Lasst uns aufeinander Acht haben!

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1 1! Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch. Amen Liebe Gemeinde, als ich die Bibelstelle für den vorgesehenen Predigttext las, war ich erst einmal nicht besonders glücklich. Wir feiern Advent die erste Kerze auf dem Adventskranz ist bereits angezündet, zuhause machen wir es uns jetzt gemütlich, da erwarte ich einen schönen Predigttext, einen gemütlichen, ansprechenden, zu Herzen gehenden Predigttext. Stattdessen liefert uns der Kirchenkalender einen Text aus dem Hebräerbrief. Der Hebräerbrief ist der intellektuelle unter den Briefen des Neuen Testaments. Der theologische Brief unter den Briefen. Um diesen Predigttext geht es: Aus dem Brief des Paulus an die Hebräer, Kapitel 10, die Verse 19 bis 25: Das Bekenntnis der Hoffnung 19 Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, 20 den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes, 21 und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, 22 so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser. 23 Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; 24 und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken 25 und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht. Dieser Textabschnitt beginnt hochtheologisch und geht dann aber über in ganz konkrete Vorschläge, wie Christen und Christinnen sich verhalten sollen. Der Beginn,- dieser hochtheologische Part - spricht über JESUS. DURCH das BLUT Jesus gemeint ist: Durch den TOD Jesu Christi und durch das Heilige Abendmahl gewinnen Christen und Christinnen FREIHEIT. In der Übersetzung von Martin Luther steht nicht Geschwister sondern Brüder weil wir denn nun, liebe Brüder, Leider werden in den Briefen des Neuen Testaments nur die BRÜDER angesprochen, die Herren der Schöpfung - obwohl ja auch JESUS für Gleichberechtigung gekämpft hat. Obwohl schon in den frühesten Anfängen der kleinen Gemeinden Frauen eine wichtige manchmal auch finanzielle wichtige Rolle spielten.

2 2 Aber wie das so ist: haben die Trümmerfrauen aufgeräumt können sie zurück an den Herd (Stellt euch mal eine Kirche ohne Frauen vor!!!) Aber das nur am Rande Ich lese an dieser Stelle lieber GESCHWISTER. Weil wir denn nun, liebe Geschwister durch das Blut Jesu Durch das BLUT Jesu durch seinen Tod und durch das Abendmahl haben Christen und Christinnen FREIHEITeine Freiheit, die uns nicht vorschreibt, was wir essen dürfen und was nicht, eine Freiheit, die uns offene Kirchen erlaubt - und den ZUGANG zum Altar, eine protestantische Freiheit, die allen Getauften erlaubt, zu taufen und das Abendmahl zu geben. Mit dem Eingang ins Heiligtum, wie es im Predigttext heißt, nimmt der Hebräerbrief Bezug darauf, dass es im jüdischen Tempel NUR den Priestern erlaubt war, zum Altar zu gehen. Der Altarbereich war mit einem Vorhang vom Volk getrennt. (Manche kennen das aus orthodoxen Kirchen und Gottesdiensten.) Jesus hat diesen Vorhang geöffnet weil für JESUS von allergrößter Bedeutung war, dass ALLE Menschen ZUGANG zu GOTT haben. Im praktischen und übertragenen Sinne. Jesus ist für den Hebräerbrief der neue, lebendige Weg - zu Gott, zu einem freien Leben. Im Johannesevangelium heißt es, dass Jesus gesagt hat: ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Für uns Christen und Christinnen- für alle Christen und Christinnen auf der ganzen Welt, ist JESUS der Wegweiser für ein aufrichtiges, aufrechtes, versöhntes und unverfälschtes(also ehrliches) Leben. Bei GOTT und Jesus darf ich sein, wie ich bin. Durch Gott und Jesus lerne ich, mich zu ändern, wenn es nötig ist. Das ist FREIHEIT. Durch das BLUT Jesu das heißt, durch seinen Tod und durch das Abendmahl, durch die Taufe (besprengt in unseren Herzen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser) gewinnen wir die Freiheit, am Bekenntnis festzuhalten, also als Christen und Christinnen aufrecht, also öffentlich zu leben, was UNS ja hier sehr einfach gemacht wird, Allerdings haben wir als Christen und Christinnen AUCH eine Verpflichtung, eine Verantwortung. Damals, zur Zeit des Hebräerbriefes, war es zuerst die Verantwortung im christlichen, gemeindlichen Miteinander.

