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1 news4docs Das VorteilsMagazin Der österreichischen Ärzte ausgabe 01/ jahrgang Kammerwahlen Präsidenten gesucht DAS PATIENTENMAGAZIN DER ÖSTERREICHISCHEN ÄRZTE AUSGABE JAHRGANG 2,80 P.b.b. VNr. 06Z VERLAGSPOSTAMT: 9020 KLAGENFURT Coverstory Fitness FOTO: 1FOTOLIA / MARKSKALNY Schwerpunkte Geistige Fitness Kinderfitness Fitness im Alter Sinn-Spaß im Sommer Neues Buch: Schmerzen wegdenken Karriere in NPOs Ihre Abo-Prämien auf Foto: Fotolia / argus ihre Beilage zu MeinDoktor dem Patienten magazin der österreichischen Ärzte Nach den Wahlen Viele Konfliktfelder warten Ärztemangel vorprogrammiert Praxis-Schmerzzentrum als Chance Notwendig: Marketing für Ärzte

2 Seminar für Ordinationen Ausgabe 01/2012 Power-Compliance Über den Erfolg einer medizinischen Behandlung entscheidet u.a. die Compliance. Wenn der Patient nicht das macht, was der Arzt empfiehlt, dann sind die Behandlungschancen geringer. Hier gibt es also auf der Seite der Patienten einen enormen Nachholbedarf, der gleichzeitig als große Chance für Arztpraxen zu sehen ist. Nutzen Sie diese Chance und stärken Sie die Compliance durch richtige patientenorientierte Kommunikation Ihres gesamten Teams. OPEN-DOOR zeigt Ihnen anhand von Beispielen, wie die Compliance und somit die Patientenzufriedenheit gestärkt werden können. Unter anderem erfolgt dies mit der Direktausgabe von Gesundheitsprodukten. OPEN-DOOR stellt Ihnen dafür Produkte im Wert von Euro zur Verfügung. Somit wird das Seminar zu einem GRATISSEMINAR. Teilnehmer: Örtlichkeit: Termin: Dauer: Kosten: Anmeldung: Ordinationsteam Ordination nach Vereinbarung, samstags ein Tag 1.000,- Euro - hierfür werden im gleichen Wert Gesundheitsprodukte zur Verfügung gestellt. OPEN DOOR Seminare, Training, Coaching Foto: Fotolia / robert KneschKe inhalt 04 Wahlen mit Konfliktfeldern 07 Präsident gesucht 08 Fehlerreise durch österreich 10 Ärztemangel vorprogrammiert 14 Verlieren Ärzte ihre Patientinnen? 16 elga - was steckt dahinter? 18 Kommentare 20 Vertrauensranking - Ärzte vorne 22 Vernetzte Ärztinnen 24 eigenes schmerzzentrum als chance 26 nowendig: Ärztemarketing 28 spenden oder sponsern? 29 schmerz interdisziplinär 30 Brechen honorare ein? 31 Komplikationsmanagement 32 Vaterschaftstests für Patientinnen 35 helfen im ausland 36 stevia endlich freigegeben 38 leserbriefe 39 sinnspaß im sommer 40 rechtsschutz - 70%-ige erfolgsquote 42 notwendig - rechtsschutzversicherung 44 unterschied bei zinsen 45 attraktive container 46 Financial Planning IMPRESSUM news4docs ist ein unabhängiges Vorteilsmagazin für österreichs niedergelassene Ärzte und Beilage zur Patientenzeitschrift MeinDoktor herausgeber: Verein zur Förderung von gesundheitskooperationen, Dr. Wilfried Westritschnig MeDieninhaBer, redaktion und Verlag: vision+mission Marketing gmbh Verlag, teichstraße 3, 9063 Karnburg anzeigen: vision+mission Marketing, , layout: arca&archa, DrucK: np-druck, st. Pölten

3 news4docs _editorial Ausgabe 01/2012 editorial liebe Kolleginnen! liebe Kollegen! Im österreichischen Gesundheitswesen werden die Karten neu gemischt und größere Änderungen für uns Ärzte scheinen wohl nicht abwendbar. Man darf gespannt sein, was die Ärztekammerwahlen bringen werden. Ob allerdings die Hoffnung, dass in den Länderkammern große Ärztepolitik betrieben werden kann, aufgeht, darf bezweifelt werden. Da sind die Landeshauptleute schon weit aktiver und wollen mehr Einfluss auf die österreichische Gesundheitspolitik nehmen. Die einen glauben zu wissen, was das bedeuten würde - Stärkung der Krankenhäuser und Schwächung des niedergelassenen Bereichs. Genau Gegenteiliges wird aber von anderer Seite kolportiert - nämlich Stärkung der Hausärzte und Entlastung der Krankenhausambulanzen. Schon alleine diese Diskrepanz zeigt, dass die Zukunft im sprichwörtlichen Dunkeln liegt. Diese Zukunft ist aber auch von internen Konfliktfeldern bestimmt, auf die wir in der aktuellen Ausgabe in unserer Titelstory eingehen. Ein weiteres Zukunftsthema, das offenbar auf breiter Basis ignoriert wird, ist der bevorstehende Ärztemangel, dem wir uns ebenfalls widmen. Wir machen auch eine Fehlerreise durch Österreich, um das ema Qualitätsmanagement hoch zu halten, schließlich geht es um das Image der österreichischen Mediziner. Offenbar müssen wir uns ohnehin immer individueller selbst darum kümmern. Deshalb darf schon traditionell in news4docs das ema Marketing nicht fehlen. Das wird auch deshalb immer wichtiger, weil die Honorare einzubrechen drohen - dieser Frage gehen wir ebenfalls nach - und die Patientenbindung durch ein sich immer mehr veränderndes Patientenverhalten bedroht wird. Auch dazu äußern wir uns in dieser Ausgabe von news4docs. Mit kollegialen Grüßen Dr. Wilfried Westritschnig Herausgeber 3

4 news4docs _coverthema Ärztekammer - mit vielen Konfliktfeldern und Am 24. April wählen die oberösterreichischen Ärzte ihre Standesvertretung und dann werden die Wahlen abgeschlossen sein. Nicht ganz, gibt es zum einen wohl noch Koalitionsverhandlungen und zum anderen muss ja auch noch der österreichische AK-Präsident gewählt werden. In einigen Bundesländern war der Wahlkampf ein wirklicher Kampf mit gegenseitigen Untergriffen und Anschuldigungen. Nicht nur deshalb fragen sich schon längst immer mehr Ärzte, ob es wirklich notwendig ist, in Zeiten von Leistungskürzungen, anstehenden Gesundheitsreformen und Sparkonzepten sich gleich zwanzig Ärztekammern zu leisten für insgesamt rund Mediziner im Land. Das heißt rein rechnerisch, dass eine Kammer Ärzte vertritt. Richtigerweise müssten bei dieser Rechnung die Österreichische Ärztekammer und die Österreichische Zahnärztekammer aus der Rechnung herausgenommen werden aber auch diese kosten Geld und alle zwanzig Kammern brauchen eine Infrastruktur. Aber offenbar wollen sich die Ärzte diese Strukturen leisten. Allerdings zeigen rund 50 Prozent der Ärzte ihren Kammern die kalte Schulter, indem sie nicht wählen gehen. In Niederösterreich sind diesmal überhaupt nur mehr 48,6 Prozent zur Wahl gegangen. Die Nichtwähler sind bei den Ärzte- Foto: Fotolia / gina sanders 4

