Amerika. Asien. Rohstoffe. Öl (USO) 7 %

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1 Marktübersicht (Nr. 4/11) Follow the Money Die FED setzt ihre Käufe von US-Staatsanleihen planmäßig fort. Sie hält inzwischen mehr Anleihen, als Japan oder China, den beiden größten US-Gläubigern. Wohin wandert bzw. fließt das Geld, das so in die Märkte gepumpt wird? Nun über verschlungene Pfade z. B. nach Indien oder Brasilien (Seite 3), direkt in die Aktienmärkte, bevorzugt die US-Märkte (siehe Tabelle unten). Rohstoffe sind offenbar auch interessante Geldsenken, schließlich haussieren sie ähnlich den US- Aktienmärkten. Damit schließt sich der Kreis: Die FED kauft US- Staatsanleihen, der Kapitalmarkt lenkt es in die lukrativsten Anlageformen. Dazu gehören auch Rohstoffe. Die Preise steigen also. Zuerst am Beginn der Fertigungskette. Die Preissteigerung migriert nun langsam aber stetig durch die gesamte Wertschöpfungskette bis zum Endprodukt. Im Ergebnis muss der Steuerzahler für alles, was er konsumiert, tiefer in die Tasche greifen. Letzlich zahlt er so die geldpolitischen Notenbankmaßnahmen; letzlich also die Schulden der Regierung. Das hätte man über direkte Steuererhöhungen viel einfacher haben können... Die Strategie der USA ist jedoch: Nicht die US-Bürger zahlen die Zeche, sondern die Bewohner des Global Villages, bevorzugt die Armen, die dann als Nebeneffekt prompt demokratische Reformen einfordern. Themen der Woche Europa ta Trend aktueller Seite Trend aktueller Seite strategisch taktisch Impuls strategisch taktisch Impuls Rentenmärkte 2 S & P % S & P % Follow the Money Indien & Brasilien 3 Russell % Agrarrohstoffe 5 Nasdaq 38 % Maul & Klauenseuche in Korea 5 Amerika TSX(Kanada) 29 % Reisernte in Indonesien 6 Bovespa(Bras.) 7 % EuroStoxx 23 % Apex 2 % CAC (F) 1 % Nikkei (J) 7 % IBEX (ES) 10 % Kospi (Korea) 35 % SMI (CH) 6 % HSI(HK) 2 % DAX 34 % SSE(China) 17 % ATX (A) 32 % Asien Sensex(Indien) 12 % CeCe 1 % ASX (AU) 1 % Bund-Future UBS Commodity I. 31 % USD/EUR Agrarrohstoffe 33 % 5 USD/AUD Industriemetalle 3 % Edelmetalle 5 % Veränderungen gegenüber der Vorwoche sind farbig dargestellt. Rohstoffe Öl (USO) 7 % rote Pfeile weisen auf eine Korrektur nach unten, blaue Pfeile auf eine Korrektur nach oben hin. aktueller Impuls: Veränderungen seit dem Low der letzten Korrektur bzw. seit dem letzten Verlaufshoch; Trend (strategisch) reflektiert den Trend des Marktes auf der Basis eines Wochencharts; Trend (taktisch) gibt die Handelsrichtung auf der Basis eines Tagescharts wieder. Anregungen und Kommentare sind immer willkommen

2 Marktübersicht Seite 2 Rentenmärkte Die bemerkenswertesten Entwicklungen der letzten beiden Wochen sind die der Rentenmärkte, hier die der US-Staatsanleihen. Abbildung 1:Entwicklung des Futures der US-Bonds mit 30-jähriger Laufzeit Im Wochenchart seit 2000 erkennt man den Kursanstieg (sinkende Renditen) seit Im Vorfeld der ersten QE-Maßnahmen der FED im März 2009 sanken die Renditen auf ein historisches Tief. Die Anleihenkäufe der FED weckten ein erstes Mißtrauen der Marktteilnehmer in deren inflationierende Auswirkungen. Die Notierungen sanken um 20 Basispunkte. Als dann klar wurde, dass die Anleihenkäufe die richtige Maßnahme darstellen, erholten sich die Rentenmarktnotierungen wieder. Es wurde ein klassisches Doppeltop ausgebildet. Das Speil wiederholt sich nun im Zuger der QE-2-Umsetzung, so scheint es zumindest. Im Tageschart erkennt man eine recht stabile Tradingrange von Dezember bis Anfang Februar. Die Unterseite der Handelsspanne (120) wurde ausgiebigst getestet. Stets fanden sich wieder Käufer, die offenbar den übergeordneten Kursverlauf (Abb. 1) im Auge hatten und die Trendunterstützung seit 2007 als solide ansahen. Nun die Kursbewegung nach dem Unterschreiten der Marke von 120 % ist eindeutig. Jetzt richten sich die Augen der Rentenmarktaktuere auf die Marke von 110 % im Future (oder einer Rendite von etwa 5 % bei den Anleihen selbst). In Analogie zur Entwicklung im Sommer 2009 sollten die Aktienmärkte von dieser Kursbewegung noch nicht negativ beeinflußt werden. Wenn die Entwicklung dann jedoch nicht stoppt, ist Gefahr im Verzuge. Abbildung 2:Tageschart des Futures der 30-jährigen US- Staatsanleihen

