Heft 229 I März 2015 Warum die ASW seit 30 Jahren Kleinbäuerinnen fördert

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1 A 6677 ISSN Heft 229 I März 2015 Warum die ASW seit 30 Jahren Kleinbäuerinnen fördert

2 INHALT 4 Frauen schaffen Perspektiven auf dem Land Warum die ASW seit 30 Jahren Kleinbäuerinnen fördert 8 Frauen schaffen Perspektiven auf dem Land Ein Beispiel aus dem Senegal 9 Stimme aus dem Süden/Indien Die Gründerin der BHUMIKA-Helpline für Frauen in Not 11 Projektinfo Brasilien Indigene Munduruku wehren sich gegen Staudammprojekt 12 Projektinfo Senegal Frauen im Kleinkreditprogramm von ASAFODEB 13 Unser Standpunkt 14 Weltnachbar 16 Impressum Frau des Monats: Portraits ausgewählter ASW-Partnerinnen und Kochrezepte auf unserer Homepage Mit dem Portrait unserer indischen Partnerin Pramila Ponda haben wir auf unserer Homepage eine Reihe eröffnet, in der wir über ein Jahr insgesamt 12 aktive ASW- Partnerinnen vorstellen. Frauen, die sich in Indien, Brasilien und drei afrikanischen Ländern für die Frauenrechte einsetzen und sich mit anderen aktiven Frauen ihrer Region vernetzen. Die Portraits präsentierten wir zusammen mit typischen Kochrezepten aus den Regionen erstmals in unserem Online-Weihnachtskalender. Die Adventszeit ging schnell vorbei und aufgrund der großen Resonanz haben wir entschieden, Ihnen die Geschichten und Kochrezepte für einen längeren Zeitraum online zu stellen. Seit dem 8. März 2015 finden Sie jeden Monat ein Frauenportrait und ein Kochrezept auf Das Titelfoto zeigt Kleinbäuerinnen im indischen Bundesstaat Bihar, die in Selbsthilfegruppen bei unserer ehemaligen Partnerorganisation Mahila Jagran Kendra, MJK, organisiert sind. Foto: Claudia Bernhardt Warum die ASW seit 30 Jahren gezielt Kleinbäuerinnen fördert, lesen Sie auf Seite 4 Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.v. (ASW) Bereits 1957 gegründet, ist die ASW eine der ältesten unabhängigen entwicklungspolitischen Organisationen Deutschlands. Wir fördern Projekte in Afrika, Indien und Brasilien, die zur Stärkung von Frauen, dem Schutz der Umwelt und der Durchsetzung der Menschenrechte bei - tragen. Die Projekte werden ausschließlich von PartnerInnen vor Ort angestoßen und ausgeführt. Spendenkonto BLZ Bank für Sozialwirtschaft IBAN DE BIC/SWIFT BFSWDE33BER Spenden sind steuerlich absetzbar 2 I Solidarische Welt Nr. 229, März 2015

3 EDITORIAL Liebe Leserinnen und Leser, im Flugzeug nach Indien lese ich Listening to Grasshoppers: Field Notes on Democracy von Arundhati Roy, eigentlich nur, um meine englischen Sprachkenntnisse aufzupolieren nicht ahnend, dass die im Vorwort diskutierte Frage, ob es angesichts des Zustandes dieser Welt ein Leben nach der westlichen, liberalen Demokratie gibt, mich auf meiner Reise durchgehend begleiten wird. Die alte indische Gesellschaft, so die Schriftstellerin A. Roy, die unter dem Gewicht von Feudalismus und Kastenwesen zu kollabieren begann, ist in den Strudel einer riesigen Maschinerie geraten. Angesichts der traditionellen, teils neu kalibrierten und zunehmenden Ungleichheit, drohe die Gesellschaft nun auseinander zu brechen. In Analysen meiner GesprächspartnerInnen vor Ort ist der Wahlsieg Modis und der BJP im Mai 2014 das Ergebnis eines allgemeinen Rechtsrucks in der indischen Gesellschaft und ein Triumph der Hindu-Ideologie in Verbindung mit einem neoliberalen Kapitalismus. Die pluralen und säkularen Elemente der Gesellschaft wurden dadurch weiter geschwächt. In einigen krisenhaften indischen Teilstaaten schweigt die kritische Öffentlichkeit, in anderen stehen die Akteure unter verstärktem politischen Druck und Beobachtung: Zusammenschlüsse von Adivasi und Dalits oder Bäuerinnen und Bauern, die gegen genmanipulierte Sorten und für Ernährungssouveränität kämpfen, ebenso wie städtische Initiativen gegen die Vertreibung der wirtschaftlich armen Bevölkerung aus den Innenstädten, Transgender-Gruppen, die sich für einen verbesserten rechtlichen Status einsetzen oder viele unabhängige gewerkschaftliche Organisationsformen. Das demokratische Arbeitsmodell (A. Roy) ist nicht nur in Indien in Gefahr, sondern auch in vielen anderen Ländern, auf allen Kontinenten. Das wirft auch für entwicklungspolitische Organisationen wie die ASW die drängende Frage auf: Wie können Bausteine für eine neue transnationale Zusammenarbeit von unten aussehen und wie können wir Gegenmodelle und Gegenmacht besser unterstützen? Jürgen Weber, Vorstand der ASW Biodiversitätsfestival in Südindien Unsere ehemalige indische Partnerorganisation DDS, Deccan Development Society, richtete Anfang 2015 wieder ihr mobiles Biodiversitätsfestival aus. Die Karawane startete am 14. Januar und machte in insgesamt 55 Dörfern Station alle liegen im Distrikt Medak im neuen, von Andhra Pradesh abgespaltenen Bundesstaat Telangana. Mit dem jährlichen Saatgutfestival wird seit 2001 die lokale Biodiversität gefeiert und der Aufbau von Saatgutbanken gefördert. Solidarische Welt Nr. 227, März 2015 I 3

