Teil III: D e r T r e n d ( 2 )

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1 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil III --- Seite 1 von 5 Teil III: D e r T r e n d ( 2 ) In der letzten Folge habe ich Ihnen die grundlegenden Komponenten des Trendkonzepts vorgestellt. Aber die Möglichkeiten, die uns die Technische Analyse im Umgang mit den Trends gibt, sind damit bei weitem noch nicht erschöpft. Auch im zweiten Teil des Trend-Kapitels zeige ich Ihnen interessante und nützliche Trend- Überlegungen. Ein Trend existiert solange bis er bricht! So lautete einer der Grundsätze beim letzten Mal. Und doch - manchmal kommt ein Trendbruch, verglichen mit den zurückliegenden Highs, reichlich spät und vor allem tief. Gut, meistens immer noch deutlich höher als der Einstandskurs. Aber gibt es da nicht doch noch andere methodische Möglichkeiten, um schon vorher und vor allem höher, natürlich am besten in High-Nähe aus dem Trend auszusteigen? - Es gibt sie, diese Möglichkeiten. Sogar mehrere, wie Sie schon in der nächsten Folge bei den Unterstützungen und Widerständen erneut sehen werden. Antizyklisch aussteigen heißt, oben aussteigen. Die Frage lautet also: Wo ist oben? Ein ganz probates Mittel, dieser Frage näher zu kommen, liefert das Trendkonzept selbst: den Trendkanal. Der Trendkanal oder: Der antizyklische Ausstieg Was ist ein Trendkanal? Die Kanallinie ist wie skizziert eine Parallele zur Aufwärtstrendlinie durch eine oder mehrere markante Hochpunkte. Beide Linien begrenzen den sogenannten Trendkanal. Sprengt ein neues Hoch den ursprünglichen Trendkanal nach oben, wird die Kanallinie später geeicht, indem die Kanallinie dann durch das neu entstehende Hoch verläuft. Bei den DAX-Charts (s.u.) sehen wir gleich ein Beispiel dafür. Bei den DAX-Charts sehen wir aber noch etwas viel wichtigeres: In der Praxis funktioniert, was die Theorie vorgibt! Gerade für den werdenden technischen Analysten sind diese Erfahrungswerte des "Funktionierens" ganz, ganz wertvoll. Ein erfolgreicher technischer Analyst kann nur sein, wer an das glaubt, was er sieht! Der Trendkanal: Das charttechnische Motiv Der Trendkanal hat die Tendenz, einen Kursanstieg auch beim nächsten mal zu bremsen. Und das funktioniert wirklich - wesentlich öfter, als es daneben liegt. Das ist entscheidend! Der Trendkanal ist immer ein "Thema". Warum? Bei der technischen Analyse geht es mitunter um die Frage: Wo hat eine Aufwärtsbewegung ein charttechnisches "Motiv", aufzuhören? "Motiv" ist dabei grafisch zu verstehen und meint letztendlich nichts anderes als "Linien". Trendlinien oder Kanallinien etwa, oder Unterstützungen und Widerstände.

