den Kreditzinsen betrachten wir zunächst die der privaten Haushalte, da sie volumensmäßig den bedeutsamsten Teil der Kreditvergabe darstellen. Abb. 6 stellt die Zinsniveaus für die einzelnen Länder der Eurozone dar. Zu erkennen ist, dass die Zinsniveaus bei Wohnungsbaukrediten in Deutschland geringer sind als im Eurolanddurchschnitt. Eine Ausnahme stellen lediglich die bei uns kaum vorhandenen variabel verzinsten Kre- 4

5 Nr. 2/2-2. November 2 dite oder Kredite mit einer Laufzeit unter dar. Finnland und Frankreich weisen tendenziell sehr niedrige Zinsniveaus auf. Bei den n ist das Bild etwas uneinheitlicher. Während Überziehungskredite und mit langer Laufzeit in Deutschland deutlich teurer sind als im Eurolanddurchschnitt, sind sie im mittleren Laufzeitenbereich klar günstiger. Zu erkennen ist auch, dass die Zinsniveaus in Griechenland, Portugal und Spanien deutlich über denen der strukturstarken Länder wie Deutschland, Niederlande, Österreich und Finnland liegen. Strukturelle Zinsniveauunterschiede dürfen an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Dies ergibt sich bereits durch unterschiedliche Kreditbedingungen, die neben den reinen Zinsniveaus üblich sind. Zusätzlich sind Zinsunterschiede dadurch möglich, dass die Kreditlaufzeiten selbst innerhalb der Kreditklassen unterschiedlich sind. Die Kreditlaufzeitklassen von -5 en, 5- en und mehr als en sind dafür noch zu grob. Bei einer steilen Zinsstrukturkurve sind die Zinsniveaudifferenzen erheblich, wenn die durchschnittliche Laufzeit in einem Land innerhalb der Kategorie 5- e z.b. bei 6 en und in einem anderen bei 8 en liegt. So schrieb die Bundesbank bei der Einführung der Statistik im 23, dass eine höhere durchschnittliche Laufzeit dazu beitragen würde, dass die für Deutschland ausgewiesenen Zinsniveaus höher sind als die anderer Länder. Abb. 6 Kreditzinsen im Neugeschäft der privaten Haushalte in der Eurozone im August 2 Wohnungsbaukredite Land Überziehungskredite variabel verzinslich oder bis zu mehr als bis zu 5 en mit anfänglicher Zinsbindung variabel verzinslich oder bis zu Mehr als 5 e mehr als bis zu 5 en mehr als 5 bis zu en Mehr als e Euroraum Deutschland Belgien Finnland Griechenland Frankreich Italien Irland Luxemburg Malta Niederlande Österreich Portugal Slow akei Slow enien Spanien Zypern Für aussagekräftiger als die aktuellen Zinsniveaus halten wir aufgrund möglicher struktureller Unterschiede erneut die zeitliche Entwicklung der Zinsdifferenzen. Ausgewählte Ergebnisse dazu finden sich in den Abb. 7 - Abb. 9. Während die Entwicklung der Zinsdifferenzen bei den n das bislang vermutete 5