4 DOSSIER FRAUEN/LANDWIRTSCHAFT Frauen schaffen Perspektiven auf dem Land Warum die ASW seit 30 Jahren gezielt Kleinbäuerinnen fördert Kleinbäuerinnen, die in ihren Gemeinschaften mitentscheiden und Wahlmöglichkeiten haben, setzen meist auf Versorgungs - sicherheit. VON ISABEL ARMBRUST * Alle Original-Berichte finden Sie als pdf auf Vor 30 Jahren begann die ASW als eine der ersten entwicklungspolitischen Organisationen mit einer kontinuierlichen Förderung von Frauenprojekten. Ein Schwerpunkt war und ist dabei die Stärkung von Frauen im ländlichen Bereich. Sie leisten einen Großteil der Arbeit, sind aber meist von wichtigen Entscheidungen in den Dörfern ausgeschlossen. Unse re Partnerorganisationen unterstützen Kleinbäuerinnen beim Zugang zu eigenem Land, Saatgut und Wasser. Durch Zusammenschlüsse in Dorfkomitees oder Genossenschaften wird auch ihre Stellung in den Gemeinschaften gestärkt. Heute fordern viele Kleinbäuerinnen darüber hinaus gleichberechtigte Entscheidungsrechte auf lokaler Ebene ein. Unsere Erfahrungen zeigen auch, dass Frauen, die wählen können, sich für den Erhalt regionaler Kulturpflanzen und einen vielfältigen, ökologisch angepassten Landbau einsetzen. Die Stärkung der Kleinbäuerinnen sichert so die Ernährung und ist zudem ein wichtiger Schritt in Richtung Ernährungssouveränität. Diversifizierte, kleinbäuerliche Höfe stellen den Löwenanteil der weltweiten Landwirtschaft. Auch wenn Produktivitätszuwächse in spezialisierten Großbetrieben mit hohem Input schneller erreicht werden können, liegt der größte Spielraum zur Verbesserung von Existenzgrundlagen und von Gerechtigkeit in den kleinteiligen und vielfältigen Produktionssystemen der Entwicklungsländer. Dieser kleinbäuerliche Sektor ist hoch dynamisch und reagiert schnell auf veränderte natürliche und sozioökonomische Rahmenbedingungen (Weltagrarbericht Global, S. 379)*. Deutlich wie kein anderes internationales Dokument zu ländlicher Entwicklung weist der u.a. von Weltbank und UN beauftragte Weltagrarbericht der kleinbäuerlichen Landwirtschaft einen zentralen Stellenwert für die Welternährung zu und erklärt zugleich die Intensivlandwirtschaft für nicht zukunftsfähig: Business as usual is no longer an option. Mit dieser Botschaft wurde er 2008 veröffentlicht und er hat eingeschlagen wie eine Bombe (Rudolf Buntzel, EED, in SW 204, 2008). Der Bericht bestätigte uns und anderen entwicklungspolitischen NGOs, die sich dem Menschenrecht auf Nahrung verpflichtet sehen, dass es sich auszahlt, konsequent auf die Förderung einer regional und ökologisch angepassten Landwirtschaft zu setzen und dabei besonders die Frauen in den Fokus zu rücken. Denn auch zu deren Rolle äußert sich der Weltagrarbericht unmissverständlich: Kleinbäuerlichen Betrieben, insbesondere solchen von Frauen, kommt eine Schlüsselrolle bei nachhaltigen Anbaumethoden auf der Basis traditionellen Wissens und traditioneller Praktiken zu. Frauen experimentierten zudem häufig mit einheimischen Sorten, passen sie an örtliche Bedingungen an und sind so Expertinnen für genetische Pflanzenressourcen (Weltagrarbericht Synthese, S. 234). 4 I Solidarische Welt Nr. 229, März 2015

5 DOSSIER FRAUEN/LANDWIRTSCHAFT Im subsaharischen Afrika, dem eine der fünf Regionalstudien des Weltagrarberichtes gewidmet ist, pflanzen und ernten die Frauen sogar 80 Prozent der Volksnahrungsmittel. Sie spielen eine ganz zentrale Rolle in der landwirtschaftlichen Erzeugung und für das Wohlergehen der Familienhaushalte (Weltagrarbericht Subsaharisches Afrika, Seite 2). Weltweit steuern Kleinbäuerinnen immerhin 50 Prozent der Nahrungsmittel bei (Parto Teherani-Krönner 2008). Welcher Weg führt zu Geschlechtergerechtigkeit? Obwohl die meisten Handlungsempfehlungen des Weltagrarberichtes von seinen Auftraggebern Weltbank und FAO, der UN-Ernährungsorganisation, nicht ernsthaft genug aufgegriffen werden, erkennen beide Institutionen doch die zentrale Rolle der Frauen in der Landwirtschaft an und diagnostizieren einen Gender- Gap: Trotz ihres Beitrags zur Ernährung ihrer Gemeinschaften sind Kleinbäuerinnen weiterhin von Macht und Entscheidungen ausgeschlossen. In der Frage, wie diese Geschlechterungerechtigkeit ausgeglichen werden kann, haben sie allerdings eine andere Vorstellung als der Weltagrarbericht, zivilgesellschaftliche Gruppen und die kritische Frauenforschung. Letztlich bleiben Weltbank und FAO in ihren Überlegungen zur Herstellung von mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft einer Business-Perspektive verhaftet, kritisiert auch die Soziologin Christa Wichterich (Die Zukunft die wir wollen, 2012). Sie bezieht sich in ihrer Analyse auf den Jahresbericht der FAO 2010/11 und den Weltentwicklungsbericht 2010 der Weltbank. Der zentrale Referenzrahmen, um das Geschlechtergefälle zu schließen, ist in beiden Berichten jedoch nicht das Rechtsparadigma vom Recht auf Nahrung bis zu Erbrechten von Frauen, sondern eine Markt- und Business-Perspektive, die primär auf Ertragssteigerung und Gewinn zielt. Die FAO und die Weltbank unterstellen, dass vor allem Zugang zu modernen «Agro-Inputs» wie Chemiedünger und Industriesaatgut Frauen agrarwirtschaftlich «empowered», sie «zu gleichwertigen Partnerinnen in nachhaltiger Entwicklung» macht (S. 30). Stattdessen, so Wichterich, sei der Beitrag von Kleinbäuerinnen zur Ernährungssicherung zu würdigen und eine ökologisch angepasste Landwirtschaft durch Förder- und Ausgleichsmaßnahmen zu unterstützen. Denn, so Wichterich weiter, jenseits des Gleichstellungsziels müsse gefragt werden, welche Landwirtschaft das Recht auf Nahrung und andere Menschenrechte am besten einlösen kann (S. 31). Land- und Erbrechte für Frauen stellen dabei sicher, dass diese frei entscheiden können, was sie künftig Ein umfassendes Empowerment von Frauen dient auch dazu, dass sie in den Haushalten und Gemeinschaften Verhandlungs- und Gestaltungsmacht gewinnen, um ihre Handlungsrationalität der Versorgung verfolgen und sich ihrer Unterordnung unter die Marktkräfte und die Männer widersetzen zu können. Christa Wichterich 2012 anbauen wollen. Heute setzen sich bei Landnutzungskontroversen meist die Männer durch: Männern gehört das Land, sie entscheiden auch wenn die Frauen die Arbeit machen (S. 28). Bäuerinnen wählen Nahrungssicherheit Foto: Claudia Bernhardt Der Argumentation von Christa Wichterich schließen wir uns auf der Basis unserer Projekterfahrungen zu 100 Prozent an. Uns geht es so wenig wie ihr darum, die, durch welche historischen Faktoren auch immer, entstandene Arbeitsteilung in der Landwirtschaft und die entsprechende Rolle der Frau als Ernährerin von Familie und Gemeinschaft zu zementieren. In unserer Projektarbeit schaffen wir daher die Grundlagen für mögliche Veränderungen und eröffnen den Frauen Wahlmöglichkeiten. Unsere Partnerinnen vor Ort realisieren das Recht der Frauen auf Bildung, stärken ihre Partizipation in den Gemeinschaften und sichern ihnen im Idealfall Verfügungsrechte über das Land, das sie bebauen. Auf dieser Basis gewinnen Frauen Handlungsspielräume. Unsere Erfahrungen zeigen aber, dass Kleinbäuerinnen, die wählen können, sich meist für die Ernährungslandwirtschaft, den Erhalt regionaler Kulturpflanzen und einen vielfältigen, ökologisch angepassten Landbau einsetzen. Der Anbau von Cash Crops und die Vermarktung von Überschüssen ist eine notwendige Ergänzung, denn die Frauen wollen über ein eigenes Geldeinkommen verfügen. Wie riskant eine völlig Aufgabe der Ernährungslandwirtschaft zugunsten des Anbaus von Marktfrüchten sein kann, wissen insbesondere unsere Partnerinnen in Indien. Dort haben staatliche Beratungsstellen ge- Solidarische Welt Nr. 227, März 2015 I 5

