FORUM 4 Briefe an die Redaktion. GLÜCKWÜNSCHE 6 zu 30 Jahren BUND Grußworte prominenter Wegbegleiter von B. Behrens bis H.

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1 Liebe Leserinnen und Leser, vor einem Jahr widmete sich unsere Mai- Ausgabe der EU-Osterweiterung und hieß besonders die BUND-Partner von»friends of the Earth«im Beitrittsgebiet willkommen. Sicher gab es Sorgen etwa vor dem wachsenden Transitverkehr und den Folgen der EU-Agrarpolitik für die Kleinbauern in Polen und anderswo. Doch der Optimismus überwog, nicht zuletzt wegen der zuweilen recht fortschrittlichen Brüsseler Umweltpolitik. Ein Jahr nach der EU-Osterweiterung sind die Sorgen nicht vom Tisch. Was aber Europa wert ist, zeigt seit Beginn des Jahres die Feinstaubrichtlinie. Plötzlich gibt es einen rechtlichen Hebel für ein Jahrzehnte schon währendes Ärgernis und Gesundheitsrisiko: den fast schrankenlosen, stetig wachsenden Verkehr in unseren Ballungszentren. Das beste ist: Kein Wirtschaftsminister und kein Bundesrat kann die Richtlinie verwässern, selbst Landesfürsten im Wahlkampf und noch der uneinsichtigste Bürgermeister müssen handeln. Hoffen wir, dass das Brüsseler Parlament weiter den Mut für eine Umwelt- und Gesundheitspolitik hat, die ihren Namen verdient, gegen die notorische Kurzsichtigkeit vieler Parteien- und Wirtschaftsvertreter. Übrigens: Die unrühmliche Rolle der deutschen Autoindustrie beim Thema Feinstaub beleuchtet Angelika Zahrnt auf Seite 8. Der BUND wird 30! Wenn Sie wissen möchten, was Ihren Umweltverband seit seiner Gründung beschäftigt hat auf den nächsten Seiten finden Sie die Antwort. Zum Geburtstag wird sich der BUND übrigens selbst beschenken und die BUND-Stiftung gründen. Viele Jahre Vorbereitung sind dem vorausgegangen. Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm freut sich:»die neue Stiftung ist ein Angebot für alle Menschen, die den BUND langfristig unterstützen möchten. Mit dem Ertrag aus dem Stiftungskapital werden wir künftig noch mehr Projekte für den Umwelt- und Naturschutz fördern können.«ein weiterer Höhepunkt unseres Jubiläumsjahres ist das»abenteuer Schmetterling«. Auf vielerlei Weise können auch Sie sich für den Schutz unserer Tagfalter engagieren. Mehr dazu in dieser Ausgabe. Viel Spaß dabei wünscht Ihr Severin Zillich FORUM 4 Briefe an die Redaktion GLÜCKWÜNSCHE 6 zu 30 Jahren BUND Grußworte prominenter Wegbegleiter von B. Behrens bis H. Wieczorek-Zeul MAGAZIN 8 Kurznachrichten + Kolumne TITELTHEMA: 30 JAHRE BUND 12 Bilder + Zitate Jahre BUND von Severin Zillich 22 Der Bauzaun im Kopf von Hubert Weinzierl 26 Erfolgreiche Kampagnen von Gerhard Thielcke und Gerhard Kneitz 28 Nachhaltig statt industriell von Hubert Weiger 30 Zuversichtlich in die Zukunft von Angelika Zahrnt AKTIV 34 Neues aus dem Verband 36 BUNDjugend/Internationales PERSÖNLICH 38 Im Gespräch mit Ulf Merbold RARITÄT 40 Der Trauermantel von Gerhard Kneitz MARKTPLATZ 41 Kleinanzeigen REZENSIONEN 44 Neue Bücher AKTION 46 Abenteuer Schmetterling Red Rabbit BUND INHALT S. 12: 30 Jahre BUND ist der Schwerpunkt dieses BUNDmagazins: die spannenden Anfangs- und Reifejahre Aktionen, die Geschichte machten und Perspektiven: die nächsten 30 Jahre BUND. S. 34: McPlanet.com Anfang Juni kommt es in Hamburg zu einer Neuauflage des internationalen Kongresses»McPlanet.com«. S. 46: Abenteuer Schmetterling Unsere Tagfalter haben bald Hochsaison beteiligen Sie sich an der großen BUND-Aktion! [2-05] BUNDmagazin 3

2 FORUM Titel der Ausgabe 1/2005 Die Redaktion freut sich über jeden Leserbrief, behält sich aber Kürzungen vor. Verkehr Sie wollen eine Verkehrswende herbeiführen, die mit weniger Verkehr mehr Mobilität ermöglicht, so Ihr Slogan. Ich halte dies für eine Provokation und Irreführung. Unser Mobilitätsanspruch stellt eine egoistische Maßlosigkeit dar, die unsere Ökosysteme und Atmosphäre immer stärker schädigt. Nur der Verzicht auf Mobilität wird die Verkehrswende auf allen Verkehrswegen (Straße, Schiene, Luft, Wasser) schaffen. Ein»Verschiebebahnhof«bringt hingegen nur Scheinlösungen, von denen wir schon allzu viele haben. Klaus Lachenmaier, Empfingen Zu Ihrem Editorial: Es fehlt der Politik nicht am Mut, sondern am Willen, wirklich Nachhaltigkeitspolitik zu betreiben. In anderen Bereichen der Politik hat man auch keine Scheu, diese gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung oder gegen mächtige Interessenverbände durchzusetzen. Entsprechend sind eine intakte Umwelt und nachhaltige Perspektiven auch für die meisten Menschen nur nachrangig, wenn ihre persönliche Entfaltungsfreiheit eingeschränkt zu werden droht. Ein zentrales Element dieser Freiheit ist die (scheinbar) uneingeschränkte Mobilität des Autofahrens. Fahrpläne und differenzierte Fahrpreissysteme werden hier grundsätzlich als kompliziert und einschränkend empfunden. Ulrich Schäfer, Reinheim Grüne Politik Seit zwei Jahrzehnten arbeite ich aktiv im BUND für den Naturschutz. Als ich merkte, dass viele Handlungsfelder eng mit der Politik verzahnt sind, habe ich zusätzlich ein Mandat für die Grünen angenommen. Jetzt lese ich im BUNDmagazin einen Kommentar, der von Jürgen Trittin mehr Anstrengung verlangt. Dabei wird jede seiner politischen Entscheidungen nicht nur vom Koalitionspartner in Frage gestellt, sondern muss sich auch gegen Wirtschaftsverbände, Industrielobby etc. behaupten. Maximalforderungen, die nicht umgesetzt werden können, nützen niemandem. Sie sind ein Feigenblatt für die Unfähigkeit, Kompromisse einzugehen. Nur wenn ich die absolute Mehrheit besitze, benötige ich keine Kompromisse. Anstatt die einzige politische Kraft, die etwas in unserem Sinn erreichen könnte, zu stärken, wird sie durch Kommentare wie diesen geschwächt. Klaus Tormählen, Börnsen Jagd contra Naturschutz? Ihrem Bericht zufolge wurden im vergangenen Jahr Hasen erlegt deutlich mehr als im Jahr zuvor. Wie ich finde eine positive Nachricht. Denn sie besagt, dass es mehr Hasen gab als im Vorjahr. Schließlich wird von den Jägern nur der Überschuss nicht die Substanz bejagt und genutzt. Wäre ja auch widersinnig, wenn man sich selbst den letzten Hasen wegschießt und in den Folgejahren»in die Röhre guckt«. Ich selber habe mir auch einen Hasenbraten gegönnt und muss sagen: Er war außerordentlich lecker! Mein Gewissen ist rein geblieben, reiner jedenfalls als beim Konsum eines Supermarktschnitzels aus Massentierhaltung. Ralf Huckriede, Rösrath Zwischen den Jägern und dem BUND oder NABU wird leider zu oft über die falschen Fragen gestritten. Die Jagd auf viele Niederwildarten wie Hase, Rebhuhn oder Taube hat keinen nennenswerten, dauerhaften Einfluss, und die Jagdstrecke gibt nur darüber Auskunft, ob sich eine Wildart zahlenmäßig im Aufoder Abwind befindet. Die Ursachen dafür sind zumeist vielfältig. So spielt neben jahresbedingten klimatischen Einflüssen bei Hase und Rebhuhn vor allem die Art der landwirtschaftlichen Nutzung der Böden eine entscheidende Rolle. Wann endlich versuchen wir BUNDler mit den Jägern über Themen zu diskutieren, die es verdienen wie die Frage nach den richtigen Jagdzeiten, über Kooperationen bei Straßenbauprojekten oder der IMPRESSUM Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift des BUND und erscheint viermal im Jahr. Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.v. (BUND) Friends of the Earth Germany Redaktion: Dr. Norbert Franck (V.i.S.d.P.), Severin Zillich (C.v.D.), Am Köllnischen Park 1, Berlin, 0 30/ , Fax -4 40, net, Unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos werden sorgfältig behandelt; eine Haftung wird nicht übernommen. Gestaltung, Produktion: Claudia Gunkel (Produktionsleitung), Marc Venner (Grafik/Layout), Rudolfus Gorbach (Grundlayout) Titelbild 2/05 (9. Jg.): Red Rabbit Verlag: Natur & Umwelt Verlags-GmbH, Am Köllnischen Park 1, Berlin Mitgliederservice: 01 80/ , per Fax 0 30/ oder schriftlich an den Verlag. Bezugspreis: für Mitglieder im Beitrag enthalten; für Nichtmitglieder 15 Euro im Jahr. Bestellungen nur schriftlich per Post oder Fax. Anzeigenverwaltung: Petra Wedel und Alice- Kalina Otte, Zweiplus Medienagentur, Pallaswiesenstr. 109, Darmstadt, 06151/81270, Fax: Es gilt der Anzeigentarif Nr. 11. Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei GmbH & Co KG Papier: 100 % Recycling»100 RC gestrichen«auflage: Exemplare Spenden: Der BUND braucht für seine Arbeit über die Mitgliedsbeiträge hinaus Unterstützung. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto Nr. 232 der Sparkasse Bonn, BLZ Danke! Copyright: Alle Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck oder sonstige Verwertung nur mit schriftlicher Einwilligung des Verlages. Beilagen: Dieses BUNDmagazin enthält Beilagen von Solarmillenium und DB AG sowie (in einer Teilauflage) ComfortSchuh und Deutsche Post. Das BUNDmagazin 3/2005 erscheint am 13. August mit dem Titelthema»Artenschutz«. Der Redaktionsschluss ist am 30. Juni. 4 BUNDmagazin [2-05]

