OTC-Derivate: Neue regulatorische Anforderungen für Handel und Abwicklung

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1 Newsletter Kapitalmarktregulierung CONSULTING FINANCIAL SERVICES März 2012 OTC-Derivate: Neue regulatorische Anforderungen für Handel und Abwicklung ESMA-Konsultationspapier Draft Technical Standards for the Regulation on OTC Derivatives, CCPs and Trade Repositories im Kontext aktueller europäischer Verordnungsentwürfe Die European Securities and Markets Authority ESMA hat am 16. Februar 2012 ein Konsultationspapier mit technischen Regulierungs- und Durchführungsstandards zu OTC-Derivatekontrakten, den Bedingungen ihrer Abwicklung über zentrale Gegenparteien (CCPs) und ihrer Meldung an Transaktionsregister veröffentlicht. Die konsultierten Standards konkretisieren den mittlerweile zwischen EU-Kommission, Rat und Parlament abgestimmten, ursprünglich im September 2010 vorgelegten Verordnungsentwurf der European Market Infrastructure Regulation EMIR. EMIR soll nach derzeitiger Planung in den nächsten Wochen die letzten formalen Hürden nehmen; zwischen der gesetzgeberischen Grundlage und der zentralen Clearingpflicht erster Derivatekategorien stehen dann die von der ESMA zu konkretisierenden technischen Standards, das entsprechende Angebot durch CCPs und die prozessuale Anpassung auf Seite der Clearing-Mitglieder. Die Konsultationsfrist für die vorliegenden Technical Standards endete am 19. März 2012 mit über 100 Eingaben von Banken, Börsen, Verbänden und weiteren Marktteilnehmern. EMIR und die entsprechenden Standards zielen im Kern auf eine möglichst weitgreifende Pflicht zum Clearing standardisierbarer OTC-Derivate über Central Counterparties CCPs und zur Meldung bestimmter Handelsinformationen über alle Derivatetransaktionen hinweg an Datensammelstellen. Auch für diejenigen Produkte bzw. Derivatekontrakte, die nicht der Clearing-Verpflichtung unterliegen, werden Bedingungen für den weiterhin außerbörslichen Handel und Anforderungen an das bilaterale Clearing zwischen den Vertragsparteien definiert. Die endgültigen Standards, die durch die Anbindung an die EU-Verordnung unmittelbar national Anwendung finden werden, soll die Europäische Wertpapieraufsicht bis zum 30. September 2012 vorlegen. In den finalen Ausführungsbestimmungen wird dann verbindlich festlegt sein, für welche Derivateklassen welche Dokumentations-, Abwicklungs- und Meldeprozesse gelten und welche konkreten Anforderungen an das Risikomanagement der jeweiligen Marktteilnehmer zu stellen sind. Inhalt Kontext aktueller Verordnungsentwürfe Seite 1 ESMA-Konsultation: zentrale Themenfelder Seite 3 - Clearing-Verpflichtung - Organisatorische Anforderungen an CCPs - Anforderungen an Sicherheiten - Parameter für Margins und Ausfallfonds - Meldepflichten an Transaktionsregister Handlungsbedarf und nächste Schritte Seite 5 Kontext aktueller Verordnungsentwürfe Die G20-Staaten haben verabredet bis Ende 2012 Maßnahmen zu initiieren, die das Finanzsystem widerstandsfähiger machen. Aus den Erfahrungen der Finanzkrise heraus sollen insbesondere die Transparenz über ausstehende Transaktionsvolumina von derivativen Finanzinstrumenten substantiell erhöht, die Überwachung der OTC-Märkte verbessert und letztlich systemgefährdende Kontrahentenrisiken verringert werden. Dieses übergeordnete Ziel der G20- Agenda wird in Bezug auf die OTC-Derivate sowohl im internationalen Baseler Kapitalrahmenwerk als auch von den europäischen Aufsichtsbehörden in

