BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit

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1 BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit IK Einkommen, Beschäftigung und Finanzmärkte (Einheit 2) Friedrich Sindermann JKU Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

2 Einführung Überblick Bruttoinlandsprodukt Inflationsrate Arbeitslosenrate Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

3 Berechnungsarten Bruttoinlandsprodukt = Maßzahl für die gesamtwirtschaftliche Produktion einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum (z.b. ein Jahr) Berechnung aus Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (VGR) 3 Berechnungsarten: Entstehungsrechnung: Summe der (Brutto-)Wertschöpfungen Verwendungsrechnung: Summe der Endnachfrage Verteilungsrechnung: Summe der Einkommen Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

4 einfachster volkswirtschaftlicher Kreislauf Einkommen Arbeitsleistung Unternehmen Haushalte Endprodukte Konsumausgaben Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

5 Berechnungsbeispiel Entstehungsrechung: ( ) + ( ) = = 1200 Verwendungsrechnung: 1200 Verteilungsrechnung: ( ) + ( ) + ( ) = = 1200 Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

6 BIP 2010 (in Mrd. USD) Welt: EU-27: USA: Euroraum: China: Japan: Deutschland: Frankreich: Subsahara-Afrika: Österreich: 366 Griechenland: 305 Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

7 Internationaler Vergleich zwischen Ländern mit unterschiedlichen Währungen in einheitliche Währung umrechnen zwischen unterschiedlich großen Ländern: BIP in Relation setzen z.b. BIP pro Kopf, BIP pro Beschäftigtem zwischen Ländern mit unterschiedlichen Preisniveaus: ein Dollar hat in der Schweiz weniger Zahlungskraft als in Indien Vergleich in Kaufkraftparitäten: Umrechnungskurs um Kaufkraft zwischen Ländern vergleichbar zu machen Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

8 Preisniveaus in Europa ( EU-27: 100, Quelle: Eurostat) Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

9 BIP pro Kopf in KKP EU-27: USA: Euroraum: China: Japan: Deutschland: Frankreich: Subsahara-Afrika: Österreich: Griechenland: Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

10 BIP als Wohlstandsmaß im BIP nicht berücksichtigt: Verteilung Umweltfolgen ( defensive Kosten ) und Ressourcenverbrauch Hausarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit, Schattenwirtschaft politische Zustände, Gesundheitsversorgung, etc.... daher zur Wohlstandsbewertung eines Landes zusätzliche Indikatoren notwendig: z.b. Kindersterblichkeit, Einkommensungleichheit, Menschen in Armut, Umweltverschmutzung,... Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

11 BIP im Zeitverlauf bei Vergleich von BIPs aus unterschiedlichen Jahren müssen Preisänderungen berücksichtigt werden Nominales BIP = BIP zu jeweiligen Preisen = ey das nominale BIP steigt durch Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktionsleistung Anstieg des Preisniveaus Reales BIP = preisbereinigtes BIP = Y das reale BIP steigt durch Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktionsleistung Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

12 Beispiel (aus Lehrbuch) Betrachte Wirtschaft, in der nur ein Gut (Auto) produziert wird produzierte Nominales Reales BIP Jahr Menge Autopreis BIP (in 2009 Preisen) e e e e e e e e e Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

13 reales BIP als Mengenindex reales BIP ist ein Mengenindex Mengen der jeweiligen Jahre werden mit - je nach Methode unterschiedlichen - Preisen gewichtet Mengenindex nach Laspeyres: Laspeyres-Mengenindex = Mengenindex nach Paasche: Paasche-Mengenindex = kettengewichteter Mengenindex: kettengew. Mengenindex = Menge in Jahr 2 zu Preisen in Jahr 1 Menge in Jahr 1 zu Preisen in Jahr 1 Menge in Jahr 2 zu Preisen in Jahr 2 Menge in Jahr 1 zu Preisen in Jahr 2 Menge (Jahr 2) zu durchschn. Preisen aus Jahr 1 und 2 Menge (Jahr 1) zu durchschn. Preisen aus Jahr 1 und 2 Alternativ: Verwendung des geometrischen Mittels der nach Paasche und Laspeyres ermittelten Wachstumsraten Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

14 Reale Wachstumsraten g yt = Wachstumsrate des realen BIPs im Zeitpunkt t: g yt = Yt Y t 1 Y t 1 = Yt Y t 1 1 im Beispiel: g y2009 = = 0.2 Reales BIP schwankt in Konjunkturzyklen: Expansion - Gipfel - Rezession - Erholung - Expansion -... Rezession = reales BIP schrumpft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen Reales BIP schwankt saisonal: z.b. Rückgang der Bauwirtschaft in Wintermonaten Quartals- und Monatsdaten des BIPs müssen saisonal bereinigt werden Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