6 DOSSIER FRAUEN/LANDWIRTSCHAFT Um das zu ermöglichen, fordert der Weltagrarbericht eine Neuorientierung landwirtschaftlicher Wissensstrukturen und zum Beispiel einen Aufbau interaktiver Wissensnetzwerke, denen Bäuerinnen und Bauern, bäuerliche Gemeinschaften, Wissenschaftler und Industrievertreter angehören (Weltagrarbericht- Synthese S. 33). Durch eine solche Partizipation von BäuerInnen kann erreicht werden, dass agrartechnische Neuerungen sich an deren Bedürfnissen orientieren und nicht, wie bisher, am Interesse der Industrie. Traditionelles Wissen weiter entwickeln und durch neues ergänzen ASPSP, die senegalesische Vereinigung der Produzenten bäuerlichen Saatgutes vernetzt KleinbäuerInnen, die über ihr Saatgut, ihren Anbau und ihre Ernährung selbst verfügen wollen und ihr Wissen über alte Kulturpflanzen an andere weitergeben. Bäuerinnen des Saatgutnetzwerkes ASPSP, Senegal, beim Bau sicherer Getreidespeicher rade auch kleinbäuerliche Betriebe zur Teilnahme an der Grünen Revolution und zur Umstellung auf Cash Crops motiviert. Die zahlreichen Suizide vor allem unter kleinbäuerlichen Baumwollproduzenten in Indien sprechen gegen den Erfolg dieses Modells. Das Centre for Sustainable Agriculture (CSA) unterstützt daher BäuerInnen in Südindien schon länger dabei, sich sichere und nachhaltige Existenzen (Sustainable Livelihoods) über den pestizidfreien und Ausgaben minimierenden Anbau von Grundnahrungsmitteln und zusätzlicher Marktfrüchte aufzubauen. Als besonders erfolgreich hat sich dabei das System der Reisanbau-Intensivierung SRI (System of Rice Intensification) erwiesen. Bei dieser Methode können ohne Einsatz chemischer Düngemittel und Pestizide und bei einer Wassereinsparung von 50 bis 70 Prozent gegenüber dem konventionellen Reisanbau um 30 bis 50 Prozent höhere Erträge erzielt werden. Ernährungslandwirtschaft: Kleinteilig, arbeitsintensiv und rückständig? SRI ist ein gutes Beispiel dafür, dass kleinbäuerliche Landwirtschaft nicht rückständig und rückwärtsgewandt sein muss. Wo sie allerdings nicht effizient ist, brauchen KleinbäuerInnen Qualifizierung und Zugang zu arbeitserleichternden angepassten Technologien. Das regt auch der Weltagrarbericht an, der sich jenseits jeder Romantisierung traditioneller Anbaumethoden bewegt. Gerade weil die KleinbäuerInnen einen so wertvollen Beitrag zur Ernährung leisten, müssen sie neben Wertschätzung auch eine ganz handfeste Unterstützung erhalten. Dabei ist insbesondere ihr traditionelles Wissen um alte Pflanzensorten und deren Kultivierung durch neues Wissen nicht zu ersetzen, sondern angepasst weiterzuentwickeln und zu ergänzen. Die Vision der 400 AutorInnen des Weltagrarberichtes zur Entwicklung landwirtschaftlichen Wissens unter Einbeziehung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ist bei unseren Partnerinnen seit Jahren gelebte Praxis. In einer Region in Südindien, in der unsere Partnerorganisation Centre for Sustainable Agriculture in ausgewählten Dörfern Techniken des Anbaus von Nahrungsmitteln und Baumwolle ohne chemische Pestizide vermittelt hatte, haben Frauen bald auch die Rolle von Multiplikatorinnen übernommen. Nach ersten Erfolgen mit der pestizidfreien Landwirtschaft in einigen Dörfern verbreitete sich die Idee durch Mund-zu-Mund-Propaganda auch auf andere Dörfer. Immer mehr Farmer und Farmerinnen wollten von den giftigen und dazu kaum finanzierbaren chemischen Pflanzenschutzmitteln loskommen. Aber biologischer Pflanzenschutz ist wissensintensiv und ohne Schulung konnte keine Bäuerin auf pestizidfreien Anbau umstellen. Denn auf den Feldern musste nach jahrelangem Pestizideinsatz das natürliche Gleichgewicht verschiedener Insekten und Vögel, die sich gegenseitig kontrollieren, erst wieder hergestellt werden. Auch die Mischkulturen aus verschiedenen Nutzpflanzen sind nach einem ausgeklügelten Muster angelegt und inmitten der Hauptanbaufrüchte sollen unbedingt auch schädlingsvertreibende Pflanzen wachsen. Hilfreich ist auch Know-how über Schädlinge, die sich ohne Fressfeinde bekämpfen lassen: Blattläuse z.b. mögen keinen Rinderdung, der Bollwurm und saugende Insekten lassen sich von Chili- und Neempräparaten vertreiben. Die Schulungen boten zunächst NGO-Mitarbeiterinnen an. Später motivierten diese auch Bäuerinnen und Bauern, die die Methode seit zwei Jahren erfolgreich angewandt hatten, zur Weitergabe ihres Wissens. Hierbei übernahmen die Frauen eine besondere Rolle: Sie waren bereit, Energie und Zeit in die Herstellung von Extrakten für den Pflanzenschutz zu investieren. Sie diskutierten mit andren Frauen über den Zustand ihrer Pflanzen und tauschten ihr Wissen aus. Schließlich kauften Frauengruppen mit Unterstützung unserer Partner-NGO eine Neemkern-Stampfmaschine zur Herstellung des wichtigen pflanzlichen Insektizids. 6 I Solidarische Welt Nr. 229, März 2015

