Marketingplan Tourismus. Stadt Waldeck

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1 Marketingplan Tourismus Stadt Waldeck Vorwort Die Region des Edersees, der Landkreis Waldeck-Frankenberg und nicht zuletzt die Destination Grimm Heimat Nordhessen, stellen sich als touristisch bekannte und im Bundesland Hessen führende Urlaubsregion dar. Diese Einschätzung lässt sich durch vielfältige touristische Basisdaten, wie z.b. Übernachtungszahlen, belegen. Wie hoch aber ist der ökonomische Effekt für die Großgemeinde Waldeck? Bislang ist unsere schöne Region nicht besonders bekannt. Viele Deutsche wissen noch nicht einmal, wo der Edersee überhaupt liegt. Die Wirtschaftskraft aus dem verarbeitenden Gewerbe ist in unserer Stadt nicht sehr hoch. Es liegt nahe, die wunderschöne Umgebung nicht nur für die Anwohner als Naherholungsgebiet auszubauen, sondern auch verstärkt als Einkommensquelle durch Tourismus zu nutzen. Davon würden sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch viele Gewerbetreibende profitieren und es hätte einen positiv spürbaren Effekt auf das Gemeinwohl. Daher ist es wichtig, sich der vorhandenen Struktur intensiv zuzuwenden und zu versuchen, Wege zu generieren, um Waldeck als Wohlfühlort für Bürger und Touristen zu entwickeln. Die Stadt Waldeck hat sich im April 2009 dazu entschlossen, aus der Kooperation mit den beiden Gemeinden Edertal und Vöhl zum auszusteigen. Nach gut 16 Jahren Zusammenarbeit in einer touristischen GmbH wurde dieser Schritt notwendig - zur Schärfung des eigenen Profils und Anpassung der Strukturen auf die Erfordernisse der Stadt Waldeck. Tourismus ein Erfolgsfaktor für die Stadt Waldeck Damit diese These Realität wird, müssen auch weiterhin die Anstrengungen in Richtung Zusammenarbeit mit produktiven Partnern forciert werden. Es ist mit Sicherheit falsch, in einem

2 derart komplexen und weltumspannenden Markt, wie es der Tourismusmarkt ist, als kleine Stadt allein aktiv zu werden. Sinnvoll ist es, temporäre Kooperationen zu schließen und diese regelmäßig in beiderseitigem Einvernehmen zu überprüfen und dann entsprechend zu optimieren. Ziel muss es für die Stadt Waldeck sein, einen Rahmen zu etablieren, der den Leistungsanbietern der Stadt, aber auch der Region und der Destination, die Möglichkeit der Gestaltung und des ökonomischen Vorteils gibt. Der Dienstleistungsbereich ist in zunehmendem Maße einer der größten Wirtschaftsfaktoren in Deutschland. Nach dem Handel ist der Tourismus die wichtigste Dienstleistungsbranche und gilt weltweit als einer der wachstumsstärksten Wirtschaftszweige. Nach einer Prognose der World Travel Organisation (UNWTO) wird sich die Zahl internationaler Reisen bis zum Jahr 2020 mehr als verdoppeln und zwar auf über Neben diesen internationalen Zahlen zeigen z.b. Untersuchungen der Sparkasse, des Deutschen Tourismus Verbandes sowie einiger ausgewählter Fachpublikationen eine Zunahme der inländischen Reisen. Die Deutschen, als Urlaubsweltmeister bezeichnet, werden zunehmend in Deutschland Kurzurlaube machen. Bereits in den vergangenen Jahren ist dieser Trend ablesbar gewesen. Darüber hinaus wächst die Zahl der spontanen Kurzurlauber stetig an. Der vorliegende Marketingplan zeigt auf, mit welchen Instrumenten und Strategien eine positive Entwicklung bis 2015 auch für die Stadt Waldeck angestoßen werden kann. Grundlage dieser Aussage sind dabei die einzelnen Stufen des Planungsprozesses im Marketing (siehe Abbildung 1) Situationsanalyse und Marktforschung: allgemeine Rahmenbedingungen der Region, touristische Entwicklung, Untersuchung und Definition der Zielmärkte und gruppen, konkrete Themen des Angebotes Seite 2

3 Ziele und Strategien: Stärken- / Schwächen- und Chancen- / Risiken-Analyse; Festlegung der Marketing-, Vertriebs- und PR-Strategien Maßnahmenplanung und Umsetzung: Instrumente des touristischen Marketing Erfolgskontrolle: kontinuierliche Überwachung der Zielerreichung und ggf. Anpassung an geänderte Parameter Unter diesem Vorwort lassen sich auf den folgenden Seiten die zentralen Aussagen des Marketingplans wie folgt schlagwortartig aufzählen: Nur auf der Grundlage von Fakten (Marktforschung) sollten wesentliche Strategien entwickelt und umgesetzt werden! Die Zahl der Übernachtungen muss steigen, durch z. B. Verweildauerverlängerung! Wirtschaftlichen Erfolg werden wir nur haben, wenn ALLE die Chancen der Region nutzen! Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen! Wir ALLE müssen an uns und unsere Ziele glauben! Veränderungen sind Chance - keine Hindernisse! Erhöhung des Tagestourismus! 2 Die Region, Die Stadt Die Stadt Waldeck besteht aus 10 Ortsteilen. Die Lage ist quasi zentral in Deutschland. Geprägt von einer Mittelgebirgskulisse ist der flächenmäßig größte Stausee der Bundesrepublik Deutschland direkt vor der Tür. Die ländliche Struktur der Region und der Stadt Waldeck wird auch durch die Einwohnerdichte (64 Einwohner je km 2 ) deutlich. Bei einer Fläche der Großgemeinde von ca. 115 km 2 leben derzeit knapp Einwohner in den 10 Stadtteilen. Neben wenigen größeren Gewerbebetrieben liegt ein Großteil der Erwerbsquellen in kleineren Handwerksbetrieben, nicht selbstständiger Arbeit in der Kreisstadt Korbach oder in Richtung Kassel, dem Oberzentrum der Region NordHessen. Der demografische Wandel wird dazu führen, dass bei sinkender Bevölkerungszahl eine Verschiebung in die ältere Generation als Prognose angenommen werden darf. Viele Bürgerinnen und Bürger haben einen hohen Identifikationsgrad mit dem eigenen Ortsteil, den Vereinen und traditionellen Veranstaltungen. Es zeigt sich, dass die Tendenz, die Region zu verlassen Seite 3

4 eher gering ist - aufgrund fehlender Einkommensquellen jedoch zunehmend die einzige Alternative darstellt. Die Landschaft gilt als natürlich und von hoher entspannender Wirkung. Eine Vielzahl von Rad- und Wanderwegen dienen häufig auch der eigenen Bevölkerung zum Relaxen. 3 Der Tourismus 3.1 Allgemein Das Hessische Statistische Landesamt gibt für 2007 ein Bettenangebot der Stadt Waldeck mit 1044 an. Hierbei sind ausschließlich die Betriebe mit über 8 Betten aufgeführt. Bei einer Gästezahl von und Übernachtungen erhalten wir für die Stadt Waldeck eine durchschnittliche Bettenbelegung von 26,6 %. Nimmt man Vergleichswerte aus der Region oder aus Deutschland, so ist ein Auslastungswert von mindestens 35 % notwendig. Ob eine wirtschaftliche Betriebsführung bei den o.g. Auslastungszahlen gegeben ist, darf kritisch hinterfragt werden. So mögen einige Betriebe oberhalb der Durchschnittsauslastung positive Jahresergebnisse vorweisen können. Für das eingangs formulierte Ziel, hier einen Wirtschaftsfaktor auszubauen, reicht dieser Wert jedoch bei weitem nicht aus. Benchmarkvergleiche werden häufig zur Untermauerung von betriebswirtschaftlichen Argumenten herangezogen. Teilweise sind solche Vergleiche vorteilhaft, dies wendet sich jedoch regelmäßig ins Gegenteil, wenn aus Vergleichen versucht wird, allgemein gültige Aktionen abzuleiten. Im Wissen dieses Problems wird an dieser Stelle der Vergleich unserer Region mit dem Schwarzwald und dem Schluchsee gezogen (Dipl. Arbeit von Frau Agnes Oser mit dem Titel: Die Stadt Waldeck und der Edersee als Tourismusregion ) Ort Bettenauslastung pro Jahr (2007) Waldeck 26,6 % Vöhl 36,6 % Seite 4