3 Marktübersicht Seite 3 Follow the Money Indien Die indische Notenbank hat in der letzten Januarwoche wie erwartet die Leitzinsen auf nunmehr 6,5 % angehoben. Für Kredite müssen indische Unternehmen deshalb meist mehr als 10 % Zinsen pro Jahr zahlen. In der Schweiz ist Geld dagegen sehr preiswert. Schweizer Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit werfen eine Rendite in Höhe von 1,22 % ab. Schweizer Unternehmen zahlen mit 3 5 % Zinsen erheblich weniger für Bankkredite. Diese Zinsdifferenz nutzen indische Banken für die eigene Liquditätsversorgung. Im Januar preschte die (staatliche) Union Bank vor und platzierte eine CHF-Anleihe mit einem Aufschlag von 2 % zu Staatsanleihen eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 140 Mio CHF. Nun zieht die (ebenfalls staatliche) State Bank of India nach und platziert weitere 250 Mio CHF am Kapitalmarkt. Die Begründung für die Bankaktivitäten ist einfach: Indische Unternehmen haben einen hohen Kreditbedarf. Das hohe innerindische Zinsniveau steht einer Ausweitung des Kreditvolumens der Banken entgegen. Also besorgt man sich billiges Geld aus der Schweiz. Normalerweise nutzen indische Unternehmen das Zinsgefälle zum USD für ihren Kreditbedarf. Bedingt durch die QE-Aktivitäten der FED sind USD-nominierte Anleihen nur noch wenig günstiger, als jene in I NR. Der CHF ist einer der letzten Billig-Geld-Häfen. Standard Chartered of India, Australia and China, eine britische Investmentbank mit Tätigkeitsschwerpunkt im Commonwealth, erwartet für 2011 ein zu emittierendes Anleihevolumen von 8 Mrd. $, ein Großteil in EUR oder CHF, nach 6 Mrd $ in Diese Aktivitäten untergraben die Bemühungen der Reserve Bank of India. Brasilien hat den Auslandsaktivitäten der Banken bereits einen Riegel vorgeschoben. Dort sind Fremdwährungskredite ebenso teuer, wie BRL-Kredite. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Indien die brasilianischen Regelungen übernimmt. Follow the Money Brasilien 2010 ist China zum größten Auslandsinvestor Brasiliens geworden. Insgesamt flossen dem Land 48.5 Mrd $ zu. Davon 17 Mrd $ allein aus China; 2009 flossen gerade einmal 900 Mio $ aus dem Reich der Mitte an den Amazonas. Diese beeindruckende Zahl illustriert den Rohstoffhunger Chinas. Sie legt jedoch auch den Finger in den offene Wunde Brasiliens: Die Holländische Krankheit. Wikipedia. Als Holländische Krankheit (Dutch disease) bezeichnet man ein außenwirtschaftliches Paradoxon, gemäß dem es in erfolgreich exportierenden (und somit eigentlich prosperierenden) Volkswirtschaften über Wechselkursentwicklungen zu einem ökonomischen Niedergang kommen kann. Die Holländische Krankheit tritt auf, wenn ein Land Güter (zumeist Rohstoffe) in großem Umfang exportiert. Dadurch entstehen Außenhandelsüberschüsse, durch die es zu einer Aufwertung der Währung des Landes kommt. Dies bringt Absatzprobleme von Gütern der übrigen exportierenden Industrien mit sich. Der sinkende Export dieser Güter führt dann zum Rückgang oder Verschwinden der betroffenen Industrien und somit zu grundsätzlichen ökonomischen Problemen wie z. B. Arbeitslosigkeit. Beobachtet wurde dieses Phänomen in den Niederlanden in den 1960er Jahren nach der Entdeckung von Erdgasvorkommen. Petrobas, das halbstaatliche brasilianische Ölunternehmen hat seit 2008 den Zugriff auf gigantische Tiefsee- Ölvorkommen, Baleia Franca (oder Lula-) Field. Trotz der Gefahren ist das Unternehmen wild entschlossen, das Öl ans Tageslicht zu holen um es anschließend zu verbrennen. Um dieses Ziel zu erreichen sind Investitionen in der Größenordnung von 7 % des Bruttosozialprodukts Brasiliens (1.600 Mrd. USD) nötig. Diese Entwicklung vergrößert die Rohstoffabhängigkeit Brasiliens nochmals und macht das Land krisenanfällig. Damit stellt sich sofort die Frage, ob die Brasilianer nicht aus ihrer Geschichte gelernt haben. Legendär ist

