Geschlechtergerechte Sprache an der Hochschule München

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1 Christina Kaufmann Leiterin Hochschulkommunikation Hochschule München / Munich University of Applied Sciences Tel , Mai 2013 Geschlechtergerechte Sprache an der Hochschule München

2 Warum geschlechtergerechte Sprache? Geschlechtergerecht ist Sprache dann, wenn aus einem Text klar hervorgeht, ob Frauen oder Männer oder Frauen und Männer gemeint sind. Häufig wird die maskuline Form durchgängig in einem Text mit dem Hinweis verwendet, es seien beide Geschlechter gemeint. Mit dieser Praxis machen es sich die VerfasserInnen von Texten zu einfach: Werden Frauen bzw. die weibliche Form in der Sprache nicht erwähnt, werden sie in der Vorstellungskraft der Lesenden nicht sichtbar. Ein Bewusstsein für die angesprochenen Geschlechter drückt sich in der Sprache aus. Deshalb wollen wir Frauen und Männer gleichermaßen adressieren. Mit der richtigen Taktik ist geschlechtergerechte Sprache weder kompliziert noch unnötig lang. Allerdings sollte die Bereitschaft mitgebracht werden, sich von eingefahrenen Phrasen zu lösen und beim Formulieren eines Textes kreativ vorzugehen. Mit diesem Leitfaden geben wir Ihnen konkrete Beispiele an die Hand, um Ihnen die praktische Umsetzung einer geschlechtersensiblen Sprache zu erleichtern. Ihre Hochschulfrauenbeauftragte Prof. Dr. Katina Warendorf Ihre Gleichstellungsbeauftragte Hanna K. Zittlau 2

3 1 Erkenntnisse aus der Forschung Texte, in denen durchgehend die männliche Form verwendet wird, veranlassen Leserinnen und Leser nicht dazu, Frauen gedanklich einzubeziehen. Die Ansprache von männlichen und weiblichen Personen in PR-Texten wird von JournalistInnen in vielen Fällen übernommen => PR-Texte haben eine Vorbildfunktion. [ ] langfristig können gerade dort, wo männliche Stereotype vorherrschen, wie in den Naturwissenschaften oder in hohen Positionen, eingefahrene Vorstellungen aufbrechen. Wenn eine Schülerin auf der Suche nach einem Beruf oder Studiengebiet ist, zieht sie ein Fach vielleicht eher für sich in Betracht, wenn auch von Frauen die Rede ist. Deshalb müssen immer wieder auch Frauen explizit genannt werden das ist das Einzige, was wirklich hilft. 1 2 Maßnahmen für eine geschlechtergerechte Sprache 2.1 Sichtbarmachen des Geschlechts Beide Geschlechter werden angesprochen. Die erstgenannte Form erhält eine besondere Betonung. Besonders in der persönlichen Ansprache ist die Doppelform die höflichste Anredeform und sollte standardmäßig verwendet werden. Professorinnen und Professoren Studentinnen und Studenten Dozenten und Dozentinnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen 1 Friederike Braun, Privatdozentin am Seminar für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaften der Universität Kiel 3

4 2.2 Anrede von gemischten Gruppen Wenn das Geschlechterverhältnis innerhalb einer Gruppe nicht ausgeglichen ist z. B. neun Männer und eine Frau, sollte die Person, die in der Minderheit ist, mit vollem Namen angesprochen werden. Sehr geehrte Frau Werner, sehr geehrte Herren Sehr geehrter Herr Braun, sehr geehrte Damen Sehr geehrter Herr, sehr geehrte Damen Sehr geehrte Dame, sehr geehrte Herren 2.3 Geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen verwenden Oft ist es möglich, eine geschlechtsneutrale Bezeichnung zu wählen. a) Partizipien die Studierende, der Studierende, die Studierenden statt Student/Studentin die Lehrende, der Lehrende, die Lehrenden statt Lehrer/Lehrerin die Teilnehmende, der Teilnehmende, die Teilnehmenden statt Teilnehmer/Teilnehmerin die Wahlberechtigte, der Wahlberechtigte, die Wahlberechtigten statt Wahlberechtigter/Wahlberechtigte die Unterzeichnende, der Unterzeichnende, die Unterzeichnenden statt Unterzeichner/Unterzeichnerin die Mitarbeitende, der Mitarbeitende, die Mitarbeitenden statt Mitarbeiter/Mitarbeiterin die Promovierende, der Promovierende, die Promovierenden statt Promovend/Promovendin die Forschende, der Forschende, die Forschenden statt Forscher/Forscherin b) Abstraktionen Lehrkraft statt Lehrer/Lehrerin Hilfskraft statt Helfer/Helferin 4

5 c) Synonyme Präsidium statt Präsident/Präsidentin Leitung statt Leiter/Leiterin Kollegium statt Kollege/Kollegin Dezernat statt Dezernent/Dezernentin Beiträge aus der Wissenschaft statt Beiträge eines Wissenschaftlers/einer Wissenschaftlerin Fachleute statt Fachmänner Team statt Mannschaft Elternberatung statt Mütterberatung Geburtsname statt Mädchenname fachkundig statt fachmännisch anwendungsbezogen statt anwenderbezogen bedienungsfreundlich statt kundenfreundlich oder benutzerfreundlich d) neutrale Formulierungen Person, Personen Mitglied, Mitglieder Mensch, Menschen Individuum, Individuen Kind, Kinder Geschwister 2.4 Geschlechtsspezifische Personenbezeichnungen vermeiden Oft können neutrale Bezeichnungen verwendet werden, z. B. statt jede/jeder Wer : Wer den Betrag bezahlt hat, darf statt Jeder, der den Betrag bezahlt hat, darf Alle : Alle; die den Betrag bezahlt haben, dürfen statt Jeder, der den Betrag bezahlt hat, darf Diejenigen : Diejenigen, die den Betrag bezahlt haben, dürfen statt Jeder, der den Betrag bezahlt hat, darf 5

