Anna Musewald - Politen, der Weldwanderer -

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2 Anna Musewald - Politen, der Weldwanderer -

3 Anna Musewald Sie wurde in Griechenland geboren. Dort wuchs sie auf und absolvierte ein Wirtschaftsstudium in der Panteio-Univerität in Athen. Mittlerweile lebt sie seit 1998 zusammen mit ihrer Familie in Deutschland. Ihr Beruf ist Buchhalterin, doch ihre Berufung ist das Eintauchen in die geschaffene Fantasiewelt der Bücher. Sie schrieb mehrere Bücher, einige davon sind hier aufgelistet: * Auf der Suche nach der velorenen Schönheit veröffentlicht (GR) * Das Rätsel des Krieges- veröffentlicht (GR) * Der vegessene Kodex -veröffentlicht (GR) * Der Tintenweg veröffentlicht (GR)

4 Inhaltsverzeichnis 1. Die Hermiten Politens Wunsch, die Menschen kennenzulernen Politen unter den Menschen Neue Erkenntnisse Ein Feind und ein guter Freund Iris Politen trifft Iris Iris Wunsch, zu helfen Der Heimweg Die andere Seite des Tores Iris in der Welt der Hermiten Der Rat der Anführer Politens Verhandlung Die Schwarze Eulenfrau Jedes Ende ist ein neuer Anfang...200

5 1 Die Hermiten «Die Welt ist groß, mein Junge, und bietet für alle Wesen ein Zuhause», sagte der Professor Mardoken und sah den jungen Politen an, der ihm gegenübersaß. «Haben Sie jemals einen Menschen gesehen, Professor?», fragte der Junge. Sie befanden sich in der Arena. Der Unterricht war für diesen Tag zu Ende und es war Zeit für das gewöhnliche Gespräch. Politen blieb immer etwas länger, um ein Weilchen mit seinem Professor zu reden. Sein ruheloser Geist war nicht leicht zu befriedigen. Der Professor war immer bereit, mit ihm zu reden. Ohne sich zu beschweren widmete er ihm eine oder sogar zwei Stunden seiner Nachmittage. «Ich möchte die Welt der Menschen besuchen. Ich möchte sie persönlich kennenlernen.» Diese Aussage des Jungen überraschte Mardoken. «Warum?», fragte der Lehrer und atmete gleichzeitig tief ein. Der Professor scheint heute nicht besonders gesprächig zu sein, dachte Politen, als er bemerkte, dass er den Professor mit seiner Aussage überrascht hatte. In letzter Zeit war es seinen Schülern aufgefallen, dass man ihm sein Alter langsam ansah. Die Flügel an seinem Kopf und seinen Füßen bewegten sich nicht mehr so schnell wie einst und sein Vestris war während des Unterrichts manchmal inaktiv. Er sah sehr müde aus, sein vollkommen rundes Gesicht war voller Falten und schwarzer Mitesser. Einstmals war er der Größte von allen. Doch in den letzten Jahren wurde er immer kleiner, sodass der lange Bart fast seinen gesamten Körper bedeckte. Er war der liebe und zuvorkommende alte Mann geworden; allwissend, eine lebende Bibliothek, wie ihn seine Schüler hinter seinem Rücken nannten. Erst neulich hatte ihn Politen, als er am Markt vorbeilief, in einem Gespräch mit dem

6 Stammesanführer -wahrscheinlich scherzend- sagen hören: Wenn ich weiterhin im gleichen Tempo zusammenschrumpfe, dann sehe ich bald aus wie ein Menken. Er mag vielleicht an Größe verloren haben, doch seinen Humor behielt er. Im Gegenteil wurde er im Laufe der Jahre immer pfiffiger, was auch sein Anführer bemerkte. Politen flog weiterhin langsam um seinen Lehrer herum. Die Diskussion gelangte an ihrem schwierigsten Punkt. Er wusste, dass er darauf bestehen musste. Er musste ihn überreden, über das Thema zu sprechen, das ihn am meisten interessierte: die Menschen. «Um ehrlich zu sein, Herr Professor, wurde ich von dieser Idee besessen, seit dem Tag, als ich erfuhr, dass wir von ihnen abstammen und unsere Vorfahren, wenn auch nur für kurze Zeit, einst mit ihnen zusammenlebten. Was ist eigentlich damals passiert, Professor? Warum leben wir jetzt getrennt? Warum wurden die Menschen zu unseren Feinden?» Dem Professor Mardoken wurde sofort klar, dass der Junge einer der wenigen Hermiten war, die eines Tages versuchen würden, die Welt der Menschen zu betreten und dadurch die heiligen Gesetze verletzen würde. «Du weißt, dass es verboten ist, über sie zu reden, Politen. Du weißt, dass die Menschen unsere Feinde sind. Normalerweise sollten wir zwei nicht darüber diskutieren. Vor allem du. Vergiss nicht, dass du einer der Auserwählten unseres Volkes bist. Vergiss nicht, dass du bald Hermin bewachen musst. Du bist ein WÄCHTER, Politen, und du solltest deine heilige Pflicht nicht aufgeben. Du wurdest mit dem heiligen Zeichen auf deiner Handfläche geboren, was bedeutet, dass du von den Göttern ausgewählt worden bist, um eines Tages Wächter zu werden. Du kannst es dir nicht aussuchen, ob du diesem heiligen Gebot gehorchen möchtest oder nicht.» Der Professor könnte endlose Stunden über seine heilige Pflicht reden und Politen würde zuhören. Doch er war sich sicher, dass es nichts änderte. Der Junge würde erscheinen, um seine heilige Pflicht zu erfüllen, an dem Tag, den die Priester

