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1 aktuell Nr. 09 November 2009 Bildung und Lebensperspektiven für junge Menschen in Benin, Westafrika. Stärken. Bilden. Begleiten. aus dem Inhalt: Ein Jahr Bäckerei Zwillinge gerettet Städtefreundschaft Kleinkredite Ausbildungszentrum Prudence und Prudencia sind gerade 14 Monate alt und schon Halbwaisen. Als die Mutter der Zwillinge starb, waren sie nur sechs Monate alt. Der Vater und die kranke Großmutter waren mit der Versorgung des Mädchens und des Jungen hoffnungslos überfordert. Die Kinder wurden krank, magerten schließlich völlig ab. Durch einen Zufall wurde pro dogbo auf den Fall aufmerksam und konnte beide Kinder vor dem Hungertod retten. Prudence und Prudencia haben großes Glück gehabt. Ihre Geschichte lesen Sie in diesem Rundbrief. Die Geschichten vieler anderer Kinder werden dagegen gar nicht erst bekannt. Über eine Milliarde hungernde Menschen zählten die Vereinten Nationen in diesem Jahr weltweit. 260 Millionen davon in Afrika. Viel zu viel, als dass man hieran etwas ändern könnte!, ist man geneigt zu denken. Und doch: Die weitsichtige und nachhaltige Antwort auf Armut und Unterentwicklung heißt für uns Bildung. Allein Bildung ist die Grundlage zur Bewältigung von Armut. Gewiss: Im Fall von Prudence und Prudencia waren es vor allem Milchpulver, Medikamente und viel Liebe, die den beiden das Leben retteten. Doch schon in ein paar Jahren werden auch die beiden Zwillinge bereit sein, zur Schule zu gehen um zu lernen und ihr Leben Schritt für Schritt selbst in die Hand zu nehmen. Pro dogbo stärkt, bildet und begleitet auch die beiden dank Ihrer Hilfe! Eine gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen

2 Einblicke Die Einrichtung einer gesamten Bäckerei räumten die Mitarbeiter von pro dogbo aus dem Container. Die Maschinen und Materialien stammen aus der stillgelegten Bäckerei der Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland in Bedburg-Hau. Pro dogbo-container: Spenden erreichen Benin Bilanz: Ein Jahr Brot in Dogbo Die ausgemusterten Maschinen und Materialien aus der stillgelegten Bäckerei der Klinik des Landschasftsverbandes Rheinland in Bedburg-Hau haben nun ihre neue Heimat gefunden: Ende September erreichten der Teigkneter und andere Maschinen, sowie die Backformen, Bleche und Regale zusammen mit einem von der Klever Firma Elektro Hussmann gespendeten Lieferwagen das Projekt von pro dogbo in Benin. Gemeinschaftsaktion In einer Gemeinschaftsaktion hatten Mitglieder der Klever Kolpingsfamilie und Helfer von pro dogbo an einem Junitag die alte Bäckerei der LVR-Klinik leergeräumt und die Maschinen und Geräte per Lkw zum Emmericher Rheinhafen gefahren. Dort stand der noch leere Container bereit. Zusammen mit Bücherspenden für eine geplante Schülerbibliothek wurden die Sachspenden in den 40-Fuß-Container geladen. Bis an den Rand gefüllt, trat der Stahlbehälter schließlich seine etwa dreiwöchige Reise nach Benin an. Im Hafen von Cotonou in Benin angekommen, sollte es noch etwa weitere sechs Wochen dauern, bis die Zollbehörden ihr grünes Licht für den Weitertransport auf dem Landweg Richtung Dogbo gaben. Dort angekommen, hob ihn ein gemieteter Hebekran auf seinen endgültigen Standplatz, nachdem mehrere dutzend Helfer die Spenden für das Projekt ausgeladen hatten. Brot für die