5 news4docs _coverthema wahlen 2012 wenigen Lösungen kammerwahlen traditionell mit Abstand die stärkste Gruppe, allerdings ohne Auswirkungen.. Für die Gesellschaftsforscher Peter Zellmann und Sonja Mayrhofer ist eine niedrige Wahlbeteiligung Ausdruck des fehlenden Vertrauens der Menschen in die Politik und deren Repräsentanten, was wohl nur heißen kann, dass nur jeder zweite österreichische Mediziner seiner Kammer und deren Funktionäre vertraut. Nichtwählen ist in Österreich immer schon ein Ausdruck von Verdrossenheit und Protest gewesen und solches scheint es bei den Ärzten überpropertional zu geben. Dabei werden die alten oder neuen Vertreter der Ärzte, die nach den aktuellen Wahlen das Sagen haben werden, eine schwere Zeit erleben die Zukunft wird europaweit als nicht sonderlich rosig dargestellt und eine große Gesundheitsreform kommt angesichts der nunmehr von Politikern wie auch Wirtschaftsfachleuten als dramatisch bezeichnete Situation wie das Amen im Gebet. Nichtwählen ist nun auch ein Ausdruck schwelender Konflikte, die sowohl innerhalb wie außerhalb der Ärzteschaft zu finden sind. Diese Konfliktfelder werden die großen Herausforderungen für die wahlwerbenden Gruppen sein. Konfliktfeld Sparen In Österreich gibt es rund Ärzte diese sind Mitglieder in eine der Ärztekammern. Jene Ärzte zahlen an ihre Ärztevertreter völlig unterschiedliche Beiträge und zwar bis zu 400,- Euro pro Monat (in Einzelfällen sogar mehr). In Summe sind es wohl rund Euro pro Jahr, die von den Ärzten für ihre Standesvertretungen aufgebracht werden Eine niedrige Wahlbeteiligung ist Ausdruck fehlenden Vertrauens gegenüber den Repräsentanten! müssen. Nicht wenige orten hier Einsparungspotentiale. Ein Kammermitglied meinte dazu pointiert: Wenn ich sparen muss, dann sollen das die Kammern auch. Konfliktfeld Interessen Die unterschiedlichen Fachbereiche und Gruppen machen es den Ärztekammern wahrlich nicht leicht, eine Interessensvertretung für alle zu sein. Kassenärzte haben andere Interessen als Wahlärzte, Spitalsärzte verfolgen andere Ziele als Niedergelassene, Schulmediziner haben mit Alternativmedizinern nur selten etwas gemein, Fachärzte und Allgemeinmediziner sehen sich auch nicht als Einheit oder Röntgenologen wollen anderes als Praktiker. Diese Liste ließe sich quer durch die Ärzteschaft fortsetzen. Sie zeigt aber auch ein Konfliktpotential auf, das bis heute nicht gelöst wurde. Die Interessenskonflikte gehen aber noch weiter. So hat z.b. die Diskussion rund um das Thema ELGA gezeigt, dass Österreichs Ärzte alles andere als einer Meinung sind. Der Noch-Präsident der österreichischen Ärzteschaft, Walter Dorner, musste für ihn wohl ungewohnte Kritik mancher ArztkollegInnen einstecken. So stimmte er in der Bundesgesundheitskommission grundsätzlich für die den elektronischen Gesundheitsakt dem widersprachen namhafte Mediziner wie der Obmann der Bundeskurie der Niedergelassenen Ärzte, Günther Wawrowsky, der Präsident der Wiener Hausärzte, Wolfgang Werner oder der Präsident der ÄKNÖ, Christoph Reisner aber vehement. Reisner, dem man nachsagt, er würde gerne Dorner beerben, verlangte sogar den Rücktritt von diesem. Dieser warf schließlich - aus welchen Gründen auch immer - das Handtuch und tritt zur bevorstehenden Präsidentenwahl nicht mehr an. Konfliktfeld Pensionisten Die demografische Situation der österreichischen Bevölkerung spiegelt sich auch bei den Ärzten wider. Laut dem Präsidenten der Vorarlberger Ärztekammer, Mihael Jonas, werden in den nächsten 15 Jahren rund 70 Prozent der Kassenärzte in Pension gehen oder in den Ruhestand geschickt werden. Diese Ärzte haben sich über Jahrzehnte auf ein System verlassen, das nun in Frage gestellt wird. Beispiele machen deutlich, dass es Fehler gab. So hat der Rechnungshof die Gebarung des Wohlfahrtsfonds der Wiener Ärztekammer unter seinem langjährigen Präsidenten Walter Dorner kritisiert. Laut dem Nachrichtenmagazin Profil soll das Ergebnis haarsträubend sein und es sollen offenbar über Jahre hinweg Aufträge freihändig vergeben worden sein. In Niederösterreich ist schon längst Feuer am Dach. Da gibt es Klagen von pensionierten Ärzten gegen die eigene Kammer wegen des Wohlfahrtsfonds und dem dortigen Präsidenten Christoph Reisner droht Ungemach, wiewohl eine gegen ihn laufende staatsanwaltliche Erhebung eingestellt wurde. Die Anzeige wurde anonym eingebracht und Reisner wurden Betrugsabsichten unterstellt. Diese haben sich letztlich als haltlos herausgestellt. Nun stellen die bereits pensionierten und immer noch wahlberechtigten Ärzte gemeinsam mit jenen, die in Bälde den Ruhestand antreten werde,n eine durchaus große Gruppe dar, die wie der Konflikt in Niederösterreich es zeigt sich von der Kammer nicht wirklich vertreten fühlt. Günter Höhne, der sich für die Pensionisten einsetzt und schon bei den letzten Wahlen auf Anhieb reüssiere, konnte auch sein Wahlergebnis halten. Das Thema Wohlfahrtsfonds birgt jedenfalls Konfliktpotential - 5

6 news4docs _coverthema das zeigt alleine, dass sich Widerstandsgruppen bilden und auch zur Wahl antreten - auch wenn sie noch keine Erfolge erzielen können, wie das Beispiel der Gruppe Wohlfahrtsfonds nein, danke, die in Wien mit zwei Mandaten kein berauschendes Ergebnis erzielte. Konfliktfeld Gesundheitsreform Österreich will 26 Milliarden Euro einsparen. Da bleibt der Gesundheitsbereich nicht verschont. Für eine große Gesundheitsreform gibt es wohl noch eine Frist. Sie wird spätestens nach den nächsten Parlamentswahlen 2013 kommen eine große Herausforderung für die Ärztekammer, mit einer voraussehbaren Niederlage. Es ist kaum zu erwarten, dass das System in der derzeitigen Form aufrecht zu erhalten ist. Manche rechnen schon heute mit rigorosen Einschnitten. Zu wissen, was kommen wird, hat zwar mit Kaffeesudlesen zu tun, aber dass etwas kommt, das weiß heute wohl jeder. Wohin das Pendel ausschlagen wird, ist aber in der Tat völlig unklar. Die großen Rahmenbedingungen in Europa aber auch der völlig unklare Ausgang der nächsten Parlamentswahlen lassen nur Spekulationen zu. Einen Vorgeschmack bietet die umstrittene und von ÖÄK-Vizepräsidenten Mayer kritisierte Novelle zum Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz, das sich laut Mayer nicht nur negativ auf die Qualität der Versorgung auswirken wird, sondern auch die Ausbildungsqualität in Mitleidenschaft ziehen wird. Konfliktfeld Generationen Liest man im Internet zwischen den Zeilen Blogbeiträge der österreichischen Jungärzte, dann verspürt man eine deutliche Unzufriedenheit der Nachwuchsbasis. Diese fühlt sich nur ungenügend von den Kammern vertreten und mehr oder weniger alleine gelassen. Das geht sogar soweit, dass sich Initiativen rund um Turnusärzte keinesfalls mit den Kammern in Verbindung bringen lassen wollen. Konfliktfeld Personal Bereits in mehreren österreichischen Krankenhäusern gibt es Finanzierungsprobleme für das medizinische Personal. So zum Beispiel sollen im Klinikum Klagenfurt Stellen abgebaut werden, was bereits zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Kabeg und den Ärztevertretern führte. Kritik der Ärztekammer tat die Kabeg-Chefin Ines Manegold mit Parolen im Ärztekammer-Wahlkampf ab. In Wien gibt es im AKH einen Kampf um Personalsparmaßnahmen. Dem Direktor der Medizinischen Universität Wien, welche die AKH-Ärzte bezahlt, fehlt das Geld und er will Personal sparen. Damit ist Thomas Skezeres, Obmann des Betriebsrates für das wissenschaftliche Personal an der Medizinischen Universität Wien, nicht einverstanden: Die Ärzte arbeiten jetzt schon am Limit. Die Grenze ist erreicht. Damit machte er auch deutlich, was zu erwarten ist. Nun weiß ganz Europa schon längst, dass gespart werden muss aber natürlich immer beim anderen. Die Streiks in Griechenland und Italien haben diesen Ländern nicht wirklich nützen können - im Gegenteil: Man geht zwischenzeitlich von einer Rezession aus. Was auf Mitarbeiter zukommt, zeigte sich bei der AUA, die ihre Absichten konsequent durchzieht und dem Personal das Nachsehen gibt. Konfliktfeld Föderalismus gegen Zentralismus Eine hochkarätige Gruppe aus Spitzenpolitikern und Ärztevertretern hat sich mit der Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems auseinandergesetzt und bereits Ergebnisse präsentiert. In Anbetracht der politischen Situation sowohl im Gesamten wie auf Ärzteebene kann man wohl davon ausgehen, das nix fix ist. In den letzten Jahren waren die Pendelausschläge - einerseits in Richtung Föderalismus und andererseits in Richtung Zentralismus - sehr deutlich wahrzunehmen. Aus Insiderkreisen ist zu entnehmen, dass diesmal die Länder ihre Trümpfe, die sie schon alleine wegen des Sparpakets (da ist der Bund von den Ländern abhängig) in der Hand halten, diese auch ausspielen wollen. Problemfeld Initiative Ob die Ärztekammerwahlen im März/April 2012 zu einem günstigen Zeitpunkt kommen, darf hinterfragt werden. Die Marketingexpertin Andrea Schwarzenlander rät den Ärzten bzw. deren Interessensvertreter endlich die Initiative zu ergreifen und nicht nur zu reagieren. Egal, ob Berufshaftpflichtgesetz, Krankenanstaltengesetz, Sparmaßnahmen oder ELGA die Ärztekammern zeigen ein vornehmlich reaktives Verhalten. Konkrete Strategien und Konzepte, welche dann die Politik zu diskutieren hätte, gibt es nicht oder sie werden nicht verlautbart bzw. wenn im Einzelfalle doch etwas präsentiert wird - Beispiel Hausarztmodell - dann fehlt die Nach- Foto: Fotolia / andreas haertle P 6

