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2 Kapitalmärkte in schweren Turbulenzen Eine schwache wirtschaftliche Verfassung in China verbunden mit einer unerwarteten Abwertung des Yuan hat die Kapitalmärkte global verunsichert und in schwere Turbulenzen gestürzt. Schlagartig kam es zu einem Anstieg der Risikoaversion der Kapitalanleger. Dabei wurden vielfach unreflektiert alle Anlageformen veräußert, die mit Risiko verbunden wurden. Die Kursverluste gipfelten in einem bislang finalen Ausverkauf am Montag, dem 24. August. Zum Tiefpunkt an diesem Tag hatte der Deutsche Aktienindex Dax von seinem Allzeithoch im April dieses Jahres von Punkten bereits fast 25% an Kurswert eingebüßt. Wir halten viele Kursbewegungen jedoch für übertrieben und geben nachfolgend eine erste Einschätzung mit möglichen Szenarien und Handlungsalternativen. Unsicherheit als Ausgangspunkt Es besteht eine hohe Unsicherheit bezüglich der weiteren Konjunkturentwicklung in China. Die Furcht vor einer harten Landung der Konjunktur sorgte bereits für eine krisenhafte Entwicklung in zahlreichen Schwellenmärkten und zu einem Preisverfall an den Öl- und Rohstoffmärkten. China steht dabei vor der Herausforderung, Überkapazitäten in den verarbeitenden Sektoren abzubauen. Auch der Übergang von einer rein exportorientierten Wirtschaft in eine mit mehr Binnenmarktorientierung gestaltet sich schwieriger als erwartet. Allerdings ermäßigen sich die rein prozentualen Wachstumsraten mit zunehmender Größe einer Volkswirtschaft zwangsläufig. Eine Rezession leiten wir daraus nicht ab. Letztlich handelt es sich um eine Korrektur der zuvor überhöhten Wachstumserwartungen in Verbindung mit einem ungeschickt gewählten Zeitpunkt für eine Währungsabwertung. Die extrem spekulative Börse Shanghai reagierte mit einem Kurseinbruch. Grafik: Kursverluste am chinesischen Aktienmarkt SHANGHAI SE A SHARE - PRICE INDEX Source: Thomson Datastream Grafik: Wirtschaftswachstum in China CH GDP (YEAR TO DATE YOY %) Source: Thomson Datastream Wachstumsprognosen bleiben intakt

3 Der bisherige Konjunkturausblick hat sich durch die aktuellen Ereignisse nur in Nuancen geändert. Die Weltkonjunktur sollte sich nach einer kurzen Schwächephase wieder leicht beleben. Wir erwarten insgesamt einen historisch niedrigen Wachstumspfad, der die Inflations- und Zinsprognosen für lange Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau festzurrt. Innerhalb der Industriestaaten dürften die USA dynamischer wachsen als die Eurozone oder Japan. Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten resultieren unseres Erachtens also eher aus einer plötzlich angesprungenen Risikoaversion als aus einer Neueinschätzung der fundamentalen Situation. Konjunktur e 2016e BIP Deutschland 1,6 1,6 1,7 Eurozone 0,9 1,2 1,5 USA 2,4 2,5 2,8 Welt 3,4 3,5 3,7 Inflation Deutschland 0,90 0,30 1,50 Eurozone 0,40 0,10 1,30 USA 1,60 0,30 2,50 Welt 3,50 2,80 3,60 Veränderung in % gegenüber Vorjahr, Stand: August 2015 Quelle: LBBW US-Zinswende wird kommen, nur wann? Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Kapitalmärkte stellt auch eine mögliche Zinswende der US-Notenbank FED dar. Der Arbeitsmarkt und die Mehrzahl der Konjunkturindikatoren deuten in den USA auf eine stetige Wachstumsdynamik hin. Die private Konsumnachfrage und die weitere konjunkturelle Entwicklung dürften weiterhin vom Rückgang der Energiepreise profitieren. Allerdings sorgen die Wachstumsängste um China und die Schwellenländer, der starke US- Dollar und das zuletzt wenig aufschlussreiche Protokoll der US- Notenbank für Zweifel an den Kapitalmärkten, ob bereits im September der Zeitpunkt für einen ersten Leitzinsschritt gekommen ist. Solange diese Unsicherheit besteht, stellt auch sie einen Risikofaktor für den Markt dar. Eurozone wächst auf Sparflamme Die Früh- und Stimmungsindikatoren deuten in der Eurozone auf eine leichte konjunkturelle Belebung hin. Der Ölpreisverfall, die EZB-Liquidität und der nachlassende Konsolidierungsdruck sollten 2015 und 2016 weiterhin für mehr Wachstum sorgen. Als Hauptmotor erweisen sich aktuell Spanien und Deutschland. Italien enttäuschte dagegen mit zuletzt schwachen Wachstumszahlen und Frankreich stagniert sogar. Als Risikofaktoren verbleiben die Wachstumssorgen um China und die Schwellenländer, während Griechenland mittlerweile in den Hintergrund getreten ist. Welt der kleinen Zahlen Durch die Wirtschaftsabschwächung in China dürften die deflationären Tendenzen in der Welt noch einmal verstärkt und die Wachstums- bzw. Inflationspotenziale begrenzt werden. Die Inflationsrate (HVPI) in der Eurozone liegt bereits seit einigen Jahren deutlich