7 DOSSIER FRAUEN/LANDWIRTSCHAFT Wasserverwalterinnen sichern Ernährung und stoppen Landflucht Im Dorf Kotha Kunta im indischen Bundesstaat Andhra- Pradesh haben Kleinbäuerinnen Mitte der 90er Jahre bewiesen, wie sich eine desolate Situation zum Besseren wendet, sobald Frauen auf allen Dorfebenen mitentscheiden. Die ASW-Partnerorganisation Jana Jagriti begann dort 1995 mit ihrer Arbeit. Weil in der trokkenen Anantapur-Region die Landwirtschaft mit der Verfügbarkeit von Wasser steht oder fällt, hat Jana Jagriti dort zunächst ein Wasserverwaltungs-Komitee mit einem Frauenanteil von 50 Prozent gegründet. Um die Partizipation der Frauen auch sicherzustellen, wurden sie anfangs durch Workshops unterstützt. Nach dieser Startphase übernahmen die Frauen immer mehr Verantwortung im Dorf. Sie ließen sich 84 Hektar Gemeinschaftsland übertragen und übernahmen die alleinige Verantwortung für die Nutzung. Auch die Regeln, z.b. dort nur tote Äste als Brennholz zu sammeln und Ziegen nur auf ausgewiesenen Arealen weiden zu lassen, erarbeiteten sie gemeinsam. Durch ihre Mitwirkung in den Wasserverwaltungs-Komitees konnten die Frauen erreichen, dass Bananen, Zukkerrohr und Reis von den Feldern verbannt wurden. Bevorzugt werden sollten Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen und gleichzeitig die Ernährung sichern. Dazu zählt die Hirse. Die Erträge in diesem Nutzungssystem stabilisierten sich, so dass die Bäuerinnen von Kotha Kunta den Eigenbedarf decken und die Hälfte der angebauten Früchte vermarkten konnten. Zehn Jahre nach Beginn des Zusammenschlusses der Menschen von Kotha Kunta hatte sich der Grundwasserspiegel in dem Gebiet erholt und alle konnten wieder von ihren Land leben. Keine Familie war mehr zur Migration gezwungen. Die Frauen beteiligen sich an allen Entscheidungen auf allen Dorfebenen und kandidieren für die Wahlen der Gemeinderäte. Einige Hektar Ackerland und Hausgrundstücke wurden an Frauen übertragen im indischen Kontext ein Riesenschritt. Bäuerinnen entscheiden auf allen Ebenen mit Die Entwicklung in Kotha Kuntha kommt den Zielen der ASW-Frauenförderung in der Landwirtschaft ziemlich nahe. Die Kleinbäuerinnen partizipieren in allen Dorfgremien und treffen zentrale Entscheidungen. Sie haben Wahlmöglichkeiten und setzen beim Landbau auf Ernährungssicherheit und Umweltschutz. So sichern sie die Zukunft des ganzen Dorfes. Einige haben sogar Landtitel und damit eine große Unabhängigkeit von den Männern erworben. MIQCB, die Bewegung der Babaçu-Sammlerinnen in Brasilien, verteidigt deren Landrechte und unterstützt sie bei der Verarbeitung und Vermarktung ihrer Produkte. Die Frauen wissen heute, dass sie ihren Zugang zu den Babaçu-Wäldern nur gemeinschaftlich verteidigen können. Nur vereint können die Babaçu-Nusssammlerinnen in Brasilien ihre Landrechte verteidigen. Foto: MIQCB Nicht in allen unseren Projekten verläuft die Entwicklung so idealtypisch. Zentrale Veränderung haben allerdings in allen ASW-Landwirtschaftsprojekten in Indien, Senegal und Brasilien stattgefunden: Seit ihrer Organisierung in Dorfkomitees oder in Genossenschaften sind die Frauen nicht mehr von Entscheidungen ausgeschlossen. Außerdem haben sie durch neues, von den ASW-Partnerorganisationen vermitteltes Wissen sowie durch den Zusammenschluss mit anderen Frauen Selbstbewusstsein und Handlungsspielräume erlangt. Sie können wählen. Dabei setzen sie sich meist, so unsere Erfahrung, für eine lokal angepasste Landwirtschaft ein, die auch die Ernährung ihrer Gemeinschaften sichert. Mit Cash Crops und vermarktbaren Überschüssen ihrer Nahrungspflanzen sichern sie sich Geldeinkommen, mit dem sie ihren Handlungsspielraum weiter ausbauen. Im Idealfall erreichen wir über unseren Ansatz der Kleinbäuerinnenförderung also auch unser zweites Ziel, eine lokale oder regionale Ernährungssouveränität. Mit dieser verbessert sich die Situation ganzer Gemeinschaften und die Landflucht wird gestoppt. Die Landrechte für Frauen bleiben ein erstrebenswertes Ziel, von dem wir uns in unserer Arbeit weiterhin leiten lassen. Wir kooperieren daher mit regional vernetzten Partnern, die solche Verbesserungen in ihren Ländern erkämpfen. Solidarische Welt Nr. 227, März 2015 I 7

8 DOSSIER FRAUEN/LANDWIRTSCHAFT In kleinen Schritten in eine bessere Zukunft Ein Beispiel aus dem Senegal VON SONJA FINKBEINER Um Wasser für ihren Gemüsegarten zu holen, braucht Nialing Camara oftmals mehrere Stunden am Tag. Dabei ist der Brunnen gleich in der Nähe. Doch das Schöpfen aus 10 bis 15 Meter Tiefe ist mühselig und da das Grundwas ser nur langsam nachsickert oft extrem zeitintensiv. Nialing Camara wurde in Koun - gheul Socé im Osten des Senegal geboren. Hier wuchs sie auf, heiratete, bekam acht Kinder und wurde vor vier Jahren Witwe. Das Überleben im subsaharischen Raum verlangt den Menschen Kreativität und Flexibilität ab. Das Wasser ist knapp, der Boden oft versandet und die Wege sind weit hin zu den Bäumen und Büschen, die Holz zum Kochen liefern. Nialing Camara lebt in einer Großfamilie, sorgt für ihre Eltern und die beiden Söhne, die noch nicht weggezogen sind. Sie ist Bäuerin und Meisterin der Improvisation, wie viele Frauen im Senegal. Während der Regenzeit baut sie mit ihrer Familie Mais, Hirse, Sorghum und Erdnüsse an. Nach der Ernte und während der Trockenzeit kümmert sie sich um ihren Garten. Einen Teil des hier angebauten Gemüses verkauft sie auf dem Markt. Als Kind ist Nialing Camara nie zur Schule gegangen, erst spät lernte sie lesen und schreiben. Heute gibt sie in den drei Monaten, in denen keine Arbeit auf den Feldern anfällt, ihr Wissen an andere weiter. In ihrer Muttersprache Manding unterrichtet sie in einer der Alphabetisierungsklassen der ASW-Partnerorganisation Union des Comités Ecologiques de la vallée de Mininky, UCEM. Damit verdient sie sich ein kleines Zusatzeinkommen von CFA, rund 100 Euro im Jahr. Nialing Camaras Alltag spiegelt beispielhaft die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung im subsaharisch ländlichen Raum wider: Frauen sind neben der Erziehung der Kinder vor allen zuständig für das Wasserholen, das Sammeln von Brennholz, für die Zube- Nialing Camara in ihrem Dorf bei Koungheul im Osten Senegals reitung der Mahlzeiten und für den Anbau von Gemüse. Aufgaben, die essenziell für die Ernährungssicherung der kleinbäuerlichen Familien sind, gesellschaftlich jedoch wenig Wertschätzung finden. Gleichzeitig leisten sie einen erheblichen Anteil der Arbeit auf den Feldern, die jedoch meist den Männern gehören. Damit können sie selten mitentscheiden, was und in welcher Form angebaut wird und haben keinen Zugang zu Krediten oder staatlichen Förderprogrammen. Frauen schließen sich zusammen um Perspektiven zu schaffen Vor Jahren hat sich Nialing Camara mit anderen Frauen und Männern zusammengetan und das Dorfentwicklungskomitee von Koungheul-Socé gegründet, aus dem das KleinbäuerInnen-Netzwerk UCEM hervorging. Gemeinsam sollten Perspektiven in der Region geschaffen werden, wo die Überlebenschancen durch Folgen des Klimawandels und zurückgehender Bodenfruchtbarkeit immer geringer wurden. Die Familien konnten sich von dem, was sie in den immer kürzeren Regenzeiten anbauten, nicht mehr ernähren. Viele verschuldeten sich oder die Männer zogen auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Damit wuchs und wächst die Arbeitsbelastung der zurückgebliebenen Frauen weiter: Neben ihren eigentlichen Aufgaben, die durch die widrigen Umweltbedingungen immer zeitintensiver werden, übernehmen sie zusätzlich weitere Aufgaben auf den Feldern. Das ASW-Partner-Netzwerk UCEM, das heute 27 Dörfer erreicht, steuert dieser Entwicklung entgegen. Durch ein gemeinschaftliches Lebensmittelprogramm, nachhaltige ökologische Anbaumethoden und durch die Regenerierung der Bodenfruchtbarkeit. Durch Bildung und Aufklärungsarbeit über Landrechte sollen besonders Frauen gestärkt werden. Die Schritte sind noch klein. Nach wie vor beanspruchen Bäuerinnen kaum ihr Recht auf Land. Aber der Weg, den sie gehen, wenn sie sich zusammenschließen, eröffnet die Aussicht auf ein besseres Leben. Die ASW unterstützt weiter diesen Kurs der kleinen Schritte im Senegal. Das Interview mit Nialing Camara führte Michael Franke. 8 I Solidarische Welt Nr. 229, März 2015

