Diplomarbeit. Feature Interaction Management für VoIP Dienste

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1 Diplomarbeit Feature Interaction Management für VoIP Dienste Franz-Josef Fink März 2005 Betreuer: Prof. Dr. Paul Müller Ge Zhang Dipl.-Inform. Markus Hillenbrand Fachbereich Informatik AG Integrierte Kommunikationssysteme Universität Kaiserslautern Postfach Kaiserslautern

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3 Ich versichere, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet habe. Kaiserslautern, (Franz-Josef Fink)

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5 Abstract Durch die schnelle Entwicklung neuer Technologien im Telekommunikationsmarkt, besonders vorangetrieben durch die Liberalisierung der Märkte, ist das Anbieten von zusätzlichen Fähigkeiten und Merkmalen, so genannten Features, besonders wichtig geworden. Wenn solche Features aufeinander einwirken, kann es zu unbeabsichtigten Nebeneffekten und sogar zu Fehlfunktionen kommen. Bei unzähligen verschiedenen Features auch unterschiedlicher Anbieter ist es eine schwierige Aufgabe, dieses Feature Interaction-Problem zu vermeiden oder zu behandeln. Schon seit vielen Jahren wird auf diesem Gebiet für die klassischen Telefonnetze geforscht, ohne eine befriedigende Lösung gefunden zu haben. Diese Arbeit beschäftigt sich mit Möglichkeiten, Feature Interaction in modernen Voice over Internet Protokoll Systemen besser beherrschbar zu machen. Dabei lassen sich auch die bisherigen Forschungsergebnisse aus dem Gebiet der klassischen Telefonnetze übertragen. Auf dieser Basis wird eine neue auf Web Service-basierte Architektur vorgestellt, um Feature Interactions in VoIP zu behandeln.

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7 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Kapitel 1 Einleitung...9 Kapitel 2 Klassische Telekommunikation Historie Features Feature Interaction Lösungsansätze...26 Kapitel 3 Feature Interaction in VoIP VoIP VoIP Features Internet als Plattform Strategien zur Behandlung von Feature Interaktion in VoIP...42 Kapitel 4 Feature Interaction Management Anforderungsanalyse Grundlagen für den Entwurf Architektur des Feature Interaction Managers...50 Kapitel 5 Realisierung des FIM Projekt Venice Voraussetzungen für die Implementierung des FIM Umsetzung des FIM Bewertung...85 Kapitel 6 Zusammenfassung...87 Kapitel 7 Ausblick...89 Abkürzungen...91 Literaturverzeichnis...95 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis...101

8 8 Einleitung

9 Einleitung 9 Kapitel 1 Einleitung Die heutige Telekommunikation besteht nicht nur aus einem Basisdienst zur Sprachübertragung, sondern es gibt auch eine Vielzahl neuer zusätzlicher Fähigkeiten, um das Telefonieren komfortabler zu gestalten und um neue Möglichkeiten zu eröffnen. Solche Leistungsmerkmale werden als Features bezeichnet. Technologien, wie Mobil- und ISDN-Telefone, und die Liberalisierung der Märkte haben solche Entwicklungen vorangetrieben. Das Anbieten von zusätzlichen Fähigkeiten und Merkmalen ist essentiell geworden, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn nun aber mehrere Features aufeinander einwirken, kann es zu unbeabsichtigten Nebeneffekten und sogar zu Fehlfunktionen kommen. Derartige Wechselwirkungen werden Feature Interactions genannt. Da hunderte verschiedene Features existieren, die manchmal auch von unterschiedlichen Anbietern stammen, besteht das Hauptproblem darin, alle diese Feature Interactions zu erfassen und schädliche Interactions zu behandeln. Obwohl schon seit vielen Jahren auf diesem Gebiet im Bereich der klassischen Telefonie geforscht wird, wurde bislang noch keine befriedigende Lösungsstrategie gefunden. Das liegt hauptsächlich an der Komplexität des Problems. Es gibt Unmengen verschiedener Arten von Features, und es werden ebenso in der Zukunft immer wieder neue entwickelt werden. Jedes Feature kann dabei mit jedem in Beziehung stehen und genauso sind Nebeneffekte zwischen drei und mehr Features möglich - auch wenn diese sich sonst unproblematisch verhalten. Dabei sind nicht alle Feature Interactions negativ zu sehen. Manche sind durchaus erwünscht oder wenigstens tolerierbar. Andere sind sogar notwendig. Bei den unerwünschten Interactions kann es auch auf die Verhaltenserwartung des Benutzers ankommen. Denn ein Verhalten, das dem Einen gefällt, missfällt dem Anderen. In solchen Fällen kann es gegebenenfalls zu Interessenkonflikten kommen. Feature Interactions treten jedoch nicht nur in der klassischen Telekommunikation auf. Ebenso in anderen Gebieten, wie z.b. der Computersoftware und dem Internet werden mehr und mehr Zusatzleistungen und Features angeboten. Internettelefonie ist ein neues Gebiet, in dem Feature Interaction eine bedeutende Rolle spielen wird. Es ist vorteilhaft, nicht wie bei der klassischen Telefonie wieder von vorne anzufangen, sondern schon zu Beginn der Entwicklung neuer Systeme das Problem der Feature Interaction zu beachten. Diese Arbeit beschäftigt sich damit, wie Feature Interaction in modernen Voice over IP Systemen beherrschbar gemacht werden kann. Dabei werden zuerst die bisherigen Forschungsergebnisse aus dem Gebiet der klassischen Telefonnetze analysiert und in das neue Gebiet übertragen. Dann werden Problemvermeidungstrategien und Managementmethoden im Bereich der Internettelefonie vorgeschlagen.

