Anforderungen an das Margining nicht zentral geclearter Derivate

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1 Anforderungen an das Margining nicht zentral geclearter Derivate 2.Diskussionspapier des Baseler Ausschuss zur Bankenaufsicht (BCBS) und der internationalen Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) Markus Drissner/Thorsten Gendrisch Inhalt Regelungsumfang und Adressatenkreis... 1 Methodik zur Feststellung von Initial-/Variation Margin... 2 Besicherung der Marginforderungen... 3 Austausch der Initial Margin und zu berücksichtigende Aspekte... 3 Verbund-/konzerninterne und grenzüberschreitende Transaktionen... 4 Stufenweise Einführung der Neuerungen... 4 Schlussfolgerungen aus der QIS... 5 Zusammenfassende Wertung... 5 Nachdem bereits ein erstes Konsultationspapier 1 im Juli letzten Jahres zu diesem Thema erschienen ist, sollen mit dem im Februar 2013 veröffentlichten zweiten Diskussionspapier 2 Aspekte aufgegriffen werden, welche noch einer weiteren Konkretisierung auf dem Weg zu einer finalen Regelung der Marginanforderungen für nicht zentral geclearte Derivate bedürfen. Desweiteren wurde das aktuelle Diskussionspapier um die Ergebnisse der Quantitative Impact Study (QIS) ergänzt, um mögliche Auswirkungen besser abschätzen zu können. Die Konsultationsphase endete im März Wir stellen Ihnen nachfolgend die wesentlichen Inhalte vor. Regelungsumfang und Adressatenkreis Der Fokus dieses Diskussionspapiers richtet sich auf Derivate, welche nicht über eine zentrale Gegenpartei (CCP) abgewickelt werden. Eine Ausnahme bilden physisch abgewickelte FX-Swaps und Forwards. Mit diesen Transaktionen befasst sich der Basler Ausschuss separat. 3 Nicht zentral gecleartes Derivategeschäft soll angemessenen Marginanforderungen unterliegen, mit der Zielsetzung hiervon ausgehende, systemische Risiken zu minimieren und zentrales Clearing zu fördern

2 Die Regelungen richten sich sowohl an Finanzunternehmen als auch systemisch bedeutende Nicht-Finanzunternehmen unter Berücksichtigung bestimmter Schwellen (siehe hierzu auch Schaubild unter Gliederungspunkt Stufenweise Einführung der Neuerungen). Ausgenommen sind Zentralbanken, Staaten, Entwicklungsbanken et al. Die von dieser Regelung betroffenen Marktteilnehmer sind verpflichtet sowohl Initial Margin (sofern diese 50 Mio. auf konsolidierter Basis bzw. Gruppenebene übersteigt) als auch Variation Margin auf regelmäßiger (i.d.r. täglicher) Basis auszutauschen. Für den Margintransfer gilt eine Unwesentlichkeitsgrenze von Methodik zur Feststellung von Initial-/Variation Margin Mit dem Austausch der Marginforderungen sollen mit einer möglichst hohen Zuverlässigkeit bilaterale Kontrahentenrisiken aus OTC-Geschäften abgesichert bzw. reduziert werden. Dabei soll konsistent für alle Unternehmen die Initial Margin das mögliche zukünftige Exposure (potential exposure) und die Variation Margin das aktuelle Exposure (current exposure) abdecken. Initial Margin Das Potential Exposure als Basis zur Feststellung der Initial Margin kann mittels eines Internen Modells über ein 99%-Konfidenzniveau bei einer unterstellten Haltedauer von 10 Tagen (plus die Anzahl der Tage, um welche der Variation Margin Austausch einen Tag übersteigt) geschätzt werden. Dabei sollen historische Daten zugrunde gelegt werden, welche einen Zeitraum eines bedeutenden Finanzstress beinhalten. Eine Schätzung mittels Internem Modell, welches auch durch eine Drittpartei bereitgestellt werden kann, erfordert aber die Genehmigung der Aufsichtsbehörde und einen kontinuierlichen internen Validierungsprozess für die Anwendbarkeit der Modellierung auf die entsprechenden Geschäfte. Als Alternative bzw. Fallbacklösung für Marktteilnehmer, welche nicht über ein Internes Modell verfügen, stellt der Baseler Ausschuss Standardvorgaben zur Verfügung. Es ist anzumerken, dass die Wahl zwischen der Standardberechnung und des Internen Modells dauerhaft für eine Assetklasse zu erfolgen hat, um ein cherry picking zu vermeiden. Bei Abschluss des Geschäfts sind sowohl Methodik als auch die erforderlichen Parameter festzulegen und zu dokumentieren. Für die Standardberechnung der Initial Margin nach Vorgabe des Baseler Ausschuss ist folgender Ansatz zu verwenden. Die Netto-Anforderung (je Nettingset und Kontrahent) ergibt sich damit wie folgt: Netto Standard IM = 0,4 * Brutto IM + 0,6 * Brutto IM * V Die Ermittlung der Brutto IM erfolgt unter Verwendung des Standard Margin Schedule: 1 PLUS i GmbH April von 2