7 news4docs _coverthema haltigkeit. Derzeit beschäftigen sich die Ärzte bzw. ihre Standesvertretungen mit sich selbst und werden in der Folge wohl wieder auf die nächste politische Initiative reagieren. Schwarzenlander sieht auch bewährte Strategien in Gefahr. Wenn es im Inneren brodelt, dann bewähren sich äußere Feindbilder. Ob solche in Zeiten der aktuellen politischen Rahmenbedingungen noch ziehen, darf ernsthaft in Frage gestellt werden. Beispielsweise konnten geplante Sparmaßnahmen bislang als Angriff auf das bewährte System verkauft werden. Nun ist die Mehrheit für s Sparen. Dem werden sich also auch die Kammern und deren Mitglieder nur schwer verschließen können. Deshalb: Die Zeiten waren noch nie so günstig für neue, mutige Ideen, legt Schwarzenlander nach. 7 räsident Präsidenten gesucht Vor nicht einmal einem Jahr war sich der starke Mann der österreichischen Ärzte Walter Dorner noch sicher, dass er wieder als Präsident kandidieren wird. Dann kam alles anders. Mehr oder wenig überraschend gab er Anfang Feber bekannt, dass er sich nicht einer neuerlichen Wahl stellen werde, wohl aber in der Kammer aktiv bleiben möchte. Dorner schlug auch schon seinen Nachfolger vor. Er wünscht sich sowohl in Wien wie auch für Gesamtösterreich seinen Vize Johannes Steinhart als Präsidenten. In Wien mag das vielleicht eine gmahte Wiesn sein, aber in Österreich scheint das Match offen zu sein. Die Wiener Wahl gesucht sieht Steinhart und Dorner bestätigt, die zulegen konnten. Einer, dem Ambitionen nachgesagt werden, hatte schon vor Wochen auf sich aufmersam gemacht, als er den damals noch ohne Rücktrittsgedanken agierenden Dorner wegen seiner ELGA-Strategie den Rücktritt nahe gelegt hatte. Reisner, der in Wien auch in den politischen Ring stieg, aber mit zwei Mandaten im abgeschlagenen Feld landete, hat in Niederösterreich mit seiner Gruppe zwei Mandate gewonnen, was nach vier Jahren Präsidentschaft von Beobachtern als nicht gerade tollen Erfolg gewertet wird, vor allem weil die Wahlbeteiligung von 59,07 auf 48,57 Prozent sank. Eine geringe Wahlbeteiligung ist immer als Protest zu werten. Einer, der schon gewählt hat und mit einem eindrucksvollen Ergebnis keine Koalitionsverhandlungen führen muss, ist der Präsident der Tiroler ÄK, Artur Wechselberger, der 32 von 49 Mandaten gewinnen konnte und trotz des ohnehin schon hohen Niveaus fünf Mandate zulegen konnte. Schon alleine aufgrund dieses Ergebnisses, das zweifellos eine Bestätigung seiner Arbeit darstellt, wird ihn ins Spiel um den Österreichpräsidenten bringen. In Salzburg gibt es ein gegenüber 2007 beinahe unverändertes Ergebnis, was darauf hinweist, dass sich nicht viel ändern wird - von der Mandatsaufteilung wäre allerdings viel möglich. Spätestens Ende Mai werden wohl die jeweiligen Bundesländerpräsidenten präsentiert werden. Bis dahin sind aber wohl noch zähe Koalitionsverhandlungen zu erwarten. Wenn die neun Präsidenten fix sind, dann wird aus ihnen das Präsidium der Österreichischen Ärztekammer gewählt. Wer sich die großen Schuhe von Präsident Dorner, der zweifellos einen charismatischen Führungsstil an den Tag legte und sich in Krisen immer als harter Verhandlungspartner zeigte, anziehen wird, ist offen. Österreichs Mediziner sind sich einig, dass die Situation in den nächsten Jahren nicht leichter werden wird und deshalb dem zukünftigen österreichischen ÄK-Präsidenten eine zentrale Rolle zukommt - vielleicht mehr als in der Vergangenheit. 7 Foto: 123rF / Piotr MarcinsKi 7

8 news4docs _ krankenhäuser Fehlerreise durch Was alles in Österreichs Kranken Was in der jüngeren Vergangenheit alles in Österreichs Krankenhäusern passiert ist, spielt den Reformern in die Hände. Dass die medialen Schlagzeilen ungehört und ohne Wirkung bleiben, das glauben nicht einmal die gelernten Optimisten. Viele kleinere und größere Skandale haben das österreichische Gesundheitssystem erschüttert und die Medien haben diese gerne aufgenommen. Ein ehemals leitender Ärztekammerangestellter meinte gegenüber news4docs: Im Zuge eines Qualitäts-Workshops zeigten mir namhafte Ärzte Zettel, die sie in ihren Brieftaschen aufbewahren, mit Hinweisen, dass sie im Falle eines Unfalles in dieses oder jenes Krankenhaus bzw. in bestimmte Abteilungen keinesfalls eingeliefert werden wollen. Das zeugt von geringem Vertrauen gegenüber bestimmten KollegInnen aber auch von hohem Detailwissen. Solches hat ein Patient natürlich nicht und er kann sich in der Regel das Krankenhaus auch nicht aussuchen. Gleichzeitig zeigen diese Zettel, dass viele Missstände in Ärztekreisen bekannt sein dürften nur werden sie nicht geoutet. Ob die 2011 offenkundig gewordenen Fälle mit den Namen auf solchen Zetteln in Verbindung stehen, ist nicht bekannt wenn nicht, dann darf man sich wohl auch in Zukunft auf weitere Fälle einstellen. Die Liste jener Krankenhäuser, die mögliche gravierende Fehler zu verantworten haben, wird immer länger. Zwar haben die Gerichte zu entscheiden, ob ein Kunstfehler vorliegt oder nicht, aber die damit zusammenhängende mediale Auseinandersetzung wirkt auf s Image. Dieses leidet natürlich auch durch andere negative Berichte, welche die österreichischen Kliniken betreffen. Ein Rundgang durch Österreich, der natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl enthält und zeichnet folgendes Bild: Vorarlberg Im LKH Feldkirch wurde einem 15-Jährigen nach einer Reihe von ärztlichen Fehlern wie ein Gutachten es ausführt ein Unterschenkel amputiert. Laut dem von der KHBG und deren Versicherung in Auftrag gegebenen Gutachten, seien grundlegende Prüfungen unfallchirurgischer Maßnahmen unterlassen worden. Im Krankenhaus Dornbirn holte die Verantwortlichen ein alter Fall ein, der immer noch nicht erledigt ist. Es geht um den Tod einer 35-jährigen Patientin, die nach einer misslungenen Darmoperation starb das bestätigten gleich drei Gutachter. Dennoch ist die Sache für die Hinterbliebenen immer noch nicht erledigt, sodass sogar der Bürgermeister von Dornbirn aktiv werden musste. Vorarlberg kann sich nun mit dem zweifelhaften Ruhm schmücken, dass eine Rekordsumme für einen blinden Buben als Schadenersatz zu bezahlen war. Hintergrund war eine Frühgeburt bei welcher bei der künstlichen Beatmung die Kontrolle versagte. Tirol Die Universitätskinderklinik in Innsbruck musste den Tod eines Kleinkindes verantworten. Was dort passierte, erschütterte die Öffentlichkeit. Vor allem auch deshalb, weil die ursächliche Problematik mit dem Narkosemittel Propofol laut Berichten längst bekannt war, es aber keine Konsequenzen gab. Nachdem der Fall an die Öffentlichkeit kam, wurde auch ein weiterer Fall bekannt, der 2011 gerichtsanhängig wurde und zwar wurde ein Baby laut Gutachten mit einer unangemessenen hohen Dosis Propofol behandelt. Die Uni-Klinik kommt somit nicht aus den Schlagzeilen, nachdem seit 2008 der Fall mit der Stammzellentherapie an der Urologie der Klinik immer wieder in den Medien präsent war. Salzburg Erst 2011 wurde ein Fall publik, der einen Routineeingriff bei einem 66-jährigen Patienten betrifft. Dieser wollte eine Infektion infolge seiner Knieprothese behandeln lassen. Kurze Zeit später war er tot. Der Pathologe stellte eine falsche Intubation fest. Jetzt sind die Gerichte damit befasst. Oberösterreich Ende 2011 legte ein Gutachten offen, dass im Fall jener 17-jährigen, die im Mail letzten Jahres in der Landesnervenklinik Wagner Jauregg in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt wurde und daraufhin verstarb, eine Hirn- und Leberschädigung vorlag, die durch eine Überdosis Narkosemittel verursacht worden wäre. Das Gerichtsgutachten geht von einem gewaltsamen Tod aus und zwei Spitalsärzte stehen unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung. Niederösterreich Im Vorjahr wurden zwei Ärzte aus dem Krankenhaus Hollabrunn schuldig gesprochen, weil sie durch Überdosierung eines Medikaments den Tod einer 82-jährigen Patientin verursachten. Wien Dieser Fall ging zwar glimpflich aus, medial schadet er aber trotzdem: So wurde im Wiener AKH einem Patienten mitgeteilt, dass ein multiples Organversagen diagnostiziert wurde. Erst eine zweite Untersuchung brachte zu Tage, dass die Diagnose falsch war und der Betroffene lediglich an Rotlauf litt. Laut Kurier wäre der Mann ausgelacht worden: Es ist eh nichts passiert. In Wien gibt es aber auch andere Baustellen. Gerichtsverfahren wegen gefälschter Stundennachweisen sind da nur Kleinigkeiten. In diese Kategorie ist viel- 8