2 Newsletter Kapitalmarktregulierung / Consulting Financial Services / März verschiedenen Verordnungsentwürfen und regulatorischen Standards konkretisiert. Für eine Bewertung von Konsequenzen, die aus den regulatorischen Anforderungen für Handel, Abwicklung und Risikomanagement erwachsen, müssen die zentralen Themenfelder der ESMA-Konsultation in diesem Kontext gesehen werden: Die Eigenkapitalanforderungen aus Basel III, die mit dem am 20. Juli 2011 erstmals veröffentlichten Verordnungsteil des Legislativpakets der CRD IV ab 2013 europaweit umgesetzt werden sollen, machen künftig den außerbörslichen Handel von OTC-Derivaten unattraktiver. Bilateral gehandelte Derivate, die nicht zentral über CCPs gecleart werden, erhalten hohe Risikogewichte. Diese betragen im Standardansatz im günstigsten Fall 20%, wenn die Gegenpartei eine Bank ist. Dagegen werden über CCPs abgewickelte Derivatetransaktionen nur mit 2% Risikogewicht auf das Handelsvolumen versehen. Ferner ist für eine Abwicklung von Derivaten über CCPs keine Credit Value Adjustment Charge vorgesehen, also kein die Eigenkapitalkosten erhöhender Zuschlag auf die Kreditbewertung für das Kontrahentenrisiko. Andererseits sind von den Clearing-Mitgliedern die Beiträge zum Ausfallfonds des CCP mit Eigenkapital zu unterlegen. Nach aktuellem Vorschlag sind die Beiträge bis zu einer hypothetischen Kapitalbedarfsgrenze des CCPs mit 100% Kapital zu unterlegen, mögliche Kapitallücken bis zur Grenze mit 120%. Der hypothetische Kapitalbedarf eines CCP wird hierbei nach gröberen und konservativeren Methoden bestimmt als nach der internen Modellmethode (IMM). Damit wird für große Derivatehäuser, die über ein IMM verfügen, der Weg über einen zentralen Kontrahenten unattraktiver. Am 20. Oktober 2011 veröffentlichte die EU-Kommission ihren Vorschlag zur Überarbeitung der Richtlinie Markets in Financial Instruments Directive MiFID zusammen mit dem zugehörigen Verordnungsentwurf der Regulation MiFIR. In der MiFIR wird im Gleichlauf mit der möglichst breiten Einführung eines zentralen Clearing nach EMIR für die von der ESMA festgelegten Derivatekategorien und -produkte die Handelspflicht über regulierte Handelsplätze festlegt. Für alle entsprechenden Handelsplätze, worunter neben geregelten Märkten auch multilaterale oder organisierte Handelsplattformen (z.b. Bloomberg, TradeWeb, MarketAccess) fallen, sollen die gleichen Anforderungen an Vor- und Nachhandelstransparenz gelten. Der Zeitpunkt für den Beginn der Handelspflicht über geregelte Handelsplätze wird durch die ESMA festgelegt, die damit auch auf für die Aufsicht intransparente Dark Pools zielt, auf denen nicht öffentlich Handelsvolumen und Liquidität bereitgestellt werden. Zwei weitere konkretisierende Papiere der drei europäischen Aufsichtsbehörden ESMA, European Banking Authority EBA und European Insurance and Occupational Pension Authority EIOPA, jeweils vom 6. März 2012, sind aktuell in der Konsultationsphase. In einem gemeinsamen Papier der drei Behörden geht es um Risikominderungstechniken für diejenigen OTC-Derivate, welche weiterhin bilateral gehandelt werden. Schlüsselvorschlag hierin ist, bilateral kein unbesichertes Geschäft mehr zuzulassen. In einem weiteren Konsultationspapier der EBA werden die Eigenkapitalanforderungen von CCPs erörtert. Die Verordnungen greifen in die bestehenden Marktstrukturen und Wertketten mit der klaren Zielrichtung ein, das bilaterale OTC-Geschäft unattraktiv zu machen. Handelsvereinbarungen sollen mit erhöhter Transparenz auf regulierten Handelsplätzen vorgenommen werden. Zusammen mit den angepassten Kapitalanforderungen sind erhebliche Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle zu erwarten.