2 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil III --- Seite 2 von 5 Ein Trend hat allerbeste Chancen, sich weiter zu entwickeln, solange sich ihm keine dieser Linien in den Weg stellen. Solange hat er schlichtweg kein "Motiv", anzuha l- ten. Schön gedacht? Nein, die Praxis bestätigt das Gesagte vollständig! Und das macht die technische Analyse stark. Allerdings noch nicht den Analysten. Denn nur wer das Spiel mit den Linien, mit den Motiven beherrscht, wird damit auch Erfolg haben. Und es ist wie meistens im Leben: Das Lehrbuchstudium oder auch dieser Kurs sind nur die Grundvoraussetzungen. Ein erfolgreicher technischer Analyst werden Sie nur durch einen kontinuierlichen Methodikaufbau. Und das heißt: Üben, üben, üben! Warum funktioniert der Trendkanal? Wieder sind die Menschen die Grundlage der Überlegung, die einen Kanal erzeugen. Vieler dieser Menschen verfolgen den Kursverlauf, und dadurch nehmen sie alle die Kanallinien visuell wahr. Auf der Suche nach einem grafischen Ausstiegsmotiv stechen Kanallinien in Ermangelung anderer Linien oft sehr schnell ins Auge. Manchmal als unmittelbares Ziel, manchmal als Fernziel. Berücksichtigt man, dass wahrscheinlich auch noch viele andere Marktteilnehmer die Kanallinie als Ausstiegsmotiv entdeckt haben, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass in der Nähe der Kanallinie ta t- sächlich das nächste markante High liegen wird. Zumindest ist es an diesem Punkt wahrscheinlicher als irgendwo anders im Chart. Nun erkennen Sie, warum der Kanal immer ein "Thema" ist. Aber vor allem auch darüber sprechen, was ist, solange es kein "Ausstiegsmotiv" gibt. Solange läuft der Trend, sehr oft sogar in Form von regelrechten Rallyes - und das wiederum öfter, als daß nicht. Beispiel: Nachdem der DAX im Dezember 1999 das All-Time-High bei Punkten herausgenommen hatte, war er endgültig und widerstandslos (motivlos) frei bis zum langfristigen Trendkanal bei etwa Punkten. Deshalb, und nur deshalb hat der DAX diese Rallye hingelegt und schon am ersten Januartag das Zielgebiet erreicht! - Meine Leser haben das übrigens vorher gewusst. Ach ja, was den 3. und den 4.Januar angeht: Kaum hat der DAX wieder ein Motiv In der letzten Folge habe ich Ihnen die grundliegenden Komponenten des Trendkonzepts vorgestellt. Aber die Möglichkeiten, die uns die Technische Analyse im Umgang mit den Trends gibt, sind damit bei weitem noch nicht erschöpft. Auch im zweiten Teil des Trend-Kapitels zeige ich Ihnen interessante und nützliche Trend- Überlegungen. Der Trendkanal in der Praxis Nun aber zu den Trendkanälen in der Praxis - nur sie zeigen die Wahrheit. Und es trifft sich gut. Das zentrale Chartthema beim DAX sind in diesen Tagen auf kurze, mittlere und lange Frist die Trendkanäle. Im kurzfristigen DAX-Chart sehen wir ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine Rallye den ursprünglichen Trendkanal (jetzt mittlere Linie) nach oben gesprengt hat. Das widerspricht zunächst der Grunderwa r- tung, dass der Kanal den Kurs aufhält. Ein Grund dafür könnte sein, dass es im Langfristchart auf diesem Niveau keinerlei Widerstände gibt, und dass ein viel dominanteres Langfristthema den DAX beinahe förmlich anzieht. Auf jeden Fall zeigt so ein Trendkanal-Verhalten einen besonders starken Markt an.

3 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil III --- Seite 3 von 5 DAX-Index - daily Candlestick Fazit: In der Regel ist es schwer, einen Trendkanal zu sprengen. Es passiert deshalb auch nicht allzu oft und nur in starken Trendmärkten. Je steiler der Winkel eines Trendkanals ausfällt, desto schwieriger wird es natürlich, den Trendkanal zu sprengen. Umso aufdringlicher wird es daher, ihn als Ausstiegsmotiv heranzuziehen. Aber gehen wir weiter im Chartverlauf. Der DAX hatte bei Punkten ein neues High gesetzt, das nach zwei Tagen Konsolidierung als markant eingestuft werden konnte und so ein Ausrichten der Kanallinie nach oben rechtfertigte. Ab sofort war die neue Kanallinie das Kursziel. Weshalb mindestens ein weiterer Test der Kanallinie zwingend war, werden wir an anderer Stelle besprechen. Aber dort war das entscheidende Thema nach oben. Würde es dem DAX erneut gelingen, den Kanal zu sprengen, zumal man ja noch nicht von einer sonderlichen Signifikanz (Anzahl der Berührungspunkte), sondern doch mehr von einer Annahme sprechen konnte? Die Grunderwartung