4 Marktübersicht Seite 4 die Abhängigkeit des Landes vom Kaffee-, Baumwoll- und Zuckeranbau bzw. -export. Das Land konnte immer nur kurzfristig einen lebendigen Mittelstand oder gar eine Exportwirtschaft jenseits des Rohstoffexports aufbauen. Die letzte Krise liegt gerade einmal eine Dekade zurück. Auch jetzt importiert das Land wieder lieber chinesische Konsumgüter, als sie selbst herzustellen. Kein Wunder: Die Stärke der Landeswährung macht die Produktion im Land weitgehend unattraktiv. Brasilien muss aufpassen, dass es nicht den Niedergang Venezuelas kopiert. In Venezuela ist Benzin zwar billiger, als Wasser. Die Ölvorkommen reichen auch noch mehr als einhundert Jahre. Trotzdem oder deswegen ist das Land das Einzige in Südamerika, das derzeit eine rezessive Entwicklung aufweist. Abbildung 3:Kursverlauf des MSCI Brasil und des S & P 500 im Vergleich Der Preis des MSCI Brasil ETF, in dem die Petrobas und die Vale zusammen mit mehr als 30 % gewichtet sind, hat sich seit Oktober 2009 per Saldo kaum mehr verändert. Die US-Blue-Chips im S & P 500 weisen demgegenüber einen intakten Trend auf, obwohl das Land kaum wächst. Zurück zum Verhältnis China Brasilien. Angenommen, Brasilien gelingt es, wie Holland in den 1960er Jahren von der holländischen Krankheit zu genesen. Dann stellen die Kapitalimporte Chinas ein weiteres Problem dar. China hat ein strategisches Interesse an den prägenden Rohstoffunternehmen Brasiliens. Die größte Transaktion 2010 war die die 40 %ige Beteiligung dchinesische Sinopec an der Repsol Brazil für 7.1 Mrd $. Die chinesischen Unternehmen unterscheiden sich nur in einem von den brasilianischen: Sie haben preiswertes Geld. Um eine Aufwertung des CNY gegenüber dem USD zu verhindern, druckt nämlich auch die chinesische Notenbank fleissig Geld. Dieses findet so den Weg in die Welt. Es findet eher ein Know-How-Transfer nach China statt, als andersherum Derartige Übernehmen sind für die brasilianische Volkswirtschaft kontraproduktiv. Letztlich ist also die us-amerikanische Quantitative Easing-Politik für den Ausverkauf der brasilianischen Industrie als auch für die Gefahren der holländischen Krankheit verantwortlich.