3 Newsletter Kapitalmarktregulierung / Consulting Financial Services / März ESMA-Konsultation: Zentrale Themenfelder Die ESMA hat das umfassende Mandat erhalten, die Clearing-Verpflichtung gemäß EMIR zu konkretisieren, organisatorische Anforderungen an CCPs festzulegen, systemisch relevante Parametereinstellungen für Margins und den Ausfallfonds und Anforderungen an Sicherheiten zu bestimmen sowie Meldepflichten an Transaktionsregister zu spezifizieren. Clearing-Verpflichtung Die materiellen Kriterien, die die ESMA zur Klärung der Clearing-Fähigkeit von OTC-Derivaten anwenden wird, sind noch nicht so spezifisch, dass aktuell klar wäre, welche Derivate als standardisierbar eingestuft werden und zentral über CCPs laufen können. Hierfür wird der Standardisierungsgrad der jeweiligen Asset- Klasse im Hinblick auf Vertragsausgestaltungsmöglichkeiten und effektive operative Prozesse zu bewerten sein. In jedem Fall muss zur Klassifizierung die Marktliquidität der Verträge herangezogen und die Verfügbarkeit zuverlässiger Preisinformationen berücksichtigt werden. Im Vergleich dazu hat die ESMA eine Reihe von prozessualen Anforderungen bereits spezifiziert, so zum Beispiel die Einbindung der ESMA im Rahmen des sogenannten Bottom-up Verfahrens zur Ermittlung clearingfähiger Derivate. In diesem Verfahren leiten nationale Behörden konkrete Informationen darüber, welche Derivateklassen über eine CCP gecleart werden können, an die ESMA weiter. Anhand solcher Informationen u.a. zu Volumen, Markttiefe und Liquidität bereitet die europäische Aufsichtsbehörde einen Vorschlag für die Europäische Kommission vor, die dann über die Anwendung zum 1. Januar 2013 entscheidet. An zwei Stellen ist die ESMA noch in der Validierungsphase, begründet durch kurzfristige Änderungen am EMIR-Verordnungstext: Das betrifft zum einen die Verpflichtung zum zentralen Clearing von Transaktionen, die mit Marktteilnehmern aus Drittstaaten eingegangen worden sind, wenn diese Transaktionen eine direkte, substantielle und vorhersehbare Auswirkung innerhalb der EU zur Folge hat. Wie diese Transaktionen zu spezifizieren sind, ist eine noch offene Frage. An anderer Stelle ist die Clearing-Verpflichtung von großen Industrie- und Handelsunternehmen (sogenannten non-financial counterparties ) gegenüber Vorversionen abgemildert worden. Die Clearing-Verpflichtung gilt nicht für Verträge, die für die Absicherung des dem Unternehmen zugrundeliegenden Geschäfts abgeschlossen werden oder Risiken aus Unternehmensfinanzierungen durch das Treasury begrenzen sollen. Offen ist, wie die Unternehmen den Nachweis erbringen, dass die eingegangenen Derivatepositionen genau diesen Zwecken dienen. Noch offen ist die Festlegung der Höhe der Clearing-Schwelle, ab deren Überschreiten betroffene Unternehmen ihre Derivategeschäfte über eine CCP abwickeln müssen. Hier steht nicht nur in Frage, wie diese Schwellenwerte sinnvoll ermittelt werden können, sondern auch in welcher Form nicht regulierte Unternehmen die notwendigen Sicherheiten bereitzustellen haben. Organisatorische Anforderungen an CCPs Zwar reduziert das zentrale Clearing über eine CCP das Kontrahentenrisiko, und der Ausgleich einer Vielzahl von Forderungen durch gegenseitiges Netting verringert insgesamt den Umfang der ausstehenden Risiken. Doch auf der anderen Seite birgt die damit einhergehende Konzentration des Abwicklungsgeschäfts auf wenige zentrale Marktteilnehmer für den Finanzmarkt ein systemisches Risiko. Deshalb formulieren EMIR und technische Standards qualitative und quantitative Anforderungen für jede CCP, die immer eine Zulassung der nationalen Aufsichtsbehörde benötigt. Zulassungsvoraussetzungen sind neben einer strengen Governance für Organisation, Risikomanagement und Transparenzanforderungen vor allem Liquidität und Eigenkapital. So werden organisatorische Anforderungen hinsichtlich des Managements und der Governance intensiv diskutiert, Archivierungsregeln bezüglich Transaktionen,