Dörfer Mit dem gespendeten Kleinbus fahren die Mitarbeiter der im März eröffneten Ausbildungsbäckerei nun das frische Brot in die rund 40 Dörfer der rund Einwohner zählenden Kommune Dogbo. Bislang gab es in Dogbo keine Bäckerei. Brot gab es nur, wenn die Bäckereien der über 20 Kilometer entfernten Nachbarstädte Überschuss produzierten. Viele der kleinen Dörfer der Kommune und der Nachbarkommunen wurden bislang überhaupt nicht mit Brot versorgt. Hier soll nun der Lieferwagen Abhilfe schaffen. Denn mittlerweile werden in der Bäckerei pro Tag rund 1000 Brote gebacken. Innerhalb eines halben Jahres wurden so mehr als Brote produziert und in Dogbo und Umgebung von den Marktfrauen an ihre Kunden weiterverkauft. Auf diese Weise trägt die neue Bäckerei Dogbos wesentlich dazu bei, dass ganze Familien von den Erlösen des Brotverkaufs ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die Lebenssituation von vielen Kindern hat sich so indirekt und dauerhaft verbessert. In der Bäckerei werden Jugendliche, die zuvor arbeitslos waren, von zwei Bäckern ausgebildet. Zwei der sechs Lehrlinge sind Rodrigue und Amos. Beiden brachen vor einiger Zeit die Schule ab, weil ihre Eltern das Geld für ihre Ausbildung nicht mehr aufbringen konnten. Als die Bäckerei in Dogbo eröffnete, bewarben sie sich mit Erfolg um eine Bäckerausbildung. In einer feierlichen Zeremonie wurden die beiden Lehrlinge aufgenommen. Mit dabei waren auch ihre Verwandten und Freunde. Auf leeren Mehlsäcken kniend erhielten sie von den Ausbildern Ratschläge und Mahnungen zur Disziplin, Sauberkeit und Ordnung. Symbolisch schlug man den Lehrlingen mit einem Stock auf die flache Hand ein warnender Hinweis auf eine mögliche Strafe bei Nichtbeachtung der Regeln. Rodrigue und Amos lernen wie die anderen Lehrlinge nicht nur in Dogbo, sondern absolvieren auch mehrwöchige Praktika in anderen Bäckereien. So sollen sie ihren Horizont erweitern und mehr Erfahrungen sammeln. Steigender Absatz Die Ausbildungsbäckerei arbeitet seit fast einem Jahr. In dieser Zeit stieg der Brotabsatz stetig. Mit dem neuen Lieferwagen können nun auch andere Orte erreicht werden, in denen es bislang noch kein Brot zu kaufen gab. Dadurch soll die Produktion weiter gesteigert werden. Die nun eingetroffenen Sachspenden aus Deutschland werden zudem helfen, die Produktion zu vereinfachen, auf neue Produkte auszuweiten und so auch die Qualität der Ausbildung der Jugendlichen in Dogbos erster Bäckerei zu verbessern. aktuell Nr.09/2009

3 Schicksal Das war knapp: Prudence und Prudencia haben überlebt Zufall rettete Halbwaisen das Leben Konnte das sein? Soeben hatte man noch fröhlich die Einweihung des Ausbildungszentrums mit vielen Gästen gefeiert, sich gefreut und gemeinsam gelacht. Nun, nur ein paar Momente später, steht man plötzlich vor zwei Kleinkindern, die offensichtlich mit dem Tode ringen. Die Delegation, die aus Deutschland angereist war, um in Dogbo das pro dogbo-projekt einzuweihen, wollte nach den Feierlichkeiten einen Spaziergang durch die Kleinstadt machen und ein wenig vom afrikanischen Leben kennenlernen. Ganz unerwartet befanden sich die Gäste dann mitten in der Realität Afrikas, in der Freude und Elend immer ganz nah beieinander liegen. Unterernährt und dehydriert Prudencia und Prudence, Zwillingsgeschwister, die gerade sieben Monate alt