9 STIMME AUS DEM SÜDEN Ansprechpartnerin für Frauen in Not Kondaveeti Satyavati und die indische Helpline BHUMIKA W ir bieten Frauen ein offenes Ohr, wir geben ihnen Mut und schreiten im Notfall aktiv ein. Viele Frauen wissen nicht weiter und sind froh, wenn wir ihnen einen Weg aufzeigen, sagt Konda veeti Satyavati, die Gründerin von BHUMIKA, der Anlaufstelle für hilfesuchende Mädchen und Frauen im südindischen Hyderabad. Kondaveeti Satyavati weiß wovon sie spricht. Sie hatte früher selbst mit Problemen zu kämpfen, die für Mädchen und Frauen in Indien zum Alltag gehören. Geboren als Tochter einer Bäuerin und eines Bauern, schien ihr ein Leben ohne Bildung vorherbestimmt. Die Famlie lebte im Dorf im Verbund einer Großfamilie es gab kaum Interesse, die Kinder zur Schule zu schicken. Und schon gar nicht die Mädchen. Doch Kondaveeti Satyavati wollte zur Schule: Ich kämpfte bei meinen Eltern jedes Jahr aufs Neue um mein Recht auf Bildung und schaffte es so sogar zu studieren. Schon früh hatte sie einen Hang zur Literatur, schloss sich während des Studiums mit anderen literarisch interessierten Frauen zusammen und begann, eigene Prosatexte zu schreiben und zu veröffentlichen fand sie ihre erste Anstellung bei der Regierung in Hyderabad. Dort lernte ich schnell weitere Probleme indischer Frauen kennen, sagt die knapp 60-Jährige. Die Diskriminierung war auch in den Behörden noch extrem verbreitet. Und es gab kaum Toiletten für uns. AUCH BEHÖRDEN DISKRIMINIEREN UNS Bereits in den 70er Jahren trat sie ANVESHI bei, einer großen indischen Frauenorganisation, und setzte sich als aktives Mitglied selbst für Geschlechtergerechtigkeit ein begann eine große Telegu-sprachige Zeitung unter dem Titel SREE SHAKTI regelmäßig Frauen- Kondaveeti Satyavati (2. v. rechts, hinten) und ihr BHUMIKA-Team. BHUMIKA wird von der ASW unterstützt. seiten zu editieren. Dass hier Frauenthemen einen Platz fanden, war ganz besonders, erinnert sich Kondaveeti Satyavati. Sogar Sexualität war ein Thema. Wir schrieben über alles, die Resonanz bei den Leserinnen war einfach umwerfend. Zehn Jahre später startete sie mit ANVESHI ein eigenständiges Frauenmagazin. Es gab den Frauen der Region eine Stimme, lieferte ihnen Antworten auf ihre Fragen und machte vor allem Mut. Kondaveeti übernahm die Redaktion und 1993 erschien erstmals in der Regionalsprache Telugu das Frauenmagazin BHUMIKA. Nach weiteren 6 Jahren wurde BHUMIKA von ANVESHI unabhängig. Als sich die Zeitschrift bald nicht mehr rein ehrenamtlich betreiben ließ, musste sich Kondaveeti entscheiden: für den sicheren Job in der Regierung oder für ihren Traum, den Frauen mit BHUMIKA eine Stimme zu geben entschied sie sich für BHUMIKA. Durch das Magazin kamen immer wieder Frauen zu uns und baten um Hilfe und Rat. Wir wussten aber selbst oft nicht weiter und haben den Frauen nicht helfen können. Ein Schlüsselerlebnis, um aktiv zu werden, hatte sie wenige Jahre später. Eine Rechtsanwältin am High Court in Hyderabad begang Selbstmord. Wenn selbst solch gut ausgebildete und vernetzte Frauen nieman- Solidarische Welt Nr. 227, März 2015 I 9

10 STIMME AUS DEM SÜDEN Wir werden um Beratung, Schlichtung, und Weiterhilfe gebeten sowie nach Adressen weiterer Frauenorganisationen oder Beratungsstellen gefragt. Auch Selbsthilfegruppen, spezielle Anlaufstellen für Trauma be - handlungen oder Abtreibungen werden gesucht. Umgekehrt beziehen sich viele Anfragen von Frauen auf Angebote der Regierung, die es eigentlich geben sollte, aber nicht gibt. An unserem High Court soll eine Rechtsberatung stattfinden, sagt Kondaveeti, alle können dort angeblich kostenlose Hilfe bekommen. Nur existiert diese schlichtweg nicht. Ähnlich scheint es mit Notunterkünften für Frauen zu sein. Die Regierung hat einige solcher Häuser, aber keiner weiß, wo sie sind und wie viele es gibt. BHUMI- KA hat in einer Studie die Adressen und den schlechten Zustand dieser Häuser dokumentiert. Danach gab es Gespräche mit der Regierung: Wir haben verschiedene Regierungsabteilungen und Ämter regelrecht zum Austausch genötigt, berichtet Kondaveeti. Es geht hier doch um die Frauen, sie sind die Opfer, haben wir gesagt, regelt eure Streitigkeiten und setzt euch für sie ein. Das klappte einigermaßen. den haben, an den sie sich in der Not wenden können: Was sollen dann arme und ungebildete Frauen machen? Die Frauen veanstalteten eine große Gedenkfeier, auch die ASW-Partnerorganisation CWS war dabei. Es war die Geburtsstunde des BHUMIKA-Nottelefons. Ich wusste nichts über Helplines, aber zu dem Zeitpunkt war klar, dass wir das unbedingt machen wollten, sagt Kondaveeti. Ihre Freundin Girija, eine ehemalige CWS-Mitarbeiterin, organisierte eine Finanzierung und so konnte BHUMIKA 2006 mit der Help - line anfangen. VIEL MEHR ALS EIN NOTTELEFON WIR BERATEN SOGAR DIE POLIZEI Seitdem bietet BHUMIKA auch Seminare für Polizei und Justiz, Softwarefirmen oder an Universitäten an und betreibt weiterhin erfolgreich Lobbyarbeit bei der Regierung. Dank ihrer früheren Tätigkeit bei der Regierung kann Kondaveeti Satyavati auf relativ gute Kontakte zurückgreifen. Nun wird daran gearbeitet, die vielen Freiwilligen, die den Frauen am Telefon zur Seite stehen, durch Schulungen in Rechtsfragen zu unterstützen. Doch die jahrelange harte Arbeit zahlt sich aus und der Erfolg von BHUMIKA macht Mut. Kondaveeti Satyavati denkt bereits über eine Ausweitung des Projekts nach, denn es gibt ja in allen Regionen Indiens Frauen, die eine Ansprechpartnerin in der Not brauchen! Das Ausmaß an Anrufen war überwältigend. Uns war zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, welche Arbeiten da dranhingen, gesteht Kondaveeti Satyavati ein. Die Frauen brauchten eine professionelle Rechtsberatung, medizinische Notversorgungen, Notunterkünfte und verlässliche Polizisten. Neben den Anrufen der hilfesuchenden Frauen kamen bald auch Anfragen der Regierung. Und selbst die Polizei meldet sich heute bei BHUMIKA oder verweist Fälle direkt an sie. Das Interview führte Detlef Stüber im November 2014 in Hyderabad 10 I Solidarische Welt Nr. 229, März 2015