3 Siedlungsplanung? Mehr Kooperation und Verzicht auf unnötige Konfrontation auch Hase und Rebhuhn würden davon profitieren! Dr. Peter Dresen, Viernheim Ich bin Jäger und BUND-Mitglied von Anfang an. Ich habe keine Lust, mich von Ihrer Zeitung, die sonst besonnen und weitgehend objektiv formuliert ist, verleumden zu lassen. Tatsächlich kann der Jagdverband seine jährliche Jagdstrecke stolz vermelden. Die Jäger konnten Hasen mehr als im Vorjahr erlegen, weil sich die Population erholt hat. Ob dazu der BUND oder die Jäger beigetragen haben, sei dahingestellt. Sie begehen einen großen Fehler, wenn Sie die letzten Jäger aus dem BUND ekeln. Es wäre dem gemeinsamen Anliegen dienlicher, Sie würden das Wissen und die Bereitschaft vieler Jäger zur Naturschutzarbeit nutzen. Sie wissen zu gut, dass die Ökosysteme in unserer Kulturlandschaft nicht ohne das regulative Eingreifen der Jagd funktionieren. Jürgen Ebert, Engen Ich bin Pensionslandwirt und Jäger. Die Erlegungszahlen bedrücken mich sehr wie kann man heute noch auf Waldschnepfen und Rebhühner schießen? Auch ich bin ein»hasenmörder«, als Jagdpächter genehmige ich mir jedes Jahr zwei Küchenhasen, der Bestand erlaubt das schon. Ich bin nicht sicher, ob ein besseres Jagdgesetz noch zu meinen Lebzeiten kommt. Denn einflussreiche Jäger wollen es nicht! Erwin Fässler, Baindt Unser Kurztext über die alljährliche»jagdstrecke«hat ein starkes Echo ausgelöst Anlass für die Redaktion, die BUND-Position zur Novelle des Bundesjagdgesetzes im nächsten Magazin ausführlicher und differenzierter anzusprechen. Naturschutz»Aber nicht mit dem Naturschutz«möchte man Ihren Titel»So klappt es mit dem Geld«ergänzen. Warum ist in den Umweltverbänden eigentlich die Akzeptanz dafür, dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen ohne den Einsatz Ehrenamtlicher nicht ausreichend wäre, so groß? Der BUND und die anderen Umweltverbände sollten sich nicht weiter in die Rolle von Selbsthilfegruppen drängen lassen. Ich möchte nicht, dass der Schutz unserer gemeinsamen natürlichen Lebensgrundlagen (auch der von Autofahrern, Binnenschifffahrtsfunktionären und Ministern) weiterhin von unternehmerischem Sponsoring, der Geberlaune unseres Geldadels und dem Freizeitverhalten von 3,5 Millionen Mitbürgern in den Umweltverbänden abhängig ist, während volkswirtschaftlich schädliche»investitionen«aus dem Staatssäckel finanziert werden. Wenn der Staat für den Naturschutz mehr Geld benötigt, als er dafür budgetiert hat, empfehle ich einen suchenden Blick in andere Haushaltstitel. So mancher gezielte Griff allein in den Etat des Verkehrsministers wäre schon praktizierter Naturschutz. Carsten Loth, Berlin Wölfe in Deutschland Als neues BUND-Mitglied bin ich erstaunt, dass zwei Leserbriefe in den letzten Ausgaben so klar Position gegen den Wolf bezogen. Die Frage, ob Deutschland ein Lebensraum für Wölfe, Bären, Luchse und andere darstellt, sollten wir die Tiere selbst entscheiden lassen. Wenn sie den Weg zu uns von selbst finden, dann wird sich schon zeigen, ob bei uns Platz für sie ist. Das Problem ist doch wohl eher der Mensch in seinem Wahn, sich alles untertan machen zu müssen. Wir sollten endlich lernen, alles und jeden als gleichberechtigt zu betrachten. Harald Moser, Neustadt Dieser arrogante Irrglauben, als Mensch das Recht zu haben, alles Nicht-Menschliche in Wesen mit und ohne Daseinsberechtigung einteilen zu dürfen, hat die Umwelt doch dahin gebracht, wo sie jetzt ist an den Rand der Zerstörung. Jede Art hat ein Recht auf Leben und Lebensraum! Der Wolf ist ein wichtiger Indikator für ein intaktes Ökosystem und trotz»auftretender Probleme«sehr schützenswert! Ute Müller-Ickenroth Anzeige [2-05] BUNDmagazin 5

4 GLÜCKWÜNSCHE 19 Grußworte zu 30 Jahren BUND 19 Grußworte (in Auszügen) zu 30 Jahren BUND die Gratulanten alphabetisch geordnet in Bild und Text. Der BUND hat sich über die vielen guten Wünsche gefreut. Ungekürzt sind sie unter»www.bund.net«dokumentiert. Beobachten und aufklären, darin liegen die großen Stärken des BUND. Gemeinsame Anstrengungen verbinden Greenpeace und den BUND. Erfolge wie der Atomausstieg oder der Erhalt des Kellerwaldes wären für einen allein ungleich schwerer zu verwirklichen gewesen. Gemeinsam sind wir stark, und es gibt genug zu tun. Da bleibt nur zu gratulieren: Lieber BUND, Du hast Dich gut gehalten! Bleib so wie Du bist! Brigitte Behrens, Greenpeace Der BUND ist für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ein wichtiger Partner. Seit 1991 hat die DBU 33 BUND-Projekte (v.a. in der Umweltbildung) mit insgesamt über 6,6 Mio. Euro unterstützt. Der BUND stellt sich heute als starke Nichtregierungsorganisation mit guter Vernetzung und vielen ehrenamtlich Aktiven dar. Für die DBU wird er ein wichtiger Projektpartner bleiben. Herzlichen Glückwunsch! Dr. Fritz Brickwedde, DBU Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Der BUND war Vorreiter der Solarenergie, der ökologischen Steuerreform, beim Kampf gegen Gen-Food und Atomkraft. Wir Grüne fühlen uns dem BUND auch deshalb verbunden, weil in ihm so viele Menschen ehrenamtlich Umweltpolitik und Naturschutz machen. Wir waren zusammen immer dann erfolgreich, wenn wir Bündnisse geschlossen haben bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein. Lassen Sie uns dabei wieder besser werden, gerade beim Klimaschutz. Reinhard Bütikofer und Claudia Roth, Die Grünen Deutschland in den 70er Jahren war reif für den BUND, der damals wie kein anderer Umweltverband zur mutigen Stimme des wachsenden Umweltbewusstseins der Deutschen wurde. Der BUND kann stolz auf sein Wirken sein. Wir brauchen ihn heute umso mehr, als sich das krisengeschüttelte Deutschland von dringlichen Umweltthemen abwendet. Als langjähriges BUND-Mitglied und im Namen des WWF möchte ich dem BUND herzlich gratulieren. Prof. Dr. Detlev Drenckhahn, WWF Deutschland Nicht alle über 30 gehen den Weg der Anpassung. Manche sehen die Welt immer neu, erfüllen sich Jugendträume des ganz anderen Lebens, bleiben unruhig. Wie in den rebellischen 20ern rücken sie die zentralen Ungerechtigkeiten in den Mittelpunkt ihres Lebens und Arbeitens. Ich wünsche unserem BUND, sich für diesen Weg zu entscheiden. Und die globale Gerechtigkeit zugleich die wichtigste Umweltfrage ins Zentrum der Arbeit zu stellen. Sven Giegold, Attac 30 Jahre BUND zeugen von einem wachen und kritischen Blick auf umweltpolitisches Handeln. Längst hat der BUND seine Sicht über die Grenzen gerichtet: Die Sicherung der Umwelt- und Lebensqualität für die kommenden Generationen ist nur mit Blick auf die globalen Zusammenhänge möglich. Ich wünsche dem BUND einen langen Atem und ein weiterhin forsches und visionäres Arbeiten. Dr. Volker Hauff, Rat für Nachhaltige Entwicklung»Trau keinem über 30«hieß es früher. Aber die Zeiten ändern sich: Der BUND bleibt Anwalt des Vertrauens der Verbraucherinnen und Verbraucher in allen Umwelt- und Naturschutzfragen. Wir brauchen weiterhin die vorausschauende und kreative Arbeit des BUND und seiner Mitglieder. Sie haben eine Vorbildfunktion. Ich wünsche dem BUND auch für die Zukunft viele helfende Hände und kreative Ideen. Renate Künast, Bundesministerin für Verbr schutz, Ernährung und La.wi. Zu seinem 30-jährigen Bestehen gratuliere ich dem BUND persönlich und im Namen der CDU sehr herzlich. Der BUND bündelt das Engagement vieler Menschen für den Umwelt- und Naturschutz und hat sich als kritischer Wächter und Verfechter des Umweltschutzgedankens große Verdienste erworben. Trotz mitunter verschiedener Meinungen in Einzelfragen bin ich davon überzeugt, dass wir gemeinsam dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung näher kommen können. Dr. Angela Merkel, CDU Zu 30 aktiven Jahre für eine lebenswerte Zukunft gratuliere ich dem BUND als Vorsitzender der SPD besonders gerne. Die große Herausforderung unserer Zeit ist es, unser Land zu erneuern für die Zukunft. Wer Raubbau an den Grundlagen unseres Wohlstandes betreibt und dazu gehört eine intakte Umwelt, ist auf dem falschen Weg. Die Durchsetzung von Nachhaltigkeit ist eine Voraussetzung für die Globalisierung. Lassen Sie uns gemeinsam dafür streiten! Franz Müntefering, SPD Das Bischöfliche Hilfswerk Misereor arbeitet mit dem BUND erfolgreich und vertrauensvoll zusammen. So haben wir 1996 gemeinsam die Studie»Zukunftsfähiges Deutschland«herausgegeben die erste wissenschaftlich fundierte Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands. 6 BUNDmagazin [2-05]