waren, lagen vor einer ärmlichen Lehmhütten in den Armen ihrer Verwandten. Beide Kinder waren unterernährt, dehydriert und hatten noch nicht einmal mehr die Kraft zu weinen. Ihre Augen waren starr und schauten hilflos in die Welt. Ihre Mutter war vor einem Monat gestorben. Dem Vater fehlte es an Geld und Wissen, die beiden Kleinkinder ihrem Alter entsprechend zu versorgen. Anstatt Milchnahrung erhielten sie von der Großmutter Maisbrei. Sie wusste sehr wohl, dass die Kinder so nicht richtig ernährt wurden, aber ihr fehlte schlicht das Geld für die richtige Nahrung. Die alte und selbst kranke Frau hatte bereits acht ihrer neun Kinder sterben sehen. Nur eines war ihr geblieben. Und nun hielt sie mit ihren Enkelkindern wieder zwei Babies auf dem Arm, denen sie nicht helfen konnte. Die Trauer über ihre Hilflosigkeit stand der alten Frau ins Gesicht geschrieben. Der letzte Ausweg schien eine Voodoo-Zeremonie, ein Hilferuf an mächtigere Kräfte, die den Kindern helfen sollten. Es wurde gebetet, gesungen und getanzt damit sich das Schicksal der Zwillinge noch ändern möge. Viel Zeit blieb den beiden Wesen nicht mehr. Genau in diese Zeremonie platzte nun die Delegation aus Deutschland. Zwei Welten standen sich plötzlich gegenüber. Was mit den Kindern sei, wurde gefragt. Man unterbrach die Zeremonie, die Großmutter erklärte den Gästen, was hier gerade vor sich ging. Unterstützung von pro dogbo Die Entscheidung, hier zu handeln, wurde nicht lange diskutiert. Die Sozialarbeiterin von pro dogbo besuchte die Familie am darauffolgenden Tag. Sie organisierte umgehend Babynahrung und ließ die Zwillinge ärztlich untersuchen. Das größte Problem, das es zu lösen galt, war die Absicherung einer dauerhaft guten Versorgung für Prudence und Prudencia. Nach einiger Zeit der Suche, in der die Sozialarbeiterin Lidwine die Betreuung des Jungen und des Mädchens übernahm, wurden die beiden Geschwister bei Ordensschwestern untergebracht, die sich bereiterklärt hatten, die Zwillinge aufzunehmen. Pro dogbo übernimmt die Kosten für Nahrung und Medikamente. In guten Händen Mittlerweile sind Prudencia und Prudence schon 14 Monate alt und es geht ihnen gut. Nach Monaten des Leidens und einer Odyssee, die von Krankenstation zu Pflegekraft führte, sind sie in guten Händen. Die beiden erfahren nun endlich die Liebe und Pflege, die ihnen so sehr zusteht. Erleichtert sind nicht nur die Großmutter und der Vater, die ihre Enkel und Kinder nun gerettet sehen. Froh sind auch die Gäste aus Deutschland darüber, dass ihr Weg sie an diesem Tage zu den Zwillingen geführt hat. Wollen Sie den Zwillingen oder anderen Kindern helfen, die in ähnlicher Lage sind? Auf der letzten Seite dieses Rundbriefes finden Sie alle Informationen rund um die Förderung unserer Arbeit in Benin. Vielen Dank! Mehr als eine Milliarde Mens c h e n auf der Erde leiden nach UN-Angaben Hunger - das entspricht einem Sechstel der Weltbevölkerung. Das 21. Jahrhundert drohe zum Hungerjahrhundert zu werden, warnte Barbara Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe. Zwei von drei Hungernden lebten auf dem Land, also müsse die Hilfe dort ansetzen. Dieckmann verlangte für die Bekämpfung von Hunger und Armut nur ein Prozent der von den Industrieländern aufgelegten Konjunkturprogramme, zusätzlich zur Entwicklungshilfe. Die von Unterernährung betroffenen Menschen leben alle in Entwicklungsländern, wie aus dem Bericht hervorgeht. In Asien und der Pazifikregion leiden der Schätzung zufolge 642 Millionen Menschen chronisch Hunger, in Afrika - südlich der Sahara - sind es 265 Millionen. Insgesamt habe sich die Zahl der Betroffenen gegenüber dem Vorjahr um 100 Millionen erhöht. (Quelle: www. tagesschau.de) 3

