Kieler Interviewleitfaden für den Erstkontakt mit Flüchtlingen Allgemeine Hinweise für alle Benutzer/Innen

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1 Kieler Interviewleitfaden für den Erstkontakt mit Flüchtlingen Allgemeine Hinweise für alle Benutzer/Innen Der vorliegende halbstrukturierte Interviewleitfaden wurde für einen ersten (Gesprächs-) Kontakt mit Flüchtlingen entwickelt und dient der Sammlung von soziodemographischen, biographischen und gesundheitsbezogenen Informationen über die Betroffenen. Er richtet sich an verschiedene Berufsgruppen (Psychologen, Psychiater, Sozialpädagogen, Pädagogen), mit dem Ziel, eine interdisziplinäre Arbeit zu erleichtern. Es handelt sich daher mehr um eine Zusammenstellung von Anhaltspunkten für die, innerhalb eines frei geführten Gespräches, zu erfragenden relevanten Daten. Entsprechend kann der Leitfaden als Strukturierungshilfe und Anregung genutzt werden. Keinesfalls ist er im Sinne eines in seiner Reihenfolge und Wortwahl festgelegten Fragebogens zu verstehen. In Anlehnung an ein Modulsystem können die Teile I-VI je nach Bedarf auch einzeln genutzt werden. Da es sich bei den angesprochenen Themen um teils umfangreiche und/oder inhaltlich komplexe Bereiche handelt, wird den Benutzern/Innen nahegelegt, sich vor einer Anwendung mit den verschiedenen Aspekten des Leitfadens ausreichend vertraut zu machen. Eine gewisse Übung im Umgang mit explorativen Gesprächen wird vorausgesetzt. Die Durchführungsdauer des Interviews richtet sich nach der Menge der eingesetzten Module, Schwerpunktsetzung des Interviewers und Mitarbeit des Patienten. Für die Testteile I IV werden erfahrungsgemäß mindestens 90 Minuten benötigt. An dieser Stelle sei ein Dank an alle Mitwirkenden ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass Rückmeldungen und praxisrelevante Anregungen zur Verbesserung des Leitfadens sehr willkommen sind.

2 Kieler Interviewleitfaden für den Erstkontakt mit Flüchtlingen Datum des Interviews: Interviewer: Dolmetscher: Empfehlung: Verhaltensbeobachtung: I. Soziodemographische Angaben 1. Name: 2. Vorname: 3. Geschlecht: 4. Geburtsdatum/ Alter: 5. Aufenthaltsort des Befragten: 6. Ankunftsdatum in Deutschland: 7. Muttersprache: deutsche Sprachkenntnisse: sonstige: 8. Herkunft (Region): 9. Aufenthaltsstatus: Anmerkung: 10. ethnische Gruppe: 11. Konfession: 12. Familienstand: 13. Angaben zum Partner: 2

3 14. Kinder: 15. Weitere Angehörige (in Deutschland): 16. Biographische Angaben: Herkunftsfamilie & Kindheit: Schulbildung und zuletzt ausgeführter Beruf: Persönlicher Lebensweg: Lebenssituation im Herkunftsland: 3

4 II. Fluchtaspekte 1. Gründe für die Flucht: 2. Anlass der Flucht: 3. Warte-/Vorbereitungszeit vor der Flucht: 4. Beteiligte/Mitwissende Personen: 5. Befinden & Gefühle kurz vor der Flucht: 6. Angaben zu der Flucht: Beginn: Dauer: Fluchtweg: Fluchtart: 4

5 7. (Besondere) Ereignisse und Umstände während der Flucht: 8. Befinden während der Flucht (selbst und Begleitpersonen): 9. Befinden nach der Flucht: 10. Erwartungen an den Aufenthalt in Deutschland: 11. Sonstiges: 5

6 III Gesundheitliche Aspekte 1. Vorerkrankung und/oder gesundheitliche Aspekte vor der Flucht: 2. Psychische Erkrankungen vor der Flucht: 3. Ärztliche und/oder therapeutische Behandlungen vor der Flucht: 4. Aktuelle Beschwerden: (nur für Interviewer: Bestehen Hinweise auf Depression, PTSD o.ä. weiteres differentialdiagnostisches Gespräch nötig!!!) [ ] Kopfschmerzen [ ] schwitzen [ ] Ohrgeräusche, Tinitus [ ] zittern [ ] Schwindel [ ] Antriebsschwäche [ ] Gangunsichertheit [ ] psychomotorische Unruhe [ ] Nackenschmerzen [ ] Konzentrationsstörungen [ ] Rückenschmerzen [ ] Gedächtnisstörungen [ ] Magenschmerzen [ ] Müdigkeit [ ] Verdauungsstörungen [ ] Einschlafstörungen [ ] Übelkeit [ ] Durchschlafstörungen [ ] Sodbrennen [ ] frühes Erwachen [ ] Appetitlosigkeit [ ] Alpträume [ ] Menstruationsbeschwerden [ ] innere Unruhe [ ] Herzklopfen [ ] übermäßige Wachsamkeit [ ] Herzstechen [ ] Gereiztheit [ ] Engegefühl [ ] Stimmen hören [ ] Erstickungsgefühle [ ] sonstiges [ ] Atembeschwerden Anmerkungen: 5. Tageszeitliche und/oder situative Schwankungen der genannten Beschwerden: 6. Nähere Beschreibung der Auslöser/Schlüsselreize: 7. Umgang mit den genannten Beschwerden: 8. (Funktions-)Beeinträchtigungen durch die Beschwerden: 6