4 Newsletter Kapitalmarktregulierung / Consulting Financial Services / März Positionen und Geschäftsunterlagen entworfen und eine Strategie mit Annahmen zur Geschäftsfortführung und Katastrophenplänen eingefordert. Ein wirkungsvoller Ansatz zur Kontrolle und Steuerung des Liquiditätsrisikos ist zu implementieren und der noch festzulegende Mindestumfang an liquiden Werten zu halten. Die Investitionspolitik soll reglementiert und eingeschränkt werden auf hochliquide Anlagen mit minimalem Markt- und Kreditrisiko, was im wesentlichen auf Konten bei der EZB und nationalen Zentralbanken sowie Instrumenten und Schuldtiteln mit höchster Bonität hinausläuft. Darüber hinaus gibt es umfangreiche Hinweise zur Validierung und Überprüfung von Modellen, Stress Testing und Back Testing, vergleichbar mit den Anforderungen an Banken mit internen Risikomodellen. Anforderungen an Sicherheiten Dadurch, dass der zentrale Kontrahent als Gegenpartei zwischen die Verkäuferund Käuferseite des Derivatekontrakts eintritt, übernimmt die CCP als zwischengeschaltete Vertragspartei das jeweilige Kontrahentenrisiko. Für die Risikoübernahme verlangt die CCP sowohl von Verkäufer als auch Käufer die Hinterlegung von Sicherheiten. Als Sicherheit dürfen nur hochliquide Vermögenswerte mit geringem Ausfall- und Preisänderungsrisiko akzeptiert werden. Zur Definition dessen, was als hochliquide gelten kann, wird die ESMA noch Bewertungskriterien aufstellen. Sicherheiten, die bei einer Verschlechterung des Kreditratings der begebenden Seite an Wert verlieren, sollen auf jeden Fall ausgeschlossen werden, um den CCP davor zu schützen, im Falle einer Krise auf einen abschmelzenden Sicherheitenbestand zurückgreifen zu müssen. Eigenemissionen werden somit nicht als Sicherheiten akzeptiert, wohingegen Barmittel, Finanzinstrumente mit niedrigem Ausfall- und Marktrisiko, besicherte Garantien von Banken mit hohem Rating sowie Gold als Sicherheit gelten dürften. Wegen der Notwendigkeit zur schnellen Liquidierbarkeit sollten Sicherheiten zudem in der Hauswährung der CCPs sein. Ferner sind die CCPs angehalten, konservative Haircuts anzuwenden, was zur Forderung ausreichender Sicherheitenpolster und zur Anrechnung entsprechender Abschläge führen wird. Diese sollen die Marktpreisvolatilitäten verschiedener Asset-Klassen über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren berücksichtigen und möglichst eine Stressperiode umfassen. Parameter für Margins und Ausfallfonds Weitere Kosten entstehen für die Clearing-Mitglieder aus Pflichtbeiträgen für einen Ausfallfonds, den jede CCP einrichten muss und in den alle Mitglieder einzahlen. Auf diesen von der CCP verwalteten Fonds kann zurückgegriffen werden, wenn die Sicherheiten eines ausgefallenen Clearing-Mitglieds nicht ausreichen. Die von den Clearing-Mitgliedern bereitzustellenden Beiträge für den Ausfallfonds einer CCP sowie die geforderten Margins sollen den Ausfall des größten Clearing- Mitglieds oder die gemeinsamen Ausfälle des zweit- und drittgrößten Mitglieds abdecken können. Die Ausfälle sind von den CCPs für verschiedene Produkte und Märkte unter plausiblen Stressszenarien zu modellieren, die eine adverse Veränderung von Zins-, FX-, Kredit- und Liquiditätsrisiken unterstellen. Historische und hypothetische Ereignisse, die eine extreme Marktsituation hervorrufen, sollen hierbei berücksichtigt werden. Mit der Festlegung der Rechenweise für die zu hinterlegenden Margins und den Annahmen zum Ausfall des größten bzw. gemeinsam des zweit- und drittgrößten Clearing-Mitglieds ergibt sich sodann die Höhe des Ausfallfonds für eine CCP. Für die Ermittlung der Margins sieht die ESMA vor, das Konfidenzintervall und den zu betrachtende Zeithorizont sowie die Liquidationsperiode zu setzen. Dies könnte für alle Finanzderivate gleichermaßen oder nach verschiedenen Derivateklassen differenziert ausfallen. Das Konfidenzintervall wird bei 99% oder festzulegende Basispunkte oberhalb hiervon liegen. Der Betrachtungshorizont könnte eine

5 Newsletter Kapitalmarktregulierung / Consulting Financial Services / März Stressperiode über 10 Jahre abbilden oder aber kurzfristig (1-2 Jahre) sein. Diese Konkretisierung ist Teil der gegenwärtigen Konsultation. Meldepflichten an Transaktionsregister Transaktionsregister müssen bei der ESMA, die sie beaufsichtigt, eine Registrierung beantragen. Die Transaktionsregister veröffentlichen Daten für alle Derivatekategorien, während Einzeldaten strengen Datenschutzauflagen unterliegen. Die vorgeschlagenen Inhalte für die Meldung der Handelsgeschäfte der Marktteilnehmer an Handelsregister sind umfangreich und spezifisch. Zwei diskussionswürdige Punkte stechen heraus: Unbestritten ist, dass für die effiziente Verarbeitung der Transaktionsinformationen die Einführung von globalen Codes für Gegenparteien (legal entity identifiers) und eine einheitliche Produkt- Taxonomie entwickelt und eingeführt werden sollte. Während die