heißt immer: Nein! Chance ja, Wahrscheinlichkeit nein! Wie damit umgehen? Beim Erreichen des Kanals einfach antizyklisch aussteigen, ist eine ganz simple aber oft sehr gewinnbringende Maßnahme. Diese Variante besitzt methodisch absolute Gültigkeit. Und das Risiko besteht darin, dass der DAX es eben doch schafft - und dann lassen Sie einige Punkte aus, bis Sie es merken. Oder: Es müssen ja nicht gleich antizyklische Shorts sein. Wie schon erwähnt: Gerade diese aggressive antizyklische Spielart ist zwar sehr reizvoll, erfordert für den Erfolg aber einige Erfahrung. Der Erfolg einer Kanal-Attake Einfach antizyklisch aussteigen - eine Variante. Ich möchte an dieser Stelle aber schon einmal ein Ablaufmuster ins Gespräch bringen, das wir sehr häufig antreffen, und das uns noch detailliertere Informationen über den Erfolg einer Kanal-Attacke verrät. Sehr häufig erleben wir, dass eine Rallye nicht exakt am Kanal endet, sondern zunächst ein Stück weit darüber läuft. Dann erst kommt die Stunde der Wahrheit. Die Frage lautet ab da nämlich nicht mehr: Gelingt der Ausbruch?; sondern: Ist der Ausbruch echt? Oder kommt es zu einem Rebreak unter die Ausbruchsmarke? Und diese Botschaft lässt sich so wiedergeben. Der Markt hat es probiert, er hat es nicht geschafft, er ist offensichtlich im Moment nicht in der Lage dazu, nicht jetzt und nicht hier. Und wer nicht rauf kann, der muss eben runter. Aufgrund dieser Kausalkette sind diese False-Breakouts (Fehlsignale) mit die allerbesten Korrektursignale. Meistens kommen sie auch recht früh, also noch weit oben - auch das macht die False-Breakouts interessant und wertvoll.

4 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil III --- Seite 4 von 5 Das Kanal-False-Break am DAX-Beispiel Auch der DAX hat am so ein Kanal-False-Break erlebt. Das war das erste prozyklische Ausstiegssignal noch in Topnähe. Das Rebreak unter das Vorgängerhigh bei brachte dann das nächste und sehr eindeutige Ausstiegssignal - ich komme im nächsten Kapitel auf genau dieses Beispiel zurück. Ja, und schließlich brachte die Rückkehr in den ursprünglichen Kanal das nächste Verkaufsignal. Auch hier handelt es sich um ein False-Breakout mit Rebreak. Für diese Interpretation macht es gar nichts aus, daß einige Tage dazwischen liegen. Nun, hier endet der aktuelle Chart. Klar, die Schwäche geht erst einmal weiter, da dem DAX schlichtweg ein "Motiv" zum Anhalten fehlt (nur damit wir diese Argumentation auch einmal umgekehrt, also nach unten, sehen). Das nächste "Thema" ist zweifellos der Basis-Aufwärtstrend. Wird er halten? Zunächst gilt wieder der Grundsatz: Im Zweifelsfalle für den Trend. Oder: Ein Trend e- xistiert so lange, bis er bricht. Um die Chancen und Risken in diesem speziellen Fall aber treffsicher beurteilen zu können, benötigen wir noch weitere technische Werkzeuge, die wir in den nächsten Wochen besprechen werden. DAX-Index - monthly Barchart: Wie konnte der DAX in den letzten Wochen diese Rallye hinlegen? Das fragen sich viele - nicht aber der technische Analyst. Noch mal zur Ausgangslage: Nach dem Überwinden des alten All-Time-High bei Punkten war der DAX schlichtweg charttechnisch frei. Frei bis zum skizzierten langfristigen Aufwärtstrendkanal seit 1983 bei Anfang Januar etwa Punkten. Und der ist ja sowieso ein alter Bekannter. Schon im April 1998 war es möglich, anhand der Kanallinie ein Kursziel für den Sommer von damals unglaublichen Punkten zu prognostizieren. Es hat geklappt! Im Juli 1998 wurde der Kanal dann sogar überschritten. Aber nur kurzfristig - das Rebreak brachte auf einem traumhaften Niveau das erste Ausstiegssignal. Die scheinbar banale Strategie: Antizyklischer Ausstieg am Kanal hat nicht nur satte Gewinne gebracht, sondern es hat einem auch das ganze Herbstdesaster danach erspart. Spätestens jetzt sollten Ihre letzten Zweifel verfliegen. Es funktioniert! Auch jetzt hat der DAX den langfristigen Kanal übrigens wieder nicht nur erreicht, sondern zeitweilig überschritten. Auch diesmal kam es zu einem schnellen Rebreak, und wir sehen auch schon eine erste scharfe Baisse-Attacke. Was tun? Ist die Hausse nach dem Erreichen des Kursziels und nach dem False-Break wieder einmal vorbei? Das ist in der Tat die aktuell zentrale Frage beim DAX! Tipp: Zu diesen methodischen Aspekten der DAX-Trendkanäle finden Sie im "TA- Spezial" die aktuelle Markteinschätzung.