5 Marktübersicht Seite 5 Agrarrohstoffe Aktuell wird vordergründig der gleiche Preis- Entwicklungspfad durchschritten, wie schon 2007/2008: In einigen Ländern fallen die Ernteerträge geringer aus, als geplant. Daraufhin werden Exportbeschränkungen verhängt, die Märkte also ausgedünnt. Die Preise steigen. Es folgen erste Proteste, dann größere Aufstände. Zum Schluß beginnen die großen Lebensmittelimporteure ihre Lagerhäuser mit dem noch verfügbaren Material aufzufüllen. Die Preise für die diversen Agrarrohstoffe steigen stets. Im Hintergrund wirkt jedoch ein anderer Mechanismus. Dieser führt zu einer anderen Entwicklungsprognose für die Rohstoffe. Wie 2007/8 ist viel zu viel Geld (Liquidität) verfügbar. Diese findet ihren Weg in die ver- Abbildung 4:Preisentwicklung des DB Agriculture ETF meindlich am Besten rentierlichen Anlageobjekte. So erklärt sich zwanglos die ähnliche Trenddynamik in 2007/8 und 2009/10. Der Unterschied ist die Quelle der Liquidität. 2007/8 trieb hot money aus Spekulationsgeschäften der Finanzindustrie die Preise in die Höhe. Diese Liquidität wurde 2008 eruptiv vernichtet. Aus der Sicht der Agrarmärkte war dies schlicht die Rückkehr zur Normalität. Heute sind es die Notenbanken der Industrieländer selbst, die die Liquidität bereitstellen durch direkte Quanitative Easing - Programme (USA, Japan, GB) oder durch eine ultralockere Zinspolitik (EU, Schweiz). Diese Überschußliquidität kann nicht so einfach weg-gecrasht werden. Dafür sind die ausführenden Institutionen zu mächtig. Folglich ist eine Wiederholung des Verlaufspfads des Jahres 2008 für die Agrarrohstoffe unwahrscheinlich. Im Gegenteil. Die FED druckt im Rahmen ihres QE-2 kräftig Geld. Die unbefriedigende Entwicklung des US-Arbeitsmarktes schürt aktuell sogar Spekulationen auf eine Ausweitung im Rahmen eines QE-3-Programms. Allein dies stützt die Notierungen an den den Futuresmärkten für Agrarrohrstoffe. In diesem Umfeld ist bereits der Mehrverbrauch an Proteinen durch die Umstellung von vorwiegend Abbildung 5:Was die Welt nährt: Energieversorgung (in Kilo-Kalorien) pro Kopf aufgeschlüsselt nach Agrarrohstoffen vegetarischer Ernährung hin zu einer fleischbasierenden, die gerade in China, Indien und Vietnam erfolgt, eine Quelle nachhaltiger Preissteigerungen. Maul & Klauenseuche in Asien So ironisch, wie es klingt. Der Ausbruch der Maul & Klauenseuche in Korea könnte die Preise für Agrarrohstoffe ein wenig senken. Am Mittwoch hat die UN für ganz Südostasien eine Seuchenwarnung herausgegeben. Es geht die Angst um, dass die Seuche nicht auf Korea beschränkt werden kann. Dort ist man offenbar über den Anstieg der Erkrankungen völlig überfordert. In einer Sofortaktion wurden drei Millionen Stück Nutzvieh gekeult. Dies muss unter barbarischen Umständen erfolgt sein, da wegen der Planlosigkeit keine oder zu

6 Marktübersicht Seite 6 wenig Betäubungsmittel und ungeeignete Instrumente zur Verfügung standen. Buddhisten beten jedenfalls für die Seelen der gequälten Tiere, nachdem bekannt wurde, dass viele der Schlächter derart traumatisiert sind, dass sie psychologischer Behandlung bedürfen. Kurzfristig erhöht dies den Inflationsdruck, da Fleisch- und Milchprodukte kaum mehr zu bekommen sind. Mittelfristig könnte sich der Fleischkonsum verringern, was den Proteinbedarf zur Ernährung der Bevölkerung senkt und den Preisanstieg bei Futter- und Nahrungsmitteln bremst. Indonesien: Regenfälle gefährden Reisernte Auch Indonesien ist jetzt gezwungen, größere Reismengen zu importieren. Das Land, das normalerweise Selbstversorger oder sogar Reisexporteur ist, leidet unter den Folgen der heftigen Regenfälle der letzten zwölf Monate. Im gesamten letzten Jahr wurden die Reisfelder immer wieder überflutet. Dies reduziert eh die Erntemenge. Zusätzlich sind die geschwächten Getreidepflanzen für Krankheiten anfällig. Die Bauern haben die Wahl: entweder sie riskieren Ernteeinbußen oder sie setzen teure Pestizide ein. Sie haben sich offenbar zu einem Großteil zu ersterer Strategie entscheiden. Die Prognosen aus dem Dezember sind jedenfalls teilweise um 50 % geringer, als in normalen Jahren. In 2010 stiegen die Reispreise in Indonesien um 30 %. Abbildung 6:Kursverlauf des Reisfutures, März Kontrakt, an der ECBOT Die Regierung hat den Import aus Thailand und Vietnam im Januar forciert. Wurden 2010 insgesamt nur Tonnen Reis importiert, wurde jetzt ein Importbedarf von mehr als einer Million Tonnen bekannt. Diese Entwicklung hat die Märkte überrascht. Die Notierungen haben die Jahreshöchststände 2010 mit einer dynamischen Bewegung überwunden. Die Trenddynamik ist hoch, die Volatilität auch. Seit Jahresbeginn sind die Reispreise an der Futuresbörse in Chicago um 20 % gestiegen. Im Langzeitchart für den Reispreis (Abb. 7) sind die beiden letzten Phasen des Wetterphänomens La Niña gekennzeichnet. In Abständen von etwa 10 Jahren wird die südliche Hemisphäre von diversen Wetteranormalitäten heimgesucht. Indonesien und die Philippinen, aber auch Thailand sind dann stets heftigen Niederschlägen ausgesetzt.