5 Wir sind dankbar, dass sich der BUND stets auch entschieden für die Chancen der Menschen in den Entwicklungsländern eingesetzt hat. Prof. Dr. Josef Sayer, Misereor Letztes Jahr feierte die BUNDjugend ihr 20-jähriges und die BUND- Vorsitzende Angelika Zahrnt gratulierte auf unserer Jubiläumsfeier. Nun beglückwünschen wir den BUND zu 30 Jahren grenzenlosem Engagement, großer Hartnäckigkeit, Kraft und Ausdauer im Einsatz für eine nachhaltige Umweltpolitik. Wir wünschen uns eine noch engere Zusammenarbeit und sollten Synergieeffekte stärker nutzen, um unserem Ziel»die Erde retten«einen weiteren Schritt näher zu kommen. Susann Scherbarth, BUNDjugend Mit der Gründung des BUND hat sich die deutsche Umwelt- und Naturschutzbewegung eine starke Vertretung geschaffen. Der BUND hat in 30 Jahren viel für den Umwelt- und Naturschutz erreicht in der praktischen Naturschutzarbeit wie in der politischen Debatte. Vorbildlich ist die Arbeit in Jugend- und Kindergruppen, wo bereits früh ein Gefühl der Verantwortung für eine bessere Umwelt geweckt wird. Dem BUND gratuliere ich herzlich zum 30-jährigen Jubiläum! Gerhard Schröder, Bundeskanzler Umwelt- und Naturschutz, Ihr Anliegen und Auftrag, ist gelebte und praktische Schöpfungsverantwortung. Herzlichen Glückwunsch! Karl L. Schweisfurth, Vorreiter des Ökolandbaus Mehr denn je ist mir die globale Bedeutung von BUND und»friends of the Earth«bewusst geworden. Über die vielen Jahre meiner Mitgliedschaft im BUND gab es häufig mehr Spannungen als Bestätigung aber diese Kritik hat sich fast immer als hilfreich erwiesen. So bin ich froh darüber, dass vor vielen Jahren ein Antrag der BUNDjugend, mich auszuschließen, nicht angenommen wurde! Also: Weiterhin Mut und Engagement, verbunden mit dem gleichen emotionalen Einsatz wie bisher für eine intakte Umwelt! Prof. Klaus Töpfer, UN-Umweltprogramm Seit seiner Gründung hat der BUND die Umweltpolitik maßgeblich mitgeprägt. Egal, ob es um nationale oder internationale Umweltthemen geht: Mit Sachverstand und Hartnäckigkeit trifft er den Nerv derjenigen, die in der Umweltpolitik bremsen. So finden BUND-Projekte wie zu REACH oder zur Gentechnik auch im Bundestag Aufmerksamkeit. Der BUND ist ein Schrittmacher für eine umweltverträgliche Politik. Hierbei kann und muss er mehr fordern, als die Politik umsetzen kann. Ich wünsche ihm, dass er weiter so erfolgreich die Zukunft mitgestaltet. Jürgen Trittin, B umweltminister Nach 30 Jahren hat der BUND eine Vielzahl umweltpolitischer Themen erfolgreich auf die Spur gesetzt. Doch manch erzielter Fortschritt gerät in die Mühlsteine der politischen Diskussion und verliert wieder schnell seine Wirkung. Deshalb ist es notwendig, sich mit immer neuen Konzepten an der gesellschaftlichen Diskussion zu beteiligen. Hier liegt die Chance des BUND: mitzugestalten und durch bessere Alternativen zu überzeugen. Olaf Tschimpke, NABU Der BUND war und ist ein starker Fürsprecher und verlässlicher Partner beim Schutz von Natur und Umwelt. Auch nach 30 Jahren habe ich den Eindruck, dass beim BUND Menschen aktiv sind, die nicht nur Freunde der Erde sind, sondern auch Freude an der Erde haben. Ich bin ich mir sicher, dass Spaß und Begeisterung an der Arbeit und an den Dingen, für die wir eintreten, ein wesentlicher Motor für die erfolgreiche Umsetzung unserer Anliegen ist. Dem BUND wünsche ich weiterhin viel Freude an der Erde. Prof. Hartmut Vogtmann, Bundesamt für Naturschutz Der BUND hat einen wichtigen Beitrag zu vielen bedeutenden umweltpolitischen Entscheidungen geleistet, wie etwa beim Klimaschutz zum Inkrafttreten des Kyotoprotokolls. Aus der Entwicklungszusammenarbeit wissen wir, welch überragende Bedeutung eine nachhaltige Entwicklung für das Überleben der Menschheit hat. Dieses Ziel ist eine Herausforderung an uns alle. Dazu bedarf es starker, kompetenter Akteure wie der BUND einer ist. Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Seit 14 Jahren arbeiten BUND und Karstadt bei vielen gemeinsamen Projekten sehr erfolgreich zusammen. Trotz der so unterschiedlichen Tätigkeitsfelder ist eine vertrauensvolle Partnerschaft nicht nur möglich, sondern auch sehr sinnvoll. Denn das gemeinsame Ziel, die breite Öffentlichkeit für ein nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren, wird durch sich ergänzende Kooperationen wesentlich gefördert. Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Aktionen und Kampagnen. Klaus Wilmsen, Umweltschutzbeauftragter Karstadt Warenhaus AG [2-05] BUNDmagazin 7

6 Kornelia Danetzki MAGAZIN Liebe Leserin, lieber Leser, Feinstaub hat es in sich: Bis zu Menschen sterben seinetwegen allein bei uns jedes Jahr vorzeitig, so eine EU-Studie erließ die EU deshalb eine Richtlinie, mit klaren Grenzwerten und dem Datum , damit Zeit zur Umstellung bleibt. Doch die Chance, mit einer klaren Strategie die Gesundheit der Menschen zu schützen und die Lebensqualität in den Städten zu erhöhen, wurde vertan. Seit nun immer mehr Städte die Richtlinie verletzen, regieren Hektik und Hilflosigkeit. Besonders im Focus: die deutsche Autoindustrie (voran VW). Sie blockte seit 2003 steuerliche Anreize für den Einbau von Partikelfiltern in Dieselautos, die die französische Konkurrenz längst serienreif anbietet. Immerhin: Das Versagen hat auch sein Gutes: Die Presse kommentiert kundig und kritisch. Bürger sorgen sich um ihre Gesundheit. Dieselautos ohne Filter werden zu Ladenhütern. Die kommunale Verkehrspolitik wird neu gedacht von der Förderung des Radverkehrs bis zu Fahrverboten für Dieselstinker. Die deutschen Autobauer bieten nun doch noch dieses Jahr serienmäßig Filter an. Doch was tun BMW, Daimler- Chrysler, Porsche und VW in Kalifornien? Sie klagen gegen ein Gesetz, das die Treibhausgasemission von Neuwagen ab 2009 begrenzen soll. Dieselben Firmen versprechen, ihre Emissionen EU-weit bis 2008 just im gleichen Umfang zu reduzieren. Das ist pure Heuchelei und zeigt, dass Deutschlands Autobauer aus dem gegenwärtigen Imageschaden noch nichts gelernt haben. Ihre BUND-Vorsitzende Spenden für Tsunami-Opfer BUND solidarisch Mehr als Euro haben BUND-Mitglieder seit Anfang 2005 für»friends of the Earth Indonesien«gespendet. Ein deutliches Zeichen der Solidarität mit unserer Partnerorganisation, die Ende Dezember schwer von dem Tsunami getroffen wurde. Mit dem Geld hat FoE Indonesien zunächst medizinische Versorgung geleistet und GEO-Tag der Artenvielfalt Machen Sie mit! Am 11. Juni ist es wieder so weit: Der»Tag der Artenvielfalt«ruft und alle Tier- und Pflanzenkenner sind aufgefordert, ihre heimische Lebenswelt unter die Lupe zu nehmen. Das Magazin GEO lädt mit der Deutschen Umwelthilfe unter dem Motto»Natur in der Stadt«zu Expeditionen ins Freie. Vielfältig ist unsere Natur auch in den Ballungszentren, in Parks oder Grünanlagen. Der Tag der Artenvielfalt gibt Ihnen die Möglichkeit, sich einzuklinken und eigene Projekte durchzuführen. Die zentrale Aktion findet dieses Jahr im Berliner Tiergarten statt. Dort werden etwa 100 Experten systematisch alle Tier- und Pflanzenarten erfassen und ihre Ergebnisse Neue BUND-Studie Endstation Muttermilch Notunterkünfte bereitgestellt. Mittlerweile hat die Phase des langfristigen Wiederaufbaus begonnen. Für unsere Freunde steht dabei die Partizipation der lokalen Bevölkerung im Mittelpunkt. Gleichzeitig machen sie aber auch ihren Einfluss auf die nationale Regierung geltend, um sicherzustellen, dass der Wiederaufbau nachhaltig geschieht. abends mit denen aus dem Central Park in New York vergleichen, wo eine Parallelaktion stattfindet. Auch der BUND wird sich wieder beteiligen in Berlin und bundesweit. Aktionen können bis zu einer Woche vor oder nach dem 11. Juni geplant werden. Eine Vielzahl von Möglichkeiten steht zur Auswahl. Mehr dazu unter und bei Carla Vollmer (Tel / , oder Tom Müller (Tel. 040/ , Als Starthilfe gibt es Gratisbeilagen von bisherigen Aktionen, Artenposter, Ankündigungsplakate und Aufkleber. Deutschland zeigt nach wie vor die zweithöchste Dioxinbelastung der Muttermilch in Europa so die WHO im Sommer letzten Jahres. Kein Wunder, denn wir sind täglich tausenden Chemikalien ausgesetzt. Viele von ihnen sind in Plastik oder Textilien nicht fest gebunden, sie gasen aus oder werden durch Hautkontakt gelöst. Auch über die Nahrung nehmen wir Schadstoffe auf. Viele Chemikalien sind schwer abbaubar, reichern sich wie Dioxin ein Leben lang im Fettgewebe an und werden z.b. durch das Stillen weitergegeben. Gleichzeitig ist Muttermilch die erste und wichtigste Nahrung für einen Säugling und eine wesentliche Voraussetzung für seine gesunde Entwicklung. Die BUND-Studie»Endstation Muttermilch«klärt auf: Wie gelangen die Chemikalien in den Körper, wie wirken sie sich auf die Kindergesundheit aus? Und was muss das geplante EU-Chemikaliengesetz REACH leisten? Bezug und mehr Informationen unter 8 BUNDmagazin [2-05]