4 Notizen Einblicke Stolz präsentieren die Schüler der Klasse 9b das Geld für pro dogbo. Afrika-Kalender Er ist mittlerweile zu einer festen Einrichtung geworden und wird als Geschenk zu Weihnachten von vielen geschätzt: Der Afrika-Kalender mit Bildern aus Dogbo und Weisheiten aus Afrika, zusammengestellt von Walter van Briel. Der Kalender ist erhältlich über die Geschäftsstelle für 15 Euro zzgl. Portokosten. Der Erlös kommt der Arbeit von pro dogbo zugute. Musik für Benin Die Klasse 9b des Kardinal-van-Galen-Gymnasiums in Kevelaer hat ein Open-Air-konzert mit der Abiband Sex in the fridge und eine Autowaschaktion zugusnten von pro dogbo organisiert Euro sind dabei zusammengekommen. Mit diesem Geld kann jeder Schüler der 9b einem Kind in Benin ein Schuljahr finanzieren. Eine Investition für Generationen Sie ist fertig! Die erste Schule, von pro dogbo gebaut und finanziert von der Studenteninitiative Weitblick. Nach fünf Monaten Bauzeit steht dort, wo zuvor noch eine grüne Wiese war, ein stattliches Gebäude mit drei großen Klassenräumen und einem Lehrerzimmer. Noch in diesem Monat beginnt hier der Unterricht für 130 Jungen und 100 Mädchen. Doch noch fehlen die Schulbänke, die zurzeit von den Schreinereien in der Umgebung hergestellt werden. Noch lernen die Klassen wenige Meter von dem neuen Schulhaus entfernt in behelfsmäßig errichteten Hangars, die keinem kräftigen Windstoß mehr standzuhalten scheinen. Die Gefahr ist real immer wieder kommt es in Benin vor, dass solche Baracken während eines plötzlich einsetzenden Regens über der Schulklasse zusammenbrechen. Verletzte und tote Schüler sind dann immer wieder zu beklagen. Doch bald ist mit dem Schulunterricht unter Lebensgefahr in Dogbo endlich Schluss. Inklusive der Schulbänke hat der Neubau weniger als Euro gekostet. Von der Hilfe aus Deutschland werden noch Generationen von Grundschulkindern in Dogbo profitieren. Unwürdige Bedingungen sind Alltag Während in dem Dorf Midangbè die Zeit, in der die Kinder dicht gedrängt in dem Lehmbau auf wenigen Schulbänken saßen, bald der Vergangenheit angehört, lernen in Benin noch tausende Schüler unter unwürdigen Bedingungen. Sie lernen an Tischen, die aus Brettern bestehen, die auf aufgeschichteten Steinen liegen. Einige Kinder haben noch nicht einmal einen Sitzplatz. Sie müssen einen Stein mit in die Schule bringen, auf dem sie das ganze Schuljahr sitzen und lernen sollen. Das ist keine Ausnahme, das ist Normalität im Benin des Jahres Peter Pfleiderer ist in Benin angekommen. Weltwärts Der erste Freiwillige, der im Projekt von pro dogbo einen Weltwärts-Jahreseinsatz absolviert, ist Peter Pfleiderer (19) aus Neckargemünd. Er unterrichtet nun unter anderem eine Schulklasse in Dogbo, gibt Nachhilfe in Mathe und Physik, organisiert Gitarrenkurse mit Jugendlichen und möchte gerne einen Elektronikkurs anbieten. Das neue (oben) und das alte (unten) Schulgebäude. aktuell Nr.09/2009