5 Edertal 32,9 % Schluchsee 32,9 % Titisee Neustadt 38,9 % Seit 16 Jahren wird die Stadt Waldeck zusammen mit den Gemeinden Edertal und Vöhl in einer gemeinsamen Gesellschaft in Sachen Tourismus vertreten. Gegründet wurde diese Zusammenarbeit, um einzelne Aktivitäten der Verkehrsvereine und der Gemeinden zu koordinieren. Zu den Aufgaben gehören: Initiativen und Koordinierung von Maßnahmen zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur Beratung des Fremdenverkehrsgewerbes in Fragen der Angebotsgestaltung und der Werbung Gästebetreuung und Animation Veranstaltungen Werbung Verkaufsförderung PR-Arbeit Kontaktpflege zu Vereinen und Organisationen Einrichtung und Betrieb einer zentralen Zimmerreservierung Generell darf unterstellt werden, dass die Zusammenführung ähnlicher Aufgaben zu einer Kostenreduktion führen kann. So sind sicherlich in der Vergangenheit gemeinsame Aktivitäten mit dem Ziel einer Optimierung durchgeführt worden. Unter der Führung der Edersee Touristic GmbH Seite 5

6 konnten Projekte wie z.b. ein gemeinsames Gastgeberverzeichnis, einheitliche Beschilderungen und einheitliche Messeauftritte durchgeführt werden. Die Region hat sich in dieser Zeit einen Namen als attraktive, naturnahe und touristisch ausgerichtete Destination in Hessen gemacht. Aggregierte Zahlen der vergangenen Jahre zeigen eine Steigerung der Übernachtungszahlen. Bezogen auf die Großgemeinde Waldeck ist hier jedoch ein anderes Bild zu zeichnen. Die Zahl der Übernachtungsgäste nimmt ab. Gewerbe- und/oder Fremdenverkehrszusammenschlüsse in Sachsenhausen, Nieder-Werbe und Waldeck (Ortsteil) zeigen sehr deutlich eine noch anhaltende Trennung der Aktivitäten bereits in der Großgemeinde Waldeck. Zwar nehmen einzelne Leistungsanbieter in gemeinsamen Organisationen (Fördergesellschaft) eine überörtliche Aufgabe wahr; die Realität zeigt allerdings, dass die gemeinsamen Veranstaltungen, abgestimmte Konzepte und einheitliche Terminabsprache im Einzelfall schwierig umzusetzen sind. 3.2 Status Quo Mit welchen Partnern arbeitet die Großgemeinde zusammen? Welche Kooperationen sind den Leistungsanbietern bekannt? Zur Abstimmung gemeinsamer Strategien dürfte diese Basisfeststellung von elementarer Wichtigkeit sein. Bis zum ist die Stadt Waldeck Gesellschafter der Edersee Touristic GmbH. Diese Gesellschaft ist im Jahr 1996 aus der Vorgängerinstitution ETI entstanden. Neben der Stadt Waldeck sind auch die Gemeinden Edertal und Vöhl sowie die Fördergesellschaft (Zusammenschluss von Leistungsanbietern der Region) gleichberechtigte Gesellschafter. Im Januar 2009 ist die Edersee Touristic GmbH in eine 5-jährige Kooperation der TAG eingetreten. Nach Vorgabe des Landes Hessen haben derartige TAG s als 3. Ebene (im Rahmen des 3-Ebenen- Modells) weder das Auslandsmarketing (Hessen Agentur) noch das Destinationsmarketing (NordHessen) durchzuführen. Die Aufgaben beziehen sich in Absprache mit den beiden anderen Ebenen auf die örtliche Umsetzung der Gesamtstrategien. Durch Austritt der Stadt Waldeck aus der Edersee Touristic GmbH ist automatisch auch der Ausschluss aus der o.g. TAG Erlebnisregion Edersee zum manifestiert. Eine Einzelmitgliedschaft, wie z.b. für Bad Wildungen oder auch Lichtenfels, wurde durch Beschluss der Lenkungsgruppe am bis zum Ende der 5-jährigen Kooperationszeit generell für weitere Partner ausgeschlossen. Seite 6

7 Die Stadt Waldeck ist Mitglied im Zweckverband Kellerwald, wo grundsätzliche Entscheidungen zur naturnahen Strategie der Region über den Naturpark Kellerwald vorbereitet und teilweise in eigener Verantwortung umgesetzt werden. Zum wurde die Stadt Waldeck in die Deutsche Märchenstraße aufgenommen. Hier wird die Vermarktung von Hanau bis Cuxhaven im Rahmen von Märchen und Sagen (z.b. Gebr. Grimm) umgesetzt. Es zeigt sich, dass viele ausländische Touristen gerade die historischen Orte von Märchen und Sagen als Magneten ansehen und sehr gerne auf den Spuren der Vergangenheit wandern. Die Großgemeinde Waldeck hat hier ein reichhaltiges Repertoire an Sagen und Märchen zu bieten und konnte damit die Aufnahme in die Deutsche Märchenstraße realisieren. Gleichzeitig strebt die Stadt Waldeck die Mitgliedschaft in der touristischen Vermarktungsgesellschaft des Landkreises Waldeck-Frankenberg (Touristik Service Waldeck- Ederbergland GmbH) an. Die bislang positiven Beschlüsse sollten zu einer Aufnahme noch im Jahr 2010 führen. Damit wäre die Mitgliedschaft in einer überörtlichen Struktur des Landkreises und, damit verbunden, mit starken Partnern wie z.b. Willingen und auch Bad Wildungen erreicht. Weitere direkte Mitgliedschaften, bezogen auf die touristischen Vermarktungswege, sind nicht vorhanden. Einige Leistungsanbieter der Stadt Waldeck haben sich, je nach Größe, in Kooperationen mit überregionalen Ketten begeben. So sind Verbindungen zur Ringhotel-Gruppe, den Flair Hotels oder BioHotel bekannt. Zusätzlich haben sich Vermieter und Hoteliers durch z.b. DEHOGA zertifizieren lassen. Es bestehen daneben noch einzelne Qualitätszertifikate wie z.b. Wanderbares Deutschland. Beschreibt man die touristische Struktur über die Marktmacht bezogen auf die Stadt Waldeck, kann von einem Oligopol gesprochen werden. Diese Struktur hat den Vorteil, dass wenige leistungsstarke Anbieter den heimischen Markt beherrschen und somit eine Steuerung theoretisch recht einfach möglich ist. Der Nachteil liegt jedoch auf der Hand: Der Interessenausgleich unter den Anbietern kann nur durch marktexterne Impulse sichergestellt werden. Seite 7