7 Exklusiv für BUNDmitglieder Im BUND die Schmetterlinge Schauen Sie auch auf unsere Aktionsseite Aktion nur bis retten Für alle, die jetzt Mitglied werden: Pflanz & Rank-Gutschein (Wert 30 Euro) Werden Sie jetzt Mitglied! Und Sie erhalten einen Gutschein über ein Premium-Pflanz-Set, das unser Partner FassadenGrün Sven Taraba exklusiv für neue BUNDmitglieder zusammengestellt hat. BUND-Pflanz& Rank-Weinrebe Süße Trauben aus eigener Zucht die Königliche Esther. Die pilzfeste Sorte braucht einen sonnigen Standort. BUND-Pflanz& Rank-Kletterrose Rotfassade : eine halbgefüllte, kerngesunde Kletterrose (Achtung: nur begrenzt vorrätig). BUND-Pflanz& Rank-Geißblatt Das robuste Waldgeißblatt lockt abends mit betörendem Duft auch Nachtschmetterlinge an. Rank-Set Bei allen Sets inklusive: Alles, was Sie zur Befestigung brauchen. Für Mitglieder, die Mitglieder werben: Als Dankeschön für die Werbung eines neuen BUNDmitglieds halten wir passend zur Schmetterlingsaktion drei Prämien zur Auswahl für Sie bereit. Werben Sie neue Freunde der Erde und füllen Sie den Coupon auf der folgenden Seite aus Wunsch-Prämie ankreuzen und senden an: BUND e.v., Am Köllnischen Park 1, Berlin. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.) Alle BUNDmitglieder erhalten 20% bei FassadenGrün Begrünen auch Sie Ihre Balkone, Fassaden und Gärten. Bei einem Einkauf bei FassadenGrün erhalten Sie bis zum auf alle Pflanzen und Produkte 20% Rabatt. Komplettes Sortiment im Internet: FassadenGrün: Telefon 03 41/ , bitte wenden Ich wurde geworben Ja, ich mache mich für den Natur- und Umweltschutz stark und werde jetzt BUNDmitglied. Ich wähle folgenden Jahresbeitrag: Einzelmitglied (mind. 50 e )... Familienmitgliedschaft (mind. 65 e )... Bitte senden Sie mir meinen Gutschein über 1 Pflanz & Rank-Set im Wert von 30 Euro zu! Name/Vorname Straße Wenn Sie sich für eine Familienmitgliedschaft entschieden haben, tragen Sie bitte die Namen Ihrer Familienmitglieder hier ein. Familienmitglieder unter 25 Jahren sind automatisch auch Mitglieder der BUNDjugend. Name/Geburtsdatum Name/Geburtsdatum Ja, ich zahle per Einzugsgenehmigung und spare Papier- und Verwaltungskosten, die dem Umwelt- und Naturschutz zugute kommen. Bitte ziehen Sie den Betrag ab dem bis auf Widerruf von meinem Konto ein. PLZ/Ort KontoinhaberIn Beruf Telefon Geburtsdatum Konto-Nr. Bankleitzahl Bank Datum Unterschrift (bei Minderjährigen Unterschrift des/der Erziehungsberechtigten) XM0205

8 MAGAZIN Gute Bio-Eier: nicht bei Penny Test zu Ostern Eier im Supermarkt Bei einem BUND-Test des Eier- Angebots in Supermärkten erwies sich Penny als klarer Verlierer. Der zur Rewe-Kette gehörende Discounter führt weder Bio- noch Freilandeier und wirbt intensiv mit billiger Käfigware aus quälerischer Hühnerhaltung. Sieger war HL: Der Supermarkt hat bereits vor über zehn Jahren die Käfigeier aus dem Angebot genommen und Ökoeier eingeführt. Unter den Discountern erhielt Plus ein Lob. Plus hat zum Jahresbeginn seine Käfigeier aus dem Sortiment gestrichen und wirbt nun für Bioeier ein Beitrag zu 0-DE Tier- und Umweltschutz. Die Aldigruppe schnitt im Test nur mittelmäßig ab. So hat Aldi Nord die Käfigeier ausgelistet, bietet aber keine Eier aus ökologischer Tierhaltung. Aldi Süd dagegen verkauft Bioeier, führt die Käfigware aber noch im Sortiment. Erfreulicherweise bieten heute viele Lebensmittelhändler Ökoeier an und werben auch dafür. Doch häufig sind die billigen Käfigeier auf den besten Regalplätzen zu finden, während man niederknien muss, um die guten Eier aus den unteren Etagen zu ziehen. Der BUND fordert den Handel auf, Ökoeier besser zu bewerben und besser zu platzieren. Ganz außer Konkurrenz erhielt der Naturkosthandel ein Sonderlob als Pionier beim Verkauf von Ökoeiern. Der Griff zum guten Ei erkennbar an der 0 auf dem Stempel lohnt sich für Mensch, Tier und Umwelt. Bundesweit geht der Trend weg vom Käfigei. Die Nachfrage nach Bioeiern steigt dagegen. Umfrage Schöner Radeln Wie ist das Verkehrsklima in Ihrer Stadt? Fühlen Sie sich auf dem Fahrrad sicher und komfortabel? Versucht die Stadt die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern? Um das zu erfahren, führen der Allgemeine Deutsche Fahrradclub und der BUND eine bundesweite Befragung durch. Der Fragebogen für den»fahrradklimatest 2005«kann unter verkehr heruntergeladen oder unter gleich online ausgefüllt werden. Bis Ende Juni können Sie sich an der Umfrage beteiligen. Wird Münster auch dieses Jahr seinen Spitzenplatz verteidigen? Oder wird erstmalig eine andere Stadt zum Sieger gekürt? Die Preise werden im September auf der»internationalen Fahrrad- und Motorrad- Messe«in Köln verliehen. Verbreiten Sie den Fragebogen so weit wie möglich unter BUND-Aktiven, Freunden, Bekannten und Kollegen, damit auch Ihre Stadt in die Auswertung kommt. Merja Spott, BUND-Verkehrsreferat, Reinhild Benning, BUND- Agrarexpertin, Tel. 030/ , Ich habe ein Mitglied geworben. Ich habe ein neues BUNDmitglied geworben und meine Wunschprämie angekreuzt (solange der Vorrat reicht). Name/Vorname Adresse Beruf Telefon Mitgliedsnummer Geburtsdatum Unterschrift Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich für Vereinszwecke elektronisch erfasst und ggf. durch Beauftragte des BUND e.v. auch zu vereinsbezogenen Informations- und Werbezwecken verarbeitet und genutzt. T-Shirt aus kba-baumwolle: Handgefärbte Unikate, frei von Pestiziden oder chemischen Mitteln. Erhältlich in den Größen 116/128/ 140/152/M/L/XL. Blau Gr. Gelb Gr. Schmetterlings aufzuchtset: Von der Raupe zum Schmetterling. Das Set enthält ein Terrarium mit Pflegeanleitung und einen Gutschein für 5 lebendige Raupen. Die Tagfalter Deutschlands Kompakter Naturführer mit allen außeralpinen Tagfalterarten Deutschlands, mit vielen Fotos und Übersichtstafeln zum einfachen Vergleich.