5 Hintergrund Städtefreundschaft zwischen Kleve und Dogbo Jetzt geht s zur Unterschrift Aus einer privaten Initiative, die 1998 in Dogbo ihren Anfang nahm, entwickeln sich nun ganz offizielle Beziehungen zwischen den Städten Kleve und Dogbo. Vor elf Jahren unterstützte die Klever Kolpingsfamilie ihr Mitglied Klaus van Briel mit dem Erlös des Herbstbasars. Das Geld wurde damals für die Schulausbildung von Kindern ausgegeben. Die Hilfe ging weiter, mehr Spender engagierten sich und ein Verein (heute pro dogbo) gründete sich 2002 im Klever Kolpinghaus. Jetzt, elf Jahre später, ist der Vertrag zur Städtefreundschaft zwischen Kleve und Dogbo zur Unterschrift bereit. Ein historischer Moment für Dogbo, denn von den 77 Kommunen des Landes Benin unterhält nur etwa jede zweite überhaupt Kontakte zu Kommunen außerhalb Benins. Kontakte zwischen deutschen und beninischen Städten sind darunter eine echte Besonderheit. Es gibt in Benin nur fünf solcher Partnerschaften auf kommunaler Ebene. Für Dogbo ist die Entstehung dieser Freundschaft etwas ganz Besonderes. Kultureller Austausch Neben der finanziellen und materiellen Förderung der Schul- und Berufsausbildung, rückte der Austausch zwischen den Kulturen schnell in den Mittelpunkt der Vereinsarbeit von pro dogbo. Besucher aus Kleve und Mitglieder des Vereins fuhren nach Dogbo, lernten die Menschen und ihr alltägliches Leben kennen. Im Gegenzug wurden Jugendliche aus Dogbo zum Weltjugendtag 2005 nach Deutschland eingeladen besuchte der damalige Bürgermeister von Dogbo den Verein in Kleve und wurde offiziell im Rathaus empfangen. Von seinen Eindrücken erzählt er noch heute: Der freundliche Empfang im Rathaus, bei der Kolpingsfamilie, der Informationsbesuch im Klever Berufskolleg und bei der Kisters-Stiftung. Die beninische Gesangsgruppe Frères de Sang wurde im vergangenen Jahr von pro dogbo nach Deutschland eingeladen, gab in Kleve, Brilon und Münster Konzerte und drehte zudem in Kleve ein in Benin mitt lerweile bekanntes Musikvideo. Die Kontakte zwischen Beninern und Deutschen sind vielfältiger Natur und verlaufen in beide Richtungen. Sehr schnell haben die Vereinsmitglieder erfahren dürfen, dass sich Deutsche und Beniner viel mehr zu geben haben als sie vorher ahnten. Die Kontakte waren von Anfang an nicht nur materieller und finanzieller Natur es entwickelte sich ein echter Austausch zwischen den teilweise doch sehr unterschiedlichen Kulturen. Es erwuchs ein Verständnis für die jeweils so grundlegend andere Lebenssituation, von dem Deutsche wie Beniner in ihrem Alltag profitieren. Treffen der Bürgermeister Einen wesentlichen Anteil an der jetzigen Entwicklung der Beziehung zwischen Kleve und Dogbo hat Kleves Ex-Bürgermeister Josef Joeken. Er forcierte die Initiative der Klever Kolpingsfamilie, die den Klever Stadtrat gebeten hatte, offizielle Kontakte in Form einer Städtepartnerschaft mit Dogbo aufzunehmen. Joeken, der die Arbeit von pro dogbo seit 2005 durch mehrere Besuche vor Ort kennenlernte und seit 2008 Mitglied des Vorstandes ist, organisierte die Reise der Klever Delegation mit Bürgermeister Theo Brauer im Frühjahr dieses Jahres. Die Schwanenstädter kamen zur Eröffnung des Ausbildungszentrums nach Benin und trafen dort auch im Rathaus von Dogbo ihre dortigen Amtskollegen - den Bürgermeister von Dogbo und die Ratsvertreter. Wir sind an einer