6 Nr. 2/2-2. November 2 Muster nicht bestätigt, ist es bei den Wohnungsbaukrediten klar sichtbar. Während Wohnungsbaukredite in Deutschland der Statistik nach vor der Finanzkrise noch höher verzinst waren als im Eurolanddurchschnitt, sind sie seit 29 günstiger. Dies gilt insbesondere für die Laufzeiten von -5J. Lagen dort die Zinsen in den en 23 und 24 durchschnittlich noch 32 Basispunkte (Bp) über dem Eurolandaggregat, so befanden sie sich seit Anfang 29 nun durchschnittlich 2 Bp darunter. Im volumensmäßig sehr wichtigen Bereich von 5J-J hat sich die Zinsdifferenz von + Bp auf -3 Bp für die deutschen Kreditnehmer verbessert. Die Zinsdifferenzen im Bereich unter J oder über J widersprechen den beobachteten Strukturveränderungen nicht. Da sie jedoch entweder in Deutschland oder außerhalb von Deutschland weniger gängig sind, halten wir die Zinsunterschiede in diesen Bereichen für weniger bedeutsam. 2 Abb. 7 Zinsaufschläge in Deutschland für skredite Die aktuellen Zinsniveaus bei den skrediten (nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften) sind in Tab. 3 für die einzelnen Länder der Eurozone dargestellt. Hier ist das Muster weniger klar als bei den Krediten an private Haushalte. Dies mag erneut auf Kreditnebenbedingungen, unterschiedliche Kreditsicherheiten u.ä. zurückzuführen sein. Klärung verschafft leider nicht der Blick auf die Entwicklungen im Eurolandvergleich (Abb. 9). Während 28 und 29 zu erkennen war, dass sich der Zinsnachteil von Deutschland egalisiert hat, ist die Entwicklung in den letzten 2 Monaten sehr heterogen. Tab. 3 Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Kredite von mehr als Kredite bis zu Mio Euro Mio Euro mit anfänglicher Zinsbindung variabel verzinslich oder bis zu mehr als bis zu 5 en Mehr als 5 e variabel verzinslich oder bis zu mehr als bis zu 5 en Mehr als 5 e - -2 Überziehungskredite -3, variabel verzinslich oder bis J, J-5J, > 5J Abb. 8 Zinsaufschläge in Deutschland für Wohnungsbaukredite Euroraum De utschland Belgien Finnland Griechenland Frankreich Italien Irland Luxemburg Malta Niederlande Österreich Portugal Slow akei Slow enien Spanien Zypern Zinsniveaus im Aug Wohnungsbaukredite, variabel verzinslich oder bis J Wohnungsbaukredite, J-5J -.4 Wohnungsbaukredite, 5J-J Wohnungsbaukredite, mehr als J

7 Nr. 2/2-2. November 2 Abb. 9 Zinsaufschläge in Deutschland für Kredite nichtfinanz. Kapitalgesellschaften Abb. Euroland Kreditaggregate im September 2 in ggü. Vj. 2.5 Überziehungskredite Bis Mio., J bis 5J Ab Mio., variabel oder bis J Ab Mio., mehr als 5J Bis Mio., variabel oder bis J Bis Mio., mehr als 5J Ab Mio., J bis 5J skredite Hypothekenkredite Deutschland vor einem Kreditboom? Die Zinsniveaus in der Eurozone sind dank der Niedrigzinspolitik der EZB derzeit auf Rekordtiefständen. Zudem hat die bisherige Analyse gezeigt, dass die Finanzierungsbedingungen in Deutschland sich im Vergleich zu Gesamteuroland tendenziell zusätzlich verbessert haben. Dies ist vor allem im Hypothekensektor zu beobachten gewesen. Die aktuelle Entwicklung der Kreditvolumina in Abb. zeigt, dass unter den Kreditarten die Hypothekenkredite in Euroland derzeit das stärkste Wachstum aufweisen. Dies ist für die aktuelle Konjunkturlage typisch. Private Haushalte erhöhen ihre Kreditnachfrage normalerweise schneller als die, bei denen Produktivitätsgewinne zunächst zu einer höheren Innenfinanzierung führen. Ein regionaler Vergleich der deutschen und der Euroland-Entwicklung ist aktuell nicht möglich, da in diesem Sommer vorgenommene Umgruppierungen innerhalb der Kreditstatistik die Interpretation der esraten erschweren. Interessant ist hingegen eine Betrachtung der Kreditexpansion der letzten e. Vergleichbare Daten liegen ab Dezember 22 vor. Abb. stellt den gesamten Anstieg des Kreditvolumens an private Haushalte in diesem fast achtjährigen Zeitraum dar. Dieser besteht aus Hypotheken- und n. Zu erkennen ist ein extrem starker Anstieg in Griechenland, Spanien und Irland. Auffallend ist zudem die schwache Kreditentwicklung in den Niederlanden, Belgien und vor allem Deutschland. Dies sind gute Bedingungen für die künftige Kreditnachfrage in Deutschland. Sie machen es unwahrscheinlich ist, dass die privaten Haushalte versuchen werden, ihre Verschuldung durch zusätzliches Sparen zu reduzieren. Dies kann eher in Ländern angenommen werden, die einen kreditfinanzierten Immobilienboom erleben durften. Fallende Immobilienpreise sollten vor allem in Griechenland, Irland und Spanien das Verhältnis von Vermögenswerten zu Verbindlichkeiten der privaten Haushalte verschlechtern. Dies führt in der Regel zum Bedürfnis der Haushalte, Kredite zurückzuführen und so die private Vermögensbilanz wieder auszugleichen. Dies impliziert, dass die Haushalte dieser Länder als zusätzliche Kreditnehmer vermutlich für einige Zeit nicht zur Verfügung stehen werden. Sie profitieren von den derzeit günstigen Zinsen dann auch nur bei einer Prolongation fällig werdender Kredite. Eine Stimulierung der Investitionstätigkeit geht davon allerdings nicht aus. Die günstigen Finanzierungsbedingungen sollten vor allem dort zu einer tatsächlichen Erhöhung der Kreditvolumina führen, wo die Haushalte auch die finanziellen Mittel und ein hohes Vertrauen in ihre eigene Einkommensund Vermögenspreisentwicklung haben. Dies wird wiederum vor allem in Deutschland sein, wo die Wohnimmobilienpreise nun langsam beginnen zu steigen, die Arbeitslosenquoten auf dem niedrigsten Stand seit 992 sind, die Fürsprecher stärker steigender Löhne zunehmen und negative Vermögenseffekte in den letzten en gering waren. 7