4 unter der von der EZB angestrebten Rate von 2 %. Hauptgrund dafür bleiben die niedrigen Energiepreise. Daher hält die EZB den Leitzins im Kampf gegen Wirtschaftsflaute und Deflationsrisiken auch weiterhin auf rekordtiefen 0,05 %. Eine moderate Erhöhung des Zinsniveaus bei mittleren und langen Laufzeiten erwarten wir mit beginnender US-Zinswende. Grafik: Kursrücksetzer im Dax von 'S 'S Aktienbewertung wieder attraktiver Durch den Kursrücksetzer wurde auch das Bewertungsniveau der Aktien wieder korrigiert. Argumente für eine Beimischung europäischer Aktien bleiben die lockere Geldpolitik, der schwache Euro und die gefallenen Energiekosten. Zudem übertrifft die Dividendenrendite weiterhin deutlich die Verzinsung der Rentenpapiere. Allerdings sollten Anleger die deutlich stärkeren Kursschwankungen dieser Anlageform beachten, wie die nachfolgende Grafik veranschaulicht: Prognosen Aktuell DAX EuroStoxx Dow Jones Index Quelle: LBBW, Stand: 27. August DAX 30 PERFORMANCE INDEX 200 TAGE DURCHSCHNITTSLINIE Source: Thomson Datastream Verschiebung der Wachstumsregionen Der Kurseinbruch an den Kapitalmärkten hat zugleich auch das Weltbild eines ganzen Jahrzehnts zerstört. Hinter den heftigen Kursbewegungen steckt letztlich ein grundsätzlicher Schwenk in der Weltwirtschaft und damit auch in der Anlagestrategie. Viele Länder der sog. Emerging Markets haben die fetten Jahre starken Wachstums, hoher Rohstoffpreise und niedriger Zinsen nicht genutzt, um Misswirtschaft, Verkrustungen und die Verschuldung abzubauen und ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Zukunft zu entwickeln. Insofern erklärt sich auch der massive Abfluss von Kapital aus den bisherigen Wachstumsregionen. Mögliche Szenarien Konjunktur und Märkte H auptszenario (Wahrscheinlichkeit 65 %) Die Weltkonjunktur bleibt auf einem stabilen, wenn auch historisch niedrigen Wachstumspfad. Der chinesischen Konjunktur gelingt ein soft landing.

5 Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich allmählich. Das Wirtschaftswachstum steigt in der Eurozone und Deutschland in 2016 wieder auf 1,5 % bis 1,7 %. Die Inflationsraten normalisieren sich auf 1,3 % bis 1,5 %. Die EZB bleibt angesichts der Deflationsrisiken bei ihrem expansiven Kurs und einem Leitzins von 0,05 %. Die Geldmarktsätze bleiben durch die Politik der EZB nahe Null. Am langen Ende der Renditekurve steigen die Renditen etwas durch die Zinsanhebung der US- Notenbank, die auch auf die Eurozone abstrahlt. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen wird durch den schwachen Eurokurs und die niedrigen Energiepreise unterstützt. Das niedrige Zinsniveau und die wieder zunehmende Risikofreude lassen die Aktienkurse steigen. Fazit für die Geldanlage: Eine gut gestreute Geldanlage über verschiedene Anlageklassen unter Beimischung von Aktien und Unternehmensanleihen verspricht den größten Nutzen. Risikoszenario (Wahrscheinlichkeit 25 %) Harte Landung in China. Starker Wachstumsrückgang in den Emerging Markets und Einbruch der Weltkonjunktur. Anhaltender Druck auf die Währungen der Emerging Markets und die Rohstoffpreise. Die Konjunktur und die Inflationsraten in der Eurozone brechen wieder ein. Die EZB reagiert mit weiteren unkonventionellen Maßnahmen und einer Verlängerung des Staatsanleihen-Ankaufprogramms auf den deflationären Druck. Die US-Notenbank bricht den geplanten Zinserhöhungszyklus ab und legt ein neues Quantitative Easing-Programm auf. Die Renditen fallen am Kapitalmarkt auf neue Rekordtiefs. Eine Flucht aus risikobehafteten Anlageformen (Emerging Market-Anleihen, hochverzinsliche Unternehmensanleihen) in Bundesanleihen als sicherer Hafen setzt ein. Bundesanleihen mit mittleren und langen Laufzeiten notieren mit Negativ-Renditen. Die Unternehmensgewinne brechen massiv ein. Eine Flucht aus Aktien setzt ein, bevor sich die Aktienkurse durch die expansive Geldpolitik wieder stabilisieren. Fazit für die Geldanlage: Bei Deflation sind erst einmal nur langlaufende Staatsanleihen, vornehmlich Bundesanleihen Trumpf. Optimistisches Szenario (Wahrscheinlichkeit 10 %) China überrascht mit hohen Wachstumsraten. Eine schnelle und starke Konjunkturbelebung setzt in der Welt ein. Die Emerging Markets sind als verlängerte Werkbänke der Welt wieder gefragt. Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich deutlich. Allerdings beschleunigen sich auch die Inflationsraten. Der Druck auf die Notenbanken zu Leitzinserhöhungen nimmt zu.