9 KURZ + GUT»Only bad news is good news«heißt es unter Medienleuten, vor allem schlechte Nachrichten erregen demnach unsere Aufmerksamkeit. Doch positive Nachrichten aus dem Umwelt- und Naturschutz tun einfach gut. Deshalb finden Sie hier kleine bunte Meldungen der letzten Zeit, über die wir uns gefreut haben. Auf Initiative des BUND wird der Abriss von Bunkeranlagen des ehemaligen Westwalls in NRW für vorerst zwei Jahre gestoppt. Das Land würdigt so die Bedeutung des Biotopverbunds in der Eifel für den Natur- und Denkmalschutz (das BUNDmagazin berichtete). Der BUND-Ehrenvorsitzende Hubert Weinzierl ist seit 9. März Präsident der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ein Amt, das bisher dem Präsidenten der Dt. Bundesbank vorbehalten war. Die DBU ist die größte Umweltstiftung Europas. Fördersumme seit 1991: über 1 Mrd. Euro. Noch nie waren so viele Menschen mit der deutschen Bahn unterwegs wie Laut»Allianz pro Schiene«einer Gründung von BUND und anderen Bahnfreunden stieg die Zahl der Zugreisenden seit 1970 kontinuierlich auf heute über 2 Milliarden pro Jahr. Und noch ein Rekördchen: Jahr für Jahr bringen die Bundesbürger mehr Altbatterien zurück letztes Jahr rund 26 % mehr als im Jahr 2000 ( statt t). Der Anteil verwerteter Batterien stieg von 33 auf 77 %. Auf dem umkämpften Lebensmittelmarkt konnten Tonnen»fair«gehandelte Produkte abgesetzt werden ein Plus von 33%. Die Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika erhielten Prämien von 1,2 Mi0 Euro, so die Initiative TransFair e.v. Ende April ist in Obrigheim endlich das älteste deutsche Atomkraftwerk vom Netz gegangen. Der 1968 erbaute Meiler soll (erst) 2023 vollständig abgerissen sein. Auf der Internationalen Tourismusbörse bekam die BUND-Reise zum Baikalsee einen»nets Award«für innovative Bahnurlaubsangebote. Den Preis verlieh eine Initiative europäischer Netzwerke für nachhaltigen Tourismus, unterstützt u. a. von der»world Tourism Organisation«. Mehr unter Elektrogeräte müssen EU-weit umweltschonender werden. Das Europaparlament beschloss Standards für Computer, Kühlschränke, Waschmaschinen etc. zu erarbeiten, um den Strom- und Wasserverbrauch pro Haushalt um ca. 100 Euro/Jahr zu senken und CO 2 zu sparen. Anzeige 17. Juli Auf zum Elbebadetag! Am 17. Juli veranstalten die Deutsche Umwelthilfe, der BUND, der Nabu und andere Flussfreunde wieder einen gemeinsamen Elbebadetag von der Quelle bis zur Mündung. Er soll für die Europäische Wasserrahmenrichtlinie und ihre Forderungen werben. Und er soll Begeisterung für die Idee wecken, Flüsse und Bäche wieder zu Lebensadern der Landschaft zu machen. Lebendige Flüsse sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen und bieten uns Menschen Erholung. Ihre Auen erfüllen wichtige Funktionen im ökologischen Hochwasserschutz. Auch wenn sich die Wasserqualität der Elbe in den letzten Jahren drastisch verbessert hat, bleibt noch viel zu tun. Der Elbebadetag wird über das bisher Erreichte informieren und deutlich machen, dass weitere Anstrengungen für einen sauberen Fluss nötig sind. Deutsche Umwelthilfe e.v., Agnes Sauter, Fritz-Reichle- Ring 4, Radolfzell, Tel / , Fax: -77, [2-05] BUNDmagazin 11

10 30 JAHRE BUND Eine der ersten Vorstandssitzungen des (damals noch:) BNUD mit (von links) Bodo Manstein, Herbert Gruhl, Hubert Weinzierl, Bernhard Grzimek und Helmut Steininger Der BUND-Vorstand mit (von links) Hubert Weinzierl, Gerhard Thielcke und Enoch zu Guttenberg zu Gast bei Bundespräsident Walter Scheel (2. v. l.). 1978» Es ist wichtiger, die vielen Klagemauern aus Beton, die das anlagesüchtige Kapital uns in die Gegend stellt, gar nicht erst entstehen zu lassen, als hinterher an ihnen zu weinen. Mut ist in dieser Anpassungsgesellschaft eine Tugend von großer Sprengkraft geworden. «(Horst Stern 1976, Festvortrag für Bund Naturschutz) 30 Jahre BUND 1977 Sonnenenergie-Ausstellung in Sasbach am Kaiserstuhl, als Frucht des erfolgreichen Widerstands gegen das unweit geplante AKW Wyhl Die erste Ausgabe der Verbandszeitschrift»N+U«mit bundesweitem Mantelteil und der höchsten Auflage ihrer Art in Deutschland Der BUND-Ehrenvorsitzende Bernhard Grzimek entlässt im Spessart eine Wildkatze in die Freiheit.» Es ist in hohem Maße unmoralisch, sich unter dem Vorwand der Entwicklungshilfe in gewachsene Strukturen anderer Völker mit unserem Zivilisationsplunder «einzuschleichen und dekadente Wohlstandsmärkte dorthin zu verlagern. (Vorstand, 1982) Der BUND setzt sich ein für eine Synthese zwischen Ökonomie und Ökologie, also für eine Überlebenspolitik. (Selbstbeschreibung 1977) Wir sind nicht gegen die Vollbeschäftigung, gleichwohl aber gegen die teuflische Lüge, dass Atomkraftwerke keine tödlichen Gefahren, sondern Arbeitsplätze bescheren. (E. zu Guttenberg 1978) 12 BUNDmagazin [1-05]

11 BUND-Delegation mit Hubert Weinzierl, Angelika Zahrnt ( von links) und Gerhard Kneitz (rechts) auf der Versammlung von»friends 0f the Earth International«in Ghana. Paul Mc Cartney hier mit BUND-Vorstand Ulrike Mehl und FoE-Partnern aus den Niederlanden widmet seine Welttournee 1989 den»friends of the Earth«. 1989»Der BUND wendet sich entschieden gegen die Versuche der Stromwirtschaft, die Atomkraft als Retter vor dem Klimakollaps hinzustellen. (Bundestagung 1990) «1989 Prinz Charles erhält in Leipzig den Umweltpreis des BUND Der erste Vorstand der BUNDjugend. 1991» Wenn Staat und Kommunen die Aufgaben übernehmen, die in den bestehenden Gesetzen festgelegt sind, löst sich der BUND noch heute auf. (G. Thielcke 1982) «Protestaktion gegen den Braunkohletagebau Garzweiler II. Die BUND-Zentrale zieht von Bonn nach Berlin mit Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm (li.) und dem Umzugsbeauftragten Michael Böl. 1995»» 2000 Über allem steht der Bundeskanzler mit einem ökologischen Analphabetismus von geradezu erregender Schlichtheit. (H. Weinzierl 1984 über Helmut Kohl) Nach der Flurbereinigung der Felder steht uns die Flurbereinigung des Lebens ins Haus. (H. Weinzierl 1987 zum Thema Gentechnologie) Archiv (11) ««[2-05] BUNDmagazin 13

12 » Drei Tugenden machen das Selbstverständnis einer erfolgreichen und selbstbewussten Umweltorganisation aus: die Symbiose von Haupt- und Ehrenamt, die «Überparteilichkeit und die finanzielle Unabhängigkeit. (H. Weinzierl 1993) 2001 Umrahmt von Angelika Zahrnt und Jürgen Trittin präsentiert Michail Gorbatschow seine Aktionärsurkunde am Grünen Band. Das Rettungsboot von BUND und Friends of the Earth macht Stimmung auf der Bonner Klimakonferenz. 2002» Wir müssen uns ändern, zu Hause, in den Schulen, in den Betrieben; gefragt sind auch Veränderungen in den Zentren der Macht und der Wirtschaft. «Diese unbequeme Botschaft bestimmt unser Handeln zum 25. Geburtstag. (A. Zahrnt, 2000) Archiv (2) 30 Jahre BUND Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland feiert am 20. Juli Geburtstag: 30 bewegte Jahre werden dann vergangen sein seit der Gründung im fränkischen Marktheidenfeld. Lesen Sie, wie der BUND allmählich zu Größe und Einfluss kam; welche Ereignisse und Themen in all den Jahren besonders prägend waren; und wo der BUND seine Zukunft sieht. Die nächsten Seiten werden von den Landesverbänden des BUND illustriert. Jedes der 16 Länder präsentiert sich mit einem Motiv, das»pars pro toto«eine wichtige Facette seiner Arbeit zeigt. 14 BUNDmagazin [2-05]

13 Jahre BUND 30 JAHRE BUND Wie der BUND erwachsen wurde: eine kleine Reise durch die Verbandsgeschichte, mit einem Akzent auf den frühen Jahren und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ende 1976 ruft Papst Paul VI.»alle Menschen guten Willens«dazu auf,»die gemeinsamen Anstrengungen in der Nutzung der Atomenergie zu vereinigen für eine bessere Welt«. Gleichzeitig befindet der Generalbevollmächtigte der RWE unter dem Eindruck der Proteste in Wyhl und Brokdorf, der Streit um die Atomenergie werde»zum Kampf zwischen denen, die diesen Staat tragen, und seinen Gegnern«. Ein Jahr zuvor war der BUND gegründet worden, und seine ersten Mitglieder durften sich durchaus angesprochen fühlen. Sechs Jahre zuvor, 1970, hatte das Europäische Naturschutzjahr vielen Menschen erstmalig die Bedrohung ihrer natürlichen Umwelt bewusst gemacht. Die Politik hatte reagiert und im Ressort des Innenministers Genscher erste umweltpolitische Aktivitäten entfaltet.* Doch 1973 läutet die Ölkrise das Ende des deutschen Wirtschaftswunders ein, in ihrem Schlepptau ein fast vergessenes Phänomen: die Arbeitslosigkeit. Aus Politik und Wirtschaft mehren sich die Stimmen, die im Umweltschutz einen Luxus für bessere Zeiten sehen, eine Wachstumsbremse, ein Hindernis für Arbeitsplätze. Als sich die deutsche Umweltbewegung 1975 nach anfangs verhaltener Zustimmung geschlossen von der Atomkraft abwendet, wird der Gegenwind schärfer. Plötzlich geraten Umweltschützer in den Ruch von Staatsfeinden und»systemveränderern«. Doch Druck erzeugt Gegendruck. Jene, die öffentlich für einen Fortschritt mit Maß und einen Schutz der Lebensgrundlagen eintreten, streben nach einem neuen Bündnis. Vorbild Bund Naturschutz Nun durfte der deutsche Naturschutz schon damals als traditionsreich gelten, mit Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert. Er hatte Naturschätze vor der Zerstörung bewahrt, dank guter Kontakte in die Amtsstuben Bauvorhaben gekippt und ehrenamtlich seltene Tiere und Pflanzen geschützt. Doch der rasanten Veränderung aller Lebensbereiche, dem sprunghaft ansteigenden Verkehr, dem Energiehunger der Wirtschaft, der flächenhaften Zersiedelung und Flurbereinigung steht er fast ohnmächtig gegenüber. Einfluss und Aktionsradius der lokal und regional organisierten Naturschützer und der in den 70er Jahren entstehenden Bürgerinitiativen bleiben begrenzt. Allein der Deutsche Naturschutzring vertritt als Dachverband in Bonn die Stimme der Umwelt, versteht sich aber mehr auf Umweltbildung als auf politische Konfrontation. Dieses Vakuum ruft 1975 einige Männer auf den Plan, die * Vor allem in der FDP (!) finden sich damals wichtige Fürsprecher einer fortschrittlichen Umweltpolitik. Baden-Württemberg Werner Kuhnle Die Landesdelegierten Der BUND Baden-Württemberg hat seit seinem Bestehen sehr viel für Natur und Umwelt im Land erreicht, viele tolle Projekte durchgeführt. Unser größter Erfolg sind die vielen Menschen, die den BUND und seine Ziele unterstützen. Unser größtes Kapital sind unsere ehren- und hauptamtlichen Aktiven, die ihre Zeit und Tatkraft, ihr Wissen und ihre Ideen, ihre Begeisterung und ihren Optimismus einbringen. Unsere Zukunft liegt darin, dass sich auch weiterhin viele Menschen für unsere Ziele einsetzen. [2-05] BUNDmagazin 15