9 Österreich häusern passierte news4docs _ krankenäuser Foto: Fotolia / FhMeDien_De leicht auch der Fall einzuordnen, ob ein Arzt die Tochter des Chefs bevorzugte, um diesem dann zu schaden. Beide Fälle fanden jedenfalls den Weg in die Medien. Breit getreten wurden Ungereimtheiten bei Ausschreibungen. Schließlich ist das alles nichts im Vergleich zu den beabsichtigten Personaleinsparungen, welche medial die Wogen hoch gehen ließen. Im Schussfeld stehen hier auch die Nebenjobs der Spitalsärzte. Die Sache wird wohl noch bis Feber 2012 andauern oder vielleicht auch länger, wenn nicht vorher eine Einigung erzielt werden kann. Steiermark In Leoben wurden strafrechtliche Ermittlungen gegen zwei Ärzte, die eine 18-jährige Obersteirerin im Frühjahr 2010 behandelten und die in der Folge an einer Lungenembolie starb, eingestellt. Die Eltern sahen das anders und reichten zivilrechtliche Klage ein. Noch ein Fall aus der Steiermark: An der Uniklinik für Orthopädie in Graz wurde einem 20-jährigen Patienten das falsche Knie operiert. Kärnten Im St. Veiter Ordensspital sollen zwei Ärzte eine Kaiserschnittgeburt zu spät eingeleitet haben und deshalb soll das Kind behindert sein. Einer der Ärzte hatte die betreffende Krankenakte gefälscht und wurde schon 2009 fristlos entlassen. Der Fall selbst ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Das Klinikum Klagenfurt kämpft gleich an mehreren Fronten. Da gibt es einmal den Schadenersatzprozess wegen einer gemäß den Eltern während der Schwangerschaft nicht erkannten Behinderung ihres ungeborenen Sohnes. Die neue Klinik wurde ja schon kurz nach der Eröffnung durch die Entfernung einer falschen Niere österreichweit bekannt. Nun kommt das Klinikum nicht aus den Schlagzeilen. Prozesse, Vergleiche, Anschuldigungen und sogar Bespitzelungen, sowie Personaleinsparungen beherrschen den Krankenhausalltag und die Medien. Privatkliniken Nicht nur öffentliche Häuser sind vom Problem der ärztlichen Kunst- und Behandlungsfehler betroffen, sondern auch private. Der Skandal rund um die französischen Brustimplantaten erreichte auch Österreich. Fünf österreichische Ärzte hatten dieses Material, dessen Hülle instabil ist und zu platzen droht, verwendet. Den Patientinnen steht nun eine weitere Operation bevor. Mediale Wahrheit In Anbetracht der Vielzahl negativer Berichte über das ärztliche Handeln kommen Meldungen wie jene über den Künstler George Michael, der kund tat, dass ihm die AKH-Ärzte das Leben retteten, gerade Recht. Ob diese als Ausgleich reicht, darf bezweifelt werden. 7 9

10 Ärztemangel Steckt ein Fürchterliches Gedränge in den Hörsälen, Wartezeiten für Lehrveranstaltungen und Kurse, KO-Prüfungen und ein Vorab-Auswahlverfahren, das für viele auf den ersten Blick kaum etwas mit Helfen und Heilen zu tun hat. Das sind die Rahmenbedingungen für einen Beruf, bei dem es bald einen Engpass geben wird. Noch nie haben so viele Studenten das Fach Medizin gewählt und es waren noch weit mehr, die beginnen wollten. Über bewarben sich um die vorhandenen Studienplätze. 87 Prozent kamen somit nicht zum Zug. Sie sind im vorherigen Auswahlverfahren auf der Strecke geblieben. Und dennoch stellt sich die (berechtigte?) Frage, ob Österreich in Zukunft ausreichend medizinisch versorgt werden kann. Europaweit zu wenig Ärzte Der Ärztemangel ist nicht alleine ein österreichisches Problem, sondern ein europaweites. So bleibt die Hoffnung nach Zuwanderung kompetenter Mediziner aus dem Ausland wohl nur eine Hoffnung. Denn die EU-Kommission erwartet, dass in den nächsten zehn Jahren im EU-Raum zirka Ärzte fehlen werden. Eine düstere Prognose, von der Österreich nicht ausgenommen ist. Bei uns wird in den kommenden zehn Jahren rund ein Drittel der Ärzte in Pension gehen. Foto: Fotolia / FhMeDien_De

11 news4docs _gesellschaft Problem Abwanderung Österreichs Medizin wird immer gelobt. Zwar sind die Zeiten, wo Könige und Fürsten sich in großer Zahl in heimischen Spitälern behandeln ließen, längst vorbei und heute profitieren Länder wie Deutschland, die Schweiz, Thailand und andere vom Gesundheitstourismus, aber das gute Image hält an. Vielleicht ist das der Grund, warum Änderungen gar nicht oder nur schwer umsetzbar sind. Es ist allerdings eine Tatsache, dass die Ausbildung in Österreich im internationalen Durchschnitt zu lange dauert. Das ist auch der Grund, warum viele frisch gebackene Jungärzte nach dem Studien Richtung Deutschland abwandern. Das, was für die Deutschen gilt, wenn sie zum Studieren nach Österreich kommen, gilt nach dem Studium umgekehrt. In den letzten Jahren sind über Absolventen nach Deutschland abgewandert, um dort ihre Facharztausbildung zu absolvieren. Dort geht das um fünf (!) Jahre schneller und der Verdienst ist besser. Außerdem gibt es aktive Abwerbeaktionen deutscher Kliniken. Österreichs Ärzte sind durchaus gefragt. Es gibt aber bei der Betrachtung der gegenteiligen Wanderbewegungen zwischen Deutschland und Österreich einen wesentlichen Unterschied: In Deutschland ausgebildete und gut bezahlte Fachkräfte österreichischer Hervorprogrammiert? politisches Konzept dahinter? Problem Deutschland In Deutschland verhindert der Numerus-Clausus für viele an der Medizin interessierte junge Menschen den Zugang zu den Universitäten. Ist der Notendurchschnitt nach dem Abitur zu gering, wird nichts aus dem Medizinstudium außer man wandert für die Studienzeit nach Österreich aus. Und genau das machen viele Studenten aus Deutschland. Nun hat Österreich nicht unendlich viel Platz für Medizinstudenten und darf laut EU-Recht auch die heimischen Medizinstudenten nicht bevorzugen. Also sind an manchen Unis schon rund 50 Prozent der Studienanfänger aus dem Ausland vorzugsweise aus Deutschland. Aus deren Sicht ist das nachvollziehbar. In unserem Land haben sie unabhängig ihrer schulischen Vorleistungen freien Zugang zu den Universitäten, die Sprache ist die gleiche, die Kultur sehr ähnlich und die Qualität durchaus anerkannt. Also sagen sie sich: Auf nach Österreich. Aber in der Regel nur zum Studieren, denn danach geht es in der Regel wieder zurück in die Heimat. Das hat nicht nur emotionale Gründe wie zum Beispiel Familie und Freunde sondern auch durchaus rationale. Denn in Deutschland ist die Facharztausbildung schneller zu absolvieren, wird besser bezahlt und man kann wesentlich früher ins eigentliche Berufsleben einsteigen. Für Österreich bleiben die Ausbildungskosten, die Belegung von Studienplätzen, die in späterer Folge nicht der eigenen Gesellschaft zugute kommt und ein großer Frust bei der eigenen Jugend, denen die Deutschen die Studienplätze wegnehmen. Dazu ein Medizinstudent, der ungenannt bleiben möchte: Ich kann den deutschen Akzent schon gar nicht mehr hören. Die nehmen uns die Plätze weg, verbrauchen unsere Ressourcen und verschwinden dann wieder. Ich kenne keinen deutschen Kommilitonen, der in Österreich bleiben möchte. So nebenbei wollen sie über uns bestimmen. Solche oder ähnliche Aussagen hört man immer mehr an Österreichs Medizinunis. Frust macht sich breit. Problem verantwortliche Stellen Die andere Seite ist die gesundheitspolitische. Die Verantwortlichen in Politik und Ärztekammern wissen sehr genau um die demographischen Verhältnisse in Österreich Bescheid, nur Handlungen sind nicht zu erkennen. Die Unis werden finanziell an der kurzen Leine gehalten und können nicht mehr Leute ausbilden. Sie sind mit dem Bestand schon organisatorisch und personell überfordert. Das wird die kürzlich beschlossene zusätzliche Finanzspritze für die Unis in der Höhe von 750 Millionen Euro auch nicht wesentlich ändern können. Zum Thema Medizinunis äußern sich die Ärztekammern verhalten oder gar nicht. Jedenfalls hat sie über Jahre die Quotenregelung und die Beschränkung der Studienplätze Österreich bildet viele Mediziner aus Deutschland aus, die nach dem Studium in ihrem Land arbeiten wollen. nicht nur gutgeheißen, sondern sogar aktiv befürwortet. Ein Spitzenfunktionär meinte dazu: Es gibt daher keine andere Möglichkeit, die Qualität des Medizinstudiums sicher zu stellen, als die Zahl der Studenten an die personellen, organisatorischen und materiellen Gegebenheiten anzupassen. Ob solche Aussagen mitverantwortlich für die heutige Situation sind, darf angenommen werden, aber erfolgreiche Gegenstrategien sind nicht bekannt. Schon 2008 wurde eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien veröffentlicht, dass in Österreich bis 2030 jährlich neue Ärzte benötigt werden, aber nur ein Medizinstudium beginnen, die natürlich nicht alle ihren Plan beibehalten können oder wollen. Zwar gibt es heute Studienplätze - aber hier sind die Studienabbrecher wie auch Ausländer, die nach dem Studienabschluss zurück in ihre Heimat gehen, ebenso enthalten. Es geht sich also nicht aus. 11