6 Deutlicher Renditeanstieg in den USA und der Eurozone. Anleihen mit mittleren und langen Laufzeiten verlieren erheblich an Wert. Ein positiver Wirtschaftsausblick und erheblich steigende Unternehmensgewinne erzeugen eine neue Aktienhausse mit einer Phase der Übertreibung. Fazit für die Geldanlage: Im festverzinslichen Bereich Kursgewinne mitnehmen und die Laufzeiten deutlich verkürzen. Aktien bzw. unternehmensnahe Anlageformen sollten in dieser Marktphase übergewichtet werden. Sparkasse Essen Kapitalmarkt und Börse Bearbeitung: Joachim Klein 27. August 2015 Disclaimer: Bitte beachten Sie, dass es sich bei dieser Publikation um werbliche Informationen allgemeiner Art und nicht um eine vollständige Darstellung bzw. Finanzanalyse eines bestimmten Marktes, eines Wirtschaftszweiges oder eines Wertpapiers handelt. Diese Informationen genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und führen nicht zu einem Verbot des Handels vor Veröffentlichung von Finanzanalysen. Die Sparkasse Essen veröffentlicht ausschließlich Produktinformationen zu Informationszwecken, wobei keine der hier enthaltenen Informationen als Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung bzw. - empfehlung zu sehen sind. Etwaige steuerliche Aussagen sind allgemeiner Art und berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Umstände. Zukünftige Änderungen der Steuergesetzgebung können zu negativen oder positiven Auswirkungen auf die zu erzielende Rendite führen. Der Inhalt dieser Präsentation wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die darin enthaltenen Informationen können sich auch auf externe Datenquellen beziehen, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung von der Sparkasse Essen als zuverlässig angesehen wurden, deren Inhalte aber nicht unabhängig verifiziert oder überprüft wurden. Auch können seit Zeitpunkt der Fertigstellung Änderungen eingetreten sein, welche sich auf die hier dargestellten Inhalte ausgewirkt haben können. Die Sparkasse Essen kann deshalb keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Insbesondere wird keine Haftung für sachliche Fehler und deren Folgen übernommen. Die in dieser Präsentation enthaltenen Meinungen und Aussagen der Sparkasse Essen geben die aktuelle Einschätzung zum Zeitpunkt der Fertigstellung wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die veröffentlichten Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar. Ihre Anlageentscheidung sollten Sie in jedem Fall auf Grundlage der Wesentlichen Anlegerinformationen und des vereinfachten bzw. vollständigen Verkaufsprospektes, ggf. des gültigen Rechenschaftsberichtes (letzter geprüfter Jahresbericht) und ggf. des anschließenden Halbjahresberichtes treffen. Der Verkaufsprospekt und die genannten Rechenschaftsberichte stellen die allein verbindliche Grundlage für Kaufaufträge in Investmentfonds dar. Für eine Anlageberatung wenden Sie sich bitte an Ihre Beraterin / Ihren Berater, der die genannten Unterlagen kostenfrei für Sie bereithält. Der Verkaufsprospekt enthält detaillierte Ausführungen zu den mit einem Wertpapier verbundenen Risiken. Bitte beachten Sie insbesondere, dass der Wert sowohl steigen als auch fallen kann. Unter Umständen erhalten Sie nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück. Grundsätzlich stehen Investments mit höheren Ertragschancen auch größere Verlustrisiken gegenüber.

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