7 IV. Aktuelles Befinden 1. Wie fühlen Sie sich jetzt? 2. Aktuelle (Lebens-) Situation: Wohnsituation: Tagesgestaltung & Freizeit: Arbeit & Ausbildung: Gestaltung sozialer Beziehungen: 3. Umweltfaktoren: 4. Personenbezogene Faktoren: 5. Veränderungsmotivation & Anliegen: 6. Sonstiges: 7

8 V. Kulturelle Aspekte 1. Kultureller Hintergrund: 2. Kulturelles Leben in Deutschland: 3. Probleme aufgrund kulturelle Aspekte: 4. Aspekte der Integration: 5. Sonstiges: 8

9 VI. Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) Anhand der folgenden Kriterien kann die Verdachtsdiagnose einer PTBS spezifiziert werden. Dabei können zusätzlich die Auftretenshäufigkeit der Beschwerden und der Belastungsgrad durch die Symptome eingeschätzt werden. Darüber hinaus können Beginn und Dauer spezifiziert werden. Diese Informationen sind v.a. für behandelnde Ärzt/Innen und/oder Therapeut/Innen im Sinne einer Verlaufsdiagnostik relevant. Beispiel: (Bezugsrahmen: Monat o. Woche) (Skala 0 = gar nicht 10 = sehr) Beginn: { } akut { } verzögert Dauer: { } < 1 Monat { } > 1 Monat { } weiterhin andauernd A. Traumatisches Ereignis: Kriterium erfüllt [ ] ja [ ] nein ( extreme Belastung, außergewöhnliche Bedrohung für einen selbst und/oder andere, Gewalt, katastrophale Ereignisse auf das sich die folgenden Angaben des Befragten beziehen) B. Wiedererleben des Ereignisses: Kriterium erfüllt [ ] ja [ ] nein (1 Symptom notwendig für die Diagnose) [ ] wiederkehrende und eindringliche Erinnerungen: (Bezugsrahmen: Monat o. Woche) (Skala 0 = gar nicht 10 = sehr) [ ] wiederkehrende Träume: [ ] plötzliches Handeln oder fühlen, als wenn das Ereignis wiederkehre (Bilder, Halluzinationen ): 9

10 [ ] psychische Belastung bei Ereignissen, die das Trauma symbolisieren oder ihm ähnlich sind (Jahrestage eingeschlossen): C. Anhaltende Vermeidung und allgemein verminderte Ansprechbarkeit: Kriterium erfüllt [ ] ja [ ] nein (mind. 1. notwendig für die Diagnose) 1. Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen, werden tatsächlich oder möglichst vermieden. (nicht vorhanden vor dem Trauma & 1 Symptom notwendig für die Diagnose) [ ] bewusstes Vermeiden von Gedanken oder Gefühlen, die mit dem Trauma assoziiert sind: [ ] bewusstes Vermeiden von Aktivitäten oder Situationen, die Erinnerung an das Trauma bewirken: 2. allgemein verminderte Ansprechbarkeit (mögliche zusätzliche Symptome) [ ] deutlich vermindertes Interesse an wichtigen Aktivitäten: [ ] Gefühl der Losgelöstheit oder Fremdheit von anderen: 10

11 [ ] eingeschränkter Affektspielraum: [ ] Eindruck der eingeschränkten Zukunft (z.b. keine Karriere, Kinder, Ehe, Langes Leben): D. eingeschränkte Erinnerungsfähigkeit und/oder erhöhte psychische Sensitivität: Kriterium erfüllt [ ] ja [ ] nein (Entweder 1. oder 2.) 1. Teilweise oder vollständige Unfähigkeit, einige wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern [ ] Unfähigkeit einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern: 2. Anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen Sensitivität und Erregung): (nicht vorhanden vor dem Trauma & 2 Symptome notwendig für die Diagnose) [ ] Schwierigkeiten einzuschlafen oder durchzuschlafen: [ ] Reizbarkeit, Wutausbrüche: [ ] Konzentrationsschwierigkeiten: 11

12 [ ] übermäßige Wachsamkeit: [ ] übermäßige Schreckreaktion: [ ] erhöhte Schreckhaftigkeit bzw. physiologische Reaktion (schwitzen, zittern etc.) bei Konfrontation mit Ereignissen, die das Trauma symbolisieren oder an Aspekte desselben erinnern: E. Die Kriterien B., C. und D. treten innerhalb von sechs Monaten nach dem Belastungsereignis oder nach Ende einer Belastungsperiode auf. 12

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