7 Marktübersicht Seite 7 Abbildung 7:Kursverlauf des Reispreises in den letzten 30 Jahren (Qualität:Thailand, in USD, Datenquelle: IMF ) In diesem Jahr sind die Auswirkungen von La Niña besonders ausgeprägt möglicherweise findet eine Verstärkung durch den globalen Temperaturanstieg statt. In der oben abgebildeten Karte sind nicht alle Auswirkungen des Wetterphänomens eingezeichnet. Argentinien, Uruguay und Paraguay werden von einer Dürreperiode heimgesucht während die Region um Rio de Janeiro im Regen ertrinkt. Zurück zu Indonesien. Planmäßig soll die Reisproduktion jährlich um 5 % gesteigert werden. Die Selbstversorgung mit dem Hauptnahrungsmittel Reis ist eine nationale Prestigefrage wurde das Ziel erreicht. Für 2010 und 2011 scheint dies in weite Ferne gerückt zu sein. Tatsächlich wird 2011 die Fortsetzung von La Niña erwartet und damit bestenfalls die Erntemenge von 2009 erzielt werden. Der Reisbedarf steigt aber aufgrund der Bevölkerungsentwicklung. Die Alliance of Farmers, ein indonesischer Landwirtschaftsverband, in dem größere Bauern zusammengeschlossen sind, rechnet für 2011 mit einem Ernterückgang von 10 bis 15 % gegenüber 2010.

8 Marktübersicht Seite 8 Dies ist auch die Markterwartung. Schaut man sich nämlich die Futures-Preise im Februar für die Kontrakte zur Lieferung im März, Juni, September und Dezember des Jahres an, dann ist 2011 der geringste Preisabschlag im Zuge der Auslieferung der neuen Ernte (verringerte Lagerkosten) zu erkennen. Einzig die Abflachung der Preiskurve für die Lieferung in 2012 ist ein Hinweis auf eine Blasenbildung beim Reis. Das Problem: Der Reismarkt ist extrem gespannt. Die chinesischen Reserven sind wegen Preis-Interventionen der Regierung fast aufgebraucht. Bangladesh 1, Saudi- Arabien und Algerien füllen präventiv ihre Lagerbestände auf. Kuweit verschenkt Reis, um die Bevölkerung satt zu machen und so Unruhen zu vermeiden. Abbildung 8:Futurepreise für Reis im Februar 2011, 2010, 2009 zur Lieferung in den folgenden Monaten des Jahres Auf der anderen Seite fallen die Ernten in Pakistan, Brasilien und Australien wegen Überflutungen geringer aus. Eine quantitative Aussage über die Ernteausfälle ist nicht möglich, weil die Daten von den Einzelstaaten nicht oder nur fragmentarisch veröffentlicht werden. Ebenso ist nicht klar, wie groß die Lagerbestände sind. Die intransparente Datenlage öffnet der Spekulation Tür und Tor. So erklärt sich die hohe Volatilität der Futures-Notierungen ganz natürlich. Bisher sind alle Versuche gescheitert, für Agrarrohstoffe ähnliche Transparenzvereinbarungen umzusetzen, wie sie beim Rohöl seit der Ölkrise 1973/74 üblich sind. Frankreich hat 2011 den Vorsitz der G 20-Gruppe. Ein erklärtes Ziel von Sarkozy ist, die Rohstoffmärkte transparenter zu machen und so die ungewollten spekulationsgetriebenen Preisausschläge zu vermindern. Ein Problem: Die nationalen Landwirtschaften sind allzu häufig hoch subventioniert. Es macht überhaupt keinen Sinn, möglicherweise vorhandenen aber hoch subventionierten und deshalb extrem teuren japanischen Reis nach Indonesien zu verschiffen; Lagerbestandsdaten nach dem Vorbild der Rohölbestände geben deshalb auch stets ein verzerrtes Bild. Der globale Agrarhandel wird deshalb auch zukünftig hoch komplex bleiben und nicht ohne spekulative Exzesse auskommen. Disclaimer. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind ausgeschlossen. Der Nachdruck, die Verwendung der Texte, die Veröffentlichung Vervielfältigung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet. 1 Bangladesh ist der dritt-größte Ries-Importeur. Das Land hat seinen Jahres-Importbedarf Ende Januar von auf 1.2 Mio Tonnen verdoppelt.

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