8 Nr. 2/2-2. November 2 Abb. private Haushalte Sep ggü. Dez 2 in ggü. Vj. Deutschland Niederlande Belgien Luxemburg Euroland Portugal Frankreich Italien Österreich Finnland Irland Spanien Griechenland Abb. verschweigt, dass die Kreditvolumina in den einzelnen Ländern der Eurozone 22 vollkommen unterschiedliche Ausgangsniveaus aufwiesen. Wir stellen diese daher in Prozent des BIP im Anhang dieser Analyse für die einzelnen Länder dar. So hatten die Hypothekenkredite in Deutschland 22 bereits einen Anteil am BIP von 43 ggü. 3,4 in Griechenland und 3, in der Eurozone insgesamt. Der Anteil in den ebenfalls nur ein geringes Kreditwachstum verzeichnenden Niederlanden lag 22 sogar bei 6,8. Dies erklärt zum Teil die unterschiedlichen Wachstumsraten. Ein weiterer Teil wird sicherlich durch die starken Unterschiede bei der Entwicklung der Wohnimmobilienpreise erklärt werden können. Schließlich führen steigende Immobilienpreise natürlicherweise zu höheren Kreditvolumina. Vergessen werden darf auch nicht, dass der größte Teil der Immobilienpreisanstiege in Euroland fundamental gerechtfertigt ist, da die Einkommen und Mieten nachhaltig höher und die Zinsen niedriger sind als zu Beginn der Währungsunion. Trotz gewisser Übertreibungen dürften die Immobilienpreise daher auch in Irland und Spanien nicht wieder auf das Niveau von 22 zurückfallen. Selbst wenn man das starke Kreditwachstum relativiert, bleibt der Befund, dass die privaten Haushalte in den Ländern mit starkem Kreditwachstum und in den letzten beiden en fallenden Hauspreisen sowie steigenden Arbeitslosenquoten eher zu einer Rückführung als Ausweitung ihrer Kredite neigen dürften. Umgekehrt dürften die deutschen Haushalte die Stärke ihres Arbeitsmarktes, die im Vergleich zur Entwicklung der Mieten und Einkommen günstigen Immobiliepreise zum Anlass nehmen ihre Kreditvolumina auszuweiten. Die Konjunkturdynamik und hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dürfte zudem zu höheren Lohnabschlüssen als im Eurolanddurchschnitt führen. Schließlich können auch nur so die derzeit Problem behafteteren Länder Wettbewerbsfähigkeit dazu gewinnen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch einen höheren Inflationsdruck in Deutschland als in der Eurozone. Dieser sollte dazu beitragen, dass die Realzinsen laufzeitenabhängig Richtung Null tendieren und in jedem Fall unter dem Eurolanddurchschnitt liegen werden. Dies sollte die Kreditnachfrage zusätzlich stimulieren. In wie weit dies bereits der Fall ist, zeigt Abb. 2. Dargestellt ist die Entwicklung der Nachfrage nach Hypothekenkrediten in Euroland und die letzte Entwicklung derselben in Deutschland gemäß des Bank Lending Survey der EZB. Zu erkennen ist, dass die deutsche Kurve vor der Krise tendenziell unterhalb der Euroland-Kurve lag und seitdem etwas darüber. Einen Kreditboom ähnlich der Entwicklungen in Südeuropa zu Anfang der Währungsunion zu erwarten, wäre sicherlich übertrieben, eine in Deutschland stärker ansteigende Kreditvergabe im Vergleich zu den ersten en der EWU und zu den restlichen EWU-Ländern aber durchaus realistisch. Abb. 2 Wohnungskreditnachfrage Deutschland vs. Euroland im Vergleich Letzte Entw icklung Hypothekennachfrage Deutschland Nachfrage nach Hypothekenkrediten Euroland