8 4 Die touristische Entwicklung 4.1 Trends Will man eine Aussage zum Thema Zukunft im Tourismusmarkt machen, bedarf dies einer systematischen Analyse des Reise- und Kaufverhaltens potentieller Touristen. Das deutsche Zukunftsinstitut von M. Horx sieht in der 2006 erschienenen Studie Tourismus 2020 die fünf wichtigsten Trends im Tourismus in den Bereichen Gesundheit Einzigartige Erlebnisse und Abenteuer Service und Komfort Soziale Kontakte Ökologie und Nachhaltigkeit wobei es gilt, die Trennung zwischen Gesundheit und Genuss bzw. zwischen Patient und Gast aufzuheben. wobei das Spektrum der Einzigartigkeit von der lediglich individuell abgestimmten Reise bis hin zur Reise ins Weltall reicht. um die Reisezeit so effektiv und intensiv wie möglich zu gestalten die ihren Ausdruck in kreativen, inspirierenden Formen der Kommunikation finden. allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Genuss, Spaß und Individualität nicht auf der Strecke bleiben (vgl. VIR 2009) Kultur Wissen und Bildung werden zu Schlüsselressourcen in unserer Welt. Bieten wir Reisen mit einer Fortbildungsgarantie an, werden wir zu den Gewinnern zählen. Dabei gilt es, neben der traditionellen Bildungsreise, der Kulturreise mit Erzählungen bekannter Lektoren bis hin zu Surfkursen, Wildkräuter sammeln oder Weindegustationskursen alles im Angebot zu haben. Nicht umsonst baut z.b. der auf Familienreisen spezialisierte Veranstalter Vamos-Reisen inzwischen auch auf Ferienakademien. Dies ist ein schon seit einigen Jahren ansteigender Trend, der hier in der Region ideal umgesetzt werden kann. Wenn man dann noch den Gesundheitsmarkt mit einbezieht, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten. Seite 8

9 4.1.2 Shopping Einkaufen ist für viele Menschen zu einer Freizeitbeschäftigung geworden, die nicht nur in der Nähe des eigenen Wohnortes durchgeführt wird. Bei vielen Tagesausflügen, Urlaubs- oder Geschäftsreisen ist Shopping ein wichtiges Motiv. Der Shoppingtourismus wird daher von Experten aus Einzelhandel und Tourismus als Wachstumssegment gesehen, von dem Deutschland stärker profitieren kann als bisher. Auch hier ist in unserer Region noch ein großes Entwicklungspotential Soziodemografie Der Tourismus der Best Ager (50+) boomt. Begünstigt durch die hohe Lebenserwartung wird bis 2020 ein Plus von 63 % beim Reiseumsatz dieser anspruchsvollen Zielgruppe erwartet. Komfort, Service, Wellness, Events, Kurztrips sowie Exklusivität und zusätzliche Services sind wichtige Ansatzpunkte für die Ansprache dieser Zielgruppe Kurzreisen Die Mobilität steigt weltweit. Kurzurlaubsreisen sind so beliebt wie nie zuvor. Im Jahr 2005 wurden 48,3 Millionen Kurzreisen durchgeführt. Das Wachstumspotenzial für dieses Segment ist größer als im Urlaubstourismus. Die Region liegt hier durch eine zentrale Lage klar vorn. Eine Steigerung der Kurzurlaubsreisen auf bis zu 79 Millionen in 2015 ist durchaus denkbar. Dies würde eine Steigerung von über 55 % bedeuten Health-Tourismus Die Gesundheit wird zunehmend zu einem Luxusgut. Gerade im Urlaub wollen Gäste dauerhaft Wellnessangebote zur ausgeglichenen Lebensführung nutzen. Somit steigt dieser Bereich zu einem enorm wichtigen Faktor für die Gewinnung von Urlaubsgästen. Nachhaltigkeit in sämtlichen Angeboten der Region ist also ein schlagkräftiges Verkaufsargument. Dies endet jedoch nicht etwa bei der Massage oder dem medizinischen Bad. Die Umwelt, der Umgang mit natürlichen Ressourcen, regionale Produkte und nicht zuletzt Authentizität werden künftig über positive Effekte bei Gästeumfragen wesentlich mitentscheiden. Die globalen und touristischen Trends bestimmen die Struktur der Welt und damit auch der Tourismuswirtschaft von morgen. Nur wenn frühzeitig auf diese Trends reagiert und sowohl Seite 9

10 Marketing als auch Vertrieb integriert werden, ist ein erfolgreiches Bestehen im Markt der Zukunft gewährleistet. Dabei ist als zentrale Aussage für einen ressourcensparenden Einsatz der monetären Mittel die Nutzung des Angebots aus Bad Wildungen, Bad Zwesten und auch Bad Emstal wichtig. Wir sollten gelernt haben, dass die Summe der Angebote in einer Region den Reiz ausmachen. Nicht jede Gemeinde muss alles vorhalten. 4.2 Deutschland Tourismus Der Tourismus stellt in Deutschland einen wichtigen Wirtschaftsbereich dar. So liegt die Gesamtzahl der Beschäftigten in den unmittelbar und mittelbar dem Tourismus zugeordneten Branchen inklusive Teil- und Saisonarbeitskräften bei rund 2,8 Millionen. Im Tourismusjahr 2006 wurden insgesamt 351,4 Millionen Übernachtungen in Deutschland verzeichnet, was einem Wachstum von 2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insbesondere auf dem internationalen Reisemarkt gewinnt Deutschland immer mehr an Bedeutung. So stiegen die Übernachtungen der ausländischen Gäste in 2006 mit einem Zuwachs von 10 % an (52,9 Mio.) - während die Übernachtungen der inländischen Gäste nur um rund 1 % (298,5 Mio.) zunahmen. Zwar liegt der Hauptanteil an den Übernachtungen mit 85 % weiterhin bei den Gästen aus dem Inland, doch ist hier aufgrund ausgeschöpfter Reiseziele und des hohem Volumens eine Sättigung des Marktwachstums nahezu erreicht. Eine längerfristige Beurteilung zeigt den enormen Anstieg der ausländischen Gäste; von 1993 bis 2005 stiegen die Übernachtungen um 45 %(Studie der DTV). Besonders durch attraktive und neue Kultur-, Event-, Unterhaltungs-, Freizeit- und Shopping- Angebote wird das Interesse der ausländischen Gäste geweckt. Das zweite wichtige Standbein ist neben dem Übernachtungstourismus der Tagestourismus. Die Deutschen unternehmen jährlich rund 3,3 Milliarden Tagesausflüge und Tagesgeschäftsreisen ins In- und Ausland. 95 % dieser Tagesreisen führen dabei in deutsche Destinationen. Zwar sind die Hälfte dieser Ausflüge in Städte mit mehr als Einwohnern unternommen worden - dies bedeutet aber im Gegenzug, dass 50 % NICHT in Großstädte durchgeführt werden. Dies ist ein bedeutendes Potenzial für interessante und geografisch günstig gelegene Regionen. Seite 10