3 3 Je größer das Christentum wurde, umso mehr aber begannen Christen und Christinnen weltweit Verantwortung zu tragen: NICHTS LEICHTER ALS DAS! Nichts leichter als das???? Schon nach den ersten Jahrzehnten kleines Christentum war diese Ermahnung scheinbar nötig. Der Hebräerbrief ist um die Zeit 70 nach Christus geschrieben worden. Es scheint im Menschsein zu liegen, dass die scheinbar einfachen Verhaltensregeln nicht eingehalten werden. Einerseits tröstet der Gedanke, dass auch die ersten, uns oft als Vorbild vorgehaltenen christlichen Gemeinden Ermahnungen nötig waren, andererseits frage ich mich, warum es uns Menschen so schwer fällt, nach diesen drei einfachen Regeln miteinander zu leben und umzugehen: Lasst uns einander mahnen. Aufeinander Acht haben, heißt: ich begegne jedem Menschen mit ACHTUNG doch manchmal schleichen sich kleine, gemeine /verachtende Gedanken in meinen Kopf. Jeden Menschen achten das ist eine tägliche Herausforderung. Aufeinander Acht haben mit einem offenen Blick darauf sehen, was jemand braucht, was ich jemandem geben kann, EHRLICH danach fragen: wie geht es Dir? ZEIT schenken für ein Gespräch. Bereit zur Versöhnung sein, wenn mal was schiefgelaufen ist im Miteinander. Aufeinander achten: das erfordert Demut und Sensibilität- denn manchmal kann zuviel Fürsorge auch nerven! Aufeinander achten: heißt aber NICHT kontrollieren! Das klingt für mich ein bisschen an in diesem Predigttext: Einige haben ja die Gemeinschaft verlassen Kontrolle verhindert Freiheit! Aufeinander achten heißt: die Augen und das Herz offen halten Anreizen zur Liebe diese Paarung an Worten passt irgendwie nicht. Anreizen/ reizen/ reizbar sein - klingt eher schlecht als gut.

4 4 Anreizen ist ein altmodisches Wort sagt heute niemand mehr: Ich fände es besser wenn hier anleiten stehen würde. Lasst Euch an-leiten zur Liebe. Dabei sollten wir allerdings aufpassen, dass sich niemand als Lehrer oder Lehrerin aufspielt ich weiß, wie das geht. DIE Bibel ist eine gute Lehrmeisterin für die Liebe. Denn die Bibel steckt voller Weisheiten und Anweisungen und Ermunterungen zur Liebe. Im Alten Testament finden wir den berühmten Satz: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst Jesus hat dieses Gebot nicht erfunden, sondern in der Thora gefunden. Gut gelebte Liebe findet ein Gleichgewicht zwischen Selbstliebe und Nächstenliebe. Und im Neuen Testament finden sich Sätze wie: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi (also das Gesetz der Liebe) der Liebe erfüllen. Liebt euch untereinander, wie ich euch geliebt habe. Gott ist Liebe und wer in dieser Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm oder in ihr Lasst uns einander ermahnen auweia.. DAS können die meisten Menschen nicht. Ich kenne nur sehr wenige Menschen, die demütig, empfindsam, vorsichtig und sensibel ermahnen können. Die meisten von uns hauen gerne drauf. Die meisten von uns werden gerne laut, die meisten von uns zeigen deutlich ihren Ärger, wenn sie ermahnen. Oft erwarten wir nach einer Ermahnung eine sofortige Verhaltensänderung und sind sauer, wenn alles so bleibt, wie es ist. Ermahnen heißt NICHT, dass mein Gegenüber tun muss, was ICH sage, auch das verhindert Freiheit. Ermahnen heißt: beraten, etwas zu be-denken geben, einen liebevollen Rat geben. Wer ermahnt, muss anderen auch die ZEIT geben, nach-zudenken. UND die Freiheit lassen, trotz aller Ermahnung einen eigenen Weg zu gehen. (Als Mutter eines pubertierenden Jugendlichen weiß ich, wovon ich rede!) Lasst uns anleiten zur Liebe und zu guten Werken NUR drei kleine Regeln die täglich geübt werden sollten, damit unser Miteinanderleben klappt Und am Schluss des Predigttextes wird deutlich, dass die Adventszeit nicht nur gemütliche Kuschelzeit ist, sondern AUCH eine Bußzeit (die liturgische Farbe ist in dieser Zeit Lila, zum Beispiel die lila Tücher auf Altar und Kanzel)

5 5 Seht, dass sich der Tag naht. Diese Ermahnung haben wir in den letzten Gottesdiensten manchmal in den Lesungstexten gelesen oder gehört. Der Tag der Ankunft Jesu naht sich. Es nähert sich der TAG, an dem wir als Christenheit feiern, dass sich GOTT uns Menschen annähert, nahe kommt, besucht in Jesus Christus. Adventszeit heißt: wir bereiten alles für diesen nahenden Besuch vor. Amen Fürbittengebet: Großer GOTT wir bereiten uns auf deine Ankunft vor. Jedes Jahr neu hören wir diese wunderhafte Botschaft. Wir bitten Dich, befreie uns in diesen Tagen von den dunklen Gedanken und Gedenken des November. Mache unsere Herzen leichter und durchdringe sie mit deinem Licht. Christus wir bitten Dich, erfülle uns mit Deinem Geist, damit wir jeden Tag neu bereit sind, aufeinander zu achten, allen Menschen mit ACHTUNG zu begegnen, einander anleiten und ermutigen zur Liebe, und lass uns mit liebevollem Herzen ermahnen und ermutigen und RAT geben: dort WO unser Rat erwünscht ist. Heiliger Geist: zieh in unsere Herzen ein. Copyright Ingrid Kibilka

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