3 wobei IM für Initial Margin steht und V das Netto-Brutto-Verhältnis gemäß widerspiegelt. max(0; Nettomarktwert) V = Summe pos. Marktwerte Variation Margin Die Variation Margin dient der vollständigen Besicherung des aktuellen Mark-to- Market Exposures. Die Berechnung erfolgt regelmäßig (i.d.r. täglich) je Nettingset und muss auch entsprechend ausgetauscht werden. Vor Abschluss einer Transaktion sind zwingend robuste und strenge Schlichtungsverfahren zu vereinbaren, wobei die zeitnahe Initierung durch die margineinfordernde Partei zu erfolgen hat. Besicherung der Marginforderungen Zur Unterlegung von Marginforderungen sollen Assets höchster Qualität (qualifizierte Sicherheiten) zugelassen werden, welche auch in finanziellen Stresssituationen liquide und werthaltig (ggfs. unter Einbeziehung von Haircuts) sind. Es ist darauf zu achten, dass signifikante Korrelationen zwischen Sicherheiten und der Kreditwürdigkeit/Bonität des Kontrahenten (sog. wrong way risk ) nicht auftreten. Die Besicherung sollte in der vereinbarten Zahlungswährung erfolgen, kann aber auch mittels hochliquider Fremdwährungen unter Berücksichtigung entsprechender FX-Haircuts erfolgen. Zur Berechnung der Haircuts können von der Aufsicht zu genehmigende Interne Modelle herangezogen oder vom Baseler Ausschuss eingeführte standardisierte Haircuts verwendet werden. Die Festlegung qualifizierter Sicherheiten erfolgt durch die nationalen Aufsichtsbehörden. Austausch der Initial Margin und zu berücksichtigende Aspekte Da die Art des Austauschs der Initial Margin erheblichen Einfluss auf die Wirksamkeit des Schutzes vor Verlusten im Falle eines Ausfalls des Kontrahenten hat, gilt es hier ebenfalls einige Aspekte zu berücksichtigen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass eine Besicherung der Initial Margin auf Nettobasis nur unzureichenden Schutz bei Ausfall des Kontrahenten bietet. Aus diesem Grund soll immer eine Bruttoabsicherung erfolgen und eine gegenseitige Verrechnung 1 PLUS i GmbH April von 3