11 4.3 Edersee Tourismus Für das Jahr 2007 stellt das Hessische Statistische Landesamt für die drei Gemeinden um den Edersee folgende Zahlen dar: Durchschn. Bettenangebot Gäste Übernachtungen Edertal Vöhl Waldeck Die Aussage der Edersee Touristic GmbH, bezogen auf die oben genannten Zahlen, ist klar. Hier wird von einer generellen Steigerung oberhalb des Landestrends gesprochen. Allerdings, so wird eingeschränkt, bezieht sich diese Aussage auf die Gemeinden Edertal und Vöhl. Aus der Arbeit von Herrn Gerhard Germann Die Wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs am Beispiel der Stadt Waldeck können in Bezug auf das Jahr 1991 für die Stadt Waldeck noch deutlichere negative Entwicklungen aufgezeigt werden. Dort sind für 1991 ca Übernachtungen in der Großgemeinde aufgelistet. Im Vergleich zu 2007 zeigt sich somit die dramatische Abnahme der Übernachtungen auf gut Übernachtungen (Rückgang von 46 %). Die vorliegende Arbeit aus 1991 zeigt die hohe Korrelation zwischen wirtschaftlichem Erfolg der Stadt Waldeck und einer guten touristischen Auslastung. Die Region verfügt über ein reichhaltiges Angebot touristischer Angebote. Einige der wichtigsten sind: Direkt vor Ort: Modern ausgestattete Hotels incl. Hotel Schloss Waldeck mit Museum Moderne Fahrgastschiffe Sommerrodelbahn inkl. weiterer Freizeitangebote Wassersport (Segeln, Wasserski, Tauchen, Baden, Angeln) Kultur (Hospitalhaus, Kirchen, Klosterruine) Zertifizierte Wandersteige Fahrradfern- und Rundwege Und viele weitere Seite 11

12 In direkter Nähe: FIS Skispringen in Willingen Residenzstadt Bad Arolsen Dokumenta Stadt Kassel Domstadt Fritzlar Kurstadt Bad Wildungen Nationalpark Kellerwald-Edersee Naturpark Kellerwald-Edersee Edertalsperre 4.4 Wettbewerbsanalyse Der Tourismusmarkt ist als gesättigter Markt einzustufen. Aus diesem Grund ist die Beobachtung des Wettbewerbs von hoher Wichtigkeit. Nur wer seinen Mitspieler genau kennt, hat in einem Verdrängungsmarkt Wachstumschancen, denn er kann künftiges Verhalten in die eigenen Investitions- / Strategieentscheidungen einfließen lassen. Die fundierte Wettbewerbsanalyse schafft Klarheit auf die Fragen: Wer ist unser Wettbewerber? Welche Stärken/Schwächen hat der Wettbewerb? Wo findet der Wettbewerb statt? Mit welchen Zukunftsstrategien operiert der Wettbewerb? Wie schätzt der Wettbewerb sich selbst ein? Wo steht der Wettbewerb heute? Daraus abgeleitet sind wichtige Parameter, wie z.b. Bedürfnisstruktur, Unique selling proposition (USP), Potentiale, Wahrnehmungen, etc. darstellbar und können künftige Entscheidungen von uns wesentlich positiv beeinflussen. Seite 12

13 Wie den operativen Marketingplänen zu entnehmen sein wird, muss ein Budget für diese Aufgaben zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich sind die Mitarbeiterinnen zu schulen und regelmäßig in der Verpflichtung, Daten zu diesen Fragestellungen zu erheben. 5 Die Zielmärkte Welche Märkte eignen sich besonders für die Vermarktung unserer Region, d.h. aus welchen Quellmärkten sollen künftig unsere Gäste kommen? Zur Beantwortung dieser Frage dienen auf der einen Seite unsere bereits vorliegenden Fakten aus Befragungen und anderen empirischen Unterlagen für die Region. Nach heutiger Einschätzung liegen hierfür jedoch kaum wissenschaftlich fundierte Papiere vor. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die bekannten Fakten in die folgenden Aussagen einfließen zu lassen; eine höhere Wertigkeit scheint jedoch in den überregionalen Studien und Trendforschungsunterlagen zu liegen. Für die Wichtigkeit dieser Unterlagen spricht zudem, dass eine Zukunftsstrategie zu entwickeln ist. Ein Weiter so ist nicht zielführend und hätte keinerlei positiven Effekt als Ergebnis. An dieser Stelle sei sehr deutlich dargestellt, dass dies nicht bedeutet, dass die aktuellen Aktivitäten nicht tragen oder gar zu reduzieren wären; vielmehr ist der Hinweis wichtig: Eine Steigerung der Wertschöpfung kann nur durch eine an heutige Erwartungen angepasste Herangehensweise gelingen. 5.1 Ausland Sicherlich sind Metropolregionen für ausländische Gäste von einer sehr hohen Anziehungskraft. Wir haben jedoch durchaus Argumente, die auch ausländische Gäste in unsere Region bringen können. Hierzu zählt zum ersten das Thema Märchen. Die deutsche Märchenstraße, mit einem magischen Dreieck direkt vor unserer Tür: W-W-W Wildungen, Waldeck, Wolfhagen ist für asiatische, aber auch amerikanische Gäste, von einer hohen Anziehungskraft. Aktuelle Anfragen aus dem asiatischen Raum für Journalistenreisen zeigen die Richtigkeit dieser Einschätzung. Wir haben in einem Umkreis von ca. 50 Kilometern mehr als 7 Schlösser und Burgen. Wenn wir also auf die Karte KULTUR setzen, sind wir mit den Märchen und Sagen der Region ein interessanter Partner für spezialisierte Reiseveranstalter. Seite 13

14 Ein weiteres Thema ist der Film Dambuster. Der Regisseur von Herr der Ringe, Peter Jackson, produziert zur Zeit den Film über den Angriff auf die Sperrmauern der Eder, Möhne und Sorpe im 2. Weltkrieg. Unter Beachtung der Interessen vieler Opferangehöriger unserer Region, ist die Vermarktung und damit verbunden auch historisch korrekte Aufarbeitung dieses schweren Schicksalsschlages unterhalb der Staumauer eine Chance, geschichtlich interessante Abläufe darzustellen. Dies kann dazu führen, dass z.b. ähnlich wie bei dem U-Bootmuseum in Laboe eine Gedenkstätte mit internationalem Anspruch entsteht. Pläne der Gemeinde Edertal, für das 100- jährige Staumauer-Jubiläum ein Dokumentationszentrum zu erstellen, sind dabei ein perfekter Rahmen. Mit dem Oberzentrum Kassel haben wir ebenfalls einen Magneten für ausländische Gäste. Die alle 5 Jahre stattfindende DOKUMENTA lockt eine Vielzahl von Kunst- und Kulturinteressierten aus der ganzen Welt direkt zu uns. Eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der Erlebnisregion rund um den Edersee und der Stadt Kassel, ggf. unter der Regie des Regionalmanagements Grimm Heimat Nordhessen, würde auch hier ausländische Gäste auf unser Kleinod aufmerksam machen. Neben eventuell vorhandenen weiteren Aspekten passt sich natürlich in die ausländische Vermarktungsfrage ganz besonders der einzigartige Nationalpark Kellerwald-Edersee ein. Die Initiative, Weltkulturerbe zu werden, macht diesen Punkt noch wichtiger. In Zeiten klimatischer Veränderungen stellt dieser Nationalpark die Möglichkeit dar, Fachleuten aus dem Forst, dem Tourismus, der Tier- und Pflanzenforschung, zentral in Europa, gut erreichbar, einen Forschungsraum für mannigfaltige Themenfelder zu geben. Damit könnte ein zusätzlicher Gästestrom angesprochen werden, der auch die wissenschaftliche Kompetenz direkt vor Ort stärken würde. 5.2 Deutschland Sicher ist, dass Deutschland als Quellmarkt für uns mit Abstand der wichtigste Erfolgsfaktor sein wird. Künftig wird es in Deutschland darum gehen, Alleinstellungsmerkmale für die eigene Region zu erarbeiten und diese auch zu vermarkten. Es reicht schon lange nicht mehr, eine schöne Gegend zu haben; man muss dies auch den potentiellen Gästen mitteilen. Die Befragung der Touristik Service Waldeck-Ederbergland GmbH aus dem Jahr 2008 zeigt sehr deutlich, dass im Untersuchungszeitraum ein Schwerpunkt der Anreise aus dem Rhein/Ruhr Gebiet zu verzeichnen ist. Befragungen einzelner Gastgeber in den ersten Wochen des Jahres 2010 zeigen, dass auch der Raum Frankfurt/Main in den vergangenen Jahren ein zunehmender Garant für sichere Auslastungszahlen war. Seite 14