12 kunft haben wenig Grund wieder zurück in die Heimat zu kommen, umgekehrt wollen die Deutschen, die in Österreich studieren, sehr wohl die besseren Rahmenbedingungen in ihrer Heimat nutzen. Österreich bleibt also auf der Strecke. Problem fehlendes Lobbying Medizinstudenten sind bei den Ärztekammerwahlen nicht stimmberechtigt. Auf den Kammern-Homepages findet man keine Plattformen für angehende Mediziner und die Unis sind für die Ausbildung ihrer StudentInnen zuständig und nicht für deren Interessen. So stehen also die Studenten, die einmal helfen und heilen möchten, am einen Ende der Skala am anderen Ende stehen jene Ärzte, die in naher Zukunft in Pension gehen wollen. Auch diese Gruppe findet wenig Zuspruch und organisiert sich vereinzelt selber. In Niederösterreich hat sich schon bei der letzten Ärztekammerwahl eine Gruppe formiert, die u.a. auch die Interessen der pensionierten bzw. vor der Pension stehenden Ärzte vertritt. Alleine die Parteienbildung zeigt, dass diese Gruppe sich alleingelassen fühlt. Problem Pensionierungen In den nächsten zehn Jahren werden 37 Prozent der Allgemeinmediziner und 31 Prozent der Fachärzte in Pension gehen. In den kommenden 15 Jahren werden es sogar 70 Prozent der heutigen Kassenärzte sein, die ihren Ruhestand genießen. Das Problem ist aber bereits ein aktuelles, denn die Vorboten sind jetzt schon spürbar. Der Bezirksärztevertreter Dominik Stockinger meint in den OÖN, dass in den nächsten drei Foto: Fotolia / infinityphoto

13 news4docs _gesellschaft Jahren Versorgungsengpässe auch für die PatientInnen spürbar werden: Bis dahin können das die Kollegen vielleicht noch abfangen, danach wird das sicher noch schwieriger werden: Wenn eine Ordination nicht nachbesetzt wird, wird s eng. Stockinger spricht zwar nur für einen Bezirk, ähnliches ist aber auch aus anderen Gebieten zu hören. Welche Maßnahmen werden gesetzt, um diese Entwicklung zu verhindern? Die Ärztekammer hat schon vor mehr als einem Jahr ein Modell vorgelegt, wie der Allgemeinmediziner aufgewertet werden sollte und als zentrale Anlaufstelle dienen soll. Politische Reaktionen blieben allerdings aus. Problem mangelnde Attraktivität Vor allem in den Landgemeinden wird es immer schwieriger, Nachfolger für pensionierte Ärzte zu finden. Nachdem den Hausapotheken der Garaus gemacht wurde, sind viele Landarztpraxen unattraktiv geworden. Viel Arbeit, wenig Lohn und ein nicht immer geliebtes Landleben sind für viele keine Alternativen. Man darf der Ärztekammer hier keine Untätigkeit vorwerfen, hat sie doch wie oben schon erwähnt bereits vor mehr als einem Jahr dem Hauptverband und dem Gesundheitsministerium ihr Hausarztmodell präsentiert. Dieses sieht vor, dass der Haus- oder ein Vertrauensarzt zur zentralen Anlaufstelle werden soll. An ihn sollen alle Befunde gehen und er sollte auf der E-Card als Master-Mind registriert werden. Das Modell sieht freilich Investitionen vor nämlich eine fünfjährige Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, inklusive einem Lehrpraxis-Jahr. Ob sich das Ärzte, die jetzt als Facharzt in einem Spital auf eine eigene Praxis warten, antun wollen, darf hinterfragt werden und ob in Zeiten von Sparzwang, Ideen, die Geld kosten, bei der Politik gut ankommen, ist wohl auch mehr als fraglich. Jedenfalls ist seither nichts passiert, was der Obmann der Niedergelassenen Günther Wawrowsky auch kritisiert. Problem Finanzierung Im Gesundheitsbereich orten Experten Einsparungspotentiale in Milliardenhöhe. Nur wo, das wird noch nicht verraten. Die Karten werden (noch) nicht offen auf den Tisch gelegt. Wenn nun - als fiktives Szenario - viele der Landarztpraxen einfach nicht mehr nachbesetzt werden, dann müssen die Patienten in die Krankenhausambulanzen ausweichen bzw. werden die Patienten nicht mehr bei jedem Wehwehchen den Arzt aufsuchen. Die Krankenkassen würden sich viel Geld ersparen, die Länder als Financier der Spitäler würden zweifellos stöhnen, aber mit angestellten Ärzten kann man einfacher umgehen, als mit selbstständigen. Das zeigen ja bereits die aktuellen Sparmaßnahmen in den Spitälern. Die Länder haben die Gesundheitspolitik schon immer als Einflussfeld gesehen. Das zeigen die Organisationsstrukturen in den Ländern, wo direkt oder indirekt die Politik das Sagen hat - ganz nach dem Motto: Wer zahlt, schafft an. Aber auch wenn sich der Gesundheitsminister mit seiner Idee einer Zentralisierung des Gesundheitssystems durchsetzen sollte, ändert es nichts daran, dass es einen Unterschied gibt zwischen freiberuflich tätigen niedergelassenen und von der Ärztekammer vertretenen Ärzten einerseits und von der öffentlichen Hand bezahlten angestellten Medizinern. 7 Meldungen aus dem Netz einzelmeinungen sind natürlich nicht repräsentativ, spiegeln aber dennoch authentische Meinungen verschiedener gruppen wider. internetblogs sind somit ein sensorium für das, was die Menschen fühlen. hier ein paar Blogmeldungen zum thema: Ärztemangel? Verstehe ich nicht! auf der MeD uni in graz zumindest stauen sich im herbst die studenten um einen studienplatz. Wo sind denn all die abgänger, die fertigen Mediziner? ist nicht die Ärztekammer peinlich darauf aus, die zahl der Ärzte konstant zu halten, auch um die honorare auf niveau zu halten? Kommen nicht viele deutsche numerus-klausus Flüchtlinge zu uns, die dann nach dem studium wieder abhauen? auch hab ich von Medizinstudenten gehört, dass so manche Medizinstudentin, selbst in heutiger zeit der emanzipation, eher auf einen zukünftigen erfolgreichen arzt aus ist, als auf ein abgeschlossenes studium. (Fauler Willi) und wahrscheinlich wie immer, werden die zuständigen politischen gremien diese entwicklung verschlafen bzw. zu spät irgendwas dagegen unternehmen. Kenne viele Medizinstudenten bzw. absolventen, die nach abschluss des studiums nach Deutschland gegangen sind, da sie dort sofort mit einer Facharztausbildung anfangen konnten im gegensatz zu österreich: hier müssen s erst 3oder noch mehr jahre auf einen turnusplatz warten! (tanhauser) Bald nur noch Wahlärzte? ich habe schon lange das gefühl, dass man immer mehr auf Wahlärzte aus ist. Bei Wahlärzten muss man immer einen Kostenbeitrag leisten, was zur Folge hat, dass die Menschen nicht wegen jeder Kleinigkeit zum arzt gehen würden, die Krankenkassen würden sich viel ersparen! (Fatalist) Mich wundert es schon lange, dass das noch nicht passiert ist. sinnlos wird unter Vorspiegelung einer "super Versorgung" geld in die spitäler gepumpt, der extramurale Bereich wird links liegengelassen und ausgehungert. eh klar: Über die diversen apparate (Kammern sv etc.) hat man eher zugriff, man kann Pöstchen besetzen und Dankeschön sagen. Die Bevölkerung ist zu blöd, das zu kapieren; wie denn auch bei diesen Pisa ergebnissen... und so beißt sich diese österreichische Katze fortwährend in den schwanz... (ich bin der Meinung)