9 Nr. 2/2-2. November 2 4. Fazit Wir halten die Voraussetzungen für eine stärkere Kreditnachfrage in Deutschland für sehr gut. Das allgemeine Zinsniveau in der Eurozone ist sehr niedrig. Zusätzlich führt die höhere Bonität des deutschen Staates dazu, dass deutsche Banken sich auf den Finanzmärkten günstiger finanzieren können als ihre europäische Konkurrenz. Dies geht inzwischen in vielen Bereichen mit vergleichsweise niedrigeren Einlagen- und Kreditzinsen einher. Vor allem bei Hypothekenkreditzinsen kann beobachtet werden, dass die in Deutschland aus strukturellen Gründen bis 28 höheren Zinsen nun unterhalb der Euroland-Durchschnitte liegen. Die Kreditnachfrage dürfte mittelfristig zusätzlich stimuliert werden, wenn der starke Arbeitsmarkt in Deutschland zu höheren Löhnen und, wie von uns prognostiziert, zu höheren Inflationsraten als im Eurolanddurchschnitt führt. Dies würde die Realzinsen in Deutschland zusätzlich dämpfen und die Kreditnachfrage stimulieren. Letztlich sollte die Kreditnachfrage in Deutschland auch deshalb ansteigen können, weil die privaten Haushalte ihre Verschuldung in den letzten acht en auch nominal nicht erhöht haben, während sie in der übrigen Eurozone deutlich angestiegen ist. Es lässt sich daher sagen, dass die privaten Haushalte in Deutschland alle Voraussetzungen haben, um über eine Ausweitung ihrer Verschuldung vom aktuellen Niedrigzinsumfeld zu profitieren. Neben Deutschland weisen auch die Niederlande, Österreich und Finnland günstige Vorraussetzungen für eine stärkere Kreditnachfrage auf. Dies sollte vor allem die Binnennachfrage in diesen Ländern und bei uns stärken und zu einer Verringerung der Ungleichgewichte in der Eurozone beitragen. 9

10 Nr. 2/2-2. November 2 5. Anhang Abb. 3 in den Ländern der Eurozone EU-6 Deutschland Belgien Finnland Frankreich Griechenland

11 Nr. 2/2-2. November 2 Irland Italien Niederlande Österreich Portugal Spanien Quellen: EZB, Eurostat, DekaBank

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