10 10 Einleitung Die erste Hälfte der Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen, dem bisherigen Stand der Forschung und verwandten Forschungsprojekten. Dazu werden in Kapitel zwei zunächst die geschichtlichen Hintergründe der Telefonie dargelegt. Anhand der theoretischen Grundlagen wird ein Überblick über den Themenbereich gegeben. Hierzu wird das Problem der Feature Interaction, auch mit Hilfe von verschiedenen Beispielen, näher erläutert. Dann werden bisherige Lösungsansätze und Herangehensweisen vorgestellt, bewertet und in den Zusammenhang mit dieser Arbeit gebracht. Denn im dritten Kapitel wird in die Technologie der Internettelefonie eingeführt und das Feature Interaction-Problem analysiert. Dazu wird es mit dem Problem im klassischen Telefonnetz verglichen, und neue Lösungsvorschläge werden diskutiert. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Architektur des Web Service-basierten Feature Interaction Managers präsentiert. Dazu wird dessen Entwurf in Kapitel vier dargestellt und in Kapitel fünf dessen Realisierung im VoIP Framework Venice erläutert. Am Ende der Arbeit wird noch eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und ein Ausblick auf weitere Forschungsarbeiten in diesem Gebiet gegeben.

11 Klassische Telekommunikation 11 Kapitel 2 Klassische Telekommunikation Dieses Kapitel befasst sich mit den theoretischen Grundlagen, die weitgehend aus dem Bereich der Telekommunikation stammen. Dabei werden die notwendigen Informationen, auf denen diese Arbeit basiert vermittelt. Zuerst wird die Technologie der klassischen Telekommunikation vorgestellt, dann die wichtigen Begriffe Feature, Feature Interaction und die damit zusammenhängenden Probleme genauer vorgestellt und zuletzt ein Überblick über das Forschungsgebiet der Feature Interaction mit bisherigen Lösungsansätzen gegeben. 2.1 Historie Im Jahr 1861 stellte Philipp Reis den Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt seine Erfindung des Telefons zur Übertragung von Sprache über weite Entfernungen vor. Obwohl Reis dafür zu seinen Lebzeiten wenig Ruhm zuteil wurde, gelang es Graham Bell, das Telefon im Jahre 1875 durch weitere Arbeiten doch noch erfolgreich zu machen. In den folgenden Jahrzehnten wurde dann an der Verbesserung der Sprachqualität und der Art der Vermittlung weiter geforscht. Erst durch die Einführung programmierbarer Telefonschaltanlagen mit Stored Program Control (SPC) Switching [ATT05] in der Mitte der sechziger Jahre kamen zur reinen Sprachübertragung, dem Plain Old Telephone Service (POTS), zahlreiche weitere Features hinzu. Die Weiterentwicklung zum Common Channel Signaling Network (CCSN) [Per04] mit dem Signaling System Number 7 (SS7) Protokoll in der Mitte der siebziger Jahre war ein weiterer Meilenstein. Mit der Verwendung von Signaling Transfer Points (STP) [IEC04], die die Phase des Verbindungsaufbaus in den Leitungen von der normalen Sprachübertragung trennen und somit die wichtige Leitungen für Sprachübertragung freihalten (vgl. Abbildung 1), wurden neue Features wie beispielsweise Caller ID, bei der die Nummer des Anrufers dem Angerufenen angezeigt wird, ermöglicht. STP SS7 Signaling Network STP Switch Switch Abbildung 1: Common Channel Signaling [IEC04]