14 news4docs _marketing Verlieren Ärzte Neueste Untersuchungen lassen auf gering Österreichs Ärzte konnten sich bislang auf ihre PatientInnen verlassen. Wenn staatlicher Druck ausgeübt wurde, dann wurde meist sehr erfolgreich Gegendruck mit HIlfe der PatientInnen erzeugt. Nun scheint das nicht mehr in gewohnter Weise zu funktionieren und zum Teil zeigt sich sogar Widerstand gegen die Interessen der Ärzte. Die Macht der PatientenInnen Die Macht geht vom Volke aus. Das ist nicht nur das Wesen der Demokratie, es ist auch aktuell eine vielgeübte Praxis - im Großen wie auch im Kleinen. Die Widerstände in Nordafrika zeigten, was möglich ist. In Österreich ist das ebenso gelernte Realität. Wenn die Beamten oder Pensionsten mit Widerstand drohen, dann geben die Politiker schnell nach. Die von Experten vielkritisierten hohen Lohn- und Pensionsabschlüsse für diese Gruppen sind dafür schlagende Beweise. Österreichs Ärzten ist diese Funktionsweise der österreichischen Politik durchaus auch bewusst. Die Verhinderung der zentralen Mammographiezentren sind ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit oder die Mobilisierung der Patienten im Zusammenhang mit den geplanten Personalsparmaßnahmen im AKH-Wien sind ein anderes. Bislang haben derartige Strategien auch immer geklappt. Nun gibt es Hinweise, dass es anders werden könnte. Interessen von Patienten und Ärzten gehen auseinander Die Bedürfnisse der Patienten sind in einfachen Worten zusammenzufassen - sie wollen medizinisch bestens vorsorgt sein. Diese egoistische Sichtweise lässt die Interessen der Ärzte außer acht. Dem Patienten kann es im Grunde völlig egal sein, wieviel ein Arzt verdient und was er an administrativen Tätigkeiten aufwenden muss. Solche Argumente müssen somit auch ins Leere gehen. Nun haben die Standesvertretungen derzeit viel damit zu tun, Bestehendes zu verteitigen. Die Kritik der Ärzte an ELGA ist so ein Beispiel. Zweifellos würde ELGA einen Mehraufwand für die behandelnden Ärzte bedeuten und die Frage, wer das abdecken sollte, ist aus der Sicht der Mediziner zu verstehen, aus der Sicht der Patienten aber völlig irrelevant. Kritik nimmt zu Patienten, Patientenanwälte, Patientenvereine, Selbsthilfegruppen und Medien stellen zunehmend eine Front gegen die Medizin dar. Beispiele dafür gibt es genug - e-health, die TILAK-Affäre, die zwischenzeitlich schon wöchentlichen Berichte über ärztliche Fehlleistungen und die schon endlos anmutende Kostendiskussion. All das spielt natürlich den politischen Änderungsabsichten in die Hände und die große Gesundheitsreform steht ante portas. Sogar die Mehrheit der Österreicher wollen gemäß einer OEKONSULT-Umfrage diese Reform. Die große Mehrheit der Befragten zeigt deutlichen Unmut beim Reformstau im Gesundheitswesen. 86% fordern von den Entscheidungstra gern der hohen Politik, dass die seit vielen Jahren versprochenen Gesundheitsreformen nun endlich kommen mögen. Die Budgetnoẗe geben derzeit berechtigte Hoffnung, dass die nach einem Zwischenspurt neuerlich von beharrlichen Bremsern ins Stocken gebrachte Reformdynamik wieder an Fahrt gewinnen ko nnte. Waḧrend an 3% der Reformzug im Gesundheitswesen ohne die geringste Anteilnahme voru ber faḧrt, fordern 34% mehr Dampf, und das mit gro ßtem Nachdruck. Kostenbewusstsein nimmt zu Wenn jemand krank ist, dann ist dem Betroffenen natürlich alles recht und billig, was helfen kann - 14

15 news4docs _marketing Ihre Patienten? ere Arzt-Patienten-Bindung schließen Foto: Fotolia / iso K und das System soll zahlen. Nun hat der gesunde Menschenverstand aber längst erkannt, dass wir über unsere Verhältnisse leben und die Menschen sind zum Sparen bereit. Sie scheinen aber wenig Verständnis dafür zu haben, dass durch unnötige Ausgaben erforderliche Leistungen nicht in Anspruch genommen werden können. Die OEKONSULT-Forscher fanden heraus: Drei Viertel der Befragten urteilen, dass Doppelbefunde keine Seltenheit seien. Speziell dann, wenn verschiedene Patienten werde immer kritischer. A rzte, etwa neben dem Hausarzt auch das Spital aufgesucht werden. Zur Sicherheit, sozusagen. Nutzt es nix, schadet s auch nicht. Aber kosten tut es allemal, und das nicht zu knapp - Mittel, die schlichtweg vergeudet sind, ohne dem Patienten gesundheitlichen Nutzen zu bringen. Waḧrend nur ein Prozent von Doppelbefunden u berhaupt keine Kenntnis hat, sagen 21 Prozent, dass solche Praktiken bei uns mit Sicherheit ga ngige Praxis wa ren. Die Patienten scheinen die Geldverschwendung zu spüren. Und weiter: Wir haben ja nichts zu verschenken. Nicht nur, aber ganz besonders im Gesundheitswesen ist es ein Gebot der Stunde, die vorhandenen, knapper werdenden Budgetmittel mit gro ßter Sorgfalt und gro ßter Effizienz einzusetzen. 94% teilen diesen Standpunkt. Sparen ja - aber nicht bei den Leistungen Sowohl Experten wie auch die breite Bevölkerung sieht eine Fülle von Einsparungsmaßnahmen. Dabei glaubt die Mehrheit, dass dies nicht mit Leistungseinbußen hereingeht. Sparen im Gesundheitsdschungel ist mo glich. Und zwar ohne Leistungseinbußen fu r die Bevo lkerung. Davon sind sehr beachtliche 89% u berzeugt, unter ihnen gleich 48%, die an dieser Sichtweise keinerlei Abstriche dulden. Nur 3% sagen, das Einsparungspotenzial sei vo llig ausgescho pft. Deutlicher kann ein Votum kaum ausfallen. An der Realität vorbei? Die Internetplattform netdoktor verzeichnet monatlich bereits über Zugriffe. Das sind sechs Millionen pro Jahr und die Zahlen steigen. Außerdem gibt es viele andere Plattformen, die ebenso besucht werden, sodass die eigentlichen Klicks auf Gesundheitsseiten wohl mindestens zu verzehnfachen sind. Der Trend steigt international an und an der Berliner Charité gibt es bereits Seminare für Patienten, welche diese fit für die Internetrecherche machen sollen. Ärzte sind somit schon längst nicht mehr die alleinigen Kompetenzen gegenüber ihren Patienten. So gesehen sind Kampagnen, die Ärzte mit ihren Patienten machen wollen, nicht mehr von vorhinein mit garantiertem Erfolg gekrönt. Auch hier passt das Beispiel ELGA, weil trotz millionenschweren Inseratenaufwands aus Ärztebeiträgen, haben sich die Patienten nicht beeinflussen lassen. Die Mehrheit war gegen die Kampagne und ist für ELGA. Das Forschungs- und Beratungsinstitut OEKONSULT fand klare Worte: Trotz aller moderner Hi-Tech-Medizin schaut unser Gesundheitssystem in manchen Bereichen reichlich alt aus. Zeitgema ße Informationstechnologie scheint grob vernachla ssigt. Unabhängig davon, ob Systeme wie ELGA nun technisch durchdacht und am letzten Stand sind, der Widerstand gegen solche Systeme kommt bei den Patienten nicht gut an. Nur wo sind die Erfolgsstrategien? Vetrauensfrage Die Medienberichte über medizinische Fehlleistungen, das für viele Beobachter und Insider zu starre Festhalten an den gegebenen Strukturen und Aktionen wie die Nacktkampagne tragen nicht sonderlich zur Vertrauensfestigung bei. Ärzte verlieren ihre Patienten immer mehr - nicht als Kranke, sondern als Fürsprecher für ihre eigenen Belange. 7