Partnerschaft auf Augenhöhe und einer wechselseitigen Freundschaft interessiert, sagte der 2008 ins Amt gewählte neue Bürgermeister von Dogbo, Honoré Sodegla, dem Klever Bürgermeister Theo Brauer. Es schien als habe der Bürgermeister von Dogbo zuvor das Leitbild von pro dogbo gelesen. Denn die Arbeit auf Augenhöhe hat für pro dogbo oberste Priorität. Die Freude über die Initiative aus Kleve war im Ratsaal von Dogbo greifbar und noch vor seiner Abreise überreichte Bürgermeister Honoré Sodegla einen Textvorschlag für einen offiziellen Freundschaftsvertrag, den Brauer mit nach Kleve nahm. Ein neues Kapitel Die sich entwickelnde Freundschaft in der Praxis wird nun also von den Vertretern der beiden Kommunen aufgegriffen und soll auf eine neue, höhere Ebene gehoben werden. Heute ist das Dokument, das diese Freundschaft zum Inhalt hat, bereit zur Unterschrift ein sicherlich nur kleiner, kurzer Akt aber verbunden mit einer großen und ganz besonderen Symbolik. Das beninische Außenministerium hat seine Freude über diese Entwicklung bekundet und eine aktive Unterstützung zugesagt. Die Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages wird ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen. Die Bürgermeister tauschen Geschenke aus. 5

6 Schicksal Der Kleinkredit hat auch dieser Frau den Schritt in die Selbstständigkeit ermöglicht. Naturschaus Selbsthilfe ganz konkret: Kleinkredite Von der Armut in die Selbständigkeit Yvette Djali ist vor vier Jahren zur Witwe geworden. Neben ihr haben auch ihre beiden Kinder, ein Junge und ein Mädchen, ihren Vater schon in jungen Jahren verloren. Beide Kinder gehen noch zur Grundschule. Als ihr Mann 2005 starb, da wurde sie doppelt bestraft: Denn als ob der Verlust des Mannes und Familienvaters nicht schon Leid genug gewesen wäre, vermutete die Nachbarschaft und die Verwandten, dass ihr Mann wohl an Aids gestorben sei. Man mied sie, wo man es konnte, hielt Abstand und ließ sie mit ihren Problemen und der Versorgung der Kinder allein. In ihrer Not wandte sie sich an pro dogbo und bat darum, zumindest den Kindern eine monatliche Hilfe zukommen zu lassen, da sie mit ihren Kräfte am Ende sei. Ein kleines Monatsbudget sicherte von nun an die notwendigste Versorgung der Geschwister ab. Essensverkauf auf dem Schulhof Als dann der Kreditfonds von pro dogbo eingerichtet wurde, war sie unter den Ersten, die einen Kleinkredit von umgerechnet 80 Euro beantragten. Mit dem geliehenen Geld konnte sie beginnen, in der Schule von Dogbo während der Unterrichtspausen an die Schüler Essen zu verkaufen. Das Geschäft lief gut und den Kredit zahlte sie komplett zurück. So konnte sie auch einen zweiten Kredit erhalten, mit dem sie ihr Speisenangebot erweiterte. Auch diesen Kredit zahlt sie nun regelmäßig zurück. Der Kleinkreditfonds hat ihr Leben zum Positiven gewendet. Heute geht es ihr und den Kindern nicht nur wirtschaftlich wieder besser. Auch ist ihre Hoffnung und Zuversicht in ihre eigene Kraft zurückgekehrt. Der Kleinkredit hat ihr geholfen, die Not zu überwinden, in die sie und ihre beiden Kinder nach dem Tod ihres Mannes gestürzt waren. So baut sie sich wieder eine neue Lebensperspektive auf. Eigeninitiative fördern Der Kreditfonds von pro dogbo fördert Eigeninitiative mit relativ kleinen Mitteln gezielt und effektiv. Am Ende profitieren oft