12 12 Klassische Telekommunikation 1989 entwickelte die International Telecommunication Union (ITU) dann das Konzept des Intelligent Network (IN), welches in den ITU-T Standards Q.1210 bis Q.1219 [ITU-Q12] beschrieben ist. Ein Intelligent Network stellt dabei ein von Diensten unabhängiges Netz dar, wodurch neue Dienste und Features schnell und unabhängig entwickelt und integriert werden können. Die Intelligenz des Telekommunikationsnetzwerkes wird dabei aus den Switches entfernt und von Computern, die verteilt im Netzwerk eingebaut sind, übernommen. Die Architektur, die auch in Abbildung 2 dargestellt ist, besteht aus folgenden Kernelementen: Service Switching Point (SSP): Er befindet sich im Telefonswitch und ist zuständig für zusätzliche Services, die während eines Telefonats initiiert werden. SSP stellt die Implementierung der Basic Call State Machine (BCSM), eines endlichen Automaten, der das Gespräch von Anfang bis Ende repräsentiert, dar. Service Control Point (SCP): Der SCP bietet eine Plattform für Dienste dar und empfängt Anfragen vom SSP. Er enthält Service-Logik, die mit dem SCE erstellt wurde, um das gewünschte Verhalten zu gewährleisten. Dabei kann der SCP auf Daten des SDF zugreifen. Service Creation Environment (SCE): Die Entwicklungsumgebung für Dienste verwendet meist proprietäre grafische Sprachen speziell für Telekommunikationsingenieure. Die entwickelten Dienste werden dann auf dem SCP verwendet. Service Management Point (SMP): Der Service Management Point stellt die Schnittstelle zwischen Entwickler und System dar. Hier können neue Dienste eingesetzt oder alte Dienste verändert werden. Service Data Function (SDF): Diese Datenbank verwaltet zusätzliche Informationen zum Anruf und zu abonnierten Diensten, wie z.b. einen aktuellen Guthabenstand bei Prepaid- Gesprächen. Meist befindet sich die SDF beim SCP, kann aber auch ein separates Gerät sein. Specialized Resource Function (SRF): Oft auch als Intelligent Peripheral (IP) bezeichnet, ist für das Liefern zusätzlicher Leistungen in das Telefongespräch zuständig, wie z.b. Telefonansagen. Der SRF ist deshalb mit SSP und SCP verbunden.

13 Klassische Telekommunikation 13 SCE Operationen SMP IP SDF SCP SS7 Signaling SDF SCP SSP Switch Transport SSP Switch Abbildung 2: Intelligent Network 1 (IN/1) Diese Kernelemente kommunizieren miteinander per Standardprotokollen, so dass auch solche von verschiedenen Anbietern miteinander kompatibel sind. Trotzdem entwickelten sich verschiedene Varianten des IN in den verschiedenen Regionen. Zum Beispiel ist das SS7 Protokoll in USA, Japan und Europa nicht genau gleich und daraus haben sich dann ebenso verschiedene Standards des IN entwickelt. Die Firma Bellcore hat in den USA ihren eigenen Standard Advanced Intelligent Networks (AIN) durchgesetzt, der eine Verbesserung von IN darstellen soll und dessen Entwicklung nun parallel zur Entwicklung von IN weiterläuft (näheres dazu in [AvMa97]). Grundsätzlich funktioniert ein Gespräch aber immer folgendermaßen: Der Anrufer wählt eine Nummer, welche per Impulswahl- oder Tonwahlverfahren von einem Switch in der Telefonzentrale empfangen wird. Der Service Switching Point (SSP) des Switches leitet das Gespräch über ein Signaling System 7 (SS7) Netzwerk an den Service Control Point (SCP) weiter. Dieser ermittelt anhand der Telefonnummern, welche Features aktiviert werden sollen und liefert diese Information an den Service Switching Point (SSP) zurück, der daraufhin das Gespräch an den Empfänger übermittelt. Diese Architektur ermöglicht also leicht, neue Features in das System zu integrieren. Neben der Entwicklung der klassischen Telekommunikationsdienste, haben sich in den letzten Jahren aber gleichermaßen ganz neue Technologien entwickelt. Diese neue Generation, die hauptsächlich auf Computertechniken und Internet basieren, bringt auch ganz neue Möglichkeiten mit sich. Besonders