6 Jene, die : Jene, die den Betrag bezahlt haben, dürfen statt Jeder, der den Betrag bezahlt hat, darf 2.5 Binnen-I Das Binnen-I wird besonders im akademischen Bereich verwendet. Die Verwendung dieser Variante bietet sich an, wenn viele Reihungen im Text auftauchen, z. B. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Professorinnen und Professoren. MitarbeiterInnen RedakteurInnen 2.6 Splitting Die Verwendung einer gesplitteten Kurzform kann die Lesbarkeit von Texten erschweren. Sollte diese Variante z. B. aus Platzgründen oder in Formularen trotzdem verwendet werden, ist darauf zu achten, konsequent die gleiche Kurzform zu verwenden. Beim Vortragen von Texten sollten keine Kurzformen verwendet, sondern beide Geschlechter angesprochen werden: Studentinnen und Studenten. Der Autor/die Autorin Der/Die Student(in) (Achtung: Bei dieser Variante kann die Klammer die weibliche Form sekundär wirken lassen. Sie sollte daher nicht verwendet werden.) Karikatur: Kay Czucha 2.7 Passivkonstruktionen In einigen Fällen können Personenbezeichnungen weggelassen werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass Zuordnungen zu Personen eindeutig bleiben. Das Passiv sollte nur spärlich 6

7 eingesetzt werden, da zu viele passive Formulierungen Texte schwerfällig und sperrig wirken lassen. Hier ist fachkundiger Rat gefragt. statt Hier ist der Rat eines Fachmanns/einer Fachfrau gefragt. Das Unterrichtsmaterial wird zeitnah zur Verfügung gestellt. statt Die Lehrerin/der Lehrer stellt den Schülerinnen und Schülern das Unterrichtsmaterial zeitnah zur Verfügung. Teilgenommen haben 30 Personen statt Es gab 30 Teilnehmer Sollen solche Fehler behoben werden, muss grundsätzlich neu formuliert werden. statt Will man solche Fehler beheben, muss man grundlegend neu formulieren. man -Sätze sollten möglichst durch andere Pronomen wie ich, wir oder sie ersetzt werden. So wird der Text eindeutiger und gewinnt an Verständlichkeit. 2.8 Adjektive kreativ nutzen Oft können Adjektive benutzt werden, um eine geschlechterspezifische Formulierung zu vermeiden. fachlicher Rat statt Rat von einem Fachmann/einer Fachfrau ärztliche Hilfe statt Hilfe eines Arztes/einer Ärztin 2.9 Moderne Anredeformen verwenden Häufig werden Professorinnen oder weibliche Doktoren in Briefen oder s als Frau Prof. Dr. XY oder Frau Dr. XY angesprochen. Diese Anredeformen sind nicht geschlechtergerecht, da sie von der Vorstellung ausgehen, dass Männer höhere Positionen bekleiden und eine Frau in gleicher Position die Ausnahme von der Regel ist weshalb sie mit einem zusätzlichen Frau gekennzeichnet werden muss. Eine Variante besteht darin, den Vornamen der Adressierten sichtbar zu machen. Prof. Dr. Petra Maier statt Frau Prof. Dr. Maier 7

8 Prof. Dr. Ralf Siegel statt Prof. Siegel Vornamen sollten auch in wissenschaftlichen Arbeiten und in Quellen- und Literaturverzeichnissen ausgeschrieben werden, um die Teilhabe von Frauen und Männern an der Forschung deutlich zu machen. Rausch, Anette statt Rausch, A. Anette Rausch statt Rausch 3 Zusammenfassung Folgende Leitlinien können für eine geschlechtergerechte Sprache an der Hochschule München formuliert werden: Im Idealfall werden beide Geschlechter erwähnt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zur Verkürzung und bei einer Vielzahl von Substantiven, die die Nennung beider Geschlechter erfordern, kann auf das Binnen-I zurückgegriffen werden. Unbedingt zu vermeiden sind Einklammerungen der weiblichen Form oder Schrägstriche, die die weibliche Form als Anhängsel erscheinen lassen. TeilnehmerInnen statt Teilnehmer/-innen oder Teilnehmer(innen) ProfessorInnen statt Professor/-innen oder Professor(innen) Um Texte lesbarer zu gestalten, sollten zusätzlich geschlechtsneutrale Formen, z.b. Partizipien, Synonyme oder neutrale Formulierungen verwendet werden. Studierende statt Studenten Lehrende statt Lehrer Hilfskraft statt Helfer Kollegium statt Kollegen Person Individuum Gern steht Ihnen die Abteilung Hochschulkommunikation mit Rat zur Seite, wenn Sie bei wichtigen Formulierungen unsicher sind. Unsere Kontaktdaten finden Sie auf der ersten Seite. 8

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