14 30 JAHRE BUND Bayern kaum als Staatsgegner gelten konnten. Sie sind überzeugt von der Notwendigkeit einer neuen, unabhängigen Organisation, die auf Bundesebene unerschrocken die immer komplexeren Umweltprobleme angeht. Als organisatorisches Vorbild und wichtiger Motor eines Bundesverbands dient der Bund Naturschutz in Bayern. Der»BN«, Gründungsjahr 1913 und im Süden fest verankert, ist damals dabei sich politisch zu emanzipieren. Vorbei sind die Zeiten, da man sich im bayerischen Innenministerium traf und Landesminister im Vereinsblatt seitenlang ihre Sicht der Dinge ausbreiteten; vorbei»die Zeit des Schmusekurses, des friedlichen Nistkastenbauens«(Hubert Weinzierl). Mit einem flächendeckenden Netz von Kreisgruppen und offensiver Mitgliederwerbung erweitert der BN seinen Spielraum als unabhängige Stimme der Natur in Bayern und erfährt doch schmerzhaft die Grenzen seines Einflusses. Denn der Widerstand gegen den Wildwuchs der Autobahnen, gegen Rhein-Main-Donau-Kanal, Flurbereinigung und Atomkraft dieser Widerstand muss sich v.a. auf Bonn richten, will er erfolgreich sein. Die Strategen des BN werden zu wichtigen Paten des BUND. Andere Vorreiter der Umweltbewegung teilen ihre Einsicht. So kommt es 1975 zu mehreren Treffen prominenter Natur- und Umweltschützer, darunter Bernhard Grzimek, Robert Jungk, Bodo Manstein, Horst Stern, Frederic Vester und Hubert Weinzierl. Sie münden am 7. Mai in die vorläufige Gründung des»deutschen Bundes für Natur- und Umweltschutz«(BNUD) unter Vorsitz von Prof. Grzimek. Am 20. Juli gründet sich der BNUD gleich noch einmal was heute als offizieller Geburtstermin gilt. 21 Männer und eine Frau wählen den Mediziner Bodo Manstein zum Vorsitzenden. Der wiederum macht schon am 4. November für den CDU-Abgeordneten Herbert Gruhl Platz; Gruhls Stellvertreter: Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl. Im Vorstand außerdem: Bodo Manstein, Frederic Vester und Enoch zu Guttenberg. Das Fundament des neuen Verbandes bilden neben dem Bund Naturschutz Landesverbände in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Saarland, alle entstanden nach dem bayerischen Modell. Sendungsbewusstsein Gruhl, als Buchautor (»Ein Planet wird geplündert«) zu einiger Berühmtheit gelangt und in der CDU isoliert, will den BNUD zu einer neuen Partei umfunktionieren. Doch seine Vorstandskollegen entscheiden sich für die Überparteilichkeit. So kommt es 1977 zum Zerwürfnis: Gruhl geht im Zorn, kopiert die Mitgliederdatei und ruft dazu auf, ihm zu folgen. Der neu gewählte Vorstand, mit dem Vorsitzenden Gerhard Thielcke sowie Grzimek, Guttenberg und Weinzierl, sollte den BUND (wie er seit Ende 1976 heißt) für viele Jahre prägen. Die Gründungsväter Frauen rücken erst zehn Jahre später in den Vorstand eint die Sorge um die Zukunft, um den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Und ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein, mitsamt der sprachlichen Mittel, ihr Anliegen öffentlich zu machen. Nicht nur Gruhl, auch Manstein (»Atomares Dilemma«), Grzimek (»Serengeti darf nicht sterben«), Thielcke (»Rettet die Vögel«) und Weinzierl (»Das große Sterben«) schreiben populäre Bücher. Die Kommentare des Vorstands über viele Jahre gemeinsam verfasst sind noch heute eine lohnende Lektüre. In jeder»natur und Umwelt«(Vorläufer des BUNDmagazins) meldet er sich zu Wort und wie: Welch wortgewaltiger Impetus, welch zuweilen strenges und doch zeitloses Urteil! Sicher, die Zeiten waren danach, selbst ökologisches Grundwissen war ja kaum verbreitet. Die Spitze des BUND weiß sich jedenfalls mitzuteilen, egal ob sie eine neue Energiepolitik fordert, das Verbot von Umweltgiften oder eine Debatte zu»ökologie und Christentum«.»Die Wahrheit ist auf unserer Seite«so betitelt nicht von ungefähr Rainer Pöhlmann Initiator der Nationalparke Zu den größten Erfolgen in der jüngeren Geschichte des Bund Naturschutz gehört die Errichtung der Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgadener Land. Der BN war unter Führung von Hubert Weinzierl (Vorsitzender , hier an einer Skulptur des Nationalparks im Bay. Wald) die treibende Kraft für die Ausweisung dieser einmaligen und jeweils über Hektar großen naturnahen Landschaften zum Nationalpark. Beide Parke zählen mit ihrer vielfältigen Fauna und Flora heute zu den größten Schutzgebieten Deutschlands mit internationaler Anerkennung. 16 BUNDmagazin [2-05]

15 Berlin Timo Gertler Mehr»Grün«für Berlin Verkehrspolitik für mehr Lebensqualität ist schon lange ein Hauptthema des BUND Berlin. Ein gerichtlich erstrittenes nächtliches LKW-Fahrverbot diente als Signal für Anwohner verlärmter Straßen. Seit 2002 kümmert sich der BUND um das Problem Feinstaub. Sein Einsatz führte zur bundesweit ersten Umweltzone im Luftreinhalteplan Berlins. Von links: Merja Spott und Gabi Jung (AK Verkehr), Arne Koerdt (AK-Sprecher), Prof. Harald Kächele (Landesvorsitzender) und Annette Nawrath (Stellvertreterin). der junge Konzertdirigent, aktive Katholik und BUND- Vorstand Enoch zu Guttenberg 1979 einen Festvortrag. Bei aller Theorie darf das Naturerlebnis nicht zu kurz kommen. Ab 1978 bietet der BUND exklusive»reisen für Naturfreunde«an. Man besucht deutsche und europäische Nationalparke und organisiert zwei Safaris mit Bernhard Grzimek nach Tansania, die schnell ausgebucht sind. Auch in den»wilden Westen«und zum Amazonas reist der BUND, begleitet von Vorstandsprominenz. Erst als die Klimafolgen des Fliegens bewusster werden, verlagert sich das Angebot ganz auf die Bahn. Ein Anliegen wird öffentlich Die Kritik am blinden Wachstumskurs von Politik und Wirtschaft ist schon in den Anfangsjahren ein Dauerbrenner:»Auf einem begrenzten Planeten gibt es kein unbegrenztes Wachstum«an diese schlichte Wahrheit erinnert Konrad Lorenz als Sprecher der dem BUND nahe stehenden»gruppe Ökologie«bereits Doch innerverbandlich setzt der junge BUND alles daran, seine Mitgliederzahl rasch zu erhöhen. Eine Vielzahl von Aktionen hilft ihm bekannt zu werden: Großkundgebungen wie die im überfüllten Münchner Löwenbräukeller, wo Weinzierl und Gruhl 1976 unter dem Motto»Verkehrspolitik am Scheideweg«gegen die geplante Streckenstilllegung der Bahn sprechen; Kampagnen für den Naturschutz wie»rettet die Vögel«(seit 1978); oder Publikumserfolge wie die Stuttgarter Sonnenenergie-Ausstellung, die bis dato größte BUND- Aktion. Sie lockt im Sommer Besucher an immerhin 250 treten spontan dem BUND bei. Vorläufer waren die»sonnentage«in Sasbach am Kaiserstuhl, einem Nachbarort von Wyhl. Hier begründete der BUND 1976 die erste deutsche Umweltmesse. Nachfolgerin ist die vom BUND stark geförderte Öko-Messe (in Freiburg und andernorts), die sich in den 80ern zur größten Umweltmesse Europas entwickelt. Für Öffentlichkeit sorgt auch die Bodo-Manstein- Medaille, die der BUND zum Gedenken an seinen 1977 verstorbenen Gründungsvorsitzenden verleiht. Erster Preisträger ist 1980 der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Hans Christoph Binswanger. Zudem lobt der BUND einen Journalistenpreis aus. Den ersten»grünen Zweig«erhalten 1982 Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt. Ausgezeichnet werden später auch die Redakteure der TV-Umweltsendung»Globus«. In einer langjährigen Kooperation mit der ARD versendet der BUND Begleitmaterial zu der beliebten Sendereihe. In den 90ern wird daraus ein anspruchsvolles Umweltmagazin mit vier hauptamtlichen Mitarbeitern, zehn Ausgaben pro Jahr und Heften Auflage. In den 80er Jahren gewinnt der BUND stetig an Größe und Einfluss. Kein Wunder, bewahrheiten sich doch viele Warnungen der Ökologen auf erschreckende Weise. Beispiel Atomkraft: Im März 1979 schrammt ein Reaktor nahe der US-Stadt Harrisburg nur knapp an der Kernschmelze vorbei. Trotzdem geht in Deutschland begleitet von wachsenden Protesten fast jedes Jahr ein neuer Meiler ans Netz. Den Höhepunkt der Auseinandersetzung markiert ab 1985 der Kampf um die Wiederaufbereitungsanlage im bayerischen Wackersdorf. Das als Begriff bewusst verharmlosende»restrisiko«der Atomkraft erfährt mit dem Reaktorunfall in Tschernobyl (April 1986) eine katastrophale Dimension. Erst 1989 führt der langjährige Widerstand des BUND mit zum Aus der»waa«. Weitsicht beweist auch der Bund Naturschutz, als er 1972 (!) den Begriff»Waldsterben«prägt. Was als»rätsel- [2-05] BUNDmagazin 17