14 14 Klassische Telekommunikation die Bereiche Internettelefonie (VoIP), das Session Initiation Protokoll (SIP), neue Schnittstellen (APIs) wie INAP und der Einsatz von der Programmiersprache Java in der Telekommunikation, sind zu nennen [Cal03a]. In diesen neuen Technologien liegen hohe Erwartungen. Sie verschmelzen schon jetzt mit den traditionellen Technologien und scheinen diese langfristig ganz zu ersetzen. Im folgenden Abschnitt wird nun genauer erläutert was man unter Features genauer zu verstehen hat. 2.2 Features Der englische Begriff Feature bedeutet soviel wie Merkmal, Leistungsmerkmal oder Eigenschaft. Im Allgemeinen entspricht ein Feature einer Erweiterung der Basisfunktionalität und steht normalerweise mit dieser im Zusammenhang. Ein Basisdienst wird dabei auch oft als Service bezeichnet und die Erweiterungen werden dann Feature genannt. In dieser Arbeit wird aber nicht zwischen Service Interactions und Feature Interactions unterschieden, da sie ein gleichartiges Problem darstellen. Formal wird ein System durch die Kombination von B + F 1 +F 2 + F 3 beschrieben, wobei B die Basisbeschreibung, F i die Feature Module und + die Verbindungsoperatoren sind [Zav04]. Zu der Sprachübertragung kamen also im Laufe der Zeit - gefördert von der Weiterentwicklung der Technologie und auch durch den Konkurrenzkampf am Markt - zahlreiche Zusatzmerkmale hinzu. Diese sind meist optional, und je nach Telefonvertrag und verfügbarem Telefonnetz können Anwender verschiedene Features abonniert haben. Es gibt zwar Standardisierungen einiger Features durch die ITU-T und anderen Standardisierungsorganisationen, aber bis jetzt herrscht wenig Konsens zwischen den verschiedenen Organisationen und Ländern. Auch sind die Spezifizierungen mehr oder weniger genau und lassen das Verhalten in einigen Fällen offen. Deshalb spezifizieren die meisten Anbieter ihre Features selbst, und das Verhalten der Features ist nicht immer absehbar. Eine Auswahl mit Beispielen häufiger Telefonfeatures wird im Folgenden gegeben: Call Forwarding Busy Alle Anrufe werden an eine angegebene Nummer weitergeleitet, falls (CFB) der Anschluss augenblicklich besetzt ist. Der Angerufene zahlt dabei die entstehenden Zusatzkosten für die Weiterleitung Call Forwarding No Reply Alle Anrufe werden an eine angegebene Nummer weitergeleitet, falls (CFNR) der Anschluss nach mehrmaligem Klingeln nicht angenommen wird.