16 news4docs _qualitätsmanagement Österreicher für ELGA OEKONSULT-Gesundheitsumfrage: Mehrheit für e- Health, wenig Angst vor Datenklau, Kritik an Nackt -Kampagne und Reformstau. Die Mehrheit der 1231 von oekonsult in persönlichen interviews in ganz österreich befragten Personen im alter von 15 bis 81 jahren lässt keinen zweifel daran, dass sie sich vom e-health system deutliche Verbesserungen für das heimische gesundheitssystem erwarteten. einem möglichen Diebstahl ihrer gesundheitsdaten steht die Bevölkerung erstaunlich gelassen gegenüber. Viel sympathie kann die Ärztekammer für ihre Kampagne mit nackten Menschen beiderlei geschlechts und mittleren alters nicht gewinnen. oekonsult-chef joshi M.a. schillhab legt die ergebnisse einer weiteren repräsentativen umfrage seines institutes zum gesundheitswesen in österreich und lange versprochenen reformen, insbesondere e-medikation und e-health vor. Die Bevölkerung verspricht sich mehrheitlich Verbesserungen bei der Medikamentensicherheit, weniger Doppelbefunde und Mehrfachverschreibungen und damit einsparmöglichkeiten, die nicht mit leistungskürzungen einhergehen. ob sie bei Verfügbarkeit im e-health system verbleiben wollen, wird vom erzielbaren nutzen und ihren erfahrungen in der anwendungspraxis abhängen. unübersehbar sind immer noch oder schon wieder? informationsdefizite zur e- card. Quelle: ökonsult ebenso nicht so deutlich zu sein. Die Konsumentenschützer, Patientenanwälte, Selbsthilfegruppen und Patientenvereinigungen hatten keine Gründe, ELGA mit dieser Vehemenz zu kritisieren. Die Presse spricht aus, was als Motiv in Frage kommt: Der Arzt könnte haftbar gemacht werden, wenn er einen Befund im Online-Krankenakt übersieht. Und eine genaue Prüfung kostet Zeit fünf bis zehn Minuten pro Patient, heißt es, jedenfalls aber mehr als jetzt. Insge- Was steckt da elga-ablehnung erfolgt mit wacklingen Ein halbseitiges Inserat im Anzeigenteil der Kronenzeitung kostet laut Tarif Euro. Die Ärztekammer hat - vor geraumer Zeit - viele Inserate in verschiedensten österreichischen Zeitungen platzieren lassen. Das Ziel war offenkundig: Es ging darum, die ÖsterreicherInnen gegen ELGA in der geplanten Form mobil zu machen. Nur das ging gründlich in die Hose, denn gemäß einer OEKONSULT-Umfrage (siehe nebenstehenden Kasten) sind 81 Prozent der Österreicher- Innen für ELGA. Die Kampagne funktioniert also so nicht. Viele ÄrztInnen werden sich nun fragen, ob ihre hart verdienten Kammerbeiträge für Sinnlosigkeiten ausgegeben werden. Neue Erfahrung Die Ärztekammer muss wohl eine neue Erfahrung hinnehmen. Bisher wurde das Naheverhältnis ihrer Mitglieder durchaus für gemeinsame Interessen genutzt zumindest wurde das Gemeinsame immer herausgestrichen. Ein erfolgreiches Beispiel waren die Unterschriftenaktionen bei GynäkologInnen, als es darum ging, dass die Mammographie bei über 50-jährigen Patientinnen nur mehr von zentralen Stellen vorgenommen werden sollten. Allerdings hatte die ELGA-Kampagne wohl keine breite Basis bei den ÄrztInnen, weil sonst wäre das auch über die Ordinationen möglich gewesen, was die Inseratenkampagne beabsichtigte nämlich das Gesetz in der vorgesehenen Form zu verhindern. Was heißt das wohl für die Zukunft? Klaus Richter von medicalreport meint, dass PatientInnen immer kritischer werden. Aber es scheint auch so etwas wie einen gesunden Hausverstand zu geben, gegen den nicht einmal die Macht der Ärztekammer etwas ausrichten kann. Inhaltlich unscharf Die Kampagne fragte unverblümt, ob die PatientInnen wirklich wollen, dass ÖsterreicherInnen über ihre Daten Bescheid wissen sollten. Dass Ärzte und medizinisches Personal sehr wohl wissen sollten, was beim Patienten alles untersucht wurde und welche Medikamente er verschrieben erhält oder nicht, das versteht eigentlich jeder. Es gibt in Österreich rund Ärzte. Wenn nur jeder 1,5 Mitarbeiter in seine Arbeit einweiht und das muss er wohl zweifelsohne dann wird die Zahl schon erreicht. In Wirklichkeit sind es weit mehr. Die Frage der Ärztekammer muss somit wohl jeder mit JA beantworten, wenn er will, dass er richtig behandelt wird. Und es muss wohl jeder Arzt auch Interesse haben, zu wissen, was die Vorbehandler untersucht, diagnostiziert, behandelt, therapiert und verschrieben hatten. Wahre Motive unklar oder unausgesprochen Die Argumentation der Ärztekammer geht eben von der großen Anzahl von möglich Wissenden aus, was für die Betroffenen kaum nachvollziehbar zu sein oder einfach keine Rolle zu spielen scheint. Das zweite Argument bezieht sich auf die Datensicherheit der Patienten. Die Ärztekammer als Anwalt der Patientenschaft? Das scheint Die wahren Motive sind die Furcht vor Haftungen, weniger Patienten und Umsatzeinbußen. 16

17 hinter? argumenten samt könnten also weniger Menschen behandelt werden, was im niedergelassenen Bereich wohl unmittelbare Auswirkungen auf den Verdienst hätte. Ein solches Argument wäre durchaus für die abgelaufene Kampagne werthaltig, aber wohl kaum in der Öffentlichkeit zu verkaufen. Aber die Kammer würde damit zweifellos hinter ihren Mitgliedern stehen. Die Themen Hacker und Datensicherheit sind sicherlich relevant, aber wohl eher ein globales als ein Ärztekammerproblem. Der Patient Daniel Kurnig meint dazu Mir ist nicht klar, was ein Hacker mit meinen Krankheitsdaten anfangen sollte. Außerdem sind diese ohnehin alle irgendwo gespeichert und somit für Hacker potentiell greifbar. Bisher hat sich aber auch niemand dafür interessiert und mir ist es völlig egal, wer weiß, welche Medikamente von meinen Ärzten verschrieben wurden, wenn ich dafür einen gesundheitlichen Vorteil erhalte, weil z.b. Kontraindikationen vermieden werden. Ich weiß auch nicht, warum ich innerhalb einer Woche z.b. zweimal das gleiche Röntgen machen lassen soll. Wenn ELGA das verhindert, nützt es mir, meiner Gesundheit, meiner Zeit, meinem Arbeitgeber und wohl auch dem Gesundheitssystem, das sich Geld erspart. Der einzige, dem es nicht nutzt, wäre der zweite Röntgenologe, der dann kein Geschäft mehr macht und vielleicht meinen Hausarzt, der dann keine Nachuntersuchung mehr in Rechnung stellen kann. Liegt hier in möglichen Ertragseinbußen eine Begründung? Nachdem eine breite Front pro ELGA ihre Stimme erhob, wurden die Argumente geändert. Es ging in der Folge um unglaubwürdige Kosten und um zusätzliche Aufwendungen. Ob nun die 150 Millionen stimmen, die Gesundheitsminister Stöger als Entwicklungskosten anführt oder die über 400 Millionen Euro, die die ÖAK verlautbarte, ist ein wenig stichhaltiges Argument, denn das Projekt liegt beim Ministerium und die sollten wissen, was es kosten wird. Wenn es nicht simmt, dann muss das Gesundheitsministerium die Fehleinschätzung verantworten. Da ist die Frage, wer für die zusätzlichen Aufwendungen in der Arztpraxis aufkommen wird, schon stichhaltiger, aber ohne das System genau zu kennen, auch nicht sonderlich wirkungsvoll. Ein Ärztekammermitglied, das nicht genannt werden möchte, bringt es auf den Punkt: ELGA wird kommen und es wird unsere Arbeit erleichtern. Das System ist eine Chance, unsere Arbeit weiter zu verbessern. Es wird auch den Patienten nutzen und Doppelgleisigkeiten vermeiden. 7 Foto: öäk Foto: Fotolia / YelloWj