ganze Familien, oft wird die Lebenssituation grundlegend und dauerhaft geändert. So auch von Marie Kehounde. Auch sie ist Witwe und Mutter von Drillingen. Um ihre Kinder zu versorgen, musste sie täglich aufs Feld und schwerste Ackerarbeit leisten. Mit dem Kredit von pro dogbo kaufte sie im Nachbarland Togo Werkzeug für die Landarbeit, das sie nun in Dogbo mit Gewinn weiterverkauft. Den ersten Kredit hat sie getilgt. Einen zweiten Kredit zahlt sie zurzeit regelmäßig zurück. Enger Kontakt Die Vergabe von Kleinkrediten erfordert eine intensive Beratung und Prüfung des Kreditzwecks. Pro dogbo hat über die Sozialarbeiterin einen engen Kontakt mit den Frauen und Männern, die einen Kredit erhalten haben. Es gibt regelmäßige Gruppentreffen, während der die Probleme und Erfolge gemeinsam besprochen werden. Die pro dogbo-sozialarbeiterin Lidwine besucht die Kreditnehmer aber auch zuhause und informiert sich so vor Ort über die Entwicklung des kleinen Projektes und der gesamten Situation der Familie. Sozialarbeiterin Lidwine prüft die Antragsteller genau. aktuell Nr.09/2009

7 Einblicke Metallwerkstatt wird offizielle Ausbildungsstätte Dreijährige duale Ausbildung in Dogbo piel Es ist eine große Anerkennung der Qualität des Ausbildungszentrums, aber auch eine Herausforderung an pro dogbo, die Erwartungen zu erfüllen: Das staatlich geförderte beninische Berufsausbildungsprogramm FODEFCA hat das Ausbildungszentrum von pro dogbo als Referenzzentrum für die Ausbildung von Jugendlichen der Region ausgewählt. Drei Jahre lang sollen in der Metallwerkstatt 20 Lehrlinge an mehreren Tagen monatlich in Theorie und Praxis ausgebildet werden. Seniorexperte in der Metallwerkstatt Die Lehrlinge, die alle in unterschiedlichen Werkstätten der Umgebung arbeiten, wurden in einem Auswahlverfahren zuvor gemeinsam mit der Schweizer Organisation swisscontact ausgesucht. Die Schweizer arbeiten in Benin vor allem auf dem Gebiet der Berufsausbildung von Jugendlichen und fördern die Entwicklung hin zu einer dual ausgerichteten beruflichen Ausbildung, wie es sie auch in Europa gibt. Die Kontakte zu swisscontact bestehen bereits seit einigen Jahren. Die Schweizer kennen das Projekt von pro dogbo durch mehrere Besuche vor Ort. Zuletzt war der Bäcker Werner Schiess aus der Schweiz im Januar als Seniorexperte in Dogbo und arbeitete einen Monat mit dem Bäckereiteam zusammen. Der Einsatz eines Seniorexperten in der Metallwerkstatt ist für die kommenden Monate anvisiert. Solarenergie für Dogbos Straßen Interesse an der Metallwerkstatt haben auch Vertreter einer französischen Solarenergie-Firma gezeigt, die in Dogbo und Umgebung Solaranlagen installieren wollen. Da es in der Region an technischem Know-how mangelt, suchen sie eine Werkstatt, die in der Lage ist, die Solaranlagen zu installieren und zu warten. Gespräche deswegen fanden bereits im Beisein des Bürgermeisters von Dogbo statt, der an einer solarbetriebenen Straßenbeleuchtung für seine Stadt und umliegende Dörfer interessiert ist und die Ausführungs- und Wartungsarbeiten an die Ausbildungswerkstatt von pro dogbo übertragen möchte. Wir wollen diese Technik nicht nur bestaunen, sondern wollen, dass unsere Jugendlichen das notwendige Wissen vermittelt bekommen, um diese Anlagen auch zu verstehen, lautet das Ziel des Bürgermeisters. Ausweitung des