15 Klassische Telekommunikation 15 Call Forwarding (CF) Alle Anrufe werden an eine angegebene Nummer weitergeleitet. Der Angerufene zahlt dabei die entstehenden Zusatzkosten für die Weiterleitung Calling Line Identification Falls ein Anrufer seine Nummer mitüberträgt, zeigt diese Feature die Presentation (CLIP) Nummer an. Call Transfer (CT) Dieses Feature erlaubt den Anruf an einen Dritten zu übergeben. Dazu wird der Gegenüber zuerst auf Hold gelegt und der Dritte angerufen. Sobald dieser abnimmt, ist er automatisch mit dem auf Hold liegenden Teilnehmer verbunden. Call Waiting (CW) Hierbei wird man während eines Telefongesprächs von einem neu eingehenden Anruf informiert und kann diesen auch entgegennehmen. Der ursprüngliche Telefonpartner wird dann vorübergehend in den Hold Zustand gelegt. Die Möglichkeit, zwischen den beiden verschiedenen Gesprächen hin und her zu wechseln, ist dabei gegeben. Call Queueing (QUE) Anrufe werden bei einem besetzten Anschluss auf eine Warteschleife gelegt, anstatt ein Besetzt -Zeichen zu bekommen Calling Number Delivery CND überträgt die eigene Rufnummer sowie Datum und Zeit des (CND) Anrufes an den Angerufenen. Calling Number Delivery Die Übertragung der Rufnummer zum Beispiel durch CND kann Blocking (CNDB) hierdurch explizit gesperrt werden Camp On (CO) Bei diesem Feature ruft das Telefon bei einem besetzten Anschluss automatisch immer wieder an, bis der Anschluss frei ist Cellular (Cell) Dieses Feature berechnet die Sprechzeit bei einem Mobiltelefon. Charge Call (CC) Das Telefongespräch kann anstatt über den verwendeten Anschluss des Anrufenden über eine andere Nummer abgerechnet werden. Dazu muss ein Präfix vor der anzurufenden Nummer eingegeben werden und eine Autorisierung per geheimer PIN erfolgen. Freephone Billing (FB) Freephone erlaubt dem Angerufenen, die Gesprächskosten zu übernehmen und den Anrufer dadurch zu entlasten. Freephone Routing (FR) Dieses Feature erlaubt Freephone-Gespräche weiterzuleiten. Group Ringing (GR) Bei diesem Feature können bis zu drei unterschiedliche Telefone gleichzeitig für einen Anruf klingeln. Das Telefon, welches zuerst abgenommen wird, bekommt dann die Verbindung.

16 16 Klassische Telekommunikation Hold (Hold) Eine Verbindung kann temporär auf eine Warteschleife gelegt werden. Die eigentliche Verbindung ist solange gesperrt. Um die Wartezeit angenehm zu gestalten, wird eine meist eine Musik vorgespielt, bis der Anruf weitergeleitet wird. Return Call (RC) Durch das Wählen von *69 wird automatisch derjenige Anschluss angerufen, von dem zuletzt ein Anruf kam. Ringback when Free (RB) Anrufe zu einem im Moment besetzten Anschluss mit diesem Feature bekommen eine Nachricht, dass sie automatisch zurückgerufen werden, sobald die Leitung wieder frei ist. Nachdem der Angerufene mit dem Gespräch fertig ist, wird dann automatisch eine Verbindung zu der gespeicherten Nummer aufgebaut. Selective Call Forwarding Anrufe von bestimmten Nummern einer vorher festgelegten Liste (SCF) werden automatisch weitergeleitet Selective Call Forwarding bei Besetzt werden Anrufe von bestimmten Nummern einer vorher on Busy (SCF-BY) festgelegten Liste automatisch weitergeleitet Split Billing(SB) Diese Feature erlaubt das Aufteilen der Telefongebühren zwischen den beiden Partnern eines Gesprächs. Teen Line (TL) Zu bestimmten Tageszeiten werden Telefongespräche nach außen eingeschränkt und können nur durch Kenntnis eines festgelegten Passwortes durchgeführt werden. Dieses Feature verhindert, dass Unbefugte den Telefonanschluss nutzen können, wie z.b. Kinder die während der Hausaufgabenzeit Freunde anrufen wollen. Terminating Call Diese Feature verhindert eingehende Anrufe, die von bestimmten, Screening (TCS) auf einer schwarzen Liste festgelegten Anschlüssen stammen. Diese Anrufe bekommen dann nur eine festzulegende Sprachnachricht zu hören. Three-Way Calling (TWC) Hierbei wird ein Gespräch zwischen drei Partien mit einer einzigen Verbindung erlaubt. Voice Mail(VM) Dieses Feature funktioniert wie ein Anrufbeantworter. Wird ein Gespräch nicht entgegengenommen, hat der Anrufende die Möglichkeit eine Sprachnachricht zu hinterlassen. Tabelle 1: Telefonfeatures (angelehnt an [Hybrid]) Um konkurrenzfähig zu bleiben, werden heutzutage von den unterschiedlichen Telefonanbietern immer wieder neue Features entwickelt und eingeführt. Diese Features werden dabei von verschiedenen Dienstleistern erstellt und angeboten. Auch das Telefonnetz ist heterogener geworden,