11 PROJEKTINFO BRASILIEN Keine Staudämme am Tapajós! Die Munduruku nehmen die Demarkation ihres Landes in die eigenen Hände Bitte helfen Sie den Munduruku bei ihrem Kampf gegen weitere Staudämme, Vertreibung und Umweltzerstörung in Amazonien! Kennwort: Perspektiven Brasilien Kennnummer: 6001 Konto Bank für Sozialwirtschaft BLZ IBAN DE BIC/SWIFT: BFSWDE33BER Das Dorf Sai Cinza liegt am Rio Tapajos im brasilianischen Regenwald. Hier leben 400 von insgesamt Angehörigen der indigenen Gemeinschaft der Munduruku. Die Siedlung aus Holzhäusern befindet sich auf einer kleinen gerodeten Fläche oberhalb des Flusses. Am frühen Morgen bereiten die Frauen das gemeinsame Essen vor Açai, Fisch und Maniok wird es heute geben. Danach beginnt der typische Tagesablauf: Die Männer fahren mit den Kanus zum Fischen, zur Jagd und roden neue Anbauflächen. Die Frauen und Kinder pflanzen und ernten Maniok, Süßkartoffeln und sammeln Früchte. Der Rio Tapajós ist der letzte frei fließende größere Amazonas-Zufluss. Er verläuft 810 Kilometer durch den Bundesstaat Pará und wird aus zwei Quellflüssen und zahlreichen Zuflüssen gespeist. Er durchzieht intakte Regenwaldgebiete, darunter viele Nationalparks und Siedlungsgebiete indigener Gemeinschaften wie der Munduruku. Doch das könnte bald Vergangenheit sein. Die brasilianische Regierung plant am Tapajós und seinen Zuflüssen 23 Staudämme zur Erzeugung von Strom für Aluminiumhütten, Bergbau und andere Industriebereiche. Zudem wird in der Stadt Itaituba ein großer Verladehafen gebaut, um von dort Rinder und Soja auf den Weltmarkt zu bringen. Mit der Rodung der Wälder, der Zerstörung der Flussökologie sowie durch den Gold- und Diamantenabbau in der Region drohen die Lebensgrundlagen der Munduruku zu verschwinden. Regierung blockiert Landrechte der Munduruku Wir fordern, dass unser Recht auf eine unparteiische Anhörung endlich respektiert wird. Wir müssen umfassend informiert werden, weil es nicht nur die indigenen Rechte sind, die verletzt werden, sondern auch die Menschenrechte und das gesamte Umwelterbe, das wir seit Jahren bewahren, sagt Jairo Saw, ein Führungsmitglied der Munduruku aus Sai Cinza. Wie so häufig bei brasilianischen Großprojekten werden auch am Tapajós die verfassungsmäßigen Rechte und UN-Konventionen missachtet. Diese schrei - ben vor, dass die betroffenen indigenen Gemeinden vor Planungsbeginn zu konsultieren sind. Die Munduruku hatten ihr Nein zum Staudammbau deutlich formuliert und ihren Widerstand sogar in die Hauptstadt Brasilia getragen. Doch es ist bis heute nichts passiert. Die ASW unterstützt die Munduruku über das Amazonasnetzwerk FAOR. FAOR vernetzt indigene und andere traditionelle Gemeinschaften in Amazonien, hilft bei der Verteidigung ihrer Rechte und stärkt sie bei der nachhaltigen Nutzung ihrer Ressourcen. Gibt es für sie eine Perspektive am Rio Tapajós? Jugendliche Munduruku Zentral für die Munduruku ist die Anerkennung ihrer Landrechte. Die indigenen Gebiete müssen von der staatlichen Aufsichtsbehörde FUNAI identifiziert und demarkiert werden. Erst dann werden sie per Präsidentendekret anerkannt und registriert. Dieser Prozess wird jedoch von den zuständigen Behörden verschleppt, offensichtlich um den Bau der Staudämme voranzubringen. Bereits seit 2001 wird an einer Studie zur Identifizierung der Ansprüche der Munduruku gearbeitet. Doch erst 2013 wurde sie abgeschlossen. Seitdem herrscht wieder Stillstand, der Bericht wird nicht veröffentlicht. Statt die Demarkation der indigenen Territorien weiter voranzutreiben, schickte die Regierung die Bundespolizei, um die Munduruku einzuschüchtern. Deshalb haben die Munduruku beschlossen, die ihnen zustehenden Gebiete selbst zu demarkieren. Das Gebiet Sai Cinza ist bereits als indigenes Land anerkannt. Doch im Sawré Muybu-Territorium, in der Nähe der Siedlung São Luiz de Tapajós, sind mit Unter stützung des ASW-Partners FAOR indigene Gruppen dabei, ihr Territorium durch eine vier Meter breite Schneise im Wald einzugrenzen. Hier leben wir seit Generationen, von den Wäldern und den Flüssen, die uns ernähren. Und auch unsere Kinder sollen hier noch leben können, bekräftigt Jairo Saw. Solidarische Welt Nr. 227, März 2015 I 11

12 PROJEKTINFO AFRIKA Mit Kleinstunternehmen zu mehr Unabhängigkeit Die Frauen im Kleinkreditprogramm von ASAFODEB/Senegal Ndeye Kâ ist Animatrice (Beraterin) bei ASAFODEB und besucht die Kreditgruppen jeweils am 12. eines Monats. ASAFODEB Senegal alphabetisiert seit 1995 erwachsene Frauen und vermittelt in weiterführenden Kursen Kenntnisse für den Aufbau von Kleinstunternehmen. Kleinkreditfonds geben die notwendige Starthilfe. ASAFODEF unterstützt bei der Selbstorganisation und berät bei Schwierigkeiten. Durch die Kleinkredite, die wir von ASAFODEB erhalten, haben alle Frauen eigene Einkommen, sagt die 35-jährige Awa Mar. Vorher konnten wir nur jeweils eine Schale voll Hibiskus oder Baobab kaufen, mit der wir uns an die Straße setzten, ergänzt ihre 55-jährige Nachbarin Astou Diouf. Jetzt kaufen wir gleich eine große Menge ein, und die verkaufen wir in kleinen Portionen weiter. Das bringt mehr Gewinn und mit dem Geld können wir die täglichen Ausgaben für uns und die Familie abdecken. Seynabou Guéye hat sogar einen kleinen Laden eröffnet, wo sie Stifte und Schulmaterial verkauft. Das läuft gut, ich kann die Sachen einfach lagern und ich zahle meine Raten problemlos zurück, sagt die 40-Jährige. Awa Mar, Astou Diouf und Seynabou Guéye leben in dem kleinen Ort Lagnar im Senegal, nahe der Stadt Diourbel. Die Straße zur heiligen Stadt Touba führt hier vorbei und so gibt es immer Durchreisende, die günstige Produkte aus den Dörfern mitnehmen. Die Stifte in Frau Guéyes Laden dagegen kaufen eher die Schülerinnen aus Lagnar, die dank der Zusatzeinkommen ihrer Mütter regelmäßig die Schule besuchen. In Lagnar, Keur Madano und Mont Rolland hat die ASW-Partnerorganisation ASAFODEB in den vergangenen Jahren ein spezielles Kleinkreditprogramm aufgebaut, das Frauen mit einem Startkapital zu kleinen Unternehmen verhilft. Anders als viele Mikrokreditprogramme ist es völlig unabhängig von Bankkapital. In den Kreditfonds sind vergleichsweise geringe Summen, zum Teil aus ASW-Spendengeldern, und die Kredite der Frauen liegen oft bei 50 Euro oder weniger. In der Startphase betreut ASAFODEB die Kreditnehmerinnen intensiv, begleitet ihre Vorhaben und berät bei eher seltenen Problemen mit den wöchentlichen Rückzahlungen. Durch die Zinszahlungen wuchs das zur Verfügung stehende Volumen und die Zahl der Kreditnehmerinnen. In Lagnar haben 151, in Keur Mada no 143 Frauen mit Krediten Kleinstunternehmen aufgebaut. Allerdings ist der Bedarf an Starthilfe noch immer viel größer als die zur Verfügung stehenden Mittel. Nach einiger Zeit kommen die Gruppen von Kreditnehmerinnen mit einer geringeren Betreuung aus. Aktuell reist eine ASAFODEB-Mitarbeiterin einmal im Monat zu den Frauengruppen in Lagnar, Keur Madano und Mont Rolland. Die regelmäßigen Treffen und der Austausch stärken sie auch bei der Selbstorganisation, Meinungsbildung und Mitwirkung in den Gemeinden. Langjährige Partnerschaft mit ASAFODEB Das Kreditprogramm ist verzahnt mit dem Alphabetisierungs- und Weiterbildungsprogramm, das die ASW in den Jahren in größerem Umfang unterstützte. Erwachsene Frauen ohne Schulbildung lernen Lesen, Schreiben und Rechnen und danach Buchführung, die Weiterverarbeitung von Lebensmitteln oder Batik. Zusammen mit den Krediten ist dieses praktische Wissen die Basis, auf der die Frauen ihre Unternehmen aufbauen. Dabei ist der Zugewinn an ökonomischer Unabhängigkeit nicht nur eine Chance für die Frauen selbst, sondern auch für die nachwachsende Generation. Dank dem Kreditprogramm gehen meine Kinder regelmäßig zur Schule, sagt Maram Niang, und ich kann meinen Kindern jetzt Schulmaterial kaufen, sie impfen lassen oder mir sonstige Arztbesuche leisten. Die 35-Jährige hat mit dem Kredit einen kleinen Laden eröffnet, wo sie Gewürze, Waschmittel, Milch und Zu - cker verkauft. Damit noch mehr Frauen den Weg von Maram Niang, Awa Mar und den anderen gehen und dabei von ASAFODEB betreut werden können, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Kennwort: Frauen Afrika Kennnummer: 8002 Konto Bank für Sozialwirtschaft BLZ IBAN DE BIC/SWIFT: BFSWDE33BER 12 I Solidarische Welt Nr. 229, März 2015