7 seines Stammes festgelegt hatten, jedoch nicht bevor er die Menschen persönlich kennengelernt hatte. Die Zeit war vergangen und Politen wusste, dass er nach Hause musste. Seine Mutter würde sich heute Abend mehr Sorgen denn je machen. Doch sicherlich war die Diskussion mit seinem Professor noch nicht zu Ende. Und als er sich von ihm verabschiedete, kam er nicht umhin, es ihm zu sagen: «Professor Mardoken, wir müssen uns bald wieder über die Menschen unterhalten. Es sind so viele Dinge, über die ich mehr erfahren möchte. Aber jetzt muss ich gehen. Sie wissen ja, was heute Abend bei mir zuhause passieren wird?» «Ich weiß, Politen, und ich wünsche dir viel Kraft. Ich werde von Anfang bis Ende an deiner Seite sein, aber leider bin ich nicht in der Lage, dir zu helfen. Ich bin mir aber sicher, dass du es schaffen wirst. Ich denke, du bist jetzt bereit.» Der Junge sammelte hastig seine Sachen ein und flog nach Hause. Er lebte nicht weit vom Markt entfernt. Es sind nur zwei Flatter entfernt, hatte ihm seine Mutter früher gesagt, wenn sie ihn auf den Markt zum Einkaufen schicken wollte. Als er über den Markt flog, bemerkte er, dass er leer und verlassen war. Die Zeit war so schnell vergangen, ohne dass er es mitbekommen hatte. Die Geschäfte, die tagsüber in der Regel von Hermiten gefüllt waren, hatten bereits geschlossen. Der Markt war beleuchtet, da der für die Laternen des Platzes Zuständige sie alle erleuchtet hatte, obwohl es noch nicht dunkel war. Die Menken-Wächter hatten bereits ihre Plätze vor den hölzernen Türen der Geschäfte eingenommen. Sie würden die ganze Nacht dortbleiben, um die Geschäfte zu bewachen, bis zum nächsten Morgen, an dem ihre Besitzer kommen würden. Und sie würden nicht zögern, ihren Stachel zu benutzen, wenn es die Umstände erfordern würden. Kürzlich war über ihr Dorf eine Welle von Diebstählen gerollt. Daraufhin war der Stammesanführer gezwungen gewesen, Sofortmaßnahmen zu ergreifen und die Menken die ganze Nacht auf dem Markt patrouillieren zu lassen. Sein zweistöckiges Haus erschien am Horizont und Politen landete vor seiner Tür. Er war dabei, sein Vestris zu aktivieren, um sie zu öffnen. Doch sie öffnete sich von allein. Das heißt, nicht ganz von allein. Sein Menken erwartete ihn.

8 Als Politen durch die Außentür lief, flog sein Menken -seitwärts wie immer- und ließ sich auf seiner Schulter nieder. Politen streichelte den winzigen Kopf mit den kleinen grünen menschlichen Augen. Er hatte es vermisst, da er es nicht mit in die Schule nehmen durfte. «Seltsame Wesen, diese Menken», dachte er während er ins Innere des Hauses flog. «Obwohl sie keine Stimme haben, können sie einem trotzdem zeigen was sie denken und fühlen. Vielleicht ist es dieses Funkeln, oder die ungewöhnliche Form ihrer Augen, oder die Art, wie sie auf der Schulter sitzen. Vielleicht auch die Art, wie sie ihre Flügel schütteln. Letzten Endes reden sie wahrscheinlich nicht, weil sie es nicht müssen», beschloss Politen. Er flog hastig durch alle Räume des Hauses auf der Suche nach seiner Mutter und Schwester. Wie immer, strahlte das ganze Haus vor Sauberkeit, denn die zwei Frauen waren ausgezeichnete Hausfrauen. Sein Vater war anscheinend noch nicht Zuhause, seine Mutter und Schwester mussten irgendwo hier sein, denn sie gingen nur selten aus dem Haus. Tatsächlich saßen sie beide auf dem großen Stein im Hinterhof. Die Kleine, als sie ihn kommen sah, sprang sofort auf und flog auf ihn zu. Obwohl die beiden Geschwister einen großen Altersunterschied hatten, ähnelten sie einander sehr. Ipoliten, die kleine Schwester, war mindestens fünftausend Monde nach Politen geboren worden. Wie es jedoch üblich war, wurden die Geschwister als Kinder ihrer Eltern angesehen, mindestens bis sie beschließen würden, ihr Elternhaus zu verlassen und ihr eigenes Haus zu gründen. Seine Mutter begrüßte ihn lächelnd: «Willkommen daheim, mein Sohn.» «Hallo, meine Lieben», sagte er zu den Beiden und versuchte gleichzeitig die Hände seiner Schwester von seinem Hals zu lösen. Die Sonne begann unterzugehen und der Tag ging langsam zu Ende. Die kommende Nacht würde eine der wichtigsten seines Lebens werden. Politen spürte allmählich, wie das Training des Mittags in der Arena ihn müde gemacht hatte. Der Professor der Wettkämpfe hatte ihnen neue Bewegungen und Techniken gezeigt. Doch um nichts in der Welt würde er es zulassen, dass die

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