17 Klassische Telekommunikation 17 denn Hardware und Software verschiedener Lieferanten wird gleichzeitig verwendet. Unerwünschte Wechselwirkungen verschiedener Features sind kaum zu vermeiden, da nicht alle Entwickler ihre neuen Features miteinander abstimmen können und wollen. Solche Feature Interactions werden nun genauer besprochen. 2.3 Feature Interaction Unter Feature Interaction versteht man die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Features, genauer gesagt die Auswirkungen eines Features auf die Funktion eines anderen Features. Dieses Verhalten gibt es in allen Bereichen der Wissenschaft, nicht nur bei Softwaresystemen, sondern sogar z.b. in Jura oder in der Medizin. Feature Interactions im medizinischen Bereich können zum Beispiel Nebenwirkungen eines Medikaments sein. In dieser Arbeit sind mit dem Begriff der Feature Interaction hauptsächlich die Wechselwirkungen gemeint, die im Umfeld der Telekommunikation existieren und im weiteren Zusammenhang auch jene allgemeiner bei Software auftretenden. Definition nach [Cal03b]: Feature Interactions sind alle Wechselwirkungen zwischen dem Feature und dessen Umwelt, die eine übliche Funktionsweise des Features beeinträchtigen. Die Umwelt des Features beinhaltet auch andere Features, andere Instanzen des gleichen Features und andere Teile des gleichen Features Problematik Das Feature Interaction-Problem besteht darin, dass sich Kombinationen von Features nicht immer monoton verhalten. Ein Feature kann nicht einfach zu einem System hinzugefügt werden, sondern es muss unter Änderung des Basis-Systems und anderer Features integriert werden. Unter Monotonie versteht man in diesem Zusammenhang, dass die Summe der Komplexitäten der einzelnen Features weit geringer ist als die Komplexität des zusammengefügten Systems sein kann [Vel95]. Werden zwei alleine korrekt funktionierende Features in Zusammenhang gebracht, können plötzlich ganz neue oder unerwartete Zustände entstehen. Das erschwert das Einführen von Features in ein stabiles System, da in diesem Falle auch wieder alle anderen Features im Zusammenhang mit dem neuen Feature analysiert werden müssen. Feature Interaction in der Telekommunikation wird schon seit Anfang der achtziger Jahre erforscht. Geprägt von der Entwicklung eines Intelligent Networks wurde Feature Interaction ein eigenes Forschungsgebiet bei der Firma Bellcore. Das erste Framework zur Beherrschung der Feature

18 18 Klassische Telekommunikation Interaction wurde 1988 von Bowen et al. [Bowe89] gegeben. Seitdem gab es hunderte von Arbeiten aus Wissenschaft und Industrie über Feature Interaction in der Telekommunikation. Die wichtigsten Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Einrichtungen und auch der Industrie werden seit 1992 regelmäßig auf der International Conference on Feature Interactions in Telecommunications and Software Systems (ICFI), welche zuvor als Feature Interaction Workshop (FIW) bekannt war, präsentiert und diskutiert [Icfi05]. Zahlreiche Arbeiten in den letzen zehn Jahren haben das Problem für das klassische Telefonnetz schon weitgehend analysiert, aber neue Technologien und Architekturen in der Telekommunikation wie Mobiltelefone, VoIP, GRID, Policy-basierte Systeme oder Web Services bringen ebenfalls neue Anforderungen in dieses Gebiet, das sich im Moment rapide weiterentwickelt. Zudem entfernen sich auch die Anwendungen von der Telekommunikation weg oder erstrecken sich über ganz andere, neue Gebiete, bei denen die Betrachtung von Feature Interaction bisher versäumt wurde [AmLo04]. Zum besseren Verständnis sei an dieser Stelle nun ein klassisches Beispiel einer Feature Interaction gegeben: Beispiel 1: Benutzer A hat Streit mit Benutzer B und verhindert deshalb alle Anrufe von dessen Anschluss durch die Verwendung des Terminating Call Screening Features. Benutzer C ist abwesend und lässt alle eingehenden Gespräche per Call Forwarding an Benutzer A weiterleiten. Ruft nun B C an, kommt doch eine Verbindung von B nach A zustande. Benutzer B C Call Forwarding Terminating Call Screening Benutzer A Abbildung 3: Interaction Terminating Call Screening mit Call Forwarding Feature Interactions liefern oft ein unerwartetes Verhalten der involvierten Dienste. Wie Beispiel 2 zeigt, muss das Verhalten nicht zwangsläufig störend oder falsch sein. Obwohl technisch dieselbe Situation vorliegt, ist die Erwartungshaltung der Benutzer anders als in Beispiel 1.