15 Die Untersuchungen zum Outlet-Center im Jahr 2007 durch Herrn Dr. Brühne zeigen sehr deutlich, dass in einem akzeptablen Fahrtradius von ca. 2 Stunden knapp 14 Mio. potentielle Gäste wohnen. Kurzreisen sind seit langem im Trend; hier besteht die Möglichkeit, im Speckgürtel der Metropolen Rhein/Ruhr, Frankfurt/Main und auch Hannover eine Verbesserung der Reistätigkeit in unsere Region zu bewirken. 5.3 Region Wir sind Tagesausflugsziel. Durchaus interessant ist der nahe Edersee für viele Bürgerinnen und Bürger in einem Umkreis von 50 Kilometern. Es gibt jedoch leider keine gesicherten Aussagen über Quantität und Grund für den Ausflug. Ein wichtiger Anlass könnte das jeweilige Wetter sein d.h. wir sind ein Ausflugsziel für schönes Wetter: Hier scheint Potential für eine Steigerung gegeben. Neben vorhandenen Schlechtwetter -Alternativen ist es einfach wichtig, die Region auch über andere Themen an den Edersee einzuladen. Der kurze Erholungs-/Wellness- oder auch nur Ausspannungsurlaub ist möglich und kann recht kurzfristig umgesetzt werden. Damit ist die Region ein wichtiges und starkes Marketingfeld; also ein Quellmarkt für unsere Leistungsanbieter. 5.4 Klassifizierung der Märkte Angesichts der dynamischen und sehr heterogenen Entwicklung der touristischen Zielmärkte weltweit sowie der Vielzahl von Einflussfaktoren auf den Tourismus und damit auf das Reiseverhalten, muss ein breites Spektrum an relevanten Indikatoren für die Marktanalyse und bewertung herangezogen werden. Statistische Daten sind auf der einen Seite vergangenheitsbezogen und auf der anderen Seite selten vergleichbar. Benchmarks sind, wie o.g., eher für Teilaspekte anwendbar. Generelle Aussagen und, damit verbunden, Vergleiche mit besseren oder schlechteren Beispielen sind kaum möglich. Eine Klassifizierung der Märkte ist unbedingt notwendig. Zum einen besteht nur so die Möglichkeit, vorhandene, meist geringe monetäre Mittel, zielgerichtet einzusetzen. Auf der anderen Seite können Soll/Ist-Abweichungsanalysen ohne Festlegung von Zielen keine Aussagen treffen. Folgende Einteilung wird vorgenommen: Seite 15

16 Primärmärkte Diese stehen im Mittelpunkt der Marktbearbeitung. Aus diesen Märkten werden die notwendigen Volumina generiert. Die Aktivitäten sind aus diesem Grund kontinuierlich auszubauen. Rhein/Ruhr Frankfurt am Main Sekundärmärkte Hierbei handelt es sich um wichtige Märkte, deren Stabilisierung zu gewährleisten ist. Alle Aktivitäten müssen darauf ausgerichtet sein, dass KEINE Reduktion eintritt. Unsere Region, Niederlande Tertiärmärkte Die Aktivitäten werden nur reduziert durchgeführt. Zusätzliches Engagement erfolgt nur, wenn die Finanzierung durch mögliche Partner übernommen wird. England, Dänemark Zukunftsmärkte Hier besteht das größte Potential in die zukünftige (mittel- bis langfristige) Entwicklung. Der Marketingeinsatz wird ausgebaut. Amerika, Asien Die o.g. Einteilung muss nachvollziehbar sein. Außerdem ist es notwendig, dass ggf. Änderungen in den Märkten auch zu neuen, aber relativ objektiven Anpassungen der Klassifizierung führen. Aus diesem Grund ist die Nutzung eines Kennziffern-Systems sinnvoll. Solche Systeme werden in den unterschiedlichsten Branchen angewendet und haben den Effekt, dass eine Abkehr von spontanen Bauchgefühlen zu einem stets nachvollziehbaren Ergebnis führt. Für die Stadt Waldeck sind die folgenden Kennziffern als aussagerelevant angesetzt worden: Reisepotenzial (Anteil Erholungsurlaub) 15% Reisepotenzial (Anteil Aktiv-Urlaub) 5% Reisepotenzial (Anteil Kultur/Kunst-Urlaub) 5% Seite 16

17 Reisepotenzial (Anteil Wassersportler) 10% Durchschnittliche Ausgaben pro Person und Nacht 15% Durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Region 30% Qualität der Vertriebskanäle 10% Bevölkerungsstärke im Quellmarkt 10% 6 Zielgruppen Neben den Quellmärkten, also den Lieferanten für unsere Gäste, müssen auch die Zielgruppen entsprechend analysiert werden. Dabei sind sowohl die primären als auch die sekundären Zielgruppen zu untersuchen. Dies ist umso wichtiger, da die einzelnen Marketingaktivitäten sich dadurch ergänzen können und somit eine effiziente Mittelverwendung erfolgt Dies bedeutet: Wirtschaftlichkeit! Durch die zunehmende Vermischung einzelner Zielgruppen wird es immer schwieriger, eindeutig die jeweiligen Zielgruppen abzugrenzen. Eine professionelle Ansprache beider Zielgruppen (Business-to-Business und Business-to-Customer) ist unbedingt notwendig. 6.1 Gäste, potentielle Gäste Auch in dieser Ausarbeitung können viele Themen identifiziert werden, es können Thesen erarbeitet werden oder es wird nur auf vorhandene Untersuchungen externer Experten abgehoben; am Schluss ist das WICHTIGSTE: ein ZUFRIEDENER Gast. Was bewegt den Gast, in unsere Region zu kommen? Welches sind die wichtigen Schlüsselworte, um einen potentiellen Urlauber auf unsere Region aufmerksam zu machen? Warum sollten Gäste mehrmals in unsere Region kommen? Diese und viele weitere Fragen müssen mit vernünftigen Untersuchungen eine Zukunftsstrategie darstellen. Die Zielgruppe muss gläsern werden. Wie bereits erwähnt, liegt aus dem Jahr 2008 eine Befragung vor. Aus dieser können erste Wege für künftige Maßnahmen abgeleitet werden. Ziel von uns muss es jedoch sein, das vorhandene Geld nicht nur in wichtige Marketingmaßnahmen zu setzen; es erscheint wesentlich, vorausschauende Untersuchungen kontinuierlich durchzuführen. Seite 17