18 news4docs _ Kommentare Meine 87-jährige oma hat ein neues hobby für sich entdeckt. sie lässt sich mittels notfallsarmband, das sie seit wenigen jahren bei sich trägt, einen Krankentransport schicken. Für den monatlichen sold an die hilfsorganisation ihres Vertrauens ist dies auch fast schon ein notwendiger schritt, um für das investierte geld auch etwas zu erhalten. als alleinstehende Person ist ein transport ins spital ein tageserlebnis, von dem man noch wochenlang zehrt, würde sie es aufgrund ihrer komorbid-bedingten Demenz nicht wieder vergessen. Mit der einsamkeit steht sie nicht allein da. im nebenberuflichen Brotberuf als sanitäter trifft man in jedem Dienst auf sozial isolierte Persönlichkeiten mit den entsprechenden einhergehenden erkrankungen. Das scheint zwar ein immer größer werdendes Problem in unserer gesellschaft zu werden, wird von den Medien - ohne die bekanntlich wenig in unserer gesellschaft ins rollen kommt - jedoch kaum aufgegriffen und diskutiert. Heilsamer Besuch im Krankenhaus seher, der eine bis vor wenigen jahren elementare tagesbeschäftigung für sie darstellte, nicht mehr im Mittelpunkt des täglichen tagesablaufs steht, dann muss man das Fortschreiten der Krankheit akzeptieren. es sind nicht die sich wiederholenden gespräche, die einem wehtun, sondern das Mitansehen müssen, wie sich eine an Demenz leidende Person selbst am meisten darüber ärgert, sich nur noch wenig merken zu können und die immer nachfragen muss, was gestern passiert sein. noch schlimmer wird der Druck, wenn man der Krankenschwester sagen soll, ob einem das essen geschmeckt hat. Welches essen denn? ob sie schon insulin gespritzt hat? im zweifel einfach ja sagen, das hat sie früher ja auch immer gewissenhaft gemacht. inhaliert hat, wurde ganz still und kratzte ihre letzte aufmerksamkeit zusammen. Mit viel Fingerspitzengefühl konnte die schwester meine oma davon überzeugen, heute mal mehr tabletten als sonst zu schlucken (da zu Mittag eine ausgelassen wurde). zum schluss meines Besuches erzählte uns die Bettnachbarin eine anekdote aus ihrem leben. in ihrer Karriere als Krankenpflegerin hielt sie einem psychisch kranken und bewusstlosen Patienten die hand und erzählte ihm von ihrem bisherigen tag. trotz der ansage des arztes, sie solle sich lieber um andere sachen kümmern, bei dem Patienten sei jede ansprache nämlich sowieso sinnlos. am nächsten tag erholte sich der Patient und hörte die stimme der Krankenpflegerin. er rief nach ihr und Vorrats d vor dem Wien (OTW): Die Vorratsdatenspeicherung kann das ärztliche Berufsgeheimnis und damit das äußerst sensible Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient unterminieren, warnte ÖÄK-Präsident Walter Dorner. Telefon- und Internetverbindungen, über die Patienten vertrauliche Daten an Ärzte übermitteln, sollten daher von der Vorratsdatenspeicherung ausgenommen sein, forderte Dorner. Denn gerade Gesundheitsdaten seien extrem sensibel und müssten entsprechend geschützt werden. Dorner: Wenn die Politik schlampig vorgeht, kann das Foto: Fotolia / WissMann Design Wenige Wochen nach dem letzten spitalsaufenthalt, der im Vergleich zu den vorherigen neue tatsachen (und somit eine bessere Medikamentation) ans licht brachte, war nun der nächste Besuch in einer Krankenheilanstalt am Programm. gott sei Dank ist ihre Bettnachbarin im Krankenzimmer eine Person, die man als hilfsbereit und aufmerksam bezeichnen kann. Das benötigt meine oma am meisten. Wenn sogar der Fern- Bevor sich der Besuch zum ende neigte, betrat eine Krankenschwester den raum und ich wurde zeuge von einfühlsamkeit, engagement und souveränität. Meine oma, die das Wienerische und die dazugehörige Mentalität in allen ihren Facetten über viele jahrzehnte bedankte sich bei ihr: es tat mir sehr gut! Da wusste ich wieder, woran ich mich in späteren arztmomenten ab und zu erinnern sollte. Alexander Niederecker 18

19 aten: Warnung gläseren Patienten Foto: Fotolia / crimson ernste Konsequenzen haben. Die Menschen trauen sich unter Umständen gar nicht mehr zum Arzt, aus Angst, es könnte eine schlimme Erkrankung entdeckt werden, die negative Folgen in Beruf und Privatleben nach sich ziehen könnte. Vor allem psychisch Kranke oder Suchtpatienten würden vor eine unüberwindbare Hürde im System gestellt, wenn beispielsweise jeder Anruf beim Arzt gespeichert werde. Patienten sind in erster Linie Hilfsbedürftige. Sie dürfen nicht wie Kriminelle behandelt werden, appellierte Dorner an die Politik. Die Bürgerinitiative, die sich gegen die Vorratsdatenspeicherung wehre, sei jedenfalls zu unterstützen. Dass erst Personen unterschrieben haben, zeigt, dass hier noch großer Informationsbedarf besteht, so der Ärztechef. Kritisch sieht der ÖÄK-Präsident auch das Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen (ACTA), das in den vergangenen Wochen für rege Diskussionen gesorgt hat. Auch hier werde eine an sich gute Idee pervertiert, indem der Schutz der Urheberrechtsinteressen über den Schutz der Konsumenten gestellt werde. Dorner: Die Menschen sind verunsichert. ACTA könnte die Meinungsfreiheit im Internet stark einschränken und ist gleichzeitig ein weiterer Schritt in Richtung Überwachungsstaat. Insofern sei es zu begrüßen, dass Österreich die Ratifizierung des umstrittenen Handelsabkommens vorerst ausgesetzt habe. Dennoch frage ich mich, warum Österreich wieder einmal vorpreschen musste, während andere Staaten das Abkommen viel kritischer sehen und noch nicht einmal beigetreten sind, übte Dorner abschließend Kritik. Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer, Mag. Martin Stickler Sechs Millionen und ein fehlender Spargedanke jeder weiß, dass österreich sparen muss. Wenn nicht, dann droht uns ein weiteres Downgrading der ratingagenturen, höhere zinsen und wohl eine tiefe rezession. sparen muss auch der gesundheitsbereich und die nächste gesundheitsreform ist schon angekündigt. Dass alle den gürtel enger schnallen sollten, das weiß die regierung nicht erst seit ein paar Wochen. Dennoch leisten sich einzelne ressorts ausgaben für Medienberatung in bislang nicht bekannter größe. eine parlamentarische anfrage brachte es zu tage: Die Bundesregierung hat seit ihrem Bestehen 2009 sechs Millionen euro für Medien- und strategieberatung ausgegeben. achtung, das sind reine Beratungskosten, von den vielen Millionen für Pr-Kooperationen und inseraten und anderen werblichen umsetzungen ganz zu schweigen. alleine mit den sechs Millionen wären zum Beispiel 30 Kassenpraxen zu finanzieren oder man könnte zwei Drittel der für die akh-ärzte angeblich nicht mehr finanzierbaren Personalkosten aufbringen oder man könnte Psychotherapiestunden bezahlen. natürlich sind diese Beispiele durchaus polemisch gemeint, aber solches darf erlaubt sein, wenn überall gespart werden soll und die Vorbilder in der regierung geben das geld mit beiden händen für Dinge aus, für die teure strukturen vorhanden sind - oder sind die Beamten unfähig und nur externe sind kompetent? 19

20 Vert Laut einer OTS-Aussendung liegen nach einer Studie von Readers Digist Österreichs Ärzte im Vertrauensranking im Spitzenfeld - und zwar an fünfter Position. Davor liegen die Feuerwehrleute, Apotheker, Krankenschwestern und Piloten. Die Spitzengruppe von Österreichs vertrauenswürdigsten Berufen bleibt auf Erfolgskurs. In Europas größter Konsumentenstudie, durchgeführt vom Magazin Reader's Digest, konnten Österreichs Feuerwehrleute, gefolgt von Apothekern, Krankenschwestern, Piloten und Ärzten, ihre hohen Vertrauenswerte gegenüber dem Vorjahr verteidigen. Ganz offensichtlich wissen die Österreicher genau, auf wen sie sich verlassen können, wenn es darauf ankommt. Die Feuerwehrleute schafften es in allen 15 untersuchten Ländern, den höchsten Vertrauenswert zu erzielen. In Österreich sprachen 97 Prozent der Befragten den Feuerwehrleuten ein sehr hohes bzw. ziemlich hohes Vertrauen aus. Die Apotheker folgten mit 96 Prozent und schoben sich damit erstmals auf den zweiten Platz des Vertrauensrankings. Die Krankenschwestern erzielten 95 Prozent, die Piloten 94 Prozent und die Ärzte 90 Prozent. Foto: Fotolia / andreas haertle

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