19 Klassische Telekommunikation 19 Beispiel 2: Benutzer A verhindert Anrufe von Nummern, die zum Betreuungskreis von Kollegen B gehören durch Verwendung des Terminating Call Screening Features. Da B im Urlaub ist, vertritt ihn A für diese Zeit und die Anrufe von B werden per Rufumleitung an A weitergeleitet. In diesem Fall ist die Feature Interaction nicht unerwünscht. Das Beispiel zeigt die Komplexität der Entscheidung. Je nach Anforderungen und Erwartungshaltung der Benutzer kann das gleiche Verhalten unterschiedlich bewertet werden. Diejenigen Feature Interactions mit negativen Auswirkungen können den Benutzer verwirren, enorm verärgern und ihm sogar die Kommunikation ganz unmöglich machen. Das führt zu Rufschädigung der Dienstanbieter, hohen Kosten für Ausbesserung der Fehler, da mit den Features meist auch ganze Teile des Systems mit erneuert werden müssen und manchmal sogar zum Verlust von Kunden. Zudem müssen bei Nachbesserung Features oft so verändert oder sogar ganz aus dem System herausgenommen werden, dass es, falls die zugesicherten Features im Dienstleistungsvertrag nicht mehr gegeben sind, zu einem Sonderkündigungsrecht der Benutzer führt. Auf der anderen Seite können die Feature Interactions auch direkt negative Auswirkungen auf den Dienstleister ausüben, ohne den Anwender zu stören. Besonders wenn Features Interactions Dienste wie Gebührenabrechnung umgehen, können große Schäden entstehen. Feature Interactions können gezielt als Lücke im System ausgenutzt werden, um Kosten zu sparen oder Sicherheitskontrollen zu umgehen, wie Beispiel 3 zeigt [Sch04]: Teures Gespräch Handy zu Handy kostenlose Weiterleitung zu Handy billiger Ortsnetztarif in Homezone Abbildung 4: Beispiel O 2 Der Mobilfunkbetreiber O 2 bietet das Feature Homezone an. Dabei erhält der Kunde neben seiner Mobilfunktelefonnummer noch eine Festnetznummer für sein Mobiltelefon. Befindet sich das Telefon in einer festgelegten Zone, der Homezone, so kann es zu Festnetztarifen telefonieren und erreicht werden. Ist die Festnetznummer nicht zu erreichen, kann man das Gespräch ohne weitere Kosten auf eine Mailbox oder an einen anderen zum O 2 Netz gehörenden Anschluss weiterleiten. Wie in