4 der Initial Margins unterbleiben. Des Weiteren sollen erhaltene Sicherheiten im Bedarfs-/Insolvenzfall unverzüglich verfügbar und gestellte Sicherheiten insolvenzgeschützt verwahrt sein. Hieraus lässt sich ableiten, dass erhaltene Sicherheiten nicht weiterverpfändet bzw. anderweitig wiederverwertet werden dürfen. Aus rechtlicher Sicht ist zu beachten, dass die Sicherheitenverträge rechtlich durchsetzbar sein müssen, was mittels Rechtsgutachten in regelmäßigen Abständen zu belegen ist. Verbund-/konzerninterne und grenzüberschreitende Transaktionen Geschäfte innerhalb eines Verbunds/Konzerns Aufgrund nationaler Unterschiede in der Gesetzgebung, Regelung und Behandlung interner Transaktionen hinsichtlich Marginanforderungen obliegt es den einzelnen nationalen Aufsichtsbehörden, angemessene Regelungen unter Berücksichtigung nationaler Gesetzgebung und des Aufsichtsrechts für Geschäfte innerhalb eines Verbunds/Konzerns festzulegen. Grenzüberschreitende Geschäfte Da der Handel mit Derivaten nicht selten im globalen Kontext stattfindet, ist es notwendig international konsistente Regelungen zu schaffen um Widersprüche, Arbitrage etc. zu vermeiden. Grundsätzlich sollte der Sitz der juristischen Person über die Anwendung des jeweiligen Rechts entscheiden, wobei Niederlassungen nicht als rechtlich eigenständige Einheit zu betrachten sind. Sollte sich der Fall ergeben, dass die Regelung eines Staates keine Anerkennung findet, kann auf eine akzeptierte Drittstaat-Regelung zurückgegriffen werden. Stufenweise Einführung der Neuerungen Da es sich bei den angesprochenen Neuerungen um fundamentale Änderungen bisheriger Usancen handelt, welche operationale Anpassungen erfordern, und andere Regulierungsvorhaben ebenfalls zu bewältigen sind, ist eine stufenweise Einführung angedacht. Der zeitliche Rahmen dafür soll wie folgt aussehen: 1 PLUS i GmbH April von 4

5 Schlussfolgerungen aus der QIS Die in diesem Zusammenhang durchgeführte QIS, welche in etwa 75% des globalen OTC-Derivatemarktes abdeckt, hat ergeben, dass sich durch die neuen Anforderungen das Volumen der Margins nicht zentral geclearter Derivate erheblich erhöhen wird. Folgende Übersicht soll die wesentlichen Punkte kurz zusammenfassen. Es wird von einer geschätzten Höhe von ca. 700 Mrd. an Marginforderungen für nicht zentral geclearte Derivate nach in Kraft treten der neuen Regelungen ausgegangen. Neuere Untersuchungen 4 gehen aber auch von bis zu 1 Billion aus. Die differierenden Einschätzungen kommen vorwiegend durch die unterschiedliche Berücksichtigung der Konsolidierungsvorgaben und Einbeziehung von finanziellen Stressszenarien zustande. Zusammenfassende Wertung Mit der neuen Regelung und einhergehend höheren Marginanforderungen an nicht zentral gecleartes Derivategeschäft gewinnt die Abwicklung über zentrale Kontrahenten vermutlich zusätzlich an Attraktivität. Andererseits wird dies wohl auch zu einer konkurrierenden Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und hochliquiden Assets führen (auch vor dem Hintergrund parallel laufender weiterer Regulierungsvorhaben). Diesem Umstand soll durch eine Einführungsphase gegengesteuert werden. Die Durchführung einer QIS zu diesem Thema zeigt dessen Bedeutung und Tragweite. Der Nutzen ist dabei nicht so sehr in den absoluten Zahlen der Studie zu sehen, sondern vielmehr darin, dass mit den neuen Vorgaben Schritte in die richtige Richtung eingeleitet werden, um letzten 4 1 PLUS i GmbH April von 5

6 Endes systemische Risiken so weit als möglich zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund ist es wahrscheinlich, dass weitere Untersuchungen zu diesem Thema folgen werden. Wie immer werden wir Sie darüber auf dem Laufenden halten und stehen Ihnen selbstverständlich für Rückfragen sehr gerne zur Verfügung Gerne stellen wir Ihnen auch unsere Expertise aus diversen Projekten zu Themen, die sich mit den obigen Fragestellungen beschäftigen, zur Verfügung. 1 PLUS i GmbH April von 6

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