16 30 JAHRE BUND Einsatz an der Spree Vor den Toren Berlins liegt bei Schöneiche der»kleine Spreewaldpark«. Hier renaturiert der BUND Brandenburg eine Auen- und Kanallandschaft, die als Symbiose von Kunst und Natur der Erholung und dem Naturerlebnis dient. Ein»Pfad der Sinne«und ein Kräutergarten zählen zu den Highlights des Naturlehrpfades, der an über 20 Biotoptypen des artenreichen Parks vorbeiführt ein faszinierendes Wechselspiel feuchter und trockener Lebensräume. Brandenburg Wolfgang Cajar hafte«tannenkrankheit in den 70er Jahren beginnt, weitet sich ab 1981 zu einem flächenhaften Siechtum erst der Nadelwälder, später auch der Eichen und Buchen aus beginnt der BUND eine langfristige Schwerpunktkampagne. Seine Experten weisen auf die Ursachen des Waldsterbens hin. Sie fordern die anfangs sehr zögerliche Politik vehement zum Handeln auf und verklagen die Bundesrepublik auf Schadenersatz. Wie präsent der Umwelt- und Verbraucherschutz ist, zeigen die Worte des Jahres 1984: Umweltauto, 1985: Glykol und 1986: Tschernobyl. Breites Themenspektrum Der BUND macht mobil: Gegen den Bau des Rhein- Main-Donau-Kanals sammelt er 1982/83 über Unterschriften bis dahin beispiellos in der deutschen Umweltgeschichte, doch leider ohne Erfolg. An der Aktion»Auch Tiere wollen leben«(mit dem Dt. Sparkassenverband) nimmt 1985 eine Million Schüler teil. Und mit einer Kampagne gegen den»verpackungsterror«werben im gleichen Jahr 600 BUND-Gruppen für»mehrweg«. Drei Beispiele, die zeigen, wie breit das Themenspektrum des BUND ist. Als fachliches Rückgrat gründet sich ein Arbeitskreis nach dem anderen. Kein deutscher Umweltverband widmet sich einer solchen Bandbreite von Umweltaspekten und das gilt bis heute: Unter dem Dach des»wissenschaftlichen Beirats«formulieren ehrenamtliche Experten in 20 AKs das inhaltliche Fundament der BUND-Lobbyarbeit. Auch sonst steht der BUND auf immer festeren Füßen. Seit der Gründung des Landesverbandes Hamburg im September 1981 ist er in Deutschland (West) flächendeckend vertreten übernimmt Hubert Weinzierl den Vorsitz (und wird ihn bis 1998 innehaben); aus Mitgliedern werden bis Mitglieder betritt die BUNDjugend selbstbewusst die Bühne. Zwei Jahre darauf wird Ulrike Mehl stellvertretende BUND-Vorsitzende; 1989 gelangt Angelika Zahrnt als zweite Frau in den Vorstand. Mit dem Tod Bernhard Grzimeks am 13. März 1987 verliert der BUND einen seiner charismatischsten Gründer und seinen ersten Ehrenvorsitzenden. Die 80er Jahre verabschieden sich mit zwei wichtigen Zäsuren. Im Herbst 1989 wird der BUND Mitglied des globalen Netzwerks»Friends of the Earth«. Es ist der logische Schlusspunkt einer Entwicklung, die den BUND in den Jahren zuvor immer öfter über Deutschlands Grenzen schauen ließ. Ob Umweltgifte wie Dioxin, DDT oder Atrazin, die Verschmutzung der Nordund Ostsee oder der saure Regen mit der schleichenden Globalisierung der Wirtschaft bekommt auch die Naturzerstörung eine internationale Dimension. Der BUND reagiert früh erhält der Brasilianer José Lutzenberger den Bodo-Manstein-Preis für seinen Kampf um die Regenwälder am Amazonas fragt der BUND-Vorstand in einem Kommentar:»Wie kann die Dritte-Welt-Ausbeutung wirkungsvoll bekämpft werden?«nach Antworten sucht der»arbeitskreis für internationale Umweltfragen«, der im gleichen Jahr die Arbeit aufnimmt lädt der BUND zweimal nichtstaatliche Umweltschützer aus dem Ausland ein und verabschiedet gemeinsame Deklarationen gegen die Luftverschmutzung startet der BUND ein erstes Auslandsprojekt zur Rettung der wertvollen Save-Auen im heutigen Kroatien. Im Europäischen Umweltjahr 1987 gehört der BUND zu den Mitbegründern der»stif- 18 BUNDmagazin [2-05]

17 tung Europäisches Naturerbe«, die heute in 25 Ländern für den Schutz großflächiger Lebensräume kämpft. Bevor aber der frisch gebackene»freund der Erde«richtig loslegen kann, stellt der plötzliche Mauerfall den BUND vor neue Herausforderungen. Aufbau Ost Licht und Schatten bringt die deutsche Wiedervereinigung. Die stellenweise horrende Umweltverschmutzung im Osten Beispiel Bitterfeld wird überstrahlt vom Glanz der in letzter Minute geschaffenen Großschutzgebiete. Hier haben sie überlebt, die Kraniche und Großtrappen, die See- und Schreiadler, die Biber und Fischotter! Einer, der damals für die Ostgrünen in der Volkskammer sitzt und das»nationalparkprogramm der DDR«mit auf den Weg bringt, ist Ernst-Paul Dörfler, heute Leiter des BUND-Elbeprojekts. Wer wollte sich nicht freuen, dass in einem historischen Augenblick viele der wertvollsten deutschen Naturlandschaften langfristig gesichert werden? Und mit der Demokratisierung auch Umwelt- und Naturschützer endlich ohne Angst vor staatlicher Repression aktiv sein können? Doch der BUND ist mit den Schattenseiten des westdeutschen Wohlstandsmodells zu vertraut, um dessen Siegeszug im Osten nicht mit Sorge zu verfolgen. Zum Glück gibt es in den neuen Ländern Verbündete. Erste Kontakte waren schon vor der Wende geknüpft worden. So hatte eine BUND- Delegation im Frühjahr 1987 die DDR besucht; im Sommer 1988 kam es zum Gegenbesuch der»gesellschaft für Natur und Umwelt der DDR«ein»deutschdeutscher Meilenstein«, wie es damals hieß. Nach der Grenzöffnung überstürzen sich die Ereignisse. Noch im November 1989 wird die visionäre Idee eines»grünen Bandes«an der innerdeutschen Grenze geboren. Binnen weniger Monate entstehen 1990 fünf neue BUND-Landesverbände dank der Initiative wichtiger Teile der DDR-Umweltbewegung. Und in Berlin richtet der BUND eine Dependance für die neuen Länder ein, beschäftigt einen»osteuropa-referenten«und verlegt zehn Jahre später als erster großer Umweltverband seine Zentrale in die neue Hauptstadt. Der»Aufbau Ost«bleibt in den 90ern ein beherrschendes Thema. Probleme wie Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit bannen zunehmend die öffentliche Wahrnehmung.»Die satten Zeiten sind vorbei«resümiert Hubert Weinzierl zur Jahreswende 91/92. Der Umweltschutz rückt ein wenig aus den Schlagzeilen. Einige Themen haben wirklich an Brisanz verloren: Luft und Wasser sind eindeutig sauberer als in den 70ern. Andere sind chronisch geworden wie Atomrisiko, Massentierhaltung, Waldsterben etc. Sie beschäftigen den BUND unverändert, sind aber nicht mehr»neu«und daher öffentlich schwerer zu vermitteln. Wieder andere schaffen es nach wie vor auf die Titelseiten. So hat das Thema»Abfall«mit dem Einstieg ins»duale System«viele Jahre Hochkonjunktur. Weil es einseitig auf Recycling statt Müllvermeidung setzt, ruft der BUND 1992 alle Bürger und Kommunen zum Boykott auf. Ab Mitte der 90er sorgt dann die ökologische Steuerreform für Wirbel. Sie wird für den BUND zur»schlüsselfrage für ein umweltgerechtes Wirtschaften«(Angelika Zahrnt), zur»großen Herausforderung des Jahrzehnts«. Die Reform soll u. a. Anreize für das Energiesparen schaffen als Beitrag zum Klimaschutz, der zunehmend ein Politikum wird. Bremen Erneuerbare Energie Der BUND Bremen setzt auf regenerative Energie. Die neue Fotovoltaikanlage auf dem Dach des städtischen Recyclinghofes ist bereits das dritte Sonnenkraftwerk des Landesverbands. Über die Einweihung freuen sich u. a. Bremens Umweltsenator Jens Eckhoff (hinten), der BUND-Landesvorsitzende Helmut Horn (mitte) und der Leiter des Recyclinghofes, BUND-Vorstandsmitglied Klaus Prietzel (vorne). swb Enordia/Scheitz [2-05] BUNDmagazin 19