20 20 Klassische Telekommunikation Abbildung 4 dargestellt ist, nutzten dies nun Kunden aus, indem sie die Nummer des auch zum O 2 Netz gehörenden Anzurufenden als Weiterleitungsnummer bei Besetzt angaben. Danach riefen sie ihre eigene Nummer an und wurden zum günstigen Ortstarif, statt des teuren Mobilfunktarifes, zu dem gewünschten Anschluss verbunden. Wegen den vielen unerwünschten Feature Interactions investieren die Netzbetreiber und Dienstleister viel Geld in die Entwicklung neuer Features, um Probleme zu vermeiden. Neben der einfachen Unterscheidung zwischen Feature Interactions mit positiven, neutralen und negativen Auswirkungen für Anwender oder Betreiber, können Feature Interactions auch genauer kategorisiert werden. Bei der Kategorisierung nach der Art der Interaction betrachtet man folgende Faktoren [Cam94]: 1. Art der beteiligten Features ( Features des Systems oder der Anwender) 2. Anzahl der beteiligten Anwender 3. Anzahl der beteiligten Features 4. Anzahl der beteiligten Netzkomponenten. Wenn nur die Anwender-Features betrachtet werden, so gibt es Single-User-Single-Component (SUSC), Single-User-Multiple-Component (SUMC), Multiple-User-Single-Component (MUSC) und Multiple-User-Multiple-Component (MUMC). Zudem können auch die selteneren Customer-System (CUSY) Features auftreten. Beispiel 4 verdeutlicht die Kategorisierung. Beispiel 4: Eine Person P1 verwendet Call Forwarding (CF) und leitet automatisch seinen Anruf an Person P2 weiter. Person P2 hat aber ebenfalls Call Forwarding und leitet das Gespräch automatisch an P1 zurück. Dadurch entsteht natürlich eine unendliche Schleife. Solche Kreisläufe können selbstverständlich genauso zwischen drei und mehr Nutzern entstehen. Hierbei handelt es sich um eine Multiple-User- Multiple-Component (MUMC) Interaction zwischen Anwender Features. Häufig unterscheidet man Feature Interactions auch nach der Ursache. Falls man diesen Grund verhindern kann, kann man damit ebenso die ganze Gruppe von Feature Interactions vermeiden, die daraus resultiert. Falls nach dem Ursprung der Interaction klassifiziert wird, werden folgende Faktoren analysiert:

21 Klassische Telekommunikation Verletzung der Annahmen (durch Weiterentwicklung oder Änderung des Systems) Der Name oder die Telefonnummer ist nicht so wie erwartet, wie es vorkommen kann, wenn ein Feature eine veraltetes Telefonbuch verwendet. Es bestehen falsche Annahmen über die Datenverfügbarkeit. So kann ein automatischer Rückruf nicht erfolgen, wenn der Anrufende seine Identität geheim hält. Das Feature wurde beispielsweise für ein ausländisches Telefonnetz konzipiert. Durch Unterschiede des Netzbetreiber oder Geltungsbereichs können falsche Voraussetzungen entstehen. Auch können falsche Annahmen über die Kontrolle des Gesprächs bestehen. Beispielsweise kann eine Notrufverbindung nur vom Notrufbetreiber beendet werden. Falsche Annahmen über das Signalisierungsprotokoll entstehen oft durch Features, die Signale beeinflussen. Dadurch können andere Feature, die den aktuellen Signalzustand herauslesen, verwirrt werden. 2. Beschränkung der Netzunterstützung: Die Netze bieten oft nicht ausreichende Voraussetzungen. Doppelte Belegung von Signalen in den Switches sowie beschränkte Endgeräte führen oft zu Problemen. 3. Probleme aufgrund großer heterogener verteilter Systeme: Bei Resourcenkonflikten wird durch Aktivierung eines Features oft die Funktion eines anderen beeinträchtigt oder ganz deaktiviert. Personalisierte Feature-Instanzen sind schwierig vorherzusehen. Häufig entstehen Probleme durch Features mit unterschiedlichen Parameterwerten aufgrund benutzerabhängiger Prioritäten. Zeit-Probleme wie Race-Conditions können auch zu Feature Interactions führen. Beispielsweise, wenn Features in zeitlicher Abhängigkeiten stehen, oder Verzögerungen durch Benutzerinteraktionen auftreten. Sogar die Geschwindigkeit beim Wählen einer Telefonnummer kann zu unterschiedlichen Situationen führen. Wenn Features von unterschiedlichen Netzwerk-Komponenten zur Verfügung gestellt werden, also ein verteilter Support der Features vorliegt, sind dadurch manchmal nicht alle Informationen verfügbar. Nicht atomare Operationen führen auch meist zu Problemen. Zum Beispiel werden Updates von Netzwerkkomponenten in unterschiedlicher Reihenfolge durchgeführt, entstehen unterschiedliche Situationen für die Features. 4. Menschliche Fehler: Die Qualität der Features wird von fehlerhaften Implementierungen beeinträchtigt. Diese entstehen durch falsche Annahmen und Unwissenheit der Entwickler, oder durch unerfahrene Entwickler.

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