18 Die Zielgruppe Gast ändert sich künftig sicherlich in noch kürzeren Abständen. Ein Instrumentarium, dessen Motivation und Umsetzungen erahnen zu können, wird überlebenswichtig. Wie im Weiteren unter dem Punkt Produkt zu sehen sein wird, ist es von enormer Wichtigkeit, die unterschiedlichen Profile der Zielgruppe Gast näher zu differenzieren. Zum einen hilft es gerade in der Erarbeitung der Strategien, Klarheit in Bezug auf unterschiedliche Wünsche der bisherigen und auch künftigen Touristen zu bekommen. Auf der anderen Seite ist diese Arbeit auch für die regelmäßige Überprüfung und Anpassung der künftigen Herangehensweise notwendig. In Anlehnung an die Tourismus-Konzept-Studie des ADAC (Neues Denken im Tourismus, 1989) unterscheiden wir hier nach den Lebensstilen unserer Gäste: Im Denken, in Interessen und Wertvorstellungen Im Verhalten in Arbeit und Freizeit In materieller und kultureller Ausstattung der persönlichen Lebensführung Die in der damaligen Veröffentlichung aufgestellte These Lebensstil prägt Freizeit und Reiseziel, kann nach den Erfahrungen der letzten 20 Jahre durchaus geteilt werden. Somit treffen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Schlussfolgerungen zu. Der jeweils gewählte Lebensstil korreliert sehr stark mit den ausgesuchten Konsummöglichkeiten. Die Reisebranche stellt hier ein hochkomplexes Produkt dar. Der ruhige Badeurlaub an der Ostseeküste kann wenige Kilometer entfernt bereits ein Eventurlaub mit sämtlichen Unterhaltungsangeboten sein. Die wanderfreudige Mittelgebirgslandschaft ist ggf. ebenso eine hochgradig innovative Kulturlandschaft. Diese beiden kleinen Beispiele zeigen recht deutlich, dass die einfache Inwertsetzung einer Region heute mit weitem Abstand nicht mehr ausreichen wird, um Gäste für uns zu interessieren. Bevor unter dem Punkt Produkte auf die einzelnen Teilbereiche der Angebotspalette eingegangen wird, sollen an dieser Stelle die vier Profiltypen identifiziert werden. Aktive Genießer Spezialsportarten treiben, Fitness-Training machen, Einkaufen gehen, Top-Unterhaltung haben, Kontakte, Sehen und Gesehen werden Trendsensible Ökologische Interessen, Naturerfahrung, Kultur und Zeitgeist verfolgen, Körperbewusstsein, gesunde Ernährung praktizieren Seite 18

19 Familiäre Leichte, ungezwungene Bewegung in der Gruppe, miteinander wohnen, essen, spielen, aber ungezwungen ohne Einschränkungen, etwas unternehmen (Ausflüge, Besichtigungen, Ausflüge ohne Übernachtung) Nur-Erholer Schlafen, gut und schmackhaft essen, spazieren gehen, seine Ruhe haben, nett behandelt werden, nette Leute treffen, etwas für die Gesundheit tun Unter der Einbeziehung der sieben Bausteine bezüglich der Erwartungen an einen Urlaubsort (nachzulesen in Neues Denken im Tourismus, 1989) kommen für unsere nähere Region (Edersee) nur die zuletzt genannten drei Gruppen in Frage. Hier besteht auf der einen Seite die Chance, dass es keine konkurrierenden Anforderungen an den Urlaubsort gibt und auf der anderen Seite sind die erwarteten Charakteristika in unserer Region vorhanden. 6.2 Medien Ein zentraler Punkt für den Tourismus sind stets die Medien. Über Fachpublikationen, Zeitschriften und Fernsehen soll insbesondere überregional eine Verbesserung von Image hin zu einer Steigerung des Bekanntheitsgrades der Region geführt werden. Hinzu kommt der regionale Ansatz über die Tageszeitungen und den Hörfunk. Wenn es stimmt, dass alle Kanäle bespielt werden müssen, dann ist selbstverständlich in der heutigen Zeit das Internet ein wesentlicher Bestandteil der medialen Darstellung. Hilfestellung in der Gewichtung der einzelnen Mediensegmente gibt auch der vorliegende Marketingplan der Grimm Heimat Nordhessen. Hier beschreibt auf Seite 11 die Tabelle 5.3 das neben klassischen Broschüren (35 %) das Internet (53 %) deutlich an Wichtigkeit gewonnen hat und auch weiterhin gewinnen wird. Unter realistischer Einschätzung ist festzustellen, dass der Bekanntheitsgrad unserer Region noch gesteigert werden kann. Eine nicht stark bekannte Marke (Region) muss durch redaktionelle Beiträge nach vorne gebracht werden. Über derartige neutrale Darstellungen können positive Emotionen geweckt werden und somit kann mit recht geringem monetärem Aufwand eine Begleitstrategie zu den weiteren aktivierenden Werbeaktionen gefahren werden. Seite 19

20 Ein zusätzliches einfaches, aber doch wirkungsvolle Mittel ist die Wettervorhersage. Es sollte uns gelingen, durch eigene Veröffentlichungen (z.b. online im Internet) das wirklich vorhandene Wetter zu publizieren. Viele Gäste aus der näheren Umgebung sind kurzentschlossen und reagieren morgens sehr sensibel auf Wetterinformationen. Gleiches gilt sicherlich auch für die Informationen bezogen auf den Wasserstand, Windrichtung und stärke. Eventuell lassen sich hier noch weitere sinnvolle Angebote finden. 6.3 Reiseindustrie Als noch kleiner Anbieter im großen Teich des Tourismus erscheint es vermessen, hier einen besonderen Fokus zu etablieren. Da jedoch eine Partnerschaft mit den wichtigen Tourismusanbietern eine kontinuierliche Vermarktung in den Print Medien, den Reisebüros, den heutigen multimedialen Plattformen und nicht zuletzt der Mund-zu-Mund Propaganda sicherstellen kann, ist auch dieser Vermarktungsarm von extremer Notwendigkeit. Die Möglichkeit, die Reiseindustrie als Meinungsmultiplikator zu verwenden und damit verbunden durch standardisierte Ansprachen potentielle Gäste mit unseren Produkten vertraut zu machen, darf nicht unterschätzt werden. Hinzu kommt, dass derartige Bekanntheitsgrade auch dazu führen, weitere starke Anbieter auf unsere schöne Region positiv aufmerksam zu machen. 7 Was wird angeboten? Quellmärkte und Zielgruppen sind die Adressaten unseres Marketings. Ohne unser Angebot ist dies jedoch alles nichts wert. Nur wenn es uns gelingt, dem Gast die hohe Erlebnisdichte unserer Region - ein wesentlicher Grund für heutige Reisen (gerade bei Kurzreisen) - näherzubringen, haben wir Erfolg. Dabei steht Erlebnisdichte nicht nur für Aktion. Vielmehr ist darunter zu verstehen, dass der Gast während seines Urlaubs ein Maximum an Alternativen geboten bekommen kann. Ob und mit welcher Intensität er dies nutzt, ist individuell unterschiedlich möglich. Vielmehr ist es von zentraler Bedeutung, die Alleinstellungsmerkmale der Region Grimm Heimat Nordhessen herauszuarbeiten und dann quellmarkt- sowie zielgruppenorientiert zu vermarkten. Seite 20