18 30 JAHRE BUND P. S. Viele Konzepte und Aktionen, die den BUND seither beschäftigt haben, leiten sich von der Studie»Zukunftsfähiges D.«ab und werden manchen Leser(inne)n noch erinnerlich sein. Diese jüngere BUND-Geschichte soll künftigen Chroniken vorbehalten bleiben. Bei aller Beschäftigung mit den Umweltproblemen der Zeit bleibt der Naturschutz übrigens immer eine Säule der BUND-Arbeit. Vor allem aus den 2000 Kreisund Ortsgruppen ist der praktische Einsatz für die heimische Tier- und Pflanzenwelt nicht wegzudenken. Auf Bundesebene beschäftigt den BUND vor allem die Gesetzgebung vom ersten Bundesnaturschutzgesetz 1976 (»höchst bescheidenes Ergebnis«) bis zur eng begleiteten Neufassung im Jahr Und für die Werbung neuer Mitglieder und Spenden bleibt die Rettung bedrohter Natur zu allen Zeiten ein zentrales Motiv. Der BUND gewinnt weiter an Mitgliedern und sucht nach neuen Wegen, seine Ziele zu erreichen. Ein spannendes Kapitel sind die Wirtschaftskooperationen, die der BUND Anfang der 90er»zur Probe«eingeht schließt der BUND einen Partnervertrag mit dem Kaufhauskonzern Hertie. Als»grüner Lotse«will der BUND das»containerschiff«hertie auf einen umweltfreundlicheren Kurs bringen, so lautet die Botschaft. Es entstehen Ratgeber wie»garten ohne Gift«,»Müllfreies neues Schuljahr«oder»Verpackt und zugeklebt«. Im Sortiment werden umweltschädliche Produkte ausgetauscht. Hertie büßt anfangs Umsatz ein, kann seine Kunden aber dann von den neuen Marken überzeugen. Ein anderes Beispiel: Mit der Brauerei Alpirsbacher entwickelt der BUND 1993 einen Bierkasten, der»stapelbar, recycelbar und überall nachfüllbar«ist was der Umwelt nützt und zudem so viele Medien interessiert wie keine andere BUND-Aktion in jenem Jahr Trotz dieser Erfolge bleiben die Kooperationen für viele im BUND ein rotes Tuch. Setzt der BUND hier nicht leichtfertig seine Unabhängigkeit aufs Spiel? Nach erregten Diskussionen wird der Rahmen für künftige Kooperationen 1995 eng gefasst. Studie für die Zukunft Eine entscheidende Wegmarke setzt der BUND schließlich Auf Initiative von Angelika Zahrnt die 1998 neue BUND-Vorsitzende wird beauftragt der BUND gemeinsam mit dem katholischen Hilfswerk Misereor das»wuppertal Institut«, Handlungsvorschläge und Visionen für ein»verantwortbares Leben in einer begrenzten Welt«zu sammeln. Das Ergebnis liegt 1995 vor: die Studie»Zukunftsfähiges Deutschland ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung«. Ihre unverändert gültige Kernaussage: Wirtschaften und leben wir weiter wie bisher, vernichten wir früher oder später unsere Lebensgrundlage. Das wusste zwar schon die Gründergeneration des BUND. Erstmals aber benennt die Studie, in welchem Umfang die Deutschen Energie sparen und ihren Ressourcenverbrauch senken müssen, und wie groß dabei die Verantwortung jedes Einzelnen ist. Sie gibt der Debatte um einen nachhaltigen Lebensstil und eine verantwortungsbewusste Politik lange Jahre wichtige Impulse. Sie entlarvt das zur Zeit wieder allgegenwärtige Mantra des ewigen und allein selig machenden Wachstums als das, was es immer schon gewesen ist: irreal und unverantwortlich. Und sie leistet der Selbstverständigung des BUND noch im 30. Jahr seines Bestehens wertvolle Dienste. Der BUND selbst hat sich damit zukunftsfähig gemacht. Gibt es dafür einen besseren Beweis als den runden Geburtstag, den er dieser Tage feiern kann, bei bester Gesundheit und unverbrauchter Einsatzfreude? Severin Zillich Hamburg Henning Retzlaff Haus der BUNDten Natur 1995 gab die Mitgliederversammlung des BUND Hamburg den Auftrag, die Umweltarbeit mit Kindern und Jugendlichen zu fördern. Dank dem Einsatz der damaligen Vorsitzenden Jutta Becher, der Pädagogin Monika Walensky und des Ex-Schatzmeisters Dr. Joachim Horn (v. l. n. r.) erwarb der BUND mit Mitteln der HEW-Umweltstiftung ein reetgedecktes Häuschen im Stadtteil Eppendorf. Seit 1996 steht es für die Jugendarbeit offen. Viele neue Kindergruppen entstanden. Und 2001 übernahm der BUND auch die Trägerschaft für das deutlich größere Hamburger Umweltzentrum in Bramfeld. 20 BUNDmagazin [2-05]

19 Partner des BUNDservice Der BUNDservice empfiehlt die RheinLand Versicherungen besonders, weil sie umweltbewusstes Verhalten und Fahren durch günstige Tarife und Sonderrabatte belohnen. Abschluss und Beratungs-Service Tel Fax Mo Fr Uhr Sa Uhr rheinland-versicherungen.de Ihre Privathaftpflicht-Versicherung Überlassen Sie nichts dem Schicksal Die Privathaftpflicht-Versicherung ist eine der wichtigsten privaten Absicherungen, auf die niemand verzichten sollte. Denn nur eine kleine Unachtsamkeit reicht aus, um unbeabsichtigt einem Dritten einen Schaden (Sach-, Personen und Vermögensschaden) zuzufügen. Die Privathaftpflicht-Versicherung für BUNDmitglieder springt ein, wenn jemand Schadenersatzforderungen an Sie stellt. Sie gleicht berechtigte Forderungen aus und wehrt unberechtigte Ansprüche ab. Fordern Sie ein unverbindliches Angebot an gerne auch zu den anderen speziellen Produkten für BUNDmitglieder. JA, schicken Sie mir ein Angebot zur günstigen Privathaftpflicht-Versicherung exklusiv für BUNDmitglieder: Versicherungssumme 3 Mio 5 Mio Ich möchte auch Informationen zu den anderen günstigen Angeboten für BUNDmitglieder. Name Vorname Straße, Hausnummer PLZ, Wohnort Telefonnummer BUNDservice Natur & Umwelt GmbH Am Köllnischen Park Berlin BUNDservice Natur & Umwelt GmbH Am Köllnischen Park Berlin

20 30 JAHRE BUND Naturschutzgebiet statt Schnellstraße In den 80er Jahren schien das Ende des Tälchens»In der Erbach«im Odenwald bereits besiegelt. Geplant war eine Schnellstraße quer durch die Bildmitte. Doch es kam anders. Mit einer Reihe von Landwirten zog der BUND vor ein Gericht, das die Pläne stoppte. Im Rahmen von Vergleichsverhandlungen wurde vereinbart, das Tälchen als Naturschutzgebiet auszuweisen. Von links: Gerhard Wagner (einer der betroffenen Landwirte) mit Noel Stanton und Wolf Preißner vom BUND Mörlenbach sowie Herwig Winter, Vorstandssprecher des BUND Hessen. Hessen BUND/Winter Widerstand Der Bauzaun im Kopf Die Diskussion um die Atomenergie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Umweltbewegung. Infolge der geschickten Verschleierungstaktik der»atomgemeinde«formierte sich erst Anfang der 70er Jahre ein kompromissloser Widerstand. Einen Scheitelpunkt der Auseinandersetzung markieren die Ereignisse rund um die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Der Freistaat Bayern, der als Protagonist von Kernenergie und Atompolitik galt, wurde dank dem ersten Bundesatomminister Franz Josef Strauß (und unter Federführung des Siemens-Konzerns) schon Ende der 50er Jahre zum Zentrum der Auseinandersetzungen. Der Standort Ohu bei Landshut war im Süden ein Symbol, wie Brokdorf es im Norden war ging der Atommeiler von Gundremmingen, 1977 der von Ohu ans Netz, und Anfang 1981 arbeiteten in der Bundesrepublik bereits zehn Kernkraftwerke. Die bis heute ungelöste Endlagerfrage für abgebrannte Kernbrennstäbe zwingt die Regierung Kohl am 23. Januar 1985 zu dem Beschluss, eine Wiederaufarbeitungsanlage zu errichten. Dies löst beim BUND und einer breiten Front von Bürgerinitiativen»einen bundesweiten Großalarm gegen den Nuklearfaschismus«aus. Franz Josef Strauß und seine Scharfmacher setzen auf die Staatsgewalt und verwandeln die Oberpfalz als potenziellen WAA-Standort in ein Heerlager von Polizei und Bundesgrenzschutz. Aber der BUND setzt mit Bürgerinitiativen, kirchlichen Gruppen und Kommunen auf fröhlichen und kreativen Widerstand. Alle christlichen Hochfeste wie Weihnachten, Aschermittwoch, Ostern, Fronleichnam, Pfingsten oder Silvester werden von da an am Bauzaun von Wackersdorf gefeiert. Am 6. März 1986 greift der Konflikt über die Staatsgrenzen: Das österreichische Bundesland Salzburg schließt sich dem Widerstand an. Einem Widerstand, der zur Überraschung der CSU nicht von»chaoten«, sondern von Rentnern, Frauen, Kindern und wertkonservativen Einheimischen getragen wird. Die Staatsmacht beginnt sich zunehmend lächerlich zu machen. So hängt die bayerische Staatsregierung dem Landrat Hans Schuierer eine Dienstaufsichtsbeschwerde an, weil er an einer»nicht genehmigten Demonstration«im Taxöldener Forst teilgenommen habe an der Feier zu meinem 50. Geburtstag. Die Geburtstagstorte ist die wohl bestbewachte der Geschichte: zwei Polizeifahrzeuge rahmen sie ein. Die Schlachten am Bauzaun werden zu Ostern und Pfingsten 1986 immer heftiger. Im Juni kommt es zu 22 BUNDmagazin [2-05]

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