5 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil III --- Seite 5 von 5 Der Kreuzwiderstand Der Langfristchart zeigt uns übrigens noch eine besondere Konstellation des Trendkanal-"Widerstandes", den von mir sogenannten "Kreuzwiderstand". Von einem Kreuzwiderstand spreche ich dann, wenn sich zwei Trendkanäle schneiden. Auch beim aktuellen DAX gibt es im Langfristchart ja noch einen zweiten, einen mittelfristigen Aufwärtstrendkanal. Und dessen obere Kanallinie verläuft im Moment nur unwesentlich über dem Langfristkanal. Die beiden Linien bilden also eine Widerstandszone (auch hier eine Parallele zum 98er-Thema). So ein Kreuz- oder Doppelwiderstand ist richtig stark und nur ganz schwer zu nehmen. Es klappt so gut wie nie! Und diese Quote vergebe ich selten. Ich möchte bei einem Kreuzwiderstand deshalb auch nicht mehr von Ausstiegsmotiv, sondern schon von Ausstiegsnötigung sprechen. Aber das ist nur die eine Botschaft des Kreuzwiderstandes. Es gibt noch eine zweite und ähnlich zuverlässige. Ein Kreuzwiderstand ist ein dermaßen markanter und im Chart dominanter Punkt, dass er als "Thema" den Kurs förmlich anzieht. Auch das übrigens mit einer wirklich beeindruckenden Quote. Er zieht den Kurs zunächst an, bevor er sich danach als unüberwindliches Hindernis erweist. Warum ich Ihnen das so ausführlich darlege? Nun, ich zeige Ihnen damit auf, wie es eben möglich war, schon beim Überschreiten von Punkten zu prognostizieren, das der DAX jetzt zügig auf (+ False-Break-Toleranzen) laufen wird. Es funktioniert! Antizyklischer Ausstieg versus Drinbleiben Nach den Trendlinien haben wir nun auch die Kanal-Philosophie ausführlich erörtert. Die entscheidende Frage ist aber immer noch unbeantwortet. Soll man nun am Kanal antizyklisch aussteigen oder nicht? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn dafür hängt sie zu sehr mit Ihrem individuellen Profil in Sachen Anlagezeitraum und Umschlagshäufigkeit zusammen. Nehmen wir den Trendkanal beim DAX auf Tagesbasis. Lohnt es sich etwa für den mittelfristigen Anleger, aus der Hausse auszusteigen, nur weil der Trendkanal einmal erreicht wurde, er aber nach einer kurzen Konsolidierungspause erneute Highs erwarten kann? Wohl kaum. Er lässt sich so leicht nicht rausjagen, für ihn besitzt der Bruch des Basisaufwärtstrends als Verkaufsignal eine viel größere Bedeutung. Es kommt immer darauf an, dass die Fristigkeit der Analyse (hier ein kurzfristiger Trendkanal) auch zur Anlagefristigkeit paßt! Für den Kurzfrist-Trader etwa sieht es schon ganz anders aus. Er ist womöglich schon pleite, wenn irgendwann einmal der Aufwärtstrend gebrochen wird und er bis dahin immer noch long ist. Für ihn ist ein antizyklischer Ausstieg am Kurzfristkanal wesentlich interessanter, ja sogar schon erstrebenswert! Er will ja schließlich unten am Trend auch wieder einsteigen - und da braucht er Geld und keine unrealisierten Verluste auf dem Buch! Kommen wir noch einmal zum Anleger zurück. Auch für ihn ist der Kurzfrist-Kanal natürlich nicht ganz wertlos. Und wenn die obere Kanallinie nur dazu dient, ihm mitzuteilen, dass bei Ihrem Erreichen wohl nicht der optimale Einstiegszeitpunkt für zusätzliche Basisinvestments gekommen ist. Was den Anleger aber eigentlich interessiert, ist der Langfristchart. Das ist seine Fristigkeit! Aber die sollte ihn jetzt nach dem Test des Langfristkanals auch unbedingt interessieren!

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