21 Was ist nun die MARKE der Region, der Teilregionen oder der einzelnen Kommunen? Die Touristische Arbeitsgemeinschaft (TAG) Erlebnisregion Edersee hat unter der fachlichen Leitung des externen Tourismusexperten Projekt M und der hier tätigen Touristiker im Jahr 2007 vier Felder der Markenbildung identifiziert. In jüngster Zeit hat sich diese Auswahl um ein wesentliches Merkmal erweitert. Es wird in den unterschiedlichen Untersuchungen den Bereichen Gesundheit Kultur Radfahren Wandern Wasser die Destinationsausrichtung eingeräumt. Es dürfte Einigkeit darüber bestehen, dass es sich hierbei um allgemeine Aktivitätenfelder handelt. Ein Alleinstellungsmerkmal oder gar eine Marke ist schwer mit derart übergeordneten Beschreibungen zu erkennen. Es ist somit die Aufgabe, unverwechselbare Aktionen und dann eine Marke herauszuarbeiten. Bei der Größe unserer Region ist es sicherlich notwendig, unter einer Generalmarke unterschiedliche Untermarken herauszuarbeiten. So kann sich die Region als ganzes vermarkten und trotzdem kleinteilige besondere Anreize setzen. Grundvoraussetzung für diese Herangehensweise ist, dass die einzelnen Ausrichtungen sich, bezogen auf die Quellmärkte und die Zielgruppe, nicht widersprechen dürfen. Hierfür ist eine Koordination, z.b. über die gegründete TAG Erlebnisregion Edersee möglich. Auch die seit langem bestehende Tourismus GmbH des Landkreises kann diese Funktion übernehmen. 7.1 Generalmarke Edersee Viele Gespräche mit Urlaubern, Bürgerinnen und Bürgern der Region sowie die Auswertung der Unterlagen eingesetzter Tourismus-Consultant zeigen eindeutig als Generalmarke die unbelastete naturnahe Landschaft mit der zentralen Lage in Deutschland als Schirm für alle anderen Aktivitäten unserer touristischen Ausrichtung. Unter diesem Motto können ALLE Leistungsanbieter ihre Produkte herausarbeiten und sich authentisch einbringen. Seite 21

22 7.2 Wasserwelt EDERSEE Die Größe des Edersees, eine Verbindung zu den beiden weiteren Seen (Twistesee und Diemelsee), verbunden mit dem ungehinderten Zugang zur Wasserfläche, hebt sich bereits deutlich von vergleichbaren Urlaubsregionen in Deutschland ab. Die Qualität des Wassers ist seit vielen Jahren sehr gut und führt neben dem erholungs- sowie sportwirksamen Flair zu einem Fischreichtum besonderer Art. Die Wasserwelt EDERSEE stellt seit vielen Jahren in der Gesamtheit ein Alleinstellungsmerkmal der Region dar. Aus diesem Grund gehört das Thema Wasser ganz oben auf die Agenda der Vermarktung. Zu dem besonderen Angebot gehören: Interessante Tauchreviere Segelparadies mit verschiedenen überregionalen Ausscheidungswettbewerben Angelvergnügen mit einem enormen vielfältigen Fischangebot Badevergnügen an flachen und naturnahen Rändern des gesamten Edersees Sportmöglichkeiten vom Wasserski bis zum Surfen Moderne Fahrgastschifffahrt Fährbetriebe Verschiedene Events (Drachenbootrennen, Schwimmwagentreffen) Historie, bei reduziertem Wasserstand (sichtbar und begehbar werdende Bauwerke wie z.b. die Aselbrücke, Friedhofsreste Berich, Sperrmauermodell) Dies alleine steht bereits für eine herausragende Angebotsvielfalt. Wie oben beschrieben reicht es jedoch nicht aus, diese Vorzüge zu haben; sie müssen als Ganzes und damit als erlebbares Produkt Wasserwelt EDERSEE bekannt sein. Dazu zählen auch koordinierende Absprachen der Leistungsanbieter. Seite 22

23 7.3 Wanderwelt EDERSEE Wandern ist seit längerem ein Trend. Dieser passt sich wunderbar in die Erlebnisregion Edersee ein. Von der Edersee Touristic GmbH mit dem Geschäftsführer Wolfgang Müller richtig erkannt, wurden qualifizierte Wanderwege erarbeitet und zur Zertifizierung gebracht. Neben den vielen natürlichen Wanderwegen, die durch den Waldeckischen Heimat- und Gebirgsverein bereits seit mehreren Jahrzehnten erarbeitet und ausgewiesen wurden, sind zwei hochwertige Wanderrouten in der direkten Nachbarschaft zum Edersee als herausragendes Angebot zu beschreiben: Urwaldsteig Edersee Kellerwaldsteig Die Wege sind nicht nur ideale Wanderrouten, bestens ausgezeichnet, sondern haben ein Alleinstellungsmerkmal der besonderen Art: Vielfach besteht die Möglichkeit, den schönen, in einem Taleinschnitt gelegenen Edersee von einem erhöhten Standpunkt aus zu sehen und damit ein ausgesprochen hervorragendes Genussereignis zu erhalten. Unzählige Bilder, gerade von diesen Aussichtspunkten aus, bestätigen die emotionale Stärke eines Blickes, ggf. bei Sonnenauf- oder - untergang. Da der Weg allein noch nicht die Vermarktung des Produktes umfasst, zählt ganz deutlich auch die Dienstleistung der Leistungsanbieter dazu. Neben dem fast schon routinemäßig durchgeführten Shuttle-Service zu oder von Teilabschnitten der Wege gibt es eine Vielzahl von Zusatznutzen. Als Beispiele seien hier die Lunchpakete, besondere Routenzusatzinformationen, aber auch geänderte Essenszeiten in den Unterkünften genannt. 7.4 Radfahrwelt EDERSEE Das Rad hat sich in den vergangenen Jahren von seinem früheren eher schlechten Image deutlich befreit. Waren in den 80 er und 90 er Jahren Radfahrer eher die Seltenheit und galt der Fahrradtourist nicht immer als willkommen, so kann sicherlich für die letzte Dekade eine enorme Veränderung dieser Einschätzung festgestellt werden. Die Räder werden komfortabler, meist auch erheblich teurer und fügen sich in das nun gelebte Gefühl von Nachhaltigkeit besser ein. Die Fortbewegung per Rad verbindet viele aktuelle Moden. Neben der bereits erwähnten Nachhaltigkeit kommen Sportlichkeit, Naturnähe, etwas für die Gesundheit tun und nicht zuletzt auch Entspannung hinzu. Häufig ist Radfahren eine der wenigen Aktivitäten, die von der ganzen Seite 23

24 Familie unternommen werden können. Auch dieser Trend unserer Zeit wird durch das Rad hervorragend eingefangen. Ähnlich den Aussagen zum Wandern, sind viele Wege zu Radwegen ausgebaut und lassen sich hervorragend in den Urlaub einbinden. Die Leistungsanbieter sind auch auf diese Aktivitäten zunehmend besser eingestellt und können damit dem Urlauber ein Gefühl des Wohlfühlens vermitteln. Neben den drei ausgewiesenen überregionalen Radfernwegen ER 16 oder E (seit 2007) Ederauen-Radweg R 5 Eder-Fulda-Werra R 6 Waldecker Land ins Rheintal gibt es neuerdings den 70 km Kassel-Edersee-Radweg sowie mehrere kürzere Rundwege um den Edersee herum. Ergänzt wird dieses hervorragende Angebot durch 20 Radwege, die per GPS abgefahren werden können und damit eine Erweiterung des Streckenangebots, aber auch der technischen Möglichkeiten, erlauben. Bereits in Teilstücken fertiggestellt, wird ab 2012 der Radweg von Korbach bis nach Buhlen auf der ehemaligen Bahntrasse ein weiteres Highlight darstellen. Durch diesen asphaltierten Radweg besteht die Möglichkeit, die Kreisstadt ohne größere Schwierigkeiten praktisch auf ebener Strecke aus der Edersee-Region heraus zu erreichen. Vielfältige gastronomische sowie einfache Rastmöglichkeiten erlauben dem Nutzer, die ca. 22 km entspannt - selbst mit kleineren Familienmitgliedern - zu bewältigen. Abgerundet wird das dargestellte Angebot durch eine vernünftige Anzahl an praktischen Radfahrprospekten mit der Abbildung der Streckenführung sowie der Einarbeitung von interessanten Wegmarken zur Besichtigung bzw. zum Verweilen. Seite 24