13 UNSER STANDPUNKT Wir sind Attac! VON MAREK BURMEISTER Solidarisch und gemeinnützig: Aktion von Gemeinsam für Afrika gegen Landraub Bereits im Oktober des letzten Jahres wurde dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac durch das Finanz - amt Frankfurt die Gemeinnützigkeit aberkannt. Ein Schock für die Organisation und ein Weckruf für einen großen Teil der deutschen Zivilgesellschaft. Die Begründung der Behörde hatte es in sich. So verfolge Attac allgemeinpolitische Ziele und sei daher nicht förderungswürdig. Begründet wird dies unter anderem mit dem Engagement für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, einer Vermögensabgabe und eines Grundeinkommens. Wenn ein Finanzamt das Gemeinnützigkeitsrecht so streng interpretiert, kann man nur Absicht unterstellen. Es ist ein Schlag ins Gesicht der kritischen Zivilgesellschaft, wenn ein Finanzamt darüber entscheidet, was politisch sein darf und was nicht. Gemeinnützigkeit und Politik schließen sich nicht aus. In einer lebendigen Demokratie müssen zivilgesellschaftliche Kräfte politisch agieren, kritisieren und mündige Bürger mobilisieren. Für eine Finanztrans aktionsteuer zu streiten, sich für die Rechte und die Besserstellung der Abgehängten und Ausgegrenzten in Nord und Süd einzusetzen, dient dem Gemeinwohl. Die Gemeinschaft hier und weltweit wird gestärkt, gegen die Partikularinteressen der Wenigen, die das Geld oder politische Macht anhäufen. Dieser Einsatz ist immer politisch, sonst verändert sich nichts. Nur mit Bildung und Charity verändert man keine Machtstrukturen. Zudem muss das Gemeinnützigkeits - recht dringend überarbeitet werden, denn wenn solche weltfremden Interpretationen möglich sind, schwebt über fast jedem Engagement zivilgesellschaftlicher Organisationen das Damoklesschwert des behördlichen Interpretationsspielraums. Deshalb erklären auch wir uns solidarisch mit Attac und fordern die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Simbabwe: Neue Hoffnung für geprellte BäuerInnen? VON IMKE-FRIEDERIKE TIEMANN Es hörte sich alles so gut an, als der simbabwische Geschäftsmann Billy Rautenbach und seine Firma Green Fuel die Gegend um Chisumbanje, im nördlichen Mani - caland, für ihre Bioethanolproduktion auswählten. Die BewohnerInnen ließen sich schnell von den vermeintlichen Vorteilen überzeugen: Ein Ende der Migration nach Südafrika, weil genügend Arbeitsplätze für alle geschaffen würden; sinkende Kraftstoffkosten sowie neue Straßen. Und alle Familien, die Felder an Green Fuel für dessen Zuckerrohranbau verlören, würden entschädigt. Die Liste der Versprechen war fast endlos. Doch heute, vier Jahre später, ist Ernüchterung eingekehrt: Die versprochenen Entschädigungen haben nur sehr wenige der um Haus und Feld gebrach ten Familien erhalten; Grenzen zwischen privatem Acker - land und den Feldern von Green Fuel werden nicht eingehalten; die Abwässer der Ethanolfabrik gelangen ins Grundwasser und verursachen Krankheiten bei Menschen und lassen Vieh verenden. Alles kein Wunder, findet ein simbabwischer ASW-Partner, der auf die Nähe der Green Fuel Gründer zur regierenden ZANU-PF verweist. So habe die Firma auch eine Umweltfolgenprüfung für das Projekt bis heute verschleppt. Im Januar kam es zu handfesten Konflikten zwischen der Bevölkerung und Mitarbeitern von Green Fuel. Bewohnern von Chisumbanje wird vorgeworfen, sich unerlaubt auf Feldern von Green Fuel aufgehalten zu haben. Die Polizei ging extrem hart gegen sie vor, einige wurden inhaftiert. Es sieht ganz danach aus, als würde wieder einmal ein Global Player mit Rückendeckung der Politik die lokale Bevölkerung in den Ruin schicken. Dennoch haben NGOs vor Ort noch nicht aufgegeben und seit Januar 2015 erneut den Dialog mit den Verantwortlichen gesucht. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aktuell, nachdem das simbabwische Parlament eine öffentliche Anhörung zum Ethanolprojekt Chisumbanje abgehalten hat. Schon macht das Gerücht die Runde, der ehemalige Energieminister Mavhaire könnte zur Rechenschaft gezogen werden. Solidarische Welt Nr. 227, März 2015 I 13