Produkt- Taxonomie für clearing-fähige Derivate rein vom Umfang technisch leicht beherrschbar sein sollte, wird dagegen die Einführung der Codes für Gegenparteien mit höheren Programmierungsaufwänden verbunden sein. Diese Codes müssten dann bestenfalls bei der Clearingpflicht der ersten Derivateklasse schließlich nahezu vollständig definiert sein. Ein weiterer Knackpunkt ist der geforderte Inhalt der Transaktionsinformationen. Neben dem Vorschlag der Einführung einer Handels-Identifikation (ID), die wiederum mit gewissem Implementierungsaufwand verbunden ist, werden auch Angaben zu Preisen und Gebührenstrukturen zur Diskussion gestellt. Der Ausgang der Diskussion ist sicher abhängig davon, welche aufsichtsrechtlichen und systemisch relevanten Informationsbedarfe den geschäftspolitischen Interessen der Clearing-Teilnehmer übergeordnet werden können. In Prüfung ist ferner die Frage, inwiefern und in welchem Implementierungszeitraum Informationen zu eingegangen Exposures gegenüber Gegenparteien und hinterlegte Sicherheiten an ein Handelsregister gesendet werden können, um die Aufsicht bzw. die Handelsregister auch in die Lage zu versetzen, systemische Risiken zu erkennen und zu mitigieren. Handlungsbedarf und nächste Schritte Die vorgenannten Konkretisierungen werden wie auch die zu erwartenden Ergänzungen zu den Risikominderungstechniken für OTC-Geschäfte, Kapitalanforderungen an CCPs und Konkretisierungen zum Ausmaß der Eigenkapitalunterlegung von Ausfallfonds in bestehende Marktstrukturen derart eingreifen, dass der Regulator zwar sein Ziel zur Verbesserung der Transparenz und Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems erreicht, jedoch die Clearing- Mitglieder vor große Herausforderungen gestellt werden. Die Höhe der Margins, Beiträge zu Ausfallfonds, Kapitalunterlegungen, Sicherheitenbereitstellungen und die Höhe der Haircuts können die Geschäftsmodelle bzw. Handelsstrategien im Investment Banking ernsthaft auf den Prüfstand stellen. Auswirkungsanalysen sind erforderlich, um Implikationen auf den Kapitalverbrauch, Funding-Strategien, Netting-Effekte und letztendlich die Produktprofitabilität zu überprüfen. Die erhöhte Transparenz im Markt wird einhergehen mit einer Komplexitätsreduktion und möglicherweise niedrigeren realisierbaren Margen. Bilaterales Geschäft erfährt neben steigendem Kapitalverbrauch auch höhere Produktstückkosten, da bestehende Systeme und Prozesse, letztendlich Ressourcen, eine stetig abnehmende Menge an bilateralem Geschäft abwickeln. Einmalkosten entstehen insbesondere bei den erforderlichen Anpassungen an Collateral-Systemen und -prozessen, Änderungen an Buchungssystemen, bei der

6 Newsletter Kapitalmarktregulierung / Consulting Financial Services / März Herstellung der Meldefähigkeit an Transaktionsregister sowie auch dem Anschluss an die CCPs oder als Kunden an Clearing-Mitglieder, die das Clearing übernehmen. Es liegt nahe, die bevorstehenden regulatorischen Veränderungen im Clearingund Handelsumfeld gesamthaft zu betrachten und die Auswirkungen im Handel, im Backoffice, im Risikomanagement und auch (Hedge) Accounting dezidiert aufzunehmen und einzuwerten, insbesondere in Bezug auf Strategien (Handel, Risiko, Kapital), Produkte sowie Prozesse und Methoden. Impressum / Kontakt KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft THE SQUAIRE Am Flughafen Frankfurt am Main Dr. Matthias Mayer Partner, Consulting Financial Services T Dr. Daniel Sommer Partner, Consulting Financial Services T Thilo Kasprowicz Partner, Consulting, Regulatory & Compliance T André Lattemann Senior Manager, Consulting Financial Services T Die enthaltenen Informationen sind allgemeiner Natur und nicht auf die spezielle Situation einer Einzelperson oder einer juristischen Person ausgerichtet. Obwohl wir uns bemühen, zuverlässige und aktuelle Informationen zu liefern, können wir nicht garantieren, dass diese Informationen so zutreffend sind wie zum Zeitpunkt ihres Eingangs oder dass sie auch in Zukunft so zutreffend sein werden. Niemand sollte aufgrund dieser Informationen handeln ohne geeigneten fachlichen Rat und ohne gründliche Analyse der betreffenden Situation KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG International Cooperative ( KPMG International ), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und cutting through complexity sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

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