25 7.5 Kulturwelt EDERSEE Die Darstellung unter den Punkten Quellmärkte und auch Zielgruppen haben die Bedeutung des Themenfeldes Kultur angedeutet. Wir verfügen über eine überdurchschnittliche Qualität und Quantität derartiger Ziele. Da Urlauber durchaus bereit sind, innerhalb eines Radius von 50 km attraktive Einzelereignisse während des Urlaubs aufzusuchen, ist die Unterscheidung in nähere Ziele und etwas entfernter liegende Anlaufstellen sinnvoll. Zudem ist zu beachten, dass einige Kulturereignisse regelmäßig für den Besucher zur Verfügung stehen; andere wiederum finden zwar regelmäßig, aber nicht jährlich, statt Kultur in der Nähe Auch wenn der Begriff der Nähe unterschiedlich definiert werden kann, sollen hier die Orte und auch Veranstaltungen als Angebot aufgelistet werden, die in gefühlter direkter Umgebung des Edersees liegen. Als Anhaltspunkt halten hierbei Aussagen von Leistungsanbietern her. Die Heimat der Gebrüder Grimm hält einige interessante Schlösser und Burgen als Angebot bereit. Hier sind Anlagen in einem vollständig renovierten Zustand ähnlich interessant wie z.b. Burgenreste. Da nicht alle aufgezählt werden können, soll hier eine kleine Auswahl mit dem Blickwinkel der Stadt Waldeck als Beispiel genügen: Schloss Waldeck (mit Hotel, Museum, Ausblick auf den Edersee) Schloss Friedrichstein, Bad Wildungen Schloss Dalwigksthal, Lichtenfels Residenzschloss, Bad Arolsen Dom, Fritzlar Synagoge, Vöhl Kloster Marienthal, Netze (gotischer Flügelaltar von 1370, eine der ältesten Glocken Deutschlands) Klosterruine, Ober Werbe Burgruine Weidelsburg, Wolfhagen-Ippinghausen Schloss Wilhelmshöhe, Kassel Seite 25

26 Die genannten Liegenschaften verfügen über eine Besuchersteuerung und sind auch für viele Bürgerinnen und Bürger der Region ein attraktives Ausflugsziel. Zusätzlich gibt es natürlich noch andere kulturelle Schätze, die kurz und beispielhaft aufgelistet werden: Historische Veranstaltungen (Freischießen, Schützenfeste, Heimatfeste) Events (Kunst- und Kulturfest Edersee Kreativ ) Musikveranstaltungen (z.b. 2. Heeresmusikkorps, Liederabende) Kultur in der Region Zieht man den Kreis der Kulturveranstaltungen größer, verliert man sich schnell. Wichtig für die Vermarktungsstrategie sind nicht die vielen kulturell wertvollen Veranstaltungen als Einzelthema, sondern vielmehr die notwendige Auflistung der Möglichkeiten und deren Entwicklung als Gesamtangebot; eine Aufgabe der Zukunft. Erwähnt werden müssen allerdings die Möglichkeiten des Oberzentrums Kassel. Neben dem Staatstheater mit vielen wunderschönen Aufführungen ist die enorme Museumslandschaft der Stadt Kassel ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen. Mit einer Fahrtzeit von nicht einmal 45 Minuten besteht die Möglichkeit, die vielfältigen - auch für jüngere Besucherinnen und Besucher - attraktiven kulturellen Orte aufzusuchen. Ein weltweit bekanntes Alleinstellungsmerkmal der Region ist die DOKUMENTA. Alle fünf Jahre stellt die Stadt Kassel der interessierten Öffentlichkeit Kunst dar, die in dieser Form an keiner anderen Stelle der Welt zu sehen ist. 7.6 Gesundheitswelt EDERSEE Der 5. Kondratieff beschreibt die derzeitige Epoche als Gesundheitsabschnitt. Dabei zielen die gesellschaftlichen Ansprüche und Wünsche vorwiegend darauf ab, der eigenen Gesundheit positiv gegenüber zu stehen. Vielfach ist dies bereits erkannt; die Finanzierung derartiger Wünsche erscheint z.z. noch nicht gesichert und wird künftig mit hoher Wahrscheinlichkeit noch justiert werden. Das Angebot unserer Erlebnisregion Edersee ist hier allerdings sehr hoch einzuschätzen: Mit der Stadt Bad Wildungen befindet sich in unmittelbarer Nähe der zweitgrößte Reha-Standort in unserer Region. Die Übernachtungszahlen mit weit über 1 Mio. machen deutlich, dass neben der Seite 26

27 ökonomischen Wichtigkeit auch eine fachliche Kompetenz in direkter Nähe vorhanden ist. Ärzte und Krankenkassen aus der gesamten Bundesrepublik müssen dies so einschätzen; andernfalls würden die Patienten sicherlich an anderen Orten betreut werden. Immer deutlicher zeigt sich, dass die Leistungsanbieter im Klinikumfeld auch auf Selbstzahler und damit auf zusätzliche Patienten, oder besser gesagt Gäste, eingehen. Ergänzt wird dieses Angebot durch die Aktivitäten in Bad Zwesten, ebenfalls ein qualitativ anerkannter Reha-Standort. Auch Bad Emstal (Richtung Kassel gelegen) ist hier zu nennen und kann einen zusätzlichen Qualitätsbaustein liefern. Zur noch besseren Nutzung dieses Bausteins kann gegenüber anderen Destinationen die zusätzlich hohe Versorgung mit qualifizierten Akutbetten angeführt werden. Häufig liegen, ähnlich wie bei uns, die meisten Reha-Kliniken in landschaftlich besonders attraktiven Regionen. Dabei ist festzustellen, dass nicht selten die Strukturschwäche genau dieser touristischen Regionen, häufig an den Rändern der Republik mit entsprechend geringer akutärztlicher Versorgungssicherheit gelegen, Gefahren mit sich bringen kann. Die Erlebnisregion Edersee hat als Angebot die Sicherheit (auch für Eltern), mit sehr kurzen Wegen akutmedizinische Herausforderungen enorm kompetent zu lösen. Die heilklimatischen Vorzüge der Region sind durch unterschiedliche Qualitäten, wie z.b. die Auszeichnung Luftkurort Waldeck, ebenfalls erfasst und werden regelmäßig evaluiert. Das Thema Gesundheitsprävention ist in aller Munde. Hier können sich zielgerichtete Zusammenschlüsse ergeben oder auch beispielsweise neue unternehmerische Selbstständigkeiten mit innovativen Ideen entstehen. Und wenn es dem Urlauber dann und wann gelingt, das in einer wunderschönen Urlaubsregion Erlernte zu Hause im Alltag anzuwenden, ist ein weiterer Brückenschlag gelungen. Dann ist dem Gast auch lange über den Urlaub hinaus geholfen und die Mund-zu-Mund Propaganda wird einsetzen. Darüber hinaus ist der heilklimatische Effekt nicht zu vernachlässigen und sollte dementsprechend noch deutlich mehr durch entsprechende Aktivitäten propagiert werden. Seite 27

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