15 Reales BIP-Wachstum in Österreich (Quelle: Eurostat) Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

16 Inflation Messung von Inflation / BIP-Deflator Anstieg des Preisniveaus = Inflation Rückgang des Preisniveaus = Deflation Veränderungsrate des Preisniveaus = Inflationsrate Wie sollen Preisänderungen in einem Land gemessen werden? Möglichkeit 1: BIP-Deflator Messung aus Unterschied zwischen nominalem und realem BIP BIP-Deflator = P t = Nominales BIPt Reales BIP t = ey Y erfasst Preisänderungen der in einem Land produzierten Güter und Dienstleistungen, aber: Teil dieser Güter wird von Unternehmen, Staat oder Ausland gekauft Teil der in einem Land konsumierten Güter stammt aus Ausland Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

17 Inflation Messung von Inflation / Verbraucherpreisindex daher Möglichkeit 2: Verbraucherpreisindex (VPI) Ziel: Erfassung der Preisentwicklung der von einem durchschnittlichen Haushalt konsumierten Güter und Dienstleistungen basierend auf einem repräsentativen Warenkorb 791 Waren und Dienstleistungen große Aktualisierung alle 5 Jahre (aktuell VPI 2010) früher Laspeyres-Index, heute Kettenindex (jährliche Anpassung) Harmonisierter VPI (HVPI): Erfassung der Inflation nach EU-weit standardisiertem Verfahren kein einheitlicher Warenkorb, sondern Richtlinien, nach denen vorgegangen werden muss Kettenindex Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

18 Inflation Inflation Verbraucherpreisindex ist Preisindex: Preise der jeweiligen Jahre werden mit - je nach Methode unterschiedlichen - Mengen (Warenkorb) gewichtet Methoden analog zu Mengenindex: Laspeyres-Index, Paasche-Index, Kettenindex ausführliche Informationen zum Verbraucherpreisindex: verbraucherpreisindex_vpi_hvpi/index.html im weiteren Verlauf des Kurses: keine Unterscheidung zwischen BIP-Deflator und VPI P t... Preisniveaus im Jahr t (= BIP-Deflator) π t = Pt P t 1 P t 1... Inflationsrate im Jahr t Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

19 Inflation BIP-Wachstum und Inflation Zusammenhang zwischen Wachstumsrate des nominalen BIPs (ey gt ) Wachstumsrate des realen BIPs (y gt ) und Inflationsrate (π t ) 1 + ey gt = (1 + y gt )(1 + π t ) ausmultipliziert: 1 + ey gt = 1 + y gt + π t + y gt π t näherungsweise (bei kleinem y gt und π t ): ey gt y gt + π t analog: y gt ey gt π t d.h. reale Wachstumsrate nominale Wachstumsrate abzgl. Inflation Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

20 Arbeitslosenrate Messung der Arbeitslosenrate Erwerbsbevölkerung (L) = Erwerbstätige (N) + Arbeitslose (U) Arbeitslosenquote u = U L Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

21 Arbeitslosenrate Messung der Arbeitslosenrate (Methoden) Wer gilt als arbeitslos? Wer gilt als erwerbstätig? Nationale Methode: arbeitslos: wer bei Arbeitsmarktservice als arbeitslos gemeldet ist und sich nicht in einer Schulung befindet erwerbstätig: alle unselbständig Beschäftigten (nicht: geringfügig Beschätigte, freie Dienstnehmer) EU-Methode (labour force Konzept): Erhebung durch Umfragen arbeitslos: sucht aktiv nach Arbeit und war in Bezugswoche nicht beschäftigt erwerbstätig: hat in der Bezugswoche mind. 1 Stunde gearbeitet Arbeislosenrate nach EU-Methode immer niedriger, da hier mehr Menschen zu Erwerbspersonen zählen Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

22 Arbeitslosenrate Arbeitsmarkt in Ö (3. Quartal 2010) Erwerbspersonen: 76% der 15-64jährigen (4,26 Mio.) dazu kommen Pers. 65+, die noch erwerbstätig sind EU-Methode: 4,4% d. Erwerbspersonen ( ) arbeitslos Langzeitarbeitslose: 1,1% Jugendarbeitslosenquote (15-24): 9.6% AMS-Arbeitslosenquote: 5.6% offene Stellen: % der 15-64jährigen Nichterwerbspersonen (1,35 Mio.) davon Stille Reserve d.h.: suchen nicht aktiv Arbeit, aber prinzipieller Arbeitswunsch und binnen 2 Wochen verfügbar Quelle: Statistik Austria - Arbeitsmarktstatistik Schnellbericht 3. Quartal 2010 (nicht saisonbereinigt) Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

23 Arbeitslosenrate Arbeitslosenraten Sept (Qu: Eurostat, saisonbereinigt) Friedrich Sindermann (JKU) BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit / 23

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