Projektes Bevor es aber soweit ist, wird der FODEFCA-Vertrag abgeschlossen. Pro dogbo wird dann für drei Jahre die duale Ausbildung der 20 Lehrlinge organisieren und sie bis zur Prüfung begleiten. Eine spätere Ausweitung auf andere Berufszweige ist nicht ausgeschlossen. Die Ausbildungsbäckerei von pro dogbo liegt bespielsweise in direkter Nachbarschaft Großer Lehrsaal Dass nun die neue Metallwerkstatt als R e f e r e n z w e r k s t a t t ausgewählt wurde, ist auf ihre besondere Geräumigkeit zurückzuführen und auf den großen Lehrsaal, der einen Theorieunterricht der Lehrlinge ermöglicht. Auch die gute technische Ausstattung der Werkstatt hat nicht zuletzt den Ausschlag für die Wahl der prodogbo-einrichtung gegeben. Da es in Benin an staatlichen Ausbildungszentren mangelt, werden vom Staat auch private Werkstätten ausgewählt, die sich in der Region befinden, aus der auch die Lehrlinge kommen. Die Ausbildung in der pro-dogbo-metallwerkstatt ist in Benin sehr angesehen. 7

8 Bildung und Lebensperspektiven für junge Menschen in Benin, Westafrika. Spenden auch Sie! Stärken. Bilden. Begleiten. Helfen Sie mit und gestalten Sie die Zukunft von Kindern und Jugendlichen in Benin. Mit Ihrer Spende, ganz gleich in welcher Höhe oder mit einer Patenschaft helfen Sie uns, unsere Arbeit weiter erfolgreich durchzuführen. Spenden sind per Überweisung auf eines unserer Konten möglich. Für Patenschaften und Spenden bietet pro dogbo folgende Modelle: Bilden. Ihre Spende in Höhe von einem bis 29 Euro fließt in den allgemeinen pro-dogbo-spendentopf. Eine persönliche Patenschaft besteht nicht. Stärken. Bilden. Sie sichern einem Kind in Benin den Schulbesuch und den Lebensunterhalt. Der monatliche Betrag liegt zwischen 30 und 50 Euro. Stärken. Bilden Begleiten. Sie sichern den Schulbesuch, den Lebensunterhalt und garantieren darüber hinaus eine weitere qualifizierte Berufsausbildung des Jugendlichen. Diese Form stellt die Vollstufe der Patenschaft dar, der monatliche Betrag beginnt bei 50 Euro. Vielleicht veranstalten Sie aber auch ein Fest oder eine Aktion zugunsten von pro dogbo. Testamentarische Verfügungen oder Kondolenzspenden machen die Hilfe sogar über unser Leben hinaus möglich. Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihre Unterstützung. Sparkasse Kleve Kto , BLZ Sparkasse Westmünsterland Kto , BLZ Volksbank an der Niers Kto , BLZ Für Ihre Spendenbescheinigung bitte Adresse im Verwendungszweck angeben. Online-Spende unter möglich. Danke! pro dogbo e.v. Das Netzwerk Der Vorstand pro dogbo Geschäftsstelle Johannes Konigorski Wasserweg 8, Kleve Tel.: pro dogbo Niederrhein Walter van Briel Graf-Otto-Str. 6, Kleve Tel.: pro dogbo Münsterland Elisabeth Steegmann und Hermann Depenbrock Billerbecker Straße 29, Coesfeld Tel.: pro dogbo Sauerland Carolin Kraft Auf der Renne 10, Alme Tel.: pro dogbo Benin Klaus van Briel ONG pro dogbo BP 05 Dogbo/Benin Tel.: pro dogbo im Internet: pro dogbo per Klaus van Briel Graf-Otto-Str. 6, Kleve Tel.: Elisabeth Steegmann Billerbecker Str. 29, Coesfeld Tel.: Josef Joeken Grenzallee 39, Kleve Tel.: Impressum Herausgeber: pro dogbo e.v. Redaktion: Klaus van Briel, Meike Spierings Fotos: Klaus van Briel, Clemens Oertelt, Druck: Reintjes Graphischer Betrieb GmbH, Hoffmannallee 107, Kleve

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