14 WELTNACHBAR WELTNACHBAR Lesetipp für WeltnachbarInnen: Indien Ein Land und seine Widersprüche Die Kehrseite des Erfolgs könnte nicht unschöner sein. Indien wird seit Jahren als größte Demokratie der Welt gelobt und als aufstrebende Wirtschaftsmacht bestaunt. Gleichzeitig verharrt ein Großteil der indischen Bevölkerung in extremer Armut, Minderheiten und Frauen leiden unter Diskriminierung und Gewalt. Indien verfügt zwar seit der Unabhängigkeit 1947 über eine moderne Gesetzgebung, es mangelt jedoch an einer tatkräftigen Umsetzung der Gesetze. Staatliche Institutionen und Politiker gelten als korrupt oder bestenfalls unfähig. Um diese extreme Kehrseite zu beleuchten, haben Georg Blume und Christoph Hein im vergangenen Jahr eine Streitschrift gegen ein unmenschliches System (vergl. SW 226) vorgelegt. Amartya Sen und Jean Drèze liefern in ihrem nun auf Deutsch erschienenen Werk Indien Ein Land und seine Widersprüche fundierte Analysen. Sie werfen einen kritischen Blick auf die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft und zeigen anhand zahlreicher Beispiele und Vergleiche mit anderen Ländern auf, welche Auswirkungen die dauerhafte Vernachlässigung von sozialen Problemen haben kann. Positive Ansätze für einen möglichen sozialen Wandel finden die Autoren (erstaunlicherweise) innerhalb Indiens selbst. In einem Vergleich der einzelnen Bundesstaaten schneiden vor allem das südwestliche Kerala und neuerdings auch Tamil Nadu und Himachal Pradesh in einigen Bereichen, wie Bildung und Gesundheit, gut ab. Von Indiens Mittel- und Oberschicht übersehen: die Benachteiligten der Gesellschaft Mögliche gesellschaftliche Veränderungen müssen gewollt sein. Ein trauriges Fazit des Buches lautet: Die öffentliche Debatte Indiens ist einseitig. Fragen, die das Leben und Überleben von benachteiligten Menschen berühren, wird bemerkenswert wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Lektüre des Buches lohnt sich für alle, die ein bisschen mehr über Indien wissen wollen. Trotz Analysen, Tabellen und Übersichten liest es sich erstaunlich leicht. Indienkenner finden hier und da mit Sicherheit einen neuen Aspekt. Und für alle, die eine soziale Veränderung wollen, gibt es eine kleine Hoffnung. Jean Drèze / Amartya Sen Indien Ein Land und seine Widersprüche C.H. Beck 2014, 376 S., gebunden, 29,95 Sonja Finkbeiner WELTNACHBAR sein WELTNACHBARN leben oft weit auseinander und fühlen sich doch einander nah. Sie begegnen sich auf Augenhöhe und mit Wertschätzung. Sie leben eine solidarische Welt und übernehmen Verantwortung für eine global gerechte Zukunft. Gemeinsam mit vielen Menschen leben wir diese Weltnachbarschaft. Hier berichten wir über sie. Werden Sie Weltnachbar. Engagieren Sie sich für die ASW, werden Sie Fördermitglied oder schreiben Sie uns von Ihren Aktionen und Ihrem Engagement für die ASW. Wir freuen uns. oder I Solidarische Welt Nr. 229, März 2015

15 WELTNACHBAR Ein Flohmarkt am Westfalenkolleg zugunsten der ASW-Partnerinnen Unsere Studierenden sind immer wieder beeindruckt, wenn sie von Betroffenen direkt hören, wie es in Indien oder Burkina Faso wirklich ist. Das ist ganz anders, als wenn wir das per Arbeitsblatt oder Schulbuch erläutern. Ulrike Miehlisch unterrichtet Englisch und Erdkunde am Westfalenkolleg Dortmund, wo junge Erwachsene auf dem zweiten Bildungsweg Schulabschlüsse erwerben. Schon viermal waren ASW-Partnerinnen auf ihren Rundreisen dort und berichteten über ihre Arbeit. Bei Ulrike Miehlisch, ihren KollegInnen und den Studierenden hinterließen die Frauen aus dem Süden einen starken Eindruck. Die Frauen haben uns gezeigt, dass man mit Aktivitäten im eigenen Umfeld viel erreichen kann. Mit ihrer Energie haben sie die Studierenden ermutigt, anders auf die Welt zu blicken und nicht mehr zu sagen:,man kann ohnehin nichts machen. Als Dankeschön hat das Westfalenkolleg einen Teilerlös eines Flohmarkts an die ASW gespendet. Auf einem gemeinsamen Sommerfest mit der Volkshochschule verkauften Studierende und Lehrende 2014 neben Privatsachen auch altes Lehrmaterial, zum Beispiel ausrangierte Hinten v.l.n.r: Ingrid Hausmann, Wolfgang Richter, Antje Bechtloff und Wolfram Schneider, ASW-Regionalgruppe Dortmund. Vorne: ASW-Partnerin Rakieta Poyga und Ulrike Miehlisch. Schautafeln aus dem Biologieunterricht. Aus dem Erlös gingen 350 Euro an unsere Partnerinnen. Wir danken den engagierten DortmunderInnen dafür sehr herzlich. Und wir werden dafür sorgen, dass ein uns zugetragener Wunsch erfüllt wird: Wir würden uns freuen, sehr bald wieder eine Partnerin der ASW bei uns zu haben, ließ uns Ulrike Miehlisch wissen. Ein weiterer Dank geht an unsere Dortmunder Regionalgruppe, die den Kontakt zum Westfalenkolleg hergestellt hat. Von Osnabrück bis Mettingen für die Menschenrechte in Brasilien Gemeinsam für die Menschenrechte in Brasilien: LäuferInnen des Comenius Kollegs und der Organisation Sportler 4 a children s world Die Menschen und die Natur in Brasilien sind akut bedroht durch Großprojekte. Und die, die sich wehren, brauchen unsere Unterstützung, so Bernd Lobgesang, der Eine-Welt-Koordinator des Comenius-Kollegs in Mettingen. Die Schule für den zweiten Bildungsweg veranstaltete im Mai vergangenen Jahres einen Wohltätigkeitslauf und sammelte Spendengelder für die ASW-Partnerorganisation Movimento Xingu, die gegen den Staudamm Belo Monte kämpft. Den Sport- und Spendentag hatten Studierende und Lehrende des Comenius-Kollegs sowie der Aktivist John McGurk und seine Organisation Sportler 4 a children s world gemeinschaftlich organisiert. Insgesamt 50 TeilnehmerInnen liefen, radel ten oder skateten die 22 Kilometer von Osnabrück nach Mettingen. Bernd Lobgesang ist sich sicher, dass sie dabei nicht nur die sportliche Herausforderung und den Spaß gesucht haben. Es war eine Gemeinschafts aktion für eine gute Sache. Und für das Belo Monte-Netzwerk kam ein stolzer Betrag von Euro zusam men. Die ASW sagt den LäuferInnen, den OrganisatorInnen und finanziellen UnterstützerInnen des Laufs ein großes Dankeschön. Solidarische Welt Nr. 227, März 2015 I 15

16 Vertriebsstelle Solidarische Welt, Potsdamer Straße 89, Berlin, Postvertriebsstück, Entgelt bezahlt IMPRESSUM Herausgeberin: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.v. ASW, Potsdamer Straße 89, Berlin, Telefon: , Erscheinungsweise vierteljährlich: Der Verkaufspreis der Zeitschrift ist für Mitglieder im Mitgliedsbeitrag enthalten. Jahresabonnement 10 Euro. Redaktion: Isabel Armbrust (Redaktionsleitung), Marek Burmeister, Sonja Finkbeiner, Michael Franke, Detlef Stüber, Imke-Friederike Tiemann, Silke Tribukait, Tobias Zollenkopf Am aktuellen Heft wirkte außerdem mit: Carla Philine Klatte. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeberin wieder. Grafik: Natalie Friedinger, Berlin Ulrike Kleine/Grips medien GmbH&Co.KG Bildnachweis: ASW (falls nicht anders angegeben) Druck: Oktoberdruck AG, Berlin Gedruckt auf 100% Recyclingpapier Bereits 1957 gegründet, ist die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.v. eine der ältesten entwicklungspolitischen Organisationen Deutschlands. Wir fördern Projekte in Afrika, Indien und Brasilien, die zur Stärkung von Frauen, dem Schutz der Umwelt und der Durchsetzung der Menschenrechte beitragen. Die Projekte werden ausschließlich von PartnerInnen vor Ort angestoßen und ausgeführt. Wir sind politisch, wirtschaftlich und religiös unabhängig und finanzieren uns überwiegend über Spenden von Privatpersonen. Für eine Welt, die zusammenhält

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